Spanien: reale Einzelhandelsumsätze auf dem tiefsten Stand seit Mai 1999

von am 10. März 2012 in Allgemein

Das spanische Statistikamt INE berichtete gestern verspätet die realen Einzelhandelsumsätze für den Monat Januar 2012. Auch im Januar 2012 ging es weiter abwärts, um unbereinigte reale -4,8% zum Vorjahresmonat und um saisonbereinigte reale -0,2% zum Vormonat. Die realen Einzelhandelsumsätze notieren in der saisonbereinigten Reihe auf dem tiefsten Stand seit Mai 1999. Der private Konsum, gemessen an den Einzelhandelsumsätzen kontrahiert ungebrochen weiter.

Der Einbruch der unbereinigten spanischen realen Einzelhandelsumsätze von -4,8% zum Vorjahresmonat, nach den Daten des spanischen Statistikamtes INE. Nominal sanken die Einzelhandelsumsätze um -2,6% zum Vorjahresmonat.

Die Entwicklung der realen und saisonbereinigten Umsätze im spanischen Einzelhandel von Januar 1995 bis Januar 2012. Im Januar 2012 sanken die realen und saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze um -0,2% zum Vormonat. Die realen Einzelhandelsumsätze notierten im Januar 2012 auf dem tiefsten Stand seit Mai 1999. Mehr als ein Jahrzehnt reales Umsatzwachstum beim Einzelhandel wurde seit der Wirtschafts- und Finanzkrise und im Zuge der spanischen Austeritätsmaßnahmen komplett ausgelöscht! Seit dem Hoch im März 2007 mit 106,78 Indexpunkten ging es um reale -23,0% abwärts!

Damit liegen nun auch bei Eurostat die Daten zu den realen Einzelhandelsumsätze von Deutschland, Frankreich und der Südperipherie der Eurozone (Portugal, Italien, Griechenland und Spanien) komplett vor, wobei Griechenland und Italien mit den berichteten Daten immer um einen Monat hinterherhinken und diese Daten dokumentieren die “erfolgreiche” Anpassung der PIGS-Länder an die deutsche Wachstumsrate bei den realen Einzelhandelsumsätzen:

Die Entwicklung der saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (2000=100) von Deutschland (blau), Frankreich (rot), Portugal (grün), Italien (lila), Griechenland (hellblau) und Spanien (orange). Dieser Chart dokumentiert eine festhaltenswerte Entwicklung, ein Etappenziel ist erreicht, “Dank” Austerität liegen nun auch in den PIGS-Ländern die realen Einzelhandelsumsätze unter dem Niveau von 2000. Nur Frankreich ragt noch hinaus. 

Seit 2000 bis Januar 2012 sanken die realen Einzelhandelsumsätze in Deutschland um -3,23%, in Portugal um -4,34%, in Italien um -3,52% (bis Dezember 2011), Griechenland  um -2,02% (bis Dezember 2011) und Spanien als Schlusslicht um -5,97%! Nur Frankreich glänzt noch als letzter Konsummotor mit einem Anstieg seit 2000 von +36,53%.

Die saisonbereinigten Indizes der realen Einzelhandelsumsätze (2000=100) zeigen die Entwicklung an, lassen aber keine Aussage zum absoluten Niveau der Einzelhandelsumsätze der einzelnen Länder zu, sondern die jeweiligen durchschnittlichen monatlichen realen Einzelhandelsumsätze des Jahres 2000 sind jeweils mit 100 Indexpunkte angesetzt.

Je mehr Länder auf Konsumniveaus wie vor über einem Jahrzehnt abfallen, um so näher rückt auch das Ende des deutschen Exportbooms und damit rückt auch die Krise nach Deutschland näher, denn Produktivitätsfortschritte und Produktionsoutput von 2012 mit einem Konsum von vor 2000 beantworten zu wollen, endet in einer sich verstärkenden europaweiten Rezession.

Quelle Daten: Ine.es/reale Einzelhandelsumsätze in Spanien Januar 2012, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank Eurostat

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14 KommentareKommentieren

  • dank - 11. März 2012

    Dumm gefragt, in der Hoffnung auf Aufklärung:

    Wie kann sich Frankreich die rote Kurve im Chart leisten?
    Weniger Ersparnissen gemacht – mehr Lohnsteigerung?
    Was steckt dahinter?

    • zebulon - 11. März 2012

      Die Privathaushalte in Frankreich verschulden sich immer stärker. Seit 2003 haben sich die Schulden der privaten Haushalte Frankreichs von ca. 550 Mrd. Euro auf mittlerweile mehr als 1 Billion Euro gesteigert. Die Dynamik ist ungebrochen und wird vorallem durch rasch steigende Beleihungswerte von Immobilien ermöglicht. Im Vergleich dazu sind die deutschen Privathaushalte trotz nominellem BIP-Wachstums seit 2003 ziemlich konstant mit ca. 1,4 Billionen Euro verschuldet: Die französische Wirtschaftsleistung ist ungefähr 80% der deutschen. D.h. die Verschuldungsfähigkeit der französischen Haushalte ist bei weitem noch nicht erschöpft. Neue Schulden werden zum Ausgeben aufgenommen und sind damit sofort nachfragewirksam. Die französische Erfolgsgeschichte kann solange weitergehen, wie die Franzosen bereit sind sich weiter zu verschulden.

      Verglichen mit anderen europäischen Ländern muss aber auch für Deutschland mittlerweile davon ausgegangen werden, dass die Verschuldungsfähigkeit der privaten Haushalte zumindestens im Vergleich mit Ländern wie Dänemark oder Niederlanden bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Leider zeigt sich hier in D nur eine geringe Tendenz zur Besserung, denn noch immer sind die Mittelflüsse aus Kreditaufnahme der privaten Haushalte in Frankreich ca. 5 mal so hoch wie in Deutschland (und zwar absolut!). Die jetzt zumindestens in Ballungsräumen einsetzenden starken Preisteigerungen bei Immobilien könnten hier aber zusammen mit einer positiveren Sicht auf die individuellen Einkommenschancen einen möglichen Katalisator für verstärkte Kreditschöpfung bilden. Dann würde Deutschland wirklich ein Konsumboom a la Frankreich ins Haus stehen.

      Viele interessante Zahlen dazu unter sdw.ecb.europa.eu.

      • Querschuss - 11. März 2012

        Hallo Zebulon,
        Danke für den guten Hinweis! Neben dem Anstieg der nominalen Arbeitnehmerentgelte in Frankreich von +42,6% (real +17,8%) seit 2000, manifestiert sich auch ein ordentlicher Anstieg der Verschuldung der privaten Haushalte, präsentiere ich demnächst mal als Chart. 2003 lag durchschnittlich die Verschuldung der privaten Haushalte auf Monatsbasis bei 559,837 Mrd. Euro, im Dezember 2011 war es 1,088976 Billionen Euro!

        Gruß Steffen

        • Andres Müller - 11. März 2012

          Dann wäre es noch interessant zu wissen wie sich diese Privatverschuldung der Franzosen zusammensetzt und woher das kommt.

          Die BIZ macht für die Schuldenzunahme im Westen die Liberalisierung der Finanzmärkte verantwortlich.

          “Banken konnten mit immer neuen Produkten dadurch ihren Kunden einen leichteren, wenn nicht leichtsinnigen Zugang zu Krediten verschaffen”

          Leuchtet mir ein, seit den 70er Jahren haben sich die Finanzmarktprodukte infaltionär vermehrt.

          Vielleicht wäre es interessant zu wissen mit welchen dieser Produkte sich die Menschen verschulden -so eine Art Rangordung der Verschuldungsgefahr.

          Es ist ja so, man will aus der Schuldenfalle raus kommen -aber wenn es stimmt was das BIZ sagt, so hat man mit der billigen Bankenliquidität soeben die Hydra geschaffen.

  • Querschuss - 11. März 2012

    Hallo dank,
    erklärt sich zum großen Teil hier: http://www.querschuesse.de/frankreich-ist-immer-noch-der-konsummotor-der-eurozone/

    Gruß Steffen

  • Michael - 11. März 2012

    Also doch (noch) leben wie Gott in Frankreich ? Mit Wattebällchen wurde lange genug geworfen. Freuen wir uns auf den €uropäischen Frühling.

  • Karl Napp - 11. März 2012

    Der Neokeynsianismus sieht seinem Ende entgegen. In guten Zeiten mit Wahlgeschenken auf Pump die Schulden steigern und in schlechten Zeiten mit noch mehr Schulden eine Rezession abwehren. Der arme Keynes, das hätte er wirklich nicht gewollt.

  • Holly01 - 11. März 2012

    Wenn der general 4,8 ist und service 3,8, wie kann der general auf 4,7 fallen, wenn man service herausrechnet?
    Man kann das alles drehen und wenden wie man will. Am Ende ist der Po immer hinten. Will sagen, Statistiken sind immer so gut wie die Leute die sie erstellen.
    (Nein querschuesse erstellt die Statistiken nicht, querschuesse zitiert sie. Das ist also keine Kritik an querschuesse.
    .
    Am Ende werden wir alle einen Existenzkampf haben (bevorzugt in den Medien) der zu einem Verschmelzen der USA kontrollierten Währungsräume führt.
    Ich habe ein nettes Gleichniss : Ein Bundesligaverein hat 98 neue Spieler und will Meister werden, weil er für die gegner nun unberechnbar geworden ist. Jeder würde nach der Qualität der Spieler fragen. Im Gegenzug fragt niemand nach der Qualität der banken und des Finanzsystems, wenn man dort eine Billion nach der anderen hineinpumpt.
    Die Sicherheiten werden nicht mehr. Das System sieht aus, wie eine Pyramiede die auf dem Kopf steht und sich auf den mageren Sicherheiten als Fundament abstützt.
    Niemanden muss Unsicherheit wundern, niemanden muss das Ergebniss überraschen.
    Die banken haben Geld, aber kein tragfähiges Geschäft. Die Reichen haben Geld, aber sie warten auf das Weltweite Griechenlandszenario. Das geht kaum mit 53,5% Abschreibung ab.
    Griechenland war der -> bestmögliche <- Verlauf. Mehr Halt und Hilfe von Aussen geht nicht.
    Das sollte sich jeder vor Augen halten.

  • Ashraf Khan - 11. März 2012

    Ich muss jetzt doch nach einiger Zeit des stillen Mitlesen doch auch Mal ein paar Fragen stellen.

    Erst einmal ein großes Kompliment an Querschüsse für diesen Blog.
    In deinen Berichten liest man immer wieder die Forderung der Stärkung der Binnennachfrage und die Abkehr vom exzessiven Export. An sich habe ich das auch immer so gesehen und es ist ja auch der klassische Anstatz von Keynes (der in den siebzigern nicht funktioniert hat, genauso wenig, wie es der monetäre Ansatz jetzt schafft). Nach diesem ständigen Scheitern der Dogmen stellt sich für mich aber die Frage, ob es überhaupt besser geht. Ist ein Land nicht in seinem Wohlstand von Vornherein beschränkt auf die Ressourcen die es hat, insbesondere Rohstoffe und Innovationskraft? Und wenn ich nun wie Deutschland oder auch Europa als ganzes eher weniger Rohstoffe habe, kann ich nur meine guten Ideen im Tausch gegen diese am Weltmarkt anbieten. Und dann würde doch auch das Ankurbeln der Binnenkonjunktur nichts bringen, weil sich die Waren dann zwar schneller innerhalb unseres Landes drehen, das Problem der endlichen Ressourcen ja aber nicht verschwindet. Ganz salopp gesagt – es wird ja so oder so nicht mehr zu verteilen geben. Oder habe ich da irgendwo einen Denkfehler?

    • Andres Müller - 11. März 2012

      Wir gründen einen fiktiven Staat mit nur einer einzigen Person. Die Ressourcen über die er verfügt sind leicht überblickbar und durch einfache Mathe zu verwalten. Es ist auch klar wie hoch seine Schulden steigen dürfen, damit er sie zurückzahlen kann. Bei tausend Personen ist die Sache komplizierter und bei Millionen kaum mehr zu überblicken. Gäbe es nur den Binnenmarkt, so wäre selbst das irgendwie noch berechenbar -aber sobald ausländische Investoren ins Spiel kommen und umgekehrt ins Ausland investiert wird, dann muss man beginnen in globalem Massstab zu denken. Es geht also um die global verfügbaren Ressourcen -und zwar immer, wenn man heute ein belebiges Land betrachtet. Jedes Land hat das Potential sich die gesamten Rohstoffe der Welt unter den Nagel zu reissen -und viele versuchen das auch (Tendenziell). Denen die das am besten gelingt prosperieren am besten -Nationalökonomie war gestern.

  • der Bauer vom Hunsrück - 11. März 2012

    das System in dem wir leben und handeln basiert auf Schulden. Schulden sind der Motor, Schulden werden als die Sollseite der Vermögen definiert, der Rentenanwartschaften, der LV-Summen, etc.. Gießkannenschulden stehen angeblich kummulative Vermögen gegenüber, warum? Ist an dem System was faul?

    Wenn ich aber mit Leuten rede, bin ich immer wieder erstaunt, wie bereitwillig sie sich in Schulden stürzen, nicht für eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus, nein, letztlich für “banalste” Konsumartikel, deren Lebensdauer unterhalb der Kreditlaufzeit liegt. Zu diesen Leuten gehören sowohl Junge als auch Alte, der Unterschied liegt lediglich darin, dass die Jungen noch nicht unter “burnout” leiden und die Alten inzwischen ganz gerne das Hamsterrad verlassen würden, es aber wegen ihrer Schulden nicht können.

    Menschen mit Kindern, also Familien sind für diese Hamsterräder besonders willkommen, weil dann kann man sie kleiner bauen und noch schneller laufen lassen, denn die Brut will ja versorgt sein. Inzwischen ist Familie mit Kindern gerade bei der Elite en vogue. Frau kriegt sie zwar nicht selbst, dafür importiert man welche, nennt das ganze dann humanistisch Adoption, schart gleich diferrierende Hautschattierungen um sich herum und dokumentiert damit, dass man/frau sich Familie leisten kann und auch noch multikullti ist.

    Solchen Leitbildern hinterher zu laufen, ist inwzischen existenziell gefährdend.

  • M.E. - 11. März 2012

    Selbst die supersoliden Niederlande rutschen jetzt in die Rezession:

    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/03/39493/

    Die Niederlande sind einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands.
    Die “Südstaatengrippe” schleicht sich langsam, mit verminderter Heftigkeit, nach Kerneuropa ein.

  • Heinz - 12. März 2012

    Das ist natürlich Wahnsinn was dort in Frankreich abläuft. Dazu kommt das die Lebenshaltungskosten in Frankreich, insbesondere im Großraum Paris höher sind als in der BRD. Die herrschende Klasse in Frankreich hat ein Problem, dort steht bei sozialen Unruhen definitiv die 5 Republik in Frage.