Italien: Arbeitslosenquote klettert und klettert

von am 7. Januar 2015 in Allgemein

Das italienische Statistikamt ISTAT berichtete heute, die nach dem ILO-Konzept ermittelten saisonbereinigten Arbeitslosenquoten für den Monat November 2014. Im November 2014 stieg die gesamte saisonbereinigte Arbeitslosenquote auf 13,4% (+0,1 Prozentpunkte zum Vormonat), die Quote der Jugendarbeitslosigkeit stieg auf 43,9% (+0,6 Prozentpunkte zum Vormonat). Gesamtquote und die Quote der Jugendarbeitslosigkeit stiegen auf neue Allzeithochs. Nur 55,5% aller Erwerbsfähigen, im Alter zwischen 15 und 64 Jahre, waren im November 2014 noch in einem Beschäftigungsverhältnis. Italien ist nicht in der Lage mittels der herrschenden ökonomischen Agenda und dem Korsett des Euro seine volkswirtschaftlichen Probleme zu beheben, wie letztlich auch Griechenland, Portugal und Frankreich. Sie sind potentielle Sargnagel der Eurozone.


A1263Die Entwicklung der offiziellen saisonbereinigten gesamten Arbeitslosenquote in Italien von Januar 1980 bis November 2014 im Chart. Im November 2014 stieg die Quote auf 13,4%, nach aufwärtsrevidierten 13,3% im Oktober. Dies entsprach saisonbereinigten 3,457 Millionen Arbeitslosen (+40’000 zum Vormonat und +264’000 zum Vorjahresmonat).

A1264Die Entwicklung der offiziellen saisonbereinigten Quote der Jugendarbeitslosigkeit in Italien seit Januar 1983 im Chart. Im November 2014 stieg die Quote auf 43,9%.

Der Anteil aller Beschäftigten an der erwerbsfähigen Bevölkerung (15-64 Jahre) in Italien lag bei nur noch 55,5%! 22,310 Millionen Beschäftige, 3,457 Millionen Arbeitslose und 14,064 Millionen Inaktive (15-64 Jahre) bilden die erwerbsfähige Bevölkerung. Immer noch beachtliche 14,064 Millionen Inaktive, die angeblich dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung standen, spielen bei der Ermittlung von Arbeitslosenquote und -zahl praktischer Weise keine Rolle.

Die Arbeitslosenquote errechnet sich aus der Zahl der Arbeitslosen im Verhältnis zur Zahl der aktiven Erwerbsbevölkerung (Erwerbsfähige die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen plus Arbeitslose).

Bei den dargestellten Daten handelt es sich wohlbemerkt nur um die offiziellen weichgespülten Arbeitslosenzahlen und -quoten gemäß ILO-Definition. Millionen Erwerbsfähige die angeblich dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen (als Nichterwerbspersonen, Inaktive oder auch als Not in Labor Force bezeichnet) spielen bei Arbeitslosenquote- und zahl keine Rolle. Nach dem weichgespülten Labour-Force-Konzept der International Labour Organization (ILO) gilt jede Person im erwerbsfähigen Alter als beschäftigt, die in einem einwöchigen Berichtszeitraum mindestens eine Stunde lang gegen Entgelt oder im Rahmen einer selbstständigen oder mithelfenden Tätigkeit gearbeitet hat. Auch wer sich in einem formalen Arbeitsverhältnis befindet, das er im Berichtszeitraum vorübergehend nicht ausgeübt hat, gilt als beschäftigt. Als arbeitslos gilt nur, wer aktiv im letzten 4-Wochenzeitraum nach einem Job gesucht hat und eine neue Arbeit innerhalb von zwei Wochen aufnehmen kann. Personen im erwerbsfähigen Alter, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, gelten als Nichterwerbspersonen und spielen bei der Ermittlung der offiziellen Arbeitslosenquoten und -zahlen keine Rolle.

Selbst diese immer noch miesen offiziellen Arbeitslosenquoten aus Italien sind maskierte Daten, denn Millionen Entmutigte, Unterbeschäftigte und Selbstständige ohne ausreichendes Einkommen sind damit nicht mal offengelegt.

Es bleibt dabei, zwei wichtige Geschäftsfelder der italienischen Volkswirtschaft sind in permanenter Kontraktion, die Industrieproduktion und der Bau, welche zusammen das Produzierende Gewerbe spiegeln:

A1265Die Entwicklung des Outputs im Produzierenden Gewerbe (Industrie und Baugewerbe) von Januar 1995 bis Oktober 2014 im Chart. Eine Desaster pur, im Oktober 2014 dokumentieren sich 85,35 Indexpunkte und damit ein Einbruch von -30,1% zum Hoch aus Dezember 2006!

Quelle Daten: Istat.it/PDF PressRelease: Employment and unemployment: provisional estimates November 2014

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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8 KommentareKommentieren

  • Sound-Money - 7. Januar 2015

    Auf einem guten Weg!

    • martin - 7. Januar 2015

      richtig. “italien wird gestärkt aus der krise hervorgehen”. oder vll. waschen und rasieren sich die italiener einfach nicht – ansonsten hätten sie schon innerhalb von 3 wochen einen job. Kurt Beck in abgeänderter Form.

      ich frage mich, wo diese entwicklung hingehen wird. wobei eigentlich nicht, den die antwort kenne ich an sich. irgendwo auf dem niveau eines schwellen / entwicklungslandes. (habe nun selbst mal in einem gelebt)

      gruselig wird mir bei dem gedanken des anpassungsprozesses zu diesem niveau. noch gibt es sozialleistungen und co.

  • Delta120 - 7. Januar 2015

    Bei den Erfolgen der Eurozone könnte die Entwicklung eines Grexit interessant werden.

  • RedMoe - 7. Januar 2015

    Nicht dass ich dem Widerling Berlusconi irgendwas abgewinnen könnte, aber es ist schon erstaunlich wie es mit der ALQ bergauf und mit der Industrie bergab ging ab exakt dem Punkt an dem er aus dem Amt geschieden ist und der “Reformer” Monti übernommen hat.

  • Vivat - 7. Januar 2015

    Man muss bei diesen unglaublich hohen Zahlen für die Jugendarbeitslosigkeit deren Definition kennen: Es werden nur die Jugendlichen zw. 15 und 24 gezählt, die sich nicht in einer Ausbildung oder einem Studium befinden. Also nicht 55% aller Jugendlichen sind arbeitslos, sondern 55% der Jugendlichen, die sich nicht in einer Ausbildung oder einem Studium befinden. Trotzdem schlimm genug.

    • Querschuss - 7. Januar 2015

      Hallo Vivat,
      merkwürdiges Argument, dass Schüler und Studenten nicht als arbeitslos zählen ist logisch, wird auch in Deutschland so gehandhabt, da diese Daten hier wie dort nach dem ILO-Konzept erhoben werden. Nur in Deutschland liegt bei gleicher Definition die Jugendarbeitslosigkeit bei 7,4%. Zu 43,9% ein “kleiner” Unterschied.

      Gruß Steffen

      • martin - 7. Januar 2015

        zum thema jugendarbeitslosigkeit – hier wird die statistik (auch in deutschland) ja durch die Beschulung an sich verfälscht.

        so weiss ich, dass viele berufsschulen mit berufsvorbereitenden jahren geradezu überlaufen sind. ziel der politik natürlich all die jungen aus der statisik draußen zu haben. ähnliches ja auch durch abitur für alle, erweiterte hochschulzugangsberechtigung und co.

        interessant wäre es, wie hoch der anteil der jugendlichen von 16 bis 25 ist, die von eigener arbeit leben können – sei es durch ausbildung oder richtigen verdienst – und keine sozialleistungen wie bafög und co..

  • Robert Berner - 17. Januar 2015

    Also jetzt mal ein Tatsachenbericht: Die Jugendarbeitslosigkeit kann fast nicht 50 Prozent sein.
    Ich war gerade in Spanien und auf den Strassen hängen kaum Jugendliche herum.
    Ich habe in 3 Wochen vielleicht 5 Menschen gesehen, die am Boden nach Geld gesucht haben oder in die Mülltonne gelangt haben.
    Es gibt keine Menschenansammlungen von Unterbeschäftigten.
    Gerade die Jungen scheinen schwer beschäftigt zu sein.
    Eine Superkrise wie sie uns in den Südländern und gerade Spanien statistisch vorgezeigt wird, ist nicht zu spüren.
    Ich glaube die arbeiten oft schwarz in Jobs die nicht beliebt sind, wie Hausmeister oder Standverkäufer.
    Und weil sie das Gefühl haben nur ein Bürojob sei ein Job melden sie sich arbeitslos.
    Das hat man ihnen bei der EU eingeredet.
    Dabei braucht man für eine Fabrikation zuerst einmal einen Investor und der findet in Süditalien schon gar kein ineinandergreifendes Zulieferernetz.
    Im Fall von Italien ist die Krise einfach noch nicht gross genug, damit sich die Löhne verringern.
    Denn genau das ist das Problem und nicht die Währung.