Griechenland: Update zur wirtschaftlichen Lage

von am 26. Januar 2015 in Allgemein

Im Zuge des Wahlsieges der Syriza-Partei in Griechenland und einer Regierungskoalition aus Syriza und Anel ein Blick auf den wirtschaftlichen Status Quo, der einerseits aufzeigt, wo und ob es jetzt zu zusätzlichen Verwerfungen kommen kann und als Ausgangsbasis zur späteren Beurteilung der künftigen Entwicklung.

Zunächst könnte eine Kapitalflucht und ein Bargeld-Run drohen, beide Szenarien dürften aber beherrschbar sein, wie folgende Daten zu den MFIs und zur griechischen Zentralbank nahelegen.

Eine theoretische Pufferfinanzierung, des Abflusses von Bankeinlagen könnten die ELAs (Emergency Liquidity Assistance), spezielle Notfallfazilitäten der griechischen Zentralbank liefern, dass aktuelle Niveau der in Anspruch genommenen ELAs ist äußerst moderat, also Luft nach oben reichlich vorhanden:

A1462Die Entwicklung der Position 6.0, im Bilanzausweis der griechischen nationalen Zentralbank, Other Assets (ELAs) von Januar 2002 bis Dezember 2014 im Chart. Im Dezember 2014 lag die ELA-Position bei nur 1,095 Mrd. Euro. Da gab es schon einen ganz anderen Bedarf an akuter Hilfe für griechische Banken. Faktisch steht einer Ausweitung der ELAs von diesem niedrigen Niveau nichts im Wege. Die Versorgung mit Zentralbankgeld (auch Bargeld) der Banken dürfte sicher sein.

A1463Die Entwicklung der Position 5.0 im Bilanzausweis, dies sind Forderungen gegenüber Banken aus geldpolitischen Operationen, primär Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Haupttender) und längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (Basistender), die Reste der ausstehenden LTROs und die neuen TLTROs. Im Dezember 2014 lag das ausstehende Volumen bei 56,039 Mrd. Euro.

Auch hier steht einer Ausweitung der Zentralbankgeldkredite im Prinzip nichts entgegen, solange es die zu hinterlegende Sicherheiten der griechischen Banken hergeben, ansonsten kann der Bedarf über die ELAs gestillt werden.

A1464Die Entwicklung der Bilanzsumme der griechischen NZB (Bank of Greece), als Bestandteil des Eurosystems von Januar 1997 bis Dezember 2014 im Chart. Im Dezember 2014 lag die Bilanzsumme bei 103,156 Mrd. Euro. 

A1465Die Entwicklung der Bankeinlagen des Privatsektors von Januar 1998 bis November 2014 im Chart. Zuletzt im November 2014 betrugen die Bankeinlagen 164,296 Mrd. Euro. Im Dezember und Januar sollen die Einlagen um 8 Mrd. Euro gesunken sein, nichts, was man nicht beherrschen könnte, siehe Ausweitung der Kredite an Banken aus 5.0 oder im Notfall aus 6.0 (ELAs).

A1466Die Entwicklung des ausstehenden Volumens der Kredite von Banken an den Privatsektor in Prozent zum Vorjahresmonat, von Januar 1981 bis November 2014 im Chart. Im November 2014 schrumpfte das ausstehende Volumen um -3,0% zum Vorjahresmonat, auf 212,418 Mrd. Euro. Seit 42 Monate in Folge schrumpft das ausstehende Kreditvolumen des Privatsektors zum Vorjahresmonat.

Ohne Kreditwachstum ist letztlich auch Wirtschaftswachstum kaum möglich, außer das Ausland hilft mittels aggregiertem Kreditwachstum (Defiziten gegenüber Griechenland).

Von 1981 bis 2007 betrug das durchschnittliche Kreditwachstum des Privatsektors +17,6%. Das Problem war nur, dass dieses Kreditwachstum zu wenig realwirtschaftlich daheim wirksam wurde, Konsum und Importe statt Investitionen in die eigene Leistungsfähigkeit. Grundsätzlich dokumentiert sich auch in Griechenland das Problem, eine sinkende Kreditvergabe impliziert tendenziell auch einen sinkenden Zentralbankgeldkreditbdarf der Banken. Konventionelle Geldpolitik ist zunehmend machtlos.

Immer noch wird nicht investiert, so unterentwickelt die Industrie und Wirtschaft in Griechenland auch sein mag, nichtfinanzielle Unternehmen der Realwirtschaft sparen, sie erzielen sogar stetige Finanzierungsüberschüsse:

A1467Die Entwicklung des Finanzierungssaldo der nichtfinanziellen Unternehmen von Q4 2000 bis Q3 2014 über vier Quartale rollend (jeweils die letzten vier Quartale aufaddiert), in Mrd. Euro.

Zuletzt in Q3 2014 wurde ein Finanzierungsüberschuss von +6,264 Mrd. Euro generiert, in den letzten vier Quartalen von +17,703 Mrd. Euro. Wie können bei der aktuellen miesen realwirtschaftlichen Lage Unternehmen Finanzierungsüberschüsse erzielen?:

A1468Die Entwicklung der Ausgaben nichtfinanzieller Unternehmen der Realwirtschaft für Bruttoanlageinvestitionen (blau) und für Arbeitnehmerentgelte (rot) von Q4 2000 bis Q3 2014 über vier Quartale rollend im Chart. Nominale Betrachtung!

Lohnsenkungen und rabiate Investitionsschrumpfungen bilden den Kern eines Finanzierungsüberschusses der griechischen Unternehmen. Nur ohne Investitionen ist der Weg in künftige Leistungsfähigkeit versperrt!

Welche volkswirtschaftliche Sektoren sparen, welche finanzieren:

A1469Die Entwicklung der Finanzierungssalden der volkswirtschaftlichen Sektoren in Mrd. Euro, über vier Quartale rollend, von Q4 2000 bis Q3 2014 im Chart. Der Staat (rot) ist am äußeren Rand fast dem Defizit entronnen, die Unternehmen (grün) generieren stetig Überschüsse, das Ausland (türkis) ist neutral Finanzierungssaldo = Leistungsbilanz), nur private Haushalte darben und sind nicht in der Lage ihre Finanzierungsdefizite zu beheben. Banken (lila) sind wieder nahezu neutral, nachdem in den vergangenen Quartale ordentliche Überschüsse via Bankenrettungen generiert wurden. Der Finanzierungssaldo ist vereinfacht Einnahmen minus Ausgaben (inklusive den Investitionen bei den Ausgaben).

Das bisherige Grundproblem war und sind, die ausbleibenden, schrumpfenden Investitionen, wie auch der Blick auf die Verwendungsrechnung des BIPs verrät:

A1470Die Entwicklung der saisonbereinigten nominalen Bruttoanlageinvestitionen auf Quartalsbasis von Q1 1995 bis Q3 2014 in Mrd. Euro im Chart. Zum Hoch aus Q3 2007 ging es um -70,3% abwärts, auf nur noch 5,013 Mrd. Euro im 3.Quartal 2014!

A1471Die Entwicklung des saisonbereinigten nominalen BIPs auf Quartalsbasis von Q1 1995 bis Q3 2014 in Mrd. Euro im Chart. In Q3 2014 stieg das nominale BIP saisonbereinigt um +1,0% zum Vorquartal. Allerdings zum saisonbereinigten Hoch aus Q3 2008 ging es immer noch um -26,4% abwärts! Unbereinigt sank das nominale BIP in Q3 2014 um -0,7% zum Vorjahresquartal. Auf Jahresbasis dürfte das nominale BIP noch um -2,3% schrumpfen, auf 178,2 Mrd. Euro, geschätzt von Querschuesse. Real dürfte es auf Jahresbasis, dass erste Mal seit 6 Jahren leicht aufwärts gehen, um +0,6% zum Vorjahr, auf 161,900 Mrd. Euro, Dank negativem Deflator.

A1472Die Entwicklung der Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte aus der Verteilungsrechnung des BIPs, preisbereinigt um den VPI, über vier Quartale rollend (jeweils die letzten vier Quartale aufaddiert) von Q4 1995 bis Q3 2014 im Chart. Zum Hoch aus Q1 2010 ging es real um -36,1% abwärts!

A1476Die Entwicklung der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte über vier Quartale gerollt (jeweils die letzten vier Quartale aufaddiert) von Q4 2000 bis Q3 2014 im Chart. Zuletzt in Q3 2014 betrug das verfügbare Einkommen 31,167 Mrd. Euro und über die letzten vier Quartale aufaddiert 117,357 Mrd. Euro. Beim aufaddierten Hoch in Q2 2009 waren es 171,241 Mrd. Euro. Ein Einbruch nominal von -31,5%!

Der Begriff verfügbares Einkommen kommt aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und beschreibt grob das Einkommen, was Haushalten zur Verfügung steht, also nach Steuern und Sozialabgaben plus den Transfereinkommen.

Ohne Investitionen gibt es keine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, da halfen auch keine Lohnkürzungen, nur die negativen Auswirkungen auf die heimische Nachfrage und die Bruttowertschöpfung (Produktionswert – Vorleistungen) kassierte man sofort:

A1473Der saisonbereinigte Output der breit gefassten griechischen Industrie (Bergbau, Energie- und Wasserversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) ohne Baugewerbe seit Januar 1970 im Chart (Basisjahr 2010=100). Der saisonbereinigte Industrieproduktionsindex sank im November 2014 um -0,3% zum Vormonat laut Eurostat, auf 86,8 Indexpunkte.

Zum saisonbereinigten Allzeithoch im August 2000 mit 126,88 Indexpunkten brach der Output der breit gefassten Industrieproduktion immer noch um -31,6% ein.

Die zu geringe Wertschöpfung wird nach wie vor nicht adressiert und nicht durch Investitionen abgemildert. Enorme Staatsschulden und Nettoauslandsschulden von 2014 werden mit einem Output der Industrie wie vor 3 Jahrzehnten beantwortet.

A1474Die Entwicklung der griechischen Rohstahlproduktion in tausend Tonnen seit Januar 1990 im Chart. Im Dezember 2014 sank der griechische Output um -20,0% zum Vorjahresmonat auf 60’000 Tonnen.

Auch im Jahr 2014 sank der Output, diesmal um -3,1% zum Vorjahr, auf 998’000 Tonnen.

A1475Die Entwicklung der griechischen Zementproduktion in tausend Tonnen seit Januar 1951 bis 2014 im Chart. 2014 werden voraussichtlich 5,199 Millionen Tonnen Zement produziert, ein Niveau wie Anfang der 70er Jahre. Zum Hoch im Jahr 2006 wurden 15,882 Millionen Tonnen Zement produziert.

A1479Die Entwicklung der arbeitstäglich bereinigten Stromerzeugung in Griechenland, als Index 2010=100, seit Januar 1995 im Chart. Im November 2014 ging es um -10,8% zum Vorjahresmonat abwärts, auf 77,42 Indexpunkte. Alle Spitzen im Chart sind der Monat Juli oder ein Monat August.

A1486Die Entwicklung der griechischen Baugenehmigungen Total Building Activity (private-public) seit Januar 2005 bis Oktober 2014 im Chart. Im Oktober 2014 ging es um -19,0% zum Vorjahresmonat abwärts, auf 1’269 Baugenehmigungen. Zum Allzeithoch im Dezember 2005 wurden 16’522 Baugenehmigungen erteilt.

A1481Die Entwicklung der realen Einzelhandelsumsätze von Januar 1963 bis Oktober 2014 im Chart. Zuletzt im Oktober 2014 stiegen die realen Einzelhandelsumsätze um +3,1% zum Vormonat, auf 75,0 Indexpunkte. Allerdings zum Hoch aus April 2008 ging es noch um -40,1% abwärts.

A1503Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen in Griechenland von Januar 1970 bis Dezember 2014 im Chart. Zuletzt im Dezember 2014 stiegen die PKW-Neuzulassungen sogar um +50,4% zum Vorjahresmonat, nur auf was für ein Niveau, schlappe 6’387 Einheiten.

A1483Die Entwicklung der Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen in Griechenland seit Januar 1985 bis Dezember 2014 im Chart. Im Dezember 2014 stiegen die Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen um +155,2% zum Vorjahresmonat, aber auf nur 712 Transporter, LKW und Busse.

A1485Die Entwicklung der offiziellen saisonbereinigten Arbeitslosenquote seit Januar 1983 im Chart. Zuletzt im Oktober sank die offizielle, geschönte Arbeitslosenquote auf 25,8%. Die Quote bei den Jugendlichen lag bei 50,6%.

A1487Die Entwicklung des griechischen CPIs in Prozent zum Vorjahresmonat seit Januar 1975 im Chart. Im Dezember 2014 sanken die Verbraucherpreise um -2,6% zum Vorjahresmonat.

Positiv ist die Entwicklung der Leistungsbilanz, aber auch sie ist nicht Spiegelbild von mehr wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, sondern primär von Konsumeinbruch und Importverzicht:

A1488Die unbereinigte griechische monatliche Leistungsbilanz seit Januar 1997 im Chart. Im November 2014 wurde mit -996,700 Millionen Euro ein Defizit generiert, aber auf elf Monatssicht steht ein kleines Plus von 2,527 Mrd. Euro.

A1489Die Entwicklung des griechischen unbereinigten nominalen Import- (blau) und Exportvolumens (rot) bei Waren und Gütern seit Januar 1995 im Chart.

Im November 2014 stieg das nominale Exportvolumen nach dem Ursprungslandprinzip um +2,1% zum Vorjahresmonat, aber auf nur schlappe 1,8789 Mrd. Euro. In den ersten elf Monaten 2014 stieg das Exportvolumen um +4,7% zum Vorjahreszeitraum auf 21,632 Mrd. Euro. Der Chart mach aber deutlich die Handelsbilanz wurde dominiert von einem schrumpfenden Importvolumen.

Einzig wirklicher Lichtblick, war der Tourismus:

A1490Die Entwicklung des Saldo Tourismus als Unterbilanz der Dienstleistungsbilanz über 12 Monate rollend (jeweils die letzten 12 Monate aufaddiert) von Januar 2004 bis November 2014 in Mrd. Euro im Chart. In den letzten 12 Monaten bis November steuerte der Tourismus per Saldo +11,417 Mrd. Euro zur Leistungsbilanz bei!

Aber trotz der Fortschritte in Sache Leistungsbilanz bleiben auch die Nettoauslandsschulden (NIIP) erdrückend. Stand Q3 2014 betrugen die Nettoauslandsschulden immer noch -220,895 Mrd. Euro bzw. -123,9% des nominalen BIP.

Noch zu den Staatsfinanzen, Spiegelbild der bescheidenen konjunkturellen Lage bleiben weiter die Mehrwertsteuereinnahmen des Staates:

A1491Die Entwicklung der nominalen Mehrwertsteuereinnahmen des Staates seit Januar 1998 im Chart. Im November 2014 sanken die nominalen Mehrwertsteuereinnahmen um -2,0% zum Vorjahresmonat, auf 1,177 Mrd. Euro. In den ersten elf Monaten 2014 sanken die Einnahmen um nominale -1,7% zum Vorjahreszeitraum, auf nur 12,621 Mrd. Euro.

 Noch real, wobei am äußeren Rand, die Deflation die Einnahmen real stützt:

A1492Die Entwicklung der realen Mehrwertsteuereinnahmen des Staates über 12 Monate gerollt, seit Januar 1999 im Chart.

Besonders schwer wiegen die lauen Mehrwertsteuereinnahmen, da sie die massive stufenweise Anhebung der MwSt. von +5,0 Prozentpunkten, auf 23,0% beinhalten!

A1493Die Entwicklung der realen Einkommenssteuereinnahmen des Staates über 12 Monate gerollt, seit Januar 1999 im Chart.

Im November 2014 sanken die Einnahmen aus der nominalen Einkommenssteuer um -2,0% zum Vorjahresmonat auf 707 Millionen Euro. In den ersten 11 Monaten 2014 sanken die nominalen Einnahmen um -0,2% zum Vorjahresmonat, auf 7,118 Mrd. Euro. Die Dynamik nach unten ist gestoppt, aber die Einnahmen sind erbärmlich.

A1494Die Entwicklung der nominalen Einnahmen des Staates aus der Corporate Tax über 12 Monate gerollt. Am äußeren Rand zeichnen sich 2,665 Mrd. Euro über 12 Monate aufaddiert.

Trotz schwacher Steuereinnahmen sieht der Haushalt der Zentralregierung relativ gut aus, es dokumentiert sich ein Primärüberschuss von +1,929 Mrd. Euro von Januar bis Dezember 2014, nach den vorläufigen Angaben des griechischen Finanzministeriums, allerdings mit den Zinszahlungen (5,569 Mrd. Euro) zeichnet sich ein Defizit von -3,640 Mrd. Euro, mit den noch offenen Rechnungen und offenen Steuerrückerstattungen von noch -4,791 Mrd. Euro. Siehe hier: Minfin.gr/PDF griechisches Finanzministerium Dezember 2014

Die Ausgaben des Staates sinken schneller, als die Einnahmen, so kommt die Verbesserung zustande, von wegen in Griechenland wird nicht gespart:

A1495

Auch an den Staatsangestellten wurde gespart. 2014 sank die Summe der Löhne und Gehälter um -25,3%, im Vergleich zum Hoch im Jahr 2009.

Trotz aller bisherigen Bemühungen die Last der Staatsschulden bleibt erdrückend, bedingt auch durch die schwache nominale Wirtschaftsleistung, was im Übrigen für die gesamte Südperipherie der Eurozone, inkl. Frankreich gilt:

A1497Die Entwicklung der Bruttostaatsschulden in Prozent des nominalen BIPs seit 1955 bis 2013 und für Q3 2014. In Griechenland zeichnet sich ein Verhältnis von Bruttostaatsschulden zum nominalen BIP von 176,0%.

Der Bruttoschuldenstand der Zentralregierung Ende September 2014:

A1498

A1499

Gut 70% der aktuellen Verbindlichkeiten der griechischen Zentralregierung bestehen gegenüber den öffentlichen Händen der Eurozone, EFSF, ESM, SMP-Programm der EZB.

Ein künftiger Schuldenschnitt, eine weitere Streckung der Laufzeiten der Kredite, noch niedrigere Zinsen für griechische Staatsschulden werden immer zu Lasten primär der öffentlichen Gläubiger der Eurozone und damit der Steuerzahler gehen. Nichts anderes war der Plan der bisherigen Bailouts und Krisenstrategie. Die Verluste zu sozialisieren!

Immer noch heißt es: “Hilfen nur gegen Reformen”, nur wenn im Ergebnis bisheriger Maßnahmen ein nominaler BIP-Einbruch von -26% stand, Massenarbeitslosigkeit, soziale und gesellschaftliche Erosion ist dies mehr als zynisch. Griechenland realwirtschaftlich unter dem Korsett des Euro und der öffentlichen Gläubiger der Eurozone voranzubringen ist eine Mega-Aufgabe, wahrscheinlich eine unlösbare. Eine unterentwickelte Volkswirtschaft kann man nicht in die Wettbewerbsfähigkeit sparen, wenn schafft man dies nur mit Investitionen in Ausrüstungen, Produktionsanlagen, Produktivitätssteigerungen usw. Nur nach wie vor sieht es bei den Investitionen sehr traurig aus und ohne wird es nicht funktionieren. Die Nettoinvestitionen (Investitionen minus Abschreibungen) der griechischen Volkswirtschaft waren auch 2014 negativ und der Kapitalstock sinkt.

A1500Die Entwicklung der Nettoanlageinvestitionen der griechischen Volkswirtschaft seit 1960 bis 2014 im Chart, laut der Datenbank der Europäischen Kommission AMECO. Wie soll so, etwas vorangehen?

Eine wesentlich bessere Chance dieses Dilemma aufzulösen böte Griechenland ein Staatsbankrott, ein Austritt aus dem Euroraum, eine rabiate Abwertung nach außen und vor allem eine eigene Geldpolitik. Nur dieser Mut zur Realität fehlt wohl auch Syriza?

Quellen: Bankofgreece.gr/Portal, Statistics.gr/ELSTAT-Portal

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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28 KommentareKommentieren

  • SLE - 26. Januar 2015

    Hallo Steffen,

    Danke für den beeindruckenden Überblick. Wer will da noch grübeln, warum die Griechen gestern Frau Merkel abgewählt haben …. ;-)

    Grüße
    SLE

    • Querschuss - 26. Januar 2015

      Danke zurück für deine Artikel! Es kommen noch ein paar Charts um das Bild zu komplettieren, eine kleine Querschuesse-Leistungsschau :)

      Gruß Steffen

      • SLE - 26. Januar 2015

        Schick den Post doch mal per Rund-E-Mail an die MdBs.

        Grüße
        SLE

        • Stepe - 26. Januar 2015

          Genau

        • Thorsten Eckau - 26. Januar 2015

          ***** (wenn ich nicht glaube würde dass das niemand liest und/oder nicht zur Kenntnis nimmt, würde ich das für eine super Idee halten)

        • mitwisser - 26. Januar 2015

          Das interessiert die doch nicht. Die leben mehrheitlich in ihrem eigenen Orbit und folgen der Fraktion anstatt Vernunft und eigenem Gewissen wie sonst immer betont wird.

  • Uwe - 26. Januar 2015

    Wenn ein Primärübeschuß ohne Zinszahlungen und Tilgungen erwirtschaftet wurde,
    ist eine Außenfinanzierung des Budgets doch nicht nötig.
    Warum also keinen Zahlungsausfall mit Verbleib im Euroraum?

    • Querschuss - 26. Januar 2015

      Hallo Uwe,
      ja, wenn die Daten der Realität entsprechen muss das laufende Budget nicht per Außenfinanzierung aufgebessert werden. Griechenland soll den Zahlungsausfall erklären, vollziehen und dann im Euro bleiben?

      Kann ich mir nicht vorstellen, das Tsipras dies der Eurozone verkaufen kann und die öffentlichen Gläubiger der Eurozone auf alle Forderungen verzichten.

      Gruß Steffen

      • Uwe - 26. Januar 2015

        Er weiß, daß er genau diese Trümpfe in der Hand hat.
        Die politischen Folgen für die Eurokraten wären fatal.
        “Gaby” aus dem Gelben Forum spielte auf “Harry und Sally” an:
        “Ich möchte genau das, was die Dame am Nachbartisch hatte!”

        Wenn der Euro schon untergeht, sollen wenigstens die Ersten, davon
        Betroffenen, ihr Vergnügen haben.

        …Und “mein Herr Lucke” träumt von der Drachme….!

        • Querschuss - 26. Januar 2015

          gerade weil die anderen dann auch wollen, wird man Griechenland bestenfalls die Zinsen senken und die Laufzeiten verlängern, aber bestimmt nicht zuschauen wie Tsipras den Zahlungsausfall erklärt und dann schuldenfrei im Euro bleiben will.

          Gruß Steffen

          • Uwe - 26. Januar 2015

            Lieber Steffen: Was soll bitteschön der Barwert einer solchen Stundung sein?
            Dann bitte schön, Butter bei die Fische, reden wir Tacheles!

            • Uwe - 26. Januar 2015

              Sorry, lieber Steffen. In der Hitze habe ich die Höflichkeit, damit den verdienten Gruß
              vergessen. Und eine Anmerkung möchte ich auch noch anbringen:
              Wenn es den Traumtänzern von Währungsprofis zusätzlich noch gelingen sollte,
              eine nennenswerte Inflation zu erzeugen, wäre dann der Barwert nicht auch noch negativ?

              Viele vergessene Grüße!

              Uwe

            • Querschuss - 26. Januar 2015

              Hallo Uwe,
              das eine Stundung nichts relevantes bringt ist klar, nur Symbolik, Berlin, Brüssel und Athen wahren das Gesicht, jeder verkauft einen Erfolg, in der Sache hilft es nicht, wie so oft – Politik.

              Bereits 2014 mussten nur noch 5,569 Mrd. Euro Zinsen gezahlt werden (2011: 16,348 Mrd. Euro), auf die griechische Staatsschuld, selbst wenn man dies noch einmal halbiert hilft es nicht wirklich weiter.

              Griechenland muss aber weiter Staatsschulden refinanzieren, niemand am Markt wird Griechenland für so niedrige Zinsen wie die öffentliche Hände der Eurozone Kredit geben. Und die öffentlichen Hände werden sich wegen Gesichtsverlust nicht auf einen Schuldenschnitt einlassen. Alles andere würde mich wundern, aber ok, auch Wunder gibt es manchmal.

              PS: ob die EZB wirklich Preissteigerungen in den Warenmärkten schafft? Was sie schafft sind Preisblasen, in den Assetmärkten, siehe Dax, völlig von Sinnen, völlig unrealistisch das diesem Anstieg der Kurse die Unternehmensgewinne hinterherlaufen.

              Auch sonst sehe ich eher ein Risiko des desperaten Handelns der EZB, denn die Zinsen werden nicht signifikant nach unten getrieben, sie sind unten, nahe Null, also läuft alles nur über die Abwertung des Euro, das ist aus Sicht bereits exzessiver deutscher Überschüsse regelrecht pervers, löst eine Verstetigung des Währungskrieges aus und würgt in den USA wahrscheinlich das Wachstum ab, da alle gegen den Dollar abwerten, Schwellenländer, Eurozone und Japan. Die Euphorie an den Finanzmärkten ist absurd, mancher Euro, der dringend investiert gehört in die Realwirtschaft, wird fehlgeleitet in Assetblasen.

              Gruß Steffen

              • Uwe - 26. Januar 2015

                Hi, Steffen!

                Wundern würde mich gegenwärtig nichts mehr. Es geht nur sekundär um wirtschaftliche Vernunft.
                Sehen wir mal nach Osten, in das “Beitrittserwartungsland” Türkei, dem NATOmitglied, das sich
                gerade von eben dieser absetzt.

                Denken wir daran, daß die Waffenkäufe der Griechen zuletzt über Target 2, welch´ ein Spuk, finanziert wurden….

                Schön, wenn der Frühling kommt! Kommt uns was spanisch vor?

                Die Steine fallen. Domino Day!

                Viele Grüße!

  • RedMoe - 26. Januar 2015

    Schuldenschnitt wird’s nicht geben und ist auch total unsinnig von SYRIZA ausgerechnet das zum Nonplusultra zu erklären. Viel wichtigere Baustelle wären die Investitionen.

    Töfte allerdings der Koalitionspartner von Alex. Der scheint ja dem Vernehmen nach recht stramm rechts zu sein.

    • Querschuss - 27. Januar 2015

      Ich möchte nicht einordnen, ob Kammenos “stramm rechts” ist oder nicht, aber auf jedenfall hält er scheinbar Reden und stellt darin Forderungen auf, die erklären warum er mit Tsipras koaliert. Einige dieser Forderungen werden sicher von vielen Linken geteilt, so schließt sich der Kreis, interessant auch sein starker Fokus auf China, siehe:
      http://www.solidaritaet.com/neuesol/2014/46/kammenos.htm

      Kammenos meinte heute: “Die Griechen hätten entschieden, Souveränität, Demokratie und Erneuerung der Verfassung wiederherzustellen. Ein Griechenland, das per Email regiert wird, gibt es nicht mehr.”

      Kammenos scheint ein Lyndon LaRouche Fan zu sein bzw. könnte man interpretieren, siehe hier:
      http://www.bueso.de/node/6953?nid=6953&lid=0-1-0-0

      • Roland - 27. Januar 2015

        Bei einer solchen Rede kann man Syriza verstehen, dass sie mit Anel zusammengespannt hat.
        Tsipras übrigens hat als erste Amtshandlung nach seiner Vereidigung zum Ministerpräsidenten die Gedenkstätte Kesariani besucht. Es ist ein ehemaliger Hinrichtungsplatz der deutschen Nazi-Besatzer.
        Eine hochsymbolische Geste also und eine Kampfansage gegen die Dominanzpolitik der deutschen Oligarchie unter Frau Merkel gegenüber dem Rest Europas.

  • Franz - 26. Januar 2015

    Hallo Steffen,
    vielen Dank für die umfassende und sachliche Analyse. Auch der letzte Teil, der ja auf notwendige Investitionen deutet, ist schlüssig. Wenn wir über industrielle Investitionen diskutieren, stellt sich mir aber die Frage: Warum sollte ein Industrieunternehmen in Griechenland investieren? Griechenland steht hier im Wettbewerb mit Ländern wie z.B. Rumänien, Türkei, Vietnam und Thailand u.a.. Die Textilindustrie, üblicherweise die ersten der „Karawane“, ist seit langem weg. Es kam nichts nach. Und jetzt dürfte es zu spät sein. Der Ansatz, Austritt aus dem Euro und Abwertung, klingt interessant. Die Personalkosten könnten relativ gesehen massiv gesenkt werden. Dies hätte aber eine weitere Verarmung der Bevölkerung zur Folge, wie die Sparmaßnahmen auch. Ich weiß auch nicht, wie man dieses Problem lösen kann. Allerdings habe ich die Befürchtung, dass Griechenland das extreme Beispiel dafür ist, was uns in P, ES, I und F noch bevor steht.
    Viele Grüße

  • asetzer - 27. Januar 2015

    Sehe ich ebenso wie Franz. Die Chancen, sich gross zu industrialisieren, halte ich für gering in GR, dafür haben die Nachbarländer wie Türkei einen zu grossen Vorsprung und inzwischen kritische Masse in Textil, Weisse Ware, Automabilzulieferer etc., und die Bulgaren und Rumänen sind noch billiger, wenn man schon von Null anfangen muss , warum nicht gleich dort ? Dennoch wäre es ein interessantes Experiment, um zu sehen, welche Folgen ein Austritt hätte, und wir hätten ein Problem weniger. Erinnert sich noch jemand an die gute alte Vor-Euro-Zeit, musste sich Deutschland da etwa dauernd um die Wirtschaft und Gesellschaft von zig Euro-Ländern Sorgen machen ? Ne, höchstens die Währungsabwertungen tangierten uns da. Das zeigt doch schon, wie überdehnt und unmanagebar dieses Gebilde ist.

  • Huthmann - 27. Januar 2015

    Sehr gute Analyse!

    Kreditwachstum für Konsum/Importe war in den letzten Jahrzehnten hauptsächlicher Treiber der “wirtschaftlichen Entwicklung. Das kann nicht funktionieren, wie Sie richtig schreiben.

    Und die Unternehmen sparen anstatt in die Produktion von handelbaren Gütern zu investieren, um die Exporte zu entwickeln. Um einmal durch die Generierung von Leistungsbilanzüberschüssen Auslandsschulden abbauen zu können.

    Dito das Einkommensteueraufkommen. Noch immer werden die Reichen nicht richtig einbezogen.

    Ja, wenn die Griechen selbst nicht an eine Zukunft glauben, was soll man da noch als Externer tun/sagen….

    MFG

  • Wolfgang - 27. Januar 2015

    Muss die griechische Regierung ihre Banken durch Haftungszusagen (Basis für ELA) retten?

    Griechenland hat im Moment ca. 320 Mrd. Euro Schulden. Wieviele davon sind durch CDS abesichert?
    Welches Volumen wird losgetreten, wenn die griechische Regierung default stellt?

    Wieviele griechischen Staatsanleihen hält die EZB, wieviele wurden für Refinanzierungsgeschäfte im ESZB hinterlegt?

    Wieviele griechischen Staatsschulden unterliegen griechischem Recht, wieviele angesächsischem Recht?

    • Querschuss - 27. Januar 2015

      Hallo Wolfgang,
      für ELAs der nationalen Zentralbanken haftet der jeweilige Staat, wieviel Finanzwetten auf griechische Staatsanleihen laufen kann ich nicht sagen, auch nicht einschätzen.

      241 Mrd. Euro an griechischen Staatsanleihen halten öffentliche Hände der Eurozone, die EZB veröffentlicht nicht detailliert von wem die Staatsanleihen sind, welche via SMP geladen wurden. Ich meine, irgendwo etwas von 41 Mrd. Euro gelesen zu haben.

      Beim Eurosystem sind Assets der griechischen Banken im Wert von 72,152 Mrd. Euro als Sicherheiten hinterlegt. Siehe:
      http://www.bankofgreece.gr/BogEkdoseis/Isol2014.pdf
      unter off balance sheet items 3. Assets eligible as collateral for Eurosystem monetary policy operations and intraday credit

      Nach welchem Recht griechische Staatsanleihen aufgelegt bzw. die Verteilung, keine Ahnung.

      Gruß Steffen

  • Sound-Money - 27. Januar 2015

    Der Euro bringt Frieden und Wohlstand in Europa!

  • Holly01 - 28. Januar 2015

    Ein link den fefe gebracht hat, ein Interview mit dem neuen Finanzminister der Griechen.
    Das wurde gemacht, als er noch nicht im Amt war:

    https://www.youtube.com/watch?v=FJP1Ysx47fo

    • Basisdemokrat - 28. Januar 2015

      Hört sich doch ganz vernünftig an.
      Ich jedenfalls wünsche ihm viel Erfolg!
      Gruß BD

  • Rolmag - 28. Januar 2015

    “Das bisherige Grundproblem war und sind, die ausbleibenden, schrumpfenden Investitionen, wie auch der Blick auf die Verwendungsrechnung des BIPs verrät.”

    Nun, welcher Investor mit gesunden Sinnen investiert in ein Land, dessen Bevölkerung als Ursache für ihre Misere die Nachfolgerin von Adolf Hitler entdeckt und sich auf das hartnäckigste darauf versteift hat? Höchstens noch einer, der auf Rettungsknete spekuliert. Ich beteilige mich doch an keinem Brauereipferd, das schon nach Verwesung riecht.

    Tsipras ist das größte Desaster für die Griechen, denn einen Plan B zu Deutschgeld hat der nicht einmal im Ansatz. Berlin würde sofort zahlen, weil denen Griechenland lieber als das eigene Volk ist aber einen Aufstand riskieren die dennoch nicht und allzu weit sind wir davon nicht mehr entfernt. Ohne die vielen wahlentscheidenden Rentner in Deutschland, die überwiegend nur wollen, dass alles bleibt wie es ist und den ständigen Lügen unserer Regierung glauben, würde hier längst ein ganz anderer Wind wehen: “Aus und vorbei mit der Euroknechtschaft!”.

  • Frank - 31. Januar 2015

    Sehr umfangreiche und treffende Analyse, Thumbs up! Ich würde den Griechen ihren wohlverdienten Staatsbankrott sowie den Austritt aus dem Euro gönnen. Sieben Jahre Siechtum ist dann auch mal genug. Vielleicht kann sich das Land künftig als Steueroase für russische Oligarchen etablieren und so seinen Haushalt sanieren – mit einer Linksextremen Regierung ist das wahrscheinlich jedoch eher unwahrscheinlich. ;)