Griechenlands Arbeitslosenquote steigt auf 14,8%
Heute berichtete das griechische Statistikamt (ELSTAT) von einer offiziellen Arbeitslosenquote in Griechenland im Dezember 2010 in Höhe von 14,8%, nach 13,9% im November und nach 10,2% im Dezember 2009. Damit geht es weiter “dynamisch aufwärts”, um +41’068 Arbeitslose zum Vormonat und um +228’535 zum Vorjahresmonat stieg die Zahl der Arbeitslosen auf 733’645 Griechen ohne Job.
Im Dezember 2010 (ELSTAT veröffentlicht monatliche Daten vergleichsweise spät) stieg die Arbeitslosenquote auf 14,8%.
Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit erklimmt besorgniserregende Höhen und generiert jede Menge revolutionäres Potential. Im Dezember 2010 stieg sie auf für eine Demokratie inakzeptable 39%, nach 28,9% im Vorjahresmonat, wohlbemerkt die offizielle Jugendarbeitslosigkeitsquote!
Wie in den Querschuessen an Hand diverser griechischer Wirtschaftsdaten bereits berichtet und vorausgesagt, die Abwärtsspirale dreht sich in Griechenland gnadenlos: 340,278 Mrd. Euro griechische Staatsschulden, Griechenlands BIP mit -6,6% zum Vorjahresmonat, Entspannung? – ein Blick auf Griechenland!, Anspruch und Realität, Die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone läuft weiter auseinander, Griechenland – den Abgrund fest im Visier, Hoffnungslos, Griechenland wird in die Depression gespart, PI(I)GS sind Kredit- und Ölabhängig, “Griechenland beschleunigt die Talfahrt”
Die Austeritätsmaßnahmen von IWF und EU-Bürokraten würgen die Wirtschaft ab, Inflation und sinkende Einkommen führen zu den größten Realeinkommensverlusten die griechische Arbeitnehmer je hinnehmen mussten (nach den letzten verfügbaren Daten aus Q3 2010 um -11,02% zum Vorjahresquartal)!
Auch sonst sind die bisherigen Maßnahmen totale Rohrkrepierer:
Die Entwicklung der Renditen 10-jähriger griechischer Staatsanleihen. Wenige Monate später, nach 110 Mrd. Euro Griechenlandhilfe und dem 750 Mrd. Euro-Rettungspaket ist die Lage gemessen an den Renditen für 10-jährige Staatsanleihen kritischer als je zuvor! Heute stieg die Rendite der 10-jährigen auf 12,9%, ein Allzeithoch. Die 2-jährige stieg auf 16,72% und die 5 -jährige stieg auf 14,77%. Die Höhe der Renditen zeigt einen kommenden Zahlungsausfall an! Quelle Chart: bloomberg.com
Die Entwicklung des Gesamtschuldenstandes der öffentlichen Haushalte Griechenlands seit Q1 2000 bis Q4 2010 in Mrd. Euro. Der gesamtstaatliche Schuldenstand Griechenlands zum 31.12.2010 stieg auf 340,278 Mrd. Euro. Dies war ein Anstieg von +14% bzw. von +41,75 Mrd. Euro zum Vorjahr. Damit erreichte 2010 der Schuldenstand gewaltige 148,35% des nominalen BIPs in Höhe von 229,396 Mrd. Euro. Das reale griechische BIP schmierte in Q4 2010 mit einer Rekordgeschwindigkeit von -6,6% zum Vorjahresquartal ab.
Die Ratingagentur Moody’s hatte vor 2 Tagen die Kreditwürdigkeit Griechenlands um drei Stufen von Ba1 auf B1 unter einem Ramschstatus abgesenkt. Eine objektiv korrekte und längst überfällige Einschätzung.
Die Bruttowertschöpfung der Industrie lag bei nur 10% des BIPs und das Exportvolumen von Waren und Gütern Griechenlands bei erbärmlichen 15,75 Mrd. Euro im Jahr 2010, was schlappen 6,85% des BIPs entsprach. Angesichts von 340,278 Mrd. Euro Staatsschulden, sind diese, gemessen an der geringen Wirtschaftkraft Griechenlands , als uneinbringbare Schulden einzustufen.
Die monatliche Entwicklung des saisonbereinigten Export- und Importvolumens bei Waren und Gütern in Mrd. Euro. Trotz brachialen Einbruch der Importe betrug das Handelsbilanzdefizit bei Waren und Gütern 2010 immer noch -22,46 Mrd. Euro.
Das griechische Leistungsbilanzdefizit betrug 2010 noch -24,1 Mrd. Euro, zusammen mit dem gesamtstaatlichen Defizit von -41,75 Mrd. Euro mussten trotz flächendeckenden Austeritätsmaßnahmen immer noch -65,85 Mrd. Euro bzw. unglaubliche 28,7% des nominalen BIPs (229,396 Mrd. Euro) finanziert werden! Griechenland ist nach allen herkömmlichen Kriterien der Ökonomie und der Mathematik unabwendbar pleite.
Viel wertvolle Zeit ist verstrichen, es wurden zwar europäische und vor allem deutsche Banken – mit Rettungspaketen für Griechenland getarnt – freigehauen, die strukturellen Probleme der griechischen Wirtschaft aber nicht ansatzweise gelöst. Bei der sich angestauten Dimension und Kumulation der Probleme in Griechenland dürfte es kaum noch Möglichkeiten geben einem Desaster zu entkommen. Millionen Bürger in der Eurozone ahnen immer noch nicht, was für ein Damoklesschwert sich über die europäische Wirtschaft und ihre Währung aufbaut, denn Griechenland ist nur die Vorhut, Portugal, Irland und Spanien als massive Einheiten könnten folgen.
Man muss es immer wieder wiederholen, ob Ungleichgewichte im Welthandel, Verwerfungen im Banken- und Finanzsystem, hoffnungslose Verschuldung von Staaten, privaten Haushalten und Unternehmen, Moral Hazard, ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung nichts wurde wirklich korrigiert oder gar bereinigt, sondern nur mit Liquidität und neuen Schulden überdeckt! Aber dieser Zeitgewinn ist nur temporär, wie uns demnächst Griechenland beweisen wird!
ein weiterer Querschuss mit vielen aussagekräftigen Charts: Nachbetrachtung zum US-Arbeitsmarktbericht
Quellen: Statistics.gr/Arbeitsmarktbericht Dezember 2010, Minfin.gr/PDF Gesamtstaatliche Staatsschulden Dezember 2010, Statistics.gr/PDF Erste Schätzung des BIPs Q4 2010, Statistics.gr/Statistikportal, Eurostat.eu/Datenbank
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