Stellungnahme (Target2) Bund der Steuerzahler in Bayern e.V

von am 21. März 2012 in Allgemein

Der Bund der Steuerzahler in Bayern e.V nimmt Stellung zum Beitrag des Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann in der FAZ vom 12.03.2012 “Was steckt hinter den Target2-Salden?”. Der BdSt stellt dieses Dokument heute Nacht unter www.target-2.de ins Netz. Querschuesse.de dokumentiert mit Genehmigung des Bundes der Steuerzahler in Bayern e.V diese Stellungnahme, welches gleichzeitig als Anschreiben an die FAZ und die Bundesbank ging.

 

Target-2-Salden

Bundesbankpräsident: Die Regierung hat den Schwarzen Peter!

Stellungnahme Bund der Steuerzahler in Bayern e.V.

zu Jens Weidmann in der FAZ vom 12.03.2012

 

In der FAZ  vom 12.03.2012 hat Herr Bundesbankpräsident Jens Weidmann  zu den  Target-2-Salden (€ 860-Milliarden) des Euro-Systems (ESCB) Stellung genommen. Der Bund der Steuerzahler betrachtet den Target-2-Mechanismus (T2) als Zünder einer finanziellen Atombombe (www.target-2.de). Brisante Wirtschaftsvorgänge müssen für Normalbürger verständlich dargelegt werden. Deshalb „übersetzen“ und kommentieren wir  nachfolgend die Äußerungen des Bundesbankpräsidenten: 

1. Bei Target-2-Cross-Border-Operationen wird  Geld von Zentralbank zu Zentralbank  „übertragen/überwiesen/empfangen“.

Diese Darstellung ist nicht richtig. Wäre sie zutreffend,  gäbe es keine positiven oder negativen Target-2-Salden, denn die auszahlende Zentralbank (NZB) würde von der auftraggebenden Zentralbank Erstattung erhalten, womit die Konten beider Zentralbanken wieder ausgeglichen wären.

Richtig ist vielmehr, dass die ausländische NZB nur einen Zahlungsauftrag auslöst und die Deutsche Bundesbank (BuBa) nach den T2-Regeln gezwungen ist, diesen im Inland mit eigenem Geld zu bezahlen. Sie selbst erhält bei dieser Geldoperation von der  ausländischen NZB kein Geld (keine Übertragung/Überweisung/Geldempfang!). So entsteht (täglich) ein Erstattungsanspruch gegen die Auftrag gebende ausländische NZB. Dieser wird nach den T2-Regeln um 24 Uhr gelöscht. Zum Ersatz dafür erhält die Bundesbank eine Forderung  in gleicher Höhe gegen die EZB zugewiesen, den positiven Target-2-Saldo (Forderung). Da die fremde NZB einen Zahlungsauftrag erteilt hat ohne tatsächlich selbst zu zahlen, erhält sie eine entsprechende Verbindlichkeit gegen die EZB zugewiesen, den negativen Target-2-Saldo (Schuld).  Soweit sich wechselseitige Cross-Border-Zahlungen aufheben, werden sie nicht erfasst. Ergibt sich ein Überhang, führt dies auf der Auftraggeber Seite zum negativen Saldo, auf der auszahlenden Auftragnehmer Seite (Bundesbank)  zum positiven Saldo gegen die EZB.

Das ist der Ablauf jeder T2-Operation (gleich in welcher Höhe) und es bedarf keines Wirtschaftsstudiums, um diesen verhängnisvollen Buchungs-Mechanismus zu verstehen (siehe auch www.target-2.de „Die Plünderung der Bundesbank“).

Der T2-Mechanismus erzeugt  zwangsläufig Dauerkredit. Für den positiven T2-Saldo erhält die BuBa von der EZB  1 % Zinsen und die ausländische NZB  muss für ihren negativen T2-Saldo 1 % Zinsen an die EZB bezahlen[1].

 

2. Wegen der Finanzkrise mussten den schwachen Euroländern fehlende Geldmittel durch die EZB und die nationalen NZBs bereitgestellt werden: 

(a)  in unbegrenzter Höhe (Vollzuteilung),     

(b)  gegen geringere Sicherheiten,

(c)  zu niedrigerem  Zins (1 %) und

(d) zu längeren Laufzeiten 

Diese Aussagen sind allesamt richtig. Wenn Weidmann darauf hinweist, dass der Anteil der Club-Med-Länder an diesen ReFi-Mitteln ab 2007 von 17 % auf 66 % (gesamt von € 460 Mrd. auf € 1.100 Mrd.) gestiegen ist, zeigt dies die unfassbare, künstliche Kreditschwemme in diesen Ländern[2]. Letztlich bestätigt Präsident Weidmann zwei Dinge: 

A) T2-Operationen betreffen Geldmittel aus gezielter Massen-Kredit-Produktion.

B) Diese Kredite (der Club-Med-Länder) weisen „geringere Sicherheiten“ aus.

Daraus folgt, dass die BuBa für ihre werthaltigen Auszahlungen einen positiven Saldo zugewiesen erhält, der seinerseits durch einen negativen Saldo „ausbalanciert“ wird, der auf „geringeren Sicherheiten“ beruht.  Mit anderen Worten: die T2-Forderungen der Bundesbank sind nach Aussage ihres Präsidenten nicht hinreichend abgesichert und die Waage neigt sich zu Lasten/Risiko der Deutschen Bundesbank.

3. Gleichzeitig ist über Target-2 Liquidität von € 750 Milliarden aus den Peripherie-Ländern abgeflossen und entsprechend wurden negative  Target-2-Salden der Peripherie-Länder (Club-Med-Länder) aufgebaut.

Zunächst: Es handelt sich nicht um € 750 Milliarden sondern (am 12.03.2012 bereits bekannt, www.querschuesse.de) um €  865 Milliarden, was doch ein gewisser Unterschied ist!  Im Übrigen ist diese Aussage unzutreffend (s.a. Ziff. 1): Target-2 ist ein Buchungsmechanismus, kein Geldverteilungsmechanismus. Über Target-2 fließt keine Liquidität von der Peripherie ab. Würde sie abfließen, wäre das ein wirklicher Cross-Border-Zahlungsfluss, also ein Geldabgang aus der Peripherie heraus, aber für erfolgte Zahlung kann schlechterdings keine Schuld (negativer Saldo) zusätzlich verbucht werden.

Nochmals: Der negative Saldo entsteht nur dann, wenn zwar Auszahlungsauftrag an die fremde Zentralbank erteilt, selbst aber nicht bezahlt/erstattet wird.

4. Aufgabe des Eurosystems ist die Geldpolitik (nicht die Finanzpolitik). Die Geldpolitik  muss die Kreditversorgung sicherstellen – durch Kredite an solvente Banken gegen ausreichende Sicherheiten – ohne das Preisniveau zu gefährden. 

Dem stimmen wir vollständig zu. Eine „geringere Sicherheit“ (siehe 2.) ist aber gerade keine ausreichende Sicherheit. Ausreichend ist eine Sicherheit etwa dann, wenn sie die kreditierte Summe um zumindest 10 % übersteigt. Das Preisniveau wird gerade durch die EZB massiv gefährdet, da diese Geldorgien im Billionenbereich veranstaltet (2 x EZB-€  500-Milliarden-Tender,  Dez. 2011/Febr. 2012). So kann Herrn Weidmanns Äußerung nur als Kritik an dieser EZB-Politik verstanden werden: Diese reicht Geld gegen unzureichende Sicherheiten aus, löst so in den schwachen Euroländern eine Kreditschwemme aus, diese erzeugt einen künstlichen Import-Boom, der zu Vorzugsbedingungen als T2-Cross-Border-Operation abgewickelt wird und jeweils die positiven und negativen T2-Salden der beteiligten Zentralbanken gegenüber der EZB erhöht.

5. Die Rettung von Banken oder Absicherung der Zahlungsfähigkeit von Staaten ist nicht Aufgabe der Geldpolitik (also nicht Aufgabe des ESCB/Zentralbankensystems).

Das ist völlig richtig, hat aber nur indirekt mit Target-2 zu tun.

6. Denn die Rettung schwacher Banken oder Euro-Länder durch das Euro-System (also im Ergebnis auf Kosten der starken Euro-Länder) birgt finanzielle Risiken.

Richtig, aber auch das berührt die T2-Problematik nur indirekt: Die billigen Kredite (1 %) der EZB an die NZBs der Club-Med-Länder ermöglicht diesen deren Weiterleitung an die nationalen Banken und erzeugt so in massivem Umfang Import-Zusatzgeschäft, das sonst nicht getätigt worden wäre. Die Abwicklung dieser Geschäfte über T2 (ohne dass das geschuldete Geld das Land verlässt!), hat natürlich gigantische Risiken aufgebaut, die sich in den negativen T2-Salden widerspiegeln.

7.Die Entscheidung, diese Risiken einzugehen oder nicht, liegt nicht bei den Zentralbanken sondern bei den Regierungen oder Parlamenten.  

Die Rettung von Banken oder ganzen Ländern ist kein T2-Problem. Dennoch kann Präsi-dent Weidmann in diesem Punkt nicht uneingeschränkt zugestimmt werden:  Sofern  Banken- oder Länderrettung die unabhängige  Bundesbank in ihrem Bestand gefährden, hat sie eine Entscheidung zu treffen: Entweder sie folgt den Vorgaben der Regierung (und geht unter) oder dem nationalen Bürgerinteresse (und lehnt die Vorgaben der Regierung ab). Inhaber der Bundesbank sind die Bürger, nicht die Regierung!

8.In krisenhaften Zeiten ist für die NZBs (nur ausnahmsweise) eine gewisse Flexibilität angezeigt. Doch folgt aus jeder Banken- oder Staatsfinanzierung ein steigendes Risiko für die NZBs und ihre Bilanzen und es können gravierende Fehlanreize gesetzt werden.

Nochmals: Die Banken und Staatsfinanzierung betrifft nicht Target-2, das nur ein Abrechnungs-/Buchungs-Mechanismus ist, aus dem Forderungen/Verbindlichkeiten entstehen.

9. Da die Zunahme der T2-Salden (bei flexibler Handhabung in Krisenzeiten) auch Ausdruck von Geldpolitik[3] sein kann, ist die Kritik an den T2-Salden nicht  sachgerecht.

Es ist nicht recht ersichtlich, was diese Aussage bedeuten soll: Vorrangziele der BuBa-Geldpolitik sind die Preisniveaustabilität und gute Verwaltung der Währungsreserven. Das tatenlose Laufenlassen der Plünderung der Bundesbank  (inzwischen €  560 Mrd.)  durch die Club-Med-Länder via  T2 kann doch nicht ernsthaft als „Ausdruck von Geldpolitik“ bezeichnet werden. Diese „Geldpolitik“ gefährdet akut die Währungsreserven der BuBa (voran die deutsche Goldreserve) und erst recht die Preisniveaustabilität: Woher soll – nachdem die ursprünglichen Eigenmittel der BuBa durch höchst zweifelhafte Schuldscheine (IOU) der EZB ersetzt wurden – zukünftig die Liquidität für weitere T2-Auszahlungen  herkommen? Werden nicht Devisen oder Gold verkauft, muss das dann fehlende Geld neu und zusätzlich gedruckt werden und das fördert die Inflation – und die ist  gerade das Gegenstück der Preisniveaustabilität (s.a. Schreiben des BdSt. [BY] vom  06.02.2012 an die BuBa, www.target-2.de ). Von vielen Fachleuten und auch von uns  werden nicht die Target-2-Salden (die Kontoauszüge) kritisiert, sondern die Tatsache, dass die BuBa es zugelassen hat, dass über den Target-2-Mechanismus aus ihrem Vermögen (also aus deutschen Bürgervermögen) inzwischen €  560 Milliarden herausoperiert und durch zweifel-hafte Forderungen „geringerer Sicherheit“ gegen die EZB ersetzt wurden. Wäre dem schon 2007 von der BuBa Einhalt geboten worden, gäbe es zumindest diese Situation nicht.

10. Ein eigenständiges Risiko besteht nicht, da ein Auseinanderbrechen der Währungs-union als absurd erscheint.

Wir anerkennen das Bemühen des Präsidenten der Bundesbank die Märkte zu beruhigen. (http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=9812144)

Allein, es ist vergebens: Die Krise ist keine Vertrauenskrise, sondern eine Euro-System-Mängelkrise[4], bei der gute Worte so wenig helfen wie Baldrian.  Es ist klar ersichtlich, dass der Bundesbankpräsident den Euro-System-Kollaps selbst real für möglich hält: Warum sonst seine Äußerungen zu diesem „absurden“ Thema und der aufsehenerregende, besorgte Brief an den Präsidenten der  EZB[5], in dem er unter Bezug auf die T2-Salden den denkbaren Forderungsausfall thematisiert, Warnungen ausspricht und  bessere Besicherung fordert. Der Widerspruch zwischen Wort und Tat ist offensichtlich:

11. Ob Verluste aus T2-Operationen  sich negativ auf die BuBa-Bilanz auswirken, hängt nicht von der Höhe der (positiven) Target-2-Salden/Forderungen der BuBa gegenüber der EZB ab, auch nicht im Falle des Austritts eines schwachen Euro-Landes aus dem Euro.

Das ist richtig: Nicht von der Höhe des EZB-Schuldscheins hängt es ab, ob daraus ein Verlust entsteht, sondern in welcher Höhe der Schuldschein am Zahltag bedient wird oder nicht. Positive/negative T2-Salden zeigen nur das Basis-Risikopotential des Gläubigers.

 12. Risiken können  vielmehr aus Forderungsverlusten der EZB aus Nichtbedienung (negativer) Target-2-Salden/Verbindlichkeiten durch schwache Euro-Länder herrühren.

Völlig richtig, siehe vorhergehende Kommentierung. 

13. Daraus herrührende Verluste der EZB sind – unabhängig  vom Target-2-Saldo (der jeweiligen Zentralbank)  – von allen Notenbanken (gemeinsam) zu tragen.

Wenn dies der Versuch sein sollte, die Öffentlichkeit zu beruhigen, ist dieser gründlich misslungen: Denn jeder Verlust innerhalb des gemeinsamen ESCB-Systems schlägt unmittelbar, anteilig und prozentual ansteigend auf die BuBa-Bilanz durch. Das potentielle T2-Maximal-Risiko der BuBa  wird  bestimmt durch

a) die Höhe der ausfallenden (negativen) T2-Schulden/Schuldner in Verbindung mit

b) ihrem neuen ESCB-%-Anteil und

c) dem Ausfallrisiko der „geringeren Sicherheiten“.

Ein Beispiel: Unterstellt Griechenland, Italien und Spanien werden zahlungsunfähig und  können deshalb ihre Schulden aus T2-Operationen (widergespiegelt im negativen T2-Saldo) nicht bezahlen. Die kumulierten T2-Schulden der drei Länder betragen (Februar 2012)  € 485 Milliarden. Bei Zahlungsausfall ist das  Eurosystems ESCB als Ganzes geschädigt (Systemverlust). Die Verluste müssen auf die restlichen Länder/NZBs  neu aufgeschlüsselt und verteilt werden.  Der Verteilungsschlüssel ändert sich wie folgt[6]: Deutschland 40,2968 %; Andere 59,7032 % (ohne GIS).

Das bedeutet: a) Dem Eurosystem fehlen bis zu maximal € 485 Milliarden (abhängig vom Ergebnis der Verwertung der „verringerten Sicherheiten“). b) Dieser Verlust schlägt un-mittelbar auf das Eigenkapital der Bundesbank durch.  Wir schätzen das Ausfallrisiko aufgrund „geringerer Sicherheiten“  auf 50 % – 75 %!

-          Schon bei nur 50 % Ausfallrisiko errechnet sich der Anteil der BuBa wie folgt: 

      € 485 Milliarden x 50 %  x  40,2968 %  =  € 97.71974 Milliarden.

-          Fällt nur Griechenland aus, lautet die Rechnung (Zahlen von Februar 2012) wie folgt:

      € 107.4 Mrd. x 50 %  x  27.9464 %  =  € 15,01 Milliarden (Ausfallrisiko der BuBa).

Sollten neben Griechenland weitere Euro-Länder zahlungsunfähig werden, verläuft also die Haftungskurve exponentiell. Die Bundesbank weist haftendes Eigenkapital von € 5 Mrd. aus (Rücklagen + Grundkapital je € 2,5 Mrd.). Die Risikorückstellungen wurden zum 31.12.2011 massiv auf insgesamt € 12.046 Mrd. ausgeweitet.

Zusammen mit dem Eigenkapital stehen so zur Begleichung der Risiken eines griechischen Staatsbankrotts  € 17.046 Milliarden zur Verfügung. Nach der vorliegenden Beispielsrechnung wäre die Bundesbank schon im Falle einer Griechenlandpleite durch ihre Ausgleichsverpflichtung innerhalb des ESCB-Systems schwerstens angeschlagen und müsste vom Bund – also von den deutschen Bürgern – rekapitalisiert werden. Griechenland ist nur ein sehr kleiner Risikofaktor aus den Reihen der ESCB-Mitglieder! Schon die Pflicht der BuBa zur anteiligen Übernahme teilweise ausfallender Forderungen im ESCB-System kann sich für die Bundesbank als tödliche Gefahr erweisen, sollte tatsächlich ein Mitgliedstaat zahlungsunfähig werden. Diese Gefahr ist konkret vorhanden, sonst hätte die Euro-Gemeinschaft nicht erst vor Tagen Griechenland ein Hilfspaket von € 130 Mrd. geschnürt,  Gläubiger massiv zum Forderungsverzicht (ca. 75 %)  gezwungen, nicht verzichtsbereite Gläubiger per Gesetz  mit Totalausfall bedroht (rechtmäßig?), während der ISDA ein Kreditereignis (die Zahlungsunfähigkeit) feststellte. Damit ist klar: Griechenland steht nicht am Abgrund, sondern schwebt schon am Seil über dem Abgrund,  nur mühsam gesichert durch hochnervöse Spitzenpolitiker. Das gleiche Bild bei anderen  Mitgliedsländern. Die Möglichkeit des Zusammenbruchs der Euro-Union ist also nicht absurd.

14. Das Eurosystem muss ein Konzept entwickeln, wie die umfangreiche Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken zeitgerecht zurückgeführt wird.

Dem stimmen wir im Prinzip zu, doch das wird schwierig werden: Jeder Versuch bzw. jedes Konzept, das dieses Ziel verfolgt, bringt die Club-Med-Länder in eine fast ausweglose Situation. Schon die Einstellung der kostenlosen Trinkgelage unserer südländischen Freunde in der BuBa-Bar (siehe www.Target-2.de  „Die Plünderung der deutschen Bundesbank“, Seite 2) wird schmerzlich werden. Völlig undenkbar, dass wir nun auf ihre Kosten weiterfeiern können, denn darauf läuft dieser – letztlich unrealistische – Vorschlag hinaus. Es wäre schon viel erreicht und würde die weitere Plünderung der Bundesbank beenden, wenn sofort Target-2 entweder gestoppt oder monatlicher Ausgleich eingeführt würde. Danach müssten (wie im US Fed-Wire-System) die NZBs mit negativem T2-Saldo diesen gegenüber den NZBs  mit positivem T2-Saldo regelmäßig durch Übergabe von Gold/ Goldzertifikaten, sonstigen werthaltigen Sicherheiten oder Verpfändung zukünftiger Steuereinahmen ausgleichen, was die T2-Operationen blitzartig wieder auf das normale Maß reduzieren würde. Der T2-Mechanismus würde dann auch nicht mehr  Geldflucht und Spekulation im Euroraum  fördern und verbreiten.

15. Geschieht dies nicht, kann daraus Inflationsgefahr entstehen.

Geschieht dies nicht sofort, wird Inflation entstehen.

16. Das Problem kann nicht von der Bundesbank (als einer Notenbank) gelöst werden, sondern zuständig ist die Bundesregierung.

Die Regierung soll also den Schwarzen Peter haben? Das denken wir nicht! Die unabhängige Bundesbank ist – wegen ihrer Treuhandstellung gegenüber den Bürgern (ihren originären Eigentümern!) – bei Bestandsgefährdung verpflichtet durch geeignete Worte und Taten eine unwillige Regierung und die EZB auf den richtigen Kurs zu zwingen. Wir können nicht erkennen, dass dies in den vergangenen Jahren tatsächlich versucht wurde.

 Zusammenfassung:

Die Stellungnahme von Herrn Bundesbankpräsidenten Weidmann enthält richtige, falsche und teils nebensächliche Feststellungen zur Problematik von Cross-Border-Geldoperationen via Target-2-Mechanismus. Sie lässt die (letztlich einfachen) T2-Operationen weiterhin als kompliziert und nur von Fachleuten begreifbar erscheinen, weshalb die selbstgestellte Frage „Was steckt hinter den Target-2-Salden?“ nicht beantwortet wird.  Die durch den Target-2-Mechanismus verbreiteten Risiken werden  – nur teilweise – angedeutet. Die sehr reale Wahrscheinlichkeit des Auseinanderbrechens der Euro-Zone  wird pauschal und ohne Begründung als absurd bezeichnet. Wäre dies zutreffend, hätten derzeit 2/3-tel der Deutschen absurde Vorstellungen. Tritt der Risikofall ein, sind die Folgen kaum überschaubar  und können für die Bundesbank tödlich sein. Die Fortsetzung der Plünderung der Deutschen Bundesbank mit Hilfe des Target-2-Mechanismus wird zu Inflation führen. Die Bundesbank ist bislang nicht entschlossen genug gegen diese Risiken vorgegangen. Risikorückstellungen helfen diesbezüglich wenig bis nichts. Ihr öffentlicher „Druck“ auf die eigene Regierung und die anderen EZB-Mitglieder aus den Cub-Med-Ländern scheint sich bislang in verschleierten Warnungen zu erschöpfen. Diese werden im Falle eines finanziellen Supergaus nicht einmal zur eigenen Rechtfertigung genügen! Der derzeitige „Aufschwung“ in Deutschland wurde (als Folge der Target-2-Operationen) unmittelbar aus der Kasse der Bundesbank – also von den Deutschen selbstfinanziert. Bald ist die Kasse leer und der Wendepunkt erreicht. Fällt ein Euroland, fällt die Euro-Union. Folglich werden wir solange weitere „Rettungsaktionen“ von Euroländern sehen, bis alle Finanzmittel und Vermögen, insbesondere die der deutschen Bürger, erschöpft sind.

…………………………

Rolf von Hohenhau

(Präsident)

Bund der Steuerzahler

Bayern e.V.  


[1] Insoweit – und auch sonst – völlig unsinnig nach Inhalt und Schlussfolgerungen vor allem der Kommentar von Claus Hulverscheidt gegen Prof. Sinn in SZ vom 16.03.2012. 

[2] Prof. H.-W. Sinn spricht hierzu sinnbildlich vom steten Rotieren der Druckerpresse der schwachen Euroländer.

[3] Also nicht zwingend nur ein Ergebnis von Finanzpolitik sein muss? 

[4] siehe BdSt. Leserbrief vom 12.03.2012 an FAZ zu Bindseil   www.target-2.de )

[6] Konkretes Beispiel: Unterstellt (Stand: Februar 2012)  es werden zahlungsunfähig:

-          Griechenland (ESCB-Anteil:  2,8167 %;  T2-Schulden bei EZB: € 107.4 Mrd)

-          Italien (ESCB-Anteil 17,9137 %; T2-Schulden bei EZB € 194.1.Mrd.) und

-          Spanien (ESCB-Anteil 11.9037; T2-Schulden bei EZB € 183.8 Mrd.)  

1. Anteile:       D = 27.1464 % * G+I+S 32.6341 % * A = 40.2195 %

2. Faktoren:     VF = 40.2195 : 27.1464 = 1.4816 * GVF = 1 + 1.4816 = 2.4816

4. Verteilung:  D 32.6341 : 2.4816 = + 13.1504 % * A 13.1504 x 1.4816 = + 19.4836 %

5. Neuverteilung: D 27.1464 + 13.1504 =    40.2968 %   (Deutschland)

               A 40.2195 + 19.4837 =    59.7032 %   (A: Verbleibende 14 andere Länder)

 

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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44 KommentareKommentieren

  • tomtom - 22. März 2012

    Es ist der Hammer. Wirklich 40% werden daraus ?
    Schäuble erzählt von nur 27% und von einer Maximalhaftung von 211 Mrd (=66% des Bundeshaushaltes).

    Das die Inflation da ist, seh ich an meinem täglichen Einkauf. Ohne Angebote sind die Preise in den letzten 2 wochen in ein paar Stufen um rund 10% gestiegen. (Nix Warenbkorb, nur Sachen des täglichen Bedarfs – ohne alk und kippen, die sind eh billig damit man still ist.)

    tomtom

    Ps. danke für diesen Blog, man wäre sonst hilflos den Spon/handelsblatt/welt/bild/ftd/mm usw ausgeliefert !!

    • leslie - 22. März 2012

      Kippen billig!!?

      Da ist Gras rauchen inzwischen günstiger.^^

      Aber Alkohol ist spottbillig,
      und leichter zu beschaffen als Brot. :-/

      Mfg

  • der-oekonomiker - 22. März 2012

    Eine tolle Themen-Sau, die schon seit Wochen durch das deutschsprachige Medien-Dorf getrieben wird. In Wirklichkeit ist es völlig egal, wer hier Recht hat. Target2 ist Teil der ungelösten Bankenkrise in Europa und es spielt überhaupt keine Rolle, wie hoch der Bundesbank-Saldo ist, so lange z. B. die 130 Mio. Hilfspaket für Griechenland (von Rettungspaket zu schreiben, verbietet sich) bis auf den letzten Cent bei den Banken landen, siehe hier: http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/03/standpunkt-188-fata-margana.html
    Berlin hat kürzlich erst wieder das Rettungspaket für die deutschen Banken ausgepackt, in dem alleine über 400 Milliarden Euro bereitstehen. Bitte, mir muß niemand die Target2-Welt erklären. Für mich ist diese Diskussion nur Ablenkung… und interessiert mich deshalb nicht besonders.

  • Klaus Gettkant - 22. März 2012

    Kommentar des Bundesfinanzministers Schäuble zu Haftungsrisiken:
    “Wir werden nicht über ungelegte Eier reden.”

    So werden öffentliche Diskussionen geführt. :-)

    • Michael S. - 22. März 2012

      Herr Schäuble die Eier sind schon gelegt und täglich kommen ein paar neue dazu…

  • JS - 22. März 2012

    Erst mal Kompliment an den qualitativ hochwertigen Blog hier!
    Ich würde gerne spenden, aber nach meiner beruflichen Umorientierung (konnte die moralischen und ethischen Verwerfungen im Bankgeschäft nicht mehr länger mit meinem Gewissen mittragen)muss ich als Student mein Geld zusammenhalten ;-)

    Nun zum Thema:

    Bezüglich der Haftung der BuBa habe ich folgenden Artikel gefunden, der eben eine Haftung durch den Steuerzahler NICHT als zwangsläufig gegeben ansieht.
    Meinungen?
    Danke und weiter so!

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=12251

    Gruß,
    Jürgen

    • Mark - 22. März 2012

      Es ist müßig, die Risiken von Target 2 wegdiskutieren zu wollen.

      Diejenigen, die nur ein geringes Risiko sehen, argumentieren mit schöner Regelmäßigkeit: Das Risiko entsteht erst, wenn einzelne Länder aus der Eurozone ausscheiden – und das sei “absurd” (so Bundesbank-Präsident Weidmann unlängst in der FAZ). Die Kritiker des gegenwärtigen Zustands sagen hingegen: Die Target-2 Forderungen sind faktisch uneinbringlich, da gegenwärtig nicht abzusehen ist, wie diese verdeckte Kreditgewährung wieder auf ein normales Maß zurückgeführt werden kann.

      Natürlich ist Letzterem voll und ganz zuzustimmen. Deshalb ist auch die Formulierung, dass das Risiko nur einem Auseinanderbrechen der Eurozone bestehe, irreführend. Sollte es dazu kommen, ist es nämlich bereits zu spät! Das Risiko haben wir schon heute, und die Politik schweigt beharrlich dazu (wohl aus gutem Grund).

      Das Risiko ist real; es ist immens; und es wird derzeit mit aller Macht aus den Medien gehalten. Die Blockparteien wollen auf keinen Fall vor der Bundestagswahl die Karten auf den Tisch legen, denn die Diskussion über Target 2 könnte die bisher ja recht folgsame Wählerschaft aufwecken und zum Nachdenken bewegen.

      • dank - 22. März 2012

        Genau das frage ich auch schon seit Wochen:

        Wenn es ein Risiko (egal wann und wie groß) ist, warum wird dieses Risiko nicht beseitigt – egal wie auch immer?!

        NO RISK. Wenigstens von dieser Seite her… Das sollte doch das Ziel sein.

  • HRR - 22. März 2012

    Was soll denn jetzt die Bundesbank machen? Vorschläge vom BdSt suche ich vergebens.

    Die Target2-Salden zeigen doch nur wie unausgeglichen die Leistungsbilanz Deutschlands ist.
    D exportiert zuviel und macht sich dadurch abhängig von den Importeurer. Auch China kennt dieses Problem und muss um weiter exportieren zu können die Schulden der Importeure finanzieren.

    China wie Deutschland könnten dieses Problem beheben, in dem sie den Binnenmarkt stärken (höhere Mindestlöhne), doch die Bereitschaft ist gering. Zuviel verdienen die exportorientierten Unternehmen mit diesem Geschäft, auch wenn es nur auf Sand gebaut ist.

  • Johannes Igel - 22. März 2012

    Dass der Bund der Steuerzahler selbst nicht mit Geld umgehen kann, beweist die Affäre um seinen Präsidenten Däke, der mehr verdient als die Bundeskanzlerin.
    Nun zu dem Artikel selbst. Target2 heißt nichts anderes, als das die Bundesbank das macht, was die Privatbanken vor der Krise getan haben. Nämlich den Geldfluss innerhalb der Eurozone aufrecht zu erhalten, sonst würde nämlich unser Export zusammenbrechen.
    Außerdem kann man in einer Währungsunion keine Verrechnung wie Target2 vornehmen, da es sich hierbei um einen einheitlichen Währungsraum handelt. Ein Beispiel: Würde man Target2 auf die beiden Bundesländer Hamburg und Baden-Württemberg anwenden, so hätte die Landesbank Baden-Württemberg eine Forderung gegenüber der LB Hamburg. Das ist natürlich Unsinn ist, denn Hamburg und Baden-Württemberg sind in einem Währungsraum. Genauso verhält es sich mit der Target2.
    Die Bundesbank hat das mittlerweile auch bemerkt, und kommt mittlerweile zu ihrer alten Aussage zurück, dass es sich bei Target23 um eine „statistische Größe“ handelt zurück.

  • POPPER - 22. März 2012

    Das, was der BdSt (Lobbyverband der gerade nicht die Interessen der Steuerzahler vertritt) hier zu Target2 sagt ist ein unsägliches Sammelsurium von Halbwahrheiten, wobei Äpfel und Birnen munter vertauscht werden. Das ist keine Aufklärung, sondern Meinungsmache. Offensichtlich blickt der Autor bei dem Sachgegenstand gar nicht durch und stiftet mit seinen Ausführungen nur Verwirrung.

    • Andres Müller - 22. März 2012

      @Popper, Tatsache ist dass die Target-2 Saldi seit der Startphase der Bankenrettungsprogramme im Jahr 2008 immer stärker auseinanderdriften.
      http://www.querschuesse.de/target2-salden/
      ( Grafik zuunterst auf dieser Seite).

      Dass sich negative und positive Saldi nur noch über Inflation einglätten lassen ist keine Vermutung. Zu beachten ist nämlich wie diese Werte zustande gekommen sind, nämlich durch Liquiditätsflutung des Bankensystems. Das hat sich von der Realwirtschaft ABGEKOPPELT, daher kann der Ausgleich NICHT mehr über Wachstum begangen werden. Hierzu müssten die Banken sinnvolle Kredite an die Realwirtschaft vergeben können. Derzeit aber (ich kenne die Zahlen aus den USA) werden aus einem neu produzierten 1 US$ nur noch 60 Cent BIP-Wachstum generiert. Vor 50 Jahren waren das im Schnitt noch 3-5 US$. Das heisst, egal wie viel Geld noch an die Banken gepumpt wird, es entsteht ein immer höheres Ungleichgewicht. Dieses Ungleichgewicht wird in Europa durch Target-2 sichtbar gemacht -das ist nichts anderes als noch nicht realisierte Inflation. Was war zuerst -das Huhn oder das Ei?

      • Andres Müller - 22. März 2012

        Noch hinzugefügt, gäbe es den EURO und somit Target-2 nicht, so hätten die dann noch vorhandenen PIIGS -Staaten mit ihren Währungen inflationiert und gegenüber der DM abgewertet. Doch nun ist keine getrennte Inflation mehr möglich, sie ist nur noch im Gesamtpaket verfügbar. Dieses Gesamtpaket heisst Target-2, eine plafonierung der Ungleichgewichte kann nur durch die Behebung der Handelsungleichgewichte erfolgen. Will man das nicht, so sind Ausgleichzahlungen von wirtschaftsschwachen zu wirtschaftsstarken Nationen NOTWENDIG! oder dann kann man die Europäische Union irgendwann in den Kamin schreiben.

      • dank - 22. März 2012


        Konkret: «In den ersten fünfzig Jahren des 20. Jahrhunderts wurden in den USA mit jedem geschaffenen Dollar ungefähr fünf Dollar an wirtschaftlichem Wachstum generiert. In den letzten elf Jahren präsentiert sich ein anderes Bild: Für jeden Dollar wurden gerade einmal sechs Cents an BIP-Wachstum kreiert», so von Greyerz.

        Ob das stimmt oder nicht – kA. Aber es hört sich nicht sonderlich gut an. Hatte vor ein paar Tagen auch die zur Berechnung rangezogenen Daten bei der Aussage dabei gelesen – den Artikel find ich aber leider nicht mehr.

        Mir war nur diese Aussage aus dem Interview wichtig, vom den Rest mit Gold & Co kann jeder halten was er will.

        http://www.finews.ch/news/finanzplatz/8038-legal-ob-der-goldpreis-bei-1600-oder-1800-dollar-notiertr

        • Andres Müller - 22. März 2012

          kleiner Tip um “das System” aus einem anderen Blickwinkel zu erfassen:

          http://www.oftwominds.com/blogmar12/money-from-nothing-pt1-3-12.html

          Die Schaffung von Geld aus dem nichts ….

          “Only God can create… value out of nothing”—Justice Martin V. Mahoney in First National Bank of Montgomery vs. Jerome Daly.

          “(I’m) doing God’s work.” – Goldman Sachs CEO, Lloyd Blankfein

          Egal ob das was Greyerz sagt stimmt oder nicht, es stimmt überein mit der Art wie Money geschaffen wird -der Kapitalismus operiert- und wie sich die aufgetrümten Zins-Schulden allmählich gegen die menschlichen Schöpfer wenden.

          “Financialization: The process of making money from nothing in which debt (i.e. poverty, lack) is paradoxically considered an asset (i.e. wealth, gain). In current financialized economies “wealth expansion” comes from the parasitic taxation of productivity in the form of interest on fiat lending. This interest over time consumes a greater and greater share of resources, assets, labor, and livelihood until nothing is left.”

          Genau so ist es…

  • der-oekonomiker - 22. März 2012

    @POPPER:

    Danke für diesen Kommentar … Davon sollte es mehr geben!

  • wonko - 22. März 2012

    “Target2 heißt nichts anderes, als das die Bundesbank das macht, was die Privatbanken vor der Krise getan haben. Nämlich den Geldfluss innerhalb der Eurozone aufrecht zu erhalten, sonst würde nämlich unser Export zusammenbrechen.”

    ja, das stimmt schon.
    Aufgrund der Überschuldung der Kunden bekommen diese von den Geschäftsbanken keinen Kredit mehr – stattdessen finanzieren die Exportnationen ihren Export nun über ihre Notenbank.

    Man könnte auch sagen: “Die Ware verlässt das Land – zurück kommt ein Schuldschein.”
    oder: “wir spielen Monopoly-mit-Anschreibenlassen”.

    Dies scheint der Preis für ein möglichst homogenes Europa bei Wohlstand und Infrastruktur zu sein: Die Leistung fließt von den Wettbewerbsfähigen hin zu den nicht-Weltmarkttauglichen.

    … und durch die fehlende Währungs-Abwertungsmöglichkeit bzw. Aufwertungsmöglichkeit fehlt der korrigierende und ausgleichende Faktor – die Wettbewerbsfähigen werden immer wettbewerbsfähiger, und die Abgehängten fallen noch weiter zurück.

    Beschrieben sind diese Mechanismen ganz gut von Porter, in “competitive advantage of nations”,
    Kernaussage: “Wettbewerbsvorteile durch Technologiecluster”.

    Jetzt gibt es eben zweierelei Betrachtungsweisen:

    1.) die inter-nationale:
    Bei unsererm “Monopoly-mit-Anschreibenlassen” ist Deutschland der Spieler, dem einige sehr gute und weltmarkttaugliche Industrie-Cluster gehören -> um weiterspielen zu können und um sich technologisch weiterzuentwickeln lässt man nun eben -gezwungenermaßen- anschreiben.

    2.) die nationale Sichtweise:
    Wieso liefern wir Waren und Leistungen ins Ausland, und bekommen als Gegenleistung einen Schuldschein? und noch besser: wenn sich dieser Schuldschein dann -logischerweise- als wertlos herausstellt, dann soll auch noch der Steuerzahler dafür aufkommen?
    Die Gewinne werden privatisiert – und die Verluste sozialisiert…
    Und die Hauptfrage:
    wieso sollen wir die Nachfrage im Ausland finanzieren, wenn wir doch genausogut die Nachfrage im eigenen Land finanzieren könnten?

    - Wir könnten doch jährlich 100 Mrd EUR in erneuerbare Energieversorung vor Ort investieren – und den Strom bei uns konkurrenzlos günstig zur Verfügung stellen -> Wettbewerbsvorteil.

    - Wir könnten nochmals 100 Mrd p.a. in den Ausbau von (elektrisch betriebener) Mobilitätsinfrastruktur investieren -> Transport von Waren und Personen zu international niedrigsten Kosten

    - und nochmal 100 Mrd p.a. in Bildung, F&E. (ein kapitalertragsfinanziertes BGE ist gut und recht – aber auf dem Weg zur Zufriedenheit kommt der Mensch an der Leistungserbringung nicht vorbei. Bildung ist der Schlüssel zur Teilhabe daran.)

    Dies widerstrebt zwar einem homogenem Europa – entspricht aber dafür dem Leistungsprinzip.
    Von einem starken, auch weltweit wettbewerbsfähigem Kerneuropa profitiert am Ende auch die europäische Peripherie.

  • Vivlos - 22. März 2012

    Das wird aus meiner laienhaften Sicht vermutlich der Grundsein, dass der Weidman sich gerade jetzt zu Wort meldet.
    Deswegen wird wohl auch der ESM um 1 Jahr vorgezogen.

    Beitrag Prof. Kohler, Seite 12 “Die europäische Zahlungsbilanzkrise”, ist von August 2011

    http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1209833.PDF

    “Was hingegen – bei unverändertem Ungleichgewicht in den
    Stromgrößen – spätestens 2013 zu Ende gehen wird, ist die
    sterilisierte Ausdehnung von Target2-Salden zur Finanzierung
    von weiteren Zahlungsbilanzungleichgewichten, ohne
    dass das Eurosystem seine Devisenreserven antasten müsste.
    Spätestens dann ist innerhalb des Eurosystems genau
    jene Spannung zu erwarten, die das Bretton-Woods-System
    zum Zusammenbruch geführt hat.”

    “Wie der Sterilisierungsversuch der Überschussländer in einem
    BW-Fixkurssystem, so ist auch die sterilisierte Akkumulation
    der »GIPS-Reservewährung« irgendwann zu Ende,
    nämlich wenn sich die Geldbasis innerhalb der Überschussländer
    des Eurosystems zur Gänze auf Gold, »echte
    « Devisenreserven und Target2-Forderungen stützt. Sterilisierung
    ist dann nicht mehr möglich, und die Finanzierung
    der Zahlungsbilanzdefizite der GIPS-Länder mit der Notenpresse
    mündet in einer Aufblähung der Geldbasis innerhalb
    des Eurosystems, es sei denn die Europäische Zentralbank
    beginnt mit einem Verkauf ihrer Devisenreserven. Sinn
    und Wollmershäuser berechnen, dass das Eurosystem – bei
    unveränderten Praxis der Target2-Salden und unveränderten
    Ungleichgewichten in den Leistungsbilanzen – schon
    2013 an diesem Punkt angelangt sein wird. Das fällt bezeichnenderweise
    mit dem Wechsel zum permanenten Rettungsschirm
    zusammen.

  • Holly01 - 22. März 2012

    Warum schreibt niemand ganz klar :
    Die deutschen Unternehmen dürfen nur noch gegen Vorkasse liefern ?
    Antwort : weil es ein Geldsystem mit Negativgeld ist und Vorkasse nur bedeutet : noch mehr Geld wird erzeugt.
    Die ganze Basis von Einlösezwang und Sicherheiten, die keine sind mögen in einer politischen Union funktionieren, bei Nationalstaaten ist es Betrug.
    Alles dreht sich um den Punkt, an dem klar wird, daß niemand mehr ausgeben kann als vorhanden ist.
    Die Defizitwirtschaft ist am Ende und frisst sich selbst.

    • Andres Müller - 22. März 2012

      “daß niemand mehr ausgeben kann als vorhanden ist”. So genau funktioniert die Marktwirtschaft gar nicht mehr. Das ist ein Irrtum der dem dummen Volk eingeschwatzt wird.
      Es wird nämlich vom System neues Geld generiert, also in der Wachstumsphase mehr als bereits vorhanden ist. Am Beispiel des US$, der schon länger existiert als der Euro lässt sich ablesen, dass vor 50 Jahren aus einem “frisch gepressten” 1 US$ im BIP am Ende der Periode 3-5 US$ wurden. Das heisst, jedes mal wenn die Bank einen Kredit von 1 US$ an einen Kunden vergab der dieses Geld ja nicht vorher hatte, wurden 3-5 US$ an weiteren Krediten möglich. Sämtliches Geld das existiert war zuvor nicht vorhanden und es wurde IMMER ausgegeben bevor es erarbeitet wurde. Die Gefahr daran ist nur, wenn aus einem US$ nur noch 60 Cent BIP Wachstum erfolgen, dann wird massiv zu viel Geld erschaffen, oder dann fliesst die Kohle irgendwo ins Ausland ab, oder dann wird es von Entitäten gebunden die es nicht mehr in den Kreislauf einbringen wollen oder können.
      Viele stellen sich auch Wachstum falsch vor, man blendet dabei gerne den Zerfall der geschaffenen Werte aus. Es ist tasächlich notwendig dass das Wachstum IMMER höher sein muss als zuvor, denn es geht im Zeitverlauf immer etwas von Wachstum verloren -es verdunstet sozusagen laufend. Man muss Wachstum abstrahieren und auch immaterielle Werte wie Kultur miteinbeziehen -es ist nicht notwendig das Wachstum austomatisch zu mehr Rohstoffverbrauch führen muss! Dann haben wir noch eine steigende Erdbevölkerung, ein negatives Wachstum bedeutet Hunger und Elend. Einem Hungernden soll man nicht sagen du darfst nicht mehr ausgeben als du hast -man muss ihm die Möglichkeit geben über sich selbst hinaus zu wachsen. Dazu benötigt die Menschheit mehr soziales Verantwortungsbewusstsein und weniger Neid und Gier und Sammelwut.

      • Holly01 - 22. März 2012

        @ Andres Müller : Entschuldigung, aber einiges stimmt so einfach nicht.
        ” So genau funktioniert die Marktwirtschaft gar nicht mehr. ” : Betonung -nicht mehr-, da liegt der heutige Fehler.
        ” Am Beispiel des US$, der schon länger existiert als der Euro lässt sich ablesen, dass vor 50 Jahren aus einem “frisch gepressten” 1 US$ im BIP am Ende der Periode 3-5 US$ wurden. Das heisst, jedes mal wenn die Bank einen Kredit von 1 US$ an einen Kunden vergab der dieses Geld ja nicht vorher hatte, wurden 3-5 US$ an weiteren Krediten möglich. ”
        Bei einer Mindestreserve von 20% läuft der “erschaffene/geschöpfte” Dollar etwa 5 Mal durch das System. Er wird also 5 Mal benutzt mit 100%+80%+60%+40%++20% = 300% daher kommen (grob) die 3 Dollar plus.
        ” Sämtliches Geld das existiert war zuvor nicht vorhanden und es wurde IMMER ausgegeben bevor es erarbeitet wurde. ”
        Das ist eindeutig falsch. Die Änderungen im Währungssystem und im Währungsgebrauch sind eher jüngeren Datum. Es gibt auch andere Geldsysteme, die weniger Schulden beinhalten. Wir nutzen diese Systeme nur nicht. Die exessive Geldschöpfung durch Geschäftsbanken ist tasächlich sehr jung (und falsch).
        Den Rest habe ich leider nicht verstanden, wiederum Entschuldigung.

  • ö.ä. - 22. März 2012

    “- und nochmal 100 Mrd p.a. in Bildung, F&E. (ein kapitalertragsfinanziertes BGE ist gut und recht – aber auf dem Weg zur Zufriedenheit kommt der Mensch an der Leistungserbringung nicht vorbei. Bildung ist der Schlüssel zur Teilhabe daran.)”

    Da müsste aber ein radikales Umdenken im Bildungssystem stattfinden. Im Moment dient Bildung der Selektion. Fast 21 % aller Schulabgänger erlangen lediglich einen Hauptschulabschluss, ca. 6% verlassen die Schule ohne Abschluss. Diese jungen Leute haben kaum eine Chance auf dem Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt. Und für Leute, die die Schule mit mittlerer Reife abschließen, sieht’s auch immer düsterer aus, die drängen zu einem großen Teil in die Berufe, die früher fast nur Haupschüler erlernt haben. Klar kann man noch auf dem 2. Bildungsweg Abschlüsse nachholen, aber so einfach ist das dann durch fehlende finanzielle Mittel, mit denen man sich erwerbsfreie Zeit finanzieren muss, auch nicht. Bei den externen Prüfungen (für Schulabschlüsse) fallen über 90% der Leute durch. Mit der Fachhochschulreife schließen jährlich nur 1,6% der Schüler die Schule ab. Bologna sei Dank hat sich die Qualität der Lehre an den Fachhochschulen und Universitäten verschlechtert und auch hier wird nun verstärkt selektiert, denn Masterstudienplätze sind zum großen Teil zulassungsbeschränkt.
    Dies erstmal zu den Institutionen, wo Bildung stattfindet.

    Aber auch inhaltlich geht es NICHT nur um Leistung, sondern auch um Selektion. Wenn alle Schüler, Auszubildenden oder Studenten im Rahmen einer Klausur die gleiche Leistung erbringen, müssten sie doch alle die gleichen Noten bekommen. Dies geschieht aber nicht, und wenn doch
    wird der Lehrer/ Dozent dazu angehalten strengere Maßstäbe anzulegen.
    Es gibt auch alternative Notensysteme, in denen ist schon festgelegt, dass eine bestimmte Prozentzahl scheitern muss.

    Zudem tritt nicht jeder Schüler mit gleichen Voraussetzungen in das Bildungssystem ein, was nicht ausgeglichen wird. Fehlt dann noch das Geld für Nachhilfeunterricht, hat er von Beginn an Nachteile und ist potenzieller Kandidat zum Scheitern.

    Ist das tatsächlich ein faires System, dass Teilhabe jedem ermöglicht, der Leistung bringt? Für mich nicht, denn es gibt nur sehr wenige Menschen, die unter denkbar schlechten Bedingungen sehr gute Ergebnisse erreichen (siehe Resilienzforschung/ oder die Theorie von Bordieu).

    Und zum BGE, wenn es gut umgesetzt wird, und nicht als Bürgergeld der Stabilisierung des bestehenden Systems dient und zu wenig zum leben ist, könnnte es zum Schlüssel für mehr Leistung werden, als man sich das gegenwärtig vorstellen kann. Denn dann könnte der Mensch seinen Neigungen nachgehen und diese perfektionieren und zwar aus einem inneren Bedürfnis heraus und nicht aus einem äußeren Zwang. Ich denke hierin liegt sehr viel Potential, der Gemeinschaft sehr viel zurückzugeben. Denn diese verklärte Sicht auf Leistung dient doch hier nicht in erster Linie der Gesellschaft, sondern 1. der Wirtschaft und zweitens dem eigenen Ego, denn je mehr “Leistung” jemand auf seinem Bildungsweg “erbracht”, hat desto höher ist sein gesellschaftlicher Status durch den Beruf, den er ausübt (wobei die oben aufgezählten Faktoren zum Bildungssystem für einen Großteil der Gesellschaft zu verschleiert sind, um sie zu erkennen und geht es nach den privilegierten Gruppen, deren Kinder nach genau diesen Mechanismen sehr wahrscheinlich einen ähnlichen Status erlangen werden natürlich beibehalten werden sollen [als Bsp. denke man nur mal an den Bürgerentscheid in Hamburg, wobei es darum ging, ob sozial Schwächere länger mit sozial starken lernen sollten, da hat die Elite mobilisiert, was das Zeug hält]).

  • Andres Müller - 22. März 2012

    Wie funktioniert eigentlich Wachstum und was hat dies mit Target-2 zu tun. Gar nichts zuerst einmal, aber auf den zweiten Blick eben schon. Länder mit negativem Target-2 können nämlich gerade deswegen kaum mehr wachsen, weil das Negativum nicht vom Bezug der Realwirtschaft stammt, sondern vom Bankensystem aufgesogen bzw. virtualisiert wird. Würde Target-2 nicht existieren, so würde der Euro auseinanderbrechen, da dann Taregt-2 die Handelsungleichgeichte nicht mehr als Forderungen verrechnen liesse. Würde die Liquidität an die Realwirtschaft ergehen, so wäre ein negatives Target-2 kaum ein Problem, denn es würde im System durch Arbeit zurück erstattet werden können. Target-2 ist aber in einer Blackbox der Finanzwirtschaft gefangen, da gelangt kaum ein Euro an die Realwirtschaft (es sei denn man habe eine eigene Bank wie VW oder Siemens). Obwohl die Ungleichgewichte URSPRÜNGLICH vom Handelsungleichgewicht in der Realwirtschaft ausgehen, so wurden nicht die Banken bestraft die sich VERRECHNET hatten bei ihren rediten -sondern sie wurden in Form des Zitronensozialismus auch noch belohnt. Target-2 kann daher NIE MEHR ausgeglichen werden, da die Verbindung zur Realwirtschaft VERLOREN ist. Es handelt sich um eine besonders verrechnete Vorwegnahme einer zukünftigen Inflation -nämlich jene Inflation unter dem zum Beispiel die Lira oder die Drachme abgewertet hätte, sofern sie noch vorhanden wäre. Da aber nur noch der Euro vorhanden ist, so muss er schliesslich bei der Plafonierung von Target-2 durch Abwertung büssen -und zwar auch in Deutschland. Ohne Hilfe an die Realwirtschaft der PIIGS Staaten lässt sich Inflation nicht ewig durch dieses Target-2 System aufhalten -ich gebe somit Geithner in diesem Fall vollkommen recht, auch wenn ich den Mann unausstehlich finde da er die USA als Quelle der weltwirtschaftlichen Verwerfungen auszublenden versucht.

  • Duke van Hudde - 22. März 2012

    Kapitel 13 ist zwar brauchbar aber sogar noc himmer nicht vollständig und zu Ende gedacht.Wie beschrieben wird steigt unser anteil dnan z.b. auf 40 % aber auch der anteil der Rest NZB steigt dann fröhlich weiter und auch die müsten dann nachshciessen tja und was glauebn den die Leute wenn wacklige Länder nachschiessen müssen was dann passiert.Die werden das nicht machen entweder werden sie einfach nicht zahlen oder sie werden austreten.Am Ende einer solchen Entwicklung können wir mti 100 % unserer Target 2 Forderungen haften.

    Glaubt hier wirklich wer das die Slowakei wirklich Lust hat unsere Target 2 ausgefallenden Forderungen zu bezahlen.

    • Novosibirsk - 22. März 2012

      Sehe ich genauso.
      Diese Kalkulation basiert nur auf der Annahme alle würden nach festen Regeln spielen. Aber in der Realität, kann immer etwas unvorhersehbares passieren. Ein plötzlicher Austritt aus dem Währungsraum. Ich weiss nicht welche Konsequenzen dies hätte, aber es würde diese Rechnung schon zunichte machen. Sind also sehr optimistische Annahmen.

  • Achim Hase - 22. März 2012

    Wenn das so weiter geht mit der TARGET2-Aufregung, dann schafft das Eurosystem das Clearing auf Länderebene ab und macht ein zentrales Clearing bei der EZB. Dann ist das Problem gelöst.

    Frei nach Stalin: TARGET2-Salden weg, Problem weg.

    • Querschuss - 22. März 2012

      Hallo Achim Hase,
      soll das ernst gemeint sein: “…TARGET2-Salden weg, Problem weg.” Wenn ja irrst du gewaltig, Leistungsbilanzdefizite, Kapitalflucht und die hohe Nettoauslandverschuldung der Südperipherie verschwinden ganz sicher nicht nur weil ein zentrales Clearing bei der EZB stattfindet.

      Gruß Steffen

  • Freiberufler - 22. März 2012

    @ Duke:

    Bezahlen im engeren Sinne kann die Rechnung heute schon niemand. Ich erwarte, dass man schon recht bald an den Punkt gelangt, dass die EZB ganz offen die Staaten finanziert. Denn scheitert der Euro, dann scheitert Europa.

    Deutschland hat keinerlei Möglichkeit, die Explosion der T2-Salden auch nur zu verlangsamen. Es wäre das abrupte Ende der Währungsunion. Und scheitert der Euro, dann scheitert Europa.

    Lässt sich das Problem über Inflation lösen? Wahrscheinlich nicht. Könnte die EZB die Inflationsrate für jedes Land gezielt steuern, wären diese Ungleichgewichte gar nicht erst entstanden. Wenn Italien 30 % Inflation hat und Deutschland 20 %, wird das für Italien nicht einfacher.

    • Andres Müller - 22. März 2012

      “Deutschland hat keinerlei Möglichkeit, die Explosion der T2-Salden auch nur zu verlangsamen”

      Doch verlangsamen schon, aber zum Aufhalten ist es zu spät. Eine Verlangsamung würde entstehen durch die Erhöhung der Mindestlöhne in Deutschland.

      Das Umgekehrte, nämlich das Frankreich, Spanien, Italien etc Hartz IV einführen soll, das kann nur von einem Ami -Brutalo-Ökonomen stammen, so etwa Chris Probyn
      http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Die-Eurozone-hat-groessere-Probleme-als-Griechenland-oder-Portugal/story/11334285

      Der Mann glaubt ernsthaft, dass er damit seine 2 Billionen verwalteten Vermögen aufbauen kann -aber er scheint doch auch Angst vor der Guillotine zu haben. Wenn ich Probyn wäre, ich hätte auch langsam Angst.

  • johaupt - 22. März 2012

    Vielen Dank für diese Erklärung! Bitte mehr davon derart detailliert aufgeschlüsselt. Die internen Regeln kennt und versteht nämlich bisher kaum jemand.

    Was ich nicht ganz verstehe, inwiefern hat die BuBa ein Risiko, wenn du doch selbst schreibst:
    “Zum Ersatz dafür erhält die Bundesbank eine Forderung in gleicher Höhe gegen die EZB zugewiesen”

    Somit liegen doch alle Risiken letztlich bei der EZB, oder? Und die wird im Zweifelsfall schon Geld haben ;-)

    Also alles halb so schlimm?

    • Georg Trappe: - 23. März 2012

      So sehe ich das auch. Die EZB kann nicht zahlungsunfaehig werden! Sie ist der europaeische lender of last resort! Es gibt nichts was sicherer ist als eine Einlage bei / Forderung gegen die EZB. Deswegen quilt die Einlagefazilitaet ja ueber.

  • Georg Trappe: - 23. März 2012

    @Querschuesse

    Ich moechte mein Verstaendnis nochmal absichern. Daher diese Frage:
    Wenn Target2 zur Einbahnstrasse wird und die Salden nicht Null sind, entsteht Zentralbankgeld.
    Die Bilanzen der NZBs und der EZB wachsen. Ist das richtig?

    Gruesse
    Georg Trappe

    • Querschuss - 23. März 2012

      Hallo Georg Trappe,
      genau so würde ich das sehen, aus dem Bedarf an Zentralbankgeld zwecks Erfüllung der Transaktionen via Target2, ensteht bei den Banken der Südperipherie ein Finanzierungsbedarf, der durch geldpolitische Operationen der NZBs gestillt wird.

      Gruß Steffen

      • Georg Trappe: - 23. März 2012

        Danke Steffen. Das macht ja auch Sinn, denn bei den massiven Kapitalabfluessen waeren ansonsten schon reihenweise suedeuropaeische Banken ueber die Klinge gesprungen.
        Das verflixte ist nur, dass es nicht in die Koepfe will, dass man mit Austerity Programmen diese fatale Flussrichtung (von der Stelle wo Geld benoetigt wird, um eine wettbewerbsfaehige Realwirtschaft aufzubauen, hin zu der Stelle, an der schon eine hyperproduktive Exportweltmeister Realwirtschaft existiert) nicht umkehrt. Es ist zum Haare ausraufen.

        Gruss
        Georg

        • Andres Müller - 23. März 2012

          dagegen gäbe es eine Medizin, die negative Besteuerung von Target-2 Überschüssen, zum Beispiel in Form einer Reichtumssteuer in Ländern mit positivem Target-2 und Exportüberschuss.

          In den Ländern mit negativem Target-2 könnten progressive Staatssteuern helfen, denn dort sind bei Weitem nicht alle kurz vor dem Bankrott (nämlich die nicht welche Importgeschäfte getätigt haben ohne die eigene Bevölkerung zu beteiligen). Soviel mir bekannt hält aus diesem Grund der reichste Spanier alleine 35 Milliarden Euro in seinen Taschen.

          • Georg Trappe: - 24. März 2012

            Das geht in die richtige Richtung! Es ist eine staatliche, wirtschaftspolitische Aufgabe, der sich kein Politiker, egal welcher Farbe, entziehen kann, die verheerende Wirkung der Konzentrationsprozesse und der daraus entstehenden Ungleichgewichte ein zu daemmen.
            Diese Konzentrationsprozesse laufen auf allen Ebenen ab. Auf der Ebene der Individuen, der Firmen und der Staaten und sie entfalten auf allen Ebenen ihre letztendlich verheerende Wirkung.

            http://fettaugensyndrom.blogspot.com/

            Die walrasche Vorstellung Wirtschaft strebe aus sich heraus Gleichgewichte an, ist falsch!
            Das Gegenteil ist der Fall. Die Vorstellung freie Maerkte funktionierten und wuerden diese Gleichgewichte durch magische Haende herstellen ist ebenfalls falsch! Wirtschaft ist daher eine gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe, die, wenn sie gelingen soll und man es mit der Demokratie ernst meint, nicht den 1% ueberlassen werden kann. Wenn das Ziel von Wirtschaft Wohlstand fuer Alle ist, dann offenbart der Blick auf die Fakten und ihre zeitliche Entwicklung in den vergangenen drei Jahrzehnte ein totales Versagen der Politik in Bezug auf dieses Ziel. Die Ungleichgewichte sind auf allen Ebenen groesser geworden. Die inherenten Konzentrationsprozesse sind nicht nur ungehemmt sondern befeurt durch die neoliberalen Ideologien und Denkfehler massiv fortgeschritten und haben ein Mass von Ungleichheit erzeugt, dass die Welt an den Abgrund gefuehrt hat.
            Die Eliten, die uns an diesen Abgrund gefuehrt haben, haben ueber alle Massen von diesen Fehlentwicklungen profitiert. Daher verweigern sie sich jeder konstruktiven Diskussion ueber eine Umkehr und ueber Alternativen. Vielmehr pflegen sie weiterhin einen Standpunkt des Markfundamentalismus und behaupten weiterhin die Alternativlosigkeit dieses Standpunkts. Entgegen jeder Vernunft und entgegen einer Unzahl von nackten Fakten.
            Sie disqualifizieren sich damit und werden dadurch letztendlich zu Tyrannen. In einer funktionierenden Demokratie werden Versager und Tyrannen auf einem zivilisierten Weg, naemlich durch Abwahl, demontiert. Das dies objektiv nicht mehr moeglich erscheint, belegt, dass die Demokratien sich in den vergangenen drei Jahrzehnten zu Plutokratien gewandelt haben, in der die selbsternannte fuenfte Gewalt in Form der Finanzoligarchen stellvertretend fuer die Gesamtheit der 1% das Ruder uebernommen hat.
            Das wird, wenn es keine Aenderung erfaehrt, aus Europa eine Dystopie machen, in der Alles aber wirklich Alles den masslosen Interessen der 1% unterworfen wird.

          • dank - 24. März 2012

            Danke, Georg Trappe.

            “Das wird, wenn es keine Aenderung erfaehrt, aus Europa eine Dystopie machen, in der Alles aber wirklich Alles den masslosen Interessen der 1% unterworfen wird.”

            Genau das steht zu befürchten. Wobei ich schwer davon ausgehe, dass USA dieses Schicksal vorher treffen wird und da die alte Welt mittlerweile der neuen Welt folgt (welch ein Unfug), anstatt selbst eine Richtung einzuschlagen, folgt Europa nach.
            Desto mehr sich realistisch mit den Themen befasst wird, desto mehr werden dystopische Gedanken geweckt. Da aber alles bislang (noch?) schleichend abläuft, wird die Masse es gar nicht realisieren, was da eben passiert – nur im Rückblick auf Jahrzehnte gesehen, werden dann Gedanken wie: “Also das war doch damals noch nicht so” – “wie haben wir das nur zulassen können” etc pp ala “Frosch im Topf” bekommt die Masse ihren neuen Lebensraum zugewiesen – langsame Zwangsumsiedlung in eine Welt – ersonnen vom 1%, das darin nie leben muss oder auch will.
            Die Literatur und die Filmindustrie haben das ja schon schön in einigen cineastischen Gassenhauern verarbeitet, wobei unter den gerade weniger bekannten Werke wahre Schätze schlummern.
            Welcome to Dystopia; bitte nicht drängeln es sind genügend Plätze da – sonst werden diese geschaffen. ;-)

  • Gator - 23. März 2012

    @tomtom
    so wie ich das sehe sind Schäubles 27% (211 Milliarden) die Haftungssumme aus den Rettungsschirmen EFSF usw. von Target 2 hat der noch gar nicht gesprochen bzw. wußte es evtl. bis jetzt selbst nicht was da noch zusätzlich im Feuer hängt.

  • topperhopper - 24. März 2012

    Pimco hat einen ganz interessanten Kommentar zu den Target2-Salden verfasst. Man muss ihn sicherlich nicht in allen Punkten teilen (so wird die Lage der Sicherheiten für die Target-Forderungen noch ziemlich gut dargestellt), aber die Schlussfolgerungen sind in Ordnung (Griechenland lieber raus aus dem Euro als immer weiter versuchen, das ganze System zusammen zu halten…etc.)

    http://de.pimco.com/DE/Insights/Pages/TARGET-2-%E2%80%93-Ein-Ausweg-f%C3%BCr-Europas-Kapitalflucht.aspx

    • Georg Trappe: - 25. März 2012

      Danke fuer den Hinweis auf den PIMCO Artikel.

      Dafuer gibt s eine neoklassische / neoliberale Sicht, die die Probleme von starken Ungleichwichten fuer unbedeutend erklaert.

      http://www.econlib.org/library/Enc/BalanceofPayments.html

      Ich teile die Ansicht des PIMCO Authors, dass durch den massiven Zufluss von billigem, Sicherheit suchenden Kapital in Deutschland eine asset price inflation in Gang gesetzt wird/ werden kann, die wie jede Blase dieser Art verheerende Folgen zurueck lassen wird, wenn sich die Abrissbirne zurueckzieht.

      Das Elend dabei ist, dass die ganzen supertuechtigen, deutschen Grosskotze, die halb Europa schlecht reden und allen und jedem Versagen vorwerfen so die Mittel in die Hand bekommen nur um zu beweisen, dass sie genau so inkompetent sind. Und sie werden sich dabei die Taschen fuellen.

  • Karste - 24. März 2012

    Mal ne Frage.

    Da wird immer von Verlusten der Zentralbank geredet. Kann eine Zentralbank überhaupt Verluste aufweisen? Und wenn ja, könnte sie dafür nicht eine Rückstellung bilden? Ich meine, welchen Sinn würde es machen, wenn der deutsche Steuerzahler 500 Milliarden an die Bundesbank überweist, die damit virtuelle Schulden tilgt?

    Bei den Target2-Salden handelt es sich doch nicht um richtige Kredite. Die deutschen Hersteller, die nach Südeuropa geliefert haben, sind längst ausgezahlt. Ob das nun über Kredite der südeuropäischen Abnehmer erfolgt ist, oder über deren Vermögen, ist letztlich völlig egal für unsere Unternehmer.

    • Georg Trappe: - 25. März 2012

      Die target2 Debatte, so wie sie gefuehrt wird, schickt die Oeffentlichkeit in den Wald.
      Und so wie es aussieht bewusst.

      Es gibt zwei Instanzen die Geld schoepfen=kreieren koennen. Eine offentliche, die Zentralbank(en) und eine private, die Geschaeftsbanken. Die Zentralbank im Prinzip unbegrenzt, die Geschaeftsbanken begrenzt durch die Pflicht zu Mindestreserven und Eigenkapitalanforderungen.
      Wenn nun in Nation A bei Bank A ein Kunde A eine Hypothek in Hoehe von X aufnimmt und damit Bauunternehmer B, der auch in A lebt bezahlt, dann entsteht Geld in Form eines Kredits. Kund A steht mit X in der Kreide und Kunde B hat ein Guthaben von X. Die Bilanz der Bank A ist ausgegelichen und waechst um X. Als Sicherheit hat sie den Eintrag einer Grundschuld auf das Haus von A.
      Wenn nun der Bauunternehmer B sein Guthaben in Hoehe von X zur Bank B in Nation B ueberweisst, kommt das target2 System ins Spiel und der Ablauf ist wie unter Punk 1 oben im Artikel beschrieben.
      Der Punkt ist, das Zentralbankgeld entsteht, wenn die Zahlungsstroeme im Mittel nicht ausgeglichen sind. D. h. die Zentralbankbilanz waechst und damit ihr Risiko. Die Qualitaet der Sicherheiten, die dafuer hinterlegt werden muessen ist ebenfalls in der Diskussion. Der entscheidende Punkt aber ist, das in einer Waehrungsunion ein solcher Mechanismus existieren muss, wenn sie funktionieren soll. Bis 2007 war der Interbankenmarkt wohl in der Lage, die grenzueberschreitenden Zahlungen im Mittel auszugleichen. Seitdem die Banken in B den Banken in A nicht mehr vertrauen und anscheinend auch eine massive Kapitalflucht aus A eingesetzt hat, was ja kein Wunder ist bei permanenten Herabstufungen durch Rating Agenturen und bei den durch die Troika verordnete Austerity Rosskuren, eskaliert dieses Problem.
      Die Alternative waere die Geschaeftsbanken in A reihenweise trocken laufen zu lassen.
      -
      Zur Frage. Forderungen koennen uneinbringlich werden. Auch die einer Zentralbank. Wenn die hinterlegten Sicherheiten am Markt nicht den Preis bringen, der an Schulden ausgefallen ist, entsteht ein Verlust. Der wirkt auf das Eigenkapital, das bei einer Zentralbank in meiner Vorstellung durch Steuern oder Kraft souveraener Waehrungshoheit durch eigene Geldschoepfung;-) wieder aufgefuellt werden kann. Eine Zentralbank kann so gesehen nicht zahlungsunfaehig werden!

  • Karsten - 25. März 2012

    Na, wenn eine Zentralbank nicht zahlungsunfähig werden kann, warum regt sich dann alle Welt so über die Target2-Salden auf? Sollte der Euro zerfallen, ist das Geld doch nicht weg. Das Geld für die deutschen Forderungen an spanische Banken und spanische Unternehmen liegt schon lange bei deutschen Banken und deutschen Unternehmen. Das Risiko haben allein spanische Banken, wenn spanische Unternehmen ihre Kredite nicht mehr bedienen können.

    Könnte man die target2-Debatte nicht auch dadurch völlig entschärfen, indem man die nationalen Zentralbanken einfach zu EZB-Fillialen macht? Innerhalb Deutschlands gibt es auch keine Grenzen. Ob das Geld nun durch Banken im MeckPomm oder Banken in Bayern geschöpft wird, ist doch egal. In Europa ginge das genauso. Grenzen weg, Target2 wird überflüssig. Dann kriegen spanische Banken ihr Geld einfach direkt von der EZB und Bundesbankforderungen entstehen so nicht.

    • Georg Trappe: - 26. März 2012

      “Na, wenn eine Zentralbank nicht zahlungsunfähig werden kann, warum regt sich dann alle Welt so über die Target2-Salden auf? ”
      Ich sage ja, es ist eine Debatte, die die Oeffentlichkeit in den Wald schickt, weil sie sich auf ein Symptom stuerzt und damit das ursaechliche Problem verschleiert.
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      “Das Risiko haben allein spanische Banken, wenn spanische Unternehmen ihre Kredite nicht mehr bedienen können.”
      Das stimmt so nicht ganz. Die Zentralbankbilanz wurde ausgeweitet und damit entsteht Inflation und das Risiko der Geldentwertung.
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      Die target2 Debatte ist Murks. Sie ist nicht das Problem und sie adressiert es bestenfalls indirekt. Das ursaechliche Problem sind die massive Unterschiede in der Leistungsfaehigkeit der Volkswirtschaften in Verbindung mit der Tatsache, dass die sog. WiWis nur getrennte Waehrungen als “Loesung” anzubieten haben.
      Aber auch bei eigenstaendigen Waehrungen erzeugen grosse Unterschiede in der Leistungsfaehigkeit erhebliche Probleme (siehe z.B. Japan/USA).
      Das einzige was hilft ist eine Wirtschaftspolitik, die eine ausgeglichene Leistungsbilanz zum Ziel hat. Aber erzaehlen Sie das mal den Politikern in Exportweltmeisterlaendern, wie z.B. Deutschland oder Japan.