Griechische (Bad) Banks mit Rekordverlusten 2011

von am 22. April 2012 in Allgemein

Der Schuldenschnitt bei den griechischen Staatsanleihen im März 2012 führte zu absehbaren Rekordverlusten der griechischen Banken, welche diese wie im zweiten “Griechen-Rettungspaket” vereinbart für 2011 verbuchten. Die vier größten griechischen Geschäftsbanken, die National Bank of Greece, die Eurobank, die Alpha Bank und die Piräus Bank fuhren 2011 in Folge der Wertberichtigungen einen kumulierten Verlust von 28,2 Mrd. Euro ein, das Zehnfache ihres aktuellen Marktwertes (kumulierter Börsenwert am Freitag: 2,843 Mrd. Euro) und von 13,1% des nominalen BIPs Griechenlands.

Die Rekapitalisierung ist aber bereits auf dem Weg per Hellenischen Financial Stability Fund (HFSF), der wiederum die erste Tranche von 25 Mrd. Euro aus dem European Financial Stability Facility (EFSF) erhält. Insgesamt sind in 2 Tranchen 50 Mrd. Euro aus dem 2. Rettungspaket für griechische Banken bestimmt. Schaut man sich jedoch die Details der Bilanzen an, wird schnell deutlich, die griechischen Banken sind nicht ansatzweise übern Berg, die “Chance” weiteres Eigenkapital aus der Rekapitalisierung zu verbrennen ist riesig. In Folge der wirtschaftlichen Depression stieg Ende 2011 bei den griechischen Geschäftsbanken das Ratio der Non Performing Loans (NPLs) aus den vergebenen Krediten an private Haushalte und Unternehmen, mit mehr als 90 Tagen im Zahlungsverzug auf satte 13,0%:

Die Entwicklung der Non Performing Loans in Prozent der vergebenen Kredite an private Haushalte und Unternehmen im griechischen Bankensystem von 2001 bis 2011 im Chart.

Die größte griechische Geschäftsbank, die National Bank of Greece (NBG) spiegelt Ende 2011 genau den Schnitt aller griechischen Banken ab, mit einem NPL-Ratio von 13,0%. Erwähnenswert bei den Krediten an private Haushalte der NBG betrug das NPL-Ratio brisante 16,2%, was die gesamte irrwitzige Strategie der Einkommensschrumpfung und damit der Bonitätsschrumpfung breiter Bevölkerungschichten widerspiegelt!

Die Eigenkapitalbasis der Banken ist unterirdisch bzw. das Kapital wurde ausgelöscht. Mit ein wenig Aufwand findet man auch das Eigenkapital der vier großen Banken, nach dem Schuldenschnitt und vor der Rekapitalisierung. In den Pressemitteilungen und Jahresberichten wird das Kernkapital Tier1 bereits teilweise einfach mit der noch nicht vollzogenen Rekapitalsierung angegeben. So hievt sich die National Bank of Greece auf eine Kernkapitalquote von 6,3%. In einer PDF-Präsentation wird aber auch die bittere aktuelle Realität gezeigt, nachdem Schuldenschnitt ist nicht nur das Eigenkapital ausgelöscht sondern es ist sogar Negativ!

Das Tier1 Kernkapital nach dem Schuldenschnitt liegt bei -2,841 Mrd. Euro. Erst nach der noch nicht vollzogenen Rekapitalisierung mit Geldern aus dem EFSF in Höhe von 6,900 Mrd. Euro beträgt das Kernkapital 4,059 Mrd. Euro und somit die Kernkapitalquote 6,3%, bezogen auf risikogewichtete Aktiva (RWAs) in Höhe von 64,248 Mrd. Euro.

Die größte griechische Geschäftsbank mit Total Assets in Höhe von 113,770 Mrd. Euro steht aktuell ohne Eigenkapital da, genaugenommen mit Negativen! Auch die zweitgrößte griechische Bank, die Eurobank hat gerade mal 875 Millionen an Eigenkapital (Tier1, 2 und 3) bei Total Assets in Höhe von 76,822 Mrd. Euro. Die Alpha Bank sieht nach dem Schuldenschnitt noch am besten aus, mit einer Kernkapitalquote von armseligen 3,0% und einem gesamten Eigenkapital von nur 1,417 Mrd. Euro, bei Total Assets in Höhe von 59,148 Mrd. Euro. Die Piräus Bank weist nach dem Schnitt -1,940 Mrd. Euro an negativen Eigenkapital aus, bei Total Assets in Höhe von 49,352 Mrd. Euro.

Zum verdeutlichen der Desasterzone (griechisches Bankensystem) noch ein paar kumulierte Daten von den vier größten Banken (NBG, Euro-, Alpha- und Piräus Bank):

Total Assets 2011: 299,092 Mrd. Euro

Total Loans: 210,737 Mrd. Euro

Total Deposits: 143,481 Mrd. Euro (-18,6% zum Vorjahr bzw. -32,726 Mrd. Euro)

Total Equity: -1,235 Mrd. Euro

Mit jedem Prozent mehr an Arbeitslosen, schrumpfenden Einkommen, schrumpfenden Bruttoanlageinvestitionen, schrumpfender Wertschöpfung und schrumpfenden BIP wird auch weiter das Kreditportfolio des griechischen Bankensystems im Wert zu berichtigen sein! Die Abwärtsspirale, gerne im systemkonformen Denken oder auch Wunschdenken mit Reformen verklärt, dreht sich ungebrochen weiter, solange die Versagerstrategie, des undifferenzierten Sparens ohne Rücksicht auf Wachstum und Beschäftigung nicht gestoppt wird.

Der Markt bewertet das griechische Bankensystem und die Qualität seiner enthaltenden Assets anhand der Marktkapitalisierung (Börsenwert) korrekt, wie ein Haufen Schrott, mit einem Bewertungsabschlag zum Hoch von -96,28%:

Die Entwicklung des FTSE ATHEX Banks, des griechischen Bankenindex, der die größten 9 Banken abbildet seit Januar 2006 im Chart. Der griechische Bankenindex lag am Freitag bei 288,49 Indexpunkten. Zum letzten Hoch am 06.11.2007 mit 7758,07 Indexpunkten verlor der FTSE ATHEX Banks satte -96,28%.

Die Marktkapitalisierung der 9 größten griechischen Banken im FTSE ATHEX Banks Index sank am Freitag auf schlappe 4,058 Mrd. Euro und der extrem niedrige Stand betätigt weiter die bereits de facto Insolvenz des griechischen Bankensystems. Noch beim letzten Hoch am 06.11.2007 betrug die Marktkapitalisierung voluminöse 109,128 Mrd. Euro!

Die EZB, der Chef Draghi höchstpersönlich meinte nun am Mittwoch, die griechischen Banken, die lebensfähig sind, können Geschäftspartner bei den geldpolitischen Operationen im Eurosystem bleiben und die anderen nicht, was bedeutet das diese auf die ELAs (Emergency Liquidity Assistance) der griechischen Zentralbank zurückgreifen müssen. Zuletzt im Februar 2012 betrug die Kreditgewährung des Eurosystems an die griechischen Banken 50,789 Mrd. Euro und das Volumen der ELAs, spezielle Notfallfazilitäten der griechischen Zentralbank, bereits fulminante 109,915 Mrd. Euro:

Die Entwicklung der Remaining Assets der Bank of Greece und damit der Notfallfazilitäten (ELAs) im Chart. Der furiose Anstieg auf 109,915 Mrd. Euro im Februar 2012.

Es wird also bald vollbracht sein, in absehbarer Zeit werden fast alle Assets des griechischen Bankensystems per Zentralbankgeld, ob aus LTROs oder ELAs refinanziert sein und das Risiko auf die öffentliche Hand abgewälzt, während gleichzeitig die Bankeinlagen schwinden und so mancher weiterer Euro aus den Deposits via Target2 oder gleich in Richtung Schweiz verschwinden wird. Ein Stabilitätsgedanken für das Eurosystem vorheuchelnd und in Folge marode griechische Banken nicht mehr an den offiziellen Refinanzierungsgeschäften des Eurosystems teilhaben zu lassen ist eine Farce, denn die ELAs dokumentieren nun sogar die griechische Geldschöpfung außerhalb des Eurosystems und für die ELAs der griechischen Zentralbank muss der griechische Staat haften, das ist der – wie erinnern uns, der gerade den Schuldenschnitt vornahm, indessen Folge das Eigenkapital der griechischen Banken wie Schnee in der Sonne schmolz, die nun vom EFSF rekapitalisiert werden müssen…. Wahrlich eine kranke Welt!

Quelle Daten: Balance sheet of the Bank of Greece, NBG Group : Full – Year Results 2011 , NBG.gr/PDF Presentation Q4 2011, Eurobank.gr/Pressemitteilung FY2011 Financial Results, Eurobank.gr/PDF Presentation Full Year 2011 Results, Alpha.gr/Pressemitteilung Full Year 2011 Results, Piraeusbank.gr/Pressemitteilung FULL YEAR 2011 RESULTS

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7 KommentareKommentieren

  • Holly01 - 23. April 2012

    Negatives Geld hat seine Tücken. So lange Wachstum und Inflation im grünen Bereich laufen, hilft es zum schnellen Wirtschaftswachstum.
    Wenn es nicht mehr gut läuft, dann ist alles selbstverstärkend und nicht mehr steuerbar auf crash gerichtet.
    Man sieht aber immer deutlicher, wie die blosse Geldmenge die Sicherheitenkrise nicht mehr lösen kann.
    Das Kapital wandert ab, die Sicherheiten sind durch die Geldschöpfung bereits korrumpiert und die Wertschöpfung basiert auf Unternehmenswerten, welche ebenfalls durch Schuldverpfändung korrumpiert sind.
    Am Ende ist die Staatsgarntie nicht das Papier wert, auf dem sie steht.
    Das ist in D übrigens ebenso wenig anders, wie in allen anderen OECD Staaten.
    Jede Volkswirtschaft haftet mit dem gesamten nationalen Vermögen.

  • unglaublich - 23. April 2012

    ..”Kernkapital 3% bzw. Negativkapital”

    Irre ich mich oder ist diese geringe bis keine Eigenkapitalausstattung genau nicht jener Punkt, der an den großen spekulativen Fonds mit zigfacher Fremdkapitalhebelung, kritisiert wurde?

    In den Fällen, in diese den Bach runtergingen, hats auch im wirtschaftlichen Umfeld immer richtig gescheppert und das Klagen war groß.

    Wie Draghi bei diesen Zahlen noch von “lebensfähig” schwafeln kann, ist mir ein Rätsel bzw. auch wiederum nicht – denn sollte irgendeiner von der EU der richtigen Auffassung sein und dies auch ehrlich zu bekunden -> Griechenland ist innerhalb ders Eurokorsetts nicht überlebensfähig, wäre die ganze bisherige Milliardenchose zu hinterfragen..

    Egal, jetzt wirds sowieso spannend, sollte Frankreich einen Regierungswechsel bekommen, die eben nicht den Fispalpakt akzeptiert ohne einige *räusper* “Ergänzungen” (lol), dann wird doch dem ESM die sogenannte – neudeutsch – die Geschäftsgrundlage entzogen ??

    Nicht daß ich so blauäugig wäre, irgendwann an die Einhaltung des Fiskalpaktes geglaubt zu haben, zudem weiß ich auch daß ein europaweiter Fispalpakt den unterschiedlichen volkswirtschaftlichen Entwicklungen nur leidlich Rechnung trägt – nein, mir geht es darum wie es dem deutschen Volk wieder verkauft werden soll, eine quasi unbegrenzte Haftung für andere Länder miteinzugehen, die richtigerweise ihre eigene Fiskalpolitik machen.

    Ach ja, es bleibt spannend..

  • ö.ä. - 23. April 2012

    Folgenden Artikel zur Kapitalflucht finde ich ganz interessant:

    http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/7716/wenn-der-%C2%ABsudden-stop%C2%BB-zuschlagt/

    • Querschuss - 23. April 2012

      Hallo ö.ä,
      schön verständlich und korrekt dargestellt. Target2 ersetzt nicht nur private Kapitalzuflüsse sondern kompensiert auch noch die stattfindenden Abflüße. Die schwindenden Deposits (Kundeneinlagen) der Banken werden durch die Kreditgewährung des Eurosystems ersetzt (Zentralbankgeld), ebenfalls eine Verbindlichkeit für die Banken.

      Gruß Steffen

    • Ergo Sum - 24. April 2012

      Vielen Dank für diesen Link auf den “Sudden Stop”. Der “Economist” bezeichnet Merkels Stabilitätspakt als noch qualmende Ruine.

  • MagnaBavaria - 23. April 2012

    Mal was zum nachdenken aus unserem Land. Nach den aktuellen politischen Vorgaben dürfte es so etwas derzeit gar nicht geben:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,828347,00.html

  • Kartoffel - 23. April 2012

    Danke für den Nachweiß der Existenz des negativen Eigenkapitals.