Italien: Bad Debt bei 155,548 Mrd. Euro

von am 10. Februar 2014 in Allgemein

Die italienische Zentralbank (Banca d’Italia) berichtete in ihrem monatlichen Statistical Bulletin, Monetary and Financial Indicators Money and Banking, u.a. die Daten zum ausstehenden Kreditvolumen des Privatsektors in Italien und zum Bad Debt, den notleidenden Krediten für den Monat Dezember 2013. Das ausstehende Volumen der Kredite an den Privatsektor (private Haushalte und Unternehmen) sank im Dezember 2013 um -3,2% zum Vorjahresmonat, auf 1,667881 Billionen Euro. Davon offiziell als Non Performing Loans eingestuft, also Kredite mit mehr als 90 Tagen im Zahlungsverzug, wurde ein neues Rekordvolumen in Höhe von 155,548 Mrd. Euro. Das NPL-Ratio entsprach damit 9,3%, der höchste prozentuale Stand seit Beginn der verfügbaren Datenreihe im Januar 1999. Fortschritte?

1aDie Entwicklung der notleidenden Kredite der italienischen Banken seit Januar 1999 bis Dezember 2013 im Chart. Auch im Dezember 2013 stiegen die Non Performing Loans (NPLs) aus der Kreditvergabe an den Privatsektor weiter an, auf 155,548 Mrd. Euro, ein neues Allzeithoch, nach 149,303 Mrd. Euro im Vormonat und nach 124,672 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Im Dezember 2013 lag der Anteil der mit mehr als 90 Tagen im Zahlungsverzug befindlichen Kredite an italienische private Haushalte und Unternehmen bei 9,3%, der höchste Stand seit dem Beginn der verfügbaren Datenreihe, im Vorjahresmonat waren es noch 7,2%.

1aDie Entwicklung des ausstehenden Kreditvolumens der Banken an private Haushalte und Unternehmen (Privatsektor) in Prozent zum Vorjahresmonat, seit Januar 1998 bis Dezember 2013 im Chart. Im Dezember 2013 sank das ausstehende Kreditvolumen mit -3,2% zum Vorjahresmonat auf 1,667881 Billionen Euro.

1aDie Entwicklung des ausstehenden Kreditvolumens der Banken an private Haushalte und Unternehmen (Privatsektor) in Mrd. Euro, seit Januar 1997 bis Dezember 2013 im Chart. Im Dezember 2013 sank das ausstehende Kreditvolumen mit -3,2% zum Vorjahresmonat auf 1,667881 Billionen Euro. Letztlich steht die italienische Volkswirtschaft bereits unter enormen Stress, obwohl nicht mal eine drastische Kontraktion beim Kreditvolumen an den Privatsektor vorliegt, sondern nur eine leichte, welche im längerfristigen Kontext noch fast wie eine Seitwärtsbewegung aussieht.

Kritischer sieht es bereits isoliert beim ausstehenden Volumen der Kredite an italienische Unternehmen aus, dieses schrumpfte im Dezember 2013 mit einer Rate von -5,9% zum Vorjahresmonat:

1aDie Tabelle aus der PDF der italienischen Zentralbank zum ausstehenden Kreditvolumen der Banken an die einzelnen Sektoren der Volkswirtschaft. Rot markiert das ausstehende Volumen der Kredite an italienische Unternehmen mit 813,879 Mrd. Euro im Dezember 2013, nach 864,656 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Die Kreditschrumpfung geht mit einer Schrumpfung der Investitionen einher, wirkt deflationär und ist letztlich Teil der BIP-Schwäche.

1aDie Entwicklung des ausstehenden Kreditvolumens der Banken an die italienischen Unternehmen in Prozent zum Vorjahresmonat, seit Juli 2000 im Chart. Im Dezember 2013 sank das ausstehende Kreditvolumen mit -5,9% zum Vorjahresmonat auf 813,879 Mrd. Euro. Beim bisherigen Hoch im November 2011 lag das ausstehende Kreditvolumen bei 914,848 Mrd. Euro.

Die Daten zum Bad Debt und zum schwindenden ausstehenden Kreditvolumen an den Privatsektor stehen weiter für latente Deflation und Rezession.

Im Zuge der EZB-Geldpolitik und dem Versprechen im Zweifel via Outright Monetary Transactions (OMT) am Sekundärmarkt unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen, saugten sich italienische Banken kräftig mit italienischen Staatsanleihen voll, im Dezember 2013 kam es mal zu einem kleinen Rücksetzer:

1aDie Entwicklung des ausstehenden Volumens an italienischen Staatsanleihen gehalten von italienischen Banken (MFIs Monetary Financial Institutions) seit Juli 1998 bis Oktober 2013. Im Dezember 2013 wurde ein Volumen von 387,441 Mrd. Euro an Staatsanleihen von italienischen MFIs gehalten. Im Vormonat waren es 402,940 Mrd. Euro und im Vorjahresmonat 331,104 Mrd. Euro.

Knapp 400 Mrd. Euro an italienischen Staatsanleihen und noch über 1,6 Billionen Euro an ausstehenden Krediten an den Privatsektor, das Wohl und Wehe der italienischen Bankbilanzen hängt von einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung ab, ansonsten nimmt der Kreditschrott im italienische Bankensystem weiter zu, wie bereits vor vielen Monaten bei Querschuesse vorhergesagt und von dem bisherigen Anstieg der NPL-Loans bestätigt. Das OMT-Programm bzw. dessen Ankündigung ist letztlich realwirtschaftlich in Teilen eine Versageraktion, zwar senkt es die Finanzierungskosten des Staates und Banken kaufen italienische Staatsanleihen, welche diese jederzeit bei den NZBs zu Liquidität machen können, nur trotzdem schrumpft die Kreditvergabe an Unternehmen, damit die Investitionen und letztlich eben auch die geleistete Wertschöpfung und die Zahl der Jobs und die Einkommen. Die destruktiven, deflationären Kräfte überwiegen und treiben auch das italienische Narrenschiff. Wie bizarr wirkt vor dem Hintergrund solcher Daten die Aufschwungspropaganda und all die lächerlichen Stimmungsindikatoren, welche einen Aufschwung und Fortschritte beweisen sollen. In der Realität der Eurozone wächst auch in Italien weder der Export, noch die Industrieproduktion, die Kreditvergabe schrumpft, die Kreditausfälle steigen und die Arbeitslosigkeit verharrt auf enormen Höhen. Aber die Narren stehen weiter auf der Kommandobrücke der “Andrea Doria” und verorten vermeintlich freie Sicht, dabei fährt der Dampfer ungebrochen auf Kollisionskurs.

Quellen Daten: Bancaditalia.it/PDF: Statistical Bulletin, Monetary and Financial Indicators Money and Banking, No. 08 – 2014, Bancaditalia.it/Statistikportal

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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3 KommentareKommentieren

  • Rolmag - 10. Februar 2014

    Fortschritte? Si!

    Seit Draghis Ankündigung, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen mit deutschem Geld zu kaufen, pumpen die sich wieder dermaßen mit Schulden voll, dass es letztlich nur eine Frage der Zeit ist. bis es dazu kommt was Draghi gesagt hat und wir das alles bezahlen sollen.

  • Eurelios - 10. Februar 2014

    Aber die Narren stehen weiter auf der Kommandobrücke der “Andrea Doria” und verorten vermeintlich freie Sicht, dabei fährt der Dampfer ungebrochen auf Kollisionskurs.

    Passend dazu;

    http://www.youtube.com/watch?v=8Lz_qPvKCsg

  • Eurelios - 10. Februar 2014

    Das war aber schnell.

    Dein Bericht wurde von der Seite (mit Vorsicht nur zu geniesen) MMnews sofort übernommen.

    http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/16989-italien-banken-155-mrd-faul