Japan in wirtschaftlicher Kontraktion
Wie nicht anders zu erwarten war, führen die Auswirkungen der Erdbeben- und Reaktorkatastrophe in Japan über die Energieversorgungsprobleme und den Störungen bei den Zulieferketten zu einer signifikanten Kontraktion der realwirtschaftlichen Aktivität. Die Daten zur Industrieproduktion im März 2011 und zu den Autoverkäufen im April 2011 liefern dazu aussagekräftige Charts:
Japans saisonbereinigte Industrieproduktion im Chart seit Januar 1978. Der Industrieproduktionsindex mit den bereinigten Daten brach im März 2011 um -15,3% zum Vormonat auf 82,9 Indexpunkte ein. Zum Hoch im März 2008 mit 116,5 Indexpunkten betrug der Einbruch satte -28,8%! Quelle Daten: Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI)
Noch deutlicher ging es in der Autoproduktion abwärts, der saisonbereinigte PKW-Subindex mit knapp 10% Gewichtung im japanischen Industrieproduktionsindex, stürzte im März 2011 um -54,2% zum Vormonat ab:
Japans saisonbereinigter Output im Fahrzeugbau im Chart seit Januar 1978. Um -54,2% zum Vormonat brach der Output von PKWs ein, auf 46,6 Indexpunkte, nach 101,8 Indexpunkten im Vormonat und nach 107,8 Indexpunkten im Vorjahresmonat! Zum Hoch im Februar 2008 brach der PKW-Output um -63,7% ein und generierte im März 2011 sogar ein Tief, welches noch unterhalb des Tiefs aus der Wirtschafts- und Finanzkrise im Februar 2009 lag.
Kurzfristig dürfte auch keine signifikante Entspannung in Sicht sein, so berichtete die Japan Automobile Dealers Association für den Monat April 2011 von einem Einbruch der gesamten Fahrzeugverkäufe (PKWs, LKWs und Busse) von -51% zum Vorjahresmonat:
Die prozentuale Entwicklung der gesamten Fahrzeugverkäufe (PKWs, LKWs und Busse) in Japan im Vergleich zum Vorjahresmonat seit Januar 2003 im Chart. Im April 2011 sanken die Verkäufe um -51%, nach -36,97% im Vormonat, jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die PKW-Verkäufe sanken im April 2011 sogar um -58,7% zum Vorjahresmonat, auf nur noch 40’377 verkaufte PKW-Einheiten. Das prozentuale Hoch der gesamten Fahrzeugverkäufe im August 2010 mit +46,7% wurde durch die staatlichen Förderungen für Kraftstoff sparende Autos generiert, die im September 2010 ausliefen.
Der starke Einbruch der gesamten Fahrzeugverkäufe im April 2011, auf nur noch 108’824 verkauften Einheiten, im Vergleich zu den Verkaufszahlen der jeweiligen April-Monate seit 2002. Der April 2011 markiert ein Allzeittief bei den monatlichen Verkäufen seit Beginn der Datenreihe der Japan Automobile Dealers Association im Januar 2002.
Angesichts dieses starken wirtschaftlichen Einbruches hält sich der Leitindex an der Tokioter Börse, der Nikkei 225, mit 10’004 Punkten noch deutlich über seinen Tiefs aus der Wirtschafts- und Finanzkrise.
Es ist immer wieder beeindruckend an Hand der Charts zu sehen, was für eine Spekulationsblase Anfang der 90er an den japanischen Immobilien- und Aktienmärkten platzte und in Folge dessen zwei verlorene Jahrzehnte der wirtschaftliche Stagnation und der deflationären Tendenzen über die japanische Volkswirtschaft hereinbrachen.
Der Japan Urban Land Price Index des Japan Real Estate Institute von 1975 bis 2010 im Chart, er spiegelt die Boden(Grundstücks)preise der städtische Gebiete in Japan wider.
Mit der Erdbeben- und Reaktorkatastrophe steigt die Wahrscheinlichkeit das Japan noch ein drittes verlorenes Jahrzehnt droht. Exemplarisch steht Japan für Kreditexzesse, Spekulationsblasen und ein nicht nachhaltiges Wirtschaften, welches sich auch in dem havarierten AKW Fukushima dokumentiert.
Quellen Daten: Meti.go.jp/Daten Industrieproduktion, Jada.or.jp/Daten
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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