JP Morgan verzockt Milliarden – und blamiert den „härtesten“ Fed-Stresstest aller Zeiten

von am 12. Mai 2012 in Allgemein

Ende November 2011 erstaunte die Fed die Welt mit einem Stresstest, der im Unterschied zu dem vorangegangenen Pendant für die Prüfung der Krisenfestigkeit von US-Banken ein Szenario vorgab (1), das der Situation nach der Lehman-Pleite schon erstaunlich nahekam. (2)

Ich habe damals in einem Aufsatz mit der Überschrift “Das Lehman-Szenario der Fed: Genug Stress für oder durch US-Banken?“ dennoch meine Skepsis geäußert, ob dieses Szenario wirklich geeignet ist, die Krisensicherheit der US-Banken ausreichend zu testen. (3) Allerdings bezog sich meine Skepsis primär auf das Szenario selbst. Ein neuerlicher Crash könnte aus einer Reihe von Gründen, die ich in diesem Aufsatz ansprach, verheerendere Auswirkungen haben als die Lehman-Pleite im Herbst 2008.

JP Morgan hat uns nun vor Augen geführt, wie unzulänglich dieser „harte“ Stresstest der Fed mit Blick auf die Bankenrisiken auch aus anderen Gründen tatsächlich gewesen ist. (4) JP Morgan bestand ihn mit Glanz und Glorie und hat dennoch mal eben in wenigen Wochen mindestens 2 Milliarden US-Dollar mit Derivaten verzockt, obwohl auf den Märkten in den vergangenen Wochen noch nicht einmal eine erkennbar ernste Abwärtsbewegung zu verzeichnen war. Mindestens, weil Jamie Dimon, der Chef von JP Morgan und einer der schärfsten Kritiker einer Verschärfung der Finanzmarktregulierung, bereits gesagt hat, dass die Höhe des Verlustes noch nicht feststeht und er leicht noch höher ausfallen könne. (5) Zur Art der Geschäfte und den Hintergründen ist bisher noch immer nicht viel bekannt. Jamie Dimon weigerte sich, dazu etwas zu sagen. Es wird angenommen, dass es sich um Geschäfte mit Credit Default Swaps (CDS) gehandelt haben könnte (6) – ausgerechnet! Aber das ist bisher unbestätigt.

Ein Blick auf die jüngsten Zahlen des Office of the Comptroller of the Currency (OCC) zum Derivatehandel der US-Banken zeigt, dass nach wie vor lediglich fünf Großbanken 96 Prozent des nominalen Volumens des Derivategeschäfts in den USA auf sich vereinen und JP Morgan ist die Nummer 1 – auf Holdingebene –, dicht gefolgt von der Bank of America. (7)

Welche Bedeutung diese US-Banken damit für den globalen Derivatemarkt haben, wird ersichtlich, wenn man berücksichtigt, dass die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) das nominale Volumen des globalen OTC-Derivatemarktes nach jüngsten Zahlen zum Ende des Jahres 2011 auf 647 762 Milliarden Dollar beziffert. (8)

Das JP-Morgan-Desaster zeigt vor dem Hintergrund des jüngsten Fed-Stresstests deutlich, wie intransparent der Bankensektor und vor allem auch der Derivatemarkt sowie die darin versteckten Risiken nach wie vor sind. Wollte man ein Resümee ziehen, so ließe sich darüber hinaus Folgendes konstatieren:

-Die Aufsichtsbehörden sind nach wie vor nicht im Stande die Risiken in Großbanken und im Bankensektor realistisch einzuschätzen, abzubilden und zu kontrollieren und

-Großbanken sind nach wie vor nicht in der Lage, ihre Risiken zuverlässig zu kalkulieren und zu beherrschen.

Oswald Grübel, Ex-Chef der Schweizer UBS, und zwei weitere Top-Manager mussten aufgrund eines ähnlichen Desasters ihren Hut nehmen. Vor wenigen Monaten hatte es dort wegen unautorisierter und mächtig schief gegangener Wetten einen Verlust in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar gegeben. (9) Simon Johnson, Ex-Chefvolkswirt des IWF und heute Wirtschaftsprofessor am MIT, meint, in jedem anderen Bereich der US-Wirtschaft müsste der Chef eines Unternehmens, das einen solchen Verlust realisiert, zurücktreten. Er rechne aber damit, dass Jamie Dimon seinen Stuhl wohl trotzdem nicht räumen muss. (10)

Aber das ist fast schon ein Nebenschauplatz.

Was im Vordergrund stehen sollte ist die Frage, warum angesichts der aktuell erneut aufgedeckten Schwächen im Management von Großbanken sowie bei den Aufsichtsbehörden bezüglich der Kontrolle von Risiken nach wie vor kein Verantwortlicher zuzugeben bereit ist, dass das „Too big to Fail“-Problem offensichtlich nur auf eine Weise wirklich wirksam gelöst werden kann: „Too big to fail“-Banken müssen kleiner werden.

Dieses Thema ist umso dringlicher, als JP Morgan als Bank besser dasteht als sehr viele seiner Konkurrenten und solche Schläge insofern besser verkraften kann. Ferner gilt sein Risikomanagementsystem an der Wall Street schon als das beste und hat trotzdem versagt. (11) Dass ein solches Desaster dort möglich war, lässt deswegen – nicht zuletzt angesichts des enormen Engagements von Großbanken im risikobehafteten Derivatemarkt – die begründete Befürchtung aufkommen, dies könne in anderen Großbanken, die nicht so „stabil“ aufgestellt sind wie JP Morgan, jederzeit auch geschehen. Das gilt erst recht, wenn sich die Lage auf den Finanzmärkten wieder verschärfen sollte und das kann ebenfalls jederzeit geschehen. Potenzielle Auslöser gibt es genug – man denke nur an die Entwicklung in Griechenland.

Im vierten Jahr nach der Lehman-Pleite werden Regierungen, Notenbanken und Regulierer anerkennen müssen, dass ihr bisheriger Kurs im Management der Finanzmarktkrise und in der Finanzmarktregulierung wirkungslos war und eine Eskalation an den Finanzmärkten auch heute weder ausgeschlossen noch antizipiert werden kann. Es wäre gerade angesichts erheblicher rezessiver Tendenzen in vielen Volkswirtschaften wichtig, die krisenverschärfende Spekulation einzuschränken und den Bankensektor wieder stärker auf seine originäre Funktion auszurichten. Doch wie sagte es jüngst Folker Hellmeyer, der Chefanalyst der Bremer Landesbank: (12)

„Es gibt aber auch Banken, die die volkswirtschaftlichen Funktionen unserer Branche vor­leben. Diese Institute haben in der Krise antizyklisch ihre Kreditportfolien erhöht und damit der Stabilisierung der Wirtschaft gedient. … Genau diese Institute sollen übrigens jetzt durch Basel III in ihrer klassischen Kreditvergabe, die gar nicht Ausgangspunkt der Krise war, eingeschränkt werden. Bisweilen frage ich mich, was die Regulierer bezwecken oder ob sie willfährig Lobbyisten folgen.“

Er hat vollkommen Recht. Auch das ist ein Problem, das der Überwindung der Finanzmarkt- und der Wirtschaftskrise (in immer mehr Volkswirtschaften) im Wege steht.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

Print article

45 KommentareKommentieren

  • Eurelios - 12. Mai 2012

    Zur Art der Geschäfte und den Hintergründen ist bisher noch immer nicht viel bekannt. Jamie Dimon weigerte sich, dazu etwas zu sagen. Es wird angenommen, dass es sich um Geschäfte mit Credit Default Swaps (CDS) gehandelt haben könnte

    Also wenn das stimmen sollte wie im Artikel der FTD berichtet wird.

    http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:fehlspekulationen-von-jp-morgan-lord-voldemort-vernichtet-2-mrd-dollar/70035676.html

    Dann gute Nacht.

    Das mit unserem Geldsystem das wir haben die meisten Menschen die Verarxxten sind
    war ja schon seit Jahren jedem klar der sich über was ist Geld?, sich Gedanken machte.

    Aber solche Schweinereien sind unfassbar.

    Mir wird ganz schlecht wenn ich an das unweigerlich, das durch dieses Casinospiel
    kommen muß, Ende denke. Der Aufschlag wird allen sehr weh tun und es wird mit
    Sicherheit viel geben bei denen der Arzt sagen würde:
    Nichts mehr zu machen holt schnell den Pfarrer.

    • Lazarus09 - 13. Mai 2012

      *Hüstel* Da darf man nicht enttäuscht sein denn solange die Leute lieber auf solche spucken die H4 beantragen müssen als auf aufgeblasene “Leister” die sich immer offensichtlicher aus Rettungsschirmen und Brandmauern auf Kosten der Bevölkerungen finanzieren ist alles in Ordnung ..oder ?

  • Staube - 12. Mai 2012

    Solange die Politik diesem Treiben nicht Einhalt gewährt und den Bürgern immer neue Austeritätsmassnahmen aufdrückt, ihnen sichere Jobs und eine tolle Zukunft und billiges Benzin vorGAUKelt, solange werden BankSTer weiter spielen und der Binnenmarkt dümpelt vor sich hin.

    Preise steigen, aber die Banken haben genug Geld um sich mal eben zu verzocken. Das nenne ich wirtschaften. In meiner Ausbildung vor mehr als 20 Jahren waren Ehre und Nachhaltigkeit sowie Augenmass Begriffe, wie sie heute nicht mehr zählen.

    • titoslavija - 14. Mai 2012

      dieses treiben hat längst die macht über die politik, daher unrealistisch

  • Lynn - 12. Mai 2012

    @Staube

    Wie bitte??? Sie erwarten wirklich, dass “die Politik” diesem für sie doch auch sehr lukrativem Ausplünderungstreiben Einhalt gebietet? Das hieße ja, den Bock zum Gärtner zu machen!

    Denn ausgerechnet “die Politik” war es doch, die das Trennbankensystem (Glass Steagall) aufhob, und damit diese exorbitanten Betrügereien erst ermöglichte!
    Diese sollte man ebenfalls zur Rechenschaft ziehen.

    Poltitiker, die das Volk, von dem sie bezahlt werden, dermaßen belügen, betrügen und zur Ausplünderung darbieten, sind sofort abzusetzen OHNE jegliche Pensionsansprüche natürlich!

    Es muss endlich Schluss sein mit diesem verkommenen Mafiastaat!

  • ergo sum - 12. Mai 2012

    @ Steffen:
    Aus den CNBC-Nachrichten entnahm ich, dass es sich um eine Wette auf die Produktionssteigerung einiger europäischer Großfirmen handelte, die sich als negativ erwies. Auf der anderen Seite der Hecke standen offenbar mehrere Hedgefonds, die natürlich die entsprechenden Gewinne kassierten. Daher der Name Hedge.
    Gruß, Ergo

  • klaus - 13. Mai 2012

    Nabend noch.

    Die 2 Mrd sind etwa vergleichbar, als ob die DB
    diesen Joker geschossen hätte.

    Hoffen wir, das die nicht auch dabei waren.

    Dann wäre wieder Blitzzusammenkunft.

    ;)

  • Tim Schaefer Wall Street - 13. Mai 2012

    Warum ist zum Hintergrund des Verlust-Geschäfts kaum bekannt? Weil kaum jemand durchblickt. Es ist verdammt schwierig geworden in dem Durcheinander an Derivaten noch durchzusteigen. In den vergangenen 10 Jahren hat sich das Volumen der Derivate versiebenfacht. 600 Billionen US-Dollar sind die Derivate mittlerweile wert, die um den Globus schwirren. Keine Finanzaufsicht der Welt und kein Vorstand blicken da noch durch.

    • Traumschau - 13. Mai 2012

      Warum macht man dann nicht ernst mit der Regulierung? Warum verbietet man nicht einfach OTC-Geschäfte? Warum kann man nicht endlich einführen, dass CDS nur diejenigen kaufen dürfen, die die zu versichernden Papiere selbst halten? Warum lässt man diese Geschäfte nicht einfach “natürlich” auslaufen, um sie dann zu verbieten?

      • SLE - 13. Mai 2012

        Vielleicht weil die ISDA ein sehr mächtiger Verband ist und vielleicht auch, weil CDS bei JP Morgan quasi “erfunden” wurden

        http://de.wikipedia.org/wiki/Blythe_Masters

        und vielleicht auch, weil das Analyse Tool für CDS, das die ISDA und die Branche nutzt, von JP Morgan entwickelt wurde

        http://www.isda.org/press/press012909.html

        Grüße
        SLE

        • Traumschau - 14. Mai 2012

          Tja, das stützt ja nur meine These, dass die Politik nichts zu melden hat. Es scheint völlig egal zu sein, wer Präsident oder Kanzler, etc. wird. Die City und die Wall-Street haben alles im Griff. Die Ankündigungen, durch den JP Morgan Skandal wird jetzt mit der Regulierung ernst gemacht, halte ich für eine Verhohnepipelung der Menschen. Es wird gar nichts passieren, außer das eventuell wieder die Steuerzahler für die Folgen aufkommen werden – “too big to fail” ist eine so komfortable Situation, dass sich keiner dieser Banken irgendwelche Sorgen machen muss.
          Ich habe gestern bei YT eine interessante historische Aufarbeitung der Entwicklung des Banken- und Geldsystems gesehen. Mich würde die Meinung der Foristen dazu interessieren:
          http://www.youtube.com/watch?v=rMwyBnxhIAY&feature=related

          Herzliche Grüße
          Traumschau

    • SLE - 13. Mai 2012

      Ganz genau so ist es.

      Gruß
      SLE

    • Vogel - 13. Mai 2012

      Ernsthafte Frage: Meinst Du 0,6 Billiarden? Oder 600 Mrd.

      Soweit ich weiß iss Querschüsse ein deutsches Blog mit überwiegend deutschen Leseren. Es iss wohl wie bei den Derivaten: Keiner blickt durch! Da isses dann auch egal, auf 600 XXX mehr oder weniger kommt’s eh nich an!

      • Querschuss - 13. Mai 2012

        Hallo Vogel,
        bitte keine unötige Verwirrung stiften, findest du alles im Blog, einfach mal die Suchfunktion bemühen:

        http://www.querschuesse.de/otc-derivate-casino-mit-707569-billionen-dollar-an-nominalen-volumen/
        Das sind die Daten vom 1 Halbjahr 2011.

        Zuletzt, Ende 2011 betrug das weltweite nominale Derivatevolumen 647,762 Billionen Dollar, siehe http://www.bis.org/publ/otc_hy1205.pdf

        Die US-Banken hatten Ende 2011 ein nominales Derivatevolumen von 230,794 Billionen Dollar, davon 70,152 Billionen Dollar allein die JP Morgan Chase.
        http://www.occ.treas.gov/topics/capital-markets/financial-markets/trading/derivatives/dq411.pdf

        Gruß Steffen

        • macsoja - 14. Mai 2012

          amerikanische “647,762 Billions Dollar” = europäische “647,762 Milliarden Dollar”

          Da aber das Komma kein richtiges Komma ist, sondern eine Tausendertrennung sind es also wieder ca. europäische 648 Billionen Dollar.

          So lese ich das jedenfalls und da ist es doch gar nicht mal so schlecht, wenn es vorerst “nur” 2 Mrd. Verlust sind.

      • SLE - 13. Mai 2012

        Weil diese Frage hier öfter gestellt wurde möchte hier einmal ein wichtiger Hinweis für ALLE Leser betreffend meine Aufsätze und verwendete Quellen:

        Die im Aufsatz in und am Ende von Sätzen auftauchenden, in Klammern gesetzten Ziffern sind VERLINKT mit der jeweiligen Quelle, auf die sich die Aussage im Satz bezieht.

        Wer also eine Aussage nachprüfen oder einfach das zugrundeliegende Dokument wissen möchte: Bitte die entsprechende ZIFFER ANKLICKEN!

        Das ist auch das im wissenschaftlichen Berich übliche Zitierverfahren, das aber, wie ich natürlich auch weiß, nicht jeder kennt.

        Ich habe abgenommen, dass die meisten Leser rein intuitiv vorgehen und Ziffern die einfach anklicken. Aber es ist wohl, wie ich jetzt einsehe, mein Fehler gewesen, die Funktion der Ziffern nicht erklärt zu haben. Sorry!

        Gruß
        SLE

  • Traumschau - 13. Mai 2012

    War ja klar, dass das passieren musste. Ich schreibe seit der Lehman-Pleite, dass als erstes die Finanzmärkte reguliert werden müssten. Ohne diese Massnahme sind alle anderen Anstrengungen wirkungslos (1 Bill. für Banken von der EZB) bis schädlich (Austeritätspolitik in der Euro-Zone).
    Da man aber einfach nicht dazu lernen will, wird es einen Riesenknall geben, der das ganze Finanzsystem letztlich zerstört. Die Folge könnte tatsächlich ein Weltkrieg sein.
    Da wir ja leider überall den Bock zum Gärtner machen, sei es in der amerikanischen Administration oder bei der EZB und in den Krisenländern, wo die Wall-Street-Boys bzw. die Jungs von Goldman Sachs das Sagen haben, wird sich außer kosmetischen Veränderungen nichts bewegen. Ich will wirklich hoffen, dass man diese Clique von korrupten Politiker, die all diese Entscheidungen getroffen haben, eines Tages vor ein Gericht stellt, oder besser: in Guantanamo als Terroristen den Prozess macht. Diese Leute vergehen sich an der Menschheit.

  • Hannes66 - 13. Mai 2012

    In der Aufstellung heißt es oben in Milliarden Dollar, ich kann kaum glauben, dass JP Morgan da mit etwas mehr als 70 Billionen Dollar dabei ist, stimmen die Zahlen denn wirklich, oder handelt es sich wieder Mal um den bekannten Fehler mit amerikanischen und europäischen Billionen?

    • SLE - 13. Mai 2012

      Sie stimmen wirklich. Übrigens ist die Deutsche Bank ähnlich hoch investiert wie Steffen hier vor ein paar Monaten aufgezeigt hat. Hier nochmal der Link:

      http://www.querschuesse.de/leistung-aus-leidenschaft/

      Grüße
      SLE

    • Lothar - 13. Mai 2012

      Sorry das jetzt so zu sagen, aber daran erkennt man einfach ob Menschen wirklich informiert sind oder ob sie nur gleichgeschaltete Main Stream Medien lesen.

      Natuerlich sind das Billionen. Die Dimension dieser Zahlen zu den CDS werden seit Jahren von allen ernstzunehmenden runtergebetet – und die Leute begreifen es anscheinend immer noch nicht worum es geht.

    • Torsten - 13. Mai 2012

      Hallo Hannes66,

      zwar ein bischen alt, konnte aber auf die schnelle keine neusten Daten finden. Daher nur den OCC-Bericht (PDF-Datei) von Quartal 2 2011.
      Auf Seite 26 Tabelle 2 sind die Zahlen zu finden.

      http://www.occ.gov/topics/capital-markets/financial-markets/trading/derivatives/dq211.pdf

      viele Grüße

      • SLE - 13. Mai 2012

        Es reicht auch, einfach mal die Tabelle richtig zu lesen und auch die letzte Zeile mit der Quellenangabe.

        Ansonsten hier noch einmal ein wichtiger Hinweis für ALLE Leser:

        Die im Aufsatz in und am Ende von Sätzen auftauchenden, in Klammern gesetzten Ziffern sind VERLINKT mit der jeweiligen Quelle, auf die sich die Aussage im Satz bezieht.

        Wer also eine Aussage nachprüfen oder einfach das zugrundeliegende Dokument wissen möchte: Bitte die entsprechende ZIFFER ANKLICKEN!

        Das ist auch das im wissenschaftlichen Berich übliche Zitierverfahren, das aber, wie ich natürlich auch weiß, nicht jeder kennt.

        Ich habe abgenommen, dass die meisten Leser rein intuitiv vorgehen und Ziffern die einfach anklicken. Aber es ist wohl, wie ich jetzt einsehe, mein Fehler gewesen, die Funktion der Ziffern nicht erklärt zu haben. Sorry!

        Gruß
        SLE

  • Frankenfurter - 13. Mai 2012

    Würde mich jetzt auch interessieren, wie die Zahlen in der Tabelle zu verstehen sind. Sind nicht Derivate, wie etwa die CFDs, nicht immer gehebelte “Wertpapiere”?

    Welche “realen” Vermögenswerte (die als Margins hinterlegt werden müssen, will man mit Derivaten handeln) stehen den Zahlen in der Derivatetabelle gegenüber? Kurz: wieviel Sicherheiten müßte man hinterlegen, um alle Derivate der 5 Banken gleichzeitig handeln zu können?

    • SLE - 13. Mai 2012

      Die Banken sichern ihre Geschäfte gegenseitig ab, das heißt, sie stehen auf der Aktiv- und auf der Passivseite und Wert und Risko schätzen die Banken weitestgehend selber ein (siehe auch:http://www.isda.org/press/press012909.html ). Das macht sie so gefährlich. Das heißt die Banken rechnen die Positionen – nach “eigenem Ermessen” – auf Aktiv- und Passivseite einfach gegeneinander auf.

      NOchmals zur Einordnung: Derivate sind Termingeschäfte bzw. schlicht Wetten und wetten kann man in der Tat auf nahezu alles, auf Rohstoffpreise, Indices, Staatspleiten usw. Nur zum Teil geht es um realwirtschaftliche Geschäfte oder “reale” Vermögenswerte. (für einen Überblick: http://de.wikipedia.org/wiki/Derivat_%28Wirtschaft%29).

      Das kann man sich auch einfach vor Augen führen, wenn man sich einmal daran erinnert, dass der globale OTC Derivatemarkt (2011) ein Volumenvon rd. 648 000 Milliarden Dollar hatte, was ziemlich genau das ZEHNFACHE des Welt-BIP ist.

      Grüße
      SLE

  • ö.ä. - 13. Mai 2012

    Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es sich bei der Veröffentlichung der Verluste von JP M. (so dass es auch Lieschen Müller noch mitkriegt) nur um eine weitere Nebelkerze handelt.

    Auf Wirtschaftsfacts finden sich 2 Artikel, die zu meiner Annahme beitragen :

    http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=16389
    (Scheinbar ist Wells Fargo, der größte Kreditgeber bei Immobilien auf bestem Wege sich zu Lehman II zu entwickeln)

    und wahrscheinlich noch brisanter:

    http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=16437
    (es wurden in den USA staatlich abgesicherte Hypotheken zum Kauf von Immobilien in Höhe von 1,1 Mio ausgegeben [NACH dem Zusammenbruch] vor dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes belief sich die Anzahl vergleichbarer Hypotheken auf gerade mal 261000.)

  • Steffen - 13. Mai 2012

    Das große Finale rückt immer näher:

    In totaler Panik: EFSF-Chef: „Der GAU muss vermieden werden”

    Klaus Regling, Chef des Rettungsvehikels EFSF, hält wenig von angelsächsischen Professoren und einem griechischen Euro-Austritt. Im Notfall müsse die EFSF eben auch Spanien und Italien retten, meint Regling.

    http://diepresse.com/home/wirtschaft/eurokrise/757202/EFSFChef_Der-GAU-muss-vermieden-werden?_vl_backlink=/home/wirtschaft/eurokrise/index.do

    Die haben alle große Angst, dass sobald irgendwo etwas losbricht, das ganze Kartenhaus zusammenbricht. Regling kann Italien und Spanien nicht retten.

    Hat der Westen eine Zukunft?
    http://kaltaquise.blogspot.de/2012/05/hat-der-westen-eine-zukunft.html

  • Thomas - 13. Mai 2012

    @Traumschau
    Mal eine vielleicht etwas unbedarfte Frage. Im Prinzip haben Sie ja Recht, es sollte eigentlich nur derjenige CDS kaufen dürfen, der die zugrunde liegenden Papiere auch besitzt. Aber wer soll sie denn verkaufen (dürfen)?

    • Traumschau - 14. Mai 2012

      Keine Ahnung – vielleicht der Allianz-Konzern …? :-))

  • The EXE - 13. Mai 2012

    Ein Grund warum man nicht mit dem Grund des Verlustes rausrückt. Wird wohl damit zu tun haben, dass die Bank noch Investiert ist. Und es für die Konkurrenz ein leichtes wäre diese Schieflage noch zu Vergrößern.

    Eine gute frage wäre, wer die Gegenpartei ist bzw. der Wettpartner.

  • Frank - 13. Mai 2012

    Man fragt sich, warum so etwas bereits im deutschen Handelsblatt steht.
    Früher wäre das einfach nur undenkbar gewesen! Wer hat eine Ahnung, warum so etwas jetzt veröffentlicht werden darf ?

    Banken betreiben staatlich gestütze Schneeballsysteme !

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/stimmt-es-dass-betreiben-banken-staatlich-gestuetzte-schneeballsysteme/6617870.html

    • Thorsten Eckau - 13. Mai 2012

      Noch vor 4 Jahren hat es keiner wissen wollen, schon gar nicht wollte oder dürfte im Mainstream sowas geschrieben werden. Dass es nun derart offen passiert, ist für mich eindeutig ein Anzeichen dafür, dass es schon sehr bald jedem eh klar werden wird, durch faktische und empirische Erfahrung, die keiner eignen kann. Daher die neue Offenheit, man will nicht nachher über sich sagen lassen müssen, man habe noch kurz vorher die Augen verschlossen… Sehe ich jedenfalls so, anders kann ich mir keinen Reimdarauf machen, dass in den letzten 6 Monaten mehr und mehr zur Gegenstrategie übergegangen wird. Bisher war auf das HB Verlass, dass hier mit Sicherheit nichts berichtet wurde, was das derzeitige Wurschteln am kranken System anders als eine schnelle und gute Lösung zu allseitiger und baldiger Prosperität erscheinen ließ.

      • Thorsten Eckau - 13. Mai 2012

        Dicke Finger:
        dürfte = durfte
        eignen = leugnen

      • SLE - 13. Mai 2012

        Es gibt noch einen weiteren Faktor, der eine Rolle spielt: Blogs. Die Zeitungen befinden sich mit ihrer Berichtersattung zunehmend im Wettbewerb mit Wirtschafts- und anderen fachlich ausgerichteten Bloggern. Und es ist auch ein offenes Geheimnis, dass die Redaktionen in solche Blogs schauen und sich dort auch Anregungen holen.

        Aber das ist natürlich nur ein Teilaspekt der Erklärung der offeneren Berichterstattung.

        Grüße
        SLE

    • Lazarus09 - 13. Mai 2012

      …das zeigt in meinen Augen das dass totalitäre System nichts und niemanden zu fürchten braucht,die Grundlagen wurden gelegt die Überwachung und Gängelungen installiert .. da können die Anteilseigner der Medienkonzerne die mit Sicherheit auch tief involviert sind und sich an den Zuständen bereichern , getrost auch mal die Wahrheit durchsickern lassen . So funktioniert eben einmal der Finanzfaschismus ….

  • Nobs - 13. Mai 2012

    Aber so ein Aufriss wg. 2 kleinen Milliarden bei einem Derivate-Volumen bei JPM von 70 Billionen, also von 0,035 Promill des Volumens? Ist mir unverständlich.

  • Goldman - 13. Mai 2012

    Es hat sich nach Lehman nichts geändert und das wird es auch nicht, die Finanzlobby ist einfach zu stark. Besonders in Amerika werden beide Parteien finanziert, da ist es im Grunde egal, wer am Ende ins Weiße Haus zieht, gegen die Finanzindustrie wird nicht hart rangegangen…

  • Ulrich - 13. Mai 2012

    Die Risiken kann doch bei diesen Geschäften niemand mehr abschätzen. Das es Riskant ist, ist klar. Da stimmt einiges mit der Risiko/Chancen Abwegung nicht mehr.

    Muss mich aber Nobs anschließen. 2 MIlliarden für eine Bank wie JP Morgan finde ich gar nicht so extrem. Denoch muss es hier härtere Regelungen geben, notfalls müssen sich die Groß-Banken auch aufspalten.

  • Vogel - 13. Mai 2012

    Er rechne aber damit, dass Jamie Dimon seinen Stuhl wohl trotzdem nicht räumen muss.

    … sondern statt dessen eine Millionenprämie als Wiedergutmachung für den seelischen Schaden bekommt, den er erlitten hatte bei der schmerzlichen Verkündung des “Ereignisses”.

    Hach, ich liebe diese Leistungsträger: Fahren Vollgas vor die Wand, steigen aus, sagen uuups … und halten die Hand auf, zeigen auf andere, sagen, vollmundig: “Ich übernehme die Verantwortung” … nix weiter passiert … und weiter geht’s.

    SCNR

  • Benedikt - 13. Mai 2012

    Bei JP Morgan wurde nichts abgesichert, da hat sich einer schlichtweg mit hohen Einsätzen verzockt. Damit nicht die Warnleuchten wegen der Aktivitäten in der JP Morgan Zentrale angehen, hat man das Zocken als Sicherungsgeschäfte getarnt. Das gleiche lief so ähnlich vorher bei SocGen und bei der UBS ab. Da glaubte auch jeweils einer, er sei schlauer als der Markt und hat alles auf eine Richtung gesetzt. Die direkten Vorgesetzten dürften von den Geschäften etwas gewusst haben, aber die wollten wohl ihren Starhändler nicht ins Lenkrad greifen.

  • Georg Trappe: - 14. Mai 2012

    Die Banken sind die Dummen!
    http://diebankensinddiedummen.blogspot.com/
    Sie befinden sich in einer ausweglosen
    Situation. Es gibt kein “Risikomanagement”, welches die Unmoeglichkeit,
    die durch das Fettaugensyndrom fuer die Banken entsteht, aufloest.
    Wenn Geld sich durch das Fettaugensyndrom auf der Passivseite der
    Bankbilanzen konzentriert und die entgegengesetzten Forderungen auf der
    Aktivseite der Bankbilanz etwas ganz anderes machen, dann laeuft dieses
    System auf den grossen Knall zu. Und zwar unaufhaltsam.
    -
    Banken koennen dieses Problem eine Zeit lang uebertuenchen, indem sie
    den See auf dem die Fettaugen schwimmen per
    Bilanzverlaengerung=Geldschoepfung immer groesser werden lassen.
    Damit naehren sie aber letztendlich die Fettaugen nur und kehren den Trend zur
    Konzentration der Geldvermoegen nicht um.
    Wenn Banken ihre zweite Option waehlen und beginnen die Bilanz zu
    verkuerzen, dann entsteht Deflation in der die Schwaechsten=Ueberschuldeten als erste Pleite gehen und so eine Kettenreaktion ausloesen, die durch das haftende Eigenkapital der Banken
    nicht aufgefangen werden kann.
    Das Verhalten der Banken ist Ausdruck der Verzweiflung die diese
    Situation ausloest. Weder “Versicherungsloesungen” = Sozialisierung der
    Risiken, noch Eigenkapitalstaerkung oder “Abverkauf” der Risiken in Form von triple A rated Buchstabensuppe Wertpapieren oder Bad Banks loesen das
    Problem, sondern versuchen nur den schwarzen Peter zu verschieben.
    Die Eigentuemer der stark konzentrierten Geldvermoegen sind durch per
    Verfassung garantierter Eigentumsrechte unantastbar. Die Banken sitzen
    auf einem Berg entgegengesetzt gerichteter Forderungen, die aber auf
    ganz andere Akteure zielen. Und diese Akteure verlieren zunehmend die
    Faehigkeit den konzentrierten Geldvermoegen das Geld ab zu jagen, mit
    dem sie die Schulden bedienen koennten, weil die Eigentuemer der
    konzentrierten Geldvermoegen auch die Eigentuemer der konzentrierten
    Realvermoegen/Produktionsmittel sind.
    Wir sind Zeugen eines systembedingten Zusammenbruchs, der nicht mehr
    aufzuhalten ist, wenn man nicht die Verfassung aendert und so die
    Moeglichkeit schafft den notwendigen Ausgleich zivilisiert, per Gesetz
    zu erwirken.

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

    • Traumschau - 14. Mai 2012

      Hallo Georg Trappe,
      ich habe das Fettaugensyndrom nicht verstanden – habe ich auch noch nie gehört. Was ist das?
      Würde mich über eine Aufklärung freuen.
      LG Traumschau

  • vom Hunsrückbauern - 14. Mai 2012

    hüstel hüstel,
    ja warum? Warum macht die Politik nicht ernst…..womit? Mit den ollen Kamellen von gestern, vorgestern, letzter Woche, TINA?
    Ei, weil die da alle mit drin hängen und dran hängen und mit der Bombe hochgingen, wenn sie denn Ernst = Feuer an die Lunte legen, würden.

    …die kleinen baden es aus……
    ei weil die inzwischen genauso gierig sind, wie die, die mit der Bombe spielen. Noch´n Händy, noch´n dickeres Auto, noch´n teurer Urlaub, noch ´ne Finanzierung, die über die Verhältnisse geht und spätestens bei der nächsten Umsschuldung oder Arbeitslosigkeit in die Pleite führt……
    Bescheidenheit ist (k)eine Zier, denn konsumiger lebt sich´s ohne ihr.

    Mein Haus, mein Boot, mein Auto, meine Frau, meine Freundin, meine Kinder, mein, mein, mein…….dabei reicht i.d.R. der Nutzen, nicht der Besitz zur Befriedigung der Bedürfnisse. Besitzt ist Gier.

3 Trackbacks