Krisenstrategien in der Sackgasse II: Zeit für einen Paradigmenwechsel

von am 27. Dezember 2012 in Allgemein

Wir kommen nicht aus der Krise heraus. Das ist keine Prognose, sondern lediglich eine Feststellung. Es scheint, als übten sich die Krisenmanager rund um den Globus in einem kollektiven Akt der Verdrängung. Denn genau dieses, durch die Entwicklung und die Fakten gut belegte Zwischenfazit ist keiner der Kapitäne, die ihre angeschlagenen Volkswirtschaften zu stabilisieren und wieder in ruhiges Fahrwasser zu lenken versuchen, zu ziehen bereit. Sie geben Durchhalteparolen aus.

Ökonomen sind ihre Navigatoren. Sie schweigen. Das ist verständlich. Denn was sie zu sagen haben, ist nicht nur seit langem immer dasselbe, sondern gerade weil es seit langem dasselbe ist verdächtig, marktwirtschaftlich organisierte Volkswirtschaften einst zwar mächtig unter Dampf gebracht, aber auch direkt in ein Eisbergfeld navigiert zu haben. Dieses Eisbergfeld war weit entfernt und nicht zu sehen, als die Rekordfahrt begann.

Unser wirtschaftstheoretisches und wirtschaftspolitisches Paradigma ist der Bauplan für das Schiff, das wir gebaut haben und auf dem wir unsere Rekordfahrt antraten. Es gilt als unsinkbar.

Angesichts der bisherigen Bilanz der Krisenpolitik macht es Sinn, sich einmal anzuschauen, wie es konstruiert und ob sein Ruf als unsinkbar eigentlich begründet ist. Es soll dabei nicht um technische Details gehen, weil wir sonst – wie bisher schon – den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Es geht auch nicht um das Geldsystem, das für viele der Hauptgrund unserer Probleme ist. Es geht viel einfacher und grundsätzlicher um unser marktwirtschaftliches System, so wie Ökonomen es erklären, so wie es Politiker daran anknüpfend über die Jahre hinweg geformt und verändert und Unternehmenslenker es genutzt und damit gestaltet haben. Denn nur bei Betrachtung dieser ganzen, im Grunde doch sehr einfachen Wirkungskette wird erkennbar, warum das marktwirtschaftliche System in die Krise steuerte und warum es trotz des aktiven Krisenmanagements nicht gelingt, sie hinter uns zu lassen.

Unser marktwirtschaftliches System beruht auf Wettbewerb. Wettbewerb ist der Motor der Wirtschaft und zugleich – potenziell – die stärkste marktregulierende Kraft. Denn im Idealfall soll der Wettbewerb auf Märkten erstens eine Art dynamische Machtbalance zwischen den Akteuren schaffen und erhalten. Es kann als empirisch belegt gelten, dass er dies durchaus leisten kann, so wie beispielsweise in den 50er Jahren in Deutschland. Es ist aber auch eindeutig, dass er seine regulierende Wirkung heute auf vielen Märkten nur noch eingeschränkt oder so gut wie gar nicht mehr erfüllt, wie die US-Immobilien- sowie die Finanzkrise gezeigt haben und die vielen Banken-Skandale zeigen. Das zweite wesentliche Ergebnis von Wettbewerb ist, dass die Marktwirtschaft prosperiert bzw. wächst.

Den Ökonomen geht es hier um die allgemeingültige Erklärung eines Funktionsprinzips oder eines Mechanismus. Gemäß der herrschenden liberalen und neoklassischen Erklärung des marktwirtschaftlichen Systems führt Wettbewerb auf allen Märkten immer zu einer dynamischen Machtbalance im Sinne eines unendlich ablaufenden Prozesses, der sich aus einem stetigen Wechselspiel innovativ vorstoßenden und verfolgenden Wettbewerbs ergibt. Mit anderen Worten macht erst der in dieser Weise erklärte Wettbewerb Märkte selbstregulierend und treibt deswegen Märkte und Volkswirtschaften auf einem gleichgewichtigen Wachstumspfad voran.

Das ist die – bislang maßgebliche – Theorie.

Aber es ist eine schon vor Dekaden zum herrschende Paradigma und über die Jahre zudem auch Realität gewordene Theorie. Denn diese Vorstellung prägte die Art, in der jegliche auf die Wirtschaft und Märkte bezogene Politik in den Industriestaaten betrieben wurde und immer noch wird. Zwar definieren wirtschaftsliberale und neoklassische Lehre die Voraussetzungen, unter denen Wettbewerb beides leisten soll, genau genommen in einigen Punkten unterschiedlich. Aber sie stimmen in den wesentlichen Punkten überein.

Entscheidend ist jedoch, dass diese Unterschiede aufgrund der Entwicklung, die Marktwirtschaften genommen haben, weil sich die Politik über Jahrzehnte an den dargelegten Kernthesen ausrichtete, heute praktisch bedeutungslos geworden sind. Neoklassische Ökonomen haben stets oligopolistische Märkte als wichtigste Voraussetzung für effektiven Wettbewerb betrachtet. Liberale haben dies stets abgelehnt und die Freiheit der Marktteilnehmer als zentrale Voraussetzung definiert. Doch heute leben wir in einer Welt der Oligopole und damit können auch Liberale leben, so lange den Markteilnehmern größtmögliche Freiheit gelassen wird. Das heißt, aus politischer Perspektive sind beide Lehren vollkommen kompatibel geworden.

Insofern reicht es für die Betrachtung der Wirkungskette, diese ausgehend vom neoklassischen Verständnis zu betrachten, das als wichtigste Voraussetzung für Wettbewerb oligopolistische Märkte nennt. Das ist darüber hinaus auch deswegen von Vorteil, weil dieses Wettbewerbs- und Marktverständnis auch die Unternehmenswelt geprägt hat. Warum? Ganz einfach deswegen, weil Anfang der 80er Jahre der in der Managementlehre an der Harvard Universität entstandene Ansatz des strategischen Managements auf genau diesem, ebenfalls an Harvard geprägten wettbewerbs- und markttheoretischen Grundverständnis aufgebaut ist und bis heute in der Unternehmenswelt als maßgebliche Orientierung für wettbewerbsstrategische Entscheidungen gilt.

Das heißt, Politiker und Manager rekurrieren bewusst oder unbewusst bei allen ihren marktgerichteten Entscheidungen weltweit im Wesentlichen auf dasselbe Grundverständnis. Dass dieses „nur“ eine zum Paradigma gewordene Theorie ist, ist über dessen in zurückliegenden Dekaden mit so großem Erfolg vollzogene Anwendung in Vergessenheit geraten. Dieser Erfolg hat diesen Erklärungsansatz und, was noch wichtiger ist, den Kurs, den unser marktwirtschaftliches System eingeschlagen hat, wieder und wieder bestätigt.

Die Tragik ist, dass dieser Erklärungsansatz gravierende Schwächen aufweist, aber der bisherige Erfolg Politikern und Managern den Blick darauf verstellt hat, so dass sie in ihrem Handeln gar keine grundsätzlichen Fehler erkennen können. Die werden erst sichtbar, wenn man einmal die an die herrschende neoklassische Auffassung anknüpfende Wirkungskette darlegt und vergleichend einer Wirkungskette gegenüberstellt, die sich aus einem anderen Wettbewerbs- und Marktverständnis ergibt.

Dies ist in Abbildung 1 geschehen, für deren besseres Verständnis vorab ein paar erklärende Anmerkungen gegeben werden sollen.

Das neoklassische Wettbewerbsverständnis, das unter anderem oligopolistische Märkte als eine ganz zentrale Voraussetzung für effektiven Wettbewerb definiert, ist unter der Bezeichnung „funktionsfähiger Wettbewerb“ („workable competition“) bekannt. Es knüpft an das Modell der „vollkommenen Konkurrenz“ an und stellt den Versuch einer empirischen Annäherung an die Realität dar.

Basis der alternativen Wirkungskette ist das (von mir) als „evolutorischer Wettbewerb“ bezeichnete Wettbewerbsverständnis. Es ist gegenwärtig das einzige für diesen Zweck in Frage kommende, weil – wie oben erklärt – das liberale Wettbewerbs- und Marktverständnis („freier Wettbewerb“) wesentliche Grundannahmen mit dem neoklassischen Erklärungsansatz teilt. Im Unterschied zum liberalen und neoklassischen Verständnis werden Märkte (bzw. der Wettbewerb) dabei nicht als prinzipiell selbstregulierend angesehen und das bedeutet, sie streben nicht von sich aus zum Gleichgewicht, sondern entwickeln sich im Wesentlichen ungleichgewichtig. In diesem Erklärungsansatz ist das Gleichgewicht die Ausnahme und Ungleichgewichtszustände sind die Regel. In der Folge wird die Entwicklung von Märkten auch nicht – wie in neoklassischer Sichtweise – als das Voranschreiten auf einem gleichgewichtigen Wachstumspfad interpretiert, sondern als Abfolge unterschiedlicher Ungleichgewichtszustände, die sich maßgeblich aus der Veränderung des Wettbewerbs bzw. der Wettbewerbsform (deswegen: „evolutorischer Wettbewerb“) ergibt. Mehr noch ist der Wandel der Wettbewerbsform die Voraussetzung für die Entwicklung von Märkten, bewirkt aber keineswegs ununterbrochen positives Wachstum.

In liberaler und neoklassischer Perspektive gibt es hingegen nur eine Wettbewerbsform bzw. nur einen Wettbewerb und der bewirkt immerfort Effizienzsteigerungen und Wachstum. Entsprechend wird aus neoklassischer Sicht die Frage wichtig, unter welchen marktlichen Voraussetzungen Wettbewerb die besten Wachstumsresultate erbringt. Das heißt, es wird ein Marktideal gesucht, das sich über eine Reihe von Marktmerkmalen und deren spezifische Ausprägung (Anbieterzahl, Grad der Markttransparenz, Grad der Produktheterogenität etc.) als ein Marktzustand definieren lässt. Ein solches Marktideal wird nur beim „funktionsfähigen Wettbewerb“ definiert und es ist nicht theoretisch, sondern aus empirischen Analysen abgeleitet. Wesentliche Kennzeichen dieses im Hinblick auf Effizienz und Wachstum als ideal angesehenen Marktzustands sind unter anderem eine geringe Zahl von Anbietern (Oligopol), eine relative hohe Markttransparenz, eine relativ geringe Produktheterogenität. Dieses Marktideal ist in Abbildung 1 symbolisch als Quadrat mit horizontaler Schraffur dargestellt, weil es anders als im Fall des Modells der „vollkommenen Konkurrenz“ nicht exakte Kriterien definiert, sondern für die Ausprägungen der Marktmerkmale Spannen angibt und insofern nur eine Rahmen vorgibt, der eine gewisse Variationsbreite zulässt.

Dieses Marktideal ist auch – neben anderen – ein möglicher Marktzustand in der Perspektive des „evolutorischen Wettbewerbs“. Er entspricht in der Entwicklung von Märkten jenem Marktzustand, der als „Reifephase“ bezeichnet wird. Die unterschiedlichen, sich im Zuge der Entwicklung ablösenden Marktzustände bzw. Marktphasen sind in der Abbildung 1 in der Spalte „evolutorischer Wettbewerb“ durch Quadrate mit unterschiedlichen Schraffuren veranschaulicht.

Jetzt wird es spannend.

Weil es in neoklassischer Sicht nur eine Form von Wettbewerb gibt, die prinzipiell Wachstum generiert, wird in diesem Fall gefolgert, dass der vor- und nachstoßende Wettbewerbsprozess Märkte (und Wirtschaft) auf einen gleichgewichtigen Wachstumspfad führt und das Wachstum größtmöglich ausfällt, wenn auf Märkten jener Zustand herrscht, der als Marktideal definiert ist. Das wird in der nächsten Zeile der Abbildung 1 durch die stetig nach oben rechts führende Zickzack-Linie, die den vor- und nachstoßenden Wettbewerb symbolisiert, veranschaulicht. Die Frage ist, ob dies in der Realität genau so geschieht und zwar immer.

Aus der Perspektive des „evolutorischen Wettbewerbs“ gibt es prinzipiell unterschiedliche Wettbewerbsformen und Marktzustände. Welche Wettbewerbsform sich auf einem Markt bei einem gegebenen Marktzustand durchsetzt, entscheidet darüber, wie sich der Marktzustand verändert bzw. wie sich dieser Markt konkret entwickelt. Tendenziell dominieren auf jungen Märkten Wettbewerbsformen, bei denen signifikante Produkt- und Prozessinnovationen sowie die Funktionalität und Qualität der angebotenen Leistungen im Vordergrund stehen. Auf reifen Märkten herrschen indes tendenziell Wettbewerbsformen vor, die Effizienz und Kosten sowie generell den Preis in den Vordergrund stellen. Geschieht es, dass sich auf einem Markt eine spezifische Wettbewerbsform auf Dauer etabliert, bringt das die Entwicklung nach und nach zum Erliegen. Die Gefahr, dass dies geschieht, steigt mit zunehmender Reife von Märkten. Denn reife Märkte sind in der Regel oligopolisierte Märkte, die mithin von wenigen großen Unternehmen dominiert werden. Diese können ihre Marktposition am besten und erfolgreichsten verteidigen, wenn auf entsprechenden Märkten eine Wettbewerbsform vorherrscht, bei der Effizienz und Kosten im Vordergrund stehen, weil alle kleineren und möglicherweise innovativeren Konkurrenten dabei unterlegen sind und sie – im Unterschied zu großen Oligopolisten mit großem Marktanteil – nicht über die Fähigkeit verfügen, auf reifen Märkten einen Wandel der Wettbewerbsform herbeizuführen.

Abbildung 2 veranschaulicht drei unterschiedliche Verlaufsformen der Marktentwicklung (A-C) als Folge des wettbewerbsstrategischen Verhaltens von Unternehmen. Zur Erläuterung vorab: „M1“, „M2“ usw. bezeichnen die unterschiedlichen Marktzustände bzw. Phasen der Marktentwicklung, „D1“, „D2“, „K1“ und „K2“ stehen für unterschiedliche Formen der Wettbewerbsführung bzw. unterschiedliche Ausprägungen der Strategie der „Differenzierung“ (D) und der „Kostenführerschaft“ (K).

Fall A): Ganz oben ist der klassische Verlauf der Marktentwicklung bzw. Marktreifung dargestellt. Gemäß dem Wettbewerbsverständnis, das sich aus dem Erklärungsansatz „evolutorischer Wettbewerb“ ergibt, ist hier in den frühen Phasen eine andere Form der Wettbewerbsführung prägend für die Entwicklung von Märkten als in den späteren, reiferen Abschnitten. Vereinfacht ausgedrückt kommt es auf jungen Märkten für den Erfolg im Wettbewerb auf eine Innovativität an, die dem eigenen Angebot in funktionaler und/oder qualitativer Hinsicht zu Überlegenheit (aus Sicht der Nachfrage) verhilft. Unter solchen Bedingungen ist eine Differenzierungsstrategie zielführend. Tatsächlich gibt es auf neuen, jungen Märkten meist sehr unterschiedliche Produktlösungen und erst im Zuge der Marktreifung kristallisiert sich ein Ansatz als überlegen heraus. Auf reifen Märkten gibt es hingegen ein dominantes Produktdesign und eine „best practise“ und das zeigt auch, dass hier Optimierung, Effizienzsteigerung und Kosten im Vordergrund stehen – was eine Strategie nahelegt, die dies in den Mittelpunkt stellt.

B) und C) zeigen jeweils einen abweichenden Verlauf der Entwicklung als Folge eines Strategiewechsels eines Wettbewerbers (oder mehrerer), der auf den Markt durchschlägt und die dort herrschende Wettbewerbsform verändert.

Im Fall B) (raschere Alterung) wird der Wettbewerbsfokus verglichen mit dem klassischen Verlauf der Marktentwicklung bereits früher auf Kosten und den Preis gerichtet. Ein gutes Beispiel dafür ist der Markt für Mobiltelefone. In einer noch recht frühen Phase seiner Entwicklung wurde seinerzeit in Deutschland von großen Anbietern die Praxis forciert, den Nachfragern Mobiltelefone kostenlos als Beigabe zum Abschluss eines Vertrages bei Telefonanbietern zu überlassen. Im Effekt wurden bestehende innovative Vorsprünge und qualitative Unterschiede auf dem noch jungen Markt für Mobiltelefone im Wettbewerb nahezu irrelevant. Ein dominierendes Design gab es noch nicht, dennoch wurde auf dem Markt auf eine Wettbewerbsform gewechselt, bei der Effizienz und Kosten der Anbieter ausschlaggebend waren. Vorhandene Differenzierungspotenziale wurden nicht ausgeschöpft.

In Fall C) (innovative Belebung) kommt es in der Reifephase durch einen Strategiewechsel zu einem Wettbewerb, der der Form nach für jüngere Märkte kennzeichnend ist und entsprechend die Funktionalität und Qualität der Angebote wieder stärker in den Vordergrund rückt. Ein Beispiel dafür ist der Automobilmarkt und zwar zu jener Zeit, als Toyota nicht nur stärker als seine Konkurrenten auf Qualität setzte, sondern den Hybridantrieb auf den Markt brachte. Weil das seinerzeit gelang, waren auch die Konkurrenten gezwungen, an Hybridkonzepten oder Alternativen zu arbeiten.

Dass große Oligopolisten dazu in der Lage sind, einen Wandel der Wettbewerbsform auf Märkten zu erreichen, heißt nicht, dass sie dies tun werden. Häufig dürfte das Risiko, einen intensiven Innovationswettbewerb auf einem von wenigen großen Oligopolisten dominierten Markt vom Zaun zu brechen und zu verlieren, von diesen höher eingeschätzt werden als die Chance, die eigene Marktposition zu verbessern. Ein zusätzliches beträchtliches Hemmnis ist die Orientierung am (kurzfristigen) Shareholder Value. Das Resultat ist dann aber eine Politik des „Leben und leben lassen“ und mit fortschreitender Zeit eine zunehmende Verkrustung der entsprechenden Märkte.

Damit ergeben sich aus den beiden in Abbildung 1 einander gegenübergestellten Erklärungen von Wettbewerb diametral entgegengesetzte Konsequenzen für das Handeln der auf die Wirtschaft gerichteten Politik. Während sich aus dem herrschenden, neoklassischen Wettbewerbsverständnis („funktionsfähiger Wettbewerb“) die Empfehlung ableitet, nicht nur auf den als ideal angesehenen Marktzustand hinzuwirken, sondern ihn auch auf Dauer zu erhalten, gilt es gemäß des evolutorischen Wettbewerbsverständnisses genau dies zu verhindern.

Es ist bezeichnend, dass heute gemäß derselben Logik, mit der entsprechend des Marktideals des herrschenden Wettbewerbsverständnisses die Entstehung von Oligopolen auf allen Märkten gefördert wurde, versucht wird, Lösungen für das Problem des „Too big to fail“ und die Instabilität der entsprechenden Märkte sowie der daraus resultierenden volkswirtschaftlichen Risiken zu finden. Dass solche Oligopolisten als „systemrelevant“ bezeichnet werden, zeigt die Unfähigkeit der Politiker und Aufseher, Fehler in diesem nach dem herrschenden Wettbewerbs- und Marktverständnis aufgebauten Marktsystem im heutigen Entwicklungsstadium zu erkennen.

Mehr noch gilt dies auch für das Gros der Unternehmenslenker, die – bewusst oder unbewusst – nach diesem Wettbewerbsverständnis dauerhaft auf die Strategie der Kostenführerschaft setzten (siehe dazu Abbildung 1) und dafür von der Politik unterstützende Maßnahmen forderten und stets erhielten – auch in der Hochphase der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise. Dass sie sich damit in eine Sackgasse manövriert haben (z. B. Hewlett Packard, Nokia, Opel, PSA Peugeot Citroën u.a.), weil die Märkte eben nicht in den Himmel wachsen und diese Strategie auf Märkten, die die Reifephase durchschritten haben und stagnieren, leicht in einen ruinösen Kostensenkungswettlauf abgleitet, haben sie nicht vorhergesehen.

Politik sowie führende Unternehmen und Banken haben somit gleichermaßen mit Hilfe der Ökonomen auf einen Eisberg zugesteuert, mit dem sie zu kollidieren drohen, wenn es ihnen nicht gelingt umzudenken und umzulenken. Unser über Jahrzehnte nach einem fehlerhaften Bauplan erstelltes und entwickeltes marktwirtschaftliches System ist in der heutigen Form nicht mehr zu reparieren. Es muss umgebaut werden

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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107 KommentareKommentieren

  • Hunsrückbauer - 27. Dezember 2012

    Sehr geehrter Herr S. L. Eichner,

    welche Krise soll das denn sein?

    Ich als Repräsentant des deutschen Michels mit Namen Otto Normalverbraucher merke nichts von einer Krise, meine Nachbarn mit analogen Namen ebenfalls nicht. Wir haben alle einen Beruf gelernt und einen Job, die eher weniger als mehr miteinander zu tun haben und mit jährlichen Zuwächsen von ca. 1,5 – 2,5 % vergütet werden. Das ist doch ok, man gewöhnt sich dran und es fällt auch garnicht schwer wenn man denn eh schon alles doppelt und dreifach hat. Wo also soll die Krise sein?

    Ja, im Ausland, im fernen Italien, Spanien, GR, Frankreich, aber da fahre ich seit Jahren nicht mehr hin in Urlaub, zu teuer! Für 699 € geht´s ab ins 5*+ Hotel nach Abudabbi oder 999 € für 2 Wochen in die DomRep, was interessiert mich GR, F, I, S….und in Lux sind Sekt, Zig., Sprit und Kaffee immer noch viel billiger als in D. Wo also soll die Krise sein?

    DIe 20 – 25 % Billigjobber, wo sind die? Ich kenne keine. Die Frau meines Freundes geht für 400,– € /Monat auf Abruf arbeiten, für 450,–€/Monat wäre sie sogar sozialversichert und billiger wäre es für den Arbeitgeber auch, aber weder sie, noch der Arbeitgber wollen das; warum, weiß keiner so recht. Wo also soll die Krise sein?

    Dass das Land durch und durch verfilzt ist, ist ja nicht neu und dass der Filz inwischen nicht mal mehr schamhaft unter der Oberfläche gehalten wird, ist doch ok – oder? Wenn sich dumm dicke Knallpfeifen für “die erste gemeinsame Wohnung” oder “Suche Frau / Mann” oder DSDS oder GZSZ bis zur Schamlosigkeit vor Publikum von dessen Lieblingen beleidigen lassen um in Tränen auszubrechen, warum sollt dann noch jemand den Filz schamhaft unter der Decke halten? Nicht mal da ist Krise, weil alles so ist wie gewollt.

    Laut Rheinzeitung sind nach einer Umfrage unmittelbar nach der angeblichen Bombe im Bonner HBF gut 81 % der Bevölkerung für eine Ausweitung der Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen etc. Inzwischen stelle ich fest, dass an meinem PC die eingebaute Camera immer mal wieder in Betrieb geht, obwohl ich sie permanent ausgeschaltet habe. Und dass Menschen ihr Innerstes im WWW publizieren, ist heute auch üblich. Dass BND und NPD sich gegenseitig nutzen um der Bevölkerung immerwährende Staatsräson beizubringen, bedarf keiner Erklärung, da es sowieso keiner wissen will und wie bereits o. g. sowieso das Intimste ohne Pseudonym ins Netz gestellt wird. Wo also soll da welche Krise sein?
    Schamkrise?
    Freiheits- vs Bedrohungskrise?
    €-Krise?
    Lohnkrise?
    ?
    Es gibt keine Krise, jedenfalls keine, die den Michel von der Couch aufschrecken würde denn es gibt noch genug Bier udn Chips und Brot und Spiele und die Rente ist sicher, zwar sicher nicht auskömmlich aber immerhin sicher reicht sie um in Armut dahinzudarben und gerade so an der staatlichen Alimentierung vorbeizuschrammen. Und vor allem sie ist noch weit weg.

    Fragen sie nur mal in ihrem Bekannten- und Freundeskreis, ob jemand weiß, wieviel Strom, Heizöl, Gas, Wasser, etc. im Jahr verbraucht und welchen Aufwand er dafür betreibt? Die meisten werden ihnen die konkrete Antwort schudig bleiben, aber jeder jemammert, doch die Kosten bleiben abstrakt.

    Krise war nach dem Krieg, die Alten, ja, die lebten in der Krise, aber wir doch nicht, jedenfalls nicht jetzt und nicht heute und Schäuble sagt doch auch beruhigend “das Schlimmste sei vorbei”, klingt fast so schön wie “die Rente ist sichä”.

    Hurra D´schland und einen guten Rutsch vom

    Hunsrückbauern

    • SLE - 27. Dezember 2012

      Hallo Hunsrückbauer,

      sehr schön gesagt. Und nicht einmal Till Eulenspiegel erkennen die meisten, wenn er nicht ein sehr großes Schild mit diesem Namen drauf um den Hals gehängt trägt. Aber die Antwort auf die Frage eines Meinungsforschunginstituts, wer denn das sei und warum der so zappelt, wird dann ein hoher Prozentsatz der Befragten warscheinlich nicht benatworten können.

      Viele Grüße und einen guten Rutsch ins Neue Jahr, wünsche ich Ihnen und allen anderen treuen Leser dieses Blogs.

      SLE

  • Hunsrückbauer - 27. Dezember 2012

    noch ein dezenter Nachtrag und ich gebe zu, den o. g. Art. nur überflogen zu haben:
    Ziel eines jeden Unternehmens ist die Erzielung von Gewinn und die Erlangung des Angebotsmonopolisten (Schlumberger 1923), nicht mehr nicht weniger. In einem weitestgehend freien Markt ist das so auch nicht weiter schlimm, weil es (nie) dazu kommen wird. Die aktuellen Märkte sind aber nicht frei, sie sind reguliert, therapiert, jongliert, modeliert, manipuliert, lobbyiert, etc. ergo gibt es also politische Ambitionen die Gesetze des freien MArktes a. K. zu setzen. Inziwschen haben wird in einigen Branchen schon die Oligopolisierund des Angebotes: Industrie-Lebensmittel – auch gen. Convinience Produkte, Energie, Transport, Tauschmittel (Banken, Börse) – staatlich = politisch legitimiert durch GATT, WHO, den angeblich freien Markt.
    Auch Entertainment zählt dazu, bspw. Millionärs-Fußball = Bundesliga. Auch dieses Entertainment wird politisch gepäppelt.
    Für die Mächtigen, ob in Politik oder Wirtschaft ist dies sinnvoll, weil kleine Arbeitskreise, kleine Klüngel, kleine Absprachen.
    Wer sollte ein Interesse daran haben, das zu ändern? Der gemeine Michel, der Angst hat zu verhungern, wenn die Geschäfte mal drei Tage zu sind – wie jetzt über Weihnachten? Der sich seines liebsten Freizeitvergnügens beraubt sieht, wenn er zusätzlich zu den die Mio-Gehälter der Entertainment-Leistungsträger auch noch die sozialisierten Kosten für Infrastruktur, Sicherheit, etc. zahlen soll?
    Ich bitte sie, das ist doch absurd.

  • Andres Müller - 27. Dezember 2012

    Herr Eicher, Wettbewerb ohne sozial-politische Ziele vor Augen, der führt immer in eine Sackgasse. Ich bin kein Ökonom, aber vielleicht habe ich gerade deshalb die gegenwärtige Entwicklung bereits vor Jahren kommen sehen. Wettbewerb ist nur dann Sinnvoll, wenn er zu sozialen Fortschritten führt, worunter Soziologen, Ethiker offenbar etwas Anderes meinen als Ökonomen.
    Politiker und Ökonomen behaupten, man könne den Sozialstaat nicht mehr bezahlen, seit Jahren führen diese Leute daher eine immer heftigere Schlacht gegen die sozialen Strukturen des Staates. Es gibt aus meiner Sicht keinen Markt-Wettbewerb mehr, sondern es herrscht ein immer militanter werdender Markt-Sozialdarwinismus für die 99%, während bei den Eliten der Zitronensozalismus “to big to fail” installiert wurde.
    Auch die von Ihnen empfohlene Wende am System würde scheitern, weil die Märkte mit gezinkten Karten laufen. Diese Karten bestehen aus Fiat Money Währung, die seit Richard Nixon im Vertragsbruch mir Bretton Woods (Ablösung von jeglichen Realwerten) inflationär gedruckt werden. Da sich dadurch keine Schuldenbergrenzen mehr berechnen lassen, ist die Taktik des Kopf in den Sand stecken das Mittel der Wahl. Wer immer als Erster am Währungsfundament zweifelt, der wird von diesem System wohl auch als Erster vernichtet.
    Es ist damit ein Zwang entstanden diesen “Wettbewerb” selbst dann durchzuziehen, wenn er der Bevölkerung keinerlei Fortschritte mehr bringt, sondern nur noch relative Überlebensfähigkeit gegenüber Ländern die diese Schlacht mit diesen Mitteln sicher nicht gewinnen können. Der arabische Frühling wird deshalb wohl zum Rückwärtsgang zu religiöser Fanatik werden, und Teile Europas werden dadurch im Chaos des Nationalismus versinken.
    Jegliche Neuorientierung, ohne dabei das System der gezinkten Karten zu beenden, ist gleichwohl zum Scheitern verurteile, bzw. erlaubt einigen Wenigen sich beliebig zu bereichern und damit die Fundamente unserer Demokratie weiter aufzulösen.

    • SLE - 27. Dezember 2012

      Sie haben Recht. Was aber in die rechnung mit einbezogen werden muss, ist, was einst Henry Ford sagte: Autos kaufen keine Autos. Irgendwann kaufen die 99 Prozent auch keine mehr. So ähnlich beginnt sich dieses Problem ja auch längst bei einer ganzen Reihe von Oligopolisten bemerkbar zu machen – wie im Text oben erwähnt. Einmal sind die Regierungen schon mit Konjunkturpaketen eingesprungen, aber das ändert nichts daran, dass es gesättigte Märkte und ein größer werdendes Nachfrageproblem gibt. Das ist es, was den Erhalt der beschriebenen tragenden Struktur des Marktsystems letztlich zur mission impossible macht.

      Viele Grüße
      SLE

      • Ert - 27. Dezember 2012

        @SLE

        Ich verstehe aber nicht, wie Ihr System – mal angenommen ab 1.1.2013 würde Global! umgesteuert – die Problematik der Effizienzzuwächse und Automatisierung beseitigt? Alleine dadurch produzieren immer weniger immer mehr – und die breite Masse hat nicht die Geldmittel um das produzierte zu konsumieren.

        • SLE - 27. Dezember 2012

          Hallo Ert,

          nehmen wir mal an, von heute auf morgen würden Benzin so teuer, dass Autos mit Otto-Motoren kaum mehr zu verkaufen sind und die Erzeugung von Strom ungleich billger, so dass plötzlich Elektroautos sehr gefragt wären. Damit würden die gesamte bisherige Produktions- und Zuliefererstruktur des Automobilsektors umgekrempelt und verändert werden müssen. Kann man davon ausgehen, dass dies alles unter Beibehaltung desselben hohen Effizienzniveaus geschehen könnte? Kann man das generell, wenn signifikante Neuerungen durchgesetzt werden und damit neue Lernkurven beginnen? Ich denke, bei signifikanten Innovationen kann man das nicht und genau die sind es, die Oligopolisten fürchten, denn denen geht es um die Verteidigung ihrer Markposition (hier ein schönes Beispiel: http://www.reuters.com/article/2012/11/28/us-science-spaceplane-idUSBRE8AR0V220121128).

          Effizienzzuwächse und Automatisierung sind speziell auf reifen Volumenmärkten ausschlaggebend. Wir haben eigentlich gerade hier einen Stau bei signifikanten Innovationen, also solchen, die diese Märkte wieder in Bewegung bringen, was wohl auch heißen wird, kleinteiliger/stärker segmentiert, um den differenzierten Bedarfen besser gerecht zu werden.

          Mit der Nachfragesache haben Sie natürlich völlig Recht. Aber nehmen Sie beispielsweise mal den Automarkt. Die Autos waren in den vergangenen Jahren für immer mehr zu teuer geworden und immer mehr verzichten darauf (vor allem jüngere Menschen). Dann kam Renault mit Dacia auf die Idee, ein Billigauto anzubieten – Tata wollte das auch (unter 5000 Euro), aber den hat die europäische Autolobby ausgebremst -, was jetzt immer mehr tun. Die Frage ist deswegen doch, inwieweit auf dem oligopolisierten Automobilmarkt tatsächlich noch effektiver Wettbewerb besteht. Wie sehr sind die Hersteller durch den Wettbewerb dazu gezwungen, Autos nach den Bedürfnissen der Nachfrage zu bauen, entsprechende Innovationsanstrengungen zu unternehmen und wie viel Spielraum haben sie bei der Preissetzung (man denke nur an die aktuelle Rabattschlacht mit Rabatten von bis zu 60 Prozent!).

          Viele Grüße
          SLE

          • Ert - 27. Dezember 2012

            @SLE

            Der Automarkt den Sie als Beispiel genommen haben – den verstehe ich als Markt/Branche überhaupt nicht. Für mich ist das ein Beispiel eines Markes der aufrecht erhalten wird, weil so viel der Wachstumsmechanik und existierende Strukturen an ihm hängen. Hingegen ist er irrational teuer für den einzelnen – und hat gigantische gesellschaftliche Folgekosten.

            Eine Hauptaufgabe der Branche ist und war ja mit gigantischem Werbeaufwand eine künstliche Nachfrage zu generieren (Teilweise 3000-5000€/Kfz Werbeanteil) und Alternativen zum Individuellen Pkw-Besitz zu zerstören (siehe u.a. The End of Suburbia). Weiterhin, wie Sie korrekt schreiben, massive Eintrittsbarrieren zu errichten – um sich in den reifen Märkten bloß nicht dem Anpassungs- und Margendruck zu konfrontieren.

            Sie Schreiben: “nehmen wir mal an, von heute auf morgen würden Benzin so teuer, dass Autos mit Otto-Motoren kaum mehr zu verkaufen sind und die Erzeugung von Strom ungleich billger, so dass plötzlich Elektroautos sehr gefragt wären.”

            Meine Ansicht dazu: Alle großen Hersteller würden kollabieren. Um neue Modelle auf dem Markt zu bringen, insb. mit neuem Antriebskonzept, vergehen min. 4 Jahre. Bei großer Hersteller würde einen brutalen Absatzeinbruch seiner aktuellen Modellplatette über solch eine Zeit verkraften. Die Politik würde massivst Interventionen, ggf. die Steuer auf Benzin/Diesel massivst senken um die Verteuerung zu kompensieren – wohlweislich das dadurch die Preise noch höher gehen, weil die Nachfrage nicht gebremst wird.

            Man kann sich nun fragen was sinnvoller ist – das Großkonzerne vom Schlage eines VW, BMW, Daimlers inkl. Zulieferer-ketten kollabieren – oder durch (wirtschafts-)politische Maßnahmen zumindest teilweise gerettet werden und damit das industrielle Wissen innerhalb des Landes bewahrt wird.

            Alles nicht so einfach…. denn Diversifikation, Robustheit und Redundanz in den Strukturen – die ggf. durch eine Krise hilft – wird im täglichen Effizient & Rationalisierungswettbewerb reifer Märkte bestraft.

          • Milo Minderbinder - 30. Dezember 2012

            Ein schönes gutes Beispiel dazu:
            http://utahrails.net/articles/alco-v-emd.php
            In Kurzform geht es darum, wie einer der größten Hersteller von Lokomotiven der Welt, ALCO, von einem kleinen, aber damals innovativen Hersteller, EMD, ins Aus gedrängt wurde.
            In diesem Fall haben die Oligopolisten eine neue Innovation (die Diesellokomotive) zwar erkannt und mitentwickelt, die sich daraus ergebende Dynamik aber vollkommen falsch eingeschätzt..

            Aber dank der Globalisierung fallen seit geraumer Zeit m. M. keine relevanten Innovationen mehr an – bei der Automobilindustrie werden, wie woanders auch.werden “Retro”-Lösungen verfolgt – das E-Auto geht auf die Frühgeschichte des Automobils zurück, und erfolglose Hybrids haben auch einen laaaaangen Bart. Das Grundproblem (Akkus, Gewicht) bleibt.

            Spannend ist, daß sich ausgerechnet beim Fahrrad (um die Wende zum 20. Jahrhundert erschien das Fahrrad und das Automobil eine mögliche Lösung, um den damaligen massiven unbeherrschbaren innerstädtischen Umweltproblem – Pferdemist- zu entrinnen) viel Innovatives tut – abseits der Großindustrie.

            Gruß
            Stephan

          • Bernd Rickert - 3. Januar 2013

            … und der Strom für die Elektroautos kommt ja aus der Steckdose …

            Mit den Oligopolen haben sie meiner Meinung nach vollkommen Recht. Seit der AEG-Pleite, die wie ein Schock durch Deutschland ging, werden Grossunternehmen werden vom Staat subventioniert, verwöhnt und gehätschelt. Die Konzerne hatten damals das Arbeitsplatzargument entdeckt. Nun möchte der Staat wissen, wie es seinen systemrelevanten Konzernen geht und steht notfalls bereit auszuhelfen. Es haben sich personelle Netzwerke gebildet, die einflussreicher sind als irgendwelche, obsoleten Marktgesetze. Ihr Beispiel der Automobilindustrie ist treffend, deckten sich die chinesischen Autobauer zur Erschliessung des europäischen Automarktes im zweiten Anlauf nun mit europäischen Netzwerkern ein. Diese Personalkosten sind immens und beruhen weniger auf den Regeln einer leistungsgerechten Bezahlung als auf denen der organisierten Kriminalität.
            Die unangemessene Bereicherung führt zur berühmten Einkommensschere.und zur Polarisierung der Einwohner bzw. einer Klientelpolitik à la Gaddhafi, Mubarak, Hussein, Samaras, Rajoy, etc. etc. Die Berichterstattung in den öffentlichen Presse wird inzwischen soweit manipuliert, dass eine objektive Meinungsbildung nicht mehr ansatzweise gewährleistet ist.
            Der Innovationsstau ist gewollt wegen übersatter Faulheit, wegen der Angst vor dem Karriereknick und wegen der Angst sogenannte bunte Vögel, wie Unternehmer neuerdings bezeichnet werden. könnten der Öffentlichkeit ein Vorbild sein.. Patente gehen mittlerweile nach Indien. Die europäischen Oligarchen sind im Gegensatz zu den russischen keine Unternehmer. Sie sind hochgediente Nachrücker genau wie in der Politik:

            Wer nichts macht, macht nichts verkehrt.
            Wichtig sind nicht die manipulierbaren Wähler sondern die, die einem die Wahl ermöglicht haben.

            In dieser Zeit der leistungslosen Selbstbedienung steht der moderne, finite Kapitalismus zusätzlich mit Produktionsmethoden und Arbeitsbedingungen des Europa vor 150 Jahren im Wettbewerb mit der fatalen Folge, dass moderne Sozialstaaten versuchen mit Entwicklungsländern gleichzuziehen. Wo man hinschaut, ich kann nichts gutes entdecken. Es wird eine breite Inflationsangst geschürt, wo zuwenig Geld in zuvielen Händen ist und zuviel Geld in zuwenigen Händen. Dieses permanente Paradox führt zu dem Mysterium der Blasenbildung in einem deflationärem Umfeld, dem Ökonomen ratlos gegenüberstehen.
            Bei allem Respekt, diese Krise ist nicht durch Ökonomen zu lösen. Die globale Schuldenkrise ist ein Aufgabe der Soziologen und den Gegnern organisierter Kriminalität.

            ps. Über die spanische Protestbewegung wird in Deutschland so gut wie gar nichts berichtet.

  • Traumschau - 27. Dezember 2012

    Hallo Herr Eichner,
    wenn ich das richtig verstanden habe, dann befinden wir uns mit der “real existierenden Marktwirtschaft” an einem toten Punkt. Die Konzentration nimmt immer weiter zu – allein das kann man schon am Aussterben der “Tante Emma-Läden” sehen, das sich aufgrund der Marktmacht einiger weniger Konzerne rasant vollzogen hat. Diese ungeheure Marktmacht führt also zu weniger wirklicher Innovation in dem Sinne, dass die Allgemeinheit auch davon profitiert und die Menschheit insgesamt voran bringt. Der Wettbewerb um Produktivität kommt zum erliegen, jetzt haben wir zunehmend einen Wettbewerb im Senken der Kosten, sprich Löhne. Aufgrund der ungeheuren Macht unserer Finanz- und Wirtschaftsoligarchie wird die Binnenwirtschaft sträflich vernachlässigt und der Sozialstaat geschliffen, denn das “Grundübel in Deutschland ist die soziale Überversorgung” (H. Schmidt, SPD!!). (Warum man dem Typen immer noch zuhört ist mir schleierhaft …)
    Jedenfalls wird durch Ihren Beitrag klar, dass wir die drängenden Probleme der Menschheit mit einem derart erstarrten Wirtschaftssystem – aber auch politischen System – nicht lösen können.
    Tja, was tun wir jetzt? Die Diagnose scheint klar! Wer verkündet jetzt unseren Vorturnern in Politik und Wirtschaft die “Frohe Botschaft”?
    Ich denke, dass wir voll vor die Wand fahren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Wirtschafts- und Finanzelite freiwillig auf ihre komfortable Machtposition verzichtet.
    Liebe Grüße
    Traumschau

    • Holly01 - 27. Dezember 2012

      Das geht nicht freiwillig, wir (also der US-Block mit allen Vasallen) verliert durch Fehlallokation, Ineffizienz und Behinderung von Markt seine Basis, während der Rest einfach wächst.
      Derzeitiges Verhälniss : entwickelte Märkte (US-Block) 40% zum Rest 60%.
      Tendenz stark verstärkt.
      Das Problem ist die Weltleitwährung Dollar mit dem Spannunsgfeld CoL und WS.
      Wird das nicht gelöst, dann ist die Entwicklung ein Selbstläufer gegen uns.

  • Holly01 - 27. Dezember 2012

    Werter Hr. Eichner,
    ich bin Autodidakt, also ist meine Sicht punktuell und es fehlt am bildungsbedingten Gesamtüberblick.
    Ich finde Ihre Betrachtung trotzdem als eingeschränkt.
    Die Entwicklung eines Marktes erfolgt in Schüben. Die Schübe werden ausgelöst durch :
    - Verfügbarkeit neuer Ressourcen
    - Verfügbarkeit neuer Entwicklungen / Entdeckungen
    - Verfügbarkeit neuer Massen in Form von Abnehmern
    - Verfügbarkeit von Kapital durch Marktdurchdringung und Akzeptanz.
    Diese Schübe erfolgen wenig planbar, teilweise gleichzeitig und die Nutzung des jeweiligen Potenzials ist selten optimal.
    Sie decken dies alles grundsätzlich ab.

    Es gibt aber Grundsätzliche Größen, die mit dem Markt und dem Produkt nur indirekt zu tun haben:
    - Patenrecht
    - Kulturelle / Religiöse Vorgaben
    - Konkurrenz bei der Ausbreitung verschiedener Produkte / Produktfamilien
    - Zahlungsmittel, insbesondere Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit
    - Arbeitskräfte, insbesondere Qualität und Verfügbarkeit
    - Politik, Lobbyismus, Rechtswesen (hier Rechtssicherheit bzw. Vertragswesen).
    - Militarismus als unproduktiver Schmarotzer
    All die Größen die man landläufig als Marktumfeld, Infrastruktur und Gesellschaft bezeichnet sind marktrelevant.

    Diese Umfeldindikatoren deckt die Markttheorie zwar grundsätzlich ab, indem man von entsprechenden Reaktionen der Anbieter ausgeht, es wird aber ausgeblendet, in welchem Maße dieses Umfeld den Markt prägt.

    Es ist ja noch nicht einmal falsch die Theorien als erfolgreich zu bezeichnen.
    Das Umfeld verzerrt den Gesamtmarkt aber in einem Umfang, der jedes Wirtschaftleben zur Karikatur werden läßt.
    Eine Geldsystem, welches in seiner Art und seinem Umfang eine Rendite anbietet, welche systematisch oberhalb jeder Produktionsrendite liegen -muss-, kann ein Unternehmen nicht ausgleichen.
    Das Unternehmen -muss- das Geld statt in das produkt, nun in den Geldmarkt investieren. Das ist zwingend. Täte das Unternehmen dies nicht, so wäre es morgen nicht mehr existent.

    Beispiel : PKW Produktion in Europa :
    Ob ein Unternehmen erfolgreich oder erfolglos ist, liegt nicht im Produkt. Der Erfolg liegt in der Vermarktung und hier insbesondere in der firmeneigenen Bank und deren Konditionen. Es ist entscheident welche Kapitalmarktzinsen die Unternehmen für ihre Anleihen zahlen, weil daraus der Preis den Endproduktes errechnet wird.
    Es ist ganz einfach die Frage ob 1 Euro Autopreis mit 40% Zinsanteil belastet ist oder mit 60% und wie hoch der Anteil ist, der beim Hersteller verbleibt.
    Es ist auch die Frage ob Politik mit Geld eingreift und den Markt verzerrt oder nicht.
    Es ist natürlich auch das Kopfkino des Umfeldes, das durch nur etwa 20 relevante Informationsvermarkter weltweit bestimmt wird. Was wir glauben (möchten) bestimmt unser handeln
    Information ist in der Realität eine Waffe, in der Theorie hat aber jeder alle relevanten Informationen.

    Ich spotte ja auch gerne über Banken und Ökonomen, aber man muss schon zugeben, daß wir vor allem anderen ein Gesellschaftsproblem haben, welches vor allem anderen politisch bedingt ist.
    Die politischen Probleme kann eine Ökonomie nicht lösen, nicht einmal theoretisch.

    Die Geldprobleme zu lösen wäre einfach. Die daraus resultierenden politischen Probleme zu lösen ist schlicht unmöglich.
    Die USA sind nicht die UDSSR, dei Amis setzen die Atombombe ein. Das haben die bereits bewiesen.

    Die Patenrechte sind eine politische Waffe, die beim Ertrag und den Geldflüßen rücksichtslos eingesetzt wird.
    Der Handymarkt mag als Beispiel herhalten, wie Rechte nicht zum Schutz geistigen Eigentums eingesetzt werden, sondern zur Behinderung der Vermarktung und Kapitalaquisition.

    Unsere Probleme weltweit beruhen in großem Umfang darin, daß ansich sinnvolle Marktparameter immer mehr verzerrt werden.
    Persönliche Bedürfnisse einzelner Menschen werden auf einmal marktrelevant.
    Den Militärisch-Industriellen Aspekt würde ich gerne ausblenden und mit nationalen Egoismen beschreiben.

    Die Ökonomen haben allen Grund ihre Theorien kritisch zu hinterfragen. Vielleicht sollte sich auch einmal jemand den Nobelpreis dafür abholen das er/sie sagt :
    “Wir wissen es nicht, weil auch komplexe Modelle die Einflüße aller Marktteilnehmer nicht darstellen können. Es ist einfach nicht vorhersehbar, weil wir keine Wahrsager sind.”

    Die Absolutheitsanspruch einiger Herren und Damen ist in Anbetracht der Ohnmacht eben der gleichen Personen schon sehr sehr enervierend.

    • SLE - 27. Dezember 2012

      Hall Holly01,

      man kann die ganze Sache natürlich auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen betrachten. Der Sinn ist ja, durch Weglassen von weniger wichtigen Aspekten die zugrundeliegenden Kernprobleme besser zu erkennen. Dabei kann man natürlich ziemlich falsch liegen. Je mehr Faktoren und Aspekte man jedoch mitbetrachtet, desto stärker geht dies zu Lasten der Erkennbarkeit des Wesentlichen (“den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen”).

      Sie sprechen vom Umfeld. Ich habe von Marktmerkmalen gesprochen. Was man dabei alles als relevant mit betrachtet, habe ich hier nicht explizit festgelegt. Man kann das sehr weit fassen und – wie gerade schon angesprochen – unterschiedliche Faktoren und Aspekt als relevant betrachten. Generell gebe ich Ihnen aber Recht, dass institutionelle, kulturelle u.a. Faktoren eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielen. Ich habe das auch auf meiem Schirm, aber hier weggelassen. Die Betrachtung oben ist bewusst nicht detailliert gehalten.

      Viele Grüße
      SLE

  • Lottchen - 27. Dezember 2012

    Ich werde vermutlich nie verstehen, weshalb sich hartnäckig die Ansicht hält, “die neoklassische Theorie” besage, dass sich selbst überlassene Märkte einem – möglichst noch eindeutigen und effizienten – Gleichgewicht zustreben. Das wurde vor einem halben Jahrhundert von “den Neoklassikern” selbst bereits widerlegt. Genauer gesagt, es wurden die mathematischen Bedingungen formuliert, unter denen die genannte Aussage gilt. Das Resultat in Kurzform: In keiner irgendwie mit der Realität in Verbindung stehenden Konstellation kann so etwas erwartet werden. Schon gar nicht in heterogenen Polypolen oder Oligopolen. Nachzulesen bei Arrow/Debreu, Hahn, und anderen. Bedauerlicherweise ist dies nicht Stoff der Standard-VWL-Vorlesungen, denn man muss sich durch ein paar hundert Seiten recht mathematiklastiger Fachliteratur durcharbeiten (wozu die Wenigsten willens und/oder imstande sind). Hat man es aber hinter sich, dann ist man für alle Zeiten von diesem Missverständnis kuriert.

    • Traumschau - 27. Dezember 2012

      @Lottchen
      Hallo, ich bin Laie und habe dazu eine Frage:
      Wenn es stimmt was Sie sagen, dass die früheren Grundannahmen bereits mathematisch widerlegt sind, dann verstehe ich überhaupt nicht, welche der “Theorien” denn zu dem Ergebnis geführt haben, dass wir gerade besichtigen können. Welche Theorie wird denn nun seit 2 Dekaden oder länger quasi angewandt?
      Oder ist diese “Theorie” nur ein Vehikel, das vorgeschoben ist, damit man in deren Schatten ein schmutziges Spiel betreiben kann? Oder anders: Wird diese Theorie sprichwörtlich misbraucht?

      • Lottchen - 27. Dezember 2012

        @Traumschau
        Was ich schreibe, ist doch leicht zu überprüfen. Eine nicht-mathematische Abhandlung, allerdings auf Englisch, findet sich z.B. bei Frank Hahn, einem der wissenschaftlich renommiertesten Neoklassiker, in dessen Sammelband “Equilibrium and Macroeconomics”.

        Um ihn mal zu zitieren: “”One of the mysteries which future historians of thought will surely wish to unravel is how it came about that the Arrow-Debreu model came to be taken descriptively; that is as sufficient in itself for the study and perhaps control of actual economies. Having spent most of my life as an economist on this theory I confess that such an interpretation never occurred to me. Indeed it was clear from the beginning that we only had half a theory anyway since there was (and is), no rigorous account, derived from first principles, of how the Arrow-Debreu equilibrium comes to be established. But even the half which we had was quickly seen to have serious gaps: it could not account for money or a stock-exchange, there were, more importantly, no increasing returns possible, there was no theory of actual exchange, the number of firms was taken as exogenous and one would require set up costs to make any sense of firms anyway, information was symmetric and complete, labour was sold as peanuts are sold, unborn generations implausibly made themselves felt on current markets and there were far too many markets anyway. If ever a theory was straightforwardly falsified it is the theory of a capitalist economy in Arrow-Debreu equilibrium.” (Aus Frank Hahn: Some Keynesian Reflections on Monetarism).

        Die “Theorie” (Hahn bezeichnet ihre Vertreter in demselben Aufsatz als “Witch Doctors”), die seit mehr als zwei Jahrzehnten angewandt wird, ist letztlich der Monetarismus bzw. die Angebotstheorie (auf Österreicher wie Hayek, von Mises etc. berufen sich auch einige, aber der Thatcherismus geht v.a. auf Friedman und Co. zurück). Der Monetarismus beruft sich nach eigener Aussage auf die allgemeine Gleichgewichtstheorie, letztlich also auf das Arrow Debreu-Modell. Das Arrow-Debreu-Modell ist nichts ein theoretischer Ansatz, um zu untersuchen, unter welchen Bedingungen ein allgemeines Gleichgewicht überhaupt möglich ist. Zu seinen Restriktionen, siehe oben. Wenn man diese lockert, werden die Resultate schlechter für die Aussichten, ein Gleichgewicht zu etablieren, nicht besser.

        Andere Theorien, die die Überlegenheit des Freien Marktes predigen, müssen sich die Frage gefallen lassen, wie sie mit den Arrow/Debreu-Resultaten umgehen (die ja letztlich nur ein mathematisches Instrumentarium sind, um zu überprüfen, was logisch-mathematisch möglich ist und was nicht). Und sie möchten dann bitte hinschreiben, in Form von Gleichungen und nicht in Form von heuristischem Gefasel, dass und warum der Markt überlegen ist.

        Ich bin der Meinung, dass “die Neoklassik” als Theorie missbraucht wird. Sowohl von Protagonisten, die mit jeder wirtschaftspolitischen Forderung beweisen, dass sie entweder die Theorie, mit der sie vorgeblich argumentieren, nicht im Ansatz verstanden haben oder sie bewusst verdrehen, als auch von Antagonisten, die einen Popanz aufbauen gegen eine “Wissenschaft”, die das, wogegen angekämpft wird, nie behauptet hat – jedenfalls nicht seitens ihrer seriösen Vertreter.

        • Traumschau - 27. Dezember 2012

          @Lottchen
          WOW! Vielen Dank für diese Information!! Deshalb gibt es einen Streit, der eigentlich nicht sein müsste? Vielleicht – als Hoffnung ausgedrückt – ist alles nur ein grandioses Missverständnis?
          Gibt es denn nicht die Möglichkeit, unsere Politikdarsteller und der sie beratenden Ökonomen darüber zu unterrichten, dass Sie einem gewaltigen Irrtum unterliegen?
          Jetzt sehe ich auch die Schelte von Flassbeck gegen die Neoklassische Theorie in einem anderen Licht! Auch Flassbeck scheint vielleicht da etwas zu verwechseln bzw. bezieht sich seine Kritik wohl auf die sich in Anwendung befindliche, missbrauchte Theorie – und nicht auf die von Ihnen dargestellten Sachverhalte:

          http://www.youtube.com/watch?v=TbfPRpgL4sg (Finanzsystem)
          http://www.youtube.com/watch?v=q3tp7uS6ezY (Arbeitsmarkt)

          LIebe Grüße
          Traumschau

          • Lottchen - 27. Dezember 2012

            Ich denke, Herr Flassbeck weiss sehr wohl um die Allgemeine Gleichgewichtstheorie und bezieht sich wie auch andere auf die verdrehte Version von “Neoklassik”, die herumkursiert und von allen möglichen Leuten instrumentalisiert wird. Der Vorteil dieser Version (mein Doktorvater nannte das “Vulgärökonomie”) ist, dass sie für Hinz und Kunz und Rösler oberflächlich verständlich ist. Natürlich kommt sie auch bestimmten Interessen gelegen.

            Die reine Theorie an sich gibt die Aussagen, die ihr zugeschrieben werden, nicht her. Aber was nutzt das, wenn die Leute, die angeblich mit ihr argumentieren, nicht willens sind, sich mit ihr auseinanderzusetzen, oder auch gar nicht dazu in der Lage sind.

            Ich persönlich halte es für einen Fehler, gegen “die Neoklassik” zu argumentieren. Man sollte sich vielmehr darauf konzentrieren, den Leuten zu erklären, was die Neoklassik eigentlich besagt. Aber vielleicht bin ich auch hoffnungslos überoptimistisch im Hinblick auf die Aussichten, dass das verstanden wird.

        • Holly01 - 27. Dezember 2012

          Werte Lottchen (wenn ich das so starten darf) :
          wenn die Grundlagen ansich widerlegt sind und die Basis der jetzigen Politik eine Sammlung von Methoden ist, die dazu dienen sollte eine Theorie aufzubauen, was ist dann wirklich der Stand der Wissenschaft?
          Friedmann war ein größenwahnsinniger Spinner der mit Politikbeteiligung alles getan hat sich selbst zu beweisen? Fann man das so sagen?
          Die “amerikanische Schule” ist ja auf diesen ganzen Quark aufgebaut und leitet davon fleißig ab.
          Monetrasisten vertreten ja auch nur einen Baukasten von Werkzeugen und Methoden, um bestimmte Probleme der Geldwirtschaft handhaben zu können. Ist das so richtig ?

          • Lottchen - 27. Dezember 2012

            Ich kann nichts über Milton Friedmans Motivationen aussagen, ich habe mich damit zu wenig beschäftigt und lehne solche fernpsychologischen Diagnosen auch ab. Aber er war sicherlich mehr als nur ein größenwahnsinniger Spinner. Seinen Nobelpreis hat er für empirische Untersuchungen über die Geldnachfrage erhalten, die sicher ihren Wert haben. Was nicht heißt, dass man dem Rest seiner Lehren folgen muss. Mit seinen wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen daraus hat der Preis erstmal wenig zu tun.

            “Die amerikanische Schule” baut nicht darauf auf. Das ist auch so ein Missverständnis. Die “Chicago School” baut darauf auf. Die ökonomische Szenerie in den USA besteht aus wesentlich mehr als der “Chicago School”. Sie besteht auch aus Krugman und Stiglitz, um nur zwei der prominentesten Kontrahenten zu nennen.

            “Den Stand der Wissenschaft” gibt es, soweit ich das erkennen kann, nicht. Es gibt eine Reihe konkurrierender Schulen, von denen einige öffentlich sichtbarer sind als andere, und eine Reihe von Leuten, die versuchen, in eklektischer Weise eine Synthese herbeizuführen.

          • Georg Trappe - 28. Dezember 2012

            Hier noch ein Hinweis, der vielleicht hilft einzuordnen wie gross die Falle ist, in der die Gleichgewichtstheoretiker stecken und wer sich da welcher “Schule” zuordnet bzw. zuordnen laesst.
            http://rwer.wordpress.com/2012/12/23/oh-dear-oh-dear-krugman-gets-it-so-wrong-so-wrong-on-the-state-of-macroeconomics/
            Interessant dabei ist, dass die Mainstream Oekonomik, das Geld- und Bankensystem garnicht auf der Rechnung hat und bisher in ihren Gleichgewichtsmodellen unberuecksichtigt liess. Selbst Nobelpreistraeger wie Krugman wehren sich sehr rabiat gegen entsprechende Vorwuerfe ohne substantiell wirklich was zu bieten:
            http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/03/krugman-vs-keen.html
            Wenn sie es dann in ihre fragwuerdigen Gleichgewichtsmodelle einarbeiten, dann kommen sie ruck zuck zu Schlussfolgerungen und Vorschlaegen, die beachtlich nahe an der Forderung zur Verstaatlichung der Banken liegen. Beispielhaft seien da Mitarbeiter des IWF! genannt:
            http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-08/vollgeld-banken-geldschoepfung?commentstart=73#cid-2261193

  • Ert - 27. Dezember 2012

    @SLE

    Ich habe mir den ganzen Artikel zwei mal durchgelesen – werde aber nicht daraus schlau.

    Sie Schreiben: “Mehr noch gilt dies auch für das Gros der Unternehmenslenker, die – bewusst oder unbewusst – nach diesem Wettbewerbsverständnis dauerhaft auf die Strategie der Kostenführerschaft setzten und dafür von der Politik unterstützende Maßnahmen forderten und stets erhielten….”

    Also haben doch die Konzernlenker alles richtig gemacht – im Sinne der aktuellen Spielregeln.

    Weiterhin schreiben Sie: “Unser über Jahrzehnte nach einem fehlerhaften Bauplan erstelltes und entwickeltes marktwirtschaftliches System ist in der heutigen Form nicht mehr zu reparieren. Es muss umgebaut werden.”

    Die Frage die ich mir stelle: Gab es je einen Bauplan – oder spiegelt unser “heutiges System” nicht nur die “natürliche Wirtschaftsordnung im Sinne unseres Wertesystems und wie unsere Gesellschaft Tick’t” wieder? Also Vorteilnutzung und Mehrung, das Anstreben von Oligopolen und die Verhinderung des Markteintritts von Dritten über Regulierung?

    Wer sollte hier nun was und warum umbauen? Umbau von denen, die aktuell profitieren oder beim Umbau was zu verlieren haben? Lokaler Umbau in einer globalen Welt mit globaler Konkurrenz? Hmmm….

    Natürlich ist die Frage erlaubt ob unser “Wertesystem bzw. wie unsere Gesellschaft Tick’t” gesteuert verändert wurde – oder ob es einfach das Ergebnis unserer heutigen Formen der “Kommunikation” ist. Das Buch “Amusing Ourself to Death” von Neil Postman aber auch Chomsky’s Schriften haben in mir den Eindruck erweckt, das gerade das Fernsehen die Gesellschaft nachhaltig verändert hat – natürlich mit allem was dort geplant und suggestiv gesendet wird.

    Aktuell sehe ich von meiner Warte viele Faktoren, wobei die Frage ist welche Folge und welche Ursache sind. Des weiteren ist die Frage wie Anreize und/oder Strukturen so gestaltet werden können, das sich etwas anderes (besseres?) auf natürlich Weise bildet – also ggf. die Gesellschaft z.B. wieder gemeinschaftlicher und in Entscheidungen weitblickender Tick’t.

    Aber hier sehe ich ein ganz anderes Problem: Die (deutsche) Politik tut alles um die direkte Beteiligung der Menschen bei Entscheidungen die diese Menschen betreffen auszusperren. Mitbestimmung und Beteiligung sind immer nur “optional” und Verwaltungen etc. sind in der Regel nicht an Bürgerbegehren gebunden. Geht es um mehr als eine neue Parkbank – u.a. S21, Atomkraft – dann wird alles daran gesetzt die Entscheidungen hinter verschlossenen Türen zu treffen und das Zustandekommen als Geheim zu deklarieren (u.a. ja schon bei solchen Sachen wie der LKW-Maut). Die (wenig durchlässige) Politik zeigt ja ganz klar wie was Sie von breiter Bürgermeinung um Bügerbeteiligung hält: http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserwerfer_10000.

    Wie soll sind aus dieser Dogmatik und Handlungsweise faktisch aller Parteien eine Basis zur Änderung unserer (Wirtschafts-) Politik oder der Gesellschaft ergeben können?

    Ich lese gerade das Buch “Collapse of Complex Societies” von Tainter (Social and Archological Studies, Cambridge Press) und hatte letztens einen Artikel von Ugo Bardi zu diesem Thema verlinkt (http://europe.theoildrum.com/node/5528). Angesichts der immer weiter steigenden Systemkomplexität unserer Weltwirtschaft und auch unserer anderen Steuerungssysteme, unseres Ressourcenverbrauches, unseres schwindenden EROIE, etc. pp. gehe ich immer mehr davon aus, das wir erst einmal mächtig gegen die Wand fahren müssen – bevor sich auch nur etwas ändern wird.

    Denn ich denke das unsere Problematik viel tiefer liegt als eine “Krisenstrategie” bezüglich unserer Wirtschaftssteuerung – wenn ich Sie da richtig verstanden habe.

    • SLE - 27. Dezember 2012

      Hallo Ert,

      die Konzernlenker haben sich mit der Kostensenkungsstrategie doch in eine schwierige Situation gebracht. Hewlett Packard – Weltmarktführer bei PC – ist ein sehr schönes Beispiel. Die finden seit Monaten keinen Weg, wie sie aus der Misere wieder heraus kommen. Im Text habe ich auch weitere Beispiele genannt.

      Gibt es einen Bauplan? Im strengen Sinne des Wortes gibt es den nicht. Natürlich gibt es auf Märkten eine natürlich Entwicklung bzw. Reifung und das gilt auch für Volkswirtschaften. Doch was wir heute haben, ist keine natürlich Ordnung. Reden Sie mal mit ein paar Mitteständlern oder kleineren Unternehmern. Wir haben eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Wirtschaft und die ist herbeigeführt worden und es wird auch verhindert, dass sich daran etwas ändert. Sie haben Beispiele dafür genannt (S21 etc.).

      Ändern kann man daran nur etwas, wenn man ein Bewusstsein dafür schafft und dies schließt mit ein, dass man Erklärungen der Marktwirtschaft und wie sie funktioniert durchleuchtet. Ansonsten sind und bleiben wir bei TINA.

      Natürlich ist es die Frage, wo man den Hebel für Veränderungen zuerst oder am besten zuerst ansetzt. Ich habe die Weisheit nicht gepacht, sondern nur einen Denkanstoß geben wollen, der in eine bestimmte Richtung geht. Andere sehen das anders und setzen andere Schwerpunkte. Aus meiner Sicht ist das auch gut so. Es gibt ja auch viele Baustellen und viele Analysen und Ideen.

      Grüße
      SLE

  • SLE - 27. Dezember 2012

    Hallo Lottchen,

    muss man nicht. Mir ist das schon klar. Ich habe aber auch geschrieben, dass die angesprochene Wettbewerbsvorstellung (funktionsfähiger Wettbewerb)

    - lediglich an das Modell der „vollkommenen Konkurrenz“ anknüpft und den Versuch einer empirischen Annäherung an die Realität darstellt,
    - das Marktideal nicht theoretisch, sondern empirisch abgeleitet ist und
    - liberale und neoklassische Wettbewerbsvorstellungen die wesentlichen Grundannahmen teilen, aber ansonsten Unterschiede aufweisen.

    Die liberale Wettbewerbsvorstellung (anküpfend an Smith und später Hayek) negiert, dass Wettbewerb überhaupt irgendwelche gesamtwirtschaftlichen Ziele erfüllt. Das ist aber beim funktionsfähigen Wettbewerb der Fall. Beim evolutorischen Wettbewerb ist davon auch keine Rede.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn man in die Details geht, gibt es ein viel differenzierteres, aber nicht unbedingt deutlicheres Bild von den Charakteristika der verschiedenen Wettbewerbsvorstellungen. Die meisten, die von Wettbewerb oder Wettbewerbsfähigkeit im gesamtwirtschaftlichen Kontext reden, so würde ich jetzt einmal tippen, wissen wenig darüber, wie dieser erklärt wird bzw. erklärt werden kann und was er unter welchen Voraussetzungen tut oder eben nicht.

    Viele Grüße
    SLE

    • Lottchen - 27. Dezember 2012

      Hallo SLE,
      ich halte es für vergebliche Liebesmüh, gegen derartige Vorstellungen anzuargumentieren. Wenn Leute glauben, sie müssten sich auf 100 oder gar 200 Jahre alte, mathematisch längst widerlegte Quellen berufen (Smith, Hayek, von Mises und die restlichen Lieblinge unserer Marktradikalen) und wenn sie darauf bestehen, mit heuristischen Plausibilitätsüberlegungen die Mathematik außer Kraft setzen zu wollen, dann kommt man solchen Leuten mit logischen Argumenten nicht bei. Hier bewegt man sich im Bereich der Religion, um nicht zu sagen Sektiererei. Mit Wissenschaft haben solche “Theorien” nichts zu tun, weder mit neoklassischer noch anderer.

    • Huthmann - 28. Dezember 2012

      “Die liberale Wettbewerbsvorstellung (anküpfend an Smith und später Hayek) negiert, dass Wettbewerb überhaupt irgendwelche gesamtwirtschaftlichen Ziele erfüllt. Das ist aber beim funktionsfähigen Wettbewerb der Fall. Beim evolutorischen Wettbewerb ist davon auch keine Rede”.

      Kann ich leider nicht nachvollziehen, diese Aussage. Mein Kenntnisstand ist, daß Wettbewerb zur bestmöglichen Allokation von Resourcen führt und somit gesamtwirtschaftliche eine essentielle Funktion erfüllt. Deswegen ist ja ein marktwirtschaftliches Preissystem jedem anderem weltlichen Lenkungssystem überlegen.

      Übrigens ist die Vorstellung eines Gleichgewichts oder deren Annäherung am Markt kein Hirngesprinst weltfremder Theoretiker sondern Bestandteil der Realität! Inwieweit man immer von Gleichgewicht zu Gleichgewicht kommt ist relativ unwichtig, da in Modelle immmer nur zu diskreten Zeitpunkten erfaßbar. Daß die Zeit sich nicht auf diskrete Zeitpunkte beschränkt sondern kontinuierlich läuft braucht nicht weiter erwähnt werden. Aber die Vorstellung einer anzustrebenden annähernden Markträumung zu diskreten Zeitpunkten ist schon wichtig von der Modellvorstellung, um die Überlegenheit eines dezentralen marktwirtschaftlichen System gegenüber einer wie auch immer gearteten Willkürlenkung mit Ressourcenverschwendung in jeglicher Form (also kein Zusammenbringen von Angebot und Nachfrage und kein Wettbewerb auf Arbeits- wie auch Gütermärkten) deutlich zu machen. Auf diese Erkenntnisse muß jeder ernst zu nehmende ökonomische Modell aufbauen!!!

      Daß Innovationen dieses System immer wieder durcheinanderbringen, ist überlebensnotwenig, sonst wäre es kein sich veränderndes offenes System sondern eine Totgeburt, da in einem geschlossenen System eingesperrt..

      MfG

      • SLE - 28. Dezember 2012

        @ Huthmann

        Gesamtwirtschaftliche “Ziele” erfüllt der Wettbewerb im Sinne der liberalen Auffassung nicht, weil dies bedeutet, dass der Wettbewerb zur Verfolgung von gesamtwirtschaftlichen Zwecken eingesetzt werden kann. Hayek et al. haben Wettbewerb als Prinzip beschrieben, nicht als Instrument. Das Ergebnis, dass sie dem Wettbewerb zuschreiben (im Kern wie schon bei Smith “metaphysisch” begründet), ist individuelle Wohlfahrtssteigerung.

        Der Begriff “Allokation” von Ressourcen bezieht sich auf die neoklassische Gleichgewichsttheorie. Es geht dabei um die Verwendung begrenzter und damit prinzipiell knapper Ressourcen und um wohlfahrtsoptimale Verteilung. Die klassische liberale Theorie von Smith ist aber keine Gleichgewichtstheorie, sondern eine der Entwicklung, der Evolution und darum spricht er auch von der (fortlaufenden) Steigerung der Wohlfahrt. Begrenzte Ressourcen, das ist nicht seine Sicht.

        Ich habe Gleichgewichtszustände ja nicht negiert oder die Beschäftigung damit als Unsinn abgetan, sondern nur gesagt, dass sie die Ausnahme sind und insofern die Betrachtung und Erklärung von Ungleichgewichtszuständen mehr Aufmerksamkeit verdient.

        Viele Grüße
        SLE

        • Huthmann - 28. Dezember 2012

          Ist da ein großer Unterschied oder werden hier nur 2 verschiedene unvollständige Abstraktionen verglichen?

          Entwicklung als Pfad von Gleichgewicht zu Gleichgewicht bei idealisierten Märkten (vollständige Konkurrenz) ist in der Realität im Allgemeinen ein Pfad von Ungleichgewicht zu Ungleichgewicht abh. davon wie der Wettbewerb in der Realität beschaffen ist.

          Individuelle Wohlfahrt impliziert allgemeine Wohlfahrt, wenn die Zunahme an Wohlfahrt des Einzelnen auf dem Ungleichgewichtspfad so wenig wie möglich auf Kosten von anderen geht.

          Je mehr Wettbewerb wir haben, den übrigens mindestens Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber “auf den Tod hassen” da sehr anstrengend, desto eher kommen wir in die Richtung von Gleichgewichtszuständen mit der Implikation: individuelle Wohlfahrtssteigerung geht nicht auf Kosten anderer.

          Insofern ist die neoklassische Sicht mit Gleichgewichten eine idealisierte Momentaufnahme und zugleich weitere Operationalisierung (in einem statischen Modell) der liberalen eher phenomenologischen Beschreibung.

          MfG

          • SLE - 29. Dezember 2012

            Aus Sicht der Ökonomen ist der Unterschied groß und die Diskussion darüber füllt ganze Bibliotheken. Für die Praxis ist – da haben Sie vollkommen Recht – die Operationalisierbarkeit von Theorien oder Erklärungsansätzen entscheidend. Das ist auch der Grund, warum sich die neoklassische Theorie einst gegenüber dem klassischen liberalen Ansatz beispielsweise von Smith durchsetzen konnte. Es geht aber auch um die Orientierungsleistung der Erklärungsansätze und seit der Finanzmarktkrise gibt es daran große Zweifel. Steve Keen ist einer der bekannteren Kritiker, aber es gibt inzwischen sehr viele, die sich auf eigenen Plattformen (z.B. Real-World Economics) kritisch mit der neoklassischen Theorie oder der Entwicklung neuer Ansätze (z.B. das Institute for New Economic Thinking) auseinander setzen. Die Renaissance von Keynes in der Hochphase der Krise, der heftige Streit innerhalb der Zunft und die seinerzeit teilweise wieder geforderte Rückbesinnung auf Smith zeigen, dass es nicht um Marginalien geht, sondern um die Fundamente, auf denen die verschiedenen Theorien oder Theorienfamilien aufgebaut worden sind.

            Grüße
            SLE

      • Georg Trappe - 28. Dezember 2012

        Marktraeumung = Gleichgewicht ? Ich bitte Sie, das kann doch nicht Ihr ernst sein.
        Alleine wenn man die Unterscheidung trifft, zwischen Nachfrage und effektiver Nachfrage, wird einem klar, dass der Markt bestenfalls effektive Nachfrage und Angebot einander annaehert. Wenn man dann noch den Gedanken wagt, dass das was ueblicherweise Angebot genannt wird, auch Geldnachfrage ist und nur effektive Warennachfrage ein Geldangebot beinhaltet, dann wird hoffentlich klar, dass das mit dem Geichgewicht eine sehr fragwuerdige These ist. Viel einleuchtender erscheint mir da das “short side principel”, was besagt, dass immer eine Seite knapp ist und es so immer zur Zuteilung von Quantitaeten kommt. Wenn diese Zuteilungen in einem Umfeld gepraegt durch Wettbewerb stattfinden, dann scheint das ganz gut zu funktionieren. Wenn aber Oligopole, Kartelle und Monopole entstehen naehert sich das der Willkuerlenkung durch eine Planwirtschaft an. Die Zuteilungen/Preissetzungen werden immer rigider durchgesetzt und es kommt zu enormen Fehlallokationen. Der Versuch dies durch Geldpolitik aufzuloesen, muss scheitern. Denn erstens steht dem die Indirektion Zentralbank – Geschaeftsbanken – Realwirtschaft im Wege, wobei die Uebermacht einiger grosser Geschaeftsbanken ein wesentlicher Teil des Problems ist und zweitens haben diese grossen und uebermaechtigen Geschaeftsbanken ein gemeinsames Interesse / Motiv, was sie mit den Grosskonzernen bzw. deren Eigentuemern teilen.
        http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/11/der-haken-der-geschichte.html
        -
        Markt funktioniert nur dann annaehernd den gaengigen Vorstellungen entsprechend, wenn die Teilnehmer auf beiden Seiten auf Augenhoehe zueinander stehen. Wenn sich ein Machtgradient etabliert, dann geht die Sache schief. Das Ergebnis haben wir vor Augen und ist ja auch nicht so neu. Zumindest ist seit Ende der 70er Jahre klar, dass der sog. Arbeitsmarkt nicht in der Lage ist ein Gleichgewicht herzustellen. Nicht weil es nicht genug zu tun gaebe, sondern weil es an zu wenig effektiver, also mit einem Geldangebot verknuepfter Nachfrage mangelt. Die Geldnachfrage auf Seiten der Arbeitsanbieter ist auf jedenfall nicht das Problem.
        Und mangelnder Wettbewerb sicherlich auch nicht.
        Und das Argument der Preis fuer Arbeit wuerde kuenstlich hoch gehalten und wuerde so ein Gleichgewicht verhindern, offenbart nur, dass, wenn sich ersteinmal ein Machtgradient etablieren konnte, dieser nicht vor “Angeboten” zurueck schreckt, die das Existenzminimum unterschreiten.
        -
        Das erschreckende an dieser Geschichte ist, das Marktfundamentalisten mit einem “Marktverstaendnis” hausieren gehen, dass hoeflich ausgedrueckt haarstraeubend ist.

        • Huthmann - 29. Dezember 2012

          Sehr geehrter Herr Trappe,

          Sie beschreiben – wie ich finde – sehr gut Ungleichgewichtszustände.

          Ein Ungleichgewichtszustand kann entstehen, wenn Geldschöpfung nachfragewirksam sich zu Konsum aus verfügbarem Einkommen addiert, um dann eine zu hohe Preisbildung hinsichtlich des Angebots am Gütermarkt zu erzielen.

          Ein anderes Ungleichgewicht kann entstehen, wenn nicht die Preisbildung nicht auf Augenhöhe erfolgt, d.h. auf einer Seite mit mehr Macht eine geänderte Preisbildung erzwungen wird.

          Das sind, wie ich finde, 2 sehr schön beschriebene Ungleichgewichte, die Fehlallokationen von Ressourcen nach sich ziehen und einen individuellen Wohlfahrtszuwachs bescheren, der auf Kosten anderer geht.

          Was die Machtkonstellationen anbetrifft entweder auf der Nachfrage- oder der Angebotsseite, so sind sie aufgrund eingeschränktem Wettbewerb entstanden. Ich glaube, daß das nicht weiter begründet werden muß.

          Was nun die Geldschöpfung (Nettokreditwachstum) anbetrifft, so meine ich auch, daß hier das Ungleichgewicht durch mangelnden Wettbewerb entstanden ist. Da muß man die Gedanken von Hayek einmal nachlesen, der sich über eine “gerechtere” Wettbewerbsordnung auf dem Geldmarkt viele Gedanken gemacht hat. Beispielsweise hat er dem Bankensystem die Hauptverantwortung für die Boost- und Bustzyklen zugewiesen, eben durch die expansive Geldschöpfung im Boom und die anschließende Zurückhaltung im Bust. Wenn nun die Banken für ein wichtiges Ungleichgewicht verantwortlich sind und wenn Ungleichgewichte weniger allgemeine Wohlfahrt als Gleichgewichte erzeugen, so sollte man sich verschärft darüber Gedanken machen, wie in Zukunft der Geldmarkt so organisiert werden sollte, daß auch hier mehr Wettbewerb herrschen kann (siehe Hayek z.B.)

          Letzten Endes werden wir hinsichtlich Geldmarkt die Nettokreditschöpfung der Banken genauer analysieren müssen hinsicht ihres Beitrages für die allgemeine nachhaltige Wohlfahrt. Und da meine ich, daß Mises und Hayek noch weiter verstanden und operationalisiert werden müssen. Zwei Stichtworte: ein zu niedriger Zins der in eine Überinvestitiosphases führt und zu wenig Wettbewerb auf der Geldangebotsseite. Beides ist der allgemeinen Wohlfahrt nicht zuträglich.

          MfG

  • Hunsrückbauer - 27. Dezember 2012

    hallo Holly,
    für Oligopolisten, die genug fehlallokariertes personal beschäftigen springt bei der Nachfrageschwäche die Politik ein, denn die generiert damit Wähler. Beim Angebots-Monopolisten gibt es weder fehlallokation, noch ineffizienz, der Angebotsmonopolist ein Schmarotzer, der nur dank Lobbyismus lebt. Ist er groß genug, d. h. bietet er genug abhängig Beschäftigten ausreichend “lim X > 0″ Lohn und Brot, wird immer der politische Staat einspringen und ihn erhalten, denn es geht um Wähler. Das “Spiel” wird immer absurder, weil bei jeder Runde die abhängig Beschäftigten schlechter bezahlt werden. Erst wenn die abhängig Beschäftigten so schlecht bezahlt werden, dass sie verrecken, wird der Lobbyismus den Monopolisten fallen lassen und einen anderen zum Wachstum verhelfen.
    Machen wir uns nix vor, die Mehrheit der Bevölkerung hat kein Interesse an solchen Fragestellungen und trotz Abitur offensichtlich auch nicht den Intellekt sich damit auseinanderzusetzen.

    • Holly01 - 27. Dezember 2012

      Ich wollte nicht schon wieder derartig polarisieren durch Überspitzung.
      Ganz kurz :
      Wenn 99% Zinsverlierer sind ohne sich dessen bewußt zu sein und 1% systematisch Zinsgewinner sind und sich sehr dessen bewußt sind dann werden diese 1% die Geldmasse dazu einsetzen dieses System zu erhalten.
      Die Zentralisierung von Information, um alle Diskussionen Grundlagenlos (in der Breite) zu machen ist Absicht.
      Die Politik ist gekauft. Die Entscheidungen sind absolut abhängig.
      Es ist völlig egal wie es “richtig” wäre, wenn die 1% sich die Leute, die ihnen nach dem Mund reden aussuchen und fördern können und im Gegenzug alle mißkreditieren, die unbequem sein (werden) könnten.
      Ich denke wir kennen alle die üblichen Verdächtigen die sich öffendlich permanent einsetzen, um die Öffendlichkeit zerstörerisch zu beeinflußen (um zu verdummen).

      Querschuesse muß aber doch wenigstens eine Möglichkeit haben eine Diskussion zu führen, in der man inhaltlich weiter kommt.
      Die absolute Keule zu schwingen macht da einfach keinen Sinn und zersetzt nur das Klima.

  • Traumschau - 27. Dezember 2012

    @Lottchen
    Vielen Dank für die Rückmeldung!
    Ich habe NOCH eine Frage. Können Sie noch … :-) ?
    Was ist Ihre Lösung der Probleme? Haben Sie eine Vorstellung von dem was getan werden müsste?
    Liebe Grüße
    Traumschau

    • Lottchen - 27. Dezember 2012

      Getan im Hinblick auf was? Das Umgehen mit der Theorie? Leute wie Flassbeck sollten sich darauf konzentrieren, die Fehldarstellungen und Fehlinterpretationen der neoklassischen Theorie herauszustellen anstatt auf einer Karikatur der Theorie herumzuhacken, die kein vernünftiger Ökonom vertritt. Damit könnte man marktradikalen Kräften weitaus wirksamer den Boden entziehen.

      Im Hinblick auf die Politik? Ich glaube nicht, dass man mit egal welcher Theorie die zerstörerischen Einflüsse des Lobbyismus in die Schranken weisen kann. Das scheint mir das größte Problem.

      • Huthmann - 28. Dezember 2012

        Dem zerstörischen Lobbyismus wird durch Definition und Umsetzung eines Ordnungsrahmen für die Wirtschaft Grenzen gesetzt. Der zerstörische Lobbyismus kommt dann an seine Grenzen, wenn die überwiegende Anzahl der Wirtschaftssubjekte ungerechtfertigte Privilegien einzelner Teilnehmer nicht mehr hinnehmen will.

        MfG

  • Frank - 27. Dezember 2012

    Das Finanzsystem ist ein Schneeballsystem !

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/12/27/boston-consulting-internationale-finanzwelt-ist-ein-schneeball-system/

    Man kann noch so viel philosophieren. Wahrscheinlich wird es nie gelingen die Elite, die das Finanzsytem beherrscht, zum Sturz zu bringen und ein gerechtes Geldsystem einzuführen.
    Seit Jahrhunderten läuft “dieses Spiel” doch bereits und ändert sich nicht.

  • klaus - 27. Dezember 2012

    Erst mal vielen Dank Herr Eichner.
    @SLE & @lottchen
    Das Evo-Modell dürfte wohl im Moment das geläufige sein.
    Und in einem Moment hat Lottchen Recht.
    Auch ich glaube nicht direkt an eine Veränderung
    der Wettbewerbsform am Markt.

    Mir stellt sich das ganze drehen an den Schrauben des Marktes
    wie ein unkontrolliertes Bäumeschütteln nach dem letzten Apfel dar.

    Ob das wieder mal das neue Positionspapier von Rössler ist oder
    vorherige Übungen mit Arbeitsmarktsliberalisierung, Krustenbeseitigung
    usw.
    Auch der Ruf nach dem Handeln ohne Tabu und Ähnliches zeigen,
    das nicht die Form des Wettbewerbs, sondern das Ziel im Zentrum
    des Ansatzes steht.
    Da offensichtlich die NeoClassic nicht als Dauermodell dient,
    fängt man bei Stagnation immer wieder mit neuen Modellen
    dieser Art an.

    Man zertrümmert also bewährte Strukturen, privatisiert und zockt ab.

    Wer heute seine 10Euro Praxisgebühr spart, zahlt morgen evtl. nicht
    mehr seine GKV ( zu 50 Prozent ) , sondern seine PKV ( zu 100 Prozent ).
    Inklusive einiger Stilblüten bei auf Betrug angelegten PKVs.

    Es wird nur an den bewährten Strukturen zerstört, vor allem weil
    sie auch rechtlich abgesichert sind und geht hin und bietet private,
    staatlich geförderte Modelle an, mit 0 Rechten für Verbraucher.

    Das Ganze wird als Freiheit verkauft und fertig.

    Sorry, wenn die Krise schon fast gepackt ist, lt. Schäuble,
    frage ich mich, wie brutal wir nach der Wahl die Politik erleben.

    So wie Junker bereits sagte. “Wir wissen wie man die Krise löst, wir wissen
    nur nicht, wie wir danach wieder gewählt werden.”

    Man wird also bis Januar 2014 warten, bis man uns das Fell über die Ohren zieht.

    Positionspapiere wie das von Rössler sagen alles.
    Ebenso Schäubles Pläne für 2014 die durchgesickert sind.

    Just my 2 Cents.
    klaus

  • JL - 28. Dezember 2012

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner,

    Rückblickend betrachtet gab es schon viele theoretische Wirtschaftmodelle, welch auch tatsächlich umgesetzt wurden.
    Ob nun Steinzeitkommunismus in Kambodscha, Maoismus in China, Sozialismus im Ostblock oder auch Franko- Faschismus in Spanien. Letztendlich sind alle „Modelle“ staatlich gestützt oder gefördert worden. Diese „Wirtschaftsmodelle“ sind aber schlussendlich alle gescheitert. Selbst die Marktwirtschaft der westlichen Welt steht vor einem Fiasko.

    Die eigentliche Frage ist also: Warum?

    Antwort:

    Ein Staat wird nur Wirtschaftsstrategin einführen, umsetzen oder erhalten, welche dem Eigeninteresse dienlich sind, also der Staat an sich Gewinne generieren kann und Profiteur ist. Es geht also tatsächlich nicht um Interpretationen wirtschaftlicher Regeln- sondern „nur“ um politische Egoismen und Machterhalt.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • klaus - 28. Dezember 2012

    Hallo Georg Trappe,

    ich hab hab sogar noch was Positives für die Eliten gefunden.

    Man erwartet, das die spanischen Hauspreise nochmal 30 Prozent fallen.

    http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/9768067/Spains-house-prices-to-fall-another-30pc-as-glut-keeps-growing.html

    Bald schwirren die Rechtsanwälte und Insolvenzverwalter dort unten
    wie in Griechenland und fallen über die SAREB her.
    Die gesamten Doubtful loans werden wohl vollstreckt.

    Sowas ist schlimmer, wie die Anopheles-Plage in Afrika.
    Ich komme immer noch nicht dahinter, wie das einen
    Gesamt-Europäischen Frieden bringen soll.
    Es macht uns eher so verhasst, wie unsere Politiker.

    Die haben ja sicher etwas mit der Bild vergleichbares.

    Gruß klaus

  • klaus - 28. Dezember 2012

    Hab noch was Gutes gefunden.

    Eine schöne Betrachtung zur Fiskal-Klippe in den USA.
    Verteilung Reichtum…
    Einkommenszuwächse von 1917 .. Heute ( Normalo/Reich )…

    http://www.zerohedge.com/news/2012-12-26/guest-post-structural-endgame-fiscal-cliff

    Dann die Betrachtung was passiert bei Erreichen der Fiskal-Klippe.

    http://www.peakprosperity.com/insider/80345/what-will-happen-when-hit-fiscal-cliff

    Kein Wunder, das Obamas Urlaub kurz war.

    Gruß klaus

  • Walter - 28. Dezember 2012

    Soviel Theorie!!!
    Wenn ich das so lese, was hier geschrieben wird, nicht alles versteh ich, habe nicht einmal Abitur, dann fällt mir ein was der zweitweiseste Mensch der je auf der Erde gelebt hat, zu den menschlichen Bemühungen gesagt hat:”Der Mensch hat über den Menschen zu seinem Schaden geherrscht.”
    Das war zur Zeit Salomos so und hat sich bis Heute nicht geändert.
    Da kann man, egal mit was für angebliche Weisheit von vielen Theoretikern argumentieren.
    Es führt nur zu nichts.
    Es grüßt, Walter

    • SLE - 28. Dezember 2012

      Hallo Walter,

      das dient nur dazu, besser zu verstehen, was geschieht. Es sind Erklärungen. Denn Sie stimmen vielleicht mit mir darin überein, dass Sie solche kritisch-analytischen und unabhängigen Erklärungen weder von Politikern – quasi als Beipackzettel zu deren Entscheidungen und Maßnahmen – noch in ausreichendem Maße über Presse und Medien bekommen. Wem können und wollen Sie was glauben, wenn Sie selbst die Materie nicht gut genug kennen?

      Viele Grüße und vielen Dank für Ihren Kommentar
      SLE

  • Huthmann - 28. Dezember 2012

    Sehr geehrter SLE,

    Ihr evolutorisches Modell ist allgemeiner ist als das Modell, das Sie als funktional beschreiben. D.h. es deckt mehr Zustände und Zustandübergänge ab.

    Wenn man davon ausgeht, daß das Bemühen nach Wohlstandsvermehrung ein heuristischer Prozeß ist, d.h. den Gesetzen von Trial and Error gehorcht, dann können Strategien als Heuristiken mit Vorschaucharakter alle möglichen Ergebnisse erzielen, also von Verbesserung bis Verschlechterung. Dies gilt für alle Planung unter Ungewißheit.

    Was folgt daraus: kein Produkt, keine Marktverfassung, kein Wettbewerbtyp ist langfristig stabil. Also keine Sorge: selbst ein to big to fail ist nur vorübergehend, da auch unter ständiger Beobachtung.

    Zu den verschiedenen Wirtschaftstheorien. Lottchen möge doch einmal erläutern, welches Modell am Ehesten der Realität gerecht wird. Dies setzt voraus, daß man die Theorien kennt aber auch die Realität, die sie abbilden sollen. Also Lottchen, hilf uns doch einmal da weiter!

    Ich bin ja immer noch auf der Suche nach einem Modell nach der Finanzkrise und bin sehr dankbar, wenn mir da jemand weiterhilft.

    MfG

  • Norbert Nelte - 28. Dezember 2012

    Sehr geehrter Herr Otto Normalverbraucher,
    es muss ihrer Feststellung von 1,5- 2,5% Wirtschaftswachstum unbedingt widersprochen werden. Mir liegen die Wachstumsraten des Statistischen Bundesamtes vor. Demnach entwickelten sie sich folgendermaßen im 10-Jahres-Durchschnitt:
    50er Jahre – 8,2% (wie China)
    60er – 4,6%
    70er – 2,9%
    80er – 2,6%
    90er – 1,7%
    2000 – 0,6%
    Für die 2010 ist deshalb mit einer Schrumpfung zu rechnen, was ja schon mit der Schrumpfung 2009 von -5,0% eingeläutet wurde. Dies hat
    1. mit der von Rosa Luxemburg in ihrer „Nationalökonomie“ festgestellten Verengung der Märkte zu tun.
    2. Mit dem von Karl Marx festgestellten „Tendenziellen Fall der Profitrate“ (Profit = Gewinn + Zinsen), die sich im produktivem Kapital in Deutschland schon bei durchschnittlich 1% bewegt, also weit unter dem Finanzmarktzinssatz.
    3. Die ist der organischen Zusammensetzung des Kapitals geschuldet, die in der Industrie schon 93% konstantes Kapital (Maschinen) zu 7% variablem Kapital (Löhne) erreicht hat, bei VW sogar schon 4% Lohnanteil. Und Lohn ist die wesentliche Quelle des Mehrwerts. Dumm nur, dass man den wegrationalisiert hat.

    Kurz nur, Europa ist schon wieder in der Rezession und Deutschland dann 2013. In China stehen 64 Millionen Wohnungen leer. Diese Blase wird spätestens 2015 platzen und dann kommt es zum 3. -5%-Crash. Dies wird leider zur stetigen massiven Schrumpfung des Industrieoutputs führen, die 2100 auf Null gefahren ist (Lt. Harvard Mit-Forschungs-Institut)
    Das grandiose ist nur, dass der Schäuble so geschickt mit Soffin und Hedonik die Statistik fälscht (Arbeitslose, BIP, Inflation, öffentliche Schulden), dass der deutsche Michel weiter schlafen kann. Nur die Aufwachphase, auweia, dann hilft auch kein „Paradigmenwechsel“, dann muss ein neues Gesellschaftssystem ran, die wirkliche basisdemokratische Plangesellschaft von unten.
    Guten Rutsch wünsch ich allen und nicht o eine harte Landung

  • Huthmann - 28. Dezember 2012

    Ich persönlich halte die verschiedenen Modelle der Ökonomen für hilfreich, um zu erkennen, was ggf. richtig gedacht wurde und was nicht. Natürliche aus meiner eigenen bescheidenen Erkenntnisfäpahigkeit heraus, die sich im Diskurs mit anderen ständig weiterentwickeln kann.

    Was fehlt in diesen Modellen scheint mir folgendes zu sein:

    die Rolle des Kredits für die positive wie auch negative Entwicklung von Wohlstand für alle. Einen Kredit aufzunehmen bedeutet für mich zu erst einmal, fähig zu sein diesen Kredit zu tilgen und die Zinsen für den Konsum- oder Investitionsverzicht eines anderen zu begleichen. Wenn dieser Kredit nicht zurückbezahlt werden kann, dann muß das Konsequenzen für Kreditnehmer wie auch Kreditgeber geben. Das Kreditgeschäft ist keine Spaßveranstaltung sondern kann nur von Menschen angegangen werden, die in hohem charakterlichen wie auch sonstigem Maße geeignet sind, alle möglichen Konsequenzen im Sinne von Verantwortung und Haftung auch zu ertragen.

    An den Kreditnehmer wie auch Kreditgeber sind also sehr hohe Anforderungen zu stellen. Welche weiteren Restriktionen sind an beide Seiten zu stellen. Eigentlich keine. Wenn man noch pädagogisch noch weitergehen kann, dann kann man aus der Historie Informationen geben, welche Investments mit Krediten eine Chance haben, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Die am höhesten zu bewertende Schule für beide Seiten ist die Fähigkeit eines Kreditnehmers bewiesen zu haben, als Unternehmer erfolgreich gearbeitet zu haben und Kredite bereits genommen und zurückbezahlt zu haben. Diese Schule ist eine sehr harte Schule, von der sich viele überhaupt keine Vorstellung machen können, da bisher nur in angestellten Verhältnissen teilweise mit fester Gehaltsgarantie (Staatsdiener) gelebt. Diese Schule ist meiner Ansicht nach die bester Vorraussetzung dafür, daß Kredite sinnvoll für das Allgemeinwohl eingesetzt werden. Wenn man das einmal erlebt und verstanden hat, dann braucht es viele Diskussionen nicht mehr.

    MfG

    • SLE - 28. Dezember 2012

      Was die Rolle des Kredits anbelangt, so kann ich Ihnen dazu den folgenden Aufsatz von Steve Keen wärmstens empfehlen:

      http://www.paecon.net/PAEReview/issue57/Keen57.pdf

      Grüße
      SLE

      • Huthmann - 28. Dezember 2012

        Keen kenne ich gut und habe ihn in diesem guten Forum schon das eine oder ander Mal empfohlen.

        Ich folge ihm vollständig in seinen Analysen, daß das Nettokreditwachstum (ja Beschleunigung dessen = Akzelerator) unser Wachstum künstlich vorwärts getrieben hat und daß das wohl die Hauptursache für unsere heutige Sucht nach weiterem Nettokreditwachstum ist,

        Trotzdem gilt es zu sagen, daß Kreditaufnahme nicht nur durch den “aufdrängenden” Kreditnehmer erfolgt sondern durch den Kreditnehmer. Einen Kredit aufzunehmen zum eigenen Wohlstand ist schon eine höchst anspruchvolle Sache und bedarf alles anderem als Leichtsinn. Einen Kredit aufzunehmen um höheren Wohlstand für alle zu generieren bedarf einer noch höheren Schulung (Unternehmer).

        Solche extrem trivialen Erkenntnisse werden offen vergessen in der Diskussion weil nachfragevernebelt.

        MfG

        • Huthmann - 28. Dezember 2012

          Meinte “aufdrängenden” Kreditgeber.

          MfG

        • Georg Trappe - 28. Dezember 2012

          Wie interpretieren Sie dann dieses interessante Bild?
          http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/09/ein-interessantes-bild.html

        • Georg Trappe - 28. Dezember 2012

          By the way. Bei der Kreditvergabe durch Banken hat der jeweilige Kreditausschuss das letzte Wort und nicht der Kreditnehmer. Der kann Maenchen machen soviel er will, wenn der Kreditausschuss Nein sagt dann ist Nein. Und damit ist dann zumindes in meinem Verstaendnis klar wer Verantwortung traegt und wer haftet (haften sollte), wenn die Sache schief geht.
          -
          Waehrend eines “Wirtschaftswunders” Hypotheken zu vergeben, die eine Beleihung von 60% des Immobilienpreises darstellen, wie in den fruehen 60ern ueblich, halte ich fuer verantwortungsvoll. 100% Beleihungen in Zeiten in denen Jobs reihenweise nach China exportiert werden sind der reine Wahnsinn. Und wenn deutsche Banker sich solche Aktiva im grossen Stil (xxl Mrd.) von ihren Wall Street Kollegen haben aufschwaetzen lassen, dann gehoeren die in den Knast aber auf gar keinen Fall unter Rettungsschirme oder nach Mallorca zum Immobilien vertickern.

          • Ert - 28. Dezember 2012

            Herr Prof. Werner (Princes of the Yen) führt in einem weiter unten verlinkten Interview an, das u.a. in Japan mittels Geldmengensteuerung per “Order-Mufti” die Kreditsachbearbeiter Anweisung hatten bestimmten Mengen von Krediten in dem Markt zu pumpen – Sicherheiten waren da sekundär, da das Volumen gezählt hatte.

            Herr Werner hat sich dann bis zur ZB durchgefragt wer den nun hinter dieser Anweisung stand – weil jede Ebene auf eine Ebene höher verwiesen hatte. Und auch in der ZB wurde er wieder verwiesen……

            Will heissen: Hinter den Aktionen der einzelnen muss kein “rationell” ersichtlicher Grund liegen.

          • Georg Trappe - 29. Dezember 2012

            @Ert
            Aber das eine oder andere Motiv, Incentive, Bonilein darf man doch vermuten, oder?
            Immerhin hat die deutsche Finanzindustrie der deutschen Volkswirtschaft 2010 130 Mrd. fuer das treuhaenderische fuehren der Buecher berechnet. Das sind 25% des Gesamtsteueraufkommens und enthaelt noch keine Bailouts etc.:
            http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/10/darf-es-auch-etwas-mehr-sein.html

          • Huthmann - 29. Dezember 2012

            Sehr geehrter Herr Trappe,

            ihre Schaubilder sind sehr aussagekräftig. Was aber ist daran neu? Ich wiederhole den allgemeinen Kenntnisstand:

            - die Wiedervereinigung wurde auf “Pump” finanziert
            - der Boom im Süden von Europa wurde im Wesentlichen auch durch deutsche Banken finanziert

            Daß Banken für Boost und Bust eine Hauptverantwortung haben, habe ich oben beschrieben.

            Mein Kommentar zum Kreditnehmer sollte einfach auf die Tatsache noch einmal eingehen, daß selbst wenn Banken mit frisch eingestellten und in wenigen Tagen angelernten “Kreditverkäufern” auf die Pelle rücken, dann muß ich immer noch für mich entscheiden, ob ich einen Kredit auch aus mir heraus tilgen kann. Das erwarte ich von einem Kreditnehmer genauso wie ich von einem reifen Menschen erwarte, daß er selbst wenn Alkohol überall angeboten wird, nicht zum Alkoholiker wird. Rechte und Pflichten müssen wieder ins Lot gebracht werden, auf allen Ebenen, sont wird das nichts. Andere sagen dazu: Werte.

            MfG

          • Ert - 29. Dezember 2012

            Sie schreiben: “Aber das eine oder andere Motiv, Incentive, Bonilein darf man doch vermuten, oder?”

            Ja, aber das gilt nur als Ausführungsmotivation für die “unteren” Ebenen, die aber gar nicht wissen was mit diesen Anreizen – die nur der Steuerung dienen bezweckt werden soll.

            Die Frage ist immer: Was oder wer ist der Stuermann und welche Ziele hat dieser. Im Falle von Japan war es die explizite Herbeiführung einer Krise (So Prof. Werner!) – die dann Zweck und Mittel sein sollte die Japanische Nachkriegswirtschaft fundamental umzubauen.

            Und genau hier sehe ich, für meinen Teil , Parallelen in Europa – um das zu Erklären was aktuell passiert.

          • Georg Trappe - 29. Dezember 2012

            Sehr geehrter Herr Huthmann,

            das mit den Werten, der Verantwortung und vor allen Dingen mit der Haftung ist halt so eine Sache. Ich hoere seit ich denken kann sog. Liberale nur davon reden. Leider sehe ich aber nicht, dass den Worten auch Taten folgen. Woran liegt das? Stehen sog. Liberale ueber dem Gesetz oder gilt noch die Gleichheit vor dem Gesetz? War mit Freiheit Freiheit von Tyrannei oder Freiheit zur Tyrannei gemeint? Und unter Bruedern, Hayek und Mises sind an einigen ganz entscheidenden Ecken aeusserst suspekt. So suspekt, dass ich mich nicht darauf berufen wuerde.
            -
            Aber zur Sache. Aus Sicht der Kreditnehmer passiert eben schnell und in den letzten dreissig Jahren gehaeuft dieses:
            http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/11/der-haken-der-geschichte.html

            MfG

        • Georg Trappe - 29. Dezember 2012

          Und hier noch ein Tip zum Thema Model Entwicklung:
          http://tandemvipera.blogspot.com/2010/10/dead-man-walking-v-zur-mathematischen.html

        • SLE - 29. Dezember 2012

          Das ist richtig. Keen hat in dem genannten Aufsatz beides herausgestellt und voneinander unterschieden.

          Grüße
          SLE

    • Holly01 - 28. Dezember 2012

      Ich empfehle Ihnen ein Video, in dem Hr. Hofer sehr klar macht, wie unser Geld funkioniert.

      https://www.youtube.com/watch?v=5KjUfxIRCYc

      Man kann recht gut ableiten, daß unser Geldwesen ein Selbstbetrug ist.
      Geld wird geschöpft, Zinsen nicht.
      Da Zinsen zurückgezahlt werden müssen werden systematisch Sicherheiten in Höhe von Zins und Bearbeitungsgeühr eingezogen.
      Das ist eine kalte Enteignung, die von den Kunden betrieben wird und den Banken systematisch diese Enteignung ermöglicht.

      Ist das nun ein Mangel der Ökonomie oder ist das ein Mangel an Menschenverstand?

  • Traumschau - 28. Dezember 2012

    Hallo zusammen, speziell @Frank
    hier ein Link zur Kreditschöpfung bzw. zur Rolle der Zentralbanken, Monetative, etc. Interviews von Prof. Werner, Huber, Peukert und Kumhof – sehr empfehlenswert:
    http://www.geldsystempiraten.de/wp/matthias-garscha-neue-interviews-mit-kumhof-werner-peukert-huber/

    Liebe Grüße
    Traumschau

  • T.o.J. - 28. Dezember 2012

    Aus dem Artikel und den Kommentaren liest man heraus das wir zu der “philosophischen” Frage gelangen ” Inweifern sind wir schon die Sklaven unseres (Theorien) Handelns”???

    Soll der Mensch der Wirtschaft (Oekonomie) dienen (nutzen) oder die Wirtschaft dem Menschen dienen (nutzen)???

    Es sind hauptsaechlich die “Geister welche wir mit diesen “Theorien” zum leben erweckten und uns heute vor unueberwindbaren Problemen stellen….und wie jedem bewusst sein sollte sobald die Oekonomie und die Wirtschaft nur noch sehr wenigen “Interessen” dient und die Masse immer weniger davon hat umso eher ist die Wahrscheinlichkeit das es Aufstaende und Kriege geben wird!!!

    • SLE - 30. Dezember 2012

      Hallo T.o.J.,

      jeder Erklärungsansatz für die wirtschaftliche Realität bzw. jede ökonomische Theorie basiert auf Hypothesen. Ohne Erklärungsansatz ist auf die Wirtschaft bezogenes Handeln schwierig, weil die Folgen des Handelns dann nicht absehbar sind. Ein pragmatisches Vorgehen, dass die in Daten erfasste Vergangenheit einfach in die Zukunft fortschreibt, ist nur so lange problemlos möglich, wie die wirtschaftliche Realität nicht von Turbulenzen, sprich z.B. von tiefen Krisen gekennzeichnet ist. Doch selbst wenn das nicht der Fall ist, sind solche Erklärungsansätze Schlüssel zur Interpretation dessen, was in der Realität passiert und wohin sich die Dinge entwickeln.

      Wenn Theorien als Erklärungsansätze und Handlungsorientierung akzeptiert werden, obwohl sich wesentliche Hypothesen, auf denen sie fußen, längst als widerlegt herausgestellt haben, dann sind sie zu einem Dogma geworden.

      Das heißt, wir sind nicht Sklaven unseres Theorien-Handelns, sondern zu Skalven von Dogmen gemacht worden.

      Der größte Feind einer Theorie ist stets eine bessere Theorie, die uns die Realität und vor allem die Entwicklung der Realität besser zu verstehen und damit umzugehen hilft. Nichts anderes ist es, was eine Theorie will. Wer trotz nachweislich vorhandener, gravierender Fehler an einem Erklärungsansatz festhält, der will nicht die Realität besser verstehen oder das eigene, darauf bezogenes Handeln im Sinne einer besseren Realität nutzen, sondern seinen darauf gründenden Besitzstand wahren.

      Sich davon zu befreien, kann doch eigentlich nur das Ziel sein und dafür ist es wichtig zu verstehen, wie erklärt wird, was davon falsch, was Dogma ist und wohin es führt, wenn sich das Handeln daran orientiert und welche alternativen, besseren Erklärungen/Theorien es gibt.

      Das ist es, worauf der Aufsatz aufmerksam machen will.

      Viele Grüße
      SLE

  • webmax - 28. Dezember 2012

    Liebe Leute, so wird das nix! Wenn schon die Definition der Begrifflichkeiten den “Experten” solche Schwierigkeiten macht, wie soll der einfache Malocher das dann beurteilen können?

    Richtig ist auch in komplexen Markt-Strukturen wie unseren das EINFACHE.
    Nehmen wir als Grundlage die Gier und das Sicherheitsbedürnisder Menschen, dann werden wir dies erkennbar aus der menschlichen Natur nicht ausmerzen können.

    Dann bleibt nur noch der ZINS(eszins), welcher [b] ursächlich über Jahrzehnte [/b] die – anfangs unaufällige – Verschiebung von Kapital von unten nach oben und die folgende Umwandlung bei Kapitaleignern in crashresistentes Sachwertvermögen erlaubt.

    Der muß weg (was unserer vGesellschaft den unsäglichen, debitistischen Zeit- und Kostendruck durch falsches Nachschuldner-Wachstum nähme), zugunsten von Sachwertbeteiligungen mit Erträgen (ähnlich der aktiendividende) – aber mit Verlustrisiko. Nur so wird das was werden.

    • Huthmann - 28. Dezember 2012

      Der Zinseszins kann real auch negativ werden wie jede Investition, die nicht glückt, im Extremfall zum Totalausfall führen kann. Insofern erzeugt der Zinseszins nur dann ein exponentielles Vermögens- und vice versa Schuldenwachstumg, wenn er nicht durch ein Überangebot durch Geldangebot z.B. sich wieder reduziert. Auch Steuern können diesen Effekt haben. Das bitte nicht vergessen.

      MfG

  • Holly01 - 28. Dezember 2012

    Ich bin hier einem Link gefolgt und hier gelandet :

    http://www.youtube.com/watch?v=Gvbo7xJ-lvU&feature=youtu.be

    klasse.
    Das dürfte erklären, warum Theorien gut sind, aber die Umsetzung so mies ist.

  • Traumschau - 28. Dezember 2012

    Hallo nochmal,
    hier der LInk zu den Interviews UND Vorträgen der o.g. Herren:
    http://www.youtube.com/Monetative?hl=de&gl=DE

    Liebe Grüße
    Traumschau

    PS.: @Lottchen: Schauen Sie sich bitte mal das Interview mit Prof. Werner an. Wenn das was dieser Mann erzählt und auch bewiesen hat, nicht nach einer groß angelegten Verschwörung riecht, dann weiß ich auch nicht mehr was eine Verschwörung dann überhaupt noch sein soll …

    • Ert - 28. Dezember 2012

      Danke für die Links – Werner ist sehr gut! Verfolge Ihn seit ich Princess of the Yen (leider nur teilweise) gelesen habe. Selbst nach lesen von nur teilen hat man auf einmal einen ganz anderen Blick auf das geschehen und die vielen Ebenen die die nach außen unerklärlich scheinenden Handlungen begründen.

      Man fühlt sich an Lems Futurologischen Kongress erinnert – jedes mal denkt man dies sein nun entgültig die finale Realität….

  • Benu - 28. Dezember 2012

    Es ist doch jedesmal erfrischend, mit neue Krisenerklärungen konfrontiert zu werden. In diesem Fall ist der Autor aber offensichtlich auf der richtigen Fährte, indem er das das Stichwort „Oligopol“
    in die Debatte wirft.
    In einem Oligopol vereinte „Global Player“ werden von einem Doppelinteresse geleitet. Zum einen gilt es, die gemeinsamen Ziele der Branche zu verteidigen, zum anderen ist jeder bemüht, seinen Marktanteil jeweils auf Kosten der Kontrahenten zu vergrössern. Dieser Zwiespalt lässt sich vergleichen mit Brüdern, die sich regelmässig prügeln, aber bei Kämpfen mit Aussenstehenden zusammenhalten.
    Demgemäss kann es durchaus von Vorteil sein, neue technische Verfahren auf den Markt zu bringen wie in dem vom Autor beschriebenen Fall von Toyota. Die Gefahr eines Gegenschlags der Konkurrenz soll allerdings nicht unterschätzt werden. Ausserdem entstehen Misstrauen und Argwohn – keine gute Grundlage für „vertrauensvolle Kooperation“.
    Ebenso problematisch ist der Ausbau von Produktionskapazitäten durch einen Konkurrenten bei nahezu stagnierender Nachfrage, weil dadurch der Preisdruck erhöht wird. So haben zum Beispiel die skandinavischen Zelluloseproduzenten für jedes in Lateinamerika und in China errichtete Werk entsprechende Produktionsanlagen in Europa geschlossen, obwohl die Belegschaftsvertreter nachweisen konnten, dass diese Stätten Gewinne erwirtschafteten.

    Die überragende Stellung der global tätigen Oligopole hat allerdings nicht nur den Effekt, dass potentiell mögliche und dem Allgemeininteresse dienende technologische Entwicklungen blockiert werden, sondern sie hat auch einen erheblichen Anteil an den wachsenden Einkommens- und Vermögensunterschieden. Ein multinationales Unternehmen handelt nämlich wie jeder andere Marktteilnehmer – es ist bemüht billig einzukaufen und teuer zu verkaufen.
    Beim Einkauf spielt der Preis für die Arbeitsleistung eine entscheidende Rolle. Wenn deren Anteil in der unmittelbaren Produktion auch oftmals gering ist, so sind die Lohnkosten in entsprechend grösserem Mass in den Rohstoffen und Halbfertigwaren, bei Forschung, Marketing, Transport und anderen Dienstleistungen enthalten. Auch sind Steuern und andere Abgaben eine erhebliche Belastung, ebenso Auflagen etwa in den Bereichen Arbeits- und Umweltschutz. Die Globalisierung ermöglicht es nun, Arbeitskosten und andere Belastungen erheblich zu senken.
    Um diesen Vorteil zu nutzen, bedarf es allerdings nicht unbedingt eines Oligopols. Aber der kluge Marktteilnehmer will ja nicht nur billig einkaufen, sondern auch teuer verkaufen. Es ist also nach Kräften bemüht, den durch die Verbilligung der Produktion erlangten Preisvorteil nicht an die Konsumenten weiterzugeben. Und hierbei ist ein Oligopol durchaus dienlich. Dies bedarf keiner konkreten Preisabsprachen, wenn auch solche zuweilen an das Licht der Öffentlichkeit dringen. Es reicht eine stille Übereinkunft, etwa bei der Vermeidung von Überkapazitäten oder der Aufteilung von „Interessenszonen“. Dies verhindert natürlich nicht, dass es innerhalb eines Oligopols Machtverschiebungen gibt, dass sogar neue „Player“ hinzutreten und alte herausfallen. Wie solche Konflikte im Interesse aller Beteiligten optimal bewältigt werden können, dazu bietet die Spieltheorie ein reiches Angebot an Überlegungen und Verhaltensstrategien.

    Unterstellt man aber, dass die „Global Player“ die Marktbedingungen sowohl auf der Einkaufs- als auch auf der Verkaufsseite gezielt manipulieren, dann wäre es töricht anzunehmen, dass sie sich nicht massiv darum bemühen würden, Einfluss auf die Politik zu nehmen.
    Schaut man sich die Politikergarde heute an, dann fällt es schwer zu glauben, dass sie ihre wirtschaftlichen Beschlüsse theoretisch begründet – wie der Autor nahezulegen versucht. Vielmehr werden die Politiker von Sachzwängen getrieben, und demgemäss erscheinen viele Entscheidungen als „alternativlos“. In Europa mögen den einen oder anderen Politiker noch Gewissensbisse begleiten, wenn er sich dem Druck der Lobbyisten beugt und Beschlüssen zugunsten der Wirtschaftsgiganten seine Zustimmung gibt, etwa um den „Standort Deutschland“ zu sichern. Hingegen sitzen in den USA die Vertreter der Wirtschafts- und Finanzoligarchie direkt in den entscheidenden Gremien.
    Wenn es auch gegenwärtig illusorisch erscheint, politische Veränderungen in grösserem Umfang herbeizuführen, so will ich dennoch dem Autor für seine Betrachtungen danken. Wie die Geschichte mehrfach unter Beweise gestellt hat, sollte die Macht von Ideen nicht unterschätzt werden.

  • klaus - 29. Dezember 2012

    Hat eigentlich noch jemand Basel3 im Hinterkopf?

    Das große Zwangsversteigern wird wohl im Januar losgehen.
    Da wird wohl deftig geschreddert.
    Mal sehen wer alles noch nicht die 9 Prozent Kern-Kapital vorweisen kann.
    Steuerzahlerhilfe wird wohl ausgeschlossen.
    Ob dann ein Trick erforderlich wird?

    http://www.bloomberg.com/news/2012-09-11/deutsche-bank-overhaul-leaves-firm-trailing-peers-on-capital.html

    Und die neuen 5 Euro-Scheine kommen.

    Sieht aus, als ob alles übel aussieht im Wahljahr.
    Während Fastnacht gefeiert wird, geht wohl das Schreddern an.

    Ob das alles so zum Wachstum hilft, werden wir sehen.

    • Ert - 30. Dezember 2012

      Ja.

      Basel2 war ja schon ein Dolchstoss – also ein Treiber für die aktuelle Krise. Bin mal gespannt was Basel3 ausrichten wird. Dann werden die Banken noch kreativer werden um die Renditen zu erzielen – also wohl noch mehr Risiken eingehen und anderer Verdecken.

      Das alles sieht aus wie von langer Hand aus vorbereitet…. Belohnungssysteme steuern die Akteure der unteren Ebenen.

      • SLE - 30. Dezember 2012

        Nur als Ergänzung: Aus meiner Perspektive war schon Basel II eigentlich auf die Belange der Großbanken und der Großunternehmen zugeschnitten und im Hinblick auf Innovation und Wachstum absolut kontraproduktiv.

        Grüße
        SLE

  • jes - 30. Dezember 2012

    Ein hervorragender Beitrag! Danke. Die Wettbewerbsstrategien nach Porter wurden andauernd kritisiert und auch jeder Laie, der sich Porters Strategien anschaut, kann kein Abbild zur Realität finden. Ihre Überlegungen und Ansätze haben wenigsten Bodenhaftigkeit und spiegeln die Realität wider. Der heutige Wettbewerb ist ja kein Wettbewerb mehr. Erinnerung an Henkel , P&C, Unilever, Palmolive-Colgate…..In der Konsumgüterindustrie gibt es fast nur Preisabsprachen!
    Zur Kostenführerschaft: Spontan fällt mir Ryan-Air und Aldi ein, ein Wechsel zur Differenzierungsstrategie wäre das Ende der Unternehmen.
    Aber die Evolutionsökonomik an und für sich ist ja nichts neues.
    Beeinflussung durch Hayek und Schumpeter. Weiterhin spielt die Principal-Agent theory eine enorme Rolle. In der heutigen Zeit besteht das Hauptproblem in den Asymmetrien des Wissens und der Information, nicht nur zwischen pricipal und agent, trotz einer Informationsfreiheit, noch ohne ZENSUR! Wissensasymmetrien herrschen In jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Leider werden wir ohne Ende beeinflusst, wissen teilweise gar nicht mehr, was wir wissen, trotz des www und einer guten Bildung. Manipulation durch die Massenmedien, ist nicht mehr erwähnenswert.
    Der Ansatz von Kirzner des findigen Unternehmers find ich persönlich sehr interessant.
    Kleines Gedicht von Frank Wedekind zum Jahreswechsel: passender auf die heutige Zeit betrachtet, geht es schon nicht mehr!

    http://www.garten-literatur.de/Leselaube/wedekind_silvester.htm

    • SLE - 30. Dezember 2012

      Hallo jes,

      danke. Ich bin froh zu erfahren, dass man das so aus dem Aufsatz herauslesen kann. Das Gedicht ist im Übrigen wirklich sehr treffend. Ich musste daran denken, dass dazu heute auch der Slogan “Mehr Freiheit wagen!” als Überschrift passen und als schaurig zynisch empfunden werden müsste. “Etikettenschwindel” ist angesichts der realen Entwicklung m.E. leider eine verharmlosende Bezeichnung für diesen “Wahlkampf-Schlachtruf”. Das Gedicht hat viele Leser verdient.

      Viele Grüße
      SLE

  • Huthmann - 30. Dezember 2012

    Sehr geehrter Herr Trappe,

    wie müßte Ihrer Meinung nach Geldschöpfung- und Geldvernichtung in bestehende Makromodelle z.B. neoklassisch integriert werden.

    Eine Begrenzung Nettoinvestitionen = Sparvolumen ist ja nicht völlig abwegig, weil es einfach bedeutet, daß man zukünftiges Sparvolumen heute nicht ohne trifftigen Grund zur Finanzierung einsetzen sollte (gerade auch mit Rücksicht auf die zukünftige Generation). Allerdings läßt sich die Finanzierung von Entwicklungschancen nicht auf das heute vorhandene Sparvolumen begrenzen. Wäre dem so, dann würde das mögliche Wachstum sinnlos abgebremst. Die andere Seite ist die, deren Konsequenzen uns heute so Kopfzerbrechen bereiten. Eine Finanzierung seit Keynes von unzähligen nicht Wohlfahrtsfördernden Maßnahmen, besonders in den letzten 3 Jahrzehnten durch ungezügeltes Nettokreditwachstum, geflossen in hohem Maße in Assetpreiserhöhungen (siehe Keen).

    Durch welche bessere Organisation der Geldschöpfung und -Geldvernichtung erreichen wir eine nachhaltigere allgemeine Wohlfahrt, in der wir heute unsere Chancen nützen können, aber nicht Sparvolumen zukünftiger Generationen leichtsinnig “verbrennen”,

    MFG

  • lebowski - 30. Dezember 2012

    Mir will einfach nicht einleuchten, wieso man mit aller Gewalt die Marktwirtschaft wieder ans Laufen bringen will, statt sich nach einem besseren Wirtschaftssystem umzusehen. Die Marktwirtschaft ist ja keine Naturkraft sondern menschengemacht.
    Was soll das bspw.mit dem Wettbewerb? Wettbewerb mag für die Mac htbalance der Marktteilnehmer gut sein; für diejenigen, die diesen Wettbewerb bestreiten ist er eine Katatstrophe. Für die Verlierer ohnehin, aber mittlerweile auch für die Sieger im globalen Rattenrennen um Marktanteile, die für ihre Siege zunehmend mit ihrer Gesundheit und ihrem privaten Glück bezahlene müssen.
    Was spricht gegen ein kooperatives Wirtschaftsmodell statt einem konkurrenzbasierten?

    • SLE - 30. Dezember 2012

      @ lebowsky

      Wettbewerb ist, wenn er so abläuft, wie er ablaufen soll – und empirisch nachgewiesen auch kann – und nicht so, wie er es gegenwärtig tut, ein sehr faires Verfahren der Ordnung von Märkten. Es ist zudem eines, das Leistungsanreize bietet und damit zur Entwicklung der Wirtschaft insgesamt führt. Es liegt offensichtlich an den Voraussetzungen, dass er das gegenwärtig nicht tut. Wenn man sich die Finger beim Anzünden eines Streichholzes verbrennt, spricht das dafür, Streichhölzer abzuschaffen? Aber natürlich sind andere Modelle möglich und auch über kooperative Formen wird diskutiert. Wie sieht denn Ihr Vorschlag dazu aus?

      Grüße
      SLE

  • lebowski - 30. Dezember 2012

    Gute Frage!
    Einen Masterplan habe ich nicht in der Schublade!
    Generell bin ich skeptisch, was Vorschläge angeht, die die jetzigen Probleme allein über das Geldsystem regeln wollen.
    Erste Schritte müssten darin bestehen, lebenswichtige Bereiche dem Markt zu entziehen.
    Dabei müsste auf dem, was vorhanden ist, aufgebaut werden.

    Hier liefert das linksnetz gute Ansätze:
    http://www.linksnet.de/de/artikel/18754

    Weiterhin kann man sich natürlich auf Erfahrungen im kooperativen Produzieren stützen, wie sie schon im Softwarebereich mit Open-Source gemacht wurden .
    Also Ökonux + Allmende:

    http://keimform.de/

    Das nur so als erste Vorschläge.

    Gruß
    lebowski

  • Holly01 - 31. Dezember 2012

    Die Verzerrungen liegen ja nicht an der Marktwirtschaft ansich. Es sind ja Partikularinteressen der Banken, die mehrfach eingreifen (Eigner per Aktien, Investor per Kredit) und politische Wünsche und Animositäten, dei den Markt vollkommen verzerren.
    Die Marktwirtschaft würde an diesem Punkt dazu führen, daß die Teilnehmer mit weit aus geringeren Zinslasten und schnellen und kleinen Einheiten die Oligopole aufbrechen.
    Aber genau das wird ja verhindert. Es ist alles politisch überlagert.
    Die nationalen Champinions sind heilige Kühe.
    Die Banken unterlaufen alle Versuche von Kreativität.
    Die immer wieder auftauchenden Geschichten von Ideen und Patenten, die bei einer Bank für eine Geschäftsidee vorgetragen wurden, um dann von Großkunden der Bank umgesetzt zu werden, sind (nach meiner Meinung) keine Märchen.
    Markt wäre etwas ganz anderes.
    Topbeispiel ist der sogenannte Energiesektor.
    Dort müssten die Großversorger angesicht vieler Kleinanbieter ohne Verwaltungsapperat und ohne Finanzielle Altlasten vom Markt verschwinden.
    Was passiert tatsächlich? Die Gesetze werden so angepaßt, daß die Großversorger satte Margen zu Lasten der Kunden garantiert bekommen.
    Man muss immer daran denken : 10% der Investitionen und Subventionen gehen in dunkle Kanäle.
    Perspektivisch können eine Menge Leute garnicht genug von der Krise bekommen, so gut haben die noch nie dagestanden. So viel Schmiergeld wie im Moment war noch nie im Umlauf.

    • SLE - 31. Dezember 2012

      Hallo Holly,

      ich sehe das ganz genau so.

      Insofern – so möchte ich Ihre Ausführungen gerne ergänzen – ist es auch durchaus erwünscht, dass sich der Zorn der Bürger gegen die wettbewerbliche Marktwirtschaft richtet, weil diese gemäß der Erklärung der herrschenden Theorie den “Gesetzen” des Marktes gehorcht, denen vorgeblich auch Großbanken, Oligopolisten und Politiker ausgeliefert sind.

      Dies ist die Basis für TINA – there is no alternative – und das Beharren darauf ist nichts anderes als die Opferung des marktwirtschaftlichen Konzeptes auf dem Altar des Profits und die Rechtfertigung für die historisch betrachtet vielleicht größte Umverteilungs- und Vermögenskonzentrationswelle der Geschichte.

      Das ist leider keine Verschwörungstheorie, sondern das, was im Effekt nachweisbar geschieht – nicht zuletzt mit Hilfe des austeritätspolitischen Konzepts. Es ist nicht ausschlaggebend, wie unzulässig stark vereinfacht oder verfälscht die liberale und neoklassische Theorie dafür missbraucht wird. Ausschlaggebend ist, dass die Grundannahmen dieser Erklärungen der Marktwirtschaft diese Möglichkeit bieten, aber falsch sind. Insofern ist m.E. von zentraler Bedeutung, Letzteres immer wieder auch auf für Nicht-Fachleute verständliche Weise zu verdeutlichen.

      Viele Grüße
      SLE

      • zykliker - 31. Dezember 2012

        “gut gebrüllt, Löwe” möchte man da sagen, aber das wirft natürlich bei mir wieder die immer schon gestellte Frage auf:

        Warum kastriert sich die sogenannte Wirtschaftswissenschaft immer noch mit ihren “blutleeren,” oft auch mathematischen Modellen, wo es doch letztlich um menschliches Verhalten geht.

        Freilich ist sich der Ökonom bewußt, dass seine Denkgebäude sich der Realität nur annähern können, und es hat ja immer auch schon welche gegeben (und manchmal sogar auch schon “Nobelpreise” dafür), dass sie menschliche Regungen in der Entscheidungsfindung zu ergründen versucht haben.

        Wenn denn nun Habgier, Machtstreben, Niedertracht, aber auch Angst und pathologische Eitelkeit eine so große Rolle im Wirtschaftsprozeß spielen, wie kann man da auf seinen mathematischen Modellen – und seien sie noch so komplex – und auf dem homunculus ökonomicus als Ausgangspunkt eines wissenschaftlichen Anspruchs bestehen.

        Was Wunder, wenn so mancher diese Facultät immer noch in den Dunstkreis einer Quasi-Religion verschiebt, gerade auch, wenn ihre “Hohepriester” sich wie antike Schamanen gebärden und gleichzeitig ganz offensichtlich die Interessen der Oberschicht propagandistisch verfechten, wie wohl vergleichbar das Zusammenwirken von Pharao und Priesterkaste im alten Ägypten.

        Ich lese Ihr vom mainstream abweichendes Modell mit großem Interesse, und es scheint mir immerhin ein Fortschritt zu sein weg von Ideologie hin zu mehr wissenschaftlicher und moralischer Redlichkeit. Ich versuche auch anzuerkennen, dass ein Wissenschaftler nicht herumräsonieren kann wie ein Literat oder ein Amateurmoralist, wenn er ernst genommen werden will.

        Trotzdem frage ich mich, ob in ein solches Erklärungsmodell nicht doch mehr “Menscheln” hinein muß (wie wäre es mit interdisziplinären Ansätzen gemeinsam mit Psychologie & Soziologie), um nicht doch wieder als blutleer oder wirklichkeitsfremd abgelegt zu werden.

        Ich wünsche allen Lesern und den Betreibern des Blogs “Guten Rutsch” und “Gesundes Neues Jahr”

        • Holly01 - 31. Dezember 2012

          Das Grundproblem ist ansich sehr einfach :
          Unser Geld läuft in einem Trichtersystem. Die Kunden (wir alle, auch der Staat) sitzen am offenen Ende und zahlen hinein. Das Geld geht durch den Trichter und ist auf der anderen Seite nicht mehr unser Geld.
          Es hat sich zu Finanzprodukten verändert. Die sind Besitzerlos und werden in Pikosekunden bewegt.
          Es ist kein Witz, die haben unser Geld und der Trichter kann -nie- umgedreht werden.
          Das hat überhauüt nichts mit Theorien zu tun, das ist Machtpolitik.
          Die Ökonomie stellt dar, wie es wäre, wenn es so wäre wie es sein sollte.
          Das alleine ist in Zeiten in denen Abiturienten “Dreisatz” unter Sport suchen mit dem Wort “schwierig” nur unzureichend beschrieben.

        • SLE - 31. Dezember 2012

          Hallo zykliker,

          vielen Dank zunächst für das Kommentieren hier im Blog und auch ich wünsche einen guten Rutsch ins sowie alles Gute für das Neue Jahr.

          Mein Erklärungsmodell (“evolutorischer Wettbewerb”) berücksichtigt tatsächlich Ansätze aus der Soziologie/Psychologie, indem es auf der Angebots- wie auch auf der Nachfrageseite – neben dem “homo oeconomicus” – eine Reihe unterschiedlicher Verhaltenstypen berücksichtigt, um Entwicklung zu erklären. Konkret gehören diese – anders als beim skizzierten neoklassischen Ansatz – in meinem Modell zu den oben im Aufsatz angesprochen Marktmerkmalen. Unterschiedliche Marktzustände sind demnach gekennzeichnet durch unterschiedliches Verhalten.

          Wie schon weiter oben ausgeführt, habe ich die meisten “technischen” Details weggelassen, damit die Grundzüge und Unterschiede der beiden Theorien besser zu erkennen sind.

          Viele Grüße
          SLE

      • Holly01 - 31. Dezember 2012

        Ich wünsche Ihnen und Hr. Eichner eine guten Rutsch ins neue Jahr und ein tolles 2013.
        Ihr macht einen richtig guten und auch wichtigen Job hier.

        • SLE - 31. Dezember 2012

          Hallo Holly01,

          vielen Dank für das Lob. Allerdings ist mir klar, dass man in einem Aufsatz schlicht niemals all das zum Leser transportieren kann, was im Zuge der Diskussionen hier im Blog angesprochen und kritisch erörtert wird. Das ist wie bei einem Mosaik, bei dem noch viele Steinchen bis zur Vervollständigung des Bildes fehlen.

          Also, in diesem Sinne ein recht herzliches Dankeschön von mir an Sie und auch an alle andere Kommentatoren sowie alles Gute für das Neue Jahr.

          Viele Grüße
          SLE

    • lebowski - 31. Dezember 2012

      In der ganzen Marktwirtschaft geht es um Interessen und die sind nunmal Partikularinteressen, da als kleinste menschliche Monade der Marktwirtschaft der Homo Ökonimikus steht, der ja bekanntlich sein Eigeninteresse durchsetzen soll . Und der soll nun laut Ihrer Aussage im Wettbewerb seine Interessen durchsetzen und trotzdem soll er die Interessen aller im Auge behalten? So ein Mensch muss entweder bigott oder schizophren sein. Das Gleiche gilt natürlich für wirtschaftlich größere Einheiten wie Banken.

      • SLE - 31. Dezember 2012

        Hallo lebowski,

        das ist ja gerade das Problem: Nur die neoklassische Theorie unterstellt grundsätzlich Rationalverhalten im Sinne des “homo oeconomicus” und das entspricht nicht der Realität.

        Es gibt ganz unterschiedliche Motivationen für das Handeln von Anbietern UND Nachfragern und das Verhalten ist zudem auch abhängig von der Marktsituation. Je nach Zustand bzw. Reifestadium von Märkten und – aggregiert – Volkswirtschaften existieren unterschiedliche Möglichkeiten und Freiräume für verschiedenartig motiviertes Verhalten. Geltungsdrang (“homo ambitiosus”), Schaffens- und Gestaltungfreude (“homo faber”), Tradition (“homo traditionalis”), institutionell, d.h. an Normen von Institutionen, Unternehmen oder sozialen Gebilden ausgerichtetes Verhalten (“homo institutionalis”) und unplanmäßiges, auf Moden und Konformität ausgerichtetes Verhalten (“homo adaptans”) sind Beispiele dafür, wie und wovon Verhalten auf Märkten geprägt sein kann.

        Das alles blendet die neoklassische Theorie aus. Gerade deswegen habe ich oben im Aufsatz die Wirkungskette, die sich aus dem Wettbewerbs- und Marktverständnis der neoklassischen Theorie ableitet, wenn man sie auf die Realität überträgt, vergleichend einer anderen Wirkungskette gegenüber gestellt, die sich aus einem anderen Verständnis ableitet, dass unterschiedliches Verhalten einbezieht (Theorie “evolutorischer Wettbewerb”).

        Es geht auf Märkten natürlich im Allgemeinen nicht um das Gemeinwohl. Aber wenn die Voraussetzungen für effektiven, fairen Wettbewerb gegeben sind, dann gibt es keine anhaltende Dominanz spezifischer Einzelinteressen oder spezifischer Interessengruppen , so wie wir das heute sehen. Und das ist, wenn ich es richtig sehe, doch im Interesse aller, weil es vor allem bedeutet, dass es auf Märkten keine “ewigen” Gewinner und kein Heer von “ewigen” Verlierern gibt. Letzteres, die sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich, dürfte es gemäß neoklassischem (und liberalen) Verständnis von der Funktionsweise von Wettbewerb und Märkten überhaupt gar nicht geben und die krassen Ungleichgewichte zwischen Volkswirtschaften, die wir heute haben, ebenfalls nicht.

        Sie können nicht die neoklassische Theorie als mangelhaft ablehnen und sie zugleich als Maßstab wählen, um anderen Erklärungen zu bewerten. Das funktioniert nicht.

        Viele Grüße und guten Rutsch ins neue Jahr, wünsche ich Ihnen.
        SLE

        • Andres Müller - 1. Januar 2013

          Schönes neues Jahr Herr Eicher und danke für den Hinweis auf das Ziel eines “fairen Wettbewerb”. Die Karten dazu sehe ich 2013 allerdings noch ungünstiger vergeben als 2012, entsprechend den Regeln nach Ponzi. Entsprechend dieser Regeln müsste die Geldmengenausweitung irgendwann in Inflation umschlagen. Wenn allerdings unten keine Abnehmer für die nach tendenziell teurer verkauften Produkte vorhanden sind, kommt es zur Stagflation. Diese neuere Erscheinung tritt wohl auf, weil Fiat Money keine verbindliche Wertebindung (zum Beispiel zu Gold) mehr aufweist und damit ein nach oben offener Schuldenturm auftreten kann der zuvor gar nicht möglich gewesen wäre. Der abtretende Geithner hat schon Recht, die Schuldenobergrenze ist irrelevant, sofern ein Staat über die nötigen Machtmittel zur Verteidigung seiner Währung verfügt. Das ist natürlich Unfair, womit sich der Kreis 2013 wohl entegen unserem Wunsch kaum erfüllt.

          • SLE - 1. Januar 2013

            @ Andres Müller

            Die oligopolistischen Strukturen auf den globalen Märkten und der dadurch bedingt wenig effektive Wettbewerb erhöhen die Preissetzungsspielräume. Auf ausgereiften, sich verengenden Märkte bei oligopolistischen Strukturen existieren starke Preisauftriebstendenzen. Eine – angesichts der realen, durch Sparprogramme zusätzlich verstärkten negativen Nachfrageentwicklung – angemessene Preisanpassung nach unten findet bisher nicht oder nur sehr bedingt statt. Es ist die Frage, was auf die Preisentwicklung in den nächsten Monaten verstärkt durchschlagen wird: die negative Nachfrageentwicklung oder Preiserhöhungen als Folge der Preisauftriebstendenzen. Insofern ist nicht gänzlich auszuschließen, dass wir – zumindest zunächst – eine Kombination von Rezession und Inflation erleben werden. Immerhin werden die Oligopolisten von den Regierungen ja mit allen Mitteln gestützt, das heißt staatlich alimentiert. Fällt die Alimentierung weg, ist der Akt des Jonglierens mit vielen Bällen und damit die Beibehaltung der überhöhten Preisniveaus auf vielen globalen Märkten und in nahezu allen Assetklassen schlagartig vorbei. Keine Regierung wird das wollen, aber kann es deswegen tatsächlich verhindert werden?

            Ich wünsche Ihnen sowie allen Lesern alles Gute zum Neuen Jahr.

            Grüße
            SLE

          • Andres Müller - 1. Januar 2013

            Herr Eicher, ich stimme Ihrer Analyse zu. Ich freue mich über jeden Artikel den Sie publizieren, auch wenn ich ehrlich gesagt oftmals Mühe habe die Sprache von euch Ökonomen zu verstehen. Ich komme von der Seite Sozialethik, mir sind einige verwendete Begriffe wie z. B. Keyneanismus, evolutorischer Wettbewerb usw. zum Teil in der gegenwärtigen Marktwirtschaft nicht nachvollziehbar. Wie kann man etwa von jemandem behaupten er vertrete Keynes, wenn dieser Ökonom doch 1940 in Bretton Woods für die Funktion seiner Theorie eine übergeordnete Weltleitwährung forderte (nicht den US$) und an z.B. Gold gebundene s Fiat Money proklamiert hatte die es heute gar nicht gibt.? Mir kommt es so vor als würden Ökonomen ohne mit der Wimper zu zucken das Rechnungssystem wechseln, aber mit denselben Begriffen wie zuvor weiter kalkulieren.

            • SLE - 1. Januar 2013

              Sie haben Recht, es wird meist sehr undifferenziert mit Begrifflichkeiten und Namen (z.B. Keynes, Hayek) umgegangen, die – über die gesamten Schaffensperiode betrachtet – für ein ganzes Bündel von Erklärungen und Thesen stehen. Mithin liegt das auch daran, dass sich deren Auffassung im Zeitablauf verändert hat. Im Wesentlichen aber werden sie einfach als “Schubladen” verwendet, in die man aktuelle Äußerungen und Maßnahmen einordnet. Mit Hintergrundwissen kann man mithin gut nachvollziehen, auf welche Thesen oder Erklärungsbausteine dabei Bezug genommen wird, teilweise aber auch nicht. Für Ihren Hinweis bin ich Ihnen deswegen dankbar.

              Viele Grüße
              SLE

  • Stefan Wehmeier - 1. Januar 2013

    Wer … das Zinsgeld verteidigen will, das den Urzins erpresst und damit alle Probleme erst erzeugt, mit denen man sich als “Wirtschaftsexperte” dann beschäftigen kann, kommt auf den irrsinnigen Gedanken vom “Schuldenmachen”, um Kreditnehmer psychologisch zu verunglimpfen. In der Realität können Schulden niemals “gemacht” werden, weder vom Staat noch von Banken oder Unternehmern. Denn jede Kreditaufnahme setzt voraus, dass zuvor ein anderer eine Ersparnis gebildet hat und bereit ist, diese zu verleihen. Erst dann entsteht ein Vermögen/Schulden-Paar – und erst dann ist das Gleichgewicht wiederhergestellt! Ein Ungleichgewicht in der Volkswirtschaft entsteht also nicht durch das “Schuldenmachen”, das es als isolierten Vorgang gar nicht gibt, sondern dadurch, dass eine Geldersparnis gebildet und nicht verliehen wird. Dieses Ungleichgewicht ist die Möglichkeit zur Geldhortung, die den Warenaustausch blockiert, bis jemand bereit ist, den Urzins zu bezahlen. Damit wird der Urzins des herkömmlichen Geldes zur “Vorbedingung der Warenerzeugung überhaupt”:

    Geld – wie es (noch) ist und wie es sein soll
    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/10/geld.html

    • Huthmann - 2. Januar 2013

      Das Ist Unsinn meiner Ansicht nach, was Sie schreiben. Es müßte jetzt langsam allen klargeworden sein, daß Banken Geld aus dem Nichts schaffen! Insofern setzt eine Kreditaufnahme eines Einzelnen NICHT eine Ersparnis eines anderen voraus!

      MfG

    • Stefan Wehmeier - 2. Januar 2013

      “Insofern…”

      …ich, der “große Huthmann”, die Realität…

      http://www.helmut-creutz.de/pdf/grafiken/b/creutz_034-43.pdf

      …einfach zu “Unsinn” erkläre, setzt eine Kreditaufnahme … NICHT eine Ersparnis eines anderen voraus!

  • Holly01 - 2. Januar 2013

    Hallo Herr. Wehmeier,
    Bilanzverlängerung einer Bank bedeutet ja gerade, die Bank schöpft aus dem Nichts. Die Graphik von Hr. Creutz zeigt ja nur den Gleichschritt aus Verschuldung und Vermögen an.
    Nehmen Sie das Basiskonstrukt :
    - Geld ist nicht vorhanden.
    - A bietet Dienste als Bank an, also Geld und ist der einzige der Geld anbieten darf.
    - B fragt das Geld nach.
    - A verlängert seine Bilanz.
    Aktiva 100 // Passiva -100
    Das ist für ihn ein Nullsummenspiel.
    Die Aktiva zahlt er nun an A aus.
    An die Stelle der +100 trägt er nun die Ratenzahlungen ( Zahlungsversprechen) von A ein.
    Zusätzlich trägt er eine Sicherheit ein. Hier als Beispiel die Jahresarbeitskraft von B.
    - B zahlt das Geld zurück, bis alles Geld wieder bei A ist.
    - Ende des Beispiels.
    Sollte A einen Zins zusätzlich eingeführt haben, so –muss– B einen Teil der Sichertheit abliefern. Der Zins kann ja aus der vorhanden Geldmenge (100) nicht getilgt werden.
    Diese Art des Kredits ist der ganz überwiegende Teil der Kredite und das ist auch logisch nachvollziehbar.
    Der größte Teil des Geldes ist ja gebunden, durch Investitionen (Haus, Maschinen, Konsumgüter) und die Werte dieser “Bindungen” werden abgeschrieben.
    PC = 3 Jahre
    Haus = 99 Jahre
    und so weiter ….
    Der Abschreibung sollte die Mindestreserve der Zentralbank gegenüberstehen.
    Ist die Mindestreserve in etwa so hoch, wie die durchschnittliche Abschreibungsquote, so ist die Geldmenge ( in den Büchern, also Giralgeld) stabil.
    Hier erkennt man auch warum das “erst ansparen” und dann “mit dem vorhanden Geld arbeiten” seine Schwächenhat.
    Woher kommt das Geld, welches angespart werden soll.
    Wie wird das Geld erworben? Die meisten Menschen setzen Geld mit einem Produkt gleich.
    Ein Mensch geht in den Wals, sammelt Holz und hat Arbeit investiert.
    Für das Holz bekommt er Geld.
    Aber 100 Sammler mit 100 Wareneinheiten ergeben kein Geld. Woher kommt das Geld?
    In Ihrer Annahme wird das Geld einfach willkürlich hergestellt und in den Umlauf gebracht.
    Dann hat also immer Jemand die Möglichkeit ohne Arbeit an die Produkte zu gelangen, er erschafft Geld.
    Kaum eine Basis für einen guten Markt.
    Man kann auch Geld schaffen, welches einen eigene “Wert” hat, das unterliegt dann aber der Willkür der Bewertung.
    Gold ist für nichts zu gebrauchen. Sein Wert ist ideeller Natur. Erzähle ich den Menschen oft genug und lange genug es sei wertvoll, entwickelt es einen eigenen Wert.
    Das ist nichts anderes als Ware gegen etwas zu tauschen, was ich “Geld” nenne.
    Vom Münzbetrug ganz zu schweigen.

  • Holly01 - 2. Januar 2013

    Als Gedankenspiel zum Basisszenario 1 :
    - A soll eine vom Staat gegründete Bank sein
    - B soll ein hoch verschuldeter Staat sein
    - A bietet den Schuldnern per Bilanzverlängerung den Kauf aller Anleihen zum Nominalwert (incl. Zinsen) an.
    - A bietet dem Staat gleichzeitig die Gewährung von Kredit an aber nach volgendem System :
    Der Kredit basiert auf Altschulden plus Zinsen.
    Die Bank gibt einen Kredit im Umfang von Schuld plus Zins aus und nennt die Differenz zwischen Nominalwert (Altkredit) und Schöpfungsbetrag (Neukredit) nun “Gebühr”.
    Die Gebühr ist einmalig und wird mitgeschöpft.
    - B kann die Raten so wählen, daß diese erträglich sind.
    - A hat einen Inflationsverlust, welcher aber in den Büchern nicht auftaucht.

    Am Ende sind die Schulden samt Zinsen weg und die Bilanz von der “A” verkürzt sich automatisch.

    Ich will damit nur sagen : es sind alles Buchungsvorgänge und da ist viel Luft, um eine Krise nie entstehen zu lassen.

    • SLE - 2. Januar 2013

      Das stimmt, da dürfte viel Luft sein, und gerade deswegen passt sehr schön die Erklärung von Michael Hudson, was stattdessen fortlaufend geschieht:

      http://rwer.wordpress.com/2013/01/02/americas-deceptive-fiscal-cliff-part-i/

      Grüße
      SLE

      • Holly01 - 2. Januar 2013

        Da sehe ich an und für sich das deutsche Hauptproblem. Was wir heute sehen, hat seine Ursprünge vor und während der Jahrhundertwende 19. zum 20, Jahrhundert.
        Die Generatinen damals konnten die Probleme nicht lösen.
        Dieses Unvermögen war höchst verhängnissvoll. Heute sehe ich nicht einmal das notwendige Problembewusstsein.
        Der verengte Horizint der Entscheider führt zu einer stark eingeschränkten Auswahl an Lösungen.
        Die Entscheider sind in eine Situation hineingewachsen, in der die Hegemonialmacht sagt, was gemacht wird und alle haben genickt.
        Die Entscheider sind in eine Situation hineingewachsen, in der der Finanzsektor alles finanziert hat, was vorher abgenickt wurde.
        Resultat ist unselbstständiges genicke auf allen Ebenen.
        Problembewusstsein ist Null. “Man” war nie in der Verlegenheit sich selbst Gedanken über die Strukturen und Probleme machen zu müssen.
        Daraus relutiert : Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter”, also immer schön weiter gehen und die Dissonanz der Töne von aussen mit lauter Musik übertönen.
        Das wird nicht mehr lange so weiter gehen ….. der Machtverlust ist ansich egal, aber der Kompetenzverlust läßt uns in der Welt langsam lächerlich aussehen.

      • Holly01 - 2. Januar 2013

        “Die Generatinen damals konnten die Probleme nicht lösen.”
        Die Generationen damals …
        Entschuldigung, fat finger problem.

  • Holly01 - 3. Januar 2013

    “All this makes today’s financial war much like the aftermath of World War I and countless earlier wars. The effect is to impoverish the losers, appropriate hitherto public assets for the victors, and impose debt service and taxes much like levying tribute. “The financial crisis has been as economically devastating as a world war and may still be a burden on ‘our grandchildren,’” Bank of England official Andrew Haldane recently observed. “‘In terms of the loss of incomes and outputs, this is as bad as a world war.’ he said. The rise in government debt has prompted calls for austerity – on the part of those who did not receive the giveaway. ‘It would be astonishing if people weren’t asking big questions about where finance has gone wrong.”

    Für mich der zentrale Teil, natürlich neben der hinreichend bekannten Belastung der realen Wirtschaft durch immer höhere Zinslasten, die die Kaufkraft mindern und so einen deflationären Markt erzeugen können, obwohl Inflation die Preise treibt.
    Geld drucken ist der sicherste Weg eine Wirtschaft strukturell zu zerstören.

  • Holly01 - 3. Januar 2013

    Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß man die entwickelten Volkswirtschaften monetär zerbrechen will, um einen Neuaufbau zu erzwingen?
    Das Buch “princes of the yen” könnte ja einen Feldversuch der FED beschreiben.
    Wir zynisch ist das alles eigendlich inzwischen?
    Ich meine, man nimmt einiges an und unterstellt ja auch vielles, aber ich komme langsam an einem Punkt, an dem mich die Realität mit großem Tempo auf der Überholspur passiert.

  • klaus - 4. Januar 2013

    @Holly01

    Banken haben NINJA-Kredite an Seilschaften, blanke Promis usw.
    herausgegeben.

    Jetzt ist PayDay und die Immos haben keinen Wert.

    Der Mittelstand und der kleine Mann geben nix aus.

    Und wieder geht die Mühle der Zwangsversteigerungen an.
    Jetzt trifft es auch verspätet die Richtigen und die, welche nicht
    an Ihr schwarzes Geld kommen.

    Und da Wahlen bevorstehen, passt der Wähler jetzt auf.
    Die Inso’s werden nur so prasseln.

    Tja, und mit dem jetzt harten Euro geht der Export zurück.
    Wie gesagt, es trifft jetzt die Gierigen, die auf die nicht kommenden
    Subventionen im Immo-Sektor hoffen.

    Wer Immo’s in dieser Zeit kauft, sollte keinen Cent bekommen,
    denn er profitiert schon ausreichend von dem Finanzdruck
    auf die durch Arbeitslosigkeit hervorgerufenen, kaputten
    Hypotheken-Darlehen.

    Solche Zecken sollte man kaputtgehen lassen.

    Grüsse klaus