Hollande in Not: Die politische Elite Frankreichs ist an der Krise und an sich selbst gescheitert

von am 26. August 2014 in Allgemein

Noch nie war die Unzufriedenheit der Franzosen mit den etablierten Parteien und Politikern größer als jetzt. Die zweite Krise und Umbildung der Regierung Frankreichs innerhalb von nicht einmal fünf Monaten zeigt das ganze Ausmaß des politischen Versagens in Frankreich.

Frankreich hat die Nase voll von etablierten Parteien und Politikerelite

Die Umfragewerte des Sozialisten François Hollande (PS) sind so schlecht wie für keinen anderen französischen Präsidenten vor ihm. Seit 1958 ermittelt das Institut français d’opinion publique (IFOP) über Umfragen regelmäßig die Popularität von Frankreichs Staatspräsidenten. Im August sanken die von IFOP ermittelten Zustimmungswerte für François Hollande auf nur noch 17 Prozent. (1) Den Negativ-Rekord hatte zuletzt der Sozialist und geistige Ziehvater Hollandes´, François Mitterand, gehalten. Im Dezember 1991 waren nur 22 Prozent mit ihm zufrieden gewesen. (2) Hollande hatte diesen Rekord schon im November 2013 geknackt.

Auch Hollandes´ konservativer Amtsvorgänger Nicolas Sarkozy (UMP) hatte in der letzten Phase seiner Präsidentschaft mit sehr schlechten Zustimmungswerten leben müssen. Im April 2011 erreichten sie für ihn mit 28 Prozent den schlechtesten Wert. Sie haben ihn bei den Präsidentschaftswahlen im Mai 2012 schließlich sein Amt gekostet und Hollande den Sieg gebracht. Die Franzosen wollten einen Politikwechsel.

Die ehemals regierende konservative, jetzt mit dem finanziellen Bankrott kämpfende UMP hat in der Bevölkerung massiv an Vertrauen verloren und es nicht zurückgewinnen können, weil sie von Affären geschüttelt und zerstritten ist. (3) Gegen den Ex-Präsidenten Sarkozy laufen seit Anfang Juli staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Korruption und unerlaubter Einflussnahme. (4) Diese Meldung erschütterte Frankreich. Sarkozy ist allerdings in gleich mehrere Justizskandale verwickelt. (5) Doch spätestens seit dem Rücktritt der Regierung des sozialistischen Premiers Manuel Valls ist klar, dass die sozialistische Partei ebenfalls heillos zerstritten und nicht in der Lage ist, das Vertrauen der Franzosen zurückzugewinnen.

Hollande hat die politische Orientierung und den Kontakt zur Bevölkerung verloren

François Hollande war bei der Präsidentschaftswahl im April und Mai 2012, also zur Hochphase der Euro-Krise, gegen den damaligen konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy (UMP) mit dem Versprechen angetreten, es wirtschafts- und europapolitisch anders und besser zu machen, um Frankreichs Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Schwung zu bringen und Europa aus der Krise zu führen.

Heute scheint nichts mehr von diesem Anspruch übriggeblieben zu sein. Sein ambitioniertes politisches Konzept für Frankreich und Europa, ein 60-Punkte-Plan (6), mit dem er in den Präsidentschaftswahlkampf gezogen war, scheint sich in Luft aufgelöst zu haben.

Die französische Wirtschaft stagniert, die Arbeitslosigkeit befindet sich auf Rekordniveau, die Staatsfinanzen sind strapaziert und auch der Euro-Raum, so zeichnet sich immer deutlicher ab, ist keineswegs aus den Problemen heraus.

Das ist – verkürzt ausgedrückt und aus französischer Perspektive betrachtet – die Bilanz das amtierenden französischen Präsidenten. Aber es ist nur zum Teil der Grund für die hohe und weiter wachsende Unzufriedenheit der Franzosen mit seiner der Arbeit. Er gilt als Zauderer, als jemand der keine klare Linie verfolgt, sondern einen politischen Schlingerkurs.

Mit der Kabinettsumbildung, mit der Hollande Manuel Valls am 1. April zum Premier machte, war der Präsident erstmals erkennbar klar von seinem Wahlversprechen, es anders und besser zu machen, abgerückt. Mit diesem Schritt schwenkte er auf den in Europa üblichen Kurs der Haushaltskonsolidierung ein, dem die Franzosen bei der Präsidentschaftswahl im Mai 2012 eine Absage erteilt hatten.

Der französische Präsident hat die politische Orientierung und den Kontakt zu den Bürgern im Land verloren.

Hollande hat die wirtschaftspolitische Verantwortung an Berlin abgegeben

Dabei war die Regierungsumbildung eine Reaktion auf das katastrophale Abschneiden von Hollandes´ Sozialistischer Partei bei den Kommunalwahlen in Frankreich gewesen. Die Franzosen hatten ihn bei dieser Wahl jedoch dafür abgestraft, dass er nicht die versprochene zupackende Alternative zum europäischen Konsolidierungskurs geboten, sondern sukzessive davon abgerückt und stattdessen in eine konturlose, mit Widersprüchlichkeiten gepflasterte Politik des Stillstands aus Angst vor der Entscheidung für eine klare Richtung verfallen war.

Merkwürdigerweise hatte Hollande in seiner ans Volk gerichteten Erklärung zur Regierungsumbildung Anfang April gesagt, er habe die Wählerbotschaft verstanden. Seine Entscheidung, mit Manuel Valls einen Befürworter des Sparkurses und mithin auch konservativer politischer Positionen an die Spitze der neuen Regierung zu berufen, war indes eindeutig keine Rückbesinnung auf den 2012 versprochenen Politikwechsel, sondern die endgültige Verabschiedung davon.

Dem linken Flügel der Sozialisten war Valls genau deswegen schwer zu vermitteln gewesen. Dennoch hatte er in der Nationalversammlung die obligatorische Vertrauensabstimmung gewonnen.

Hollande hat alle Alarmzeichen ignoriert

Tatsache ist, dass Valls Regierung Ende März erst beim grünen Koalitionspartner durchgefallen war, der aus der Regierung ausschied und dann bei der Europawahl im Mai bei den Wählern. Jetzt, knapp fünf Monate nach dem politischen Neustart, ist sie am innerparteilichen Widerspruch zerbrochen.

Präsident Hollande hat all diese Alarmzeichen ignoriert – oder falsch gedeutet.

Nur er selbst dürfte es deswegen noch als logisch empfinden, Manuel Valls den Auftrag für die Bildung einer zudem nunmehr sogar auf den Sparkurs verpflichteten neuen Regierung zu übertragen. Das gilt umso mehr, als auch Valls Zustimmungswerte im August auf ein neues Rekordtief gefallen sind.

Im April, also zu Beginn seiner Amtszeit, hatte Valls bei den Franzosen mit 58 Prozent Zustimmung noch einen komfortablen Vertrauensvorschuss. Bis Juli war die Zustimmung allerdings schon auf 45 Prozent zurückgegangen. Jetzt, im August, sind nur noch 36 Prozent der von IFOP Befragten mit seiner Arbeit zufrieden. (7) Die neue Regierungskrise ist in diesen Wert allerdings noch nicht eingeflossen.

Wie lange kann sich Hollande als Präsident noch halten?

Das Image des Zauderers loszuwerden, indem er die Verantwortung für den wirtschaftspolitischen Kurs de facto an Brüssel abgibt und sich damit den Vorstellungen Berlins unterordnet, war mit Blick auf seinen politischen Rückhalt in Frankreich und vor allem auch in seiner eigenen Partei sehr wahrscheinlich die denkbar schlechteste Idee, die Hollande haben konnte.

Es mag sein, dass Valls die Vertrauensabstimmung in der Nationalversammlung letztlich auch dieses Mal wieder bekommt. Es dürfte in jedem Fall schwerer geworden sein.

In den Augen des Präsidenten und Premiers hat der dem linken Flügel zugerechnete bisherige Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg mit seinen kritischen Äußerungen zum wirtschaftspolitischen Kurs von Hollande und Valls, mit denen er die Regierungskrise auslöste, eine rote Linie überschritten. Der Präsident wollte mit der Regierungsumbildung ein Zeichen der Stärke setzen. Dabei ist es vor allem seine eigene Schwäche, die dies scheinbar überhaupt erst erforderlich machte und zwar um etwas in Ordnung zu bringen, ohne wirklich zu wissen wie.

Doch möglicherweise hat Hollande mit der Vorgabe einer mit dem Sparkurs konformen Regierungsumbildung nun selbst eine rote Linie überschritten und zwar in den Augen der Mehrheit der Sozialisten: Wie viel Rückhalt hat der Präsident mit den schlechtesten Zustimmungswerten in der Geschichte Frankreichs jetzt noch in seiner eigenen Partei? Können die Sozialisten ihre Wurzeln so weitgehend verleugnen wie Hollande es jetzt von ihnen fordert?

Frankreich steckt ohne Frage in einer schweren Krise und François Hollande ist auf dem besten Wege, Geschichte zu schreiben.

Ob ihm gefallen wird, was da einst über ihn geschrieben steht, ist allerdings mehr als fraglich. Die Kraft, das Bild, das Frankeich von ihm hat, zu ändern, hat er aber offensichtlich nicht. Er ist kein Steuermann. Er sitzt zwar am Steuer des Bootes, doch der eigentliche Steuermann ist der Fluss mit vielen Stromschnellen, der ihn und sein Boot mitreißt. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Die Frage, die sich daraus ableitet, ist einfach: Wie lange kann sich Hollande als Präsident noch halten? Oder: Wie lange kann Frankreich ihn noch verkraften?

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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61 KommentareKommentieren

  • Nicolas - 26. August 2014

    Der Wähler macht es sich jedoch auch immer zu einfach : jeder Einzelne sollte verstehen dass gewisse Gewohnheiten, die vielleicht in der Vergangenheit angemessen waren, durch geänderte Umstände manchmal neu in Frage zu stellen sind. Und das eben auch Einbussen von vorher liebgewonnenen Privilegien bedeutet.
    Dieses Verhalten fordert der Wähler immer von den anderen Wählern, wählt jedoch selbst denjenigen der ihm weiter einen reservierten Platz an einem Futtertrog verspricht. Einbussen soll wer anderer auf sich nehmen ich habe meine Staats-Leistungen verdient…mein Nachbar kriegts ja auch.

    Ich habe selber mein Kreuz bei Hollande gemacht und es ca 3 Tage nach Amtsantritt bitter bereut.
    Da ist gleich mal das Pensionsantrittsalter gesenkt worden. Ohne Opposition ohne gar nichts sowas flutscht immer problemlos durch…Pensionisten gibts es auch in “rechten” Machtblöcken.
    Es hat zwar nur einen kleinen Teil betroffen und es gibt sicher ehrenwerte Einzelfälle die es wirklich verdient haben in Ruhestand zu gehen. Es war aber für mich trotz allem das falsche Signal. Weil an dem Einzelbeispiel der es vielleicht wirklich verdient hat hängen sich immer 10 weitere an die es eigentlich nicht brauchen aber zu Mami weinen gehen warum denn der andere schon das Geschenk bekommen hat. Besonders ausgeprägt in F!

    Ich wusste damit gleich dass das mit Hollande eigentlich nix werden kann. Es ist wie eine anstrengende Diät mit einer dicken Sahnetorte beginnen…

    • Frank Bell - 26. August 2014

      Komisch ist nur, dass die “Diät” immer nur den kleinen Mann betrifft…

      Und witzigerweise der kleine Mann dem anderen kleinen Mann nichts gönnt, hier die Rente.

      Leute, geht ENDLICH den Grossen und den Bankern an den Kragen!

  • Frankenfurter - 26. August 2014

    Womöglich blickt Hollande in letzter Zeit öfter auf das Bild seines sozialistischen Vorgängers im Amt Francoise Mitterrand. Der bekämpfte die Wirtschaftskrise in der Frankreich 1981 steckte zunächst mit keynesianischer Wirtschaftspolitik (Konsumstimmulierung via Einführung von Mindestlöhnen, Rentenerhöhungen und Familienbeihilfen, Verstaatlichung von Schlüsselindustrien und Banken und verkürzter Arbeitszeit. Aber das ging gründlich schief, denn in der ersten Amtszeit von Mitterrand verschäften diese Maßnahmen die Rezession. Der fr. Franc wertete ab, die Inflation stieg an genauso wie das Defizit in der Leistungsbilanz.

    Dann riß Mitterrand in der Wirtschaftspolitik das Ruder um .

    “Unter dem Druck der schlechten Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten zerbrach die Koalition mit dem PCF im Juli 1984. Mitterrands zweiter Premierminister Laurent Fabius betrieb eine andere Wirtschaftspolitik und setzte ein Austeritätsprogramm durch. Ab Mitte der 1980er Jahre verbesserte sich die wirtschaftliche Lage Frankreichs.” Wikipedia.

    Sollten die Neoliberalen damals wie heute recht behalten? Frankreich muss sparen, sparen und seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern !

    • Roland - 26. August 2014

      Logisch, Frankreich muss sich durch “Gesundsparen” so schnell wie möglich in die hoffnungslose Lage Griechenlands bringen. Und um diesen Weg so kurz wie möglich zu gestalten, sollte Hollande die Sanktionen gegen Rußland ausweiten. Die Gegensaktionen besorgen ihm dann postwendend den Rest.

  • Frankenfurter - 26. August 2014

    ….man denke nur an den “übergroßen französischen Staatsapparat, der „56 Prozent aller Wirtschaftsleistung verschlingt” SZ. Haha

    • Systemfrager - 27. August 2014

      Aber natürlich
      “man denke nur an …”
      a die neoliberalen Lügen die alles im Schatten lassen, was damals Goebbels zustande brachte

  • JL - 26. August 2014

    Hollande hat noch nicht mal ansatzweise das Charisma eines Charles de Gaulle. Kann er auch nicht, heutige Politiker sind glattgeschliffen wie Flußsteine- nicht nur in Frankreich. Und auch nicht nur in Frankreich hagelt es zu Wahlzeiten Ideen und Willensbekundungen on maß.

    Offensichtlich ist der französische Präsident keine Leitfigur an dem sich Frankreich und dessen Parteien (auch als Opposition) ausrichten könnten. Man kritisiert ihn ja nicht, daß er etwas Falsches macht, sondern dass er nichts macht. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel (75% „Reichensteuer“).

    Dabei versucht er sich aber nur in der Tradition seiner Vorgänger Mitterand und Sarkozy. Auch diese waren bei notwendigen Reformen eher bescheiden, lieber übernahm man staatlicherseits Firmen oder erwarb Anteile davon. Im Ergebnis hat man nun 57% Staatsanteil innerhalb der französischen Wirtschaft. Und hier liegt für Frankreich nun die Crux. Man kann nicht sparen ohne direkte, negative Auswirkungen umgehend auf dessen Wirtschaft zu bekommen, man kann aber auch nicht unbegrenzt Schulden anhäufen. Also macht man nichts, nur so umgeht man (noch) Ärger mit dem eigenen Wahlvolk.

    Charles de Gaulle hatte 1966 die Nato rigoros aus Frankreich geschmissen, Hollande hebt noch nicht mal den Finger bei Sanktionen die auch Frankreich treffen werden- und dies in der derzeitigen desolaten Wirtschafts- und Finanzlage. Dies wird ihm vermutlich das politische Genick brechen.

    Man muß noch nicht mal Pokern können, um die schlechten Karten von Hollande zu erahnen.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Frank Bell - 26. August 2014

    Einem Volk, welches erst Sarkozy (“le petit Nicholas”) und dann Hollande wählt, IST NICHT MEHR ZU HELFEN.

    • Euro? Nein danke! - Aufkleber - 27. August 2014

      Eben. Jedem so wie er es verdient!

      Besser die Franzosen büßen für ihre Verschwendung als dass wir für sie bezahlen!

  • Frank Bell - 26. August 2014

    @ Stefan L. Eichner

    Ist off-topic, aber hochinteressant:

    Council on Foreign Relations (eigentlich die Bösen) ;-)

    Why the Ukraine Crisis Is the West’s Fault

    The Liberal Delusions That Provoked Putin

    Hier gibt es den Artikel:

    http://www.foreignaffairs.com/articles/141769/john-j-mearsheimer/why-the-ukraine-crisis-is-the-wests-fault

    Und hier vollständig:

    http://praag.org/?p=15312

    • SLE - 26. August 2014

      Hallo Frank Bell,

      Danke für den Hinweis. Werde ich mir durchlesen.

      Grüße
      SLE

  • SLGramann - 26. August 2014

    Hollande und ganz Frankreich sind in einer tragischen Situation. Frankreich hat es zugelassen, dass Deutschland sich durch sein jahrelanges Lohndumping einen riesigen Wettbewerbsvorsprung verschafft hat.

    Frankreich ist nicht mehr wettbewerbsfähig. Abwerten kann man nicht, denn man hat den Euro. Den Euro aufgeben wollen die Sozialisten nicht. Also bleibt logischerweise nur, auf strengen Deflationskurs zu gehen und zu versuchen, den Spieß umzudrehen und wettbewerbsfähiger zu werden, als Deutschland – denn man müsste ja verlorene Marktanteile zurückholen, damit es wieder aufwärts gehen kann.

    Nur würde man durch einen konsequenten Deflationskurs die Binnenwirtschaft gänzlich zerstören. Und der größte Witz ist, dass – sobald man auf diesem Weg im Export Erfolge hätte – dies ja zulasten Deutschlands ginge, wo man sofort die Agenda 2020 ausrufen und die Löhne noch stärker drücken würde. Frankreich hätte dann seine Binnenwirtschaft zerstört und würde den Exportkrieg gegen Deutschland dennoch verlieren.

    Weil Frankreich in dieser Tragödie gefangen ist und keine Chance hat, da raus zu kommen, wird am Ende der Front National an die Macht kommen und entweder aus dem Euro aussteigen oder Deutschland zu Konzessionen zwingen.

    Deutschlands Exportwahn auf Kosten der europäischen “Freunde und Partner” wird eines Tages auf jeden Fall enden, weil alles endet, was nicht für immer so weiter gehen kann. So, wie es aussieht, wird dieses Ende nicht als langsamer Anpassungsprozess gestaltet werden können, weil Deutschland nicht von seinem hohen Ross steigen wird. Also wird es knallen. Frankreich wird faschistisch werden. Der Euro wird zerbrechen und mit ihm die deutsche Exportherrlichkeit – denn die neue deutsche Währung wird dann aufwerten, dass es nur so kracht.
    Deutschland ist Hauptschuldiger an dieser Entwicklung, wird das aber nicht im Geringsten verstehen.

    • Frank Bell - 26. August 2014

      @ SLGramann

      Deflation? Das Gegenteil ist in Frankreich der Fall! Lebensmittelpreise gehen durch die Decke.

      Franzosen in Grenznähe zu Deutschland kaufen in DEUTSCHLAND, bei ALDI oder LIDL. (Analoges gilt für Belgier und Holländer.)

      • Fankenfurter - 27. August 2014

        Frank Bell, keiner hier hat behauptet, dass Frankreich einen deflationären Kurs fährt, sondern Deutschland mit seiner Weigerung die Reallöhne analog zur Produktivität ansteigen zu lassen. Frankreich aber hat das genau seit dem Eurobeitritt getan, wie wieder und wieder hier dargelegt wurde, tzsss.

      • dank - 27. August 2014

        Das gilt für so gut wie alle Länder in Grenznähe zu D. D hat nun einmal die günstigsten Preise, sonst wäre das Sozial- als auch Lohndumping längst auf die Straßen getragen worden, wenn der Bauch mit abstimmten müsste.
        Dazu gibt es selbst im Ausland bei gleichen Produkten Quantitäts- und Qualitätsunterschiede – eklatante: Ein Produkt (betroffen sind weniger Markenprodukte, sondern mehr die bekannten TarnüberproduktionsFirmen) in Deutschland vom Diskounter X ist nicht zwangsläufig das gleiche Produkt, mit gleicher Verpackung beim Diskounter X im Ausland. Es werden Verpackungseinheiten verkleinert, Zutaten verändert und ähnliches (offiziell den anderen Geschmäckern, Bräuchen, Überzeugungen, Kultur etc. im Ausland geschuldet). Trifft natürlich nicht auf alle Produkte zu und die Inhalts- Geschmacksänderungen machen teils auch Sinn. Das gestaltet auch eine Auswertung schwierig, ob hier Profitmaximierung oder sonnvolle Erwägungen dahinterstecken.

    • thewisemansfear - 26. August 2014

      Nicht nur Frankreich hat das zugelassen, die restlichen Euroländer ja auch. Jeder für sich genommen zieht nun nacheinander die Konsequenzen und versucht über dieselbe Schiene dem Elend zu entkommen. Ein ganz und gar nicht spaßiges “race to the bottom”…
      Wenn den Ländern klar wäre, dass sie nur gemeinsam aufbegehren und Druck auf den Elefanten im Raum ausüben können – es wäre alles so leicht. Aber nein, dank egoistischer Denke steht jeder für sich, Kooperation scheint verpönt.
      Ich habe ehrlich gesagt wenig Lust auf einen weiteren Maidan mit sich noch ausweitenden faschistoiden Tendenzen. Sehe aber wie Sie, dass der Weg dorthin bereits eingeebnet ist.

      Schon allein das Wissen, dass Auf- und Abwertung immer relativ zueinander geschieht, scheint nicht sehr weit verbreitet. Sonst würde man nicht nur einseitig auf eine Abwertung einzelner Länder (über Lohnsenkung) drängen, sondern als Entgegenkommen eine Aufwertung auf der anderen Seite einfordern.
      Die Dogmatiker wissen das (noch) zu verhindern…

      • Franlenfurter - 27. August 2014

        “Schon allein das Wissen, dass Auf- und Abwertung immer relativ zueinander geschieht, scheint nicht sehr weit verbreitet.”

        Richtig. Ich konnte keinen Langfristchart für DM/fr.Franc 1950-2002 finden. Ich vermute, dass das Austeritätsprogramm von Fabius ab Mitte 1980er Jahre tatsächlich hilfreich war, um die Wettbewerbssituation der fr. Wirtschaft ggü. Deutschland zu verbesseren. Aber kann man die Lage von damals mit der von heute vergleichen? Ich meine nein. Wettbewerbsfähigkeit ist eine relative Größe. Vom “Race to the bottom” profitiert außer den Multis und ihren Besitzern niemand wirklich. Aber ist es andersherum besser, wenn Löhne und nd Dienstleistungen sich verteuern steigen ja auch die Preise? Und plötzlich stellt sich heraus, dass chinesische Autos die besseren Autos sind, haha.

      • MartinR - 27. August 2014

        Die EU hat ja höhere Löhne in Deutschland wiederholt gefordert.
        Wird ja jetzt alles prima umgesetzt, der Mindestlohn kommt,
        wenn auch mit Ausnahmen …;-)

    • SLE - 26. August 2014

      Damit wären wir wieder beim zentralen Problem der Europäischen Union:

      Das Wachstumsmodell, dass im Kern auf Exporte und (dadurch bedingt) auf Oligopolisierung und Kostensenkung setzt, funktioniert für Europa (aufgrund der fortgeschrittenen Ausreifung der wichtigsten Märkte) nicht mehr

      und das daraus resultierende Problem, vor dem jetzt – unter den großen europäischen Volkswirtschaften – Frankreich als erste Nation steht, ist, dass es bisher keine Regierung und die auch nicht die Riege der führenden Ökonomen, die sie beraten, geschafft hat, eine umsetzungs- und tragfähige Alternative zu entwickeln.

      Ich selbst habe darauf schon zu Beginn der Griechenland-Krise hingewiesen. Die wurde aber pauschal als reine Schuldenkrise eingestuft, was genau genommen nur zum Teil stimmt. Auch die Greichenlandkrise ist mithin ein Folge des nicht mehr funktionierenden europäischen Wachstumsmodell – was man jetzt aber in den südeuropäischen Staaten und langsam auch in Frankreich mit der Brechstrange erwzingen will.

      So funktioniert das natürlich nicht.

      Meines Erachtens besteht die einzige machbare Alternative darin, einen Ansatz zu entwickeln, der es den Mitgliedstaaten erlaubt, innerhalb eines gemeinsamen, weit gesteckten Rahmens – dazu gehört m.E. u.a. eine Abkehr von engen oligopolistischen Strukturen – eine differenzierte Wirtschaftspolitik zu betreiben, die in der Konsequenz auch zu differnzierten wirtschaftlichen Stärken (und Schwächen) führen muss.

      Kurz und vereinfacht gesagt geht es darum, wieder stärker auf die europäische Vielfalt als Stärke zu setzen, anstatt diese Vielfalt mit der Damfwalze immer weiter einzuebnen.

      Letzteres geschieht seit Mitte der 1980er Jahre und es ist ein fundamentaler Fehler gewesen, es damit immer weiter zu treiben. Die (Dauer-)Krise Europas hat sehr viel damit zu tun. Nicht nur und vielleicht auch nicht in erster Linie der Euro.

      Leider diskutiert die EU aber (noch immer) nicht darüber. Mehr noch hat die EU dieses Problem noch nicht einmal erkannt.

      Genau das ist Hollandes (u.u.a.a. Renzis) Dilemma. Er will wirtschaftspolitisch etwas anderes machen, aber weiß konzeptionell nicht was und er weiß auch nicht wie. Das könnte ihm sehr bald zum Verhängnis werden.

      Kanzlerin Merkel befindet sich deswegen mit ihrer europapolitischen Konzepton für die Krisenbekämpfung in einer sehr komfortablen Position.

      Viele Grüße
      SLE

      • SLGramann - 27. August 2014

        Hallo Herr Eichner,

        das sehe ich auch so, dass das deutsche Export-Modell schon deshalb nicht auf ganz Europa übertragbar ist, weil es ja dann irgendwo auf der Welt einen entsprechender Importüberhang geben müsste, der dauerhaft zwischen 6 und 8% des europäischen BIP absorbiert.
        Dass Merkel/Schäuble das ernsthaft für möglich halten, zeigt nur, dass es sich um komplett verrückte Führer handelt.

        Abgesehen von der Ausreifung unserer wichtigsten Märkte, die Sie beschrieben haben, sollte man sich darauf einrichten, dass die USA als der einzige wirklich noch funktionierende Absatzmarkt für unsere Güter demnächst mal wieder in eine Rezession fallen könnte. Gar nicht, weil irgendwas weltbewegend furchtbares passiert, sondern einfach nur, weil das der normale Konjunkturzyklus ist und wir einen langen (wenn auch schwachen) Aufschwung hatten.
        Fallen in USA als Staubsauger für unsere Exportüberschüsse aus, dann gibt es niemanden sonst und in Deutschland wird es eine sehr schwere Krise geben.

        “Kanzlerin Merkel befindet sich deswegen mit ihrer europapolitischen Konzepton für die Krisenbekämpfung in einer sehr komfortablen Position.”

        Damit haben Sie recht, wenn man das auf die kurze Frist bezieht. Auf etwas längere Sicht ist diese Frau jedoch die Totengräberin des Euro, der europäischen Völkerverständigung, letztlich auch unseres(!) Wohlstandes und vielleicht sogar der gesamten Friedensordnung, die nach dem WK II etabliert werden konnte. Ich halte diese Frau für genauso inkompetent, verblendet, falsch beraten, charakterlich defizitär und brandgefährlich wie unseren unseligen letzen Kaiser W2.

        • SLE - 27. August 2014

          Guten Morgen SLGramann,

          morgen kommt die zweite GDP-Schätzung für die US-Wirtschaft für das zweite Quartal. Dann werden wir schon mehr wissen.

          Die erste hatte ein Wachstum von 1,0 Prozent (annualisiert) ausgewiesen. Allerdings haben sich die ersten Schätzungen in der Rückbetrachtung meist als zu opitimistisch erwiesen. Ich vermute deswegen, es könnte eine Abwärtskorrektur geben. Gibt es einen Minuswert, dann wäre es das zweite Quartal mit rückläufigem Wachstum in den USA. Aus unserer Sicht wäre das dann technisch eine Rezession. Doch die USA haben ein anderes Prozedere, wie wir wissen.

          Hinzu kommt, wie ich zu Ihren Bemerkungen ergänzen möchte, dass es für westliche Unternehmen auch in China zunehmend politisch bedingt zunehmend mehr Probleme gibt, Gewinne zu erzielen. Die breit angelegte Offensive der dortigen Monopolbehörde wegen mutmaßlicher Monopolpreise ist dabei nur ein Beispiel. Jüngst ist jetzt auch noch eine Verschärfung der Joint-venture-Regelungen verfügt worden, die westliche Unternehmen zu einer noch weiterreichenden Kooperation mit chinesischen Firmen zwingt. Hier der Link.

          http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-autobauer-und-zulieferer-werden-abhaengiger-von-china-a-988020.html

          Europas und insbesondere Deutschlands Wirtschaft, speziell der Automobilsektor, sind inzwischen in einem empfindlichen Maße abhängig von den in China generierten Umsätzen und gewinnen. Auch von hier, nicht nur von den USA, droht den Deutschen also wirtschaftliches Ungemach.

          Es würde mich insofern nicht überraschen, wenn sich in Deutschland auch für das dritte Quartal ein Minus-Wachstum ergäbe.

          Tja, und in Japan, dessen Exportindustrie ebenfalls von den chinesischen Absatz-Erschwernissen zu leiden haben, sieht es auch nicht rosig aus. In Q1 war dort die Wirtschaft noch um 6,1% gewachsen, dann aber aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung in Q2 um 6,8% geschrumpft.

          Viele vertreten ja die These einer starken Aufwärtsbewegung in Q3. Ich halte das aber für wenig realistisch. Shinzo Abe selbst scheinbar auch. Er hat für September eine Kabinettsumbildung angekündigt, obwohl seine Umfragewerte gegenwärtig bestens sind.

          Was Frau merkel anbelangt, so haben Sie natürlich recht. Sie befindet sich selbstverständlich nur kurzfristig in einer komfortablen Situation. Allerdings hat sie immer schon ein erstaunliches Talent bewiesen, genau im richtigen Moment den Job oder auch die Seiten zu wechseln, um dann ihre Karriere ohne Knick fortzusetzen. Das war schon in der DDR un der Wendephase so.

          Zudem gibt es bereits Spekulationen, sie könnte ihre Kanzlerschaft vorzeitig beenden. Solche Spekulationen werden nicht grundlos aus der CDU gestreut. Möglichweise bereiter sie also schon ihren Absprung vor, wenn ihre Situation nicht mehr so komfortabel zu sein beginnt. Sie wird nach meiner Einschätzung die Suppe gewiss ht auslöffeln, die sie uns eingebrockt hat.

          Viele Grüße
          SLE

        • Leser - 27. August 2014

          Exportsteuerung?
          wie soll das funktionieren und ist auch noch völlig falsch.
          Die kleine Niederlande export mehr nach De als wir in die Niederlande. Ja warum wohl?
          wei die “bösen” Niederländer gerne Ware verkaufen wollen.
          Nein! weil die naturbedingt die größten Häfen in der EU haben und von dort Ware importiert wird.
          Das gleiche gilt für DE.
          Ergo: zurück zur EG.

      • Frankenfurter - 27. August 2014

        Kann das noch Wirtschaftswachstum werden, wenn Sie aktiv Downsizing betreiben wollen, SLE? Nicht dass ich etwas dagegen hätte. Es gibt viele Gründe, die für Downsizing und eine Entschleunigung unseres Lebens sprechen.

        • SLE - 27. August 2014

          Hallo Frankenfurter,

          wieso “Downsizing”? Bedenken Sie bitte, wie – u.U. massiv – aufgebläht die Wachstumsdaten tatsächlich sind. Was bleibt denn wachstumsmäßig übrig, wenn man – egal ob langsam (wie gerade in China) oder plötzlich (Crash) – die Luft aus den Blasen lässt?

          Und was sind denn das für Wachstumsquoten, die wir weltweit in den Industrieländern seit zwei Dekaden und insbesondere in den letzten zehn Jahren haben? Das ist inzwischen nicht selten nur noch Stagnation.

          Wir leben und unterliegen genau genommen einer Wachstumsillusion – die statistische Schönfärberei noch nicht einmal einberechnet. Und das bisschen Wachstum, das noch ausgewiesen wird, geht im Falle der Industrieländer jeweils zu Lasten anderer Volkswirtschaften, speziell in Europa, worauf gerade auch SLGramann schon hingewiesen hat.

          Das ist dann aber ein entwicklungsloses Wachstum! Wenn Sie sich nichts darunter vorstellen können, denken Sie beispielsweise an Griechenland.

          Viele Grüße
          SLE

          • Frankenfurter - 27. August 2014

            Aufgeblasenes BIP-Wachstum? Das sollten Sie bei Gelegenheit noch einmal genauer erläutern. Ich sehe zb., dass sich das BIP inflationsbereinigt in D. sich seit 1991 verdoppelt hat und es weltweit immer noch ein Wirtschaftswachstum gibt. Die Zuwachsraten werden zwar immer kleiner, aber sind bis auf eine Ausnahme immer im Plus geblieben.
            Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswachstum#mediaviewer/Datei:WeltBIPWorldgroupOECD.PNG

    • Euro? Nein danke! - Aufkleber - 27. August 2014

      “Frankreich hat es zugelassen, dass Deutschland sich durch sein jahrelanges Lohndumping einen riesigen Wettbewerbsvorsprung verschafft hat.”

      Verstehe. Wenn das so wäre, dann hätte Frankreich ja nur ein kleines Problem. Aber es gibt eben auch noch andere Länder außerhalb der EU! Frankreich hat auch zu den meisten anderen Ländern an Wettbewerbsvorsprung verloren.

      Verdammt was machen wir nun. Es sind nicht allein die Deutschen schuld!

  • Freiberufler - 26. August 2014

    Hollande. der glücklos durch die Krise stolpernde Hampelmann, ist beileibe nicht der erst unfähige Präsident Frankreichs, aber zum Symbol der Abstiegsängste (bzw. Abstiegsrealität) der Grande Nation geworden. Nicht einmal militärische Abenteuer konnten seine Umfragewerte nachhaltig verbessern.

    Wie geht’s weiter? Durchwursteln. Dann wird irgendein(e) andere(r) KasperIn gewählt und das alte Programm läuft mit neuer PR weiter. Wahrscheinlich wird man kein Club-Med-Austeritätsprogramm durchknüppeln, sondern mit monetärer Staatsfinanzierung den Laden über Wasser halten. Wie lange? Wenn man Japan als Maßstab nimmt, sehr lange.

  • klaus - 26. August 2014

    Für mich sich das aus, als ob Hollande Probleme
    mit der Hartzifizierung des französischen Systems hat.
    Wo war eigentlich dieses kleine gallische Dorf?

    Die Franzosen haben sich noch nie in Ihr Schicksal gefügt.
    Tja, sieht aus, als ob die Franzosen Kiew nicht helfen
    können.

    Gruß klaus

    • SLE - 26. August 2014

      Hallo klaus,

      ja, Danke, es ein absolut wichtiger Hinweis, dass die Franzosen – ganz anders als die Deutschen – nicht alles stoisch hinnehmen, sondern protestieren und streiken und auf die Solidarität auch vieler nicht unmittelbar Betrofffener bauen können.

      Das könnte die Sache für Valls und Hollande erheblich komplizierter werden lassen. Die Mitglieder des linken Flügels der Sozialisten wissen das.

      Grüße
      SLE

  • MartinR - 26. August 2014

    Schönen Dank für diesen Aufsatz, der mal wieder den Fokus auf die EU-internen Sorgen richtet.

    Natürlich liegen in jedem Land die Problemstellungen etwas anders, aber in meinen Augen ist Frankreich nur ein Musterbeispiel des Abgesangs der jetzigen Politikergeneration oder des gesamten Parteiensystems.

    Die Sozialisten in Frankreich zerfallen heute ähnlich wie die SPD vor etwa 10 Jahren.
    Die Verräter der alten Parteienwerte werden zwar intern die Oberhand behalten – systembedingt. Andererseits können sie den Verfall nicht mehr stoppen.
    Gott erspare den Franzosen Hartz 14!

    Die Anzahl der Verbrecher in den Parteien nimmt stetig zu, das Vertrauen der Bürger und Gestaltungsmöglichkeiten dafür ab. Egal was sie planen, es ist zum Scheitern verurteilt.
    Für die konträren Notwendigkeiten, was alles gemacht werden müßte, kann kein finanzieller Rahmen mehr geschaffen werden, es gibt entweder keine Zustimmung vom Wähler oder nicht von den Wirtschaftslenkern.
    Ist man sich national halbwegs einig, spielen Mutti oder Brüssel nicht mit.

    Da wird mit Valls oder Renzi in Italien eine telegene junge Generation präsentiert und inszeniert, als wolle sie tatkräftig anpacken.

    Sie beissen sich an den alten Strukturen und Seilschaften fest, können die Hoffnungen nicht erfüllen (Valls Absturz der Umfragewerte spricht Bände).
    Die Wirtschaft springt eh nicht mehr an. Der Kollaps rückt näher…

  • Freiberufler - 27. August 2014

    Es herrscht verbreitet die Erwartung, dass die Franzosen die Guillotine rausholen, wenn die Regierung ernst machen will. Ich denke das eher nicht. Die Erfahrungen aus den anderen Krisenländern zeigen, dass auch wütendster Protest in sich zusammen sackt und schulterzuckendem Defätismus weicht, wenn man den Leuten alternativlos ihre Lebensgrundlagen zerstört. Man kennt das schon aus dem alten Rom: Wenn es wegen einer Missernte in Afrika mit Brot & Spielen nicht klappte wie gewohnt, brannten die Villen der Senatoren. Wurde die Stadt aber von Goten belagert, wurde erst verhandelt, wenn der Hunger die Senatoren erreichte. Vorher waren Hunderttausende klaglos verreckt. Man hatte ihnen eben erfolgreich erklärt, dass das alternativlos sei – natürlich war es das nicht, der Kaiser hätte die Nummer jederzeit durch eine Federstrich beenden können. Heute sind wir in der Evolution des Homo demens viel weiter als damals.

  • Holly01 - 27. August 2014

    Hallo,
    die Politik von Hollande war ja nicht ohne Versuche etwas zu ändern.
    Hollande wollte die Reichen höher besteuern. Er hat auf einen gesellschaftlichen Kompromiss gesetzt, bei dem die Reichen sich mehr beteiligen, damit die weniger Reichen mehr konsumieren können.
    DAS ist doch krachend gescheitert.
    Die deutsche Presse hat den Widerstand der französischen Oberschicht doch sehr beeindruckend zelebriert.
    Lebt ein Obelix Darsteller nicht mitlerweile in Russland?
    Die französische Regierung hat versucht einen Konsum zu erzeugen, der der Wirtschaft mehr Nachfrage und den Banken mehr Volumen gibt.
    Ergebiss: die Reichen haben sich verweigert.

    Mari le Pen wird nicht lange bitten. Die Frau wird das einfach durchsetzen. DAS ist nämlich die einzige Politik die etwas positives bewirken kann, die Reichen müssen auf Zugewinn verzichten damit die Wirtschaft Luft für eine Entwicklung bekommt.
    Tragisch das eher undemokratische Leute sich durchsetzen können und die eher konsenssuchenden eher scheitern. So kommen Leute quasi automatisch ans Ruder die man dort eher weniger gerne sieht.
    Am Ende wird das Ergebniss aber klar sein: Faschisten arbeiten immer der Elite zu. Das heisst, die ganze show der “Besserung” wird als Griechenland die breite (und sowieso nifht reiche) Masse aus Unterschicht und Mittelschicht bezahlen.
    Begleitet von einer weiteren “Privatisierungswelle” in einem weiteren Land Europas.
    Da kann sich Frankreich mit seiner “want to sell” Liste hinten anstellen.
    Europa wird niedrigst bietend verramscht.

    • Holly01 - 27. August 2014

      Ich könnte es auch umformulieren:
      Die französische Elite ist klasse darin sich die Taschen mit Geld vosllzustopfen, welches sie von den unteren Schichten schmarotzen, die Inovationsfähigkeit und die Investitionsbereitschaft sind aber ein schlechter Witz.
      Frankreich leistet sich eine teure Elite die absolut keinen gesellschaftlichen Gegenwert erbringt und nur “will” oder besser “mehr will”.
      Das verbindet Frankreich mit fast allen Staaten der OECD.

  • Bubblegum - 27. August 2014

    @ SLE,

    mich wundert, dass Sie in ihrem Aufsatz zwei Dinge außer acht gelassen haben:

    1. Hollande ist Absovent der ENA jener Elite- Ausbildungseinrichtung des französischen
    Staates, die auch Domique-Strauss – Kahn durchlaufen hat.

    Die prägt ihre Absoventen so stark, dass sie

    a) den marktradikalen Wirtschaftsunsinn absolut verinnerlichen ( Stichworte: Wachstum,
    Wachstum und nochmals Wachtum; der Markt regelt alles und der Freihandel ist das
    Seelenheil der Menschheit und, und, und…)

    b) Aus der Enge ihrer einmal verinnerlichten Denkmuster nicht mehr heraustreten können.

    2. Hollande war nur der Ersatzkandidat für Strauss-Kahn, der auf dem Weg zu französischen
    Präsidentschaft darüber stürzte, weil er seinen “Schw…” nicht im Zaum halten kann.
    Bis heute ist mir nicht wirklich klar, warum die Sex-Manic- Eigenschaft des Strauss-Kahn
    gerade zu diesem Zeitpunkt hochkochte, als er auf dem Weg zur Präsidentschaft war.
    Denn vorher hatten die Eliten diesen Mann zum IWF-Chef gekürt!
    Außerdem war er sehr erpressbar!

    3. Hollande wurde in meinen Augen deswegen zum Nachfolger auserkoren, weil er wie
    Strauss-Kahn drei wertvolle Eigenschaften besitzt:
    a) Er hat die gleiche Religion wie dieser.
    b) Er ist ebenfalls wie schon gesagt ENA -Absolvent
    c) Er ist auf dem Papier Sozialist.

    Das sind jene Dummen, die immer dann an die Macht kommen dürfen, wenn es gilt, den ganzen Polit-Müll in die Ecken zu kehren, den die Konservativen hinterlassen haben.

    Insofern erinnert Hollande an die Figur Leon Blum, der 1936 so kläglich scheiterte, dass das
    sozialistische Politmodell in Frankreich auf Jahrzehnte hinaus diskreditiert war, während gleichzeitig die fachistisch orientierten Gruppierungen in Frankreich sehr, sehr stark wurden.
    Das alles ist wunderbar dargelegt in dem Buch von William L. Shirer: Aufstieg und Fall der III. Republik.
    Viele Grüße Bubblegum

    • SLE - 27. August 2014

      Hallo Bubblegum,

      das kann so sein, aber es muss nicht so sein. Was dagegen spricht, dass Hollande schon an der ENA den – wie Sie sagen – marktradikalen Unsinn verinnerlicht hat, ist schlicht die Tatsache, dass zu seiner Studienzeit die wirtschaftspolitische Lehre in Frankreich die interventionistische Form der Industriepolitik favorisierte, abgeleitet aus der sogenannten “Planification” der 60er Jahre.

      Das war im Übrigen immer schon der bedeutende Unterschied und Streitpunkt zwischen Frankreich und Deutschland: Sie hingen diametral entgegengesetzten Wirtschaftsideologien an – hier ein bis an die Grenze der Planwirtschaft reichender Interventionismus, dort “freie” Marktwirtschaft, spricht Nicht-Intervention bzw. nur Ordnungspolitik.

      Dieser Streit wurde in den letzten zwei Dekaden, d.h. seit der Einigung auf den Maastrichter Vertrag, entschärft, weil sich beide Länder in ihrem Wirtschafts- und wirtschaftspolitischen Ideal angenähert haben. Die Franzosen haben sich wegbewegt von der Planification und mehr freien Markt zugelassen. Die Deutschen, insbesondere Gerhard Schröder, haben aufgehört, Industriepolitik als Teufelszeug zu negieren.

      Was Hollande jetzt versucht, ist, einen neuen Mittelweg zwischen diesen beiden – noch immer signifikant unterschiedlichen – Politikmodellen zu finden. Vielleicht will er es einfach nur allen recht machen. Das kann nur schief gehen, denke ich.

      Strauss-Kahn war lange Zeit anerkannter Anhänger der Neoklassik und des Wirtschaftsliberalismus. Das ist keine Frage. Zuletzt, das heißt wenige Wochen vor dem Sex-Skandal, hat er jedoch eine Kehrtwende gemacht und angekündigt, der IWF werde sich vom (radikal-liberalen) Washington Consensus verabschieden, der nach wie vor die Blaupause für die Sanierung von Krisenstaaten – auch und gerade in Europa – ist. Zudem wurde, wenn ich mich recht erinnere, von ihm auch die Initiative für eine sukzessive Abkehr vom Dollar als Leitwährung ergriffen. Es gibt also viele Gründe, warum er seinen Posten hat räumen müssen.

      Hollande ist in diesem Punkt ganz anders als Strauss-Kahn. Aber Sie haben natürlich recht, er war als Präsidentschaftskandidat schon irgendwie eine Notlösung für die traditionell in Grabenkriegen befindlichen Sozialisten.

      Viele Grüße
      SLE

  • Holly01 - 27. August 2014

    Ich versuch einmal einen breiter gefaßten Gedanken:

    Mitte des 18. Jahrh. gab es einen selbst tragenden Aufschwung in England. Wir nennen dies den Angang der Industrialisierung.
    Ursache war aber die völlige Verschuldung Europas nach dem 30. jährigen Krieg und der massive Mittelzufluß aus Tilgung und Zinsen nach Großbritanien.
    Ursache war also eine große Geldmenge, die stetig vorhanden war, keine Zinsen generierte und bei deren Verlust kein lokaler Schaden entstanden ist.

    Die Produktion mit der stetigen Produktivitätssteigerung bei gleichzeitiger Kaufkraftentwicklung einer größeren Kundenanzahl brachte einen selbsttragenden Aufschwung mit sich.

    Andere Länder konnten dieses Phänomen nachbilden. Das gelang auch mit geschöpftem Geld. Es gelang jedenfalls so lange, wie man den vorgefaßten (erfolgreichen) Weg verfolgen konnte, den das Vorbild gewählt hatte.
    Man stahl die Inovation und baute sie nach. Der Zins wurde so kompensiert. Das System wurde aber trotzdem durch den Zinseffekt ineffektiver.
    Am Ende des 19. Jahrhunderts war die Wachstumsmöglichkeit ausgeschöpft. Es gab weder eine zwingende Entwicklung, noch gab es eine nachwachsende Käuferschaft. Es gab aber sich aufbauende Zinseszinslasten.
    Krieg war die Alternative. Man konnte Gläubiger ausschalten, reale Werte gewinnen und Bedarf durch Zerstörung schaffen.
    Alle brauchten den Krieg, alle bekamen den Krieg. Eine Lösung war das nicht.
    Die USA haben mit dem manhattan projekt einen Lösungsversuch. Man erforschte mit maximalem Aufwand eine völlig neue Technik.
    Das Konzept trug aus 2 Gründen. Die USA kompensierten ihren finanziellen Ruin durch den Einsatz der Technik, kein Gläubiger stellte fällig und die Zerstörungen des WKII erzeugten einen ausreichenden Bedarf, um die Technik verbreiten zu können.
    Eine Kompensation der Kosten konnte (so weit nachvollziehbar) nicht erreicht werden.
    Der Ansatz der Forschung, mit dem stringenten folgen der Gewerbeinheiten wurde mangels neuer Ideen ein weiteres Mal ausprobiert.
    Das war das Apollo Programm und es war sehr erfolgreich. Die Techniken waren weniger speziell, breiter zu vermarkten dem Alltag der Menschen näher.
    Die exorbitanten Kosten führten aber zur Aufgabe der Goldbindung und zur Inflationierung der Papierwährung. Geld wurde durch die Vorfinanzierung der wirtschaftlichen Entwicklung zum Wettrennen mit der Inflation + Zinseszins.
    Ein Rennen welches selbst auf mittlere Sicht nicht zu gewinnen war.

    Es gab diverse Versuche das Problem zu lösen. Aber nur Friedman mit seinen Chicago Boys war erfolgreich. In Argentinien wurde ein Konzept entwickelt, welches so einfach und durchschlagend war, das es sofort von Reagan und Thatcher übernommen wurde.

    Man ruinierte die Mittelschicht und senkte den Konsum der Verbraucher radikal. Gleichzeitig senkte man den Anteil der Reichen an dem Gemeinwesen.
    Im Ergebniss standen die Finsnzeliten nicht schlechter als vorher. Das Geschäftsrisiko fiel aber weg und die Einnahmequelle war der verschuldete Staat, also safe.

    Es gab nach meinem Wissen seit 1760 nie wieder einen selbsttragenden Aufschwung.
    Es gab nach meinem Wisen noch nie ein Geldsystem, welches auf lange Sicht funktioniert hätte.
    Es gab nach meinem Wissen noch nie eine expansive Wirtschaft, die langfristig funktioniert hätte.
    Es gab nach meinem Wissen noch nie eine expansive Wirtschaft, die mit der Expansion aufgehöret hätte, ehe sie sich selbst und ihre Umgebung vollständig verzehrt hätte.

    Wenn die Ökonomen sagen, ihre Modelle seien nicht vollständig dann glaube ich denen das sogar. Ich gehe sogar davon aus, das es viele Therien gibt, aber erfolgreich waren nur 2.
    Konsum vernichten und den Staat verschulden in Komnination mit dem Schleifen der Sizialsysteme (aber nur wenn vorher eine ausreichend tragende Wirtschaft vorhanden war)
    Ein System mit stetem zinsbefreitem Geldzufluß, das einen hohen Bedarf vorfindet und sich mit maximalem Tempo von quasi Null (Landwirtschaft und Kleingewerbe) ausbreiten kann.

    Wir haben keinen Plan B.

    • Holly01 - 27. August 2014

      Anders formuliert:

      Unser Zinseszins Geldsystem Geldschöpfung ist mit unserem Wirtschaftssystem schlicht nicht kompatibel.
      Die Koexistenz funktioniert nur sehr eingeschränkt und ist zeitlich sehr überschaubar. Dann wird eines von beidem vom jeweils anderen ruiniert.
      Wir haben uns anfang der 70er für die Bankokratie entschieden.
      Diese Entscheidung ist nicht mehr rückgängig zu machen.

      • thewisemansfear - 27. August 2014

        Holly, geben Sie auch dem Werkzeug (Hammer) die Schuld, wenn Sie sich auf den Finger gehauen haben?
        Zins und Zinseszins ist ein Mechanismus, der wird nur gefährlich wenn man ihn lässt. Alles eine Frage der Politik. Die Zentralbank gibt den Zins vor? Vergessen Sie’s. Der ergibt sich grob gesagt aus (Geld-)Angebot und Nachfrage (nach Krediten). Gibt es keine geeigneten Schuldner mehr oder will sich keiner weiter verschulden, dann sinkt der Zinssatz auf NULL und fertig. Wo ist das Problem?
        Dann können noch so alle rumheulen wegen “Enteignung” der Sparer. Nur realistisch betrachtet kann es keine Rendite aus “nichts” geben. Punkt aus.
        http://thewisemansfear.wordpress.com/2014/08/13/worin-liegt-der-unterschied-zwischen-zins-und-gewinn/

        Genauso verhält es sich mit “grenzenlosem Wachstum”. Das ist wie des Zinseszins-Phänomen ein Ding der Unmöglichkeit. Materiell sind wir (in den Industrieländern) längst ausgewachsen. Durch allerlei Statistiktricks (SLE hat es weiter oben bereits geschrieben) wird uns noch weiteres Wachstum vorgegaukelt. Es ist nicht real. Man muss den Leuten schon eintrichtern, dass die neue App-Schmiede 10Mrd USD “wert” sei oder das neu XPhone… bzw. ihre Aktien / Häuser / sonstigen Assets ständig an Wert gewännen. Am Ende ist es heiße Luft.

        • Holly01 - 27. August 2014

          Hallo thewisemanfear,

          Wirtschaftswachstum linear und Geldsystemwachstum exponentiell.
          Man muss sich für eine Kurve entscheiden.
          Wirtschaftswachstum folgen : der Zins muss regelmässig gebrochen und abgeschrieben werden.
          Geldsystemwachstum : Der Zinseszins führt zusammen mit der Fremdfinanzierung zum Eigentumsübertrag der Schuldner an die Banken.
          Firmen werden nur noch als rentabel betrieben, wenn ihre Rendite mit der Geldrendite konkurrieren kann. Firmen werden geschlossen, weil sich der Betrieb nicht mehr lohnt.
          Zur Zeit kreisen laut BIZ 240 Billionen Dollar auf der erfolglosen Suche nach Anlagemöglichkeiten um die Welt.
          Diese Geld verzinst, aber er erzeugt keinen Mehrwert.
          Der Zins aber zerstört (siehe oben) die reale Wirtschaft, denn dort wird der “Mehrwert” abgeholt.
          Immer größere Renditezwänge des Geldsystems machen immer größere Teile der realen Wirtschaft zu unrentablen Abschreibungsobjekten.

          Man kann nur einem System dienen und beide Systeme schliessen sich gegenseitig aus.
          Das mit dem Hammer und dem Nagel greift nicht. Das sind beides lineare zeitgebundene Systeme und damit kompatibel.

          Der Zinseszins zerstört und enteignet, der Zineszins ist das eigendlicge Problem des Geldsystems.
          Die Möglichkeit leistungslos per Zinseszins zu konsumieren und Werte zu kaufen, ist das eigendliche Problem des ganzen Wirtschaftssystems.
          Die 1% mögen nur so garnicht davon lassen.
          Die schmarotzen sich ja so ihren Lebenstil zusammen, ist also verständlich.
          Gesellschaftlich akzeptabel ist das aber nicht ……

          • thewisemansfear - 27. August 2014

            Hallo Holly,

            mit Ihrer Schlussbemerkung haben Sie doch scheinbar verstanden, wo der Hase im Pfeffer hängt. Es sind die Profiteure des Zinsmechanismus, die nicht loslassen wollen von ihren Pfründen. Die bedienen sich dieses Mechanismus, dafür liegt doch aber nicht der Grund im “falschen” Geldsystem. Es sind immer Menschen, die z.B. den Hammer führen oder Zinsen auf Kosten anderer kassieren.

            Das Geldsystem ist aus sich heraus nicht exponentiell… Für einen gewissen Zeitraum mag das so aussehen, aber sobald der Zinssatz runter geht (bis auf Null), ist es damit vorbei. Nochmal, wo liegt bei einem dynamischen Zinssatz das Problem?
            Nur wenn zugelassen wird, dass Zins auf Zins sich bei einigen wenigen ansammeln kann, wird das Ganze früher oder später nicht mehr tragbar. Was ist Ursache und was ist Wirkung?

            Ein Zinsverbot ist unrealistisch, es lässt sich schlicht nicht durchsetzen, dass jemand für den Verleih von etwas keine Gebühr erheben darf. Das ansammeln/anhäufen von Vermögen lässt sich durch geeignete Besteuerung sehr wohl in geordnete Bahnen lenken. Genau das geschieht aber nicht.
            Stattdessen ist Geld- und Zinssystemkritik angesagt… Es ist v.a. das Top 1%, was sich des Zinsmechanismus bedient und davon profitiert. Dort muss angesetzt werden. Dafür braucht es kein neues System. Man muss das jetzige nur besser austarieren.
            Wenn ich eins verstanden habe, dann dass es Ungleichgewichte sind (egal in welcher Form), die erst Druck aufbauen, der sich irgendwann wieder entlädt. Krieg oder Revolution ist die Form eines Ausgleichs, wenn nicht mal mehr das Notventil funktioniert.

          • thewisemansfear - 27. August 2014

            Nochmal zum Vergleich von Zinsmechanismus und Hammer.
            Mit dem Hammer bzw. etlichen anderen Werkzeugen kann wer will auch jemand anderem schwere Verletzungen zufügen. Gehört der Hammer deswegen verboten? Nein, sondern es wird ein sachgemäßer Umgang damit gefordert.

            Der Zins kann zu einem Aufschaukeln von exponentiellem Zinseszins führen, sicher. Das bestreitet niemand. Nur ist diese Entwicklung kein Zwang, der sich aus dem Geldsystem ergibt! Bei sachgemäßem Umgang (z.B. Zinsen runter auf 0 oder geeignete Besteuerung), ist das Geldsystem vollkommen unkritisch.
            Darauf wollte ich hinaus. Es existiert kein exponentieller Zwang aus dem Geldsystem an sich!

          • Holly01 - 27. August 2014

            Da sind wir vollkommen beieinander.
            Das Geldsystem ansich ist wie ein lupenreiner perfekt geschliffener Diamant. Es hat auf alle Herausforderungen eine adäquate Antwort.
            Unsere Gesellschaft ist aber extrem fehlerhaft. Aber mal sehen, Extreme erzeugen Extreme. Die 1% haben den Sozialkrieg erklärt.
            Die 99% haben aber einen Vorteil, sie versorgen sich selbst.
            Die 1% sind auf das schmarotzen angewiesen und erzeugen selbst – Nichts – . Die 1% sind also darauf angewiesen, das es ein Wirtstier gibt.
            Mal sehen, ob die 99% die abschütteln können (zumindest für eine Zeit lang).

          • Holly01 - 27. August 2014

            Ich hätte statt Geldsystem, “Handhabung des Geldsystems” schreiben sollen.
            So ist das leider, wenn einem selbst das Ganze klar zu sein scheint, man aber für die anderen völlig Missverständlich ist.
            Ich Danke Ihnen für den Hinweis, ich werde versuchen es mitzunehmen.

        • Frankenfurter - 27. August 2014

          Wenn das Wirtschaftswachstum NICHT REAL war in den letzten Jahren, dann ist die Lohnmoderation und die Agenda 2010 eine adäquate Antwort darauf gewesen, Wisemanfear.

      • DME - 27. August 2014

        @Holly01
        welche Entscheidung Anfang der 70er ist gemeint?

        • Holly01 - 27. August 2014

          Hallo DME,
          Anfang der 70er sind wir von produktionsgetrieben auf kapitalgetrieben gewechselt.
          An der Stelle hätte die überwiegende Finanzierung der Gesellschaft von Lohn/Gehalt basierend auf Geldschöpfung/Zins basierend wechseln müssen.
          An diser Stelle sind wir von Industrie zu Dienstleistungsgewerbe gewechselt und das war eher falsch.
          An der Stelle hätte man auch die Produktionszyklen von Grundversorgung auf Qualität änderrn müssen, statt dessen gilt: es gibt nichts, was nicht noch billiger und schlechter für den Markt hergerichtet werden kann.
          Zu guter letzt haben wir an der Stelle auf Massenarbeitslosigkeit umgestellt und die Gewerkschaften wirtschaftlich ins Leere laufen lassen.
          Man hätte gegensteuern können, hat man aber nicht.
          Schmidt waren 6% Inflation (Massenenteignung) lieber.

          Anfang der 70er wurden wir aber auch mit der RAF und den Studentenunruhen verwöhnt und abgelenkt.
          Heute ist es die Ukraine und eine angebliche Schuldenkrise, die ansich eine Gierkrise ist.
          Der Sozialkrieg dauert schon lange …..

          • DME - 1. September 2014

            Vielen Dank. Das gibt mir genug Stichworte fuer Lesestoff fuer Wochen.

  • Leser - 27. August 2014

    Die Sozialisten unter Mitterand wollten die Bundesbank über Brüssel und dem Euro entmachten, da diese den Zins und somit den -politschen Finanzierungsspielraum-in Europa vorgab.
    “Dummerweise” konnte man den Euro, trotz Druck Italien und Griechenland aufzunehmen, nicht in einen franz. dominierenden Franc umwandeln. Jetzt sitzen sie in der selbst gemachten Falle und können nicht mal mehr abwerten.
    Das tragische daran ist jetzt Deutschland die Schuld unterzujubeln, was für eine verfahrene Situation.

    • SLGramann - 27. August 2014

      Da muss nichts untergejubelt werden. An den Problemen trägt Deutschland die Hauptschuld. Griechen, Spanier usw. tragen eine Mitschuld. Frankreich trägt überhaupt keine Schuld, als einziges Land überhaupt. Nur werden Sie das wohl nicht verstehen, weil Ihnen die Hintergründe fehlen.

  • Bubblegum - 27. August 2014

    @HollyO1

    Ich denke, Sie werden den Beginn ihrer Argumentationskette zeitlich viel weiter nach vorne
    verlegen müssen. Siehe:

    http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/wissenswert/wirtschaftsgeschichte-das-traurige-geheimnis-unseres-wohlstands-seite-all/3232296-all.html

    Außerdem möchte ich mal auf das Geldsystem der Kerbhölzer hinweisen. Dieses hat seit dem Sohn William des Eroberers bis weit in das 17. Jahrhundert hinein in England als Hauptgeld-system funktioniert. In meiner Studienzeit wurde es von den Geldtheoretikern komplett tot geschwiegen. Vielleicht, weil es sehr, sehr erfolgreich war, aber nicht in das Theoriegebäude passte. Cromwell siegte deswegen über Charles II., weil er seinen Finanziers aus Holland versprach, dieses System abzuschaffen und an seine Stelle die privat geführte Bank von England zu schaffen. Für diese ein Bombengeschäft bis heute!
    Viele Grüße
    Bubblegum

    • Holly01 - 27. August 2014

      Hallo Bubbelgum,
      das Geldschöpfungssystem ist über 5000 Jahre alt und wird bereits im Zweistromland mit Schuldtafeln aus Ton dukumentiert.
      Der “Ansatz” sollte sich ausschliesslich auf die Kombi aus dem etablierten und zur Zeit in der OECD verwendeten Variante beziehen zusammen mit der Industriealisierung und ihren Zy´klen.
      Es ist auch eine sehr grobe Verkürzung, die durch die Reduktion zu ungenau ist, um einer echten Prüfung stand zu halten.
      Es ist ein Gedanke, den man einmal betrachten kann, vielleicht sogar einmal als Systemfrage stellen kann.
      Geld- und Wirtschaftstheoretiker haben wir einige und die sind auch nicht dumm, ich erwarte da nicht, irgend etwas finden zu können, das andere nicht schon früher (und besser) gedanklich bewegt haben.

      • Holly01 - 27. August 2014

        In den USA gab es übrigens eine Tabak Währung. Ebenfalls erfolgreich und langlebig.
        Es ist gar keine Diskussion, daß es andere auch bessere Systeme gibt.
        Die ganze “Krise” ist ja nicht umsonst auf die “westlichen Staaten” mit ihrem Hegemon und dem Investmentbankensystem/Zinseszinssystem/Derivatesystem beschränkt.
        Die Diskussion wäre wirklich zu billig :-) .

  • SLE - 27. August 2014

    Passend zum Thema Frankreich wird dort jetzt noch aus anderem Grund sehr spannend:

    Die Staatsanwaltschaft hat nun doch ein formelles Ermittlungsverfahren gegen die IWF-Chefin Christine Lagarde (UMP) wegen der Tapie-Affäre eingeleitet.

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/lagarde-101.html

    Grüße
    SLE

    • Holly01 - 27. August 2014

      Hallo SLE,
      einige wollten Madame schon als Junker Ersatz positionieren.
      Madame ist die deutscheste Französin, die man finden kann.
      Mag sein, daß Madame deswegen frühzeitig ausgeschaltet werden soll, damit Frankreich nicht die Positionierung einer Französin akzeptieren muss, die die falschen Dings sagt und tut.
      Ihre Rolle in der Troika und ihre Freundschaft zu Schäuble, werden ihr wohl nun zum Verhängniss.

      • dank - 27. August 2014

        In Frankreich hat Ausschalten unter politischer Motivation Tradition. DSK erlag ebenfalls seinem leichtsinnig bekannt gemachten und verfolgten Lebenswandel…

    • MartinR - 27. August 2014

      Es gibt sie noch, die guten Nachrichten.
      Danke SLE!

  • Holly01 - 28. August 2014

    Was haltet Ihr denn davon?

    http://www.gesetze-im-internet.de/avorbaschrbek/BJNR010680990.html

    Der 2+4 Vertrag ersetzt einen formalen Friedensvertrag ;-) . Ja … Nee …. is klar.
    Vielleicht sollten wir zu den Franzosen doch freundlicher sein?

    • wolli - 28. August 2014

      Mit einem Friedensvertrag wären auch Reparationszahlungen fällig gewesen oder hätten verhandelt werden müssen.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Londoner_Schuldenabkommen

      • Holly01 - 29. August 2014

        Wie auch immer, die berliner Abgeordneten werden jedenfalls genauso in den Bundestag gewählt und stimmen dort genauso ab, wei alle anderen.

  • Holly01 - 28. August 2014

    Bei SPON kämpfen die Russen gegen die armen ukrainischen Soldaten. Die haben gegen die pösen Russen kaum eine Chance, kämpfen aber mit viel Herz und Phatos:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-russlands-soldaten-helfen-separatisten-laut-rebellenfuehrer-a-988508.html

    Überschrift des Artikels:
    Kiew meldet Verlust von Grenzort an russische Truppen

    • Holly01 - 28. August 2014

      falscher threat, Entschuldigung

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  • News 26.08. 2014 | - […] Hollande in Not: Die politische Elite Frankreichs ist an der Krise und an sich selbst gescheitert … …