Target2 Saldo bei +465,515 Mrd. Euro

von am 10. November 2011 in Allgemein

Heute veröffentlichte die Deutsche Bundesbank die Daten zum Target2 Saldo. Die Forderungen der Deutschen Bundesbank (Buba) aus Target2 stiegen im Oktober 2011 ein wenig moderater an, um +15,904 Mrd. Euro auf 465,515 Mrd. Euro. Zum Vorjahresmonat allerdings zog der Target2 Saldo um +178,854 Mrd. Euro an, dies entsprach einem prozentualen Anstieg von +62,4%! Die Forderungen aus Target2 bilden den positiven Saldo der Bundesbank aus dem so genannten Echtzeit-Bruttozahlungssystem gegenüber den nationalen Zentralbanken der Eurozone ab, formal besteht diese Forderung gegenüber der EZB. Auf der Aktiva-Seite der Bilanz der Buba nimmt Target2 eine immer dominierende Rolle ein, der Anteil der Target2 Forderungen an den Gesamtaktiva steigt, so wie auch die Bilanzsumme der Bundesbank durch Target2 immer weiter aufgeblasen wird.

Die Forderungen aus Target2 der Deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Notenbanken (innerhalb des ESZB/Sonstige Forderungen netto) auf Monatsbasis in Mrd. Euro seit Januar 1999 im Chart. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise von 1999 bis 2006 lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich bei nur 1,57 Mrd. Euro. Von kurzfristigen Verrechnungssalden kann seit spätestens Mitte 2007 keine Rede sein, sondern nur von einer dauerhaften Kreditfinanzierung mit exponentieller Funktion, welche im Oktober 2011 in einem Rekordniveau von 465,515 Mrd. Euro mündete.

Die Forderungen der Deutschen Bundesbank (Forderungen innerhalb des Eurosystems insgesamt) gegenüber den nationalen Notenbanken in der Eurozone und der EZB stiegen im Oktober 2011 auf 477,830 Mrd. Euro.

Die Gesamtforderungen der Buba an das Ausland schwollen im Oktober 2011 um +18,317 Mrd. Euro auf 704,976 Mrd. Euro an und der prozentuale Anteil der Target2 Forderungen steigt und steigt:

Die Entwicklung des prozentualen Anteils der Target2 Forderungen an den gesamten Auslandsaktiva im Chart seit Januar 1999. Im Oktober 2011 wuchs der prozentuale Anteil der Target2 Forderungen an den gesamten Forderungen der Buba ans Ausland auf ein neues Rekordhoch mit 66,03%! Im Gegenzug sinkt der Anteil der Gold- und Goldforderungen und der Währungsreserven in der Auslandsposition stetig.

Der positive Target2 Saldo der Buba stellt im Kern eine Kreditfinanzierung an die PIIGS-Staaten dar und das Volumen des positiven Saldos zeigt an, wieweit Zentralbankgeld der Buba die Finanzierung durch privates Kapital ersetzt. Die Forderungen aus Target2 der Bundesbank, fallen zwar formal bei der EZB an, sind aber zugleich eine Forderung der EZB gegenüber den nationalen Zentralbanken mit einem negativen Target2-Saldo. Der negative Target2 Saldo selber ist eine Verbindlichkeit der nationalen Notenbanken, welche ihrerseits den gezogenen Target2 Anteil, durch Kreditvergabe insbesondere an die heimischen Kreditinstitute als Forderungen (Aktiva) in ihrer Bilanz halten.

Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

“Schließlich ist nicht zu verkennen, dass die TARGET-Salden ein Haftungsrisiko für Deutschland mit sich bringen. Zwar haften zunächst die Mitgliedstaaten für negative TARGET-Salden ihrer Notenbank. Sollte es jedoch zur Zahlungsunfähigkeit eines Teilnehmerlandes kommen, müsste der Verlust von der EZB getragen werden und würde damit gemäß dem deutschen Anteil am Kapital der EZB von 27 vH einen entsprechenden Vermögensverlust für Deutschland bedeuten.” Aus dem Jahresgutachten 2011/2012 (PDF Seite 86) des Sachverständigenrates

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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22 KommentareKommentieren

  • M.E. - 10. November 2011

    Und täglich grüßt das Saldo-Tier.

    Die Komödie, die gerade aufgeführt wird ist wirklich sehenswert. Wenn nur der Eintritt, der raffinierterweise erst nachträglich einkassiert wird, nicht so unsäglich teuer wäre.

  • stulle - 10. November 2011

    Saldo-Mortale …

  • GasKlaus - 10. November 2011

    Ich weiss nicht wie man da noch was retten kann,

    Was meinen sie ‘IM Erika’

    Gruß GasKlaus

  • Bernd Klehn - 11. November 2011

    Lieber Steffen,

    spannend ist wer diesmal die aufnehmende Seite war. Wir wissen ja, dass das negativeTraget2-Saldo von Italien im Oktober um18Mrd. durch Sondereffekte, EZB-Staatsanleihenaufkauf und Überweisung der Regierung an die Zentralbank, gesunken ist. Wer hat die 34Mrd. bekommen? Ich tippe auf Griechenland und Spanien. Werden wir aber erst später wissen.

    Gruß Bernd

  • pertuberanz - 11. November 2011

    Der Herdentrieb Blog scheint sich ganz der Sichtweise des Sachverständigenrates anzuschließen: Der Rat spricht

    und hier das pdf des Sachverständigenrates: Der Euroraum in der Krise. Ab seite 83 geht’s mit Target 2 los.

    Als Leihe hat man keine Ahnung ob man nun Sinn oder dem Sachverständigenrat glauben schenken soll. Allerdings fand ich die Argumente Sinns (link) nachvollziehbarer als die Argumente im oben verlinkten pdf.
    die Argumente sind z.B.:
    “wird in der Debatte häufig angenommen, dass die TARGET-Salden überwiegend zur Finanzierung von Leistungsbilanzdefiziten in den Problemländern herangezogen werden. [...] Dabei wird jedoch verkannt, dass die aggregierten Leistungsbilanzdefizite der vier GIPS-Länder von ihrem Höchstwert von 165 Mrd Euro im Jahr 2007 auf 62 Mrd Euro im Jahr 2011 zurückgegangen sind. ”
    ich denke das Argument greift nicht, denn früher wurde das Leistungsbilanzdefizit durch netto investitionen in die GIPS finanziert, heute eben durch die Druckerpresse der jeweiligen Länder. Oder sehe ich das falsch?

    2ter quote:
    “Bei aller berechtigten Besorgnis über die Entwicklung der TARGET-Salden ist es unbegründet, hieraus eine Beeinträchtigung der Kreditvergabemöglichkeiten der Banken in den Überschuss-Ländern abzuleiten.”
    darum geht es Sinn ja garnicht, sondern was passiert wenn ein Land die Salden nicht mehr begleicht.

    insgesamt scheint die ganze Argumentation eine vernebelungstaktik zu sein. dinge die nicht den Kern der Kritik treffen werden vehement abgestritten.

    • Querschuss - 11. November 2011

      Hallo Pertuberanz,
      Herdentrieb wie auch der Handelsblattbog sind eben Teil der Relativierer in Bezug auf Target2, warum auch immer. Die Argumente sind immer die gleichen, lenken vom Kern von Target2, der Funktion der Kreditfinanzierung der PIIGS über die Buba ab (Zentralbankgeld statt privates Kapital) ab und starren auf Teilaspekte und blenden die dazugehörigen anderen Teilaspekte aus. Die Kreditvergabe an Deutschland wird nicht eingeschränkt ist richtig, aber deutsche Kreditinstitute haben auch keinen Bedarf an Finanzierung mit Zentralbankgeld von der Buba, denn sie werden durch den privaten Kapitalzufluss aus der Südperipherie mit Geld überschüttet und man kann sich damit refinanzieren.

      Target2 Salden spiegeln nicht nur Leistungsdefizite ab, sondern eben auch den dazugehörigen Kapitalfluß. Der negative Target2 Saldo der Südperipherie ist eben jetzt das gesunkene Leistungsbilanzdefit lt. Sachverständigenrat von -62 Mrd. Euro, werde die Zahl demnächst mal überprüfen und dazu die zusätzliche Kapitalflucht, also der private Kapitalabfluss als jetzt dominierender Faktor.
      Am Ende meines Artikels steht ziemlich genau und so einfach wie möglich beschrieben was Target2 abbildet – eben Leistungsbilanz und Kapitalbilanz. Das Kapitalflucht zum dominierenden Faktor bei Target2 wird, macht es nicht besser, es handelt sich insgesamt um eine klar ersichtliche Zahlungsbilanzkrise.

      Hier nochmal meine Beschreibung was Target2 ist:
      Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz. Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

      Gruß Steffen

    • SLGramann - 11. November 2011

      Hallo, es ist speziell Mark Schieritz, der dieses Zeug schreibt. Ich lese seine Beiträge aber nicht mehr. Er erinnert mich an Funktionäre in der DDR, die von einem ideologischen Standpunkt her alle Fakten ignoriert oder umgedeutet haben. Schieritz ist ein Ideologe durch und durch. Konsequenterweise hat er ja kürzlich de facto zur Abschaffung der (letzten Reste der) Demokratie aufgerufen, weil die Völker sich gegen den Umverteilungswahn der Euro-Retterei zu wehren beginnen. Seit dem ignoriere ich sein Gekläffe einfach.

      Was Target angeht: So wie ich das sehe, ist das größte Problem damit, dass es dadurch bei einem Auseinanderbrechen der Eurozone (das notwendig und langfristig nützlich wäre) zu exorbitanten Verlusten bei der Bundesbank kommen wird.
      Andererseits: Diese Forderungen der BuBa sind eher nur Buchgrößen und haben wenig Bezug zur ökonomischen Realität. Im Grunde sind diese Forderungen auch heute weitgehend uneinbringlich. Der Schaden ist schon da – es ist nur noch nicht gebucht…

      Schön, dass deutsche Arbeitnehmer sein 10 oder mehr Jahren Reallohnverluste hinnehmen durften, damit wir die Eurozone zu Tode exportieren konnten. Auf den Rechnungen für unsere Güter wird Deutschland sitzen bleiben.
      Allerdings mit einem wichtigen Hinweis: Kapitaleigner und Manager haben sehr gut verdient und werden weiter sehr gut verdienen. Schließlich sind es in letzter Konsequenz deren Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, die nun zu BuBa-Forderungen auf Geld ausländischer Banken geworden sind.

      Geiles System. Es hat durchaus seine Profiteure. Merkel und Schäuble wissen zumindest das ganz genau!

  • Appaloosa - 11. November 2011

    Interessanter ist die Summe, die die EZB in den letzten 2 Tagen in ITA Anleihen gesteckt hat.
    Die Kurse sind in den letzten zwei Tagen regelrecht explodiert.

  • philipp johannes - 11. November 2011

    gut das deine tabellen nach oben offen sind.
    vielleicht muß man bald die skalierung erhöhen.

    ________

    zeit- und handelsblattblog sind sehr von sich überzeugt, dulden keine anderen meinungsbilder.
    wobei ich nicht sagen will das es die einzigen einseitigen wären, doch es gibt auch andere wie dieser hier z.b.

    keiner hat die wahrheit gepachtet.
    wie auch.
    doch die fakten von zumindest target2 sind so eindeutig das man sie schon als wahrheit anerkennen sollte.

    in summe bleibt es ein ganz normales kontokorrentkonto.
    irgendwann müssen die salden ausgeglichen werden.

    wie ?

  • Fauvi - 11. November 2011

    mit reevaluiertem Gold
    .http://fofoa.blogspot.com/2011/11/moneyness.html Cave: Kein Goldbug Forum!!!!

    Schwieriges Thema, vermutlich keine Leser aus Deutschland

  • LukeSkywalker - 11. November 2011

    Neija Immerhin, wenn die Forderung sich zunächst gegen die EZB richtet heist dass ja sie ist 100% sicher.
    Das Problem ist nur was wenn die PIIGS-NZBs ihre Schulden bei der EZB nicht mehr bediehnen koennen? z.B. weil GR aus der Eurozone aussteigt.
    Der Verlust wuerde dann – mal wieder – auf die [verbliebenen] europ. Steuerzahler umgelegt. Zumindest heist dass es wuerde nicht bevorzugt DE treffen.

    Aber im Endeffekt sind das laufende Bailout-Kredite der EZB die man zum SMP addieren muesste.

    • Bernd Klehn - 11. November 2011

      @ LukeSkywalker

      Denkt mal vom der anderen Ende her, die Krisenländer sind pleite. Die Länder mit den weltweit höchsten Nettoauslandsschulden sind Protugal, Irland, Spanien und Griechenland!!!! Deren Nettoauslandsschulden sind im wesentlichen bei der deutschen öffentlichen Hand via Eurosystem gelandet, die anderen Auslandsinvestoren haben sich aus diesen Ländern zurückgezogen. Nun können die Krisenländer die Auslandsposition nicht mehr bedienen. Wer nimmt nun Deutschland noch Teile der Gläubigerposition ab? Portugal, Irland, Spanien und Griechenland sind ja pleite, Italien vielleicht auch und auch Frankreich steht das Wasser bis zum Hals. Bleibt nur noch Holland, die haben aber schon 80Mrd. Target2-Forderungen.

  • Querschuss - 11. November 2011

    Hallo pertuberanz,
    hatte erst jetzt Zeit dazu und habe mir zweimal den Sachverständigenrat zu Target2 durchgelesen und finde letztlich ist es genau die Bestätigung der Sicht hier, die Definition von Target2 von mir hier im Blog ergibt sich, wenn man das Geschriebene dort zu Ende denkt. Auszug: “Die steigenden negativen TARGET-Salden einzelner Mitgliedsländer sind daher entweder auf Leistungsbilanzdefizite zurückzuführen, die nicht mehr durch private Kapitalzuflüsse finanziert worden sind oder auf private Kapitalabflüsse, denen keine entsprechenden Zuflüsse mehr gegenüberstanden.”

    Hier und da werden leichte Nebelkerzen gezündet, aber der Kern wird deutlich wenn man ihn sehen und lesen will, außer für Schieritz beim Herdentrieb. In Richtung Prof. Sinn scheint es ein akademischer Sport zu sein auf Details zu pieken und Sinns Grundthese und Kern der Target2 Kritik damit etwas zu delegitimieren.

    Gruß Steffen

  • Querschuss - 11. November 2011

    Hallo pertuberanz
    noch ein pikanter Nachschlag,

    “Dabei wird jedoch verkannt, dass die aggregierten Leistungsbilanzdefizite der vier GIPS-Länder von ihrem Höchstwert von 165 Mrd Euro im Jahr 2007 auf 62 Mrd Euro im Jahr 2011 zurückgegangen sind. ”…..Habe mir gleich gedacht, als ich die Zahlen gesehen habe, sie können nur bedingt stimmen!

    Richtig ist 2007 zum Hoch betrug das kumulierte Leistungsbilanzdefizit der PIGS, Portugal, Irland, Griechenland und Spanien tatsächlich -165 Mrd. Euro. Allerdings sind die 62 Mrd. Euro für 2011 zu niedrig angesetzt. Denn im ersten Halbjahr waren es schon -49,855 Mrd. Euro (Daten von Eurostat). Es werden sehr wahrscheinlich ca. -100 Mrd. Euro 2011, kleiner aber feiner Unterschied! Und damit immer noch mehr als genug und sicher auch für einen gewichtigen Teil der Steigerung der Forderungen aus Target2 bei der Buba verantwortlich!

    Im 1. Hj. 2007 waren es -80,663 Mrd. Euro und damit ungefähr auch die Hälfte des Gesamtjahres von -165,041 Mrd. Euro. Deshalb auch der ziemlich sichere Rückschluss, dass die kumulierten Leistungsbilanzdefizite der PIGS 2011 auf ca. -100 Mrd. Euro laufen werden.

    Der Sachverständigenrat legt damit auch eine Nebelkerze, mit der falschen Angabe zum kumulierten Leistungsbilanzdefizit der PIGS und vor allem unterschlägt man Italien und Frankreich, die bei den negativen Target2 Salden dick dabei sind und siehe da, nimmt man die PIIGS (inkl. Italien) und Frankreich, dann betrug im 1. Hj, 2011 das kumulierte Leistungsbilanzdefizit -110,738 Mrd. Euro und dies war genauso erschreckend hoch wie im 1. Hj. 2007 mit damals -110,711 Mrd. Euro. Verbesserungen bei den Leistungsbilanzdefiziten Portugals, Irlands, Griechenlands und Spaniens wurden von höheren Defiziten Italiens und Frankreichs komplett kompensiert.

    Ein echter Malus der Analyse des Sachverständigenrates, denn dies hätten die auch sehen können bzw. müssen. Zumal ihre Argumentationskette, gerade gegen Sinn und den Anteil der Leistungsbilanzdefizite an Taget2 damit nicht stimmig ist! Das Schieritz das ungeprüft übernimmt verwundert weniger.

    Gruß Steffen

  • M.E. - 11. November 2011

    Ja, Steffen, das ist das Problem der Analysen vieler Wirtschaftswissenschaftler, dass die Dinge nicht in ihren größeren Zusammenhängen betrachtet werden. Tunnelblickmäßig werden Teilbestandteile herausgenommen und isoliert betrachtet. Kein Wunder, wenn man immer wieder zu falschen Schlussfolgerungen kommt.
    Und genau deshalb erleiden diese Fachleute und damit die von ihnen mit Informationen versorgte Politik negative Überraschungen. Deshalb hat man das Gefühl, “von den Märkten getrieben zu sein”, was ja nicht völlig falsch ist. Der Hauptgrund dieses Ausgeliefertseins ist jedoch die durch Tunnelblick verursachte fehlerhafte Analyse.

  • pertuberanz - 12. November 2011

    Hallo Steffen,

    vielen Dank für Deine Einschätzung und die sehr interessanten Detaills zu den Leistungsbilanzdefiziten. Es ist bezeichnend für die deutsche Presse, dass diese Dinge nicht aufgegriffen werden.

    gruß Pertuberanz

  • Parmenides - 13. November 2011

    Inzwischen hat die FAZ wohl hier im Blog mal vorbei geschaut und das Target-Thema aufgegriffen: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutsche-bundesbank-465-milliarden-euro-risiken-11525275.html

    • philipp johannes - 13. November 2011

      gelungen finde ich den letzten satz vom chefsvolkswirt der deutschen bank: “Um das Horrorszenario einer breiten Kapitalflucht aus Südeuropa zu vermeiden werde die Bundesbank aber fortfahren, den dortigen Banken über das Target-System Kredite zu gewähren.”

      er verschweigt das hierdurch die kapitalflucht erst recht ermöglicht wird.

  • rijukan - 15. November 2011

    Ich habe gerade versucht, mir darüber klarzuwerden, was diese Target2-Salden letztlich bedeuten. Das Ergebnis habe ich zusammengeschrieben und wüßte gern, was Ihr davon haltet:

    ***
    Kern des Ganzen schein mir (JW) zu sein, daß griechisches (irisches etc) Zentralbankgeld in deutsches Zentralbankgeld umgewandelt wird.

    Der Punkt ist: die griechische Zentralbank akzeptiert bedenkenlos griechische “Sicherheiten”, insb. Staatsanleihen. Auf dem Target2-Umweg tut das nunmehr auch die Bundesbank. Faktisch ist deutsches Zentralbankgeld zunehmend nicht mehr nach deutschen Standards gedeckt. Die Traged2-Forderung gegen Griechenland ist nicht mehr wert als die dortigen Sicherheiten – also sehr wenig.

    Kommt es zum Austritt Griechenlands, so ist diese Forderung weitgehend verloren (und vor dem Austritt Griechenlands wird sie immer weiter wachsen). Da sie aber durch die EZB vermittelt wird, würde aus dem Zahlungsausfall zu etwa einem Drittel eine Forderung gegen die Bundesbank – faktisch also ein Zahlungsausfall für sie. Was den Rest anbelangt, so wäre fraglich, ob diese Kredite (Forderungen gegen die anderen EU-Notenbanken) werthaltig, sprich: einbringlich sind. Mit was sollen die Notenbanken der anderen Länder auch eine solche Forderung begleichen? Doch nur nur mit eigenem Zentralbankgeld. Um das zu schöpfen, brauchen sie Sicherheiten. Als Sicherheitsgeber kommen nur die jeweiligen Regierungen in Betracht, die als Sicherheiten ihrerseits eigene Staatsanliehen anbieten könnten. Sprich: z.B. Spanien gibt seiner Notenbank einen Schuldtitel, in welchem es sich verpflichtet, die Summe X irgendwann zu bezahlen. Für diesen Schuldtitel gibt die Zentralbank Geld heraus, das dann an die Bundesbank flösse. Im Ergebnis würde also deutsches Zentralbankgeld nun mit den Staatsschulden anderer Euro-Länder hinterlegt.

    Das dürfte aber alles graue Thaorie sein- in der Praxis dürften die Target-Salden gegenüber der EBZ einfach bestehen bleiben. Der Euro ist dann halt in einem gewissen Maße nicht mehr gedeckt, genau wie der Dollar in dem Maße nicht mehr gedeckt ist, in dem die Notenbank Ramschanlagen als “Sicherheit” akzeptiert (uneinbringliche Hypotheken).

    Ein griechischer Rentner, der z.B: sein Geld nach Deutschland transferiert, tauscht auf diese Weise einen höchst zweifelhaften Anspruch gegen die lokale Hausbank ein für einen gegen deutsche Banken. Die wiederum erhalten im gleichen Umfang Zentralbankgeld, ohne Sicherheiten hinterlegen zu müssen. Überlebt das Euro-System, dann konkurriert das so “gewaschene” griechische Fiat-Money zukünftig mit Euros von anderswoher: es hat dieselbe Kaufkraft. In dem Maße, wie in der Folge der Euro zur Weichwährung mutiert, bezahlen so die Inhaber deutscher Vermögen griechischen Konsum mit Wertverlusten ihres Geldes.

    Im Umfang der Target2-Salden können die Griechen also ihr an sich wertloses “Vermögen” auch bei Austritt aus dem Euro in das Euro-System hinüberretten. Je mehr Austritte aus dem System folgen, desto mehr heißt das: in das DM-System.

    Denken wir uns nämlich den Fall, daß der Euro komplett auseinanderbricht. Deutschland will die DM wieder einführen. Dazu könnte man einfach die von der Bundesbank herausgegebene Euro-Noten (die mit einem “X”) umstempeln. Was aber wäre mit dem übrigen Zentralbankgeld? Wird es ebenfalls in die neue DM überführt, dann hat in der Rückschau die griechische Zentralbank DM herausgegeben! Nach einer Umstellung, wie auch immer sie aussähe, würden diese “griechischen” DM weiterhin mit “einheimischen” DM konkurieren – sie hätten dieselbe Kaufkraft.

    Deutschland müßte das ermöglichen, in dem es a) die nicht gedeckten Target-Summen mit deutschen Staatsanleihen hinterlegt – dann bezahlt der deutsche Steuerzahler z.B. die Rente des Griechen. Oder indem es b) – falls das geht – solches Zentralbankgeld, das durch Target2-Transfers entstanden ist, zu einem anderen Kurs umtauscht als sonstiges Zentralbankgeld. Das gibt aber enorme Rechtsprobleme, denn: spätestens die deutsche Bank, die wiederum ihren Kunden Geld schuldet, hat nirgendwo ausgewiesen, welcher Art dieses Geld ist. Ob griechischer Kapitalflüchtling oder deutscher Exporteur: sie allen können von der Bank “ihr Geld” verlangen, nach der Umstellung eben in DM. Also: bei dieser Lösung müßten die deutschen Banken entweder rekapitalisiert werden (=wieder vom Steuerzahler) oder pleitegehen (deutsche Vermögen werden mitentwertet). Natürlich geht auch c) – das deutsche Zentralbankgeld bleibt halt einfach ungedeckt. In allen Fällen behält das griechische Fiat-Money die kaufkraft deutschen Geldes. Der Grieche kann damit deutsche Konsumgüter, Aktien oder was auch immer kaufen.

    Im Endeffekt knebeln die Target2-Salden Deutschland noch über ein Zerbrechen des Euro hinaus. Einziger Ausweg: wenn Deutschland GLEICHZEITIG bereit ist, ALLE Vermögen zu entwerten, sprich: es gibt für einen Alt-Bundesbank-Euro, sagen wir, nur noch 1/5 DM. Oder andersherum: die Umstellung erfolgt 1:1, aber alle Löhne, Preise und Mieten werden verfünffacht. Dadurch würden Vermögen UND Schulden gleichzeitig reduziert.

    Genau so wird es im Ergebnis kommen müssen. Wenn der Euro zerbricht, dann wird die deutsche Gesellschaft (bzw. die des Nord-Euro) diese Gelegenheit zu einer echten Währungsreform nutzen MÜSSEN. Die reduziert dann auf einen Schlag die deutschen Staatsschulden – und auf der anderen Seite die Vermögen der Deutschen. Die können dann über den Wert einer “kapitalgedeckten” Altersvorsorge neu nachdenken.

  • Mike - 4. Dezember 2011

    Lassen Sie mal bitte die „faulen“ Griechen zur Seite. Sie arbeiten weit mehr wie die „Europäer“ wenn sie arbeiten dürfen. Und das griechische Fiasko können wir sehr gut wo anders analysieren, in Bezug auf die gesamte E-Zone.

    Das zweite Halbjahr 2011 ist nun beinahe vorbei und 15.000 Milliarden Scheinvermögen haben sich seit Juli in Luft aufgelöst.. Und nach meiner Auffassung wird sich dieser Prozess das folgende Jahr im gleichen Rhythmus fortsetzen. Ich gehe davon aus, dass mit dem griechischen Schuldenschnitt von 50% die umfassende weltweite Krise in eine neue Phase eintritt; nämlich in die Phase, in der alle Anleihen der westlichen Staaten wertberichtigt werden. Als Folge davon wird der bisher globale Finanzmarkt regional zerfallen. In 2012 werden im Durchschnitt alle Staatsanleihen der westlichen Staaten um 30% wertberichtigt werden müssen. Entsprechend werden die Aktiva der Bilanzen der globalen Finanzinstitute geringer zu bewerten sein.

    Bis Anfang 2013 werden 30.000 Milliarden USD Scheinvermögen abgeschrieben sein werden. Weiterhin wird sich im Lauf des Jahres 2012 die Fragmentierung des globalen Finanzmarkts beschleunigen. Er wird in drei Zonen zerfallen, nämlich einer Dollar-, Euro- und Yuan- Zone. Die drei Zonen werden sich immer stärker voneinander abgrenzen und unabhängiger werden. Diese beiden Phänomene (Wertberichtigung/Fragmentierung) stehen zueinander in einer sich verstärkenden Wechselwirkung. Gemeinsam werden sie die Ursachen dafür sein, dass die US-Währung 2012 30% ihres Wertes verlieren wird, wegen einer nachlassenden Nachfrage nach Dollar und einer Verschärfung der US- Staatschuldenkrise. Ende 2011 wird der Zündsatz der europäischen Schulden die US-Schuldenbombe zur Explosion bringen.

    Sie dürfen 2 Mal raten wo das ganze begann, wer der Haupt- „Financial Engeneer“ war und welche Banken hauptsachlich darin beteiligt waren (Ihre kurzlebigen Schattenbanken können Sie dabei vergessen}.

    Ein Schweizer-Grieche.

  • Hallo - 7. Dezember 2011

    @Mike – 4. Dezember 2011 Antworten

    ….Lassen Sie mal bitte die „faulen“ Griechen zur Seite. Sie arbeiten weit mehr wie die „Europäer“ wenn sie arbeiten dürfen. Und das griechische Fiasko können wir sehr gut wo anders analysieren, in Bezug auf die gesamte E-Zone. …

    haha etwas merkwürdig , Ihre Rhetorik ;D . Griechen sind ja auch Europäer :)

    Ach, davon abgesehen, wo bitte arbeitet Ihr durchschnitlicher Grieche denn mehr? (einige Beweise für die Behauptung. Ich hoffe doch nicht, bei den Generalstreiks xDD)

    Naja was mich interessieren würde: Welches sind konkret die Folgen, wenn der Euro zur Weichwährung wird (was bald mit 100 % iger Sicherheit bald passiert)

    Bitte um Meinungen dazu.