Mieser US-Arbeitsmarktbericht (aktualisiert)

von am 8. Oktober 2010 in Allgemein

Wie seit Monaten berichtet, in Hinblick auf neue Jobs und den Einkommen daraus ist die wirtschaftliche Erholung in den USA, falls es überhaupt eine war, von mieser Qualität. Im September 2010 kam es den vierten Monat in Folge zu einem Stellenabbau, diesmal von -95’000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft (Non-Farm Payroll Employments)! Seit Dezember 2007 wurden offizielle 7,75 Millionen Jobs abgebaut!

Zum vierten Mal in Folge nahmen auch die befristeten Jobs im Rahmen der Volkszählung (Census 2010) ab, im September 2010 um -77’000 Stellen. Dieser Effekt dürfte in den nächsten Monaten beim Jobabbau allerdings kaum noch negativ zu Buche schlagen.

Die fragwürdige Qualität der Arbeitsmarktdaten beim Stellenaufbau der letzten Monate verdeutlichte u.a., dass ein Teil des Anstiegs beim Stellenaufbau auf das Konto der Zeitarbeit (Temporary Help Service) ging. Im September 2010 waren es weitere +16’900 neue Stellen in der Zeitarbeit. Die Statistiker des Bureau of Labor Statistics (BLS) verließ hingegen der Mut, denn die Manipulation der Daten mit Hilfe des Net Birth/Death Model wurde kräftig eingedampft. Nur noch +11’000 nicht saisonbereinigte Stellen gingen auf das Konto des Net Birth/Death Model, einer fragwürdigen Schätzung der Beschäftigung aus neugegründeten und liquidierten Firmen, nachdem im Vormonat noch 115’000 Stellen in vermuteten neuen Firmen entstanden.

Nun zu den Details. Zunächst zu den Establishment Data, sie messen den Stellenaufbau/abbau außerhalb der Landwirtschaft (Non-Farm Payroll Employments). Diese werden direkt vom Bureau of Labor Statistics (BLS) bei ca. 400’000 Unternehmen aus über 500 Wirtschaftszweigen abgefragt. Die Daten zur Beschäftigung der abgefragten Unternehmen reflektieren ca. ein Drittel der lohnabhängigen Beschäftigten.

Im Chart der Stellenaufbau/abbau, Non-Farm Payroll Employments seit Januar 1985.

Ein Kurzüberblick zum Stellenaufbau/abbau nach ausgewählten einzelnen Wirtschaftssektoren:
Total Nonfarm (außerhalb der Landwirtschaft): -95’000

Total private (private Wirtschaft): +64‘000
Goods (breitgefasste Industrie): -22’000
Construction (Bau): -21’000
Manufacturing (verarbeitendes Gewerbe): -6’000

Private service-providing (private Dienstleistungssektor): +86’000
Financial activities (Finanzsektor): -1’000
Professional and business service (unternehmensnahe Dienstleistungen): +14’000
Education and health service (Bildungs- und Gesundheitssektor): +17’000
Temporary help services (Zeitarbeit): +16’900

Government (Angestellte bei Federal, State and Local Government): -159’000

Um insgesamt die Stichhaltigkeit der monatlichen Daten zum Stellenaufbau/abbau einzuschätzen zu können, muss man beachten, dass die Angaben der Unternehmen aus der Umfrage Establishment Data einmal jährlich an Hand des Quarterly Census of Employment and Wages (QCEW) von der BLS mit Hilfe von Lohnsteueranmeldungen und Stichproben aus den Unterlagen der staatlichen Arbeitslosenversicherung (UI) überprüft werden, dabei kommt es zu Revisionen von kräftigem Ausmaß. In der Benchmark 2009 (April 2008-März 2009) wurde der Stellenabbau um saisonbereinigte -902’000 nach unten revidiert! Die nachträgliche starke Korrektur des Stellenabbaus sagt nicht nur etwas über eine mangelhafte Datenqualität aus, sondern zeigt auch wie stark das Bureau of Labor Statistics in ihren statistischen Modellen die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise unterschätzt hat! Und die BLS liegt auch weiter falsch, so korrigierte sie im Arbeitsmarktbericht September 2010 in einer vorläufigen Schätzung der Benchmark von April 2009 bis März 2010 die Zahl zum Stellenabbau um -330’000 nach unten. Diese Daten fließen allerdings nicht in den aktuellen Bericht ein, sondern erst in der endgültigen Benchmark-Revision zum Arbeitsmarktbericht am 04. Februar 2011! Ein erstaunlicher Vorgang, zum wiederholten Male korrigiert die BLS die eigenen Daten, ohne das sich deswegen irgendetwas an den statistischen Erhebungsmodellen ändert. Auch nimmt diese vorläufige Revision kaum jemand war, da sie doch das aktuelle Zahlenwerk im Arbeitsmarktbericht September nicht beeinflussen.

Schon mal -330’000 Stellen weniger von April 2009 bis März 2010, laut der vorläufigen Schätzung, als bisher von der BLS angenommen.

Vor allem die lächerlichen nicht saisonbereinigten Daten aus dem Net Birth/Death Model wurden in der Vergangenheit radikal revidiert! Das Net Birth/Death Model schätzt die neugegründeten Firmen und deren Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft. Die Statistiker gingen davon aus, dass viele neue Unternehmen entstehen, mehr als alte liquidiert wurden. Während einer Rezession eine völlig absurde Annahme! So wurde in der Benchmark 2009 (April 2008-März 2009) für das Net Birth/Death Model der Stellenaufbau um fulminante -779’000 nach unten revidiert!

Das offensichtlich positivistische Statistikmodell, der Schätzungen aus dem Net Birth/Death Model wurde bis August 2010 unbeirrt von der BLS weitergeführt:

Das Net Birth/Death Model generierte im September 2010 bescheidene +11’000 neue Jobs in neu gegründeten Firmen, nach noch +115’000 im Vormonat! Bitte zum Vergrößern die Tabelle anklicken!

Insgesamt beschreibt der Stellenaufbau/abbau jedoch das Problem auf dem US-Arbeitsmarkt nur unzureichend, denn eigentlich müssten monatlich ca. +125’000 neue Stellen geschaffen werden, um das Beschäftigungsniveau in der aktuellen Relation zur Struktur und Entwicklung der Bevölkerung konstant zu halten.

Nun zu den Household Data, diese werden an Hand einer Umfrage des Census Bureaus bei 60’000 Haushalten für das Bureau of Labor Statistics (BLS) ermittelt, es werden die Daten zu den Erwerbsfähigen die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, zum Stand der Beschäftigung, sowie die Zahl derer die nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen erhoben! Die Household Data haben einen “expansiveren Anwendungsbereich”! Expansiv steht dafür, dass bei den Household Data alle Arbeitnehmer, auch die in der Landwirtschaft, unbezahlte mithelfende Familienangehörige, Selbstständige, Arbeitnehmer in privaten Haushalten, Unterbeschäftigte und Arbeitnehmer, die in der Umfrage angeben im unbezahlten Urlaub zu sein, als Beschäftigte mitzählen, wenn sie älter als 16 Jahre sind. Dies sind natürlich hervorragende Stellschrauben zur Beschönigung des Arbeitsmarktberichts, die für September auch kräftig genutzt wurden.

Beim September Arbeitsmarktbericht fällt sofort auf, obwohl die Establishment Data und damit die Abfrage bei 400’000 Unternehmen einen Stellenabbau von -95’000 anzeigen, steigt laut Household Data die Zahl der Beschäftigten um +141’000. Manchmal sind doch Telefonumfragen bei 60’000 Haushalten richtig praktisch. Denn relevant bei der Ermittlung der Arbeitslosenquote und der Arbeitslosenzahl sind nur die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte (Civilian Labor Force Level) und die Beschäftigungszahlen (Employment Level) aus der Haushaltsbefragung!

Civilian Labor Force Level – Employment Level = Unemployment Level (Anzahl der Arbeitslosen) bzw. das Verhältnis aus Civilian Labor Force Level und Employment Level entspricht der Arbeitslosenquote (Unemployment Rate).

Nur durch die höhere Beschäftigungszahl im September, ermittelt aus einer Telefonumfrage gelingt es die Arbeitslosenquote U-3 bei 9,6% zu halten!

Die wichtige Zahl der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte (Civilian Labor Force) war im September nur mit +48’000 auf saisonbereinigte 154,158 Millionen gestiegen, die Zahl der Beschäftigten hingegen aber um +141’000. Zwangsläufig muss aus diesem Datensatz die Zahl der Arbeitslosen sinken.

Die gesamte Civilian Noninstitutional Population, also die arbeitsfähige Bevölkerung ab 16 Jahren, die sich nicht im aktiven Militärdienst oder auch in Gefängnissen, psychiatrischen Einrichtungen oder anderen Institutionen befindet, war um +223’000 zum Vormonat und um kräftige +2,0 Millionen auf 238,322 Millionen im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen! Von zusätzlich +223’000 Arbeitsfähigen im Alter an 16 Jahren im September 2010 sollen aber angeblich nur +48’000 dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

Der Effekt aus der Datenverzerrung ist sogar noch größer, wenn man die Daten im Vergleich zum Vorjahresmonat betrachtet. Die Zahl der Arbeitsfähigen ab 16 Jahren stieg um +2,0 Millionen, währenddessen nahm die Zahl derjenigen Arbeitskräfte, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen um -231’000 ab.

Die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen (Employment Level) seit Januar 2000. Im September 2010 stiegen die Beschäftigtenzahlen um +141’000 auf saisonbereinigte 139,391 Millionen. Beim Hoch im November 2007 waren 146,483 Millionen beschäftigt!

Alle potentiellen Arbeitsfähigen ab 16 Jahren, die dem Arbeitsmarkt angeblich nicht mehr zur Verfügung stehen (Not in Labor Force), spielen praktischerweise bei der Ermittlung der offiziellen Arbeitslosenzahl und Arbeitslosenquote keine Rolle. Die Zahl der über 16-jährigen die dem Arbeitsmarkt angeblich nicht zur Verfügung standen, stieg im September um +175’000 zum Vormonat. Nicht für die Ermittlung der offiziellen Arbeitslosenquote relevant, waren insgesamt saisonbereinigte 84,164 Millionen erwachsene Personen und vor allem relevante 1,768 Millionen mehr, als im Vorjahresmonat!

Die Zahl der saisonbereinigten, dem Arbeitsmarkt nicht zu Verfügung stehenden Arbeitskräfte, Erwachsene ab 16 Jahre (Not in Labor Force) seit Januar 1990 im Chart! Not in Labor Force ist das einzige stabile Wachstumssegment beim US-Arbeitsmarkt und dient zur Verschleierung der wirklichen Situation am US-Arbeitsmarkt!

Besonders seit Juli 2009 wollen uns die Statistiker vorgaukeln, dass die Zahl der Arbeitskräfte, die nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen (Not in Labor Force), schneller wuchs als die gesamte arbeitsfähige Bevölkerung (Civilian Noninstitutional Population). Die absurde statistische Verbiegung an Hand der unbereinigten Daten der Civilian Noninstitutional Population und der unbereinigten Daten aus Not in Labor Force jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat im Langfristchart seit Januar 1978 visuell aufbereitet.

Logischerweise muss der Anstieg der arbeitsfähigen Bevölkerung ab 16 Jahre (Civilian Noninstitutional Population – blau) höher sein, als der Anstieg der Nichterwerbsfähigen (Not in Labor Force – rot), siehe die Entwicklung von 1978 bis Anfang 2009! Diese Daten seit Juli 2009 waren ein deutlicher Beleg für eine verzerrte Arbeitsmarktstatistik. Im September 2010 bewegt sich diese Relation erstmals wieder in Richtung Normalität.

Unter den unbereinigten (not seasonally adjusted) 83,421 Millionen, die nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen (Not in Labor Force), befinden sich immerhin 52,478 Millionen im Alter zwischen 16 und 64 Jahren.

Das Civilian Employment-Population Ratio, das Verhältnis der Beschäftigten (Employment Level) zur Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter (Civilian Noninstitutional Population Level) seit 1948. Im September 2010 lag das Ratio unverändert bei saisonbereinigten 58,5%. Vom Durchschnitt des Ratio zwischen dem Jahr 2000 bis 2008 mit 62,93% ist der US-Arbeitsmarkt deutlich entfernt!

Die saisonbereinigte Anzahl der Beschäftigten (Employement Level: 139,391 Mio.) in der Relation zur Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter ab 16 Jahre (Civilian Noninstitutional Population Level: 238,322 Millionen aus: Civilian Labor Force+Not in Labour Force) liegt mit 58,5% nur um +0,3 Prozentpunkte über dem Krisentief vom Dezember 2009 mit 58,2%. Zur Gesamtbevölkerung (310,570 Mio.) betrug das Verhältnis im September nur 44,88%!

Während der Anteil der beschäftigten Frauen im Verhältnis zur Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter bis fast zum Jahr 2000 sukzessive auf ein Employment-Population Ratio von 58% anstieg und erst danach auf 53,6% bis September 2010 abfiel, ging es bei den Männern seit Jahrzehnten fast nur bergab. Von 84,7% im März 1953 auf 63,7% im September 2010.

In welcher extremen Ausnahmesituation sich der US-Arbeitsmarkt während der Wirtschafts- und Finanzkrise befand verdeutlicht auch diese Grafik:

Die Veränderung des Civilian Noninstitutional Population Level, der Zahl der arbeitsfähigen Bevölkerung ab 16 Jahre im Vergleich zum Vorjahresmonat und die Veränderung des Employment Level (Zahl der Beschäftigten) im Vergleich zum Vorjahresmonat, jeweils in Millionen seit Januar 1960! Da man im September 2010 den Chart auch als Beleg für eine Verbesserung der Situation interpretieren könnte, hier noch mal der Hinweis auf die Qualität der Daten zur Zahl der Beschäftigten, der Anstieg im September zum Vormonat stand im deutlichen Widerspruch zu dem gemeldeten Stellenabbau der Unternehmen.

Genaugenommen befindet sich der US-Arbeitsmarkt auch im September in einem Double Dip-Szenario, gemessen an der Erwerbsquote:

Die Erwerbsquote (Civilian Participation Rate) aus Civilian Labor Force Level (Arbeitskräfte, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, aus Employment Level + Unemployment Level) und dem Civilian Noninstitutional Population Level (arbeitsfähige Gesamtbevölkerung ab 16 Jahre) lag im September 2010 unverändert bei 64,7% und liegt damit immer noch unmittelbar in Nähe der bisherigen Tiefs von 64,6% aus Dezember 2009 und Juli 2010!

Eine sinkende Erwerbsquote ist eine äußerst negative Indikation für eine Volkswirtschaft!

Hinter den hier beschriebenen, vielfältigen Möglichkeiten zum künstlichen Drücken der offiziellen Arbeitslosenquote U-3 auf unveränderte 9,6% im September 2010, verbergen sich saisonbereinigte 14,767 Millionen (SA) Arbeitslose, dies sind saisonbereinigte -93’000 Arbeitslose weniger als im Vormonat und -392’000 Arbeitslose weniger als im Vorjahresmonat!

Die saisonbereinigte US-Arbeitslosenquote U-3 im Chart seit 1948.

Saisonbereinigte 14,767 Millionen Arbeitnehmer sind ohne Job, der Langfristchart seit 1948!

Weiterhin verdeutlicht die miese Lage am US-Arbeitsmarkt, die hohe Zahl der Langzeitarbeitslosen mit 6,123 Millionen, die länger als 27 Wochen keinen Job haben! Sie liegt aber immerhin um -126’000 niedriger als im Vormonat, aber noch sind 41,46% aller offiziellen Arbeitslosen Langzeitarbeitslose! Und auch der Anstieg zum Vorjahresmonat betrug noch kräftige +12,4% bzw. deutliche +676’000!

In der breiter gefassten Arbeitslosenquote U-6 erscheinen zusätzlich die Arbeitnehmer in Teilzeit, welche aber einen Vollzeitarbeitsplatz suchen, die marginal und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer und die sogenannten entmutigten Arbeitnehmer, welche nicht nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz im 1-Monats-Erhebungszeitraum suchten!

Die saisonbereinigte Zahl der Arbeitnehmer in Teilzeit, welche einen Vollzeitarbeitsplatz suchten, stieg im September 2010 um +612’000 zum Vormonat auf 9,472 Millionen! Damit wurde ein neues Allzeithoch markiert. Im Chart die Daten seit Januar 1978.

Die nicht saisonbereinigte Anzahl der marginal und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer stieg im September um +178’000 zum Vormonat auf 2,548 Millionen. Die Daten seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1994.

Die Anzahl der nicht saisonbereinigten, sogenannten entmutigten Arbeitnehmer, welche nicht nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz im 1-Monats-Erhebungszeitraum suchten, stieg im September ebenfalls auf ein Allzeithoch, um +99’000 zum Vormonat, auf 1,209 Millionen!

Die saisonbereinigten Daten dieser Gruppen zusammen mit den Arbeitslosen aus U-3 ergeben die Quote U-6:

Die saisonbereinigte breiter gefasste Arbeitslosenquote U-6 stieg im September 2010 auf 17,1%, nach 16,7% im Vormonat (siehe Tabelle rechts unten). Quelle: PDF BLS Tabelle Seite 27

Die Entwicklung der US-Arbeitslosenquote U-6 seit Januar 1994, dem Beginn der Datenerhebung.

Die Zahl der breiter gefassten Arbeitslosen nach U-6, stellt sich im Detail nach den komplett verfügbaren nicht saisonbereinigten Daten der BLS wie folgt dar:
U-3 (NSA): 14,140 Mio.
Part Time for Economic Reasons (NSA): 8,628 Mio.
Marginally Attached to Labor Force (NSA) 2,548 Mio.
Discouraged Workers (NSA) 1,209 Mio.

Die nicht saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen und Erwerbsfähigen ohne adäquaten Job, sank im September 2010 laut BLS auf 26,525 Millionen, nach 26,867 Millionen im August, nach 27,681 Millionen im Juli und nach 27,55 Millionen im Juni! Die nicht saisonbereinigte Arbeitslosenquote U-6 stieg dagegen auf 17,0%, nach 16,2% im Vormonat. Dieser Anstieg kam nur dadurch zustande, weil die Bezugsgröße, der unbereinigte Civilian Labor Force Level (Arbeitskräfte, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen) um -824’000 (saisonbereinigt +41’000) zum Vormonat fiel. Wenn aber die Zahl der Arbeitslosen und Unterbeschäftigten deutlich geringer sank, als die Zahl der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte, muss die breiter gefasste Arbeitslosenquote  U-6 in die Höhe schnellen.

Der Arbeitsmarktbericht bleibt auf Grund der beiden unterschiedlichen Erhebungen und seiner vielfältigen Datensätze immer noch eine Black Box, auch wenn man sich bemüht Licht ins Dunkle zu bringen. Vor allem die fehlende Datenkonsistenz fällt ins Auge, Monat für Monat wird an anderen Stellschrauben gedreht, die nur bedingt plausibel erscheinen.

Auch die Arbeitslosenzahlen aus der Rubrik U-6 sind noch geschönt, denn die entmutigten Arbeitnehmer, die auf Grund fehlender Jobs aufgegeben haben und länger als 1 Jahr nicht mehr nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz suchen, entfallen seit der Clinton-Ära auch komplett aus der Arbeitslosenstatistik U-6. Aus der enger gefassten Arbeitslosenstatistik U-3 fallen die entmutigten Arbeitnehmer bereits nach einem Monat heraus!

John Williams von Shadow Government Statistics (SGS) bereinigt die saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen U-6 um die offiziell vorgenommenen statistischen Veränderungen bei der Datenerhebung der entmutigten Arbeitnehmer und kommt auf eine saisonbereinigte Arbeitslosenquote von 22,5%, welche 33,915 Millionen Arbeitslosen entspricht!

Rot: die offizielle Statistik U-3, grau: die Rubrik U-6, blau: die alternative Berechnung von SGS! Aber auch Williams greift als Basis der Berechnungen auf die Civilian Labour Force Level der BLS zurück und erweitert diese um die entmutigten Arbeitnehmer, die länger als 1 Jahr nicht mehr nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz suchen, aus Not in Labor Force.

Nun noch mal zurück zu den Details der Establishment Survey Data Erhebung. Monat für Monat kam es seit Jahren zu einem Stellenabbau im Verarbeitenden Gewerbe (Manufacturing). Nun meldet das BLS nach einem Anstieg von fünf Monaten in Folge, bereits seit zwei Monaten wieder schrumpfende Beschäftigungszahlen, diesmal von -6’000 im Vergleich zum Vormonat, nach -27’000 im August.

Der Langfristchart zeigt wie schwach die Erholung der letzten Monate bei den Beschäftigtenzahlen war und auf welchem desaströsen Niveau sie sich bewegen:

Mit der Anzahl der Industriejobs geht es seit dem Jahr 2000 stetig bergab! Im September 2010 sank die Zahl der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe (Manufacturing) auf saisonbereinigte 11,670 Millionen und lag damit auf dem Level von 1941.

Im September 2010 waren nur noch 8,63% aller Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft im Verarbeitenden Gewerbe beschäftigt. Im Verhältnis zu allen Beschäftigten in den USA mit 139,391 Millionen, lag der Beschäftigungsanteil des Verarbeitenden Gewerbes bei nur noch 8,37%.

Der permanente Fall der Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes in den USA auf nur noch 11% des nominalen BIPs im Jahr 2009!

Auch die Fehlentwicklung der Relation von wertschöpfenden industriellen Jobs zur Zahl der ausufernden Staatsangestellten bleibt atemberaubend, wie dieser Chart verdeutlicht.

Auch im September 2010 fiel zwar die Zahl der Jobs bei Federal-, State- and Local Governments um weitere -159’000 Stellen auf 22,231 Millionen, dem standen aber nur noch 18,019 Millionen Jobs (-22’000 zum Vormonat) aus dem breit gefassten Goods Producing (Forstwirtschaft, Fischerei und Jagd, Bergbau, Bauwirtschaft, Energie und Verarbeitendes Gewerbe) gegenüber! Beim Verarbeitenden Gewerbe waren es noch 11,670 Millionen Beschäftigte!

Diese Zahlen weisen bereits in Richtung eines unhaltbaren Ungleichgewichts innerhalb der Beschäftigungsstruktur in den USA hin. Außerhalb der Landwirtschaft (Total Nonfarm Employment) gab es im September 130,201 Millionen Jobs, im breiter gefassten produzierenden Gewerbe (Goods Producing) waren es nur noch 18,019 Millionen Beschäftigte. Im gesamten US-Dienstleistungssektor (privat und staatlich) waren dagegen insgesamt 112,182 Millionen beschäftigt!

Die Ungleichgewichte in der Beschäftigungsstruktur spiegeln sich natürlich auch bei den generierten Einkommen wider:

Im Chart die nominale Summe der Löhne und Gehälter aus Goods Producing Industries (blau), Manufacturing (grün) und Government (rot) seit Januar 1960. Über Jahrzehnte lag die Summe der Einkommen in der Industrie (Goods Producing/Manufacturing) über der aus dem Staatssektor (Federal-, State- and Local Governments).

Nach den letzten Daten aus dem Monat August 2010 lagen die nominalen Löhne und Gehälter im breitgefassten Goods Producing aus Forstwirtschaft, Fischerei und Jagd, Bergbau, Bauwirtschaft, Energie und Verarbeitendem Gewerbe bei saisonbereinigten und auf das Jahr hochgerechneten 1,0522 Billionen Dollar (SAAR). Im Verarbeitenden Gewerbe (Manufacturing), als Hauptbestandteil der Goods Producing Industries lag die Gesamtsumme der Löhne und Gehälter bei 666,1 Mrd. Dollar (SAAR). Die Löhne und Gehälter im aufgeblähten Staatssektor sanken im August auf 1,1890 Billionen Dollar (SAAR).

Auch am Bau bleibt die Joblage weiter angespannt:

Im September 2010 sanken die Beschäftigungszahlen am Bau um saisonbereinigte -21’000, allerdings wurden diese Daten durch unbereinigte +7’000 aus den Schätzungen des Net Birth/Death Model geschönt, nach +11’000 im Vormonat! Diese BLS-Praxis ist weiterhin peinlich, denn die Daten zu den Baubeginnen und den Häuserverkäufen sind eine Katastrophe. Insgesamt sind nur noch 5,604 Millionen Beschäftige im Baugewerbe tätig. Seit dem Beschäftigungshoch im Januar 2007 mit 7,719 Mio. Jobs sind -2,115 Mio. Stellen verloren gegangen!

Hauptverantwortlich für den Stellenabbau am Bau ist vor allem die Misere am Wohnungsmarkt:

Die realen privaten Wohnungsbauinvestitionen stiegen in Q2 zwar auf 350,1 Mrd. Dollar (SAAR) an, nach 330,7 Mrd. Dollar im Vorquartal. Allerdings verrät der Chart, wie mies es weiter um die Investitionen steht, zumal die ausgelaufenen steuerlichen staatlichen Förderungen für das laufende 3. Quartal noch schwächere Investitionen versprechen.

Die Zeitarbeit generierte im September 2010 wieder einen Stellenaufbau von +16’900 befristeten Aushilfen. Seit dem Tief im September 2009 sind durch Zeitarbeit bis September 2010 +404’200 Jobs, von geringer Qualität in Punkto Einkommen geschaffen worden! Insgesamt waren per Zeitarbeit im September 2010 2,1286 Millionen beschäftigt!

Noch ein paar Beschäftigungscharts aus dem Dienstleistungssektor:

Im Bildungs- und Gesundheitswesen sind im September 2010 +17’000 neue Jobs geschaffen worden. Insgesamt gibt es in diesem Bereich 19,611 Millionen Beschäftigte!

Im Professional und Business Services sind im September 2010 +14’000 neue Jobs geschaffen worden. Insgesamt arbeiten 16,734 Millionen Beschäftigte im Professional und Business Services. Im Chart die Entwicklung der Beschäftigung seit Januar 1990. Der breite Bereich, der professionelle Dienstleistungen für Unternehmen umfasst z.B. Rechnungswesen, Buchhaltung, EDV-Dienstleistungen, Architektur, Ingenieur-und Design-Dienstleistungen, Unternehmens- und Rechtsberatung, Research Dienstleistungen, Werbung, Unternehmensverwaltung, Facility Management, Sicherheitsdienst, Empfangsbereich und Reinigungs-und Entsorgungsdienstleistungen.

Die Entwicklung der durchschnittlich geleisteten Wochenarbeitszeit in der privaten Industrie verdeutlicht wie schlecht es um den US-Arbeitsmarkt steht:

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Beschäftigten in der privaten Industrie im Chart seit Januar 1964 bis September 2010. Im September lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit unverändert zum Vormonat bei 33,5 Stunden. Die geleistete durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt mit 33,5 Stunden weiter in der Nähe des historischen Tiefpunktes mit 33,0 Stunden seit 45 Jahren, aus Oktober 2009!

Die BLS-Datenbank liefert auch noch Daten zu den realen (inflationsbereinigten) durchschnittlichen medianen Wochenlöhnen:

Die realen durchschnittlichen Wochenlöhne lagen zuletzt in Q2 2010 mit 340 Dollar nur knapp über dem Niveau von Q1 1979 mit 339 Dollar. Nach Abzug der offiziellen (aber geschönten) Inflation bewegen sich die durchschnittlichen Wochenlöhne seit Jahrzehnten nicht nach oben. Berücksichtigt man die seit Jahren wachsende Einkommensschere, dürften viele Arbeitnehmer sogar gravierende reale Einkommensverluste verbuchen, denn die obersten 10% der Haushalte erzielen 47,1% der Einkommen und damit fast so viel wie die “restlichen” 90% der Haushalte und viermal so viel wie die untersten 40% der Haushalte die nur 9,3% der Einkommen erzielen!

Der Arbeitsmarkt in den USA ist ein Desaster, Billionen an Staatshilfen inklusive dem Paper-Money der Druckerpressen der FED wurden verblasen ohne das sich am Arbeitsmarkt eine relevante Verbesserung eingestellt hat! Hort der Ineffizienz und Hilflosigkeit ist die einzig mögliche Bezeichnung für die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Obama-Administration und Bernankes FED.

Quelle Daten: PDF US-Arbeitsmarktbericht August 2010, Bls.gov, Stlouisfed.org, Bls.gov/Datenbank

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