Monatlicher Gruß aus der Eurozone – Target2 Saldo der BUBA steigt auf 728,567 Mrd. Euro

von am 6. Juli 2012 in Allgemein

Die Deutsche Bundesbank (BUBA) berichtete heute, für den Monat Juni 2012, erneut von einem Anstieg des positiven Target2 Saldo um +29,999 Mrd. Euro zum Vormonat auf 728,567 Mrd. Euro. Damit erklimmt die Target2 Forderung erneut ein neues Allzeithoch. Zum Vorjahresmonat mit “nur” 336,539 Mrd. Euro zog der Target2 Saldo um +392,028 Mrd. Euro an, dies entsprach einem prozentualen Anstieg von +116,5%. Die Forderungen aus Target2 bilden den positiven Saldo der Bundesbank aus dem so genannten Echtzeit-Bruttozahlungssystem (Target2) ab, dem grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr via Target2 Zahlungssystem. Formal besteht diese Forderung gegenüber der EZB.

 

Die Forderungen aus Target2 der Deutschen Bundesbank (innerhalb des ESZB/Sonstige Forderungen netto) auf Monatsbasis in Mrd. Euro seit Januar 1999 im Chart. Von 1999 bis 2006, d.h. vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise, lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich bei nur 1,570 Mrd. Euro. Im Juni 2012 stiegen die Forderungen (positiver Target2 Saldo) auf 728,567 Mrd. Euro.

Die Target2 Salden zeigen den Stress im Eurosystem hervorragend an. Die extrem auseinander divergierenden Target2 Salden in der Eurozone dokumentieren die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Zentralbankgeld muss Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGSBF-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Spanien, Belgien und Frankreich) finanzieren und Zentralbankgeld nun auch noch zusätzlich die dramatischen privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten abpuffern muss.

Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) entstehen. Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit, das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss, dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Die Gläubiger-Position der BUBA erhöht sich immer weiter und stellt sich im Falle eines Auseinanderbrechens der Eurozone weitgehend als uneinbringbare Forderung dar. Ungebremst verläuft die Kapitalflucht via grenzüberschreitenden Target2-Zahlungsverkehr von den PIIGSBF-Banken in Richtung des deutschen Bankensystems.

Banken benötigen Zentralbankgeldguthaben bei ihren heimischen Zentralbanken, nur aus diesen heraus können sie die Zahlungsaufträge ihrer Kunden im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr ausführen. Wichtig dabei, zwischen den beteiligten Zentralbanken selbst fließt kein Geld, sondern die nationale Zentralbank der Empfänger-Bank schreibt die Überweisung als Gutschrift der Bank gut und erhält im Gegenzug nur eine Forderung gegen das Eurosystem, während der nationalen Zentralbank mit der den Zahlungsauftrag auslösenden Geschäftsbank, eine Verbindlichkeit gegen das Eurosystem verbucht wird.

Die Kapitalflucht dürfte weiter primär auf Institutionelle, insbesondere Banken und Vermögende zurückzuführen sein, die ihre Kreditengagements in den PIIGSBF-Banken reduzieren bzw. Vermögenswerte und gar die zusätzliche Zentralbankgeldliquidität der Banken selbst, in den vermeintlich sicheren Hafen des deutschen Bankensystems transferieren. Bei den Zentralbanken von Deutschland, den Niederlanden, Luxemburgs und Finnlands (DNLF) schwellen die Target2 Forderungen seit Mitte 2007 auf der Aktiva-Seite der Bilanz an. Im Gegenzug sank die Kreditgewährung an die heimischen Banken auf der Aktiva-Seite, während auf der Passiva-Seite der DNLF-Zentralbanken die Einlagefazilität explodierte, da die DNLF-Banken in ihrer “Not” der Überschüttung mit Zentralbankgeld aus den Target2 Überweisungen und in Ermangelung anderer Aktivitäten (Interbankenmarkt) dieses Geld in der Einlagefazilität bunkern. Die Kreditgewährung wie auch die Einlagefazilität des Eurosystems können die Banken nur über ihre jeweilige nationale Zentralbank bemühen! Die steigenden Target2 Verbindlichkeiten auf der Passiva Seite der PIIGSBF-Zentralbanken gehen einher mit einem Einlagenschwund der heimischen Banken ebenfalls auf der Passiva-Seite der Zentralbank und mit einer steigenden Kreditgewährung der Zentralbanken an das heimische Bankensystem, die sich auf der Aktiva-Seite der Bilanzen der PIIGSBF-Zentralbanken zeigt.

Die Risiken aus den wirtschaftlichen Ungleichgewichten in der Eurozone und der explodierenden Kapitalflucht innerhalb der Eurozone werden den öffentlichen Händen übergeholfen. Diese Forderungen der BUBA sind im Falle eines Auseinanderbrechens der Eurozone nahezu uneinbringbar. Dies wiederum erhöht die Motivation der Verantwortlichen am de facto bereits gescheiterten Euro-Experiment festzuhalten um die Uneinbringlichkeit der Forderungen hinauszuschieben. Solange aber die Ursachen der Krise, die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften nicht behoben wird und die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften der Südperipherie sogar weiter sinkt, wird auch das Vertrauen nicht wiederkehren und damit wird sich auch nicht der private Kapitalfluss umkehren. Die Kapitalflucht wird ungebremst weiter in Richtung Deutschland anhalten und die BUBA muss im Gegenzug wertlose Forderungen verbuchen. Somit werden weiter die Schäden maximiert.

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/target2-salden/

Quelle Daten: Bundesbank.de/Definition Target2 Saldo der BUBA mit dem Stand vom 30.06.2012

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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