Spanien: negativer Target2 Saldo zieht um 25,109 Mrd. Euro im Januar an

von am 22. Februar 2012 in Allgemein

Die genauen Target2 Salden in den Bilanzen der nationalen Zentralbanken der Eurozone ausfindig zu machen, ist ein schwieriges Unterfangen, denn Transparenz in diesem Punkt sieht anders aus. Unterschiedlichste Bezeichnungen, zusammengefasste Positionen gegenüber dem Eurosystem, unvollständige Datensätze erschweren die Recherche. Angeregt durch einen Kommentar im Blog Querschuesse und mit Hilfe erneuter Suche auf der Zentralbank-Webseite Spaniens, können nun die Average of Daily Data als Target2 Position der spanischen Zentralbank gegenüber dem Eurosystem, als lange Reihe präsentiert werden. Sie weichen etwas von den bisher hier präsentierten Daten, mit dem Stand zum jeweiligen Monatsende ab (bisherige Position 7.2 – Liabilities. Summary), zu denen es keine lange Datenreihe gibt.

Bereits am 14. Februar 2012 veröffentlichte die spanische Zentralbank die Daten zur aktuellen Target2 Verbindlichkeit, als Average of Daily Data, für Januar 2012. Im Januar stieg der negative Target2 Saldo um 25,109 Mrd. Euro auf  -175,940 Mrd. Euro, nach -150,831 Mrd. Euro im Dezember 2011. Querschuesse präsentiert den Langfristchart:

Die Entwicklung des Target2 Saldos der spanischen nationalen Zentralbank seit Januar 1999 bis Januar 2012 im Chart. Im Januar 2012 stieg der Target2 Saldo um 25,109 Mrd. Euro auf -175,940 Mrd. Euro.

Der kräftige Anstieg des negativen spanischen Target2 Saldos im Januar 2012 dokumentiert die sich weiter aufbauende Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Zentralbankgeld muss Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGSBF finanzieren und Zentralbankgeld nun auch noch zusätzlich die privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten, wie aktuell aus Spanien, abpuffern muss.

Ein negativer Target2 Saldo ist die Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht), der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit, das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss, dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Die anhaltende Dynamik, auch beim spanischen negativen Target2 Saldo, steht für die sich Monat für Monat hochschaukelnden Verwerfungen in der Eurozone und hat dabei den potentiellen Zusammenbruch des gemeinsamen Währungsraumes fest im Visier! In der Realität ist die Eurozone bereits fertig, sie hält sich nur noch, bis zum Anschlag gedopt, mit den Phantasiemilliarden aus den Druckerpressen der nationalen Zentralbanken im Eurosystem.

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/target2-salden/

Quelle Daten: Bde.es/PDF BALANCE SHEET OF THE BANCO DE ESPAÑA/ zweite Tabelle 8.1b

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Wenn ihr die zeitnahe, kritische Aufbereitung von Wirtschaftsdaten und die aufwendige visuelle Darstellung der Daten bei Querschuesse per PayPal mit einem beliebigen Betrag unterstützen möchtet bitte den Button anklicken:

Print article

10 KommentareKommentieren

  • MeisterEder - 22. Februar 2012

    Upps…trotz der gnazen Ueberschuesse bei deutschen Geschaeftsbanken bekommt man dort keinen Kredit unter 7%. Ausser zum “Hausbauen”…

    Etwas Chinesischer Wirtschaftsdirektismus wuerde hier nicht schaden: Deutsche Banken sollten die Ueberschusseinlagen zu Euribor + 100 an KMUs verborgen, dann gaebs wieder Futter fuer den “Exportboom” :-0

  • georg - 22. Februar 2012

    chinesischer wirtschaftsdirektismus … was soll das denn sein..
    noch mehr häuser die keiner haben will oder die nicht bezahlbar sind ?
    http://www.krisenvorsorge.com/modules/news/article.php?storyid=4255&location_id=109&topicid=7
    dieser glaube an das unfehlbare CHINA ist schon sehr seltsam
    GRUSS GEOG

  • Christian Kurzer - 22. Februar 2012

    Dann stimmen die Daten von der Uni Osnabrück also doch.
    Ich habe übrigens den Grund für die Abweichung gefunden: In der Excel-Datei http://www.iew.uni-osnabrueck.de/Intra_Eurosystem_balances.xlsx steht, dass die Zeitreihe nicht den Monatsende sondern den Durschnitt anzeigt.

  • Christian Kurzer - 22. Februar 2012

    …vllt hat auch jemand von denen unsere Diskussion mitgelesen und wollte sich rechtfertigen *lol*

    • Querschuss - 22. Februar 2012

      Hallo Christian,
      Danke noch für die Hinweise, es scheinen also beide Datenreihen richtig zu sein, die bisher von mir präsentierte mit dem jeweiligen Stand am Ende des Monats, leider nicht als lange Datenreihe verfügbar und diese jetzt als lange Datenreihe
      als Average of daily data, EUR millions, so steht es ja auch in der PDF der Banco de Espana http://www.bde.es/webbde/es/estadis/infoest/e0801e.pdf und nun auch bei der Uni Osnabrück bzw. vorher hatte ich es nicht gesehen.

      Gruß Steffen

  • Benedikt - 22. Februar 2012

    Die EZB kann den Euro nur mit monatlichen QE Paketen am leben halten. Im Februar gibt es die nächste Runde Kredite, das gleiche gibt es auch im März, im April etc. Wenns schlimmer wird, wird die EZB auch im Wochenrythmus QE Pakete auflegen. Schließlich muss jetzt wachstumg her, weitere Sparpakete sind nicht mehr durchsetzbar.

    • Andres Müller - 22. Februar 2012

      “Schließlich muss jetzt wachstumg her, weitere Sparpakete sind nicht mehr durchsetzbar”

      Das ist leider so nicht möglich durch QE das auch an Zombiebanken fliesst. Falls man Wachstum an steigenden Aktienmärkten zu erkennen glaubt, dann verwechselt man realwirtschaftlich fundierten Aufschwung mit dieser Katastropenhausse. Es sind praktisch nur noch Institutionelle welche die Kurse hochtreiben, und eben die Zombiebanken. Die vergeben keine Kredite mehr an die Realwirtschaft -warum auch? Schliesslich werden sie von der EZB gefuttert damit sie Bonds kaufen -das reicht für die nächsten Bonipakete. Realwirtschaft ist zu riskant und bringt weniger Zins.

  • Traumschau - 22. Februar 2012

    Es scheint sich tatsächlich zu bestätigen, was viele schon vor Jahren vorausgesagt haben: der Euro wird zerbrechen. Die Verschlimmerung der Krise durch die Sparpakete, die u.a. Querschüsse ja schon eindrucksvoll dokumentiert hat, scheint poltisch gewollt zu sein. Ich weiß, ist ein anderes Thema, aber das “Diktat der leeren Kassen” scheint zu funktionieren. Das das durchaus beabsichtigt ist, haben die Macher der Nachdenkseiten recherchiert: “Die Verarmung als startegischer Hebel”.

    Schauen Sie mal hier:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=12218

    Wenn das wirklich stimmt, dann leben wir nicht mehr in einer Demokratie, dann sind meine Wenigkeit und zahllose andere auch keine “Verschwörungstheoretiker” mehr. Die Fakten haben uns schlichtweg bereits überholt.
    LG Traumschau

    • Andres Müller - 23. Februar 2012

      Dass der Euro zerbrechen wird glaube ich nicht, er bildet doch einen hervorragenden Hebel zur Knechtschaft die in diesen Nachdenkseiten immer wieder beschrieben werden. Die negativen Target 2 Saldo brechen den Demokratien die kein Lohndumping betreiben wollen das Genick,so wie den Griechen und wohl demnächst Italien, Spanien bis hin zu Frankreich. Der Euro wird künstlich beatmet, bis Euroland durchgehend neoliberalisiert ist. Kann sein dass die Sache irgendwann in Volksaufstände umschlägt, aber beim Militär wurde ja nicht gleich feissig eingespart wie sonst beim Staat.

  • dank - 23. Februar 2012

    OT, but Europe:

    Während die Deutschen Manager noch rosarot sehen, sind die Euro-Zonen-Vertreter jetzt pessimistischer.

    http://de.reuters.com/article/marketsNews/idDEBEE81M01O20120223

    “…fiel im Februar überraschend unter die Marke von 50 Punkten…”
    Was daran überraschend sein soll, weiß wahrscheinlich hier keiner.

    “Die Stimmung hellte sich auch nicht durch eine Erholung des US-Immobilienmarktes entscheidend auf.”
    Sorry, hab ich das jetzt verpast?

    Es ist wirklich schlimm, dass mit Logik dem ganzen System nicht mehr beizukommen ist. Belogen, betrogen und in die Irre geführt. Es ärgert einfach.

    50 Prozent der Wirtschaft ist Psychologie NEIN
    50 Prozent der Wirtschaft ist Lüge JA