Italien: Target2 Saldo im April bei -279,379 Mrd. Euro

von am 8. Mai 2012 in Allgemein

Wie bereits die Einlagefazilität des Eurosystems anzeigte, die keine neues Hochs erklomm und wie es ebenfalls die bereits kräftigen Schlucke aus den LTRO-Pullen vorwegnahmen, schwächt sich nun wie erwartet die Dynamik des Anstieges der Target2-Salden Divergenzen vorerst etwas ab. Wie die italienische Zentralbank (Banca d’Italia) heute mitteilte, stieg der negative Target2 Saldo im April 2012 “nur” um 8,971 Mrd. Euro auf -279,379 Mrd. Euro, aber immerhin erneut auf ein neues Rekordniveau.

Die Entwicklung des Target2 Saldos der italienischen nationalen Zentralbank seit Januar 2001 bis April 2012 im Chart. Italien hielt lange Zeit sogar relativ kräftige Forderungen, die aber seit Juli 2011 schlagartig zu Verbindlichkeiten kippten und im April 2012 auf -279,379 Mrd. Euro explodierten. Die massive Ausweitung eines negativen Target2 Saldos in Italien, in nur kurzer Zeit, dokumentiert die dramatische Brisanz der Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone!

Die Target2 Salden zeigen den Stress im Eurosystem hervorragend an, die extrem auseinander divergierenden Target2 Salden in der Eurozone dokumentieren die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Zentralbankgeld muss Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGBF-Staaten finanzieren und Zentralbankgeld nun auch noch zusätzlich die dramatischen privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten abpuffern muss.

Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Letztlich bestätigen die Daten die bisherigen hier gewonnenen und dokumentierten Erkenntnisse. Erst die aggressiven geldpolitischen Maßnahmen (Liquiditätsflutung) der EZB, insbesondere die LTROs befeuerten die Kapitalflucht via grenzüberschreitenden Target2-Zahlungsverkehr, denn mit der Ausweitung der Kreditgewährung an die PIIGSBF-Banken wurden diese erst in die Lage versetzt die Kapitalflucht via Target2 abzuwickeln. Banken benötigen Zentralbankgeldguthaben bei ihren heimischen Zentralbanken, nur aus diesen heraus können sie die Zahlungsaufträge ihrer Kunden im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr ausführen. Wichtig dabei, zwischen den beteiligten Zentralbanken selbst fließt kein Geld, sondern die nationale Zentralbank der Empfänger-Bank schreibt die Überweisung als Gutschrift der Bank gut und erhält im Gegenzug nur eine Forderung gegen das Eurosystem, während der nationalen Zentralbank mit der den Zahlungsauftrag auslösenden Geschäftsbank, eine Verbindlichkeit gegen das Eurosystem verbucht wird.

Die Kapitalflucht dürfte primär auf Institutionelle, insbesondere Banken und Vermögende zurückzuführen sein, die die Liquiditätsflutung nutzten um ihre Kreditengagements in den PIIGSBF-Banken zu reduzieren bzw. Vermögenswerte und gar die zusätzliche Zentralbankgeldliquidität der Banken selbst in den vermeintlich sicheren Hafen der DNLF-Banken zu transferieren. Die steigenden Target2 Verbindlichkeiten auf der Passiva Seite der PIIGSBF-Zentralbanken gehen einher mit der steigenden Kreditgewährung an das heimische Bankensystem, die sich auf der Aktiva-Seite der Bilanzen der PIIGSBF-Zentralbanken zeigt, während bei den PIIGSBF-Banken die Kundeneinlagen von Verbindlichkeiten gegenüber der heimischen Zentralbank abgelöst wurden.

Auf der anderen Seite den DNLF-Zentralbanken schwellen die Target2 Forderungen an und die Kreditgewährung an die heimischen Banken schwindet auf der Aktiva-Seite, während auf der Passiva-Seite der DNLF-Zentralbanken die Einlagefazilität explodierte, das die DNLF-Banken in ihrer “Not” der Überschüttung mit Zentralbankgeld aus den Target2 Überweisungen und in Ermangelung anderer Aktivitäten (Interbankenmarkt, Kreditvergabe an die Realwirtschaft) dieses Geld in der Einlagefazilität bunkern.

Man kann aus diesem Zusammenhang sogar schlussfolgern, dass die Liquiditätsflutung des Bankensystems per LTROs nicht nur keinen volkswirtschaftlichen Nutzen generierte, sondern genau genommen einen Schaden, denn die Kapitalflucht erhöht die Ungleichgewichte in der Eurozone, nutzte nur den (Zentralbank)-Spezel’s im Bankensystem, indem diese ihre Risiko-Portfolios reduzieren konnten und Vermögenden die in die Lage versetzt wurden per bequemen grenzüberschreitenden Überweisungsauftrag ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Der wirklich dominierende Faktor könnte sogar die Verbringung der zusätzlichen Zentralbankgeldliquidität durch die Banken selbst sein (geschaffen durch die LTROs), als Wette darauf,  nach Ablauf der 3 Jahre das Zentralbankgeld in “Ermangelung eines dann vorhandenen Eurosystems” nicht zurückzahlen zu müssen bzw. die Aufwertung des sicheren Hafens mitzunehmen!

Die Risiken aus diesen fragwürdigen Geschäftsgebaren werden ungefragt den öffentlichen Händen in den DNLF-Ländern via Target2 in schwindelerregender Höhe übergeholfen! Denn diese Forderungen der DNLF-Zentralbanken sind im Falle eines Auseinanderbrechens der Eurozone nahezu uneinbringbar.

Perverser Weise bzw. Folge der Logik ist trotz Liquiditätsflutung der PIIGS-Banken die Kreditvergabe an die Realwirtschaft sogar rückläufig, was die Schrumpfung der wirtschaftlichen Aktivität beschleunigt und gleichzeitig bleibt der Interbankenmarkt weiter tot, Chapeau, großes Kino!

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/Target2-Salden

Quelle Daten:  Bancaditalia.it/BANK OF ITALY BALANCE-SHEET AGGREGATES AND OFFICIAL RESERVES IN APRIL 2012

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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21 KommentareKommentieren

  • M.E. - 8. Mai 2012

    Das ist das Ergebnis der realwirtschaftlichen Entwicklung in den einzelnen Ländern.
    In Deutschland immer noch ein beachtlicher Anstieg der Industrieaufträge, in den Problemländern ein steiler Einbruch in teils zweistelliger Prozenthöhe von einem ohnehin weitaus niedrigerem Niveau aus.
    Auf das Fortschreiten der Entwicklung hin zu immer größeren Ungleichgewichten kann man also getrost sein Häuschen verwetten, ohne befürchten zu müssen, obdachlos zu werden.
    Bis diese Ungleichgewichte, die sich nicht zuletzt auch an den Target-Salden ablesen lassen, zum großen Knall führen.
    Auf das Ausbleiben dieses Knalls wiederum würde ich mein Häuschen niemals verwetten. Nicht mal eine Kiste Sekt.

  • H.K.Hammersen - 8. Mai 2012

    Was ich an der Argumentation in dem Artikel nicht verstehe : Es wird gesagt, dass die Liquiditätsmaßnahmen der ZB die Kapitalflucht erst ermöglichen und nach Auslaufen dieser Maßnahmen die Kapitalflucht verringert wird. Wird ein Kunde, der bei einer PIIGS-Bank ein Guthaben unterhält und seiner Bank einen Auslandsüberweisungsauftrag erteilt, dann von seiner Bank vertröstet, bis Liquiditätsmaßnahmen der ZB diese Überweisung erst wieder möglich machen ? Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ein sofortiger Bankrun wäre doch wohl die Folge. Allenfalls kann Target-2-Saldo nur Ausdruck der Kapitalflucht der liquiditätsbegünstigten Banken selbst sein, die darauf spekulieren, ihre Euroverbindlichkeiten gegenüber der ZB bei einem Auseinanderbrechen der Eurozone in aufwertende DM umgerubelt zu bekommen. Das hielte ich dann allerdings für den Gipfel der Unverfrorenheit der Banken. Mit dem ihnen von der ZB billig zur Verfügung gestellten Euro gegen eben diesen Euro zu spekulieren würde das Euro-System völlig diskreditieren.

    • Querschuss - 8. Mai 2012

      Hallo H.K.Hammersen,
      es wird so sein wie du schreibst, der normale Kunde spielt eine vernachlässigbare Rolle in diesem Spiel, es sind die Banken und große institutionelle Anleger, die entweder ihre Risikoportfolios durch die zusätzliche Liquidität auflösen, sprich eine Refinanzierung von “Vermögenswerten” bei einer italienischen Bank wird von Zentralbankgeld ersetzt, was z.B. einer deutschen Bank ermöglicht seinen Interbankenmarktkredit zurückzuführen oder so wie du schreibst, das Zentralbankgeld wird direkt zu den DNLF-Banken verbracht, als Spekulation auf den Zusammenbruch des Euro! Dies dürfte sogar der dominierende Faktor sein! Pevers was?

      Ich habe den Artikel noch um diesen Aspekt ergänzt.

      Gruß Steffen

  • Philipp - 8. Mai 2012

    Besonders schön auch, daß auch die italienische Zentralbank eine Privatbank ist. Da macht das alles doch einfach noch viel mehr Spaß!

  • Wolfgang - 8. Mai 2012

    Aber genau das läuft ab. Die Verbindlichkeiten er Buba gegenüber KI sind in der Zeit vom 5. August 2011 bis zum 6. April 2012 von 369,8 auf 1085,0 Mrd. Euro gestiegen.

    http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/monatsberichte/2012/201204mb_bbk.pdf

  • Eastboy - 8. Mai 2012

    @ Herr Hammersen

    Ich denke sie haben mit ihrer Vermutung recht! Die gleichen Gedanken habe ich mir auch schon gemacht. Die Banken spekulieren darauf das LTRO-EZB Geld nach ablauf der 3 Jahre nicht zurück zahlen zu müssen,weil es bis dahin das Euro-System gar nicht mehr geben wird …

    MfG, Kay

    • Querschuss - 8. Mai 2012

      Hallo Eastboy,
      genau so!

      Gruß Steffen

    • Bernd Rickert - 8. Mai 2012

      Verstehe ich nicht.

      Die Forderungen aus EZB-Tendern müssen doch abgelöst werden.
      Sowie der Eurotraum mangels Realisierung platzt, hätte das Geld auf der Einlagefazilität auch keinen Wert mehr.
      Die Banken müssten doch in dem Fall auf Fremdwährungen oder Rohstoffe umsatteln.

      • Wolfgang - 8. Mai 2012

        M.E. sind öffentliche Forderungen verloren, während Forderungen der KI an ihre Zentralbank erhalten bleiben. Anderenfalls würde der gesamte KI-Sektor zusammenbrechen.

    • Querschuss - 8. Mai 2012

      Hallo Bernd Rickert,
      die LTROs laufen 3 Jahre, die italienischen Banken haben fast nur noch Zentralbankgeld aus den LTROs, normale Tender (Kurzläufer) wurde nahezu alle in LTROs gewechselt. Verbringen nun italienische Banken die Zentralbankgeldliquidität per Target2 zu den DNLF-Banken, sind sie bei einem Auseinanderbrechen der Währungsunion in einer komfortablen Situation, denn dieses Geld wird bei den DNLF-Banken mit aufgewertet, wobei eine Verbindlichkeit gegen ein nicht mehr existentes Eurosystem und vor allem in Euro besteht.

      Die LTROs ermöglichen ein perfektes Hedging, als (un)beabsichtigtes Geschenk der EZB.

      Gruß Steffen

  • Harald E - 8. Mai 2012

    Danke Steffen.
    Wieder eine gelungene Sezierung eines erwarteten Schrittes.

    Was ich in dieser Entwicklung sehe:

    Die halten ihr Pulver trocken.

    Sollte sich für den “Geldadel” ein potentiell existenzbedrohendes Szenario aufbauen, können sie sozusagen via Mausklick eine Breitseite Liquidität abfeuern.
    Optional aus allen Rohren, auch zweckentfremdeten.

    Probelauf dazu war Okt. 2011: 55 Mrd Bilanzfehler bei HRE…..sorgte für lachhafte Schuldzuweisungen und ein bisschen Kopfschütteln.
    Fazit: Kaum Rauch, diese Sorte Pulver ist trocken !

    (Bilanzfehler ;-) …..Ja, ne. Iss klar.)

    Eine selbstgebaute Gewissheit, man könne mit Geld alle Probleme dieser Welt lösen.

    Sie haben Geld, sie können Geld, sie definieren sich über Geld.
    Nur Geld….(als zweckentfremdetes Spielzeug für menschliche Deckrüden auf Methadon)

    Eigener Hände Arbeit, echte Freunde, Empathie, fundierte Sozialkompetenz ????
    Unrentabel ! Irrelevant.

    Was nicht käuflich ist, existiert nicht in dieser eindimensional käuflichen Welt.
    Sie können Rendite und täglich in den Spiegel schauen, ob sie auch wirklich “den Größten” haben. Mehr nicht.

    Meine Erwartung:
    Empathie (als Top-Ausprägung menschlicher Intelligenz) können sie nicht und genau darüber werden sie stolpern.

  • wolfswurt - 8. Mai 2012

    @Harald E

    Stolpern werden sie. Nicht aus Mangel an Empathie sondern an ihrer Unfähigkeit Leben ohne Faktor Geld zu betrachten. Instinktiv wissen sie um ihre Erbärmlichkeit ohne Geld das Leben meistern zu können. Aus diesem Grunde krallen siesich auch so fanatisch am Geld fest.

    Morgen werden alljene sich an den Suppenküchen wiederfinden.
    Das Bedauerliche daran ist, daß die mit Empathie belegten ihnen die Suppe ausschenken werden anstatt sie zu hängen.

  • Harald E - 8. Mai 2012

    @wolfswurt

    Vorhersagen sind schwer…besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.

    Darüber was nach dem Stolperer passiert, kann man bestenfalls wild spekulieren.
    Fallen sie, oder kicken sie den Stolperstein weg, oder….oder…

    Generell sehe ich aber die besseren Karten in Händen der “Empathischen”.

    P.S.: Es ist besser den “Unempathischen” die Suppe freiwillig zu geben, sonst holen die sich das Zeug mit Gewalt und hinterlassen ein Trümmerfeld aus Kolateralschäden.
    Sie kennen’s eben nicht anders.

  • San - 8. Mai 2012

    http://www.gfinm.de/images/stories/workingpaper29.pdf

    unter diesem Link eine aktuelle Studie zu den statistischen Target 2 “Verrechnungspositionen” !

    Gefördert /Auftraggeber durch Stiftung “Geld und Währung” ? (Organe der Stiftung / Bundesbank/ BMF)

    Viel Spaß beim Studium dieser umfangreichen Lektüre!

    • Querschuss - 8. Mai 2012

      Hallo San,
      kalter Kaffee akademischer Relativierung, immer noch bezugnehmend auf uralte Formulierungen von Sinn, also die alte Leier, ermöglicht durch die nicht optimalen Formulierungen und verwendeten Begrifflichkeiten, die auch Zeugnis von Sinns Entwicklung mit der Problematik waren bzw. von fast jedem der sich in einer frühen Phase mit der Target2 Problem beschäftigte! Eine PDF mit viel Finesse zur Vernebelung!

      Da die Wahrscheinlichkeit Monat für Monat steigt das die Eurozone bricht bzw. einzelne Mitglieder austreten werden, werden die akademischen Relativierer Macht des Faktischen entlarvt werden als das was sie sind. Sollte ich mich irren tue ich gerne Buße und lösche alle meine Target2 Artikel aus dem Blog!!

      Gruß Steffen

      • Michael S. - 8. Mai 2012

        http://www.gfinm.de/images/stories/workingpaper29.pdf

        “Im Falle eines Währungsaustritts ist es nicht relevant, ob einige Länder auf Kosten
        anderer über ihre Verhältnisse gelebt haben oder nicht, da die Umstände und
        Institutionen, die das ermöglicht haben, von allen Ländern mitgetragen wurden.”

        Oder auch: Wer so dumm war den Euro zu nehmen ist selber schuld!

        Das sagt doch alles!!! Unverschämt wenn man bedenkt, dass es zur Euroeinführung keine
        Volksabstimmungen gab…

        Gruß Michael S.

  • Das Häschen - 8. Mai 2012

    Danke Querschuß, interessant!

    Alle Achtung. Inbesondere – H.K.Hammersen. Naja, dann bekommen wir den Schilling wieder, mit dem Eugen Böhm von Bawerk drauf, auch nicht schlecht. Dann wird man wieder leichter Millionär und die Anleitung dazu steht am Hunderter.

    In der Welt geht’s drunter und drüber; aber Österreich geht nicht unter.”
    Egon Friedell, Austrian philosopher, historian, journalist, actor (1878-1938)

    Da Paper über das Target II System ist interessant.

  • titoslavija - 8. Mai 2012

    der euro soll zwietracht sähen.

  • San - 8. Mai 2012

    Dieses Papier zeigt für mich einmal mehr, dass die Schöpfer dieser peversen Finanzinstrumente
    und Konstrukte milde gesagt den Durchblick verloren haben.

    Grüße

  • Maik - 9. Mai 2012

    Hallo zusammen,

    Da dies mein erster Kommentar ist, möchte ich zunächst einmal meinen Dank für diesen tollen Blog aussprechen, den ich mittlerweile fast täglich verfolge. In Bezug auf die Target2-Problematik ist mir jedoch ein Sachverhalt noch nicht völlig klar, sodass ich mir von dem einen oder anderen kundigen Leser eine Antwort erhoffe. Ich schieß’ mal los …..

    Mir ist schneeballsystemartige Problematik der Target2-Salden klar. Bankkunden in den “Problemländern” heben Geld von den inländischen Geschäftsbanken ab, welche wiederum zur Deckung, Kredite bei der heimischen Notenbank aufnehmen müssen. Zur Deckung dieser Kredite muss jene Notenbank nun Verbindlichkeiten mit der EZB eingehen, welche wiederum eine Verbindlichkeit mit den nationalen Zentralbanken der “soliden” Ländern eingeht. Mein Verständnisproblem besteht nun darin, dass ich nicht exakt verstehe, wie die nationalen Notenbanken gegenseitig Verbindlichkeiten aufnehmen können.

    Mein Erklärungsansatz war immer der Folgende: Bei jeder neuen Versteigerung der EZB wird der länderspezifische Anteil des ersteigerten Betrags von der Gesamtersteigerungssumme erfasst. Ist jener Anteil höher als der Kapitalanteil des jeweiligen Landes bei der EZB entsteht eine Verbindlichkeit der nationalen Notenbank gegenüber dem EZB-System und letztendlich eine Forderung gegenüber den Notenbanken der “soliden” Ländern.

    Vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen. Vielen Dank !

    • Querschuss - 9. Mai 2012

      Hallo Maik,
      nur kurz, wenn Bankkunden Geld von den PIIGSBF Bank abheben, verlieren diese zwar Einlagen, die müssen per Tender mit Zentralbankgeld kompensiert werden, wenn andere Banken diesen Einlagenschwund per Interbankenmarkt nicht ausgleichen. Aber dies tangiert bis dahin NULL den Target2 Saldo, der wird nur von den grenzüberschreitenden Überweisungen über das Target2 Zahlungssystem beeinflusst.

      Vorraussetzung um eine grenzüberschreitende Zahlung per Target2 zu tätigen, ist erstmal die Bank braucht bei der heimischen Zentralbank ein Konto und vor allem Guthaben in Zentralbankgeld, nur aus diesem kann die Transaktion vollzogen werden. Zum Beispiel eine italienische Bank überweist an die Deutsche Bank 1 Mrd. Euro. Die italienische Zentralbank zieht die 1 Mrd. Euro vom Guthaben der Bank ein. Zwischen der italienischen und der deutschen Zentralbank fließt aber kein Geld, sondern der italienischen Zentralbank ensteht eine Verbindlichkeit gegenüber dem Eurosystem in Höhe von 1 Mrd. Euro. Die deutsche Zentralbank schöpft im Prinzip 1 Mrd. Euro und schreibt sie dem Zentralbankkonto der Deutschen Bank gut und enthält im Gegenzug eine Forderung gegen das Eurosystem.

      Normalerweise fallen kaum Target2 Salden an, da der Interbankenmarkt selbst diese Funktion ausfüllt, sprich andere Banken würden der italienischen Bank 1 Mrd. Euro von ihrem Zentralbankgeldguthaben leihen, tut der Interbankenmarkt dies nicht muss die italienische Bank einen Zentralbankkedit bei der heimische Zentralbank ziehen, um überhaupt in der Lage zu sein die Zahlungsaufträge via Target2 auszuführen. Ich hoffe es war einigermaßen verständlich.

      Gruß Steffen