Osteuropa: Investitionen im Überblick

von am 17. Mai 2015 in Allgemein

Nachdem Anfang Mai die AMECO-Datenbank der EU-Kommission ihrem Frühjahrsupdate unterzogen wurde und somit für die meisten Länder die aktuellsten Daten für 2014 vorliegen dürften, wird es wieder einmal Zeit für einen Überblick über die Investitionsquoten in Europa. Wir beginnen mit Osteuropa, wobei zwischen jenen osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten unterschieden wird, welche bereits den Euro eingeführt haben und jenen, welche derzeit noch ihre nationalen Währungen nutzen.

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Bei der Bruttoinvestitionsquote der Gesamtwirtschaft stehen die osteuropäischen EU-Länder insgesamt nicht schlechter da als die EU insgesamt oder Deutschland, einige hingegen z.T. deutlich besser. Insbesondere die Tschechische Republik kann mit einer zwar trendmäßig sinkenden, aber doch soliden Investitionsquote aufwarten. Deutlich über dem Durchschnitt liegen sonst noch Estland und Lettland, beides Länder, die vor 2008 eine extrem hohe Investitionstätigkeit aufgewiesen hatten und sich nun in “normalen” “Gefilden” befinden. Auch Rumänien und Bulgarien hatten bis 2008 im Vergleich geradezu gewaltige Investitionsquoten, sind aber stärker abgestürzt – aber dennoch weiterhin beide über dem EU-Schnitt. Am schlechtesten stand ab 2009 Litauen da, aber dort geht es seit vorletztem Jahr zumindest wieder bergauf. Weiterhin einem anhaltendem Abwärtstrend folgten 2015 Rumänien und Kroatien. Etwas nach unten ging es auch in Estland und Bulgarien, aber in diesen beiden Ländern ist die Quote seit 2010 relativ stabil. Ansonsten zeichnet sich am rechten Rand der Zeitreihe ein gewisser Aufwärtstrend an. Vergleicht man die Brutto- mit den Nettoinvestitionen, so ergeben sich da einige Überraschungen:

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Zunächst sticht hier Lettland ins Auge, welches bei den Bruttowerten ziemlich gut dasteht, aber bei den Nettoinvestitionen 2015 kaum über Null hinauskam. Offensichtlich unterliegt der Kapitalstock Lettlands einem deutlich stärkeren Wertverlust als der von z.B. Estland. In Litauen ist es genau andersherum, dieses Land steht bei den Nettoinvestitionen – auf die es letztlich ankommt – besser da als bei den Bruttoinvestitionen. Bei den Nicht-Euro-Ländern fällt auf, dass Bulgarien und Polen bei Netto deutlich besser wegkommen, als bei Brutto – was auch immer der Grund für die unterschiedlichen Abschreibungsraten (und etwas anderes kann die Differenz zwischen Brutto- und Nettoinvestitionen nicht erklären) sein mag. Das Spiegelbild ist hier Tschechien, das bei den Nettowerten gar nicht so sehr heraussticht, aber trotzdem noch deutlich über dem EU-Schnit liegt – daran, dass in diesem Land die Investitionsquote seit 2007 deutlich gesunken ist, ändert das aber auch nichts. Zu den Privatinvestitionen:

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Hier hat definitiv Slowenien den schlechtesten Stand, denn dort reichen die privaten Investitionen nicht einmal aus, um den Wertverlust des Kapitalstocks zu kompensieren, die Nettoinvestitionsquote des Privatsektors ist negativ, trotz eines gewissen Aufwärtstrends in den letzten drei Jahren. In Lettland und der Slowakei liegt die private Nettoinvestitionsquote bei Null. Stark abgestürzt ist sie zuletzt in Rumänien und auch die kurze Datenreihe für Kroatien (seit 2013) weist ‘gen Süden. Ansonsten ist die private Investitionstätigkeit in Osteuropa noch vergleichsweise solide. Ähnliches lässt sich auch über die staatlichen Investitionen sagen:

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Hier schafft es lediglich Tschechien die großen Sparfüchse in der Eurozone (staatliche Nettoinvestitionsquote in 2014 -0,13% gegenüber +0,91% in 2009) zu unterbieten; wobei es in Tschechien 2014 immerhin wieder etwas nach oben ging, im Gegensatz zu Euroland. Auch in der Slowakei lies der Staat den öffentlichen Kapitalstock 2014 per Saldo verfallen. Litauen und Lettland folgen weiter einem Abwärtstrend. Ansonsten geht es nach oben oder sieht zumindest nicht allzu übel aus. Last but not least die Ausrüstungsinvestitionen, wie immer sind hier leider nur Bruttodaten verfügbar:

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Die Bilder dürften für sich sprechen. Das osteuropäische EU-Land, das hier nicht deutlich über dem EU-Durchschnitt und Deutschland liegt, ist Litauen. Ansonsten waren auch 2014 die Investitionen in Ausrüstungen in allen betrachteten Ländern deutlich höher relativ zum BIP, wobei man dazu sagen muss, dass gerade Rumänien hier einen ziemlich langen Abwärtstrend fortsetzt. Und man sollte im Hinterkopf behalten, dass die Unterschiede in den Abschreibungsquotenn, die bei den Gesamtinvestitionen feststellbar sind, sich evtl. auch hier niederschlagen, d.h. z.B. Tschechien könnte bei den Ausrüstungsinvestitionen keineswegs so rosig dastehen, wie es hier den Anschein hat. Mangels Nettowerten lässt sich das aber nicht überprüfen.

 

Quellen: AMECO-Datenbank; eigene Berechnungen

Gastbeitrag von Sebastian
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

 

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2 KommentareKommentieren

  • Franz - 18. Mai 2015

    Hallo RedMoe,
    vielen Dank für die interessante Ausarbeitung. Zur Beurteilung der Entwicklung wären absolute Zahlen der Investitionen in Mrd. € auch sehr interessant. Könnten Sie dies bitte auch darstellen? Falls das sehr aufwändig ist, ggf. auch nur an den Beispielen einiger (wirtschaftlich wichtiger) Länder?
    Vielen Dank

    • RedMoe - 18. Mai 2015

      @Franz
      Ich hatte in der Tat schon überlegt, ob ich noch absolute Werte bzw. Indizes reinstellen soll, aber ich wollte die Leserschaft dann nicht mit zu vielen Charts bombardieren. ;)

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