Griechische Zentralbankdaten für November

von am 11. Januar 2012 in Allgemein

Gestern veröffentlichte die griechische Zentralbank (Bank of Greece) ihre Bilanz für den November 2011. Diese Daten schließen sich nahtlos an die vergangenen Monate an, die Bilanzsumme der griechischen Zentralbank zieht weiter an, im November 2011 auf 171,531 Mrd. Euro, nach 165,660 Mrd. Euro im Vormonat. Ein Anstieg von +5,871 Mrd. Euro klingt angesichts der griechischen Probleme noch moderat, aber die Musik spielt woanders, dazu aber etwas später.

Die Entwicklung der Total Assets der griechischen Zentralbank seit Januar 1999 im Chart. Im Oktober 2011 quillt die Aktiva-Seite der Bilanz auf 171,531 Mrd. Euro auf.

Für die Sicherstellung der Liquidität für das de facto bankrotte griechische Bankensystem und dessen Refinanzierungsbedarf über die Aktiva-Seite der Notenbankbilanz avanciert auf der Passiva-Seite der Bilanz Target2. Der Refinanzierungsbedarf der griechischen Banken wird über Target2 gesichert.

Die Entwicklung des negativen Target2 Saldos als Passiva (Verbindlichkeit) in der Bilanz der Bank of Greece. Im November 2011 stieg der Target2 Saldo auf -109,315 Mrd. Euro, nach -105,688 Mrd. Euro im Oktober und nach 100,754 Mrd. Euro im September.

Der Target2 Saldo als Verbindlichkeit entsprach bis Juni 2011 fast 1:1 der Aktiva-Seite der Bilanz unter Pos. 5, dies ist die Kreditgewährung an die Kreditinstitute über Hauptrefinanzierungsgeschäfte und die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte:

Die Entwicklung der Kreditgewährung der griechischen NZB an die Kreditinstitute in Mrd. Euro. Diese Daten sind aus zweierlei Sicht interessant, zum einen dokumentieren sie bis Anfang 2008, dass das griechische Bankensystem fast keinen Finanzierungsbedarf über die Notenbank hatte und zum anderen, nach dem explosionsartigen Anstieg auf 103,108 Mrd. Euro im Juni 2011, eine erstaunliche Divergenz bis November (73,929 Mrd. Euro), zum Pendant dem negativen Target2 Saldo!

Es lässt aber im krisengeschüttelten griechischen Bankensystem nicht der Refinanzierungsbedarf nach, sondern er wurde einfach über andere Kanäle überkompensiert. Die griechische NZB hat faule Wertpapiere (Schulden) der griechischen Banken aufgekauft und bis zur Endfälligkeit in die Bilanz übernommen. Dem negativen Target2 Saldo der griechischen NZB stehen auf der Aktiva-Seite in der Bilanz der griechischen Notenbank nun auch übernommene faule Assets gegenüber. Die sogenannten Remaining Assets (auch Sundry Assets) der griechischen NZB wuchsen im November 2011 um weitere +6,585 Mrd. Euro zum Vormonat.

Die Entwicklung der Remaining Assets seit Januar 1999 in Mrd. Euro im Chart. Im November 2011 stiegen diese Assets auf 58,178 Mrd. Euro, nach 51,588 Mrd. Euro im Vormonat. Remaining Assets sind aufgekaufte Wertpapiere die unter Sonstige Finanzanlagen verbucht werden und nun bis zur Endfälligkeit von der NZB gehalten werden.

Die Bilanzsumme der griechischen NZB, die Summe der aufgekauften faulen Wertpapiere, selbst der Target2 Saldo, zeigen aber nicht die komplette Dynamik an, denn die spielt außerhalb der Bilanz der griechischen Zentralbank ab, wie die Off Balance Sheet Items anzeigen.

Die Entwicklung der Off Blance Sheet seit Januar 2002 mit 7,420 Mrd. Euro bis November 2011 mit brachialen 277,235 Mrd. Euro. Die Off Balance Sheet der Bank of Greece ist größer als die On Balance Sheet und explodiert regelrecht. Nur im November 2011 um +15,437 Mrd. Euro zum Vormonat, um +87,829 Mrd. Euro in den letzten 6 Monaten und um +98,782 Mrd. Euro zum Vorjahresmonat.

Die offizielle On Balance Sheet (blau) und die kumulierte Bilanz aus On Balance Sheet und Off Balance Sheet (rot). In und außerhalb der Bilanz der Bank of Greece sind Assets in Höhe von 448,766 Mrd. Euro. Auch der extreme Anstieg der kumulierten Bilanz ist vordergründig auf den Anstieg der Off Balance Sheet Items zurückzuführen. Was sich auch immer hinter der Qualität der Assets außerhalb und innerhalb der Bilanz verbirgt und welchem Zwecke das Aufblasen außerhalb der Bilanz dient, kumulierte 448,766 Mrd. Euro an Assets bei einem nominalen griechischen BIP von voraussichtlich 218 Mrd. Euro im Jahr 2011 sprechen Bände.

Da niemand Fragen nach der außerbilanziellen Position der Bank of Greece stellt, gibt es auch keine wirklichen Antworten. Der rasante Anstieg der Assets außerhalb der Bilanz (Off Balance Sheet Items) ist im Monatsausweis unter: 3. Assets eligible as collateral for Eurosystem monetary policy operations and intra-day credit, mit im November 145,614 Mrd. Euro zu finden und unter 4. Other off-balance-sheet items, mit 100,700 Mrd. Euro. Punkt 3 wurde erstmals im Januar 2009 separat aufgeführt, damals mit 54,494 Mrd. Euro. Die Other off-balance-sheet items betrugen zu diesem Zeit schlappe 0,841 Mrd. Euro.

Ohne hier selbst schlüssige Antworten liefern zu können, was sich außerhalb der Bilanz abspielt, es ist unglaublich wie sich die Off Balance Sheet Items der griechischen Zentralbank hochschaukeln und dieser Anstieg ist sicher nicht isoliert von der Krise betrachtbar!

Noch ein Blick auf die Einlagen im griechischen Bankensystem, die mit den Daten zur monatlichen Bilanz der Bank of Greece veröffentlicht werden. Im November 2011 sanken die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen erneut, um -3,522 Mrd. Euro, nach dem Rekordabzug bei den griechischen Bankeinlagen von -6,786 Mrd. Euro im Vormonat.

Die Entwicklung der Kundeneinlagen bei den griechischen Banken seit Januar 2009 im Chart. Im November 2011 betrugen die Einlagen noch 172,898 Mrd. Euro. Seit dem Hoch bei den Einlagen im September 2009 mit 237,824 Mrd. Euro betrug der Kapitalabzug -64,926 Mrd. Euro. Dies entsprach 27,3% aller Einlagen.

Quelle Daten: Bankofgreece.gr/XLS Balance Sheet, Bankofgreece.gr/XLS Einlagen

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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7 KommentareKommentieren

  • Bernd Klehn - 11. Januar 2012

    O T.

    Target2-Forderungen der Deutschen-Bundesbank im Dezember von 495.164,155 auf 463.310,669 gesunken. Wie kommt dieses?

    http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?lang=de&open=&func=row&tr=EU8148

  • Bernd Klehn - 11. Januar 2012

    Erklärungsversuch:

    Haben die Deutschen Banken mittlerweile in Deutschland soviel Zentralbankgeldplus. dass sie dieses miitlerweile an sichere Banken (Tochterbanken) in Eurokrisenländer oder an Banken in Luxemburg, Holland und Finnland überweisen, die noch im Minus sind odedr flieht Kapital mittlerweile auch schon aus Deutschland in noch sichere Häfen?

    • Stefan Vogel - 11. Januar 2012

      Hallo Bernd,

      das Frage ich mich schon seit Monaten, ob das alles Richtig ist. Warum geht auf einmal soviel in die Niederlande bzw. nach Finnland? (Der BIP Anteil ist jetzt schon viel höher als der von Deutschland)

      Mein Eindruck ist, dass in Deutschland auf Target2 geschaut wird und nicht so im Ausland. Deshalb wird es irgendwie in andere Länder geschoben.

      Kann man die Daten (Kapitalflüsse nach Ländern) nicht irgendwie bekommen. Dann kann man sehen woher Geld kommt und wohin es geht.

      Danke Bernd, ich glaube Dir ist es zu verdanken, dass Target2 in die Medien kam.

      Gruss

      Stefan

  • Eric B. - 11. Januar 2012

    Interessante Analyse. Allerdings fehlt mir ein wenig die aktuelle Lage, den die ist wirklich finster. Bei den Verhandlungen über einen Schuldenschnitt pokern derzeit die Hedgefonds sehr hoch. Manche sprechen schon von Erpressung, andere davon, dass die City of London abkassieren will. http://lostineurope.posterous.com/das-bose-spiel-der-hedgefonds Wenn das Ergebnis fest steht, wäre das auch mal eine eingehende Analyse wert!

  • Hko - 11. Januar 2012

    To have Assets ist im amerikanischen ja was Gutes, man ist kreditwürdig.

    Bei diesen Schaubildern scheinen ja die Griechen mit ihren ins unermässliche wachsenden Assets unendlich kreditwürdig zu werden.

    Verkehrte Welt!

  • Christian Kurzer - 11. Januar 2012

    @Bernd: Deutschland verliert schlichtweg an Bonität. S&P erwägt daher schon die Herabstufung ihres Ratings (vgl. “Wachsende Sorgen über Risiken der Bundesbank – S & P schließt künftige Belastung des deutschen Ratings nicht aus” Börsen-Zeitung, 29.12.2011)

  • Benedikt - 11. Januar 2012

    Die Griechen bereiten sich schon auf die Währungsreform vor. Die holen sich so viel Geld von der EZB, wie die nur kriegen können, und bringen das da hin, wo es denen keiner weg nehmen kann. Die EZB bleibt auf den wertlosen Sicherheiten sitzen. Nach der Offiziellen Pleite holen die das Geld dann wieder zurück nach Griechenland.

    Bei einer Griechenland Pleite müssen die EZB und die EU Staaten hunderte Mrd € abschreiben. Sehr viel Solidarität mit den Griechen dürfte danach nicht mehr möglich sein. Griechenland könnten die auch die EU Subventionen ab 2013 streichen.

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