Portugal: PKW-Neuzulassungen im Januar auf Allzeittief

von am 2. Februar 2012 in Allgemein

Für Portugal berichte gestern der portugiesische Automobilverband (Associação Automovel de Portugal (ACAP)) für Januar 2012 die schwächsten PKW-Neuzulassungen seit über 2 Jahrzehnten. Im Januar 2012 sanken die PKW-Neuzulassungen um -47,4% zum Vorjahresmonat auf nur noch 6’949 PKWs. Auch diese Daten aus Portugal zeugen von einer aberwitzigen Kontraktion des Konsums und in Folge der wirtschaftlichen Aktivität.

Die Entwicklung der neuzugelassenen PKWs seit Januar 1991 bis Januar 2012 im Chart. Im Januar 2012 sank die Zahl der neuzugelassenen PKWs um -47,4% zum Vorjahresmonat auf 6’949 PKWs und damit auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenreihe im Januar 1990. Zum monatlichen Rekordhoch, welches bezeichnender Weise bereits im April 1992 mit 32’914 neuzugelassenen PKWs erzielt wurde, betrug der Einbruch -78,9%. Zum langfristigen monatlichen Durchschnitt von Januar 1990 bis Dezember 2009 mit 18’543 neuzugelassenen PKWs betrug der Einbruch im Januar 2012 kräftige -62,5%!

Diese Daten sind u.a. Beleg für eine unglaubliche Kontraktion des privaten Konsums in Portugal, dieser Entwicklung, eine Kopie der Griechischen ist desaströs und führt zu einer beschleunigten Talfahrt auch in Portugal.

“Es kommt also alles darauf an, die Produktion im Gange zu halten und weiter zu steigern, denn mit der Güterproduktion – und nur mit dieser – wird auch das Volkseinkommen bzw. die Kaufkraft produziert, die den Absatz sicherstellt”……”Wir müssen den Mut zum Verbrauchen aufrechterhalten. Denn ein Volk, das den Mut zum Verbrauchen verliert, verliert auch die Kraft zur Produktion.” aus Wohlstand für Alle von Ludwig Erhard. Sehr passende Worte in Punkto Leistungsfähigkeit einer Wirtschaft und zugleich im Umkehrschluss, dass eine brachiale Schrumpfung des Konsums letztlich keine Lösung bringt. Wenn man Ludwig Erhard folgt, ist klar, dass sich die schwarz-gelbe Bundesregierung um Lichtjahre vom Vater der sozialen Marktwirtschaft in Punkto Lösung der Probleme der Südperipherie der Eurozone entfernt hat und federführend innerhalb der Troika den zerstörerischen Brüning spielt, statt das Grundproblem der unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in der Eurozone zu erkennen und vor allem zu korrigieren!

Reloaded: Desasterzone 2: Portugal

Quelle Daten: Acap.pt/Pressemitteilung PKW-Neuzulassungen Januar 2012

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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23 KommentareKommentieren

  • Bernd Klehn - 2. Februar 2012 Antworten

    O:T:

    Warum hat die EZB seit ein paar Tagen die “Minimum reserves and liquidity” nicht mehr aktuallisiert, obwohl dieses doch täglich erfolgen sollte. Gab es dieses schon mal? So dass man die letzte Entwicklung der Einlagefazilität im Augenblick nicht sehen kann.

    http://www.ecb.int/stats/monetary/res/html/index.en.html

    Gruß

    Bernd

  • Lazarus09 - 2. Februar 2012 Antworten

    Wie schon zu den miesen Zahlen in Frankreich geschrieben ..wo soll’s denn herkommen wenn sich überall inzwischen die privatisierten Grundversorger erfolgreich bemühen die ersten zu sein das Einkommen der Lohnabhängigen abzuschöpfen .. wer kann noch bei Miete Strom Gas Essen&Trinken Treibstoff sparen …? Darum ist man ja als privater Investor so an den Staatlichen Monopolgesellschaften interessiert .. man kann die Daumenschrauben bis zum verrecken anziehen .Darum waren diese Gesellschaften ja einmal staatlich um die Grundversorgung sicher zu stellen !!

    Aber was red ‘ ich ….

  • M.E. - 2. Februar 2012 Antworten

    Von der Herstellerseite her auch bei Autos eine deutsche Sonderkonkunktur:

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/verkaufsboom-deutsche-autobauer-legen-in-den-usa-kraeftig-zu/6139708.html

    Mal sehen, wie lange noch.

  • M.E. - 2. Februar 2012 Antworten

    Um Mißverständnissen vorzubeugen: nicht jeden Satz in dem verlinkten Artikel unterschreibe ich.

    • Querschuss - 2. Februar 2012 Antworten

      Hallo M.E.,
      auch in Spanien außer bei Opel mit -8,2% zum Vorjahresmonat, alles satt grün: Audi +36,4%, VW +29,3%, BMW +17,4%, Mercedes +11,4% und Porsche +1,7%. Die “heimische” Marke Seat dagegen verbuchte -29,2%! Die Eurozone ist krank und wie ich immer schreibe, wo man auch hinsieht, die Leistungsfähigkeit entwickelt sich immer noch weiter auseinander! Selbst im totalen Desaster profitiert Deutschland einseitig.

      Gruß Steffen

      • Bernd Klehn - 2. Februar 2012 Antworten

        Lieber Steffen,

        Ja, die von dir sehr sorgfältig aufbereiteten Zahlen sind eindeutig. Griechenland, Portugal und Spanien sind als Volkswirtschaften insolvent und wir sind nicht in der Lage den Ländern eine neue Perspektive zu geben.

      • Lazarus09 - 2. Februar 2012 Antworten

        Haste schon mal die Knebelverträge der Vertragshändler von BMW AUDI MERCEDES gesehen ..? Paketabnahme .. beliebte Modelle nur im Paket mit einem Ladenhüter der dann bei den Händlern rum steht ..? Der Mutterkonzern schreibt dank aggressiver Vertriebspolitik Super Zahlen und die Vertragshändler verrecken .. das ist aber dann eine andere Baustelle …

        Schaut euch mal das Händlersterben an … ;-)

  • Frank - 2. Februar 2012 Antworten

    Hallo Steffen,

    mir ist immer noch nicht ganz klar, was Deutschland Deiner Meinung nach tun sollte, um das Desaster zu vermeiden. Die Ausgangslage ist doch folgende: im Jahrzent vor 2008 sind die Löhne und das Konumniveau in der Peripherie massiv angestiegen. Dieser Anstieg war allerdings nicht – oder nur teilweise – durch Produktivitätszuwächse gedeckt; ein wesentlicher Teil des Konums wurde entsprechend über Kredite finanziert. Du hast ja schön dokumentiert, dass das Zwillingsdefizit 2009 in der Peripherie dramatische Werte angenommen hat. Griechenland: 25%, Portugal: 20% – auch Frankreich noch 10%.

    Seit 2010 weigern sich private Kapitalgeber, diese Defizite zu finanzieren. Und nun? Soll man von Deutschland (+ Niederlande etc.) verlangen, dass es mit dreistelligen Milliardenbeträgen pro Jahr einspringt? Das geht natürlich nicht. Die dramatischen Einbrüche beim Konsum sind also unvermeidlich.

    Die Idee eines “Marschall-Plans” überzeugt mich nicht sonderlich. Natürlich braucht die Peripherie auch Investitionen, um aus der Situation wieder herauszufinden. Nur: in der EU werden ja schon seit Jahrzehnten umfangreiche Strukturmittel verteilt, von denen die Peripherie auch wesentliche Teil bekommen hat. Das Ergebnis können wir gerade besichtigen. Die EU ist nicht in der Lage, die effiziente Verwendung der von ihr bereitgestellten Mittel zu gewährleisten. Damit in der Peripherie investiert wird, müssen dort adäquate Bedingungen herrschen, um private Investoren (insbesondere auch aus den betroffenen Ländern selbst anzuziehen) – anders geht’s nicht.

    Richtig ist natürlich, dass das wesentliche Problem der Eurozone die divergierenden Wettbewerbsfähigkeiten sind. Wahrscheinlich müsste die Peripherie um ca. 20-30% im Vergleich zu D, NL etc. abwerten, um die Leistungsbilanzsalden wieder ins Lot zu bringen. Richtig ist auch, dass es idiotisch von Deutschland ist, die eigenen Leistungsbilanzüberschüsse als etwas besonders tolles zu empfinden. Nur: warum soll Deutschland für die aus dem Ruder gelaufene Lohnentwicklung in der Peripherie (bis 2009) verantwortlich sein?

    Viele Grüße

    Frank

    • Querschuss - 2. Februar 2012 Antworten

      Hallo Frank,
      zur Ausgangslage gehört auch, dass seit 2 Jahrzehnten die deutschen Reallöhne nicht gestiegen sind und die Konsumausgaben kaum. Wenn wir uns nun darüber freuen, das Griechenlands reale Einzelhandelsumsätze auf das Niveau von März 2001 gefallen sind und in Spanien auf August 1999 ist das Merkelsche Kapitalismus Gesundspar-Ökonomie- Niveau, die in einer saftigen Rezession auch für Deutschland enden wird. Irgendein Kommentator hier hatte geschrieben das in Griechenland die Einzelhandelsumsätze auf Normalmaß zurückgefallen sind. Was ist Normalmaß, Deutschland mit Einzelhandelsumsätzen unter dem Niveau von 1994? Wenn alle sich daran orientieren würden, wäre die Weltwirtschaft seit 2 Jahrzehneten in Stagnation und Deutschland ohne Exportüberschüsse. Die Produktivitätssteigerungen und den Output von 2012 mit Konsumausgaben der 90er zu beantworten ist absurd und stürzt alle in die Abwärtsspirale.

      Klar gilt es Defizite der Südperipherie abzubauen, aber doch nicht so, sondern mit einer Wiederherstellung von wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und nicht mit der Brüningschen Todesspirale.

      Und Deutschland, habe ich in Kommentaren schon vor 2-3 Jahren geschrieben, 4 Jahre durchschnittlich die Arbeitnehmerentgelte um 4% pro Jahr erhöhen brächte ca. 190 Mrd. Brutto-Kaufkraft und anteilig Lohnsteuereinnahmen und Sozialabgaben und die Wettbewerbsfähigkeit würde sinken, im Gegenzug die Binnennachfrage endlich anspringen. Und nominal +4% sind drin und müssen drin sein nach 20 Jahren ohne Realeinkommenssteigerungen. Die Wahrheit ist die, so wie die Defizitländer einen Anteil zum Abbau der Ungleichgewichte leisten müssen, so muss es auch Deutschland als Überschusserbringer!

      Gruß Steffen

      • Frank - 2. Februar 2012 Antworten

        Hallo Steffen,

        glaube auch, dass einige Jahr mit deutlichen Lohnsteigerungen in Deutschland zur Lösung des Problems beitragen würden – glaube auch, dass wir diese Lohnsteigerungen sehen werden – zumindest in den für den Export wichtigsten Branchen. Ich freue mich auch nicht darüber, wenn der Konsum in der Peripherie einbricht.

        Nur: es bleibt trotzdem dabei, dass in der Peripherie bis 2009 viel mehr konsumiert und investiert als produziert worden ist. Dieser Zustand kann seit 2010 (mangels Kreditgebern) nicht mehr aufrecht erhalten werden, deshalb kommt es – zwangsläufig – zu den Einbrüchen bei Konsum und Investitionen. Es folgen Zweitrundeneffekte (Rezessionen mit der Folge abermaliger Konsumeinbrüche). Ich sehe nicht, wie man dieses Problem nach 2009 noch hätte vermeiden können – da ist einfach aus einer großen Blase die Luft abgelassen worden. Deshalb noch einmal die Frage: was hätte die Troika denn anderes machen sollen? Der Peripherie jedes Jahr, sagen wir, 300 Mrd. EUR überweisen, damit das Konsumniveau aufrecht erhalben werden kann?

        Gruß

        Frank

  • Matthias H. - 2. Februar 2012 Antworten

    Eine grosse Rolle bei diesen Einbrüchen beim Autoabsatz in Portugal dürften die deutlich verschärften Kreditvergaberichtlinien der Banken spielen.,
    Und das sind in Portugal in starkem Masse spanische Banken, die ja vom Platzen ihrerr heimischen Immobilienblase bis aufs Äusserste strapaziert sind.

    Hinsichtlich der Rückwirkungen auf die heimische Industrieproduktion dürfte das eher geringe Auswirlungen haben, da in Portugal selbst lediglich von VW mit Scirocco/Sharan/Alhambra Autos produziert werden, die ohnehin weniger auf den portugiesischen Markt zielen.

    Weiter gefasst ist es wohl aber sicherlich ein weiterer Mühlstein für die portugiesichen Konsumaussichten, dass die klammen spanischen Banken dort so stark vertreten sind.

    Eigenltich müsste man beide Länder als “iberische Krisenregion” gemeinsam betrachten.

    • dank - 2. Februar 2012 Antworten

      @ Matthias H.

      Das halte ich für einen sehr wichtigen und richtigen Satz:

      “Eigenltich müsste man beide Länder als “iberische Krisenregion” gemeinsam betrachten.”

      Die ungleichen Zwillinge, die sich gegenseitig extrem beeinflussen und jetzt stetig nach unten ziehen.

  • Querschuss - 2. Februar 2012 Antworten

    Hallo Frank,
    sicher konnte man 2009 das Problem nicht mehr abwenden, darum hätte man sich intensiv spätestens seit 2002 kümmern müssen. Nur schwache wirtschaftliche Volkswirtschaften mit der Sparkeule zu beglücken macht es noch schlimmer als nötig!

    Defizite laufen trotz Konsumkontraktion weiter in der Südperipherie auf, so ca. 20 Mrd. Euro Leistungsbilanzdefizit 2011 in Griechenland, 56 Mrd. Euro in Italien usw., wird jetzt über Zentralbankgeld finanziert! Mit Einkommens- und Konsumschwund allein verschwindet eben nicht automatisch ein Handelsbilanzdefizit. Ohne Investitionen und Ankurbelung der industriellen Wertschöpfung gibt es keine Lösung für die Probleme der Südperipherie und die Rettungsschirme und Transfersummen steigen Monat für Monat weiter.

    Ich rede von nominal +4% über 3-4 Jahre bei der Summe der deutschen Arbeitnehmerentgelte, partielle Lohnerhöhungen in einigen weniger Exportfirmen lösen das Problem nicht, Deutschland muss konsumieren, gerade wenn die anderen wegbrechen, genaugenommen müsste in Deutschland der Konsum steigen und in der Südperipherie die Wertschöpfung, Ziel Abbau der Ungleichgewichte.

    Gruß Steffen

    • Frank - 2. Februar 2012 Antworten

      Hallo Steffen,

      grundsätzliche Zustimmung, was den Zeitraum vor 2009 anbelangt – da hätte man die Lohnentwicklung nicht so weit auseinander laufen lassen dürfen.

      Dass die Troika in Griechenland etc. die Sparkeule schwingen würde, sehe ich nicht. Im Gegenteil: ohne Troika (d.h. ohne das Geld von EZB, EU und IWF) würde die Entwicklung noch wesentlich dramatischer ausfallen. Dass die Troika auf eine schrittweise Reduzierung der jährlichen Defizite dringt, ist aus meiner Sicht selbstverständlich. Etwas anderes wäre politisch auch gar nicht vermittelbar.

      Was die hier und heute erforderlichen Maßnahmen anbelangt, finde ich Deine Vorschläge weiterhin sehr unkonkret. Wer soll investieren? Wer finanzieren? Warum glaubst Du, dass diese Investitionen mehr Früchte tragen werden als die der Vergangenheit? (Dass es in der EU seit Jahrzehnten umfangreiche Strukturfonds gibt, hatte ich schon erwähnt.) Meine Einschätzung bleibt: Investitionen sind wichtig, aber es kann nicht Aufgabe der Bundesregierung sein, für sie zu sorgen. Das muss die Peripherie schon selbst machen (was punktuelle Unterstützung natürlich nicht ausschließt).

      Dass ich Deine Forderung nach substanziellen Lohnerhöhungen in Deutschland in den kommenden Jahren für richtig halte, hatte ich schon geschrieben. Dass das der Peripherie kurzfristig hilft, wage ich aber zu bezweifeln. Griechenland z.B. hatte 2009 ein Zwillingsdefizit von fast 60 Mrd. EUR – ca. 5% davon stammten aus dem Handel mit Deutschland. Außerdem: unabhängig von seiner Wettbewerbsfähigkeit (die ja eine relative Größe ist) kann ein Land nicht dauerhaft viel mehr konsumieren und investieren als es produziert. Selbst wenn die Lohnerhöhungen in Deutschland die Wettbewerbsfähigkeit von Griechland wiederherstellen könnten, bliebe es dabei: 25% des Konsums von 2009 waren kreditfinanziert – ein Rückgang des Konsums in dieser Größenordnung ist – so lange kein Produktivitätswunder stattfindet – unvermeidlich.

      Viele Grüße Frank

      • Querschuss - 2. Februar 2012 Antworten

        Hallo Frank,
        “Dass die Troika in Griechenland etc. die Sparkeule schwingen würde, sehe ich nicht.” … ist hier im Blog ausführlich dokumentiert, -22,9% bei der Summe der realen Arbeitnehmerentgelte zum Hoch in Q3 2009 und ein Anteil der nominalen Arbeitnehmerentgelte am nominalen BIP von nur noch vergleichsweise armseligen 31,7% (zum Vergleich Deutschland 49,3%)! Ein beispiellose Rosskur, die auch eine Kontraktion beim Konsum, den Investitionen und der Wertschöpfung nach sich zieht und ungeeignet ist die Probleme Griechenlands zu lösen. Sparen ok, aber dort wo sinnvoll und nicht mit neoliberalen Dogma flächendeckend, alles was BIP, Investitionen und Wertschöpfung killt ist kontraproduktiv und das Kontraproduktiv wird hier seit 2 Jahren Monat für Monat dokumentiert und zielsicher wurde auch das Ergebnis dieser Versagerstrategie vorhergesehen, siehe hier, einfach mal die Artikel zu Griechenland von vor 2 Jahren anklicken:
        http://www.querschuesse.de/spanien-und-griechenland-artikel/

        Die Troika senkt aber keine Defizite, auf Grund der BIP-Schrumpfung, Staatshaushalts- und Leistungsbilanzdefizit 2011 ca. -47 Mrd. Euro, das hätte man auch ohne Abwürgen der Wirtschaft hinbekommen!

        Wer soll investieren? Die traurige Realität wird sein niemand! Unter dem Korsett des Euro ist Griechenland nicht fit zu machen, die benötigen eine 80% Währungsabwertung, so etwas kann ohne Bürgerkrieg mit einer internen Abwertung innerhalb des Euro-Raumes nicht geleistet werden, zumal nach innen nur Löhne abgewertet werden, nach aussen aber auch alle anderen Ressourcen und Bürokratiekosten die Griechenland generiert bzw. zur Verfügung stellt.
        Bei ca. aktuell 20% Arbeitslosigkeit und nahe 50% Jugendarbeitslosigkeit dürfte es ein leichtes sein zum Mindestlohn noch 750 Euro Brutto Arbeitnehmer aufzutreiben und eine Produktion aufzuziehen. Nur ein paar Überstunden im hochproduktiven Deutschland ganz ohne zusätzliche Investitionen und mit deutschen Leiharbeitern tun es auch. Deshalb befürchte ich, auch bei demnächst 450 Euro Brutto Mindestlohn in Griechenland wird kein Investitionsboom ausbrechen und dies wird dann zeigen, dass im Falle sehr schwacher Volkswirtschaften und ihrer Verwerfungen es eben nicht reicht nur mittels Lohnsenkungen Wettbewerbsfähigkeit herzustellen, während aber die Lohnsenkungen sofort auf Konsum, Investitionen und Wertschöpfung durch Binnenkontraktion der Wirtschaft negativ durchschlagen.

        Gruß Steffen

        • Frank - 3. Februar 2012 Antworten

          Hallo Steffen,

          auf die Gefahr hin, Dir unrecht zu tun: die Quintessenz aller Deiner Ausführungen bleibt für mich: Du wirfst der Troika zwar totales Versagen vor, hast aber keine konkreten Alternativvorschläge – zumindest nennst Du sie nicht. Das deckt sich leider mit den Ausführungen der Bofingers, Gabriels, Augsteins etc. dieser Welt, die zwar darin übereinstimmen, dass Merkel alles falsch macht. Nur: was denn richtigerweise (und zwar sehr konkret!) getan werden müsste, das weiß (oder sagt) keiner. Wo bleibt der 10-Punkte-Plan für Griechenland, der sich nicht in Allgemeinplätzen (“Sparen o.k., aber dort wo sinnvoll”) erschöpft.

          Meine Überzeugung bleibt: der Crash in Griechenland ist unvermeidlich (weil ein Land mit der Produktivität Bulgariens nicht dauerhaft auf dem Level Hollands konsumieren kann) – allenfalls durch massive Transfers ließe er sich zumindest aufschieben. Und: die einzigen, die Griechenland wirklich helfen können, sind die Griechen selbst.

          Viele Grüße Frank

          • Querschuss - 3. Februar 2012

            Hallo Frank,
            ich bitte dich, dass bei den Wirtschaftsdaten der Griechen, Portugiesen, Spanier und Italien Versagen vorliegt ist doch wohl klar, wirtschaftliche Kontraktion in Folge eine enorm gestiegene Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen ist für dich Beleg von was, einer erfolgreichen Merkelschen Wirtschafts- und Finanzpolitik für die Eurozone? Volkswirtschaften mit schwacher Leistungsfähigkeit macht man nicht mit Sparen innerhalb einer Währungsunion fit, sondern dies beschleunigt die Abwärtsspirale, alles hier dokumentiert mit dutzenden Charts.

            Dein Vorwurf der fehlenden Alternativvorschläge tangiert mich NULL, ich bin nicht in der Verantwortung welche zu präsentieren, habe von niemanden den Auftrag und nicht die Ressourcen dazu. Dies ist in aller erste Linie ein Wirtschaftsblog der die Entwicklung kritisch beobachtet und die Daten aufbereitet, mehr als viele leisten, die damit Geld verdienen und deren Aufgabe es wäre.

            Ja der Crash in Griechenland ist unvermeidlich, schrieb ich schon vor 2 Jahren im Artikel Griechenland – irreparabel. Aber nicht grundsätzlich zwangsläufig, sondern als Folge der verfehlten Wirtschafts- und Finanzpolitik, genaugenommen schon seit Einführung des Euro und im Falle von Griechenland mit einer Aufnahme in den Euro bar jeder wirtschaftliche Vernunft und Datenlage.

            Mit weniger wirtschaftlicher Aktivität und die hat man unbestreitbar mit der Austerität organisiert, ist ein Entrinnen aus der Schuldenkrise grundsätzlich unmöglich.

            Meine Lösungen für Griechenland habe ich oft geschrieben, austreten, radikal abwerten, Insolvenz, dies wären die einzigen Schritte für Griechenland in Hinblick auf eine wirtschaftliche Zukunft. Im Sinne eines Systemstretching für die Eurozone, Ankurbelung der Wertschöpfung und Investitionen für Griechenland. Da dies durch privates Kapital nicht geleistet wird müsste EU-Geld in die Bresche springen, sicher schwierig und alles andere als Garant für die Sinnhaftigkeit der Investitionen. Sofortiger Stopp der Einkommenssenkungen, da diese nicht zielführend sind zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, aber sofort negativ auf BIP, Konsum, Investition und Wertschöpfung durchschlagen. Was wäre wohl in Deutschland los wenn die Summe der realen Arbeitnehmerentgelte um -22,9% sinken würde – Depression pur.

            Bei Gelegenheit und Lust und Laune arbeite ich ein sinnvolles Konzept gern auch etwas detaillierter aus, für einen Kommentar ist dies so oder so nicht leistbar. Klar dürfte aber sein das das deutsche Exportmodell nicht weltweit übertragbar ist, da deutsche Überschüsse andere Defizite erfordern. Insofern gibt es nur den Weg ein Gleichgewicht anzustreben. Überschüsse zu erzielen und gleichzeitig ausgeglichene Lestungsbilanzen und Staatshaushalte Anderer zu fordern ist ein Widerspruch in sich.

            Gruß Steffen

  • cashca - 2. Februar 2012 Antworten

    Zitat:
    Wenn man Ludwig Erhard folgt, ist klar, dass sich die schwarz-gelbe Bundesregierung um Lichtjahre vom Vater der sozialen Marktwirtschaft in Punkto Lösung der Probleme der Südperipherie der Eurozone entfernt hat und federführend innerhalb der Troika den zerstörerischen Brüning spielt, statt das Grundproblem der unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in der Eurozone zu erkennen und vor allem zu korrigieren!
    ———-
    Das trifft den Kern der Sache, damit ist alles Wesentliche gesagt. Den unsinn der letzten 5 Jahre erkennt mittlerweile selbst ein Blinder.
    Die Marktwirtschaft hat man beseitigt, die Politker planen und verwalten die Wirtschaft. Es ist bekannt, das politker noch nie was von Wirtschaft verstanden haben , geschweige denn von Finanzen..Die Mehrzahl sind ja auch nur Juristen.Was wollen wir da erwarten . Und so steuern wir auf den totsicheren Untergang der EU zu .
    Das hat was Gutes, denn diese Dilletanten sehen dann endlich das Ergbniss ihrer Arbeit.
    Sie ernten, was sie gesät haben. Jeder Bauer bestellt sein Feld besser als unsere Politiker unser Land bestellt haben..Jeder Bauer entfernt das Unkraut vom Acker, damit die gute Saat nicht zerstört wird und vom Unkraut überwuchert wird. Unser System ist von schädlichen Produkten und Maßnahmen massenweise überrollt worden, sie haben alles zerstört . Und die Politik schaut zu, wie eine Hand voll Gauner alles an sich reisen. Der Bürger . hat das Nachsehen. Und jetzt soll er genau diese auch noch retten. Noch mehr Steuern und noch biilliger arbeiten.
    Aber hallo, gehts noch?

  • mitwisser - 2. Februar 2012 Antworten

    Das kommt hier gerne mal rüber, als ob die mächtige und produktivr deutsche Industrie einer der grossen Mitschuldigen wäre für das Dilemma der Griechen. Das meiste dieser Produkte wurde aber weder früher noch heute dort produziert. Über den EURO kam man aber rund 10 Jahre lang günstig an die Ware ran. Leider ist dafür aber nun die Rechnung fällig.

    • Querschuss - 2. Februar 2012 Antworten

      Hallo Mitwisser,
      ohne Überschüsse und Kapitalabflüsse keine Defizite und Kapitalzuflüsse. Den Part der Kapitalzuflüsse zur Finanzierung der Defizite der PIGSF, übernimmt seit dem der private Kapitalmarkt die Defizite nicht mehr finanziert, nun eben Zentralbankgeld. Wer war der private Kapitalmarkt meist deutsche Banken, wer ist nun das Zentralbankgeld, die BUBA über Target2. Und unsere Exporterfolge sollen nichts mit den Defiziten der PIGSF zu tun haben, hier geht es nicht um Schuld, sondern das gerade in einer Währungsunion der Starke wie der Schwache Verantwortung übernehmen müssen und vor allem gegensteuern müssen, damit Ungleichgewichte nicht so riesig werden das sie sich in einer Finanzkrise dann Staatsschuldenkrise versuchen zu entladen.

      Noch mal als Erinnerung, Deutschland hat nur seit Q1 2002, Einführung des Euro als Bargeld, bis Q3 2011 innerhalb der Eurozone einen Leistungsbilanzüberschuss von +789,870 Mrd. Euro erzielt. Da dies spiegelbildlich die Defizite anderer sind, wurden diese auch finanziert, sonst hätte es die Überschüsse nicht gegeben. Gegenüber den PIGS war es ein Überschuss von +399,520 Mrd. Euro, gegenüber Frankreich +256,290 Mrd. Euro. Zusammen macht der Überschuss gegenüber PIGSF 83% des gesamten deutschen Überschusses gegenüber der Eurozone aus. Bin mir sicher, dass dieser Wahnsinn nicht von unschuldigen Weihnachtsmännern finanziert wurde.
      Ohne ein Streben nach Gleichgewicht, gibt es keine Lösung der Krise und eben auch Deutschland muss einen Anteil leisten, mit realen Arbeitnehmerentgelten unter dem Niveau von 2000 und realen Einzelhandelsumsätzen unter dem Niveau von 1994 leistet Deutschland aber einen Beitrag zur Zuspitzung der Ungleichgewichte.

      Alles zigmal durchgekaut, schwer zuverstehen, wie man diese Fakten mit so einem Kommentar abtun kann.

      Genaugenommen hätte man Griechenland nie in den Euro aufnehmen dürfen, als sie dann drinnen waren, hätte die Eurozone dringend die unterschiedliche Leistungfähigkeiten der Wirtschaften erkennen und gegensteuern müssen, das gegensteuern galt ja auch für Portugal, Spanien und für Italien. Zugleich hätte man bereits damals Griechenlands andere administrative strukturelle Defizite, wie mangelhafte Verwaltung, Steuererhebung usw. angehen müssen. Man kann keine gemeinsame Währung einführen und alles unkoordiniert Jahre trudeln lassen und mit Krediten überdecken. Und an diesem Zustand sind nun, wenn man nach Schuld sucht, letztlich alle Mitglieder einer Gemeinschaft schuld. Die Kette ist so stark wie das schwächste Glied. Und wenn sie reißt hilft es herzlich wenig sich darauf zuberufen das das eigene Kettenglied aber stark war. Der Preis für die entstandenen Verwerfungen wird auch noch Deutschland einholen.

      Gruß Steffen

  • Querschuss - 4. Februar 2012 Antworten

    Hallo Frank,
    ich bekomme so gar ungeahnte Unterstützung vom DIW:
    http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.392285.de

    “Griechenlands einzige Chance, wieder auf die Beine zu kommen, ist eine Wachstumsstrategie. Insbesondere brauche das Land eine Stärkung seiner industriellen Basis.”

    „Eine Politik, die vor allem auf einen Abbau der Staatsschulden ausgerichtet ist, verkennt dagegen die eigentlichen Probleme und wird deshalb die gesteckten Ziele auch kaum erreichen können“

    „Mit einer vornehmlich auf das Sparen orientierten Politik wird man aber nicht die Wirtschaftsbasis stärken können – im Gegenteil“

    Wer sagts denn, könnte glatt von mir stammen, die Realität erzwingt ein Umdenken, und der Brüning-Style a’ la Merkel und Troika wird immer mehr hinterfragt.

    Gruß Steffen

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