Plagiatsaffäre: Bundesbildungsministerin Schavan verliert den Doktortitel – und die ministeriale Bodenhaftung

von am 6. Februar 2013 in Allgemein

Der aus 15 Mitgliedern bestehende Rat der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf war am 22. Januar mit 14 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung der Empfehlung des Prüfungsausschusses gefolgt und hatte ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels gegen Annette Schavan eingeleitet. Der Dekan der Fakultät, Professor Bruno Bleckmann, hatte anschließend gegenüber der Presse betont, dies sei noch keine Entscheidung und das Verfahren werde ergebnisoffen geführt. (1)

Nachdem es einige Kritik am Verfahren und am Gutachten des Vorsitzenden des Promotionsausschusses, Professor Stefan Rohrbacher gegeben hatte, war seitens verschiedener Professoren und Politiker sowie auch von Annette Schavan schon im Vorfeld der Sitzung die Forderung nach der Einholung eines weiteren Gutachtens von einem externen Sachverständigen aufgekommen. Der Dekan war in seiner Pressemitteilung nicht darauf eingegangen. Dennoch hätte auch dies eine Möglichkeit sein können, das Aberkennungsverfahren fortzusetzen.

Für viele, nicht zuletzt für die in Südafrika weilende Bundesbildungsministerin, dürfte es deswegen eine Überraschung gewesen sein, dass der Dekan im Anschluss an die gestrige Sitzung des Fakultätsrates, auf der über das weitere Vorgehen zu beraten und entscheiden gewesen war, verkündete, das Gremium habe mit 12 Ja- und 2 Nein-Stimmen und einer Enthaltung beschlossen, Annette Schavan den Doktortitel abzuerkennen. (2)

Wer meinen Post zum Plagiatsfall im Vorfeld der Sitzung am 22. Januar gelesen hat, wird nicht wirklich überrascht gewesen sein, dass das Verfahren mit der Aberkennung des Titels endete, weil ich dort die für diese Entscheidung wesentlichen Punkte bereits angesprochen hatte.

Zur Begründung der Aberkennung des Titels wurde gesagt, der Fakultätsrat lehne es ab, für diese spezielle Dissertation ein Verfahren anzuwenden, das von der allgemeinen, auch Anfang der 1980er Jahre gültigen Meinung abweicht. Die könne auch vor dem Hintergrund einschlägiger Erfahrungen aus dem alltäglichen akademischen Prüfungsbetrieb nicht verantwortet werden. (3)

Es ging, um das nochmals zu verdeutlichen, um die für alle Studierenden, Doktoranden Habilitierenden und Professoren grundlegenden Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens und speziell darum, dass in jeder schriftlichen Ausarbeitung immer genau kenntlich zu machen ist, was Eigenleistung und was die Leistung von anderen ist. Letzteres erfordert jeweils genaue Quellenangaben, ebenso wie im Übrigen auch das Urheberrecht dies erfordert. Wer dies versäumt, ob bewusst oder aus Nachlässigkeit und unabhängig davon, ob er dabei PC und Internet nutzten konnte oder nicht, muss damit rechnen, dass seine Leistung nicht anerkannt wird. Ganz sicher wird dabei immer eine Rolle spielen, ob es sich um einen oder vereinzelte Flüchtigkeitsfehler handelt. Wenn solche Angaben jedoch über eine schriftliche Arbeit hinweg immer wieder fehlen, dann kann es sich nicht um Flüchtigkeitsfehler handeln.

In der Begründung nimmt der Fakultätsrat auch genau darauf Bezug. In der Dissertation von Frau Schavan, so führte der Dekan aus, fänden sich in bedeutendem Umfang nicht gekennzeichnete wörtliche Übernahmen fremder Texte. Die Häufung der wörtlichen Übernahmen, auch die Nichterwähnung von Literaturtiteln in Fußnoten oder sogar im Literaturverzeichnis haben, so heißt es weiter, im Gesamtbild den Fakultätsrat davon überzeugt, dass die damalige Doktorandin Annette Schavan systematisch und vorsätzlich über die gesamte Doktorarbeit verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte. Die Entgegnungen von Frau Schavan hätten dieses Bild nicht entkräften können. (4)

Der Fakultätsrat hat aber auch darauf hingewiesen, dass er vor seiner Entscheidung alle vorliegenden Argumente gründlich gewürdigt hat, insbesondere den langen Zeitraum, der seit der Anfertigung der Dissertation vergangen ist und den Umstand, dass Frau Schavan neben der Promotion über keinen Studienabschluss verfügt. (5) Verständlicherweise war es dem Dekan wichtig, dies die Öffentlichkeit wissen zu lassen. Wer jedoch mit dem Prüfungsbetrieb an Hochschulen vertraut ist, weiß, dass mit der Prüfung von Leistungen beauftragte Ausschüsse und Gremien immer alle Argumente berücksichtigen und abwägen. Der vorhandene Ermessensspielraum wird stets ausgelotet. Dafür sorgt auch schon die Zusammensetzung der Gremien aus Vertretern der Professorenschaft, der wissenschaftlichen Mitarbeiter bzw. Doktoranden und der Studierenden. Eindeutige Fälle sind eher selten.

So betrachtet darf die rasche Entscheidung im Aberkennungsverfahren gegen Annette Schavan nicht als Zeichen für eine wenig gewissenhafte Prüfung und Bewertung missverstanden werden. Das gilt zudem auch schon deswegen, weil Prüfungsausschüsse und Fakultätsräte immer auch juristische Aspekte berücksichtigen und es wenig wahrscheinlich ist, dass es sich die Universität leisten kann, ausgerechnet im Fall der Bundesbildungsministerin, der von der Öffentlichkeit mit so großer Aufmerksamkeit verfolgt wird, irgendeinen groben Schnitzer zu begehen. Vielmehr lässt die Tatsache, dass die Entscheidung so rasch getroffen wurde, darauf schließen, dass der Fall offensichtlich doch recht eindeutig gelagert war.

Umso mehr überrascht die unmittelbar auf die Entscheidung der Universität erfolgte Ankündigung von Frau Schavan, vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf gegen die Aberkennung des Doktortitels zu klagen. Eine genaue Prüfung der Stichhaltigkeit der Begründung kann in der Kürze der Zeit gar nicht stattgefunden haben.

Ferner dürfte es ganz allgemein sehr schwer sein, mit einer Klage gegen aberkannte Prüfungsleistungen vor Gericht erfolgreich zu sein. Im vorliegenden Fall war aber zudem auch schon sowohl die Entscheidung des Promotionsausschusses als auch die des Fakultätsrates eindeutig oder anders ausgedrückt unstrittig. Eine gute Voraussetzung für den Erfolg der Klage ist das sicher nicht.

Zudem ist Frau Schavan aber nicht irgendwer, sondern Bundesbildungsministerin. Von ihr ist deswegen zu erwarten, dass sie die Regeln und Verfahren an Hochschulen nicht nur genau kennt, sondern diese Regeln auch für sich akzeptiert und den Verfahren vertraut. Ihre prompte Klage zeigt jedoch, dass sie das nicht tut, sondern sich selbst über ihr Amt stellt und das ist ein verheerendes Signal für die Hochschullandschaft: Lasst uns alle gegen die Urteile von Professoren und Prüfungskommissionen klagen und unsere Leistungen stattdessen von Anwälten und Richtern bewerten! Wer sich als Bundesbildungsminister so verhält, muss sich darüber im Klaren sein, dass er damit die Abschaffung dessen betreibt was die Hochschulen als Stätten der Ausbildung und den Ruf ihrer Ausbildungsabschlüsse – national und international – ausmacht.

Die Anwälte von Annette Schavan haben sogar bereits Einwände gegen die Entscheidung des Fakultätsrates gegenüber der Presse vorgebracht: die Entscheidung sei in einem „fehlerhaften Verfahren“ zustande gekommen und deswegen „rechtswidrig“, wobei sie vor allem geltend machten, dass immer wieder Informationen aus dem Plagiatsverfahren nach außen gedrungen seien und infolgedessen die Vertraulichkeit des Verfahrens verletzt wurde; ferner seien gebotene Ermittlungen unterblieben, Beweisanträge, etwa zur Einholung eines externen Gutachtens, seien von der Universität übergangen worden und eine Täuschung, so die Anwälte, habe es nicht gegeben. (6)

Doch wenn ich nicht völlig falsch informiert bin, entscheiden allein die Universitäten im Rahmen der gegebenen Prüfungsordnungen und auf der Grundlage fachlicher Bewertung, wer einen Doktortitel erhält und auch, wem er aberkannt wird. Das Verfahren liegt ebenfalls in der Hand der jeweiligen Prüfungsausschüsse und Gremien. Sie haben regelmäßig zu entscheiden, gegebenenfalls in Abstimmung mit der Hochschulverwaltung und deren Juristen, ob für ihre Prüfungsarbeiten Gutachten erforderlich sind und von wem sie diese einholen. Denn dazu sind sie ja da. Dass aus dem Verfahren an der Uni Düsseldorf Informationen an die Öffentlichkeit gelangten, ist unschön und für alle Beteiligten unangenehm. Inwieweit dies jedoch die Bewertung der Dissertation beeinflusst oder verfälscht haben könnte, ist schwer vorstellbar und wenn es der Fall sein sollte, ist es schwer, dies vor Gericht nachzuweisen.

Ich bin kein Jurist. Aber aus meiner sehr persönlichen Sicht als jemandem, der diese Verfahren ein wenig kennengelernt hat, ist schwer vorstellbar, wie die Anwälte allein anhand dessen, was sie gegenüber der Presse vorgebracht haben, den Nachweis entkräften wollen, dass Frau Schavan in ihrer Dissertation in signifikantem Umfang versäumt hat auszuweisen, was davon die geistige Leistung anderer war. Mit der Klage könnte sie am Ende für sich wenig erreicht, dabei aber viel Porzellan zerschlagen haben. Dass der politische Druck auf die Bundesbildungsministerin nachlässt, ist angesichts der Ausgangslage und der bevorstehenden Bundestagswahl sicher nicht zu erwarten.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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34 KommentareKommentieren

  • Roland - 6. Februar 2013

    Dass sie keine Chance mit ihrer Klage hat, dürfte Frau Schavan klar sein.
    Ähnlich wie der FDP-”Hoffnung” Koch-Mehrin, die vor Gericht abgeblitzt ist, wird ihr es nur darum gehen, mit ihrer Klage etwas Zeit zu gewinnen. Bei Frau Schavan ist das der Zeitraum bis zum 22.9. Dann ist sie wieder Abgeordnete.

    Ganz großes Kompliment an die Uni in Düsseldorf, die sich dem politischem Druck, in dem Frau Schavan auch von ihr finanziell abhängige Wissenschafts-Lobby-Organisationen aufgefahren hatte, nicht gebeugt hat.
    In Justiz und Wissenschaft findet man in Deutschland die letzten Bastionen einer funktionierenden Zivil-Gesellschaft, nachdem die Medien ihre Wächter-Rolle abgelegt haben und Teil des dreckigen Spiels geworden sind.

  • A.Leuthner - 6. Februar 2013

    Guten Morgen,

    abgesehen davon, dass jedem Betrüger, auch einer Bundesministerin, im Schuldfalle die entsprechende Strafe zu erteilen ist, in diesem Falle die Aberkennung des Titels, stört mich an diesen ganzen Plagiatsvorwürfen lediglich die Tatsache, dass es sich bei allen medial aufgedeckten Fällen ausschliesslich um Poliktker eines Lagers handelt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass im breiten Querschnitt sich dies auf Schwarz/Gelb beschränkt, während rot/rot/grün alles ganz unschuldige Politikerlein waren und sind. Ich vermute dahinter politisch motivierte Einseitigkeit der behandelnden Presse – insbesondere jetzt bei Frau Schavan in Bezug auf die anstehende Bundestagswahl.

    • Daniel2012 - 6. Februar 2013

      fuer so eine beurteilung muesste man aber bei den”plag-blogs” ansetzen welche ja ausgangspunkt der entdeckungen/ ermittlungen sind. eine “politisch motivierte einseitigkeit der presse” gehoert fuer mich in das reich der mythen und maerchen. abgesehen davon ist “die presse” nicht unbedingt dafuer bekannt, linke politiker (von “die linke”) mit samthandschuhen anzufassen.

      • Frank Bell - 6. Februar 2013

        Herr Leuthner hat schon recht.

        Nur ein Beispiel: Warum wird nicht kritisch über die Dissertation von Frau Herta Däubler-Gmelin berichtet? Ja, es gibt einige wenige Artikel in der Presse – und das war es.

        Dass Herr Leuthner recht hat, ändert aber nichts an den von Herrn Eichner erwähnten Tatsachen.

        Besonders schlimm ist, dass diese Leute anschliessend einen SUUUPER-Posten bei der EU bekommen.

        Zur PDS/Die Linke: Mir ist es ein Rätsel, wie die es nicht mehr hinbekommen, deren Positionen vernünftig zu vertreten. An der Presse allein kann es nicht liegen, wenn ich mir den schwachen Wahlkampf vor einiger Zeit in Nordrhein-Westfalen anschaue.

        Frau Kraft hat da ein ganz MIESES Spiel gespielt, damit die Linke aus dem Landtag fliegt – was auch gelungen ist. Und von der Linken hat man nichts gehört…

    • Roland - 6. Februar 2013

      Sie posten Unsinn.
      Es sind auch SPD-Leute wie Uwe Brinkmann usw… unter den erwischten Betrügern.

    • SLE - 6. Februar 2013

      Hallo A.Leuthner,

      das ist schon wahr. Allerdings beschränkt sich z.B. VroniPlag nicht nur auf Politiker. Es sind wohl die Presse und Medien, die auf die der breiten Öffentlichkeit bekannten Namen besonders anspringen. Das bringt Leser.

      Andererseits würde ich zumindest zu vermuten, dass der Doktortitel für die Mitglieder in wirtschaftsnahen Parteien FDP, CDU/CSU einen höheren Stellenwert hat als bei SPD, Grünen und Linke. Dabei mag mithin auch die Gewerkschaftnähe eine Rolle spielen und die dadurch sowie historisch bedingte Nähe zu spezifischen Wählerschichten.

      Aber ich weiß es nicht genau und habe es auch nie überprüft. Auf der Homepage des Bundestages, so würde ich vermuten, kann man wahrscheinlich nachschauen, wer alles in welcher Partei promoviert ist.

      Viele Grüße
      SLE

      • wombat - 6. Februar 2013

        Hab es kurz geprüft:

        Partei Abgeordnete promoviert

        CDU/CSU 237 53
        SPD 146 21
        FDP 93 22
        Linke 75 13
        Grüne 68 10

        Ich denke eher, dass das die Retourkutsche von Gutti-Anhängern ist. Das Foto und die Schlagzeile bei Bild-Online spricht Bände:

        “Sie schämte sich für Guttenberg

        War das nicht voreilig, Frau Schavan?”

        So geht es halt zu in den Medien und der Politik

  • KSImon - 6. Februar 2013

    Also ehrlich gesagt, ich habe ein grosses Problem mit dieser Aberkennung. Nicht so sehr wegen Frau Schavan, sondern wegen grundsätzlicher Fragen und der politischen Motive die dahinter stehen. Wenn Frau Schavan nicht im politischen Rampenlicht stände, hätte sich keiner für ihr Doktorarbeit interessiert!
    Die Realität in unserem Land ist nicht Schwarz/Weiss, sondern sie hat viele Grautöne. Was glaubt ihr wie viele Doktorarbeiten in unserem Land auseinandergenommen werden könnten? Das heißt nicht das nicht, das Copy & Paste korrekt ist, aber vielleicht ist der ganze Hochschulbetrieb nicht mehr das, was er sein sollte! Über Doktorarbeiten organisiert der Professor in der Regel sein Forschung und kann nebenbei noch seine Lehrverpflichtung auf diese abwälzen.
    Ich kenne viele Professoren und die meisten davon erbringen eine mittelmäßige Leistung sind aber von ihrer eigenen Grandiosität sehr überzeugt. Mit dieser Überheblichkeit wird leicht die Realität übergangen oder ignoriert. Bei der Masse von Doktoranden, die wir produzieren wollen, zu glauben müssen, beleiben vor allem im geisteswissenschaftlichen Bereich überschneidungen nicht aus.
    Und was soll der Doktortitel aussagen? Sie soll die Fähigkeit zum eigenständigen, wissenschaftlichten Arbeiten zum Ausdruck bringen. Es müssen aber eine Mindestanzahl von Seiten produziert werden und , und, und. Wie gesagt, Copy & Paste ist nicht in Ordnung, aber die gegenwärtige Praxis nimmt es stillschweigend in Kauf, so in etwa wie “collateral Damage”.

    Also, lassen wir die Kirche im Dorf und schauen auf unsere eigene Nase und beurteilt die Menschen nach dem was sie tun und wofür sie stehen und nicht nachdem was sie vor 30 Jahren geschrieben habe! Wenn ich heute an die Qualität meiner eigenen Diplomarbeit denke, bin ich sehr unzufrieden! Aber Gleichzeitig muss ich auch feststellen wie relativ naiv ich damals in manchen Dingen war. Hohe Standards, denn wir nacheifern sind gut und wichtig, aber bitte schön, wer erreicht die den zu seinen Lebenszeiten? Aber ich kenne viele, die sich zu Richtern berufen fühlen ohne diese Standards für sich selbst anzuwenden.

    • Roland - 6. Februar 2013

      Offensichtlich haben Sie noch nie in die Liste von vroniplag geschaut, sonst würden Sie nicht solchen Unsinn posten.
      Die allermeisten der dort untersuchten Betrugsfälle sind Nicht-Politiker.
      Manche Betrüger haben sogar Dissertationspreise ihrer Universitäten eingesackt.

      • Frank Bell - 6. Februar 2013

        Interessant ist, dass fast gar nichts aus dem Bereich Maschinenbau, Elektrotechnik, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Informatik, Hüttenkunde (Metallurgie) dort untersucht wird.

        • Roland - 6. Februar 2013

          Auch das ist blühender Unsinn.
          Die meisten Untersuchungen betreffen den naturwissenschaftlichen Bereich.

          • Frank Bell - 6. Februar 2013

            Kann es sein, dass sie Arbeiten in der Medizin mit denen aus dem naturwissenschaftlichen Bereich verwechseln?

        • Voltaire - 6. Februar 2013

          Die von Ihnen genannten Fächer gehören zu den Naturwissenschaften. Und wer dort eine Dissertation verfasst, der hat was auf dem “Kerbholz” und arbeitet – mit infinitesimal minimalen Ausnahmen – sauber. Wenn Sie eine Dissertation z. B. von einem Mathematiker auf Plagiatstellen untersuchen wollen, müssen Sie schon etwas von Mathematik verstehen! Da hilft Ihnen C&P eines von Goethe zugesprochenen Zitats

          “Kennst du die mathematischen Symbole, sie für wichtig hälst, studierst du ins Hohle und versäumst die große reiche Welt.”

          reichlich wenig. Ein(e) LiteraturwissenschaftlerIn, welche(r) zu diesem Zitat keine Quellenangabe macht, läuft da eher Gefahr hier mit einer fehlenden Fußnoten aufzufallen.

          • Roland - 6. Februar 2013

            Auch Sie haben noch nicht bemerkt, dass vroniplag von Betrugsfällen aus dem naturwissenschaftlichen Bereich nur so strotzt, incl. einer Arbeit über “mathematical modells of….”

          • Frank Bell - 6. Februar 2013

            “mathematical modells of….”

            Da haben sie die einzige PhD-Arbeit herausgepickt…

  • Frankenfurter - 6. Februar 2013

    War es nicht Frau Schavan, die sich damals für ihren plagiierenden Kollegen Gutenberg schämte?

    • M. B. - 6. Februar 2013

      Öhm das hier? ;)

      “Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich. Wissenschaft hat auch mit Vertrauen zu tun. Auf die Erklärung, eine Arbeit sei nach bestem Wissen und Gewissen verfasst worden, muss ein Doktorvater vertrauen können. Guttenberg hat (aber) eine zweite Chance verdient, zumal doch alle wissen, dass er ein großes politisches Talent ist.“

      http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/schummel-affaere-wie-sich-die-wissenschaft-gegen-guttenberg-stellte/3894812.html

      • Frankenfurter - 6. Februar 2013

        Danke für das Zitat. Die Verteidigungsstrategie von Frau Ministerin in der eigenen Causa scheint auf dieses Zitat aufzubauen. Wichtig ist, dass man nach besten Wissen und Gewissen promoviert. Und wenn man dabei hunderte Male nicht richtig, oder gar nicht zitiert, darf man das solange tun, wie das eigene Gewissen nicht zwackt.

  • Martin - 6. Februar 2013

    Furchtbar was für ein Rechtsverständnis bei einigen sogar scheinbar halbwegs intellektuellen vorherrscht. Auch das lässt Rückschlüsse auf die Gewissensbildung zu. Nur weil sie wohl nicht die einzige ist die gegen wissenschaftliche Vorgaben und Regeln verstossen hat und nur weil im Moment ein besonderes politisches Lager davon betroffen ist macht das den Sachverhalt nicht weniger dreist. CDU-Wähler können gerne in die Nationalbibliothek oder ggf. in die Bibliotheken der entsprechenden Universitäten gehen und die Promotionsarbeiten der linken Kollegen aufspüren. Dafür ist man zu faul, aber die Zeit des Teufels Anwalt zu spielen nimmt man sich!. Für jeden gelten die gleichen Maßstäbe und wenn mir einer Nachweist das meine Arbeit in großem Umfang fahrlässig ODER vorsätzlich nicht den Normen entspricht, dann habe ich mir den Titel nicht verdient. Traurig was die WELT heute wieder mit ihren Mohnschen Schreiberlingen propagiert.

  • dank - 6. Februar 2013

    Wenn Politiker den Respekt vor dem Soverän verlieren,
    wird zwangsläufig eine Zeit kommen, in der sie die Bevölkerung fürchten werden.

    OT – Frage in die Runde:

    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anleihen-zinsen/refinanzierung-von-geschaeftsbanken-ezb-akzeptiert-esm-anleihen-als-sicherheiten-12039458.html

    Verstehe ich das richtig?
    Ab jetzt: Staatshaushaltsfinanzierung mit der Notenpresse ~US-Syle

    • Roland - 6. Februar 2013

      Wieso ab jetzt ?
      Die EZB finanziert schon länger über Zwischenstationen, damit sie wg. Verletzung ihrer Satzung nicht rechtlich belangt werden kann. U.a. müsste sie z.B. schon an die 200 Milliarden EURO an staatlichen Anleihen aus dem Sekundärmarkt angekauft haben.

  • Frank Bell - 6. Februar 2013

    Der Nächste: Rösler.

    http://www.mmnews.de/index.php/politik/11989-roesler-dr-auch-erschwindelt

    “Wie im Internet bereits am 12. Mai 2011 berichtet wurde, handelt es sich bei der angeblichen, so genannten „Dissertation“ aus dem Jahr 2001 des FDP-Bundesvorsitzenden und Vizekanzlers Philipp Rösler lediglich um die paraphrasierende Wiedergabe und statistische Auswertung einer fremden Studie aus den Jahren 1997 / 98: (…)”

    • SLE - 6. Februar 2013

      Interessant. Davon hatte ich noch nichts gehört.

      Grüße
      SLE

      • Frank Bell - 6. Februar 2013

        Das liegt an diesem “Dr. Stefan Lanka”, der nur schwer einzuordnen ist.

        Dem seine impfkritischen Schriften liegen bei uns im Bio-Läden aus…

  • MickFfm - 6. Februar 2013

    Jeder von uns hier hat wohl seine berufliche Laufbahn auf seinem beruflichen Abschluss aufgebaut. Sei er Handwerker, Naturwissenschaftler, Kaufmann oder was auch immer.

    Jeder mag sich nun die Frage stellen, wo er ohne seinen Abschluss stände. Wahrscheinlich stände er beruflich und finanziell wesentlich schlechter da, vielleicht sogar in den Reihen der H4-Bezieher.

    Der einzige Berufsabschluss von Frau Schavan war ihre Promotion, auf einen Magister hat sie ja verzichtet. Wo stände sie also ohne ihren Doktor? Wäre sie ihre Karriereleiter ohne Berufsabschluss so hochgeklettert und Bundesministerin geworden? Ich bin sicher, dass man dies verneinen kann. Die gesamte Karriere wurde nur durch ihre mangelhafte wissenschaftliche Promotion ermöglicht.

    Dass Frau Schavan nun, anstatt unverzüglich zurückzutreten (sie würde wahrscheinlich ohnehin auf einen gut dotierten EU-Posten abgeschoben), Institutionen verklagt, für die sie als Bildungsministerin verantwortlich ist, ist ein Treppenwitz der Geschichte. Es wirft auch ein Bild auf die Kanzlerin (wurde ihre Arbeit eigentlich schon gecheckt?), dass es mit Moral in der Regierung nicht weit her ist. Ich denke, dass sie im September von vielen ehrlichen Akademikern abgewatscht wird.

  • Basisdemokrat - 6. Februar 2013

    Kommentar mit höchstem Erkenntniswert:
    http://www.youtube.com/watch?v=EHemwnMNuCs
    Gruß BD

  • Traumschau - 6. Februar 2013

    Hallo,
    hier mal was zum Schmunzeln … einfach köstlich …
    http://www.der-postillon.com/2012/10/union-und-fdp-wollen-bedingungslosen.html

  • KSImon - 6. Februar 2013

    @Roland

    Ich weiss, die Beiträge der Anderen sind Unsinn und nur die eigene Meinung ist die Wahre.

    Ich stelle die Frage nochmal etwas klarer: “What is the point?”

    Warum rennen wir herum und schauen unter die Teppiche der Nachbarn nach dem was sie vor XX Jahren getan oder nicht getan haben? Errinnerst Du Dich an das Sprichwort, “Wer da ohne Makel, der werfe den ersten Stein”?
    Haben wir nichts besseres zu tun? Wem nutzt es? Der Wahrheitsfindung, Einer besseren Welt oder mehr Gerechtigkeit?

    Ich so nur mehr und mehr, das wir nicht mehr in der Lage sind, zivillisierte Diskussionen und durch Toleranz geprägte Diskussionen zu führen.

    Wir sind in unserem Denken und Handeln schon längst auf dem Weg in den nächsten Krieg und ich sehe auch hier viele die durch ihren Diskussionsstil dazu beitragen!

    • Querschuss - 6. Februar 2013

      Hallo K Simon,
      “….was sie vor XX Jahren getan oder nicht getan haben?” Nun man rennt auch heute täglich herum und schaut wer falsch geparkt hat bzw. verfolgt vielfältige andere Bagatelldelikte gnadenlos. Immer mit dem Hinweis, es gibt Regeln, warum sollten diese Regeln ausgerechnet für Doktor-Arbeiten nicht gelten, schlimm genug das sie für Banken nicht galten bzw. so schwammig waren, das sie in Exzesse an den Finanzmärkten und damit in der Wirtschafts- und Finanzkrise mündeten, an deren Folgen die heutigen Staaten (Staatsverschuldung) immer noch knappern.

      Fragende Grüße
      Steffen

  • Frank Bell - 6. Februar 2013

    Was ich bei der ganzen Diskussion in der Presse immer wieder vermisse (auch damals bei Guttenberg) ist die Frage, inwieweit da die Professoren geschlampt haben.

    In der Regel sollte mindestens der Doktorvater die Arbeit durchgelesen haben und den Doktoranden wegen der Zitierregeln ansprechen.

    Da gibt es offensichtlich sehr viel Nachlässigkeit.

  • Roland M - 6. Februar 2013

    Unsere Politiker halten sich für sakrosankt, für etwas Besseres.

    Der Wowereit hat das soeben eindrucksvoll vorgeführt. Einen Tag hieß es, er wolle wegen des Fluchhafens zurücktreten am nächsten hält er eine kämpferische und selbstherrliche Rede. Abgehobener geht es kaum, verächtlicher und plumper auch nicht.
    Folgen? Keine, offenbar mag das deutsche Volk seine arrogante, herablassende, selbstherrliche und inkompetente Art.

    Damit war der Einspruch von Schavan schon lange vor dem Urteil klar, die Gründe sind vollkommen sekundär. Und da sie sich tatsächlich für höherwertig hält (das Gutmenschenphänomen, die halten sich für besser, weswegen solche Schummeleien für die erlaubt sind, dazu gibt es hochspannende Sozialstudien aus den USA), kann sie es gar nicht verstehen, wie es der Pöbel wagen kann, auf sei einzuschlagen. Sie fühlt sich jetzt wahrscheinlich so als hätte ihr ein Hund auf den Schuh gepinkelt.

    Solche Zustände nahmen noch niemals ein gutes Ende.

    Sie erhebt den Einspruch, obwohl jedem Menschen, der nur eine der beiden Hirnhälften nutzen kann klar sein muss, dass damit der Wissenschaft in Deutschland ein unermesslicher Schaden zugefügt wird. Dennoch klagt sie. So sehen Menschen aus, die sich in höhern Sphären schwebend für Götter halten, hoffentlich wird der Aufschlag umso härter.

  • Ralph Hirnrabe - 6. Februar 2013

    @A.Leuthner
    Die CDU geht mit ihren Mitgliedern, wenn sie nicht so in der Öffentlichkeit stehen, bei Plagiaten ganz anders um. Da sei nur mal an Andreas Kasper aus Lippe gedacht.
    http://www.lz.de/lz/home/nachrichten_aus_lippe/kreis_lippe/kreis_lippe/?em_cnt=4254336

    Und außerdem gibt es jedes Jahr dutzende von aberkannten Doktorarbeiten, die auch im Internet nachzulesen wären, wenn man es durch die Parteibrille auch wollte. Diese finden sich in Urteilsdatenbanken wieder, wenn dagegen nämlich Klage erhoben wurde.

  • Canpichurri - 6. Februar 2013

    Politiker hin oder her – es geht auch um den allgemeinen Sittenverfall. Personen, welche im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen, müssen sich gefallen lassen, dass man bei Ihnen zweimal hinschaut und urteilt. Darum sind sie ja auch Vorbilder. Wenn diese Vorbilder, wie hier so schön dargelegt wurde, den Anstand in die Besenkammer stellen, ist es um das Land und seine Leute schlimm bestellt.
    Die Bildungsministerin muss (!) den Hut nehmen.

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