Italien im Abwärtssog

von am 16. März 2012 in Allgemein

Heute berichtete ISTAT die Außenhandelsdaten Italiens für den Monat Januar 2012. Auch sie sind ein erneuter Beleg für die Rezession in Italien, denn das Außenhandelsvolumen schrumpfte weiter. Saisonbereinigt ging der Export von Waren und Güter um -2,5% zum Vormonat zurück und das Importvolumen um -0,5%. Bei den unbereinigten Originaldaten stieg der Export noch um +4,3% zum Vorjahresmonat auf 27,270 Mrd. Euro und die Importe sanken um -2,6% zum Vorjahresmonat auf 31,620 Mrd. Euro.

Die Entwicklung des unbereinigten italienischen Exportvolumens von Waren und Gütern in Mrd. Euro seit Januar 1999 bis Januar 2012 im Chart. Im Januar 2012 sank das unbereinigte Exportvolumen auf 27,270 Mrd. Euro, nach 31,420 Mrd. Euro im Vormonat und nach 26,164 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Die Entwicklung der unbereinigten italienischen Import- (blau) und Exportvolumens (rot) von Waren und Güter in Mrd. Euro seit Januar 1999 bis Januar 2012.

Das Importvolumen stieg im Januar 2012 auf 31,620 Mrd. Euro, nach 29,973 Mrd. Euro im Vormonat und nach 32,762 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Mit dem schwächelnden Export und dem steigenden Import stieg auch wieder das Handelsbilanzdefizit auf -4,350 Mrd. Euro.

Die Entwicklung der italienischen Handelsbilanz seit Januar 1999 bis Januar 2012 im Chart. Im Januar 2012 wurde ein Defizit von -4,350 Mrd. Euro erzielt, nach einem Überschuss von +1,447 Mrd. Euro im Vormonat und nach -6,598 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Zuletzt im Gesamtjahr 2011 wurde ein Handelsbilanzdefizit von -24,333 Mrd. Euro generiert! Etwas mehr als die Hälfte des Defizits resultierte nur aus dem Handel mit Deutschland, -12,999 Mrd. Euro!

Die Entwicklung der italienischen Leistungsbilanz seit Januar 1999 bis Januar 2012 im Chart. Im Januar 2012 wurde ein kräftiges Defizit von -7,953 Mrd. Euro erzielt, nach einem kleinen Überschuss von +0,402 Mrd. Euro im Vormonat und nach -8,709 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Im Januar 2012 wiesen alle Teilbilanzen der Leistungsbilanz ein Defizit aus, so die Handelsbilanz, die Dienstleistungsbilanz und die Teilbilanzen aus Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie aus den laufenden Übertragungen. Die Leistungsbilanz kann man im weitesten Sinne auch als Ausweis der Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft betrachten.

Zuletzt im Gesamtjahr 2011 wurde ein Leistungsbilanzdefizit von -52,067 Mrd. Euro generiert, nach -54,709 Mrd. Euro 2010 und nach -30,199 Mrd. Euro 2009.

Gestern berichtete die italienische Zentralbank Banca D’Italia die monatlichen Daten zur Staatsverschuldung Italiens und diese Daten waren noch wesentlich mieser als die zum italienischen Leistungsbilanzdefizit. Im Januar 2012 stieg die Bruttostaatsverschuldung Italiens um +37,889 Mrd. Euro zum Vormonat, der höchste Anstieg seit Beginn der monatlichen Datenreihe, auf 1,935829 Billionen Euro.

Die Entwicklung der italienischen Bruttostaatsverschuldung seit Januar 1997 in Mrd. Euro im Chart. Im Januar 2012 stieg die Gesamtverschuldung des Staates auf 1,935829 Billionen Euro, nach 1,897946 Billionen Euro im Vormonat (+37,883 Mrd. Euro) und nach 1,879796 Billionen Euro im Vorjahresmonat (+56,033 Mrd. Euro).

Bei einem nominalen BIP Italiens mit 1,580807 Billionen Euro im Jahr 2011, entsprach die Staatsverschuldung im Januar 2012 signifikante 122,46% des nominalen BIPs!

Die bisherigen Daten offenbaren bereits das von erfolgreichen Sparmaßnahmen der Technokraten-Regierung Monti, abseits der nicht mit Daten unterfütterten Propaganda, keinerlei Rede sein kann. Im Gegenteil, die Troika-Maßnahmen fahren die gleiche Ernte ein, wie in den anderen Ländern der Südperipherie. Aberwitziger Weise wird mit dem Sparen keine relevante Entlastung beim Zwillingsdefizit aus Leistungsbilanz und Staatshaushalt eingefahren, aber es wird hingegen die wirtschaftliche Aktivität abgewürgt! Dies ist Wahnsinn pur und ein weiterer Garant für den Niedergang der Eurozone!

Die Entwicklung des italienischen saisonbereinigten realen BIPs zum Vorquartal seit Q1 1995 bis Q4 2011 im Chart. In Q4 2011 ging es um -0,7% abwärts, nach -0,2% im 3. Quartal. Italien ist bereits in einer Rezession mit zunehmender Dynamik.

Vor allem das saisonbereinigte reale BIP in Mrd. Euro zeigt, wie schwach die wirtschaftliche Erholung seit der Finanz- und Wirtschaftkrise in Italien war und das man auch in Q4 2011 noch deutlich unter dem realen BIP-Hoch von Q3 2007 lag und das es wieder abwärts geht:

Die Entwicklung des saisonbereinigten realen BIPs in Mrd. Euro (2005=100) seit Q1 2000 bis Q4 2011. In Q4 2011 sank das reale BIP auf 354,695 Mrd. Euro, nach 357,077 Mrd. Euro in Q3 2011. Das Hoch wurde in Q3 2007 mit 374,372 Mrd. Euro markiert, ein Einbruch seitdem von -5,3%! Minus 5,3% seit Q3 2007 trotz ständig laufender hedonischer BIP-Berechnung (Leistungs- und Qualitätsbereinigung) die nicht zu einer adäquaten Preisbereinigung des realen BIPs führt.

Die privaten Konsumausgaben sanken ebenfalls mit -0,7% im Gleichklang mit dem BIP in Q4 2011, die Bruttoanlageinvestitionen um -2,4%, darunter die wichtigen Ausrüstungsinvestitionen mit -4,9%, jeweils real, saisonbereinigt und zum Vorquartal. Auch die reale und saisonbereinigte Bruttowertschöpfung der breit gefassten Industrie (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) brach laut Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung um -2,2% zum Vorquartal ein. Und auch im Januar 2012 wird es nicht besser, der Output der Industrieproduktion schmierte weiter ab:

Die Entwicklung des saisonbereinigten Outputs der breit gefassten italienischen Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) ohne Baugewerbe seit Januar 1990 im Chart. Im Januar 2012 sank der saisonbereinigte Output um -2,5% auf 85,2 Indexpunkten und bewegt sich damit sogar unterhalb des Niveau von 1990! Zum Hoch im August 2007 mit 110,0 Indexpunkten schrumpfte der Output um signifikante -22,55%.

Alles in Allem bewegt sich die Monti-Regierung klar auf der ökonomischen Verliererstraße und diese hier präsentierten  Daten liefern wenig Grund für Optimismus. Nicht nur die Wirtschaft schwächelt und der Staat ist überschuldet, auch das Bankensystem in Italien ist marode und wurde nur mittels brutalen Dopings (LTRO) vorm Kollabieren geschützt.

Quellen Daten: Istat.it/Pressmitteilung: Außenhandel Januar 2012, Bancaditalia.it/PDF: Daten Leistungsbilanz Januar 2012, Bancaditalia.it/PDF: The Public Finances,
borrowing requirement and debt Januar 2012
Istat.it/Pressemitteilung: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) Q4 2011, Dati.istat.it/Datenbank, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Wenn ihr die zeitnahe, kritische Aufbereitung von Wirtschaftsdaten und die aufwendige visuelle Darstellung der Daten bei Querschuesse per PayPal mit einem beliebigen Betrag unterstützen möchtet bitte den Button anklicken:

Print article

17 KommentareKommentieren

  • Roland - 17. März 2012

    Da das wichtigste industrielle Unternehmen Italiens -FIAT- inzwischen still steht wg. Auftragsmangel und Streik der LKW-Fahrer, bekommen dessen Zulieferer gerade einen schweren Schlag. Das wird auf weitere Teile der Industrie negativ ausstrahlen.
    Die nächsten Monate werden bitter.

    Im Gegensatz zu Griechenland, Spanien und Portugal hat Italien aber noch Reserven, die mobilisiert werden könnten.
    1. Es hat nach Deutschland die stärkste Exportkraft, auch Richtung Übersee.
    2. Auch die vielen Mafia-Milliarden, die in Italien zum “Waschen” auf den Markt drängen, könnten zu einer gewisse Stabilisierung beitragen.

  • M.E. - 17. März 2012

    Stimmt Roland,
    eigentlich könnte Italien seine Probleme NOCH lösen. Zumal die italienischen Bürger ein relatives Vorbild in Sachen Privatverschuldung sind – geradezu ein Hort der Solidität.
    Aber die theoretisch vorhandene Problemlösungskapazität schmilzt leider wie Eis in der mediterranen Sonne auf Grund der oben beschriebenen Entwicklungen.

  • SLGramann - 17. März 2012

    “Die bisherigen Daten offenbaren bereits das von erfolgreichen Sparmaßnahmen der Technokraten-Regierung Monti, abseits der nicht mit Daten unterfütterten Propaganda, keinerlei Rede sein kann.”

    Diese dümmliche Propaganda hat gerade in Deutschland in den letzten Wochen so ziemlich jede “seriöse” Zeitung betrieben. Tenor war bei allen gleich: “Ja, Griechenland schlimm, aber in Italien läufts jetzt, dank Super Mario Monti.” Also, alles wird gut, im Euro-Imperium.
    Alles nämlich angeblich nur ein Problem einzelner Funktionäre; Berlusconi = böse und unfähig, Monti = ein ganz Feiner. So platt wird uns die Welt vom Mainstream “erklärt”.

    Der Journalismus in Deutschland ist wirklich auf einem unterirdischen Niveau angekommen. Seine Markenzeichen sind fachliche Inkompetenz, gnadenlose Oberflächlichkeit, gegenseitige Abschreiberei und hemmungslose Propaganda im Sinne des Systems.

    Solange Querschüsse nicht verboten werden, zahle ich hier sehr gern einen kleinen monatlichen Beitrag, damit man an zumindest einer Stelle objektive Daten und analytisch-kritische Einschätzungen zu lesen bekommt!

    • Appaloosa - 17. März 2012

      Genau so ist es. War heute am Kiosk und gleich auf der ersten Seite von BILD:
      Frühling da, Krise weg….
      Börsen-Boom
      Alle Daumen der Ökonomen zeigen nach oben
      D-Exporte boomen dank Brasilien, Indien und Co.

      • Roland - 17. März 2012

        Der GM-Finazvorstand hat bei einem Analystentreffen herausgelassen, dass sich alle Hersteller einig seien, in Europa gäbe es Überkapazitäten von 20 % und deshalb seien auch Werks-Schließungen notwendig.
        Vor den Wahlen in Frankreich würde aber nichts passieren.

        Bis dahin wird noch mediale Boom-Stimmung verbreitet – um dann im Mai/Juni umzuschalten auf: Blut, Schweiß und Tränen, sprich: Gürtel enger schnallen.

        • Weltenbrand - 18. März 2012

          @ Roland

          “20% Überkapazitäten” – mal wieder ein prima Beispiel für die Begriffslosigkeit der so genannten “Wirtschaftslenker”, die maximal linear “denken” können; von dynamischen Prozessen aber haben diese garantiert keinen blassen Schimmer.
          Denn besagte “20%” suggerieren, dass es eben nur einer “linearen Stillegungslogik” bedarf, damit im Anschluß daran alles wieder “normal” liefe, sprich: keine “Überkapazitäten” mehr vorhanden wären.

          Doch dummerweise treten jene “20%” de facto einen dynamischen Entwertungsprozess in astronomischer Größenordnung los, denn in der Folge würde ja nicht nur die Binsenweisheit greifen, wonach an einem industriellen Arbeitsplatz zwei bis drei weitere im so genannten “Dienstleistungssektor” hängen, sondern dieser Effekt sich ebensoauf die gesamte Zulieferkette erstrecken. Die damit einhergehenden “Kaufkraftverluste” (auch die indirekten via “Assetentwertung”) würden dasselbe Problem der “überkapazitäten” auf dem ja dann angeblich “normalen” Niveau erneut zutage treten lassen.

  • Frank Bell - 17. März 2012

    Über Island wird in letzter Zeit auffallend positiv berichtet. Ist dies wieder mediale Vernebelung der Tatsachen?

    • dank - 17. März 2012

      Habe ich ebenso beobachtet – allerdings schweigen auch hier unsere Medien zum Großteil. Vielleicht weil die Vorgänge in Island nach diesem Artikel eher in die Gegenrichtung der Entwicklungen in Resteuroland deuten – wenn die Berichterstattung stimmt:

      http://www.wallstreet-online.de/nachricht/4863536-island-sozialen-medien-krise

      Ja, die Nordmänner – da gab es schon vor vielen Jahrhunderten schon ähnliche Strukturen, wie sie eben wieder mit der direkten Demokratie und Mitbestimmung angetestet werden. Unter diesem Hinblick hätten die Isländer ebenso ins Euroland gehört, wie die Griechen…

    • Weltenbrand - 18. März 2012

      @ Frank Bell & dank

      Island ist der angebliche “Musterschüler”, der derzeit über die Einführung des kanadischen Dollar als Währung debattiert. Soweit zum gelungenen “Turnaround”.

  • Thorsten Eckau - 17. März 2012

    “gegenseitige Abschreiberei”

    Ich fürchte es ist in weiten Teilen sogar noch schlimmer, als reine Abschreiberei: Die Redaktionen haben doch heute in der Fläche überhaupt keine eigenen Fach- oder Regionalmannschaften mehr, sondern beziehen ALLE nur von den wenigen, großen Agenturen. Schreibt dpa dass Monti toll ist, verhundertfacht sich diese Meldung binnen Minuten… Das ist im Kern das Problem, getrieben vom Kostendruck wurde die Berichterstattung oligopolisiert und damit sehr gut steuerbar gemacht… Ein Schelm wer eine VT dahinter vermutet…

  • Senta - 18. März 2012

    Wir leben in Italien und das Land steht still. Monti hat selbstgenutzte und alle anderen Immos so stark besteuert, dass keiner mehr baut, erweitert, kauft. Deflation total bei Immos, Inflation total bei Lebensmitteln und Energie. Liter Super gestern 2,08€ – Diesel 1,94 €.

    Es wird nur noch das Allernotwendigste gekauft, wir sind auf dem griechischen Weg.

    Behörden verhängen unverhältnismäßige Strafen, kleine Händler, die ohne Lizenz ihr gemüse früher am Straßenrand verkaufen durften, bekommen Strafen ab 25.000 €, wenn sie erwischt werden.
    Eine Lizenz kostet um die 15.000 €, die keiner hat, der von der Hand in den Mund lebt.
    Die Menschen sind hoffnungslos und wie erstarrt.

    Eingangssteuersatz 22%, Freibetrag bei Arbeitern 8000 Euro, bei Selbständigen 4200 Euro.

    Kredite gibts nicht, Firmen schließen jeden Tag, es gibt kein Hatz4, kein Kindergeld, kein Wohngeld, nichts.
    Wer in einer Fabrik arbeitet, derhält 3 Jahre 50% Arbeitslosengeld, das wird jetzt auf 18 Monate gekürzt – danach Null.

    Kriminalität steigt, die Menschen stehlen und rauben, entführen – sie wissen sich nicht mehr zu helfen.
    Im TV ist Monti der Retter der Matrix..

    Alles im Namen der Banken – Italien ist am Ende und wird jetzt ausgesaugt wie GR.

    Man kann nur noch Urlaub machen im Süden, dort sind die Menschen meste Bauern nd noch sehr unbedarft, kaum Internet und man hilft sich, es herrscht mehr Ruhe als imi NOrden und in der Mitte.

    Selbstmorde von Unternehmern sind an der Tagesordnung, pro Tag 2-4 in den Nachrichten, aber nur regional, die großen Sender bringen Shows und Spiele, Sport und Jubel auf Monti.

    Die Politiker verstecken sich hinter dem “Technikraten” und singen sein Loblied.

    Buona notte – es ist so traurig.

  • dank - 18. März 2012

    Vielen lieben Dank für die Berichterstattung, Senta.
    Das ist traurig und beschämend. Grauenvoll. Und wir können nur hilflos wütend zusehen. Egal ob GR, P, S oder I (sprich überall) – es geht um Millionen von Einzelschicksalen, die durch die tolle EU-Politik versiebt werden.
    “Ein vereintes Europa steht für Frieden und Wohlstand” HA! Das ich nicht lache! So ein Schwachsinn. Auch wenn ich mich wiederhole: Auf diese Art von Europa kann ich gerne verzichten.
    Die Zustände können wir gar nicht richtig verarbeiten und einschätzen. Es bleibt zu hoffen, dass sich sehr wohl die Massen an einem bestimmten Punkt erheben – allen Unkenrufen zu Trotz, dass es eh nichts hilft.
    Aber bitte was sollten die Menschen den sonst tun??? Einfach hinnehmen? Einfach wegsehen? Einfach abfinden?

    Von diesen Missständen bekommen wir alle im vermeintlichen Hort der Glückseligkeit leider viel zu wenig mit. Das ist wirklich verrückt.
    Bin sehr dankbar für solche Berichte, da sie für mich eine Vorschau geben, was auch in D blüht.
    Für uns ist es im Moment “nur” beunruhigend so etwas zu lesen – als würden wir einen Film ansehen. Und das ist ebenfalls verrückt, da wir so tun, als wäre der Rest von Europa auf einem anderen Planeten. Es sind unsere Nachbarn – Völker mit denen wir Freundschaften geschlossen haben – Menschen, die wir für allerlei Eigenschaften, Errungenschaften und auch ihre Eigenheiten bewundern, schätzen und auch gerne besuchen. Wir wollen mit diesen gerne zusammenleben und zusammen erleben. Und dann werden diese Menschen vor unseren Augen in die Hölle geschickt. Das ist einfach falsch und hart und unbegreiflich.

    Gut, dass ich hier keinen RESET Knopf habe – auf den würde ich nur ständig einschlagen.
    Ja, wir haben viele Probleme – nicht nur die der Finanzkrise. Es sind offensichtlich zu viele und viele Menschen haben den Eindruck, dass keines davon konsequent angegangen wird – sondern nur immer ein “Weiter so” oder ein TINA kommt. Ganz davon abgesehen das die meisten von den Problemen abgeschirmt werden und leben. Die Verantwortlichen für dieses Nichtstun und Verheimlichen müssen und werden zur Verantwortung gezogen. Früher oder später…
    Warum existiere nicht längst ganz offen TaskForces für jedes dieser Probleme unserer Zeit?
    Dutzende Milliarden bar in Rettungsschirme einlegen können wir doch auch. Aber ein paar poplige Spezialisten (20 Stück pro Problem) können wir nicht an einen Tisch setzten? Und damit meine ich KEINE Politiker, sondern freie Wissenschaftler mit einem noch vorhandenen Sach- und Problemlösungsverstand, desto kontroverser ihre Ideen bisher waren, desto lieber kommen sie in dieses Gremium. Auf gleichgeschaltete Lohnwissenschaftler des Staates verzichten wir. Holt endlich 20 verrückte Spezialisten pro Problem an den Tisch und wir können wenigstens einen Teil lösen. Wäre anmaßend zu denken, wir können alles – aber nur Versuch macht klug. Es sind neue Ideen gefordert – mit den alten sind wir durch und am Ende.

  • M.E. - 18. März 2012

    Auch von mir danke für den Situationsbericht aus bella Italia, Senta.
    Wir befinden uns am Ende einer Epoche.
    Einer Epoche, in der es so schien, als ließe sich der Kapitalismus tatsächlich etwas domestizieren.
    Einer Epoche, in der es für viele Menschen zeitweise wirtschaftlich bergauf ging.
    Einer Epoche westlicher Dominanz und Prosperität.
    Einer Epoche, in der es prinzipiell jeder (oder zumindest fast jeder) durch Engagement und Fleiß zu etwas bringen konnte.
    Einer Epoche der Zukunftszuversicht.
    Einer Epoche der billigen Energie…

  • ö.ä. - 19. März 2012

    Und keine Besserung in Sicht:

    “Italien: Umsatz in der Industrie im Januar (m/m) -4,9% nach revidiert +3,2% (+3,4%) im Vormonat.
    vor 27 Min (10:08) – Echtzeitnachricht

    Italien: Industrieaufträge im Januar (m/m) -7,4% (Prognose: -3,2%) nach revidiert +5,2% (+5,5%) im Vormonat.
    vor 28 Min (10:07) – Echtzeitnachricht”

    Quelle: http://www.boerse-go.de/jandaya/#!Ticker/Feed/?Ungefiltert

  • dank - 19. März 2012

    Italien tritt in Stufe 2 ein, während in GR “Brot und Spiele” versagt – in GR beginnt das Endspiel.
    Und da soll noch einmal jemand sagen, dass Fußballer nicht denken – in dem Fall wahrscheinlich mehr als die Politkaste, die alles nur schnell weg drückt:

    “…Er vermutete, dass die Ausschreitungen, die er zum ersten Mal in diesem Umfang in seiner Karriere erlebte, mit der schweren Finanzkrise in Griechenland verbunden sein könnten…”
    http://www.n-tv.de/sport/fussball/Hooligans-zuenden-Stadion-an-article5798996.html

    Und die Troika lügt sich weiter brav in die Tasche:
    “…Vor der anstehenden Parlamentswahl erwartet er keine neuen Turbulenzen…”
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Athen-macht-Task-Force-froh-article5798751.html

    Nein – es ist nicht gut und nein, es ist nicht schön!

  • Charlie - 20. März 2012

    Ich muss das einfach mal loswerden: Auch ich bin ja sehr froh, dass es diesen aufklärerischen Blog gibt, der regelmäßig mit Zahlen aufwartet, die man ansonsten kaum in dieser aufbereiteten Form präsentiert bekommt. Danke für die ganze Arbeit!

    Trotzdem muss ich anmerken, dass Formulierungen wie diese schlicht Unsinn sind: “Saisonbereinigt ging der Export von Waren und Güter[n] um -2,5% zum Vormonat zurück und das Importvolumen um -0,5%.” Oder anders gesagt: Deine seltsame Angewohntheit, Minus- und Pluszeichen vor Prozentzahlen zu setzen, ist extrem irritierend und leider falsch. Ein “Rückgang um -2,5%” ist nichts anderes als ein Zuwachs um 2,5% (“doppelte Verneinung” bzw. “minus mal minus gleich plus). Sowohl der Zuwachs, als auch die Schrumpfung eines Kuchens muss stets in positiven Prozentzahlen angegeben werden.

    Ein Pluszeichen vor einer Prozentzahl macht indes noch weniger Sinn, da es redundant ist. 2,5% sind und waren schon immer gleich +2,5%.

    Deine Texte wären leichter lesbar und verständlicher, wenn Du Dir abgewöhnen könntest, von einem irrationalen “Rückgang um -2,5%” zu sprechen. Vielen Dank! :-)