Kühle chinesische Außenhandelsdaten durchs Neujahrsfest

von am 10. Februar 2012 in Allgemein

Für Januar 2012 berichteten heute Morgen die chinesischen Zollbehörden die Außenhandelsdaten. Zwar war die Wachstumsrate beim Export zum Vorjahresmonat, das erste Mal seit November 2009 wieder negativ, mit -0,5%, allerdings verzerrte das chinesische Neujahrsfest mit den landesweiten Feiertagen die Daten, mit immerhin relevanten 5 Arbeitstagen weniger als im Januar 2011. Im Januar 2012 wurden jedenfalls Waren und Güter in einem Volumen von 149,94 Mrd. Dollar exportiert, nach 174,22 Mrd. Dollar im Vormonat und nach 150,73 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Die prozentuale Veränderung bei den unbereinigten Originalwerten des chinesischen Exportvolumens bei Waren und Gütern im Vergleich zum Vorjahresmonat seit Januar 2000 im Chart. Trotz der Verzerrung im Januar 2012 durch das chinesische Neujahrsfest, ist eine gewisse Erlahmung der hohen Wachstumsrate seit einigen Monaten zu konstatieren.

Im Chart das monatliche unbereinigte Exportvolumen von Waren und Gütern in Mrd. Dollar seit Januar 1990 (damals mit 2,84 Mrd. Dollar an Exportvolumen), über 16,8 Mrd. Dollar im Januar 2000, auf 109,48 Mrd. Dollar im Januar 2010. Im Januar 2012 lag das Exportvolumen bei Waren und Gütern bei 149,94 Mrd. Dollar. Das bisherige Hoch wurde im Juli 2011 mit 175,13 Mrd. Dollar markiert.

Das unbereinigte monatlichen Export (rot)- und Importvolumen (blau) seit Januar 1990 bis Januar 2012 im Chart.

Chinas Importwachstum verringerte sich um kräftigere -14,98% zum Vorjahresmonat, Waren und Gütern im Wert von 122,66 Mrd. Dollar importiert, nach 158,20 Mrd. Dollar im Vormonat und nach 144,28 Mrd. Dollar im Vorjahresmonat. Das Importhoch wurde im November 2011 mit 159,94 Mrd. Dollar markiert!

Im Handel mit der gesamten Welt stieg, auf Grund der höheren Schrumpfungsrate beim Import, der Handelsbilanzüberschuss im Januar auf kräftige +27,28 Mrd. Dollar, nach +16,52 Mrd. Dollar im Vormonat und nach +6,46 Mrd. Dollar im Vorjahresmonat:

Die Entwicklung der Handelsbilanz bei Waren und Gütern seit Januar 2002 im Chart. Diese Daten dokumentieren die fundamentalen Ungleichgewichte Chinas im Handel mit der Welt, insbesondere mit den USA und der EU.

Durch das chinesische Neujahrsfest dürfte eine seriöse Abschätzung, ob die Außenhandelsdaten bereits eine Schwäche abbilden kaum möglich sein. Festhaltenswert, die starke Differenz der Wachstumsrate zum Vorjahresmonat bei Exporten und Importen, was weiterhin für ein sehr schiefes, nicht nachhaltiges, aber noch intaktes Exportmodell Chinas spricht.

Quelle Daten: Customs.gov.cn/Portal mit den detaillierten Daten

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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13 KommentareKommentieren

  • Roland - 10. Februar 2012 Antworten

    Wenn Wachstumsraten negativ sein können und Schrumpfung anzeigen, dann können auch negative Schrumpfungsraten Wachstum anzeigen.

    Im Klarsprech ist “negatives Wachstum” leider eine Schrumpfung.

    • Roland - 10. Februar 2012 Antworten

      Ansonsten Zustimmung zur Aussage, dass die Zahlen deshalb wenig aussagekräftig sind, da im letzten Jahr das chinesische Neujahrsfest VOLL in den Februar fiel.

      Die kombinierten Jan/Feb. – Zahlen werden den Aufschluss geben.

  • Roland - 10. Februar 2012 Antworten

    Wenn mal ein Scherzchen zwischendurch erlaubt ist, möchte ich die soeben einlaufenden Daten zur französichen Industrieproduktion so präsentieren:

    Die französische Industrieproduktion zeigte im Dezember 2011 eine “negatie Wachsrumsrate” von 1,4 % zum Vormonat.
    Im Vergleich zum Vorjahresmonat ergab sich damit nur noch eine “negative Schrumpfungsrate” von 0,6 %.

    Alles klar ?

    • Roland - 10. Februar 2012 Antworten

      Sorry, mich reitet gerade der Schalk.

      Die soeben eingehenden Zahlen zur Industrieproduktion in Italien im Dezember:

      Im Vergleich zum Vorjahresmonat eine negative Wachstumsrate von 1,7 %
      Im Vorrmonatsvergleich allerdings eine negative Schrumpfungsrate von 1,4 %.

      • Querschuss - 10. Februar 2012 Antworten

        Hallo Roland,
        bist jetzt aber kleinlich, ok, ist schlecht formuliert, nur mal geschaut wann ich heute Morgen den Artikel geschrieben habe, auch unter Zeitdruck, musste dann zur Arbeit. Wenn es stilistisch und sprachlich und formulierungstechnisch auf hohen Niveau sein soll, es liest auch niemand Korrektur, dann kannste künftig mehr als die Hälfte des Outputs bei Querschuesse streichen. Geht es aber vordergründig um Daten und Fakten und die sind sauber aufbereitet, dann mach ich so weiter, wie bisher?

        Gruß Steffen

  • topperhopper - 10. Februar 2012 Antworten

    OT:
    Wurde hier im Blog eigentlich schon mal erwähnt, dass die EZB die Mindestreserve von 2 auf 1% abgesenkt hat?

    • Roland - 10. Februar 2012 Antworten

      @ topperhopper

      Ja, das wurde auch schon des öfteren diskutiert.

      Die Absenkung des Mindestreserve-Satzes von 2% auf 1 % ermöglicht die Verdoppelung der Geldschöpfungskraft der Geschäftsbanken.

      Konnten die Geschäftsbanken bei einem Satz von 2% im Verhältnis von 1:49 eigenes Geld zum Zwecke der Kreditvergabe schöpfen, so ist es jetzt wieder -wie vor der Lehmann-Krise auch- mit dem Hebel von 1:99 möglich.

      Hilft aber nichts:
      “Die Pferde saufen nicht” – manche Kreditnehmer können auch schon kaum mehr “saufen” und bekommen damit erst recht nichts.

  • peterb - 10. Februar 2012 Antworten

    Nun, vielleicht, vielleicht zeigt sich noch ganz zart noch eine andere, von den Chinesen nicht gewollte Entwicklung:

    “Im Klartext: Die Politik des schwachen Greenback, von Finanzminister Timothy Geithner stets bestritten, von Fed-Chairman Bernanke aber fleißig verfolgt, trägt immer mehr Früchte.

    Sie verbilligt nicht nur die Ausfuhren der US-Industrie – die nach dem Willen von Barack Obama bis 2016 ihr Exportvolumen verdoppeln will – sie zieht auch immer stärker Fabriken aus anderen Ländern an.

    Seit dem Frühjahr 2011 wächst daher die industrielle Fertigung in den USA doppelt so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt.
    (…)
    Es ist ein Jahrzehnte altes Muster: Die USA setzen mit Zinsen und Dollar den Rest der Welt jeweils so unter Druck, dass die gewünschte Bewegung zu Gunsten Amerikas erzeugt wird.
    (…)
    Das ging nach dem unausgesprochenen Fed-Motto: Wenn ihr Chinesen nicht aufwertet, tun wir es eben für Euch.”

    -> http://blog.markusgaertner.com/2012/02/10/das-saugen-der-weltkrake/

    • Andres Müller - 10. Februar 2012 Antworten

      Nach der Deindustrialisierung des Mittelstand folgt in den USA die Re-Industrialisierung durch Billigarbeitskräfte. Die demografische Entwicklung sorgt trotzdem für das Zuschnappen der Sozialfalle, „Irgendwann werden die USA ein grosser Pensionsplan sein, der eine Armee hat“, so sagte das Stephen C. Goss voraus, Chef der Social-Security-Behörde in Washington. Angeblich würden die Reserven der Pensionskassen (so wurde das 2010 beurteilt) noch bis 2037 reichen. Aber die an die Börsen gekoppelten Systeme sind von entsprechend hohen Renditen abhängig.

      Wie auch immer, die Chinesen erhalten durch QE3 unerwartete Konkurrenz, und dass die Arbeit für alle reicht ist eine Illusion die unter zunehmender Rationalisierung und Automatisierung zur Fatamorgana werden dürfte. Auch die anhaltende Umverteilung der Vermögen in die Händevon Wenigen wurde nicht gestoppt, sie wird im Gegenteil durch die Bankenflutung noch angeheizt.

  • Historiker - 10. Februar 2012 Antworten

    Das wird bitter für die deutschen Arbeiter. Nun dachten sie sie können im Bunde mit der Bourgeoisie die Last ihres Exportüberschusses auf die Arbeiter der kleinen EU-Staaten abwälzen. Nun werden je durch den Exporteinbruch aus ihre Träumene gerissen werden. Was noch dazu passt, von Frankreichs enormer Verschuldung für den Konsum proftiert ja auch das deutsche Kapital. ” Nach Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) wird die Volksrepublik in diesem Jahr zum zweitwichtigsten Absatzmarkt für deutsche Produkte – nach Frankreich, aber noch vor den USA.”

    Es ist absehr was passiert wenn die franz. Bourgeoisie keinen Bock mehr auf die Achse Berlin /Paris hat……

  • georg - 10. Februar 2012 Antworten

    ich hab gelesen, dass der iran ein ölembargo gegen europa verhängt hat , kein problem für das land es gibt bestimmt potenere abnehmer
    http://www.zerohedge.com/news/china-january-oil-imports-rise-record
    gruss georg

  • Appaloosa - 10. Februar 2012 Antworten

    OT: So langsam sieht es aus, als würde die Sache mit GR eskalieren:
    http://www.welt.de/politik/article13861468/Griechen-Polizei-droht-EU-Gesandten-mit-Verhaftung.html

    Der Euro bringt Frieden und Wohlstand! :P

    • Andres Müller - 10. Februar 2012 Antworten

      Appaloosa, es liegt wohl nicht an der Idee des Euro, aber am Wesen seiner Inbetriebnahme die letzlich auf denselben Gesetzen beruhte welche der Nixon Schock verursacht hat -das Euro Fiat Money Virtual -neben dem US$ die turbogetriebene unkontrollierte Flutung Europas mit Geld durch einen unsäglichen Wettbewerb innerhalb der Finanzindustrie und die Austrocknung der Realwirtschaft durch Sozialdumping. Zuhinterst an den Druckschläuchen der Euro -Fiat Money Blasen hockt der US$ mit seinem missglückten Subprime QE -Overkill Mechanismus.

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