Schwache Daten vom US-Immobilienmarkt

von am 29. November 2011 in Allgemein

Wie Standard & Poor’s (S&P) heute mitteilte, waren die S&P/Case-Shiller Home Price Indices, mit die wichtigsten Preisindizes zur Messung der Preisentwicklung am US-Wohnimmobilienmarkt, in den 10 größten Städten der USA im September 2011 um -3,27% zum Vorjahresmonat gesunken und beim 20-City Composite war ein Rückgang von -3,59% zum Vorjahresmonat zu verzeichnen. Damit bleiben die Immobilienpreise weiter schwach, saisonbereinigt ging es beim 10-City Composite um -0,42% zum Vormonat abwärts und beim 20-City Composite ging es um -0,57% zum Vormonat abwärts.

Im Chart die prozentuale Veränderung der Häuserpreise in den 10- und 20 größten Städten, im Vergleich zum Vorjahresmonat. Zum Vergrößern bitte die Charts 1x anklicken.

Die saisonbereinigten Indizes zu den Großraum-Regionen beim 10-City Composite seit Januar 1987 (blau) und beim 20-City Composite seit Januar 2000 (rot) im Chart.

Der saisonbereinigte 10-City Composite sank im September 2011 leicht auf 153,10 Indexpunkte, nach 153,75 Indexpunkten im Vormonat und notiert damit weiter in der Nähe des Tiefstandes seit dem Platzen der Immobilienblase, aus Mai 2009 mit 152,29 Indexpunkten. Der 20-City Composite fiel auf 139,49 Indexpunkte, nach 140,29 Indexpunkten im Vormonat und damit auf den tiefsten Stand seit April 2003. Seit dem Hoch im April 2006 mit 226,91 Indexpunkten sind die Preise beim 10-City Composite um -32,53% eingebrochen und beim 20-City Composite, seit dem Hoch im April 2006 um -32,50%. Die Indizes zeichnen die nominale Entwicklung der Preise für Wohnimmobilien nach.

Noch etwas beeindruckender sind die Charts der Großraumregionen mit den größten Preiseinbrüchen:

Die saisonbereinigten nominalen Immobilienpreise im Großraum Las Vegas (blau) fielen seit dem Hoch im April 2006 um unglaubliche -60,57%. Phoenix (rot) folgt mit einem Einbruch von -56,72% seit Mai 2006 und Miami (grün) mit -50,54% seit Mai 2006! In Las Vegas war der Preisrückgang am stärksten, dort notierten im September 2011 die Immobilienpreise auf dem tiefsten Stand seit November 1997.

Auch die Daten des Census-Bureau von gestern, zu den Neubauverkäufen von Wohnimmobilien in den USA, zeigen wenig Positives. Zuletzt im Oktober 2011 ging es zwar etwas aufwärts auf 307’000 verkauften Wohneinheiten auf das Jahr hochgerechnet (SAAR), nach 303’000 verkauften Einheiten im Vormonat, nur das Niveau des verkauften Volumens bleibt historisch betrachtet niedrig:

Die Entwicklung der New Home Sales (SAAR) seit Januar 1963 im Langfristchart. Zum Allzeithoch im Juli 2005 mit 1,389 Millionen verkauften Wohneinheiten brachen die Verkäufe bis Oktober 2011 um -77,90% ein!

Besonders brachial erscheint dieser Kollaps bei den Neubauverkäufen am US-Immobilienmarkt vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung:

Die Entwicklung der Neubauverkäufe in der Relation zu je 10’000 Einwohnern seit Januar 1963 im Chart. Im Oktober 2011 wurden je 10’000 Einwohnern nur 9,79 Wohneinheiten (SAAR) verkauft, beim Hoch im Juli 2005 waren es 46,87 Wohneinheiten und im langfristigen Durchschnitt von 1963 bis 2007 immerhin 28,55!

Ebenfalls heute berichtete CoreLogic für Q3 2011 die Daten zu den “unter Wasser Hypotheken”. In den USA standen in Q3 2011 landesweit 22,1% bzw. 10,7 Millionen aller Hypotheken “unter Wasser”, dass bedeutet der Wert der Immobilie lag unter dem Wert der ausstehenden Hypothek. Weitere 2,4 Millionen Hypotheken befanden sich in unmittelbarer Nähe dieses Status. Der Immobiliendatenanbieter Zillow Inc. berichtete für Q3 2011 noch etwas schlechtere Daten, deren Angaben zu Folge stieg der Anteil der “Underwater Homeowners” auf sogar 28,6%, nach 26,8% im Vorquartal und nach 23,2% in Q3 2010! Der Trend zur Unterwasser-Hypothek ist weiter ungebrochen! Kein Problem am US-Immobilienmarkt ist wirklich gelöst. Hunderte Milliarden an faulen bzw. gefährdeten Hypotheken schlummern weiter in den Bilanzen der Banken und vor allem bei den beiden de facto verstaatlichten Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac.

Quelle Daten: Standardandpoors.com/Portal: S&P/Case-Shiller Home Price Indices, Census.gov/Portal: New Home Sales

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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5 KommentareKommentieren

  • klardenker - 29. November 2011

    Was passiert denn, wenn man merkt, dass die Hypothek größer ist als der Wert der Immobilie? Zumindest wird man nicht das dritte Auto kaufen oder die 17. Kreditkarte bestellen. Vielmehr wird man zur Bank gehen und die Schlüssel abgeben… zumindest in Amerika wäre man damit zwar das Haus aber auch die Schulden los.
    In der Folge wäre Sparen und nicht mehr Konsumieren angesagt, zumal die Nominal- und erst recht die Reallöhne stagnieren oder sinken (gemessen am BIP). Ein Deflationsschock steht ins Haus.
    Wären da nicht die Notenbanken, die das Deflationsfeuer mit Geld zu fluten und damit zu ersticken suchen. Langfristig ist der Weg damit zur Inflation vorgezeichnet. Was ist mit dem Ausgleich? Vielleicht über das Zinsniveau? Dieses scheint durch Notenbanken auf nahe Null zementiert. Gewinne der Unternehmen, Löhne und erst recht die Reallöhne sinken, die Wirtschaft stagniert oder geht zurück – das Preisniveau bleibt getrieben von steigenden Rohstoffpreisen bleibt hoch. Alle Zutaten für die Stagflation sind damit bereitet. Die 70er lassen grüßen!

    • Lothar - 30. November 2011

      “zumindest in Amerika wäre man damit zwar das Haus aber auch die Schulden los” hatte ich auch immer gedacht stimmt aber in den meisten Staaten sogar gar nicht, da ist es wie bei uns, die Bank versteigert und du bleibst auf dem Restbetrag sitzen.

  • M.E. - 29. November 2011

    Na, Hauptsache die gutgelaunten Konsumenten lassen noch mal richtig die Kreditkarten glühen.

    • Boris - 30. November 2011

      @M.E. Vermutlich haben sie vorläufig nur mal einen neuen, günstigen Fernseher gekauft – das Haus muss noch ein Weilchen warten..

  • Benedikt - 29. November 2011

    Eine Immo mit einer Unterwasser Hypothek kann man sehr schwer verkaufen. Kaum einer geht ja freiwillig in die Insolvenz.

    Wenn man die alte Immo nicht los wird, kann man sich auch keine neue Immo kaufen.

    Das wird den Immokauf auch kräftig hemmen.

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