Kurzupdate zum US-Autoboom

von am 2. Februar 2012 in Allgemein

Eine kleine kurze Relativierung der “guten” US-Autoverkäufe. In der Realität stiegen zwar die unbereinigten Autoverkäufe (Total Light Vehicle Sales) im Januar 2012 um +11,4% zum Vorjahresmonat auf 913’287 PKWs an, nur im langfristigen Kontext ist dies nichts Berauschendes und zum Vormonat sogar ein Einbruch mit -26,6% von 1,243773 Millionen im Dezember, allerdings ist dieser auch saisonal bedingt.

Der Sturm auf die Autohändler seit Januar 1990 bis Januar 2012 im Chart, anhand der Daten mit den unbereinigten monatlichen US-Autoverkäufen. Die 913’287 PKW-Verkäufe im Januar 2012 sind die viertschwächsten in einem Januar seit 1993, nur der Januar 2011, 2010 und 2009 war noch schlechter. Der langfristige monatliche Durchschnitt von Januar 1990 bis Dezember 2007 betrug 1,294 Millionen verkaufte PKWs, im Januar 2012 liegt man noch um -29,4% darunter.

Bereinigt um den saisonalen Faktor und auf das Jahr hochgerechnet (SAAR), stellen sich die Autoverkäufe besser dar:

 Die 14,18 Millionen verkauften Fahrzeugeinheiten, saisonbereinigt und auf das Jahr hochgerechnet (SAAR) im Januar 2012 bewegen weiter unter dem langfristigen monatlichen Durchschnitt der 15,5 Millionen Fahrzeuge (-8,5%), die noch in den Jahren 1990 bis 2007 verkauft wurden! Das Verkaufshoch wurde im Oktober 2001 markiert, mit gewaltigen 21,7 Millionen Fahrzeugen (-34,7%)! Aber bei der Betrachtung des SAAR-Langfristcharts ergibt sich wenigstens eine relevante Erholung, wobei die Diskrepanz der Entwicklung zu den Originaldaten schon sehr auffällig und kaum nachvollziehbar ist (unbereinigt -29,4% unter dem langfristigen Durchschnitt auf SAAR-Basis nur -8,5%).

Etwas negativer geraten die SAAR-US-Autoabsätze, wenn man sie in die Relation zum Bevölkerungsanstieg setzt:

Die saisonbereinigten und auf das Jahr hochgerechneten monatlichen Autoabsätze  (SAAR) je 100 US-Einwohner. Im Januar 2012 wurden auf das Jahr hochgerechnet je 100 Einwohnern 4,53 PKWs (SAAR) verkauft, beim Hoch im September 1986 waren es 8,79 Autos je 100 Einwohner und der Durchschnitt von 1990 bis 2007 lag bei 5,60 je 100 Einwohner. Der Januar 2011 lag um -19,1% unter dem Durchschnitt von Jan. 1990 bis Dez. 2007.

Die detaillierten unbereinigten Autoabsätze der diversen Hersteller im Januar 2012, im Vergleich zum Vorjahresmonat, sind hier bei Motor Intelligence.com einzusehen. Von den 913’287 im Januar verkauften Fahrzeugen, waren 444’966 bzw. 48,72% Light Trucks, also Vans, Minivans, Sport Utility Vehicles (SUV) und Pick Up’s.

Quellen Daten: Motorintelligence.com/XLS: SAAR DataMotorintelligence.com/XLS: New Vehicle Sales

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Print article

7 KommentareKommentieren

  • Vorticon - 2. Februar 2012

    Moin,

    die “hohen” Autoverkäufe könnten auch damit zusammenhängen, dass GM seine Händler bis zum Dach mit Autos vollstopft, meint Tyler Durden bei Zerohedge:
    http://www.zerohedge.com/news/gm-channel-stuffing-resumes-january-dealer-inventory-second-highest-ever

    CU

    • Roland - 3. Februar 2012

      Danke für den interessanten Hinweis.

      Die Halde bei den Händlern hat sich innerhalb eines Monats sehr beeindruckend aufgebaut, wenn man sie in Abverkaufstagen (aktuelle Abverkaufsgeschwindigkeit) rechnet.
      Vom 31.Dez. 2011 bis zum 31.Jan. 2012 wie folgt:

      GM von 67 auf 89 Tage

      Chrysler von 64 auf 83 Tage

      Ford 60 auf 86 Tage

      Danke wieder einmal an querschuss.

      Die Konzern-Wirtschaftspresse ist nur noch zum kotzen (sorry für den Kraftausdruck)

  • Appaloosa - 2. Februar 2012

    @Vorticon: Jup.. Sobald das Auto beim Händler steht gilt es für die Autofirma als verkauft. Nur warum lassen die Händler es zu, dass sich die Autos bis unters Dach stapeln?

    • Catweazle - 3. Februar 2012

      Sind wohl die cleveren Verträge der Fabrikanten dran schuld. In Deutschland gibt es übrigens eine Statistik über die Neuzulassungen, das ist schon aussagekräftiger finde ich.

  • Roland - 3. Februar 2012

    Die USA hat sich nicht mehr nur des Bleigewichtes der EU-Wirtschaft zu erwehren – jetzt kommt u.a. als Folge des hohen Yen auch noch Japan hinzu.
    Die Ergebnis-Meldungen der japanischen Industrie sind katastrophal und deren Ausblicke düster. Kaum ein großes Industrie-Unternehmen, das z.Zt. keine Entlassungen ankündigt.

    Und heute spricht der Chef-Volkswirt von Dai Ichi (Versicherung) von wörtlich:

    “This is the biggest catastrophe for japanese maufacturers since the war.”

    • Roland - 3. Februar 2012

      Nachtrag:

      Die Aktien des Wafer-Hersteller Sumco Corp. schnellten heute expolsionsartig in die Höhe und wurden erst durch das Tageslimit am Nikkei von 100 Yen gestoppt.

      Grund: Sumco kündigte die Entlassung von 1.300 Angestellten an.

  • Hajo - 3. Februar 2012

    @Catweasel

    “Sind wohl die cleveren Verträge der Fabrikanten dran schuld. In Deutschland gibt es übrigens eine Statistik über die Neuzulassungen, das ist schon aussagekräftiger finde ich.”

    Bzgl. den USA ist deine Vermutung wohl absolut richtig. In Deutschland arbeiten die Händler allerdings auf einer etwas anderen Basis: Da gibt es jede Menge Rabattaktionen, Tageszulassungen und Jahreswagen. Im Internethandel betragen die Tageszulassungen von PKWs deutscher Produktion, i.d.R. Re-Importe aus EU-Ländern, die Deutschland nie verlassen haben, sondern lediglich auf dem Papier exportiert/re-importiert wurden, aktuell rund 28 % aller dortigen Autoverkäufe. Die Umschreibung eines PKWs mit Tageszulassung gilt als
    “Neuzulassung”.