Neue Daten der griechischen Zentralbank

von am 9. Dezember 2011 in Allgemein

Heute veröffentlichte die griechische Zentralbank (Bank of Greece) ihre Bilanz für den Oktober 2011. Diese Daten bieten ein bekanntes Bild, die Bilanzsumme zieht weiter an, im Oktober 2011 auf 165,660 Mrd. Euro.

Die Entwicklung der Total Assets der griechischen Zentralbank seit Januar 1999 im Chart. Im Oktober 2011 quillt die Aktiva-Seite der Bilanz auf 165,660 Mrd. Euro auf.

Für die Sicherstellung der Liquidität für das de facto bankrotte griechische Bankensystem und dessen Refinanzierungsbedarf über die Aktiva-Seite der Notenbankbilanz avanciert auf der Passiva-Seite der Bilanz Target2. Der Refinanzierungsbedarf der griechischen Banken wird fast ausschließlich aus Target2 gesichert.

Die Entwicklung des negativen Target2 Saldos als Passiva (Verbindlichkeit) in der Bilanz der Bank of Greece. Im Oktober 2011 stieg der Target2 Saldo auf -105,688 Mrd. Euro, nach 100,754 Mrd. Euro im Vormonat.

Der Target2 Saldo als Verbindlichkeit entsprach bis vor kurzem fast 1:1 der Aktiva-Seite der Bilanz unter Pos. 5, dies ist die Kreditgewährung an die Kreditinstitute über Hauptrefinanzierungsgeschäfte und die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte:

Die Entwicklung der Kreditgewährung der griechischen NZB an die Kreditinstitute in Mrd. Euro. Diese Daten sind aus zweierlei Sicht interessant, zum einen dokumentieren sie bis Anfang 2008, dass das griechische Bankensystem fast keinen Finanzierungsbedarf über die Notenbank hatte und zum anderen, nach dem explosionsartigen Anstieg auf 103,108 Mrd. Euro im Juni 2011, eine erstaunliche Divergenz bis Oktober (74,804 Mrd. Euro), zum Pendant dem negativen Target2 Saldo!

Es lässt aber im krisengeschüttelten griechischen Bankensystem nicht der Refinanzierungsbedarf nach, sondern er wurde einfach über andere Kanäle überkompensiert. Die griechische NZB hat faule Wertpapiere (Schulden) der griechischen Banken aufgekauft und bis zur Endfälligkeit in die Bilanz übernommen. Dem negativen Target2 Saldo der griechischen NZB stehen auf der Aktiva-Seite in der Bilanz der griechischen Notenbank nun auch übernommene faule Assets gegenüber. Die sogenannten Remaining Assets (auch Sundry Assets) der griechischen NZB wuchsen im Oktober 2011 um weitere +9,684 Mrd. Euro zum Vormonat.

Die Entwicklung der Remaining Assets seit Januar 1999 in Mrd. Euro im Chart. Im Oktober 2011 stiegen diese Assets auf 51,588 Mrd. Euro. Remaining Assets sind aufgekaufte Wertpapiere die unter Sonstige Finanzanlagen verbucht werden und nun bis zur Endfälligkeit von der NZB gehalten werden.

Erwähnen muss man auch, dass die griechische NZB noch ein gewaltiges Volumen von 261,798 Mrd. Euro an Assets außerhalb der Bilanz hält (off balance sheet items), im Vorjahresmonat waren es “nur” 177,718 Mrd. Euro und im Oktober 2009 waren es sogar nur 105,511 Mrd. Euro. Auf welcher Basis die Bank of Greece überhaupt so eine enorme Summe außerhalb der Bilanz ausweisen kann und welche miese Asset-Qualität sich hinter diesen “Vermögenswerten” verbirgt bietet breiten Raum zur Spekulation.

Noch ein kurzer Blick auf die Einlagen im griechischen Bankensystem. Im Oktober 2011 sanken die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen erneut, um -6,786 Mrd. Euro, auf 176,420 Mrd. Euro.

Die Entwicklung der Kundeneinlagen bei den griechischen Banken seit Januar 2009 im Chart. Im Oktober 2011 wurde mit -6,786 Mrd. Euro der größte Kapitalabzug aus dem griechischen Bankensystem in einem Monat vollzogen. Seit dem Hoch bei den Einlagen im September 2009 mit 237,824 Mrd. Euro betrug der Kapitalabzug -61,404 Mrd. Euro. Dies entsprach 25,82% aller Einlagen.

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert, inklusive Charts, via: Querschuesse.de/target2-salden/

Quelle Daten: Bankofgreece.gr/XLS Balance Sheet, Bankofgreece.gr/XLS Einlagen

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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19 KommentareKommentieren

  • Bernd Klehn - 9. Dezember 2011

    Danke Steffen,

    auch sind weiter heftig Banknoten gedruckt worden, um die Geldautomaten am Laufen zu halten.

    Die “9.2 Net liabilities related to the allocation of euro banknotes within the Eurosystem “sind von 14,7Mrd auf 18,0 gestiegen. Dieser Posten ist ähnlich wie Target2 zu bewerten.

    http://www.bankofgreece.gr/BogEkdoseis/financialstat201110_en.pdf

    Mit sehr feundlichen Grüßen

    Bernd

  • Buckliger - 9. Dezember 2011

    Hi, ich würde für die Finanzierung von Querschüsse u.a. das Prinzip von “Flattr” vorschlagen. Aus meiner Sicht werden mit Flattr alle Internetbezahlprobleme auf einen Schlag gelöst. Man fragt sich warum das nicht schon längst Verbreitung gefunden hat.

    • Querschuss - 9. Dezember 2011

      Hallo Buckliger,
      wenn du mit einem kleinen Betrag Querschuesse regelmäßig wirklich unterstützen möchtest, geht dies auch wesentlich einfacher, schicke mir einfach ein Mail (info.querschuss@yahoo.de) und du bekommst meine Kontonummer.

      Gruß Steffen

  • flo - 9. Dezember 2011

    Der euro wird uns so dermaßen um die Ohren fliegen, es ist einfach zum kotzen. Man bekommt das Gefühl, dass der Euro zu inzwischen 50% oder so nur noch von toxischem Mist gedeckt ist. Faule Häuserkredite in Spanien und Irland, Verbraucher und Unternehmenskredite in bankrotten Ländern und als Schmankerl eine RIESENMENGE an Anleihen insolventer Staaten. Das Bankensystem wird nur noch von der EZB am laufen gehalten und das wird sich NIE mehr ändern!! Das System Euro ist schon längst zerbrochen.

    Leute, das wird richtig schmerzhaft. Glaube dennoch, das im richtig grossen stil gedruckt werden wird. Als verzweifelter “Rettungsversuch”. Einige Billionen, mindestens.

    Die Flucht in Sachwerte hat längst begonnen, siehe Immobilien in D und vor allem in London. Zunächst die Reichen, die es früher kommen sahen, bald die Mittelschicht, womit es vorbei wäre. Ich hoffe auf eine baldige Rezession, inklusive fallender Aktienpreise. Werde mich dann mit Blue Chips, vor allem aus USA (Chevron, Exxon, Procter and Gamble, etc.) und UK (Shell) eindecken. Für nen Haus hab ich kein Geld, Gold hab ich schon und ist zu teuer, um genug davon zu kaufen.

  • M.E. - 9. Dezember 2011

    Es bleibt dabei: 70 bis 80% aller Schulden und Guthaben sowie 95% aller Absicherungsgeschäfte müssten eingedampft werden.
    Dann würde zwar kein Stein auf dem anderen bleiben im Finanzwesen und das würde auf eine vorübergehende Komplettverstaatlichung aller Banken und Versicherungen hinauslaufen, aber dann wäre die Finanzwirtschaft wieder einigermaßen realwirtschaftskompatibel.

    Je länger die Insolvenzverschleppung des Gesamtsystems, desto höher der Abschreibungsbedarf.

  • wolfgang - 9. Dezember 2011

    Der Target2-Saldo ist noch geschönt, denn das SMP-Programm wird über Target abgewickelt. Wieviel griechische Wertpapiere wuden von der EZB und den nationalen Zenralbanken außerhalb Griechenlands aufgekauft?

  • wolfgang - 9. Dezember 2011

    Gibt es Erkenntnisse, wie viele außerbilanzielle Assets die EZB und die nationalen Zentralbanken haben?

  • klaus - 9. Dezember 2011

    Moody’s hat in Frankreich zugeschlagen !

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/moodys-stuft-drei-franzoesische-banken-herab/5940222.html

    Sieht aus, als ob am Dienstag der Donnerschlag von S&P kommt.

    Der Donner der Kanonen ist bereits zu hören.

    Cameron wird wohl als Held in die Geschichte der Brit’s eingehen.

    Der Drakozel aber wird das Symbol für die Scheine
    mit den vielen Nullen werden.

    Es werden noch Staaten abspringen, um Ihre Souveränität
    im letzten Moment zu schützen.
    Und es werden nicht nur Schweden und die Slowakei sein.

    Ein Wochenende voller Gesichtsfalten steht bevor.
    Schönheitschirurgen erwarten einen Boom.

    Just my 2cents.

    Grüße klaus

  • wolfgang - 9. Dezember 2011

    In den außerbilanziellen Geschäften verbergen sich auch kurzfristige Dollarverbindlichkeiten aus (back to back) swapgeschäften mit der FED. Vgl. S. 249 Geschäftsbericht 2010 der EZB.

    • Querschuss - 9. Dezember 2011

      Hallo Wolfgang,
      denke mal die Erklärung greift erheblich zu kurz, aus der Bilanz Oktober 2011

      OFF-BALANCE-SHEET ITEMS
      1. Greek government securities relating to the management of the “Common
      capital of legal persons in public law and social securiry funds” according to Law 2469/97 23,471,299,595
      2. Greek government securities and other securities relating to the management
      and custody of funds of public entities, social security funds and private agents 7,302,756,447
      3. Assets eligible as collateral for Eurosystem monetary policy operations and intra-day credit 141,078,192,172
      4. Other off-balance-sheet items 89,945,393,065
      TOTAL OFF – BALANCE – SHEET ITEMS 261,797,641,279

      Der Anstieg der off-balance sheet items ist noch steiler als die der balance sheet items.

      Gruß Steffen

  • wolfgang - 9. Dezember 2011

    Im Prinzip haben die Normalo-Griechen alles verloren: Sogar ihre Sozialversicherungen sind verpfändet. Durch das Eurosystem wurde den Reichen die Kapitalflucht ermöglicht wie einst in Argentinien.

  • Ed - 9. Dezember 2011

    Erschrecken sind die immer noch hohen Einlagen von Privathaushalten bzw. Unternehmen. Entweder man interpretiert das als Vertrauen, Alternativlosigkeit oder Dummheit. Letzteres gefällt mir am besten.

  • bauagent - 9. Dezember 2011

    Nun ist sie da, die Absichtserklärung der 23 Staaten, die im März in einem Vertrag enden soll.

    Dieser Vertrag ist in Wahrheit nicht mehr, als eine Absichtserklärung nach heimatlicher Befragung der Parlamente eine zwischenstaatliche Vereinbarung zu treffen, die rechtlich im Zweifelsfall kaum Bedeutung hat, weil nicht alle 27 Staaten teilnehmen.

    Warum Euro und Dax dann steigen? Weil eine spätere Bankenbeteilung an bail outs ausgeschlossen wurde. Damit steht den Bonis für´s abgelaufene Jahr erstmal nichts mehr im Wege. Mehr zählt wohl im Moment nicht.

    Zitat aus dem Spiegel:

    Diese Haltung wird jetzt durch die EU-Juristen gestützt. Da die Währungsunion ausführlich im EU-Vertrag geregelt sei, könne eine Reform nur innerhalb des bestehenden Rechtsrahmens umgesetzt werden, heißt es in Brüsseler Kreisen. Zu diesem Urteil kommen demnach übereinstimmend die juristischen Dienste von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und des Ratssekretariats, also der Vertretung der Mitgliedsländer in Brüssel. Ein Vertrag, der nur von den 17 Euro-Regierungen abgeschlossen wird, sei daher nicht zulässig, sagen die Beamten.

    Aber wann hat man sich in den letzten Monaten schon an Verträge gehalten?

  • mitwisser - 9. Dezember 2011

    Wie ich im Spiegel lese, beliefert der Iran seit geraumer Zeit Rohöl auf Kredit an Griechenland. Bei den aktuellen Preisen dürften das schnell einige Milliarden sein. Geld das man zum stopfen anderer Löcher in GR dringend braucht. Ausserdem wird diesen Nicht Zahlen der Rechnung auch andere Regierungsrechnungen betreffen(alte Freunde natürlich ausgenommen) und sich quer durch die Gesellschaft ziehen. Mancher wird drauf hoffen dass die Altschulden dann im Chaos untergehen, wenn dieses griechische Schulden- und Kreditkonstrukt endgültig und auch bald implodiert.

  • wolfgang - 9. Dezember 2011

    Iran liefert Griechenland und Indien gegen Euro Öl.

    • Catweazle - 9. Dezember 2011

      Das war ja auch der eigentliche Grund für das Ende von Saddam im Irak. Der wollte sein Öl auch nur noch gegen Euro verscherbeln. Wenn das Schule gemacht hätte, dann wär die USA nicht nur theoretisch sondern auch ganz praktisch Bankrott.

  • mitwisser - 9. Dezember 2011

    seit weit ich das verstanden habe, zahlen die aber auch die euros fürs öl nicht. und die mullahs versprechen sich da wohl trotzdemirgendeinen vorteil von der situation. aber vielleicht sind die griechen einfacher noch schlauer als dieselben. im verarschen sind die ja weltklasse.

  • Phil - 12. Dezember 2011

    hey, wollte mal was zur letzten Grafik fragen, also zu den Einlagen von Haushalten&Unternehmen, aus welcher Tabelle bzw wo lassen sich denn die Daten dazu ablesen?

    • Querschuss - 12. Dezember 2011

      Hallo Phil,
      unten am Ende des Artikel stehen die Quellen, Excel Tabellen der griechischen Zentralbank als Zeitreihen.

      Gruß Steffen

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