Griechische reale Einzelhandelsumsätze mit -17,5% im März
Gestern berichtete das griechische Statistikamt ELSTAT, die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen für den Monat März 2011. Um eine fulminante Rate von nominalen -13,2% sanken die arbeitstäglich bereinigten Einzelhandelsumsätzen in Griechenland zum Vorjahresmonat. Real (verbraucherpreisbereinigt) ging es sogar um -17,5% zum Vorjahresmonat abwärts!
Die arbeitstäglich bereinigten Indizes der realen Umsätze im Einzelhandel und seiner Subsektoren im März 2011 im Vergleich zum Vorjahresmonat. Quelle Grafik: Statistics.gr/portal/PDF/PressReleases/Retail Trade March 2011
Bei den unbereinigten Originaldaten aus der Datenbank von Eurostat sieht es noch grausiger aus:
Im Chart die prozentuale Entwicklung der realen unbereinigten Originaldaten der griechischen Einzelhandelsumsätze seit Januar 2001 bis März 2011, jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im März 2011 sanken die realen Umsätze um eine Rekordrate von -20,01% zum Vorjahresmonat!
Laut den realen saisonbereinigten Einzelhandelsumsätzen von Eurostat sanken die Umsätze im März 2011 um -2,9% zum Vormonat:
Im Chart der Index der realen (verbraucherpreisbereinigten) und saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze ohne Kfz-Handel seit Januar 2000. Im März 2011 gingen die realen Einzelhandelsumsätze saisonbereinigt um -2,9% zum Vormonat zurück auf 86,92 Indexpunkte. Zum Hoch im März 2008 sind die realen Einzelhandelsumsätze um kräftige -26,01% eingebrochen. Das vorläufige Tief wurde saisonbereinigt im Dezember 2010 mit 85,37 Indexpunkten markiert.
Dieser beispiellose Einbruch beim griechischen Einzelhandel belegt die schrumpfenden Konsumausgaben der privaten Haushalte und damit den Infarkt der letzten Stütze des griechischen BIPs! Die wirtschaftliche Kontraktion, beschleunigt auch durch die unseligen Austeritätsmaßnahmen, die in einem Gießkannenprinzip Sparmaßnahmen erzwangen, ohne Rücksichtnahme der negativen Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Aktivität ist wie ein Schock. Fraglich bleibt, ob sich Griechenland unter den gegebenen Umständen überhaupt davon erholen kann. Selbst zu besseren wirtschaftlichen Zeiten gab die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit weder die Staatshaushaltsdefizite noch die Leistungsbilanzdefizite her. Nur mangelnde Leistungsfähigkeit kann man mit Sparen allein nicht begegnen, da zu braucht es vor allem Investitionen und einen wettbewerbsfähigen Output von Waren, Gütern und Dienstleistungen.
Immerhin ein erster leichter Anflug von Einsicht, über die bisher nicht zielführenden Vorgaben, scheint auch die Troika (EU, IWF und EZB) zu erreichen, schließlich soll im Zuge potentieller neuer Hilfskredite in Höhe von 60 – 70 Mrd. Euro und weiteren Sparmaßnahmen, wenigstens als kleinster gemeinsamer Nenner von griechischer Regierung, griechischer Opposition und Troika die Mehrwertsteueranhebung von 19% auf 23% wieder zurück auf 20% gedreht werden. Auch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 13% soll wieder sinken auf 10%. Angesichts der Probleme Griechenland ist dieser “Stimulus” der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein.
An dem Faktum das Griechenland insolvent ist kommt man nicht vorbei, die berechtigte Frage stellt sich, ob die bereits getätigten und noch avisierten Hilfskredite überhaupt eine adäquate Lösung sind, denn diese Hilfskredite würden nur ein Liquiditätsproblem lösen, nur Griechenland hat ein Solvenzproblem!
Die Ratingagentur Moody’s stufte heute die Kreditwürdigkeit Griechenlands um weitere 3 Stufen herab, von B1 auf Caa1 inklusive einem negativen Ausblick. Caa1 ist nun schon die 7-tiefste Ratingstufe eines Speculative Grade (Ramsch) und ein Caa1 steht für eine hochspekulative Anlage, bei der nur bei einer günstigen Entwicklung keine Zahlungsausfälle zu erwarten sind.
Quelle Daten: Statistics.gr/Portal, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank
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