Griechenland: Nachklappe Primärüberschuss

von am 14. April 2014 in Allgemein

Kaum ist die Bundeskanzlerin aus Griechenland abgereist und die Lobeshymnen des guten Weges und des griechischen Primärüberschusses im Staatshaushalt verklungen, kehrt ein Montag ein und damit das harte Leben in der Realität. Das griechische Statistikamt ELSTAT berichtete heute, in seiner Verpflichtung im Rahmen des europäischen Haushaltsüberwachungsverfahrens, die Daten zum Defizit und zur Verschuldung des Staates an die Europäische Kommission und damit an Eurostat. Und hallo, welche Überraschung, in diesem Dokument ist plötzlich von einem Primärüberschuss nichts mehr zu sehen. Sondern nur von einem Primärdefizit in Höhe von -15,887 Mrd. Euro und mit den geleisteten Zinsen ein Defizit in Höhe von -23,109 Mrd. Euro! Und jetzt festhalten, das Defizit betrug 2013 -12,7% des nominalen BIPs, das höchste Defizit im Verhältnis zum BIP seit 2009. Ja, ja Fortschritte, aber zum Glück bekommt das Frau Merkel nicht mehr mit, denn die ist ja abgereist, im festen und unerschütterlichen Glauben an die Fortschritte :)

Was meinte die Bundeskanzlerin am Freitag so schön auf der Pressekonferenz in Athen: “Die Diskussion um das weitere Vorgehen in Bezug auf Griechenland wird natürlich nicht allein aufgrund des Zeitablaufs oder Ähnlichem für erledigt betrachtet werden können, sondern wir werden, wie ich schon gesagt habe, am 23. April die Eurostat-Zahlen bekommen. Dann wird man wissen, wie der Primärüberschuss auch aus europäischer Sicht aussieht. Dann werden am 5. Mai die Finanzminister zusammenkommen, und sie werden schauen: Was hat Griechenland erfüllt ich glaube, das sieht sehr gut aus, und wie geht es weiter?”
Quelle: Bundeskanzlerin.de/Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Merkel und dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras am 11. April 2014

Zu den Daten, Querschuesse hat schon seit Monaten darauf hingewiesen, dass im ausgewiesenen Primärüberschuss der Zentralregierung in Athen nicht die Rekapitalisierungen der Banken enthalten waren, weiterhin nicht die offenen Rechnungen des Staates und auch nicht die zurückgehaltenen Steuerrückerstattungen. Zumindest bei den Summen für die Rekapitalisierungen der Banken zieht sich nur die griechische Regierung und die Troika darauf zurück, die Rekapitalisierung der Banken im Primärsaldo nicht zu berücksichtigen.

ELSTAT und damit dann auch Eurostat weisen dagegen den Primärsaldo in dieser Hinsicht aus, mit enthaltenen -19,272 Mrd. Euro für die Bankenrettungen, die das griechische Defizit 2013 erhöhten.

1a19,272 Mrd. Euro machten 2013 die Bankenrekapitalisierungen durch den Staat aus, erhöhten das Defizit und den Bruttostaatsschuldenstand.

1aDas offizielle Primärdefizit mit -15,887 Mrd. Euro 2013.

1a

1a1a1aDas Defizit des General Governments (mit Zinszahlungen und Bankenrettung) in Höhe von -23,109 Mrd. Euro 2013, was -12,7% des nominalen BIPs entsprach und der Bruttoschuldenstand von 318,703 Mrd. Euro, was 175,1% des nominalen BIPs entsprach!

Was für ein Kasperletheater um den angeblichen Primärüberschuss und den damit verbundenen vermeintlichen Fortschritten.

1aDie Entwicklung des Finanzierungssaldo des griechischen Gesamtstaates in Prozent zum nominalen BIP seit 1995 bis 2013 im Chart. 2013 dokumentieren sich ein Defizit von -12,7% des nominalen BIPs, dass höchste Defizit seit 2009 und das zweithöchste Defizit seit 1995!

1aDie Entwicklung der griechischen Bruttostaatsschulden in Prozent des nominalen BIPs seit 1953 bis 2013 im Chart. 2013 betrugen die Bruttostaatsschulden 175,1% des nominalen BIPs, nach 157,2% im Vorjahr. Im Jahr 2013 standen 318,703 Mrd. Euro Bruttostaatsschulden nur 182,054 Mrd. Euro an nominalen BIP entgegen.

Wo für wollte sich eigentlich Mark Schieritz, von der Zeit (Herdentrieb), bei der Bundeskanzlerin entschuldigen?  *=)) vor Lachen auf dem Boden rollend
Zeit.de/merkel-sparpolitik-entschuldigung

Übrigens, bis dato, 17:00 Uhr, sucht man in den Medien vergeblich einen Artikel zu den aktuellen Defizitdaten, dabei ist die Pressemitteilung von heute Vormittag. Aber was nicht passt wird ausgeblendet bzw. was nicht den Weg über die Nachrichtenagenturen findet, wird schlicht nicht kopiert, so einfach funktioniert die marktkonforme Mediendemokratie!

Quelle: Statistics.gr/PDF Press Release: Fiscal data for the years 2010‐2013

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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27 KommentareKommentieren

  • Lottchen - 14. April 2014

    Man sucht nicht nur in den Medien vergeblich nach den aktuellen Defizitzahlen. Man sucht nach wie vor in der Eurostat-Datenbank vergeblich überhaupt nach Zahlen zum Primärüberschuss. Die fehlen neuerdings einfach in der Datenbank.

    • Querschuss - 14. April 2014

      Hallo Lottchen,
      finde auch nichts bei Eurostat, allerdings habe ich dort auch noch nie nach dem Primärüberschuss gesucht, …aber schon bezeichnet, ständig wird der Primärüberschuss bemüht, aber Datenreihen sind keine auffindbar :)

      Gruß Steffen

      • Lottchen - 14. April 2014

        Ich hab es vor ein paar Tagen schonmal geschrieben, ich habe noch eine Datei vom Dezember auf der Festplatte, in der die Primärbilanzsalden ausgewiesen waren. code des Datenmoduls: [gov_dd_edpt1]. In demselben Modul ist jetzt die Primärbilanz nicht mehr ausgewiesen.

        Anmerkung bei Eurostat für das Modul: Last table structure change: 31.03.2014

        Aus meiner Tabelle vom Dezember ist auch auffällig, dass die Werte für GR bei Eurostat stark von den IWF-Werten abweichen. Eurostat zum Ende 2012: -4.0 Prozent, IWF: -1.2 Prozent.

        Ich finde das schon ausgesprochen merkwürdig. Normalerweise gibts sowas nicht, dass man einfach die Daten aus der Datenbank rausnimmt. Der ganze Begriff Primärbilanz ist derzeit weder auf deutsch noch auf englisch auf der Eurostat-Seite zu finden. So als gäbe es diese statistische Größe nicht. Pünktlich zur Europawahl und zeitgleich zur Debatte um die Primärbilanzsalden. Dass es Leute gibt, die mit diesen Daten arbeiten müssen, interessiert die anscheinend nicht.

        Bei der EZB findet man sie:

        http://sdw.ecb.europa.eu/quickview.do?SERIES_KEY=121.GST.Q.GR.N.D1300.PDF.D0000.CU.E

        • Querschuss - 14. April 2014

          Hallo Lottchen,
          Danke für den Link zur Datenreihe, dieser Primärsaldo scheint ja inkl. Bankenrettungen zu sein, die Daten gehen zumindest fast konform mit den Jahresdaten 2010 bis 2013 aus der heutigen PDF von Elstat.

          Gruß Steffen

  • Lottchen - 14. April 2014

    LOL, es geschehen noch Zeichen und Wunder. SPON hat tatsächlich noch einen Journalisten, der was kapiert.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/euro-wechselkurs-draghi-kaempft-gegen-staerke-der-waehrung-a-964397.html

    “Die Lage in Europa scheint so ernst zu sein, dass sie sich nur noch mit extremen Mitteln lösen lässt.”

    • Querschuss - 14. April 2014

      Hallo Lottchen,
      an den Kern, wie überhaupt eine Währungsunion langfristig stabil funktionieren soll, wo Deutschland einen Wechselkurs vom Euro zum Dollar von 1,52 Euro vertragen würde, aber Italien von nur 1,18 und Griechenland sogar nur mit 1,02 wird nicht vorgedrungen. Aber immerhin.

      Aber man stelle sich mal vor, wir hätten einen Wechselkurs von 1,18, was für eine Export/Überschusswut würde in Deutschland abgehen. Ebenso sollte man sich vorstellen, was bei 1,52 in der Südperipherie los wäre.

      Diese Konstruktion des Euro, unterschiedlichste wirtschaftliche Leistungsfähigkeiten in eine Währungskorsett zu pressen, wird immer ein Hort von Ungleichgewichten innerhalb der Zone und mit der Welt bleiben.

      Gruß Steffen

      • popper - 23. April 2014

        Hallo Steffen,
        Nun sagt der Flassbeck doch immer, die unterschiedliche Leistungsfähigkeit sei gar kein Problem, wenn sich alle nach ihre Produktivität richten und die Löhne danach plus Inflationszielrate steigen lassen. Was meinst du dazu.

        Gruß popper

  • Nicolas - 14. April 2014

    So kann man die ELSTAT Daten auch interpretieren. Nehmt euch ein Beispiel bei den Schluchtensch…ssern so geht beinharter öffentlich-rechtlicher Journalismus ohne Scheuklappe!

    http://orf.at/stories/2226196/

    “Aus Deutschland kamen laut Elstat 2,3 Millionen bzw. 12,7 Prozent der Besucher – mehr als aus jedem anderen Land”

    Einen Teil der Schulden hat sich also D schon zurückgeholt ;-)

  • Kaeufer - 14. April 2014

    Die Verschuldung geht also munter weiter. Warum stört das niemanden, auch nicht die Märkte?

    Dazu eine kleine Rechnung:

    Wie belastend ist eine “maastrichtkonforme” Verschuldung von 60% bei einem üblichen Zins von 4%?

    Genau so belastend wie eine Verschuldung von 240% bei einem üblichen Zins von 1%.

    Hier hat sogar Griechenland sogar noch recht viel Luft nach oben.

    Um den Banken und Hedgefonds zwischendurch sogar noch mal einen Happen hin zu werfen, gibt es zwischendurch auch mal drei Millarden zu 4,75%. Welche Bedeutung die bei dem von Steffen genannten Staatsschuldenstand von 319 Millarden haben, kann ja jeder sehen.

    Die Idee ist, die Staatsschuldenkrise durch ein Zinsregime aufzufangen. ESM-Anleihen rentieren gerade wohl so mit 1,29%. Die neue Bankenaufsicht soll dann dafür sorgen, dass das “billige Geld” nur in die Staatshaushalte fließt und nicht zuviel Bankenrettungsbedarf entsteht.

    Der Plan erscheint recht intelligent, ich frage die Schwarzseher hier nochmals: Wo genau liegt die Schwachstelle, die zum Untergang führen wird?

  • dank - 14. April 2014

    Nachschlag zu Belgien und den US Bonds:

    http://www.wallstreet-online.de/nachricht/6654455-finanzmarktwelt-de-belgien-us-staatsanleihen-laeuft-da

    Euroclear “kanns” nicht gewesen sein. Bin auf nächstes Monat gespannt.

  • Querschuss - 14. April 2014

    zum Thema Medien:

    ein Oberstleutnant der russischen Armee outet sich vor laufender Kamera, wie blöd soll der sein, bzw. das Publikum, dem diese Geschichte auch mittels Tagesschau vermittelt wird (siehe 1:15 min.):
    http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts47760.html

    beim ZDF heute, dieselbe Geschichte (00:28 min.):
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2134510/Turtschinow-h%C3%A4lt-Referendum-f%C3%BCr-m%C3%B6glich

    Die Redakteurin des Tagesschau-Beitrages kennt wahrscheinlich die andere Version des Geschichte, dies würde erklären, warum sie im Beitrag sagt, “….das sich ein Offizier so filmen lässt ist eher ungewöhnlich” …Ach was!

    so erklärt es sich der Vorgang plausibler, dies wird aber dem Zwangsgebühren zahlenden Michel vorenthalten:
    http://de.ria.ru/politics/20140414/268274460.html

    Hier das potentielle Schauspiel im Original:
    http://www.youtube.com/watch?v=u_NER6vcP4w
    Verdächtig, die Kamera hält ausschließlich auf den Protagonisten.

    Nicht zum ersten Mal stellt sich hier die berechtigte Frage, ob die öffentlich rechtlichen einer objektiven, unvoreingenommenen Berichterstattung noch nachkommen, zumindest hätte erwähnt werden müssen, dass die Möglichkeit besteht, dass die Nummer mit dem russischen Oberstleutnant ein Fake ist.

    Seriöser Weise, wenn man in Erwägung ziehen muss, dass es sich um einen Fake handeln könnte, verzichtet man gänzlich auf diese Sequenz, außer man setzt sie bewusst zu Propagandazwecken gegen Russland ein?!

    Gruß Steffen

    • Traumschau - 15. April 2014

      Hallo Steffen, dazu ein Beitrag von “Hinter der Fichte”, dessen Inhalt ich vollständig teile:

      http://hinter-der-fichte.blogspot.de/2014/04/ardukraine-lugen-fur-die.html

      Es riecht nach Krieg! Die Kriegshetze und Lügen-Propaganda der westlichen Medien und Politiker sind für mich ein Zeichen dafür, dass eine Eskalation herbei geführt werden soll. Ich hoffe es gelingt der russischen Führung wie im Fall Syrien, mit Verhandlungsgeschick einen Krieg zu vermeiden. Aber auch wir sollten mit unserer Präsenz dazu beitragen – nicht nur online!
      Gestern sind in zahlreichen Städten Montags-Mahnwachen gestartet. Ich war gestern in Essen und es waren auch 18-jährige dabei, die ganz unvorbereitet und spontan ihren Unmut über die Kriegstreiberei und Lügen kundgetan haben. Das war sehr bewegend und lässt mich hoffen. Nazis, etc. waren nach meiner Erkenntnis dort nicht bzw. haben dort auch nicht gesprochen. Die Atmosphäre war sehr emphatisch – ich hoffe das bleibt auch für die Zukunft so.
      Es werden noch Leute gesucht, die Redebeiträge beisteuern können. Also jeder kann spontan dort aufschlagen und reden. Deshalb mein Aufruf an Euch alle: Beteiligt Euch, wenn Ihr es einrichten könnt.
      Herzliche Grüße
      Traumschau

      • Frank Bell - 16. April 2014

        @ Traumschau

        Die Nazis wird dir der deutsche Staatsschutz in Kürze liefern, falls diese Demos stärker werden.

        Diese Nazis sind aus Steuergeldern bezahlte und von dem deutschen Staatsschutz im Auftrag der Politiker angeheuerte Provokateure.

        Solche Provokateuer gab es auch in der “DDR”. Es waren Agenten des MfS. Allerdings hatte man da noch ein Gespür für…

    • Lottchen - 15. April 2014

      Zum Thema Medien:
      http://www.geolitico.de/2014/04/13/medien-als-lakaien-der-macht/

      • Traumschau - 15. April 2014

        Hallo Lottchen,
        vielen Dank für den Link!
        LG Traumschau

  • Rolmag - 15. April 2014

    “Der Plan erscheint recht intelligent, ich frage die Schwarzseher hier nochmals: Wo genau liegt die Schwachstelle, die zum Untergang führen wird?”

    Die Politik hat festgestellt, dass der Bürger noch reichlich Geld enthält
    welches in dessen unwert Händen doch nur sinnentleert verfällt
    Also gehört das Bürgergeld ganz der Politik und deren Lobbywelt

    Wenn das nicht für den Untergang reicht, via Nordkorea und staatlicher Gleichmacherei bei den Einkommen, was dann?
    Ist Ihnen die geistige Verelendung Deutschlands in den letzten 20 Jahren etwa entgangen? Das ist auch eine Folge staatlicher Ausbeuterei, wenn nicht eine Primärfolge davon! Überall wo die Menschen übermäßig staatlich ausgebeutet werden wie in Deutschland verblöden diese nach und nach und können den gesellschaftlichen Stand auf Dauer nicht halten und das bei all unseren Abhängigkeiten oder können Sie ihr Mittagsmahl aus dem Wald holen, ohne Strom leben?

  • Lottchen - 15. April 2014

    Ich bin wirklich gespannt, wie sie das am 23. kommunizieren wollen. Noch vertraue ich darauf, dass Eurostat sich nicht dazu hergibt, die Zahlen zu beschönigen. Wie Regierung und Medien das dann unter den Teppich kehren wollen, wird interessant werden.

    Aber vielleicht kann man die Behörde ja auch überzeugen, dass Zahlen vor der Veröffentlichung noch einen Monat länger “geprüft” werden müssen ;)

  • Gralssucher - 15. April 2014

    Eine Verständnisfrage: Kann es sein, dass es verschiedene Berechnungsmethoden für den Primärhaushalt Griechenlands gibt?

    Siehe z.B. SPON: „Ein Kommissionssprecher erklärt sich den Unterschied der “FAZ” zufolge damit, dass der Primärsaldo in internationalen Hilfsprogrammen immer – nicht nur im griechischen Fall – anders definiert werde als in der regulären Eurostat-Terminologie. Demnach werden aus dem “Brutto-Defizit” nicht nur die Zinszahlungen herausgerechnet, sondern auch die Einmaleffekte, die sich als unmittelbare Folgen des Programms negativ auf den Haushalt niederschlagen.“

    Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-und-lucke-eu-weist-angebliche-tricksereien-zurueck-a-963213.html

    Siehe auch hier: „Main differences between programme and EDP definition are the exclusion from the program definition of ANFA and SMP profit transfers, most sales of non-financial assets, and costs related to bank resolutions and recapitalisations.“

    Quelle: Seite 5 von „The Second Economic Adjustment Programme for Greece – update on progress and challenges“

    http://ec.europa.eu/economy_finance/publications/occasional_paper/2013/pdf/presentation_el_convergence_report_17_may_2013_en.pdf

    Wenn das so ist, hätte sich Herr Bernd Lucke tatsächlich mit seiner Anfrage beim Bundesfinanzministerium, ob sich die Troika Griechenlands Zahlen schön rechnet, blamiert? Die Troika würde dann doch den offiziellen Vorgaben der EU folgen?

    • Lottchen - 16. April 2014

      Es gibt verschiedene Berechnungsmethoden, und Sie dürfen davon ausgehen, Bernd Lucke weiß das garantiert.

      Es geht hier darum, die Volksverdummungskampagne von Regierung und Leitmedien zu demaskieren.Der angebliche Primärüberschuss Griechenlands wird seit Monaten als Erfolgsbeweis sondersgleichen propagiert. Es wird suggeriert, dass eine mit solventen Staaten vergleichbare Finanzsituation vorliegt. Während tatsächlich ein Defizit von fast 16 Mrd. vorliegt. Es wurde nirgendwo in irgendeinem Leitmedium darauf hingewiesen, was bei der Errechnung dieses “Primärüberschusses” alles vernachlässigt worden ist.

      Das hätte niemals auch nur annähernd eine vergleichbare Resonanz gefunden, wenn BL mal nebenbei eine Pressemitteilung veröffentlicht hätte, dass es da aber verschiedene Berechnungsmethoden gibt.

      Darum geht es: Die vorsätzliche Täuschung von Wählern durch Leitmedien und Regierung an eine möglichst große Glocke zu hängen.

      Wenn ein paar Korinthenkacker, selbsternannte Super-Experten und vor allem beleidigte Euroretter auf Herdentrieb und sonstwo nun glauben festgestellt zu haben, Lucke habe sich “blamiert”, bin ich sicher, dass das von BL gern in Kauf genommen wird.

  • Richard - 16. April 2014

    Komisch, ich komme nach Analyse der Daten der griechischen Statistikbehörde auf folgendes Ergebnis:
    ………………………………………………..2012……….. 2013
    Defizit General Govermant…… -17.205…… -23.109
    davon Bankenrettung…………… – 5.567….. – 19.272
    im Defizit enthaltene Zinsen… – 9.645 ……– 7.222

    Defizit/Überschuss ohne
    Bankenrettung und Zinsen………. -2.293 …..+ 3.385

    Mein Ergebnis: Es wurde in 2013 tatsächlich ein Primärüberschuss erzielt. Die Verbesserung der Haushaltssituation von 2012 auf 2013 betrug 3,1% des GDP. Eine beachtliche Leistung.

    Die Staatsausgaben ohne Bankenrettung und Zinsen sanken von 88.264 Mio.€ in 2012 auf 80.083 Mio.€ in 2013. Dies ist ein Rückgang um 9,3%.

    • Querschuss - 16. April 2014

      Hallo Richard,
      nicht komisch, sondern richtig, aber eben ohne Bankenrettungen und Zinsen. Mit den Bankenrettungen betrug das Primärdefizit immerhin -15,887 Mrd. Euro, wie bereits in meinem Artikel dargestellt und mit den geleisteten Zinsen war es ein Defizit in Höhe von -23,109 Mrd. Euro. Dieses Defizit von -23,109 Mrd. Euro entsprach dem wirklichen Finanzierungsbedarf des Gesamtstaates 2013 und letztendlich zählt nur dieser.

      Ob EU, Troika und griechische Zentralregierung den “Einmaleffekt” Bankenrettungen herausrechnet oder nicht, ändert am Finanzierungsbedarf mit Zinszahlungen von -12,7% des nominalen BIPs 2013 nichts.

      -12,7% Defizit ist nun wirklich nichts, wo man eine Entwarnung geben könnte, zumal aus dem Einmaleffekt der Bankenrettungen durchaus noch Mehrfacheffekte werden können, wenn man sich das fulminante Volumen an faulen Krediten im griechischen Bankensystem ansieht. Soweit meine Sicht, andere können gerne eine Primärüberschuss-Party feiern, die ohne Bankenrettungen und Zinsen, sollten dies dann aber auch so klar formulieren, OHNE BANKENRETTUNGEN in Höhe von 19,272 Mrd. Euro im Jahr 2013. Der “Einmaleffekt” für die Banken betrug übrigens 2012 5,267 Mrd. Euro.

      Übrigens die ausstehenden Rechnungen des Staates, so wie die zurückbehaltenen Steuerrückerstattungen sind in keiner Version des Defizits enthalten, werden aber trotzdem irgendwann zahlungswirksam und belasten eben dann den Haushalt.

      “Eine beachtliche Leistung.” …Dafür wurde der Sozialstaat zerschlagen und gesellschaftliche Zerrüttung in Kauf genommen, das Gesundheitssystem runtergefahren, 3 Millionen Griechen sind mittlerweile ohne Krankenversicherung, einige haben dies bereits mit ihrem Leben bezahlt. Mit diesem sozialen und aber vor allem auch realwirtschaftlichen Niedergang sank auch die Wahrscheinlichkeit, dass die mittlerweile primär öffentlichen Gläubiger EZB, EFSF und ESM jemals ihre Kredite getilgt bekommen. Dies wird nur kaschiert mit niedrigen Zinszahlungen, die an die EZB, EFSF und ESM zu leisten sind. All dies ändert nichts daran, dass in Griechenland nicht investiert wird und von einer wettbewerbs- und leistungsfähigen Wirtschaft nichts zu sehen ist. Aber nur dies würde langfristig Perspektiven ermöglichen.

      Gruß Steffen

      • Lottchen - 16. April 2014

        Das ist so ähnlich als wenn ich sage, Ausgaben für eine neue Waschmaschine, weil die alte unvorhersehbar kaputt gegangen ist, oder für eine unvorhergesehene teure Autoreparatur rechne ich nicht in mein Haushaltsbudget ein, weil das “Einmaleffekte” sind. Es wird künstlich eine Finanzsituation herbeigerechnet, die so einfach real nicht existiert.
        Diese ganzen Turnübungen der IWF- und sonstigen Finanzexperten erinnern mich an die Debatte um die Target-Salden, wo allen Ernstes behauptet wurde, drei Viertel der Aktivseite der Bundesbankbilanz seien “irrelevante statistische Verrechnungsposten”. Es ist, als hätten sie vor lauter Expertentum die simpelsten Grundregeln der Buchhaltung und Bilanzierung vergessen, die jeder Kaufmannsazubi im ersten Lehrjahr lernt.

  • Richard - 16. April 2014

    Hallo Steffen,

    gut, dass wir uns über Zahlen nicht streiten. Den Sachverhalt beurteile ich schon anders. Ein Primärüberschuss bedeutet, dass das frühere Kernproblem, nämlich zu hohe konsumtive Staatsausgaben, gelöst ist. Wenn die EU die Zinsen senkt, dann kommt Griechenland ohne neue Kredite aus.

    Das in Griechenland nicht alles in Butter ist, ist natürlich klar. Ob die faulen Kredite im Bankensystem ausfallen, hängt nicht zuletzt von der Wirtschaftsentwicklung ab. Je höher das Wachstum wird, desto weniger faule Kredite gibt es. Hier kann es ja auch mal positive verstärkende Effekte geben.

    • Querschuss - 16. April 2014

      Hallo Richard,
      “Ein Primärüberschuss bedeutet, dass das frühere Kernproblem, nämlich zu hohe konsumtive Staatsausgaben, gelöst ist.” …Kann man so sehen, wobei für mich das frühere Kernproblem eine unzulässige Reduzierung des Problems ist.

      “Wenn die EU die Zinsen senkt, dann kommt Griechenland ohne neue Kredite aus.” Falsch, auch Einmaleffekte und niedrigere Zinsen müssen irgendwie finanziert werden, 2013 waren es -23,109 Mrd. Euro bzw. -12,7% des nominalen BIPs, die finanziert werden mussten. Ich finde dies immer noch heftig!

      Wenn natürlich die Wirtschaft anspringen würde, neue Jobs und Einkommen entstehen, dann relativiert sich sicher das Volumen an faulen Krediten stetig. Bisher sehe ich dies aber nicht. Wenn ein nominales BIP um -25% einbricht, darf es auch mal um +0,6% steigen. Dies heißt noch lange nicht, wenn es dann 2014 so steigen sollte(?), dass die Kuh auch nur ansatzweise vom Eis ist.

      Gruß Steffen