Hoffnungslose Lage beim griechischen Staatshaushalt

von am 13. Dezember 2011 in Allgemein

Wie das griechische Finanzministerium heute mitteilte, sanken die Steuereinnahmen in den ersten 11 Monaten des Jahres 2011 trotz diverser Steuererhöhungen um -3,1% und die Ausgaben stiegen trotz Sparanstrengungen um +6,2%, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Defizit kletterte um +5,1% in den ersten 11 Monaten auf -20,516 Mrd. Euro, nach -19,516 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum! Weiterhin konterkarieren die Sparmaßnahmen das Ziel eines sinkenden Defizits, da durch die Schrumpfung der Wirtschaft die Steuereinnahmen sinken und durch die miese soziale Lage in Folge der Rezession gesetzlich verbürgte Ausgaben weiter steigen.

Die Tabelle des griechischen Finanzministeriums mit dem Staatshaushalt in den ersten 11 Monaten 2011. Das Staatshaushaltsdefizit weitete sich zum Vergleichszeitraum des Vorjahres um +5,1% aus, auf 20,516 Mrd. Euro. Damit verfehlt man das anvisierte Ziel beim Defizit deutlich.

Zieht man noch die geleisteten Verbindlichkeiten für die Anleihen der Sozialversicherungen und die hohen Rückzahlungen für die Verbindlichkeiten der griechischen Krankenhäuser hinzu, wird das Staatsdefizit noch deutlich größer:

Mit den Zahlungen aus den Verbindlichkeiten der Sozialversicherungen und den Krankenhäusern wuchs der gesamtstaatliche Kreditbedarf in den ersten 11 Monaten auf 25,952 Mrd. Euro, nach 20,348 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum, ein satter Anstieg von +27,54%.

Die sinkenden Staatseinnahmen sind vor allem auf ein Schrumpfen der Wirtschaftsaktivität zurückzuführen, im Umkehrschluss die gestiegenen Ausgaben ebenfalls. So auf erhöhte Staatszuschüsse für die Sozialversicherungen und Gesundheit in Folge reduzierter Einnahmen aus den Sozialbeiträgen, darunter auch die erhöhten Zuschüsse an die Arbeitsämter (410 Millionen Euro), erhöhte Zuschüsse an Krankenhäuser in Höhe von 1,049 Mrd. Euro und erhöhte Zuschüsse an diverse Fonds der sozialen Sicherheit in Höhe von 1,611 Mrd. Euro. Auch die erhöhten Zinszahlungen schlugen zu Buche mit +2,638 Mrd. Euro auf 15,542 Mrd. Euro. Ebenfalls völlig kontraproduktiv, angesichts der miesen wirtschaftlichen Lage, gestalten sich die Investitionen des Staates, sie gingen in den ersten 11 Monaten 2011 um -40,1% zurück bzw. um -2,874 Mrd. Euro!

Laut der griechischen Zentralbank betrug von Januar bis September 2011 das Leistungsbilanzdefizit Griechenlands -15,016 Mrd. Euro, nach -16,422 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum 2010. Hochgerechnet auf das Jahr 2011, als grobe Schätzung, dürfte das zu finanzierende Zwillingsdefizit aus Staatshaushalt und Leistungsbilanz gute -48 Mrd. Euro betragen. Bei einem zu erwartenden nominalen BIP Griechenlands 2011 von ca. 217 Mrd. Euro, sprechen wir hier weiter von einem Finanzierungsbedarf von immer noch 22,1% des nominalen BIPs! Und dies sind nur die neu aufgelaufenen Defizite aus 2011, die Refinanzierungen der fälligen Staatsschulden, aus dem Berg des Bruttoschuldenstandes des Staates von 360,379 Mrd. Euro, Stand Ende September 2011, und der Refinanzierungsbedarf der griechischen Banken kommen noch hinzu. Dies alles gilt es abseits des Kapitalmarktes zu finanzieren, über Rettungspakete, EZB, Target2 und mit Haftung der Steuerzahler der Eurozone. Zusätzlich gilt es noch die Kapitalflucht aus dem griechischen Bankensystem abzufedern, auch im Oktober 2011 sanken die Einlagen der privaten Haushalte und der Unternehmen, diesmal um ein Rekordvolumen, auf nun 176,420 Mrd. Euro, nach 183,206 Mrd. Euro im Vormonat. Seit dem Hoch im September 2009 sind die Deposits von Privaten und Unternehmen bei den griechischen Banken um relevante -25,8% geschrumpft.

Nach dem Rekordstaatsdefizit des Jahres 2009 mit -36,624 Mrd. Euro, gemäß Maastrichtdefinition, welches 15,8% des nominalen BIPs entsprach und -24,125 Mrd. Euro bzw. 10,6% des BIPs in 2010, dürfte wenn im Dezember 2011 kein wundersamer Überschuss auf der Uhr steht, erneut ein Defizit von über 12% des nominalen BIPs auflaufen. Dieses weiterhin massive Defizit, angesichts der Austeritätsmaßnahmen, dokumentiert erneut das totale Versagen der Troika (IWF, EU und IWF). Diese desaströse Ergebnis geht einher mit einem beispiellosen wirtschaftlichen und sozialen Niedergang im Ausmaß einer Depression. Und niemand stoppt den Wahnsinn, da die Sparziele außer Sichtweite geraten sind, stehen für 2012 neue Sparauflagen an und somit wird die Abwärtsspirale bis zum griechischen Kollaps weiter angetrieben. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) drohen in Griechenland 20% der Bevölkerung unter die Armutsgrenze zu fallen, alles andere als eine Ausstrahlungskraft für die europäische Idee, sondern eine Schande!

Quelle Daten: Minfin.gr/Press release on the State Budget execution January-November 2011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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27 KommentareKommentieren

  • SLGramann - 14. Dezember 2011

    Na, Hauptsache, dass durchgeknallte Funktionärsschranzen Marke Merkel und Schäuble ihre Großmannssucht ausleben. Schließlich gehts nicht um die griechische Bevölkerung, sondern darum, dass in Europa “wieder deutsch gesprochen wird!” … und natürlich darum, dass der Geldelite der Arsch gerettet wird.
    Widerlich.

    • Thorsten Eckau - 14. Dezember 2011

      Selten so gelacht: “durchgeknallte Funktionärsschranzen Marke Merkel und Schäuble”.
      Der war gut!

  • Laßt uns - 14. Dezember 2011

    doch endlich die Schulden sozialisieren und die Gewinne privatisieren – sonst gehen die Banken unter und das hat böse Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und am Ende auf unsere Geldbörse.

    Wollt ihr das nicht verstehen? Um das ganze Geld des Rettungszaubers der bis jetzt abgegangen ist hätten wir jedem Europäer 2000 Teuronen Weihnachtsgeld auszahlen können. Das wäre eine wirtschaftsfördernde Maßnahme gewesen – nicht der ganze Rettungswahnsinn.

  • Lazarus09 - 14. Dezember 2011

    Es zeigt die zu erwartende Entwicklung die eigentlich nicht überrascht ..die EU Maßnahmen sind nur dazu geeignet das Casino weiter am laufen zu halten mehr ist nicht gewollt es geht weiterhin um massive Umverteilung von unten nach oben auf dem Rücken der mit den Kosten belasteten Bevölkerungen . Die Liquidität wie hoch auch immer ob getröpfelt oder geflutet versackt in den immer gleichen Taschen in der Realwirtschaft kommt nichts an im Gegenteil …darum weiter von mir :
    Es ist Krieg gegen die Bevölkerungen ausgehend vom Kapital mit Hilfe der korrupten Regierungen

    Wer an Rettung Besserung Gutmenschtum Wählerauftrag Demokratie glaubt sollte sich ausstopfen lassen ….

  • M.E. - 14. Dezember 2011

    Griechenland zeigt: ist erst mal ein bestimmter Verschuldungsgrad überschritten und ist kombiniert mit einer Wettbewerbsschwäche der Wirtschaft, gibt es keinen Ausweg mehr.
    Weder zusätzliches Verschulden noch Extremsparen. Der Weg zum Totalbankrott ist dann vorgezeichnet.
    “Totalbankrott” deshalb, weil ein begrenzter Forderungsverzicht einiger Gläubiger keinesfalls mehr ausreicht.
    2 Jahre nach dem Schuldenschnittchen, das nächtes Jahr in Kraft treten wird, ist der alte Verschuldungsgrad wieder erreicht.
    Der Bedarf an Forderungsverzicht ALLER Gläubiger des griechischen Staates tendiert allmählich Richtung 80%.
    Und je länger dieser Radikalschnitt nicht durchgeführt wird, desto mehr erhöht sich die Prozentzahl für einen notwendigen Schnitt, der irgendwann kommen muss.

    Allerdings würde das wahrscheinlich den Kollaps des CDS-Systems auslösen. Deshalb scheut man einen solchen Schnitt auf dann nicht mehr freiwilliger Grundlage.
    Ich bin mal gespannt, ob die Mindestquote der Beteiligung an dem “freiwilligen” Forderungsverzicht der Banken überhaupt erreicht wird.
    Wird er nämlich nicht erreicht, treten auch die Banken, die eingewilligt haben, von ihrer Einwilligung zurück, hat der internationale Bankenverband angekündigt.
    Da kann es Anfang 2012 noch böse Überraschungen geben.

  • mutzel6 - 14. Dezember 2011

    au weia, wenn das unsere EU-Kaiserin erfährt wird sie bestimmt ganz doll wütend.

    Die pösen Griechen wollen scheinbar einfach nicht richtig sparen.
    Hm, man muss dann vielleicht mal stärkere Geschütze auffahren. Z.B. könnte man die Hälfte der Rentner erschießen, um die Staatsausgaben nachhaltig zu senken. Wer nicht hören will muss fühlen!

  • Jo - 14. Dezember 2011

    Die EZB kann doch alle privat gehaltenen griechischen Papiere zum Nennwert übernehmen und danach einen 80% oder 99% Schnitt machen. Alles andere ist Augenwischerei, aber die Privaten wollen wohl die fette Verzinsung der griechischen Papiere weiterkassieren, das ist doch das Perverse und daher wird der Zeitpunkt der staattlichen Risiko-Übernahme so lange wie möglich herausgezögert.

    Wozu soll denn sonst der Umweg über hochverzinsliche privat gehaltene Papiere (nennt sich angeblich freier Kapitalmarkt,) gut sein wenn am Schluss doch alles beim Steurdeppen landet. Über einen längeren Zeitraum risikolos fette Zinsen vom Steuerzahler kassieren und nachdem die Griechen komplett ausgeluscht sind das Risiko zu 100% Nennwert beim Steuerzahler deponieren.

  • flo - 14. Dezember 2011

    Nach dem massiven Kreditboom durch fremdes Geld, den Griechenland von 1999 an durchlebt hat, gibt es bei der mickrigen Wirtschaft des Landes eben nur den Totalabsturz. Keine Maßnahme konnte das mehr verhindern, niemand sollte sich da etwas vor machen. Ein Bankrott, gefolgt von sofortiger Umstellung auf die neue Drachme, wäre vermutlich langfristig besser gewesen. Die inflationäre Depression, die GR dann sofort erlebt hätte, wäre allerdings auch kein Zuckerschlecken gewesen. Die Zukunftsaussichten wären mit massivst verbilligter eigener Währung aber viel viel besser gewesen.

    Man hätte in 2009 den Griechen sofort klarmachen können, dass es keinen Cent von der EU gibt, das sofort alle Vermögen und Guthaben in GR über eine Woche oder ähnliches eingefroren werden müssen, gefolgt von Umschreibung in neue Drachme. Die elende Retterei ermöglicht den reichen Griechen die Kapitalflucht, die Geldgeber schieben den Rotz an den Steuerzahler weiter, ich bin angewidert ohne Ende!

    • Lazarus09 - 14. Dezember 2011

      Du weißt aber auch das dass in Pesserteutschland nicht viel anders aussieht…oder ?

  • SLGramann - 14. Dezember 2011

    flo, volle Zustimmung. Der Absturz für die griechische Bevölkerung war unvermeidlich. Insofern sie das Konsumniveau senken, sind diese Spar-Diktate daher sogar richtig und unvermeidlich.

    Wie Du auch schreibst, bietet zu Tode sparen allein aber keine Perspektive auf eine bessere Zukunft. Mit einer eigenen Währung und einem Investitionsprogramm der EU in die Wirtschaft Griechenlands (bspw. Erneuerbare Energie) wäre zumindest eine Chance da, dass es irgendwann mal wieder besser werden könnte.

    Aber es geht und ging nie um die Bedürfnisse und Interessen der griechischen Bevölkerung, sondern allein um die Interessen von Eurokraten, Bankern und Leuten mit großen Vermögen. Es geht und ging immer nur allein um die Stabilisierung eines perversen Systems, das ich als Finanzfaschismus bezeichne, von dem eine ganz kleine Clique unendlich profitiert.

    Es ist eine Schande, dass SPD und Grüne als vorgeblich linke Parteien diesem System mit ihrem Rettungswahn voll in die Hände spielen. Von schwarz/gelb konnte man es nicht anders erwarten, aber wenn ich diesen Mist von Schröde, Gabriel, Trittin und dem senilen Schmidt lese und höre, kommt mir wirklich das Kotzen. Cui bono, Genossen?

  • flo - 14. Dezember 2011

    Die SPD und die Grünen meinen es nicht mal böse, befürchte ich. Nein, die sind einfach dermaßen naiv (oder doof?), dass sie den ganzen Zirkus einfach nicht durchschauen. Die träumen vom geeinten Europa und sehen nicht, dass grade die ultimative Kreditblase, nämlich die des Souveräns, still und leise geplatzt ist. Das kann nicht mehr bezahlt werden, auch Eurobonds etc. helfen da nicht weiter. Entweder, man inflationiert hemmungslos, pfeift auf Moral Hazard und hofft aufs beste oder man liquidiert brutal und hofft auf eine eventuelle Erholung.

    Wobei ich mir nicht so sicher bin, ob die ganze Retterei wirklich nur den Bänkern und Vermögenden dient. Noch lebt die grosse Mehrheit in Ländern wie Deutschland oder Frankreich recht gut. Ich weiss nicht, wie sich eine Liquidierungspolitik auf Beschäftigung und auf den Sozialstaat auswirken würde. Eher schlecht, vermute ich mal..

    • Thorsten Eckau - 14. Dezember 2011

      “Wobei ich mir nicht so sicher bin, ob die ganze Retterei wirklich nur den Bänkern und Vermögenden dient. Noch lebt die grosse Mehrheit in Ländern wie Deutschland oder Frankreich recht gut. Ich weiss nicht, wie sich eine Liquidierungspolitik auf Beschäftigung und auf den Sozialstaat auswirken würde. Eher schlecht, vermute ich mal..”

      Dem stimme ich voll zu! Es ist eine menschlich nachvollziehbare Emotion, dass man sich “unten” fühlt und “die da oben” alles nur für “die Reichen” machen. Und natürlich ist auch dies so wahr, aber eben nur ein Teil von der gesamten Wahrheit, sofern man sich überhaupt über “Wahrheit” unterhalten möchte, ist ein schwieriges Ding… Es bleibt aber festzuhalten: Die Menschen leben in Angst und Schrecken, seit irgendwann 2007/2008 schleichend und dann zunehmend lauter Nachrichten kamen, die von “Problemen” und nachher von “Krisen” kündeten. Aber die absolut überwiegende Mehrheit der Menschen, hat SELBST noch nicht einen einzigen Euro verloren. Natürlich haben einige wenige im Niedriglohnsektor bluten müssen, und das ist alles andere als was nettes. Aber wir haben hier Stand heute noch kein 1932. Nicht mal im Ansatz. Das Zeitkaufen ist durchaus etwas, was für uns alle Sinn macht, aber eben auch die Fallhöhe immer weiter oben hält. 1932 wird kommen, und was dann passiert, das ist diese latente Angst in den Nachrichten, Meinungen und Blogs. Ich teile die Ansicht nicht, dass wir einen Weg finden werden, dazu sind die Menschen zu stur und egomanisch, die Politiker, aber auch die Bürger. Man hätte als Normalmensch schon längst reagieren können, Lebensversicherungen auflösen, Riestern einstellen, bla bla bla. Aber die Leute haben ja Angst, dass sie damit Verlust machen und wer derart unwissend eine Wette eingeht auf den Nicht-Zusammenbruch, der wird schwere Schmerzen erleiden.
      Und dennoch: Wer in der gekauften Zeit halbwegs was draus gemacht hat, hat von “denen da oben” einen Vorteil geschenkt bekommen (sich und seine Habe “vorzubereiten”).

  • Lazarus09 - 14. Dezember 2011

    Davos am 28. Januar 2005 Gerhard Schröder :”Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt. Ich rate allen, die sich damit beschäftigen, sich mit den Gegebenheiten auseinander zu setzen, und nicht nur mit den Berichten über die …..

    S P D …?

    Der die wählt ist geisteskrank ebenso jeder Realitäsverweigerer der noch ein Parteibuch von dem Verein besitzt …. Und das der Gerd nicht vor Gericht steht von wegen Diensteid und das solche Sprüche …

  • hunsrückbäuerlein - 14. Dezember 2011

    dem Kapital und dessen willfährigen Vasallen es geht nicht darum, lösungen zu finden und anzubieten um die misere in die es uns gebracht hat, zu verbesser, dem kapital und seinen vasallen geht es darum ein für alle mal seine macht zu festigen und die bevölkerung in die sklaverei zu treiben. Zwangsarbeit (Hartz4) Zwangs stoffliche verwertung (Organspende) zwangs energetische verwertung (Marke Auschwitz u. a.)
    Das Kapital hat uns, dem Proletariat den Krieg erklärt und wir wollen es immer noch nicht wahr haben.
    Rufen wir den Kalssenkampf aus, Proletarier aller Länder vereinigt euch gegen das Kapital, gegen seine Vasallen. Legen wir die Banken lahm, boykottieren wir das Kapital in dem wir ihm unser Geld vorenthalten.
    Akzeptieren wir endlich, dass das Kapital uns den Krieg erklärt hat und nehmen wir ihm sein Kapital.

    • Querschuss - 14. Dezember 2011

      Hallo Hunsrückbäuerlein,
      “…..dem kapital und seinen vasallen geht es darum ein für alle mal seine macht zu festigen und die bevölkerung in die sklaverei zu treiben. Zwangsarbeit (Hartz4) Zwangs stoffliche verwertung (Organspende) zwangs energetische verwertung (Marke Auschwitz u. a.)” Wäre mir als Status Quo Beschreibung zu radikal und übertrieben. Gehen wir aber mal davon aus, dass dies so wäre, dann brauchst du eigentlich nicht zum Klassenkampf aufrufen. Denn eine solche Strategie des “Kapitals” wäre dumm und von wenig wirtschaftlicher Kompetenz gekennzeichnet, denn unter einer Prämisse der Versklavung breiter Bevölkerungsmassen eliminiert man nicht nur den Mittelstand, Herzstück der Wirtschaft, sondern in Folge sich selbst. Niemals kann man die Billionen von in die Welt gesetzten Forderungen mit Sklaverei der Völkern sichern, sondern nur mit wirtschaftlicher Prosperität, dazu gehören Milliarden konsumierende gutsituierte Verbraucher und keine Sklaven.

      Gruß Steffen

      • Lazarus09 - 14. Dezember 2011

        Das weist du …! Der Rest bejubelt das kontraproduktive totsparen …

  • M.E. - 14. Dezember 2011

    Genau so mache ich es, Hunsrückbäuerlein.
    Keine Lebensversicherungen und Anlageprodukte mehr.
    Auf dem Konto nur die notwendige Geldmenge, um bei laufenden Abbuchungen nicht ins Minus zu rutschen.
    Bezahlung bei Alltagskäufen nur in bar.
    Die letzten Kredite laufen bald aus. Danach keine neuen Kredite mehr. Was man sich nicht leisten kann, wird nicht angeschafft.

  • Roland - 14. Dezember 2011

    Ja, sieht nicht gut aus.

    Der bislang verfolgte Weg, via Schuldenschnitt und Lohnsenkungen zur Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit, die griechische Volkswirtschaft auf eine stabile Basis zu setzen, dürfte am Ende der Sackgasse angekommen sein.

    Was jetzt noch möglich ist bei einem Verbleib im EURO-System ist:
    1. Die EZB kauft alle restlichen Schuldscheine auf und schreddert diese anschließend.
    2. Eine “Bazooka” , aber im Sinne eines Investitions- und Wachstumprogrammes in Griechenland.

    Leider wird in Europa aber jetzt “deutsch” gesprochen – eine Sprache, die den Griechen nicht gefallen wird.

  • mo - 14. Dezember 2011

    @slgramann:

    “Der Absturz für die griechische Bevölkerung war unvermeidlich. Insofern sie das Konsumniveau senken, sind diese Spar-Diktate daher sogar richtig und unvermeidlich.”

    hmmm… tatsächlich?

    “Was die soziale Lage vor Ort betrifft, so muss ich aufpassen, nicht in Katastrophismus und Gejammere zu verfallen. Nicht mich persönlich betrifft das, Gott sei Dank. Ich versuche das mal, in recht dürre Worte zu fassen. Die Krise hat nunmehr die „unteren Schichten“ voll erfasst. Die Medien sind mehr und mehr voll von Berichten über Hunger, Obdachlosigkeit, Verzweiflung. Auch in meinem Umfeld kenne ich nunmehr mehrere Familien, die vor dem absoluten Nichts stehen. Keine (NULL) Einnahmen, weil es ein soziales Netz in Griechenland nicht gibt. Sie sitzen in kalten Häusern (in Nordgriechenland derzeit Nachttemperaturen gegen Null, tagsüber maximal 10) und freuen sich, wenn Bekannte vorbei kommen und etwas zu Essen vorbei bringen. Ein wenig Brot zaubert ein Lächeln auf die Lippen.

    Ich kenne Kinder, die keine Winterschuhe haben, keine warme Jacke. Es ist erschreckend, wie schnell das ging – und (mal ganz ehrlich), es macht auch sprachlos. Ich gehöre zur privilegierten Generation, ich kannte keine Not. Alles wenn dann nur aus dem Fernsehen oder Büchern. Jetzt ist es in der Nachbarschaft, bei Freunden angekommen. Wie gesagt, kein Gejammere. Nur eine Nachricht an alle, die so was immer noch nicht für wirklich möglich halten, für surreal da außerhalb des Erfahrungshorizontes: Es geht schnell. Sehr schnell.

    Heute war ein relativ windstiller Tag. Die Luft ist durchzogen von Rauchschwaden. Über Thessaloniki hängt dicker Smog wie sonst im Sommer. Die Menschen heizen mit Holz. Heizöl ist zu teuer geworden. Heute wieder gesehen: Ein alter Mann, der einen Bollerwagen mit Reisig hinter sich her zog. (…)

    An den Straßen verkaufen Menschen das, was sie grad anzubieten haben. Eier, ein paar Kräuter, selbst gestrickte Socken …(…)”

    das als “senkung des konsumniveaus = konsumverzicht” zu bezeichnen, würde ich wiederum als etwas merkbefreit bezeichnen. “konsumverzicht” ist es also auch, wenn kinder im schulunterricht vor hunger ohnmächtig werden und das pflegepersonal einer psychiatrischen klinik bei athen den tag hauptsächlich damit verbringt, in der nachbarschaft nach nahrung für die patienten zu suchen? (beide meldungen sind schon ein paar wochen alt).

    oder haben Sie da einfach “senkung des zum überleben nötigen konsumniveaus” mit “konsumverzicht” gleichgesetzt?

  • hunsrückbäuerlein - 14. Dezember 2011

    hallo querschuss,
    der status quo ist mit Hartz4 und Zwangsarbeit für einen Teil der bundesdeutschen bevölkerung mit sicherheit realistisch beschrieben und wohl kaum als radikal oder übertrieben zu bezeichnen. den rest wird die zukunft hoffendlich nicht wieder bringen, wobei die zwangs stoffliche verwertung bereits in der diskussion ist und man sich dieser nur durch ausdrückliche ablehnung versagen können soll. Dies entspricht einer gravierenden Änderung des europäischen und deutschen rechtsempfindens, analog einer beweislastumkehr, die Unschuldsvermutung wird hier ebenfalls umgedreht, also in der Tat ein radikaler Einschnitt in das bisherige Rechtesempfinden und Rechtsgebahren, wenn denn die Zwangsorganspende kommen sollte…..was ich vermute; also weder radikal noch übertrieben, sondern politischer Diskussionsstoff.
    Du bezeichnest meine, dem Kapital unterstellte Strategie der Versklavung der Massen als dumm. In deinen Analysen über GR kommst du auch stets zu diesem Fazit, dass es keinen Sinn macht die Massen zu verarmen, weil dies den Konsum lähmt und die Wirtschaft stranguliert. Gleichwohl ist es ein Faktum, das auch du zur Kenntnis nehmen mußt, dass in GR, SP, P, IRL, D, USA große Teile der Bevölkerung verarmen mit der bisherigen Strategie des Kapitals und seiner Vasallen, , das hat sich nicht einmal die OECD getraut zu leugnen.
    Ein Fazit: Die von mir dem Kapital unterstellte Strategie ist in deinen Augen dumm, und aktuell Fakt. Meine Untestellung läßt sich mit den tatsächlichen Ausprägungen, die auch von dir Steffen immer wieder hervorgehoben werden, belegen. Läßt sich daraus schlußfolgern, dass das Kapital und seine Vasallen dumm sind oder dumm handeln? Ich bezweifle das, ich bleibe bei meiner These weil ich mir nicht vorstellen kann, dass die aktuellen Handlungen des Kapitals und seiner Vasallen, auf Dummheit basieren, das scheint mir doch allzu weit hergeholt oder sollte die Intelligenz dieser Gruppe, aus welchen Gründen auch immer, verdampft sein? Vorstellbar? Wohl kaum! Was anderes könnte denn das Kapital mit seinen Helfern im Schilde führen?

    • Querschuss - 14. Dezember 2011

      Hallo Hunsrückbäuerlein,
      ich hatte den vorherigen Kommentar so verstanden, dass die Versklavung generelles Ziel des “Kapitals” ist. Es ist ein Unterschied ob ein Anteil von 10-15% der Bevölkerung Hartz4 geknechtet wird oder eben nahe 90%. Im zweiten Szenario werden sich auch die obersten 10% der Bevölkerung auf die Verliererstrasse begeben, auch wenn sie es vielleicht in ihrer “Dummheit” nicht erkennen. Aber auch dort sind sicher nicht alle “dumm”, deshalb glaube ich auch nicht, dass das “Kapital” ein monolither Block ist, ich glaube auch nicht, das Merkel und ihre Berater das Programm der Austerität für Griechenland, unzweifelhaft der Weg in den Niedergang, in Deutschland anwenden würden. In der Wirtschafts- und Finanzkrise hat sie in Deutschland anders gehandelt und mit Kurzarbeit und konjunkturellen Maßnahmen eher die Wirtschaft stabilisiert. Es dürfte noch einen Unterschied ausmachen, wenn man zur Wahrung der vermeintlichen eigenen Interessen, anderen Ländern innerhalb des Währungsverbundes Austeritätsmaßnahmen auferlegt und billigend die Folgen für die dortige Bevölkerung in Kauf nimmt oder eine koordinierte generelle Versklavung der Bevölkerung überall anstrebt.

      Die aufgebauten Forderungen (Guthaben) lassen sich nur durch wirtschaftliche Prosperität sichern und nicht über die Verarmung breiter Bevölkerungsteile. Sollte das letztere also Programm sein, wird dieses Scheitern und wäre demzufolge auch ein dummes und inkompetentes Programm, weil es das eigentliche kapitalistische Ziel, die Kapitalvermehrung unterminiert.

      Gruß Steffen

      • Roland - 14. Dezember 2011

        Ein “günstiger” Nebeneffekt einer Depression in Griechenland und den südlichen EU-Ländern ist:

        Das deutsche Kapital kann auf Schnäppchenjagd gehen und billigst vor dem Bankrott stehende Firmen aufkaufen. Oder auch Flughaäfen, Infrastruktur und das ein oder andere Inselchen.
        Geht alles ohne Krieg !

        ps.
        China bereitet sich mit seinem 300 Mrd. “Kriegsfond” ebenso auf eine Einkaufstour in Europa vor.
        Dumm nur, dass sie auch Germany im Blick haben.

        Ahnen die was ?

  • ex600 - 14. Dezember 2011

    Mal eine Frage, die mich seit geraumer Zeit beschäftigt (hat mit dem Beitrag von Steffen nix zu tun, ist also ot):
    Weshalb gleichen sich die Charts von DAX, Gold, Euro/USD wie Abzugsbilchen? Eigentlich ist das doch unlogisch oder?

  • hunsrückbäuerlein - 14. Dezember 2011

    Hartz4 und Aufstocker gibt es inzsichen ca. 7 Mio. also, knappe 10% der Bevölkerung. Nehmen wir die Rentner noch hinzu, die knapp darüber liegen, sind wir vermutlich schon bei 20%, Tendenz starkt steigend.

    Das Abfedern der Lehman-Pleite durch Kurzarbeit geht ebenfalls zu Lasten der Arbeitnehmer, denn sie tragen den größten Teil der Last in form von Lohnkürzung für Unterbeschäftigung, Arbetslosenbeiträge, die diese Form der Arbeit finanzieren, etc..

    Ich habe nicht behauptet, dass “das Kapital” ein monolither Block sei, ich habe lediglich behauptet, dass das Kapital eine Strategie verfolgt. Dass es innerhalb derer, die diese Strategie entwickeln, ausüben, etc. Tendenzen in diverse Richtungen gibt, habe ich nicht in Zweifel gestellt, man betrachte es wie den Haufen SPD mit den Linken und dem Seeheimer kreis, etc. alle vereint unter dem Dach der SPD, so wird es auch bei “dem Kapital” sein.

    Dumm sind die Vertreter des Kapitals sicher nicht, insofern ist meiner behauptung, das Kapital verfolge eine, die von mir beschriebene, Strategie glaubhaft, was ja auch nicht zwingend dauerhafte Austeritätsmaßnahmen und verelendung auf niederstem Niveau bedeuten muß. Die Geknechteten lassen sich ja dank neuer feindbilder etc. wieder reaktivieren zum Konsum.

    Ob Merkel und Konsorten sich bei einer ähnlichen Schieflage F oder D ähnlich GR verhalten würden, wage auch ich zu bezweifeln, allerdings aus anderen, als patriotischen Gründen. Sollte F und/oder D explodieren, bleibt von EU definitiv NIX mehr über, auch kein Merkozy. Doch bleibt die Erwartung noch Hypothese und da sehe ich dunkler als sie.

    bleibt noch ihre aussage des letzten absatzes. betrachten wird das ganze im grundkurs bürokaufmann. das T-Konto mit den beiden seiten soll und haben läßt sich natürlich im erweiterten, auf den staat übertragenen sinn, zusammenfassen in verbindlichkeiten auf der einen und forderungen auf der anderen. sind die forderungen uneinbringbar, muß das konto um ausgeglichen zu werden, mit eigenkapital, der auflösung stiller reserven, etc. bis auf Null Differenz aufgefüllt werden. Gibt es da nix mehr zum auffüllen muß insolvenz angemeldet werden. da das bei staaten nicht möglich ist, weil der staat=bürger wird das kto. derart angeglichen, dass die verbdinlichkeiten gegenüber den bürgern reduziert und die forderungen gegen den bürger erhöht werden, was nichts anderes bedeutet als staatliche leistungen runter, abzocke der bürger hoch..

    sie erkennen unschwer, dass es sich bei dieser zu erwartenden und in GR nachweislich durchgeführten Handlungsweisen um einen ringschluß handelt, der spiralig dazu führt, dass immer mehr Menschen verarmen.

    So lange diese verfahrensweise beibehalten wird, ist auch die weitere entwicklung klar und deutlich. die ändert sich erst, wenn die verfahrensweise geändert wird, doch das wird noch dauern, wenn überhaupt. das würde nämlich bedeuten, geldtransfers ins ausland zu unterbinden bzw. nur noch für wirtschaftliche transaktionen zu gestatten, die seite der forderungen des kontos auf einen größeren kreis der bevölkerung auszudehnen, also die exzessiven profite der profiteure der letzten 10 – 20 jahre abzuschöpfen……

    daran glaubt der weihnachtsmann, ich nicht.

  • Kistrof - 15. Dezember 2011

    Die Griechen sind Opfer des EU-Diktats UND der Unfähigkeit ihr eigenes Land zu organisieren:
    http://www.ftd.de/politik/europa/:am-fiskus-vorbei-das-griechische-betrugssystem-40-40-20/60142736.html

  • mitwisser - 15. Dezember 2011

    Danke Steffen, auf den aktualisiserten Chart habe ich schon ne Weile gewartet. Es bestätigt meinen Verdacht, dass sich trotz Riesenspektakel weder auf der Einnahmen- noch Ausgabenseite gross war ändert, eher sogar in die gegenteilige Richtung, speziell bei den Ausgaben. Eine detaillierte Aufstellung der Ausgaben würde mich sehr interessieren. Aber die gibts wohl nicht und wenn, dann wäre sie vermutlich stark frisiert. Nun wird ja seit Mai 2009 kontinuierlich von immer neuen Ausgabenkürzungen geredet. Aber ich kann die nicht erkennen. OK…die Sozialsysteme erhalten weniger Zahlungen, was aber zumindest durch die dortigen Kürzungen dort kompenisert werden könnte, zumindest teilweise. Wo bleiben dann die immer wieder genannten Kürzungen bei Beamten und Rentern und sonstigen Ausgaben? Ich kann sie in den Zahlen bisher nicht finden. Der unrefomierbare Apparat(Beurteilung OECD) arbeitet offensichtlich weiter wie gehabt und lässt das Geld in den alten Kanälen versickern. Zweifellos gibts Griechen die es voll erwischt hat. Aber wer im von aussen getragenen Versorgungsystem drin war, scheint es grösstenteils immer noch zu sein. Nur konsumiert wird weniger und was übrig ist, wird in Sicherheit gebracht. Die seitherige Vorgehensweise ist völlig nutzlos und verbrennt obendrein Unsummen an Geld von aussen. Geld, das später fehlen wird um den Griechen eine Chance auf einen Neustart zu geben.
    Es ist ein Spiel auf Zeit und führt (von der Mehrzahl der angblichen Retter so sicher nicht gewollt) nur noch dazu, dass Teile der Bevölkerung retten können was geht….und bezahlt wurde das dann von aussen.
    Der Bankrott Griechenlands ist unausweichlich. Wie man liest, ist mittlerweile nur noch der Iran bereit Griechenland mit Öl zu beliefern,da die anderen Angst um die Zahlung haben und keine Bank mehr bereit ist zu finanzieren. Geht bald das Licht dort aus? Viele Firmen dürften auch nur noch gegen Vorauskasse nach Griechenland liefern.Zumal die zahlungsmoral schon vor der Krise nicht die beste war.
    Was mich auch irritiert ist das anhaltend hohe Handelsdefizit. Da hier doch primär der Konsum auf Pump drin steckt, würde ich deutlichere Bremsspuren erwarten. Oder gibt man mangels alternativer Sicherheiten (primär im Ausland) schnell noch Geld für langlebige Konsumgüter und sonst werthaltiges aus, bevor die Drachme kommt oder der Euro implodiert?

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