Portugiesische 10-jährige Staatsanleihen bei 15,220%
Heute erzielte die Rendite portugiesischer 10-jähriger Staatsanleihen ein neues Hoch mit 15,220%. Sicherlich kann man argumentieren, dass dies nicht weiter tragisch ist, schließlich muss sich Portugal nicht am Kapitalmarkt refinanzieren, sondern es refinanziert sich über das Rettungspaket mit einem Volumen von 78 Mrd. Euro. Nur eine Rückkehr an den Kapitalmarkt geplant für 2013 wird damit immer unwahrscheinlicher und die portugiesischen Staatsanleihen folgen der Entwicklung der Griechischen, die ebenfalls immer weiter stiegen. Der Anstieg der Renditen ist in beiden Fällen ein starkes Signal, dass der Kapitalmarkt immer weniger Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit des Staates hat. Denn eine immer noch weiter steigende Staatsverschuldung geht mit sinkender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit einher und damit ist der potentielle Zahlungsausfall auch in Portugal vorgezeichnet.
Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger portugiesischer Staatsanleihen seit Januar 1998 im Dailychart. Heute stieg die Rendite auf 15,220%. Die Rendite 5-jähriger Staatsanleihen stieg auf 19,882% und die 2-jährigen Staatsanleihen stiegen auf 17,177%.
Die Entwicklung der Bruttostaatsverschuldung seit Q1 2000 bis Q3 2011 im Chart. In Q3 2011 wurde ein neues Hoch bei der Bruttostaatsverschuldung markiert, mit 189,699 Mrd. Euro, was ca. 110,3% des nominalen BIPs entspricht. Sinkende Leistungskraft und steigende Staatsverschuldung gehen Hand in Hand. Bei stark ansteigenden Arbeitslosenzahlen, bei sinkender Wertschöpfung und Konsum und damit auch bei sinkenden Steuereinnahmen den Staat sanieren zu wollen, dürfte sich weiter als aussichtlos erweisen.
Die latente Wachstumsschwäche der Wirtschaft dokumentiert sich bereits seit Einführung des Euro:
Die Entwicklung des realen BIP in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 1996 bis Q3 2011. In Q3 2011 sank das reale BIP um -1,9% zum Vorjahresquartal!
Eine Wirtschaft in die nicht investiert wird, kann unmöglich wettbewerbsfähig gemacht werden:
Die Entwicklung der realen Bruttoanlageinvestitionen in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 1996 bis Q3 2011. In Q3 2011 sanken die realen Bruttoanlageinvestitionen um -11,9% zum Vorjahresquartal und sanken nun bereits das 12. Quartal in Folge im Vergleich zum Vorjahresquartal! Zum Hoch der realen Bruttoanlageinvestitionen mit 10,657 Mrd. Euro, dass bereits im 1. Quartal 2000 markiert wurde, ging es um -35,8% auf 6,839 Mrd. Euro abwärts!
Ohne einen radikalen wirtschaftspolitischen Strategiewechsel in der Eurozone zur Wiederbelebung der Südperipherie ist Portugal genauso fertig wie Griechenland und auch Spanien und Italien werden der organisierten Abwärtsspirale nicht entkommen.
Reloaded, mit detaillierten Wirtschaftsdaten zu Portugal: Querschuesse.de/Desasterzone 2 Portugal
Quelle Daten: Bportugal.pt/Datenbank
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de
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Sundance - 28. Januar 2012
Manchmal frage ich mich, was all die Länder mit den Krediten gemacht haben, bezw. wofür sie diese gebraucht haben, wenn davon keine Gewinne zu erwarten waren ????
Bei den Völkern ist ja nirgends etwas davon angekommen !
Läuft die Kugel rund, wird alles teurer.
Holpert das Pentagram, bleiben die Preise wie sie sind !
Fragen über Fragen !
Sundance - 28. Januar 2012
Oder wollten die Politiker mal die selben Boni wie die Banker haben ?
Da bemühen sich die geübten smiler und Händeschüttler 20 Jahre und länger, um 1x für 4 Jahre richtig abzuzocken !
Hätten die einen vernünftigen Beruf erlernt, hätten sie die 20 Jahre auch schon mal (bescheiden) leben können und glücklich sein.
Bescheiden ist wohl hier auch das Schlüsselwort ?
Holly01 - 28. Januar 2012
Während die Wenigen, welche sich noch für Nachrichten und Entwicklungen interesieren wie gebannt auf eine Hausgemachte Finanz- und Existenzkrise starren, werden in anderen Politikbereichen weitgehend ohne Diskussion Tatsachen geschaffen.
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36309/1.html
Die westliche, freie und offene Demokratie ist schon Klasse. Da können die Bananenrepubliken noch viel lernen.
Holly01 - 28. Januar 2012
Diese Krise wird so lange ausschliesslich von den sowieso schon Ärmeren unserer Gesellschaft bezahlt, bis der Druck der Masse auf die Politik dazu führt, dass das Geld da geholt wird wo es ist, nämlich beim Markt, bzw. den Reichen die diesen Markt bilden.
Am Ende werden alle erheblich ärmer sein und dann wird es Zeit sein Billanz zu ziehen, was die Schulden basierende Konzepte effektiv gebracht haben.
Schuldzins ist immer eine relevante Größe …….
Roland - 28. Januar 2012
Schön wäre es !
Leider ist die neoliberale Ideologie nicht gebrochen und die Konzern-Medien halten das Trugbild am Leben. Nicht nur die Springer-Presse, sondern insbesonders der Spiegel sind übelste Propagandisten. Letzterer ist, seitdem Bertelsmann (Mohn) über die Sperr-Minorität verfügt, völlig wertlos geworden.
Gut zwar, dass es solch hervorragenden blogs wie querschuesse gibt – allerdings nur für eine kleine, aber feine Minderheit.
Die von Ihnen beschworene “Masse” ist aber noch relativ hilflos den Verblödungsmedien ausgeliefert.
Holly01 - 28. Januar 2012
Ich würde der VWL alle Lehrstühle und öffendlichen Gelder entziehen.
Das ist der reine Unsinn von Gefälligkeitsgutachten und einem breiten rot/blau/weissen Faden durchzogenem Apperat, der nur der Machtpolitik dient. Die erzählen und lehren nur noch Quark. Da passt nix mehr.
Die Masse ist träge, aber bricht sie das Trägheitsmoment passieren immer Dinge die keiner wollte. Die Massen in den, von den “Märkten” vorgeführten Ländern werden nach meinem Eindruck systematisch auf den kritischen Punkt hinbewegt.
Just my 5 Cent.
Michael - 28. Januar 2012
Das Problem sind nicht die Renditen, sondern die Umsätze zu den Renditen. Außerdem muß man beim Vergleich mit ähnlich mies gerateten Ländern die Quellensteuern von der Rendite abziehen. Ungeachtet dessen deutet sich bei Portugal die zweite Europleite an. Die Bruttoanlageninvestitionen zeigen klar negative Zukunftserwartungen.
Erst mal muss Griechenland aus der Eurozone geschmissen werden. Danach ist zu entscheiden, ob Europa beliebt die Portugiesen zu unterstützen. Die sind im Gegensatz zu Griechen keine hoffnungslosen Fälle. Die 130 Mrd. €, ebenso die sonstigen “Fördermittel”, für die Griechen können gleich gespart werden und für die Lösung der anderen Probleme eingesetzt werden. Dabneben müssen die Milliarden für die Osteuropäer gestrichen und auf die iberische Halbinsl verschoben werden. In Spanien und Portugal drohen riesige Debakel, die Lage dort ist heute schon katastrophal..
Die Italiener und Franzosen müssen erst mal allein zusehen, wie sie zurechtkommen. Ihre Kapitalflucht, die eine tödliche Umarmung für die Deutschen ist, müßte durch Kapitalverkehrskontrollen und weitere drastische Maßnahmen beendet werden. Möglichst noch vor dem Griechen-Bankrott in den nächsten Wochen oder Monaten. S&P hat völlig richtig klargestellt, dass der haircut mit partiellem Default bewertet werden wird.
Matthias H. - 28. Januar 2012
Besonders bitter an der Geschichte ist, dass hier die S&P-Abstufung von Portugal aus dem Investment-Grade am 13. Januar voll eingeschlagen hat,
Lief doch bis 12.Januar das Nachgeben der Umlaufrenditen Portugals noch parallel zu denen Italiens und Spaniens.
http://www.bloomberg.com/apps/quote?ticker=GSPT10YR:IND
Danach waren etliche Fonds-Manager nach ihren Richtlinien gezwungen, portugiesische Bonds auszuschichten ( und somit indirekt auch juristisch, da ja sonst Schadensersatzklagen von Anteilseignern möglich gewesen wären ).
Das läutete offenbar erst die Fluchtwelle aus diesen Bonds ein, die nun in einen regelrechten Crash mündet.
Müssig, nun zu spekulieren, was passiert wäre, hätte S&P diese Abwertung zumindest bis zur trockenen Tinte unter dem griechischen Schuldenschnitt hinausgeschoben.
Denn ob die Brisanz dieser Entwicklung so richtig bei den Staatschefs und Finanzministern angekommen ist, solange man sich täglich mit dem GR-Desaster herumschlägt, habe ich so meine Zweifel.
Andererseits frage ich mich – vielleicht etwas naiv – ob da nicht überverkauft wird.
Oder wird da darauf spekuliert, dass die EU ihre Zusicherung, bei keinem weiteren Fall privaten Gläubigern einen Schuldenschnitt aufzuzwingen, wieder fallenlässt ?
Dass selbst die 2yr&5yr – Yields ähnlich anziehen, lässt doch eigentlich keinen anderen Schluss zu.
Deren Rückzahlungen sind ja zumindest z.T. de facto garantiert, weil diese ja bei Fälltigkeit wohl via ESM-Kredite abgelöst werden.
Das würde die Glaubwürdigkeit der gesamten Eurozone aber auf Dekaden hinaus beschädigen und allen langfristig höhere Zinslasten in den Staatshaushalten “bescheren”.
Oder gibt es da weitere Aspekte ?..
Michael - 28. Januar 2012
Die Antwort kann nur heißen, Griechenland fliegt sofort aus der Eurozone, falls die Bankiers weiter “Wilde Sau” spielen, fliegen Portugal, und erst recht Irland hinterher. Die Völker Europas lassen uns nicht erpressen…….
Michael - 28. Januar 2012
Auf jeden Fall bleibt eine bemerkenswerte “Hysterie” festzuhalten. Wenn man sich andere Länder mit ähnlichem Rating ansieht, hat nur Montenegro Renditen von 12%. Mazedonien ist mit 8% bis 10% dabei. Die übrigen regelrechten Bananenrepubliken im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Rating BB haben Renditen zwischen 3% (Costa Rica) und 7 % (Rumänien).
Rumänien ist allerdings eins der korruptesten Länder der Welt.
Wir haben es hier ganz klar mit einer gewissen Bösartigkeit der “Finanzmärkte” und ihrer Rateinstitute zu tun. Denn, dass es in Portugal aussieht, wie in Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Paraguay oder Restjugoslavien – die erheblich geringere Renditen haben, darf doch ernsthaft bezweifelt werden.
Die Schmutzfinken, die schon mehr als einmal Wirtschaftskrisen verursachten, spielen auf “Eurobonds” auf Kosten deutscher Steuerzahler. Und Deutschland kann sich in der EZB offensichtlich gegen das Spiel nicht wehren. Man könnte gar nicht soviel fressen, wie man kotzen möchte.
dank - 28. Januar 2012
In Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Paraguay oder Restjugoslavien kann jederzeit ab- und abgewertet werden…
Eurobonds = T + einige Jahre und dann sehr wahrscheinlich wieder 2008 – 2012
Michael - 28. Januar 2012
Es kann aber nicht gegen Schulden in € oder $ abgewertet bwerden, in denen die von mir notierten Anleihen notieren.
Natürlich bedeutet “euorbond” den selben Verlauf, wie 2002 bis 2009. Deshalb Ausschluß mindestens der Griechen, für Italien und Belgien auch angemessen, aus dem Eurosystem.
Benedikt - 29. Januar 2012
Die PIG Retter sitzen derzeit in der Falle.
- bei einer Aufstockung des EFSF Schirms müssen alle zustimmen, darüber sind beim letzten mal Regierungen auseinander geflogen. Eine Aufstockung darf nicht scheitern, das Risiko ist allerdings sehr hoch.
- für eine Rettung über den IWF funktioniert nicht, da der IWF dafür nicht genügend Geld verleihen kann
- Griechenland in die Pleite schicken geht auch nicht, da sonst epischer Streit entsteht, wer die Kosten der Rettung bezahlen muss
- ob der ESM wie gewünscht Funktioniert ist auch fraglich
– alle Länder müssen für dessen Start erstmal ihre Einlage tätigen
– bis Juni kann die Krise auch auf die Exportstarken € Länder erreicht haben, das mit den großen Hebeln wird dann auch nicht mehr funktionieren
Michael - 30. Januar 2012
Am 30.1. war ein beeindruckender sell off über alle Laufzeiten, an allen deutschen Börsen, bei portugiesischen Staatsanleihen zu beobachten. Es wäre übertrieben, wenn man behaupten könnte, dass das nur schlecht aussehen würde. Echte Panikverkäufe. Wer waren die Käufer ?