Schwache deutsche Einzelhandelsumsätze auch im Januar 2012

von am 2. März 2012 in Allgemein

Wie zu erwarten war, entblößt sich die Mär des deutschen Konsumbooms ein weiteres Mal. Auch im Januar 2012 warten die harten belastbaren Daten zu den deutschen Einzelhandelsumsätzen mit schwachen Daten auf. Laut den heute veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zu den Einzelhandelsumsätzen für den Monat Januar stiegen die nominalen Einzelhandelsumsätze zwar um +3,5% im Vergleich zum Vorjahresmonat und real stiegen sie um +1,6% zum Vorjahresmonat, allerdings hatte der Januar 2012 mit 26 Verkaufstagen einen Verkaufstag mehr als der Januar 2011. Berücksichtigt man die Saison- und Kalendereffekte (Census X-12-ARIMA Verfahren) ging es im Vergleich zum Vormonat nominal um -1,0% abwärts und real um -1,6% zum Vormonat.

Weiterhin dokumentieren diese Daten für Deutschland eindeutig die langanhaltende Konsumschwäche der privaten Haushalte, nach jahrelangem leicht abwärts gerichteten Dümpeln liegen im Januar 2012, die saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze um -3,3% unter dem Niveau von 2000 und um -3,5% unter dem Jahr 1994, dem Beginn der Datenreihe.

“Konsumboom XXL” Made in Germany! Die Entwicklung der Saison- und kalenderbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) seit Januar 1994 bis Januar 2012 im Chart. Die bereinigten realen Einzelhandelsumsätze sanken im Januar 2012 um weitere -1,6% zum Vormonat, auf 97,1 Indexpunkten, nach 98,7 Punkten im Dezember 2011. Im Januar 2012 sinken die bereinigten realen Einzelhandelsumsätze auf dem tiefsten Stand seit Mai 2011.

Ein deutscher Konsumboom war und ist bar jeder Faktenlage!

Der Befund beim Exportvizeweltmeister Deutschland bleibt unverändert der gleiche, anhaltender Lohnverzicht und die Nichtteilhabe am Produktivitätsfortschritt der Arbeitnehmer sind gewichtige Grundlage für den Exporterfolg. Dies führt in Folge zu einem schwachen Binnenkonsum als Nebenwirkung. Die Handelspartner in der Eurozone werden unvermindert an die Wand gespielt und der Euro an den Abgrund!

Die Indizes zu den Einzelhandelsumsätzen zeichnen die Umsatzentwicklung nach. Da der Einzelhandelsumsatz starken saisonalen Schwankungen unterliegt, werden mit Hilfe des Census-X12-Arima Verfahrens Saison- und Kalendereffekte bereinigt, so dass man eine aussagefähige Datenreihe zur Trendbeurteilung erhält. Dies ist in Anbetracht der Schwankungsbreite bei den Originaldaten sicher auch grundsätzlich nützlich:

Die Indizes mit den unbereinigten Originalwerte bei den nominalen (blau) und realen (rot) Einzelhandelsumsätzen in Deutschland seit Januar 1994 im Chart. Grob lässt sich aber auch an den Originaldaten ableiten, dass es de facto unter starken monatlichen Schwankungen seit 1994 seitwärts bis leicht abwärts geht.

Die Einzelhandelsstatistik ist eine Stichprobenstatistik. 26’000 Unternehmen von rund 423’000 Einzelhandelsunternehmen in Deutschland berichten ihre monatlichen Umsätze an die Statistischen Ämter der Bundesländer und 700 Großunternehmen berichten direkt an das Statistische Bundesamt. Die berichteten Länderergebnisse und die der Großunternehmen werden zusammengefasst und von Destatis veröffentlicht.

Die Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) inklusive dem Versand- und Internet-Einzelhandel machen knapp 30% der privaten Konsumausgaben aus und zeichnen am verlässlichsten das aktuelle Konsumverhalten der privaten Haushalte nach. Mit knapp über 20% der privaten Konsumausgaben folgen die Ausgaben für Mieten von Wohnungen und Häusern inkl. dem Miet-Äquivalent von Eigentümern, diese Ausgaben sind aber relativ unelastisch und nicht aussagefähig in Punkto Konsumverhalten. Der KFZ-Handel, Instandhaltung, Reparatur und die Ausgaben an den Tankstellen tragen zu knapp 10% der Konsumausgaben der privaten Haushalte bei.

Auch die Daten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung von Destatis verdeutlichen immer wieder die Genese des deutschen “Erfolges” und die dabei deutlich erkennbare Fehlentwicklung:

Die Entwicklung der realen Arbeitnehmerentgelte (grün), des realen Exportvolumens (rot) und der realen privaten Konsumausgaben der privaten Haushalte (blau) von Q1 2000 bis Q4 2011, alle Daten saisonbereinigt (Jahr 2000=100). Während die realen Exporte (Waren, Güter und Dienstleistungen) seit 2000 bis Q4 2011 um +82,5% stiegen, gab es bei den realen privaten Konsumausgaben einen lauen Anstieg von +5,5% und die realen Arbeitnehmerentgelten lagen sogar immer noch um -0,27% unter dem Niveau von 2000!

Quelle Daten: Detatis.de/Pressemitteilung Einzelhandelsumsätze Januar 2012, Genesis.destatis.de/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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14 KommentareKommentieren

  • Nepumuk - 2. März 2012

    Wie immer ein sehr guter Artikel.

    Danke !!

    Allerdings auch erschreckend wie weit die Darstellung in den Massenmedien und die Wirklichkeit voneinander entfernt liegen.

    • Roland - 2. März 2012

      Dann werden à la longe eben solche und ähnliche blogs die neuen Massenmedien.

      Vorschlag:
      Den ganzen Rest abbestellen.
      SPIEGEL….usw. – alles in den Müll.

    • Wolf Larsen - 2. März 2012

      DEM schliess ich mich an.

  • M.E. - 2. März 2012

    Hallo Roland,
    wer auch andere, unabhängige Informationsquellen wie zum Beispiel die Querschüsse hat (hoffentlich nicht zum Nulltarif!) und in der Lage ist, kritisch und vernetzt zu denken, kann auch z.B. den Spiegel lesen, ohne an seiner Meinungsbildung Schaden zu nehmen.
    Ich lese durchaus regelmäßig Spiegel online, WiWo online usw.
    Auch dort gibt es zu bestimmten Aspekten durchaus brauchbare Informationen. Die zusätzliche Beschaffung von Informationen, die es dort nicht gibt und die Einordnung aller Informationen zu einem Gesamtbild muss man natürlich selbst bewerkstelligen.
    Dazu dienen übrigens nicht zuletzt auch gute Sachbücher, um vertiefende Informationen zu bestimmten Gebieten zu bekommen, die über den aktuellen Newsflow hinausgehen.
    Gute Dienste können auch manche (nicht alle!) TV-Dokus z.B. auf Arte oder 3Sat leisten. Die beiden Berichte über Russland heute abend auf 3Sat (20.15 und 21.00 Uhr) habe ich beispielsweise schon für die Festplatte getimed und sehe mir die in einer ruhigen Stunde an.

    • Mark - 3. März 2012

      Die Massenmedien und auch Staatsfernsehen und -rundfunk erfüllen eine ganz wichtige Aufgabe: Sie erzählen mir, was ich GLAUBEN soll. Da ich zum Glück noch einen eigenen Kopf habe zum Denken und Zugang zu anderen, unabhängigeren Informationsquellen, kann ich die dort gewonnene Information mit den “offiziell verkündeten” Informationen vergleichen und bewerten und komme so zu einem eigenen Meinungsbild.

      Interessanterweise deckt sich das immer seltener mit den “offiziellen” Darstellungen.

      Ich habe schon seit drei Jahren keine Tageszeitung mehr abonniert. Steht eh kaum etwas drin, was es nicht auch im Internet gibt. Und investigativer Journalismus findet ohnehin nicht statt. Heute ist es nur noch “Verlautbarungsjournalismus” und “Hofberichterstattung”. Kein Cent für diesen Dreck!

  • MFK - 2. März 2012

    Wer wirklich wissen möchte, was da im Einzelhandel abläuft, sollte sich einmal die Veränderung der Geschäftsmodelle anschauen. Bei vielen bekannten Händlern werden ganze personalintensive Funktionsbereiche wie Kasse fremdvergeben oder selber mit Aushilfskräften besetzt. Da machen dann Dienstleister mit Aushilfskräften (oft ohne schriftlichen Verträge) auf ad hoc Basis den Job. Da kann es dann auch schon mal passieren, dass man abends um 22 Uhr eine SMS bekommt, wonach man morgen nicht zu erscheinen braucht. Aber ehrlich gesagt, können viele der grösseren Einzelhändler anders offensichtlich nicht mehr überleben.

    • Bernd - 2. März 2012

      Das ist das Märchen vom Facharbeitermangel.

      1998 hatte ich eine umfassende Arbeitsmarktstudie für Hamburg und Umland mit Arbeitsmarktzahlen von 1968 bis 1998 angefertigt. Dabei stellte sich nicht nur heraus, dass die damals noch Sozialhilfeempfänger genannte Gruppe seit 1968, d.h. seit 30 Jahren mit Ausnahme einer Stagnation 1969 exponentiell grösser wurde.
      Auch die Qualifizierung der Arbeitnehmer nimmt seit ca. 1986 verstärkt ab. Wo vorher ein Meister gefragt war, tat es 1998 ein Geselle. Entsprechend wurden und werden immer mehr Stellen durch Angelernte und Zeitarbeiter besetzt, die sich neben den ausgebildeten Kräften behaupten und so zu einem entsolidarisierten Betriebsklima führen. Die Einführung der Zeitarbeit, vormals als Massnahme zur kurzfristigen Reintegration Arbeitsloser gedacht, hat zügig einen unübersehbaren Cluster auf dem Arbeitsmarkt eingenommen. Die genauen Zahlen habe ich jetzt nicht im Kopf.
      Diese Abwertung des Arbeitsmarktes wurde damals mit dem Facharbeitermangel begründet.

      Der vielgerühmte Aufschwung im Dienstleistungssektor bestand damals vorwiegend in wenig qualifizierten Tätigkeiten, insbesondere Servierkräften.

      Heute werden anscheinend – Medienberichten zufolge – hochmotivierte Facharbeiter mit geringen Lohnansprüchen im europäischen Ausland abgeworben. Ich hätte jedenfalls gerne eine Fortsetzung der Studie.

  • Bernd - 2. März 2012

    @Roland

    Nach ein paar Jahren im Ausland bin ich erstaunt, wie sich die deutsche Presselandschaft von der Politik hat instrumentalisieren lassen. Wo ich vor 15 Jahren über vereinzelte, absurde Ticker der Bundesreigerung lächeln konnte, scheint nunmehr eine unabhängige Berichterstattung nationaler Propaganda gewichen.

  • wonko - 2. März 2012

    “Resignation für die einen – Wohlstand für die anderen”

    Die Propaganda in den Wirtschaftsnachrichten ist für den querschuss-Leser vermutlich nichts Neues…

    … schon durch die positiv-optimistischen Überschriften wird dem Volk eine Traumwelt vorgegaukelt – und oft genug steht dann im Artikel das genaue Gegenteil.

    Was allerdings stets und immer fehlt: Diagramme, Charts.

    Und auch das hat Methode.
    So manche Entwicklung welche forciert oder gegen welche nicht Gegengesteuert wird liegt so gar nicht im Interesse von 80 – 90 Prozent der Bevölkerung…

    … und dann gibt es noch diese Kurven, welche ganz klar zeigen, daß es so wie bisher nicht mehr lange weitergeht….

    … und bevor sich das gemeine Volk die Frage stellt:
    “wenn es so nicht weitergeht: wo wollen wir denn dann hin? “,
    wird dem Volk medienwirksam die TINA im Hosenanzug präsentiert.

    - brüningsches Sparen in der Krise – TINA;
    - die Kassen sind leer -> Gürtel enger schnallen – TINA;

    … in Anbetracht stagnierender/sinkender Ölfördermengen und nur durch Wirtschaftskrisen erreichbare Senkung der Ölnachfrage, erscheinen die TINA’s in ganz anderem Licht.

    Die etablierten Mächte halten am System fest, solange es irgendwie geht.

    “Wenn Du merkst, daß Du ein totes Pferd reitest, dann steige ab”
    sollte eigentlich das Credo der Führung sein.

    Das “Problem”, so meine Meinung:
    - durch die Einführung neuer Technologien sind die Verwerfungen für den einzelnen nicht mehr abschätzbar: so manche Pflaume wird dann plötzlich vom Baum geschüttelt; so maches Know-How der gegenwärtigen Technologie nicht mehr nachgefragt…
    … und in Summe wird sich die Produktivität mit Sicherheit immens steigern – noch mehr Arbeitskräfte werden durch Produktivkapital ersetzt, und das in sehr kurzer Zeit.

    Der Lösungsansatz: die daraus resultierenden Kapitalerträge müssen zwangsläufig -z.B. über ein kapitalertragfinanziertes BGE- nachfragewirksam umverteilt werden.

    Ohne den ausdrücklichen Willen des Volkes zu dieser politischen 180° Wendung werden die Hosenanzüge dieser Welt allerdings weiter in die eine Richtung gehen:
    “Wir” halten am Bestehenden fest, den Gürtel enger zu schnallen obliegt der Masse des Volkes,
    für das reichere Fünftel bleibt die Entwicklung wie gehabt – die restlichen 4/5 werden nach Möglichkeit zur Resignation getrieben, auf daß sie ihr Schicksal akzeptieren.

  • leslie - 2. März 2012

    In Wirklichkeit ist das alles noch viel schlimmer.

    Denn im neuen Jahr wurde kräftig an der Preisschraube gedreht.

    Beispiel:
    Instantkaffee vom Aldi 30 Cent teurer….
    Hier 10 Cent,da 20 Cent..

    Mfg

    Mfg

    • dank - 2. März 2012

      Wer sich in den letzten Monaten und Jahren regelmäßig mit Vorräten eingedeckt hat, bekam das immer wieder live mit:

      http://www.n-tv.de/ticker/Geld/Studie-Discounter-drehen-stark-an-Preisschraube-article5483401.html

      Generell ists ja immer so gewesen und sind wir auch so aufgewachsen, dass alles immer (ein wenig) teurer wird – allerdings blieben die Gehälter nicht auf Ihrem Stand hängen. DAS ist anzuprangern und nicht die Preissteigerungen – was ja mittlerweile auch die Gewerkschaften machen, wenn auch hier eine Verstickung mit den Wirtschaftsführern nicht mehr von der Hand zu weisen ist.

    • SuSe - 2. März 2012

      Dem kann ich nur zustimmen.
      Gerade die Grundnahrungsmittel sind betroffen. (Mehl, Nudeln, Butter, Milch)

  • der Bauer vom Hunsrück meldet sich zu Wort.... - 2. März 2012

    @ Nepomuk und Roland
    ja, abbestellen! Ich habe das gemacht. Was in der Tageszeitung steht, läßt sich guugeln, was vor Ort passiert kriegt man beim Feierabendbier mit und was sonst noch los ist, dafür braucht´s inzwischen keines mehr von diesen rechtsnationalen ultrakonservativen neoliberalen menschenverachtenden Hetzblättern aus HH oder F oder B oder M. Den Betrag für das Monatabo einer dieser endlos bereits benutzen Klopapierrollen, spare ich mir und helfe lieber Steffen u. a. mit dem geld über die Runden zu kommen. Wenn das jeder so machen würde, gäbe es das ein oder andere Altpapierheftchen schln nicht mehr. Die Macht das Kapitals bekämpft man am besten, indem man ihm sein Schwert nimmt. Das Schwert des Kapitals ist sein Geld. Ohne Abo -> kein Geld -> kein Schmierenblatt -> keine Belästigung -> weniger Dummheit

  • Klaus - 2. März 2012

    Über jeden kleinen Rülpser der GFK Index nach oben macht der der SPON eine große Meldung. In den Foren werden die dafür verhöhnt.

    Über den sehr enttäuschenden Rückgang der realen Umsätze dagegen kein Wort. Passt nicht in den politische Landschaft.

    Lügen sind heutzutage nicht erzählte Wahrheiten!