Target2 – zeigt die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone

von am 19. März 2012 in Allgemein

Während die Target2 Relativierer viel Energie mit Nebelkerzen zünden verschwenden, fühlt sich selbst der BUBA-Chef Weidmann angesichts der Realität unwohl in seiner Haut und bezog endlich mal Stellung in der Target2 Debatte über die FAZ. Den Kern des Problems beschreibt er u.a. richtiger Weise so: “Es wird nicht mehr nur das erforderliche Minimum an Zentralbankgeld bereitgestellt, sondern das Eurosystem ersetzt in größerem Maße den Interbankenmarkt und andere grenzüberschreitende Kapitalströme.” ….Genau dies ist der Kern und nichts anderes zeigen die Target2 Salden an, inwieweit Zentralbankgeld Leistungsbilanz und Kapitalbilanz  in Übereinkunft bringen muss, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGBF (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Belgien und Frankreich) finanzieren bzw. Zentralbankgeld zusätzlich auch noch die kräftigen privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten abpuffern muss.

“Target2 ist sozusagen das Leitungsnetz, in dem Liquidität im Euroraum zirkuliert. Mit diesem Zahlungssystem wird in der Währungsunion grenzüberschreitend Zentralbankgeld zwischen den nationalen Notenbanken übertragen. Diese Liquidität entsteht in den einzelnen Ländern insbesondere über die Refinanzierungsgeschäfte der nationalen Notenbanken mit den Geschäftsbanken. Die Übertragung wird ausgelöst, wenn aus einem Land Zentralbankgeld in ein anderes Land überwiesen wird.” ….Die Liquiditätsbereitstellung bzw. die Kreditgewährung für die heimischen Bankensysteme findet natürlich mittels geldpolitischen Operationen (Refinanzierungsgeschäfte) der jeweiligen nationalen Notenbanken statt, nur die Target2 Salden zeigen nicht nur die Verteilung des Zentralbankgeldes und seinen Fluss an, sondern die über das Target2 Zahlungssystem auslösten grenzüberschreitenden Transaktionen zeigen selbst die Zahlungsbilanzkrise an und lösen in der Rückkopplung die Refinanzierungsgeschäfte der nationalen Notenbanken erst aus. Nicht umsonst, wenn auch viel zu spät, warnt Weidmann und geht in die Offensive: “Es ist die Aufgabe des Eurosystems, Zentralbankgeld zur Verfügung zu stellen – an solvente Banken gegen ausreichende Sicherheiten und ohne Gefährdung der Preisniveaustabilität. Dadurch wird die Kreditversorgung der Wirtschaft sichergestellt, und es kann auch die Finanzmarktstabilität gestärkt werden. Es gilt aber gleichzeitig, die Trennung zwischen Geld- und Finanzpolitik zu wahren und insbesondere das Verbot der monetären Staatsfinanzierung zu achten. Es ist nicht Aufgabe der Geldpolitik, marode Banken künstlich am Leben zu erhalten oder die Zahlungsfähigkeit von Staaten abzusichern.”

“Entscheidungen über die Umverteilung größerer Solvenzrisiken von Banken oder Staaten zwischen den Steuerzahlern der Mitgliedsländer dürfen nur gewählte Regierungen und Parlamente treffen.” …..Genau letzteres findet eben nicht statt, sondern über das Eurosystem werden Risiken im gewaltigen Ausmaße verschoben. Zum besseren Verständnis wieder der Blick auf die stilisierten Bilanzen nationaler Zentralbanken im Eurosystem:

Die stilisierten Bilanzen nationaler Zentralbanken mit negativen Target2 Salden, positiven Target2 Salden und neutralen Target2 Salden.

Die extrem divergierenden Target2 Salden aus dem grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr, welcher nur in Zentralbankgeld abgewickelt werden kann, dokumentieren die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Ein negativer Target2 Saldo auf der Passiva-Seite der nationalen PIIGSBF-Zentralbanken (PIIGSBF-Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien, Belgien und Frankreich) geht einher mit der Ausweitung der Kreditgewährung auf der Aktiva-Seite, denn es besteht ein enormer Zentralbankgeldbedarf der dortigen Banken um den grenzüberschreitenden Zahlungsaufträgen ihrer Kunden nachzukommen, was auf der Passiva-Seite der nationalen Zentralbanken einhergeht mit schwindenden Einlagen der Banken, die von Target2 Verbindlichkeiten ersetzt werden!

Im Gegensatz dazu wird bei den nationalen DNLF-Zentralbanken (DNLF-Deutschland, Niederlande, Luxemburg und Finnland) die Kreditgewährung an die dort heimischen Banken auf der Aktiva-Seite verdrängt durch die anschwellende Target2 Forderung. Wobei verdrängt nicht die richtige Wortwahl ist, denn natürlich sinkt der Refinanzierungsbedarf der DNLF-Banken, denn ihnen fließt aus dem Target2 Zahlungssystem massiv Kapital (Zentralbankgeld) zu, sie können sich also aus den explodierenden Einlagen selbst refinanzieren und brauchen ihre Notenbank vorerst nicht bzw. weniger. Der Kapitalzufluss ist sogar so stark das die DNLF-Banken vor Liquidität triefen und sie diese wieder bei den DNLF-Zentralbanken parken, als Guthaben, Einlagen auf Girokonten, Termineinlagen und Einlagefazilität. Denn diese zufliessende Liquidität aus Target2 wurde vom Umfang her nicht ansatzweise per Kreditvergabe an die Wirtschaft weitergereicht. Die Bundesbank beschreibt diesen Vorgang in ihrem Jahresbericht 2011 vom 13.03.2012 so: “Bankensysteme, denen über TARGET2 Zentralbankgeld zufließt, haben einen geringeren Bedarf an eigener Refinanzierung bei „ihrer“ Zentralbank. Institute in Deutschland haben daher ihr Refinanzierungsvolumen bei der Bundesbank kontinuierlich verringert und verfügen mittlerweile per saldo sogar über hohe Guthaben bei der Bundesbank. Das weiter zufließende Zentralbankgeld wird von ihnen in die Einlagefazilität gegeben oder in liquiditätsabsorbierenden Operationen des Eurosystems angelegt.”

Noch vertiefend zur Definition bzw. dessen was die Target2 Salden abbilden, schreibt die Bundesbank im aktuellen Bundesbankbericht: “Letztlich gehen die TARGET2-Salden auf Zahlungsbilanzungleichgewichte in mehreren EWU-Staaten zurück; dabei können sowohl Leistungsbilanzdefizite als auch Kapitalexporte des Privatsektors eine Rolle spielen. Diese spiegeln sich in Liquiditätsabflüssen aus diesen Ländern wider.” …..Dies ist eine klare Bestätigung der hier bei Querschuesse seit vielen Monaten verwendeten verfeinerten Definition: Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz. Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Zum besseren Verständnis noch ein paar Charts und Daten zur Entwicklung bis Februar 2012, die noch nicht die LTRO2-Injektionen reflektieren. Stellvertretend für die DNLF-Zentralbanken die Entwicklung des Target2 Saldos der BUBA:

Die Forderungen aus Target2 (Aktiva) der Deutschen Bundesbank auf Monatsbasis in Mrd. Euro seit Januar 1999 im Chart. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise von 1999 bis 2006 lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich bei nur 1,57 Mrd. Euro. Im Februar 2012 explodieren die Forderungen (positiver Target2 Saldo) bis auf 547’047 Mrd. Euro.

Im Gegenzug ebenfalls auf der Aktiva-Seite die zurückgehende Kreditgewährung der BUBA an die deutschen Kreditinstitute:

Die Entwicklung der Forderungen aus geldpolitischen Operationen (Kreditgewährung an deutsche Banken) der BUBA seit Januar 2002 bis Februar 2012. Im Februar 2012 sanken die Forderungen der BUBA an die Banken aus den Refinanzierungsgeschäften auf 48,022 Mrd. Euro. Zum Hoch im Oktober 2008 betrug die Kreditgewährung 297,149 Mrd. Euro.

Über das Target2 Zahlungssystem, am positiven Target2 Saldo der BUBA ablesbar, fließen den deutschen Banken immense Summen an Zentralbankgeld aus dem grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr zu, die sich in Ermangelung von Kreditvergabe in die Einlagefazilität der BUBA ergießt:

Die Entwicklung der Einlagefazilität der BUBA seit Januar 2002 bis Februar 2012 in Mrd. Euro im Chart. Im Februar 2012 bunkerten deutsche Banken Zentralbankgeld in Höhe von 166,359 Mrd. Euro in der Einlagefazilität. Dies ist Überschussliquidität der deutschen Banken, welche derzeit in Ermangelung an Kreditvergabe bzw. anderen Aktivitäten in der Einlagefazilität zu einem Zinssatz von nur 0,25% im Jahr geparkt wird.

Damit nicht genug, die nationalen Zentralbanken im Eurosystem (NZBs) können zusätzlich auch Termineinlagen anbieten (liquiditätsabsorbierende Operation des Eurosystems), die BUBA macht davon Gebrauch und die deutschen Banken bunkern auch hier zusätzlich zur Einlagefazilität ihre Zentralbankliquidität:

Die Entwicklung der Termineinlagen der Banken bei der BUBA im Chart, diese Möglichkeit gewährt die BUBA erst seit kurzem und sie wird gut genutzt. Im Februar 2012 legten deutsche Banken Zentralbankgeld in Höhe von 146,241 Mrd. Euro in den Termineinlagen der BUBA an.

Bestimmt man die Nettoforderungen/Nettoverbindlichkeiten gegenüber den Kreditinstituten, so wie es im konsolidierten Wochenausweis des Eurosystems, aus Aktiva Position 5.0 (Forderungen aus geldpolitischen Operationen gegenüber Banken) abzüglich Passiva Positionen 2.2, 2.3, 2.4, 2.5 und 4.0 getan wird, ist die BUBA “Dank” Target2 eindeutig Nettoschuldner der deutschen Banken:

Die Entwicklung der Nettoforderungen/Nettoverbindlichkeiten der BUBA gegenüber den deutschen Kreditinstituten in Mrd. Euro seit Januar 2002 bis Februar 2012 im Chart. Die BUBA mutierte in Turbogeschwindigkeit vom Nettogläubiger zum Nettoschuldner der deutschen Banken (MFIs -Monetary Financial Institutions). Im Februar 2012 betrug die Nettoverbindlichkeit -264,578 Mrd. Euro! Die Mindestreserve als Einlage der deutschen Banken bei der BUBA bleibt bei dieser Betrachtung außen vor, da die Mindestreserve eine feste Verpflichtung der Banken ist.

Was machen diese Daten deutlich, die Target2 Forderungen der BUBA aus dem grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr explodieren, gleichzeitig fließt das über Target2 den deutschen Banken zuströmende Zentralbankgeld wieder in die Einlagefazilität bzw. in Termineinlagen bei der BUBA. Im Umkehrschluss dient die exzessive Kreditgewährung der PIIGSBF-Zentralbanken an die dortigen heimischen Banken primär dazu, damit diese ihren Verpflichtungen aus den Zahlungsaufträgen im Target2 Zahlungsverkehr nachkommen können.

Somit mündet die Zahlungsbilanzkrise der PIIGSBF in einem Verschiebebahnhof der Risiken per Target2, hin zu den DNLF-Zentralbanken, weg vom privaten Kapital, welches von Zentralbankgeld ersetzt wird. Hier nun anhand der italienischen Daten stellvertretend für die PIIGSBF-Zentralbanken dargestellt:

Die Entwicklung des Target2 Saldos der italienischen nationalen Zentralbank seit Januar 2001 bis Februar 2012 im Chart. Italien hielt lange Zeit relativ kräftige Forderungen, die aber seit Juli 2011 schlagartig zu Verbindlichkeiten kippten und im Februar 2012 -194,082 Mrd. Euro erreichten.

Die Entwicklung der Forderungen aus geldpolitischen Operationen (Kreditgewährung an italienische Banken) der Banca d’Italia seit Januar 1999 bis Februar 2012. Zum selben Zeitpunkt, ab dem der Target2 Saldo der Banca d’Italia ins Negative umschlug, explodierte auch die Kreditgewährung an die Banken. Zuletzt im Februar 2012 lagen die Forderungen der Banca d’Italia an die heimischen Banken aus den Refinanzierungsgeschäften bei 194,775 Mrd. Euro. Die jeweiligen Bankensysteme in der Eurozone müssen sich immer bei ihren nationalen Zentralbanken das benötigte Zentralbankgeld ziehen.

Die hohe Kreditgewährung an die Banken in Italien ist fast vollständig liquiditätswirksam und fließt über Target2 ab, demzufolge haben italienische Kreditinstitute keine relevante Überschussliquidität die absorbierend in der Einlagefazilität aufgefangen wird:

Die Entwicklung der Einlagefazilität der Banca d’Italia seit Januar 1999 bis Februar 2012 in Mrd. Euro im Chart. Im Februar 2012 lagerten italienische Banken Zentralbankgeld in Höhe von nur 1,513 Mrd. Euro in der Einlagefazilität. Termineinlagen italienischer Banken existieren bei der nationalen Zentralbank Italiens nicht.

Demzufolge entspricht die Kreditgewährung der nationalen italienischen Zentralbank fast der Nettoforderung gegenüber den Banken:

Die Entwicklung der Nettoforderungen der Banca d’Italia gegenüber den italienischen Kreditinstituten in Mrd. Euro seit Januar 1999 bis Februar 2012 im Chart. Im Februar 2012 betrug die Nettoforderung +193,262 Mrd. Euro!

Was die bisherigen Daten nur zu Deutschland und Italien bereits zeigen, die Liquiditätsbereitstellung bzw. die Kreditgewährung findet zwar über die jeweiligen nationalen Zentralbanken statt, dort wird das Zentralbankgeld geschaffen, aber es dient fast ausschließlich dazu, die Transaktionen im Target2 Zahlungssystem zu tätigen, zuvorderst steht dahinter privater Kapitalabfluss (Kapitalflucht) aus der Südperipherie! Die LTRO-Injektionen haben diese Entwicklung sogar noch beschleunigt, worauf die letzten Daten vom Wochenausweis des Eurosystems aus der Kalenderwoche 10 2012, inklusive dem LTRO2 Effekt, überzeugend hinweisen:

Die Entwicklung der Nettoforderungen aller nationaler Zentralbanken im Eurosystem gegenüber den Kreditinstituten in der Eurozone in Mrd. Euro im konsolidierten Wochenausweis ab der Kalenderwoche 53 im Jahr 1998 bis zur KW10 2012 im Chart. Was offenbaren diese Daten, nahezu unglaubliches, die Nettoforderungen des Eurosystems (Aktiva aus Position 5.0 abzüglich Passiva aus Position 2.2, 2.3, 2.4, 2.5 und 4) gegenüber den Kreditinstituten im Euro-Währungsraum betrugen im Februar 2012 “nur” +83,515 Mrd. Euro und damit sogar weniger als vor der Krise, siehe letzter Wochenausweis: Ecb.int/Konsolidierter Ausweis des Eurosystems zum 9. März 2012.

Dies heißt nichts anderes, als das der Großteil der Kreditgewährung, der Schaffung von Zentralbankgeld durch die nationalen Zentralbanken in Höhe von ausstehenden 1,118273 Billionen Euro (Pos. 5.0) in der Kalenderwoche 10 2012, auf der Aktiva-Seite der Bilanz im Eurosystem nicht liquiditätswirksam war und durch die Einlagefazilität (797,953 Mrd. Euro in der KW10 2012. Pos. 2.2), die Termineinlagen (219,500 Mrd. Euro. Pos. 2.3) und die Verbindlichkeiten aus dem Margenausgleich (17,305 Mrd. Euro, Pos. 2.5) auf der Passiva-Seite der Bilanz des Eurosystems absorbiert wurden. Die Nettoforderung des Eurosystems gegenüber den Kreditinstituten schmolz selbst im historischen Vergleich auf niedrige +83,515 Mrd. Euro ab. Die ungeheure Kreditgewährung aus den geldpolitischen Operationen an die Banken, am Ursprung der Zahlungsbilanzkrise in der Südperipherie der Eurozone, führt nicht zu einer erhöhten Kreditvergabe und damit zur Ankurbelung der Realwirtschaft, auch nicht zur Ankurbelung des Interbankenmarktes, sondern sie ist nicht liquiditätswirksam, denn sie dient nur einer Verbringung oder Übertragung von Zentralbankgeld (primär ausgelöst durch Kapitalflucht, alles über das Maß der Kompensation der Leistungsbilanzdefizite durch Zentralbankgeld hinaus) aus den Transaktionen via Target2 Zahlungssystem an die DNLF-Zentralbanken, die ihrererseits die zufliessende Liquidität wieder absorbierend im Eurosystem anlegen. Zuletzt (Januar/Februar 2012) betrugen die kumulierten Target2 Forderungen der DNLF-Zentralbanken +865,036 Mrd. Euro und die Target2 Verbindlichkeiten der PIIGSBF-Zentralbanken -817,326 Mrd. Euro.

Bei den Target2 Salden handelt es sich nicht nur um eine Umverteilung von bestehender Zentralbankliquidität innerhalb des Eurosystems, denn gleichzeitig explodieren auch die Bilanzen der nationalen Zentralbanken, gerade durch die LTROs angefeuert. Es wird also Zentralbankliquidität gleichzeitig exzessiv ausgeweitet und umverteilt! Auch eine weitere Fehlannahme ist weit verbreitet, natürlich stehen dieser Ausweitung der Forderungen der nationalen Zentralbanken, ob gegenüber anderen NZBs oder dort gegenüber den heimischen Banken keine adäquaten Sicherheiten gegenüber. Denn gäbe es diese Sicherheiten, bräuchte man die LTROs nicht und auch divergierende Target2 Salden würden sich nicht manifestieren, denn dann würde der Interbankenmarkt und damit privates Kapital die Finanzierung der PIIGSBF übernehmen.

Quellen Daten: Bundesbank.de/Datenbank, Bancaditalia.it/Datenbank, Sdw.ecb.europa.eu/EZB Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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48 KommentareKommentieren

  • Klaus Gettkant - 20. März 2012

    Wenn ich eine Forderung habe, dann ist die Kernfrage doch, wie werthaltig ist dieser Posten?
    Wieviel Rückstellungen muß die Bundesbank bilden?
    Welche Lösungsansätze gibt es?

    In meinem Bekanntenkreis kennt praktisch keiner den Begriff des Target2.Kurzum, es geht aufwärts und wir haben dank Merkel und Schäuble endlich eine Schuldenbremse. -:)

  • Michael S. - 20. März 2012

    Erschreckend schöner Artikel!

    Für alle Autoren (Faz, Handelsblatt, Wiwo, Spon, Zeit…) die hier querlesen schaut euch mal die letzte Grafik an. Hoffe ihr berichtet da mal drüber!

    Dass die NETTOFORDERUNGEN überhaupt so tief fallen können… Auf das System bezogen verwundert mich! Damit hätte ich erst zu einem späteren Zeitpunkt gerechnet, wenn die EZB massive Abschreibungen machen muss! 83 Milliarden wie kann das so tief sein?! Damit ist man ja unter 1999…

    Gruß Michael S.

  • Wolfgang - 20. März 2012

    Zu Euroausstieg: Die Frage ist, ob eine Bundesbank mit negativem Eigenkapital und verschuldet beim Bankensystem überhaupt geldpolitisch handlungsfähig ist. Eine Erhöhung der Mindestreserve für deutsche Banken scheidet aus, da dann gleichzeitig strickte Kapitalverkehrsbeschränkungen gegen ausländische Banken eingeführt werden müßten. Das würde aber einen bisher undenkbaren Austritt aus der satzungsgemäß globalisierten EU bedeuten.

  • Wolfgang - 20. März 2012

    Der Target2-Saldo spiegelt nicht nur das Leistungsbilanzdefizit bzw. die Kapitalflucht wider, sondern auch Bankenrettungen mittels Target2. Wie könnte sonst der Anstieg der Position 10.3 der Bank of Greece auf 57 Milliarden Euro erklärt werden?

  • Nepumuk - 20. März 2012

    Die Artikel hier auf Querschüsse sind ja schon immer auf einem Level gewesen welches
    WEIT über denen der sogenannten “Wirtschaftsjournalisten” lag.

    Aber dieser hier, hat selbst für Querschüsse eine Qualität erreicht die nochmals 2-3 Stufen über dem hier normalen Niveau liegt.

    Hut ab und vielen dank.

    Nepumuk

  • Benedikt - 20. März 2012

    Wenn es zu einer Währungsreform kommt, kommen die Ausländer an ihr Vermögen hier auch nicht unbegrenzt ran. Ein Massenexedus würde die Deutsche Währung abstürzen lassen, was durch Kapitalkontrollen verhindert werden muss. Das weit aus größere Problem ist der Zusammenbruch der Kapitalmärkte. Sehr viele Anlagemöglichkeiten wird es für das ganze Kapital in Deutschland nicht geben.

  • Jürgen Feiler - 20. März 2012

    Nehmen wir doch die oben angegebenen Zahlen noch ein wenig mehr auseinander und versuchen herauszufinden (spekulieren), wie die einzelnen Akteure in diesem Spiel möglicherweise reagieren. Ich beziehe mich auf den entscheidenden Absatz von oben:

    “Dies heißt nichts anderes, als das der Großteil der Kreditgewährung, der Schaffung von Zentralbankgeld durch die nationalen Zentralbanken in Höhe von ausstehenden 1,118273 Billionen Euro (Pos. 5.0) …”

    Nun, von den 1,118273 Billionen Euro (Pos. 5.0) sind ca. 1 Billionen in den LTRO’s mit einer Laufzeit von 3 Jahren. Es bleiben somit 118 Mrd. Euro an kurzfristigen Forderungen der Zentralbanken gegenüber den Geschäftsbanken übrig. Auf der anderen Seite stehen 800 Mrd. Euro aus Einlagefazilitäten dem gegenüber, also täglich kündbare Forderungen der Geschäftsbanken gegenüber den Zentralbanken. Für die Liquiditätssituation der Zentralbanken ist somit die letzte obige Grafik (EZB-Nettoforderungen an Kreditinstitute) vollkommen unerheblich (!!), sie stellt lediglich eine Solvenzgrafik, nicht eine Liquditätsgrafik dar. Es stellt sich somit aus Sicht der Geschäfsbanken die Frage, inwieweit der geneigte “Geschäftspartner” EZB in “Liquiditätsproblemen” steckt. Da es sich hier um die Zentralbank handelt, ist zwar das nominelle Liquiditätsrisiko des Geschäftspartners nicht gegeben, jedoch gibt es sehr wohl ein “opportunistisches Liquiditätsrisko”, das anhand von Währungswechselkursen ersichtlich werden wird. Anders ausgedrückt muss sich aufgrund dieser Zahlen jede Geschäftsbank mit Einlagefazilitäten beim EZB-System fragen, welche Szenarien dazu führen könnten, dass die anderen Banken beginnen, diese Gelder gegen andere Währungen (und welche?) einzutauschen. Ab diesem Moment werden wir einen modernen Bank-Run der besonderen Art erleben, nämlich entweder direkt den der Geschäftsbanken gegen die EZB oder denjenigen der Nichtbanken gegenüber der EZB via Geschäftsbanken. Im ersten Fall werden wir eine massive Währungsabwertung gegenüber stabilen Währungen sehen (welche das dann auch immer sein werden), im zweiten Fall werden wir eine Inflation durch Erhöhung der Geldumlaufgeschwindigkeit auf Vorkrisenniveau erleben. Im ersten Fall bleibt den Zentralbanken noch die Erhöhung des Mindestreservesätze, um eine Kapitalflucht der Geschäftsbanken zu verhindern. Im zweiten Fall fehlen aus bilanziellen Mitteln inzwischen jegliche (übliche) Mittel, eine Inflation zu verhindern. Es bleibt lediglich das Schließen der Geschäftsbanken oder die Quasi-Enteignung der privaten und Entschuldung der Staaten über Hyperinflation.

    Diesen Szenarios stehen derzeit 2 Dinge gegenüber: Geschäftsbanken können nicht massiv in Fremdwährungen fliehen, ohne massive Währungsrisiken auf sich zu nehmen. Daher wird dieses Szenario nur auf leisen Sohlen begangen werden. Sind die Beträge aufgrund der angeswchöagenen Bilanzen der Geschäftsbanken nicht allzu groß, wird es nicht zum Überschreiten des “Tipping-Points” kommen. Das Vertrauen der Menschen hingegen beruht auf Propaganda und Desinformation. Hier wird wahrlich beeindruckendes geleistet, wodurch es jedoch ebenso leicht wäre, zum geeigneten Zeitpunkt den “Startschuss” zu geben.

    Fazit: Das EZB-System wird lediglich durch das Vertrauen der Menschen bzw. ein Gleichgewicht des Schreckens zwischen Geschäftsbanken und Zentralbanken getragen. Ob dieses Vertrauen der Menschen aufgrund der Bilanzen noch gerechtfertigt ist. mag jeder für sich selbst beantworten. Das Gleichgewicht des Schreckens ist jedenfalls definitiv sehr labil. Ein externer Schock kann es sehr leicht aus dem Gleichgewicht bringen. Das muss nicht geschehen, wie wir aus den Zeiten des kalten Krieges wissen. Aber es sei darauf hingewiesen, dass ein Gleichgewichts-Störer dieses mal nicht sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, ja unter Umständen einen weltweiten Reset unter diesen Umständen sogar als vorteilhaft ansehen könnte.

    Wir sitzen hier in eine Achterbahn, von der weder wissen, wann sie richtig Fahrt aufnimmt, noch wissen wir, ob die Strecke zu Ende gebaut ist. VIel Glück an uns alle!

    • Andres Müller - 20. März 2012

      “Das Vertrauen der Menschen hingegen beruht auf Propaganda und Desinformation. Hier wird wahrlich beeindruckendes geleistet”

      Herr Feiler, das denke ich auch, es ist beeinduckend wie starkt das Vertrauen in die Fiat Money Währung Euro und US$ noch immer ist. Entgegen historischer Vertrauensverluste unterscheidet sich die Situation heute aber durch zwei wichtige Punkte, welche das Vertrauen wider Erwartung stabilisiert:

      - Grösseres Mediangebot zur Information der Bürger, bei aber gleichzeitig vielen sehr konträren Ansichten. Viele der Medien erhalten ihre Werbeeinnahmen von jenen Entitäten die kein Vertrauen mehr verdienen.

      - Die Automatisierung der Finanzströme durch Computer. Das verhindert dass sich die Unlogik des Zitronensozialismus auch direkt auf den Handel mit Geld auswirkt. Die Notenbanken müssen dazu nur immer mehr Mittel bereitstellen. Aber durch den Computerhandel erhält die Finanzmafia eine Schnittstelle welche das Verbrechen der Umverteilung vor den Augen der Menschen verbirgt -ethisch verwerfliche Geldströme werden durch die Anonymisierung via Computer vernebelt. Gleichzeitig erlaubt der Computer auch dass ein paar wenige Kapitäne das grosse Schiff bewegen können, dadurch erfahren nicht sehr Viele was tatsächlich im Hintergrund gespielt wird.

  • Bernd Klehn - 20. März 2012

    Wie bekommen wir mehr Licht in die ELAs, die als nationale NZB-Sondermaßnahmen außerhalb der Eurosystembilanz laufen und für die Krisenländer, Irland, Griechenland, Portugal und wahrscheinlich auch Spanien neben, den Open market Operations, den Eurosystemstaatsanleihenaufkäufen und den Rettungsschirmen zum wichtigsten Finanzierungsinstrument der Eurokrisenländer geworden sind.? Wer hat eine Idee?

    • dank - 20. März 2012

      “The Irish central bank basically created the money out of thin air in order to prop up the insolvent banking sector. It did so by negotiating a scheme called Emergency Lending Assistance (ELA) which the banks signed up to. The central bank then effectively created new money to the tune of €30.6bn and handed it over to the banks to keep them intact. The government then stepped in and issued IOUs called ‘promissory notes’. These promissory notes promised to pay back the newly created cash by about €3.1bn a year (give or take) – this included interest payments on the ‘debt’.

      These repayments are added to the government deficit at the end of every year. And as we know, the government is then forced to engage in austerity measures in order to reduce this deficit. Needless to say, if they had €3.1bn more ‘breathing room’ every year the austerity measures would not have to be so harsh.”

      http://www.nakedcapitalism.com/2012/03/philip-pilkington-the-irish-begin-to-wake-up-to-the-fact-that-they-are-repaying-money-that-is-then-burned.html

      “IOUs called ‘promissory notes’”

      Diese Schuldscheine/Solawechsel (vom Staat – denn wer haftet den sonst für die Schulden der NZB/Banken) oder wie immer diese sich unter dem Strich schimpfen sollten sich im Bilanzsystem wiederfinden, oder?
      Irgendwo muss das ja festgehalten werden, nicht?
      Oder wie werden die beim jeweiligen Staat festgehalten, da es ja einseitige Schuldscheine sind / sein können – damit haben die NZB vielleicht darüber ja gar nichts in den Bilanzen?!
      Muss der Staat hier nicht in irgendeiner Weise gegenzeichnen, wenn ja wer – wenn die NZBs die ELAs empfangen?

      Wahrscheinlich lauf ich da als Laie jetzt zu leicht in eine falsche Richtung… Dann einfach sorry und gut.

      • Bernd Klehn - 20. März 2012

        So kann die ELA-Konstruktion aufgebaut sein, aber sie kann auch ganz anders funktionieren. Wichtig wäre als ersten Ansatz alle ELAs der NZBs zu fassen zu bekommen.

        • dank - 20. März 2012

          Wo sind diese Whistleblower, wenn man die braucht? Ein Tipp wäre ja auch schon nett… ;-)

          • Bernd Klehn - 20. März 2012

            Bisher finde de ich eigentlich nur folgende wichte Einordnung der ELAs, der NZBs der EZB und des Eurosystems.

            http://www.competence-site.de/downloads/d2/73/i_file_335923/das_euro_rettungspaket_ela_und_warum_die_stabilitaet_des_euro_systems_gefaehrdet_sein_koennte.pdf

          • dank - 20. März 2012

            Danke!
            Wenn die EZB fertig hat und Geld von den NZBs als Nachschuss fordern würde und die könnten auch nicht, weil ebenso teils pleite, dann müsste der jeweilige Staat einspringen, der eigentlich Dank eigener Pleite bzw. Schuldenbremse und Co nicht darf?!

            Sollte dann der Staat nicht auch über die ELAs Bescheid wissen – also das liebe Bundesfinanzministerium? Oder wird der, der im Endeffekt das Risiko trägt außen vor gelassen?
            Sind die im Bundesfinanzministerium (jeweilig ländereigenen Ministerium für Finanzen) nicht dazu verpflichtet solche Daten offenzulegen (wenn auch geschickt in irgendeiner Statistik versteckt)? Werden dazu vielleicht eine Art Risikorücklagen gebildet?

  • Andres Müller - 20. März 2012

    Heute soll Timoty Geithner die Europär wieder mal dazu anhalten noch mehr für “rettungswilligen” Staaten zu unternehmen. Anhand der dargebotenen Grafiken frage ich mich worauf dieses “noch mehr” basieren könnte. Das Target-2 System scheint mir bereits jetzt im Turbo-Umverteilungsmodus zu arbeiten. Es geht dabei vergessen dass Target-2 nicht unendlich lange Einbahnstrasse vom Stier zum Bären sein kann und auch nicht sein darf. Heute Morgen ist mir noch aufgefallen, dass Morgan Stanley in London genau wie letztes Jahr zur selben Zeit massiv naked shorts auf Gold und vor allem Silber gehandelt hat. Damals ging das Gerücht um dass dieses Institut im Auftrag der FED damit den US$ stütze -da wurde Edelmetalle verkauft welche die Verkäufer gar nicht besitzen. Gestern zur selben Zeit decken sich die Verkäufe, nur waren sie heute noch kräftiger und vor allem sehr schnell. Solche Manipulationen durch JPMorgan geschehen nur dann wenn sich im Finanzsystem wieder mal was ungeheuerliches zusammengebraut hat. Daher bin ich gespannt was in den nächsten Tagen berichtet wird und vor allem welche Machenschaften noch durchgezogen werden um den Euro Kollaps zu verhindern ( wobei ich inzwischen glaube dass der US$ und der Euro durch die Devisen Swap Geschäfte aneinander im Schicksal gebunden sind). Es war doch so oder, die EZB-Liquidität basiert doch auf der Bilanzausdehnung der FED, oder etwa nicht?

    • Andres Müller - 20. März 2012

      sorry, ich habe mich verschrieben, nicht Morgan Stanley sondern JPMorgan Chase hat gehandelt mit naked shorts Silber.Gold, Platin zur selben Zeit.

      • Andres Müller - 20. März 2012

        zu meiner Aussage möchte ich noch einen Weblink hinzufügen:
        http://www.finews.ch/news/finanzplatz/7557-ex-fed-chef-paul-volcker-staatseingriffe-beim-gold-moeglich

        Daraus geht hervor dass man es getrost vergessen kann auf den Goldpreis zu schielen um daran irgend eine Krise ablesen zu können. Die Assage von Paul Volcker, dass staatliche Eingriffe beim Goldpreis stattfinden könnten um die Devisen zu stabilisieren sind hingegen der Beleg keinen zu grosse Erwartungen daran zu knüpfen dass der Staat bereit wäre irgendwelche Fluchtbewegungen aus Devisen zuzulassen. Die in Target-2 von Querschüsse dokumentierten Fluchttendenzen betreffen die Flucht von Geld von Bärennationen zu den Bullen. Ich bin mir recht sicher dass hier in absehbarer Zeit neue Regulierungen erfunden werden um auch das zu stoppen.

  • Vandermonde - 20. März 2012

    Ein interessanter Text der BIS (Bank für internationalen Zahlungsausgleich) zum Dezember 2011 und dem Thema LTRO.

    “Die Refinanzierungsbedingungen für europäische Banken verbesserten sich, als die Zentralbanken Anfang Dezember eine Reihe von Sondermassnahmen ergriffen. Bis dahin waren zahlreiche Institute nicht in der Lage gewesen, an den Anleihemärkten unbesicherte Mittel aufzunehmen, und die Kosten der kurzfristigen Refinanzierung waren auf Niveaus gestiegen, wie sie bisher nur im Krisenjahr 2008 übertroffen worden waren.
    [...]
    Als die Refinanzierungsprobleme der Banken einen Höhepunkt erreicht hatten, hatten sich die Befürchtungen verstärkt, dass es zu Zwangsverkäufen von Vermögenswerten, Kreditverknappungen und einer konjunkturellen Verlangsamung kommen könnte.”

    http://www.bis.org/publ/qtrpdf/r_qt1203a_de.pdf
    (http://www.bis.org/list/bis_publications/lang_de/index.htm)

    • Andres Müller - 20. März 2012

      Herr Vandermonde, dies betraf die Reduktion um 50 Basispunkte für Devisenswap Geschäfte zwischen US$ und Euro, die Banken in Europa konnten sich somit günstiger mit dieser Währung versorgen. Diese “Entspannung” ist bis heute sichbar, ebenfalls bildete dies die Grundlage zum darauf folgenden Kursfeuerwerk an den Börsen.
      http://www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/grosse_notenbanken_fluten_globale_finanzmaerkte_mit_geld_1.13468265.html
      http://fingfx.thomsonreuters.com/2011/11/21/09451597d2.htm

      Doch diese Geldfltung hat ihren Preis, denn damit steigt ja nicht nur die Vermögensskala weiter an, vielmehr auch die Verschuldung im Umkehrschluss. Das wäre nicht so schlimm, wenn die Verschuldung geschehen würde um Wachstum bei der Realwirtschaft zu generieren. Hier sieht es nun aber so aus dass die FED nicht umhin kommen wird ein weiteres QE zu starten. Egon von Greyerz sagte in einem Interview mit CNBC: «In den ersten fünfzig Jahren des 20. Jahrhunderts wurden in den USA mit jedem geschaffenen Dollar ungefähr fünf Dollar an wirtschaftlichem Wachstum generiert. In den letzten elf Jahren präsentiert sich ein anderes Bild: Für jeden Dollar wurden gerade einmal sechs Cents an BIP-Wachstum kreiert»,

      Mit anderen Worten, um Wachstum zu generieren sind ständige Verdoppelungen an Liquidität notwendig -oder das Finanzsystem bricht in sich zusammen wie ein Kartenhaus aus brennenden Papieren.

  • Wolfgang - 20. März 2012

    Bei Irland mach die “Other Assets” per 31.12.2010 etwa 51 Mrd. Euro aus. Auch wohl Bankenrettung. Macht zusammen mit Griechenland mindestens 108 Mrd. Euro Bankenrettung im Targetsaldo.

  • anon - 20. März 2012

    Nun wissen endlich alle was Target2 ist, wie es funktioniert etc., ist es ein Problem? Ursache? Symptom? und wichtiger die Frage nach der Alternative. Wie sehe es den ohne die Bilanzausweitung der ZB aus?
    Grenzüberschreitender Zahlungsverkehr währe innerhalb der Eurozone, außer mit dem Koffer voller Bargeld, unmöglich. Fast alle Banken wären insolvent, deren Staaten die ihre Staatsschulden bei explodierenden Zinsen nicht mehr prolongieren könnten genauso.
    Ohne Target2 gäbe es keine Währungsunion und wahrscheinlich auch keine EU, ganz einfach. Damit ist es auch keine Option für Großindustrie und EU-Politiker/Beamte irgendetwas dagegen zu unternehmen.
    Bleibt nur zu hoffen, dass auch der Letzte erkennt, das es sich um eine Zahlungsbilanz- und kein Staatsschuldenkrise handelt und entsprechend wählt, damit fiskalpolitisch sinnvollere Entscheidungen getroffen werden können. Aber vermutlich ist den Rechten bei steigenden Transportkosten ein chinesisches Griechenland lieber.

    • Bernd Klehn - 21. März 2012

      Jede Währungsunion, mit starken Leistungsbilanzungleichgewichten und erheblicher Nettoauslandsverschuldung einzelner Mitglieder muss in eine Krise geraten. Diese mündet im letzten Stadium, vor der Insolvenz dieser Mitglieder, in massiver Kapitalflucht privater aus- und inländischer Kapitalanleger. Die Währungsunion kann dann nur noch entschieden, ob sie diese Anleger ziehen lässt, in dem sie Liquidität durch Target2, Staatsanleihenkäufe und Rettungsschirme bereit stellt und somit die unvermeidliche Insolvenz verzögert, oder dem Wunsche des Kapitalmarktes entsprechend die sofortige Insolvenz zulässt, an der dann entsprechend die privaten in- und ausländischen Privatanleger anstatt der Steuerzahler der solventen Währungsmitglieder beteiligt sind. Eine Währungsunion darf niemals sehr starke Leistungsbilanzungleichgewichte und Nettoauslandsschulden zulassen. Hier lag und liegt der Fehler des Eurosystems.

  • Wolfgang - 21. März 2012

    Bei Target handelt es sich um Zahlungsverkerhssystem, das derzeit als Kreditsystem mißbraucht wird. Die Rückführung der Schulden wäre leicht möglich: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/05stp/_stp?item_link=stp132.htm Und letztlich muß gelten, ein Land das nicht zahlen kann, sollte auch nichts kaufen.

  • POPPER - 21. März 2012

    Hallo Steffen,

    Ein einseitiges Leistungsbilanzdefizit ist das nicht, sondern ein Ungleichgewicht in den Bilanzen. Wenigstens das müsste man doch klar auseinander halten. Man kann nicht einfach die Notenbanken insgesamt nicht als voneinander getrennte Institutionen sehen, sondern als Einheit. Denn, aus dem Ungleichgewicht folgt ja zunächst gar nichts. Es kann auch bis dato davon ausgegangen werden, dass die europäische Währungsunion nicht untergeht. Zumindest gibt es keine belastbaren Anzeichen. Die Tendenz, die mit solchen Begrifflichkeiten einhergeht ist eindeutig, ändert aber nichts an der Tatsache, dass mit den Target2-Vorgängen (Unausgeglichenheit) faktisch eine Funktionalität erzwungen wird, die für ein Finanzierungssystem notwendig ist. Die Alternative wäre Eurobonds oder die EZB als Lender of last Resort.

    • Querschuss - 21. März 2012

      Hallo Popper,
      “”Ein einseitiges Leistungsbilanzdefizit ist das nicht….” , habe ich nirgendwo geschrieben!
      “…aus dem Ungleichgewicht folgt ja zunächst gar nichts.” ja ganz sicher, die Erde ist eine Scheibe.
      “Es kann auch bis dato davon ausgegangen werden, dass die europäische Währungsunion nicht untergeht.” bis dato bedeutet noch lange nicht TINA!

      Gruß Steffen

  • Fragezeichen - 21. März 2012

    Zur Banknotenhortung (auch im Ausland werden von der Bundesbank emittierte Euro-Banknoten gehortet) habe ic h diesen Link gefunden.

    http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/mba/2011/201101mba_auslandsumlauf.pdf

  • WOLFGANG - 21. März 2012

    Natürlich kann man die EZB als Einheit sehen. Doch sie ist es nicht, weil es Leistungsunterschiede zwischen den Nationen gibt, weil die Nationen unterschiedlich viel Schulden machen, weil Bürger ihre Gelder fluchtartig von einer Nation zur anderen bringen, weil bestimmte Nationen ihre Banken retten, indem sie Geld drucken, weil Nationen Geld nach außerhalb Europa schaffen. Und das allen zu Lasten der Deutschen Bundesbank.

  • Bernd Klehn - 21. März 2012

    @ POPPER

    “Denn, aus dem Ungleichgewicht folgt ja zunächst gar nichts.”

    Aus andauernden Ungleichgewichten folgte immer etwas. Während des Goldstandards ging dem Einen das Gold aus, bei dem Anderen sammelte es sich, Währungsschlangen und Währungsunionen zerbrachen, Währungen wurden auf und abgewertet, der grenzüberschreitende Handel kam zum Erliegen usw. usw.

  • WOLFGANG - 21. März 2012

    Die EZB kann nur funktionieren, wenn sie hohe Anforderungen an die eingereichten Sicherheiten hat. Wenn sie diese jedoch hat, dann können bestimmte Länder nicht mehr zahlen. Und das akzeptiert unsere “Elite” nicht. Also werden unsere Sparer gemolken.

    • POPPER - 21. März 2012

      Ich habe in dem offenen Brief von Olaf Sievert an Prof. Sinn eine Passage gefunden. Die sagt eigentlich alles:

      “Der Notenbankkredit im Zusammenhang mit einem Zahlungsbilanzdefizit ergibt sich nicht aus dem Target2. Daraus ergibt sich bloß, dass man Geld, das man hat, gleichviel ob man es verdient, gespart oder von irgendwem geliehen bekommen hat, auch für Auslandsgüter ausgeben kann. Oder dass man es im Ausland aufbewahren kann. Und wenn es das Target2 nicht gäbe, müsste man ein anderes Zahlungssystem haben, das letztlich das gleiche zustande bringen müsste, wenn auch unsinnigerweise etwas umständlicher, etwas weniger perfekt. Die Gegner vonTarget2 müssen den Eindruck vermeiden, sie wollten ein weniger perfektes Zahlungssystem, weil jeder Mangel an Perfektion wie ein Handelshemmnis wohltuend dem beklagten Leistungsbilanzdefizit entgegenwirkt. Das wird jedermann in Abrede stellen wollen. Trotzdem wird manchmal der Eindruck erweckt, als solle man ein internationales Zahlungssystem so ausgestalten, dass mit der Ausführung der Zahlungen die Pflicht zum Ausgleich der Zahlungen – Ausgleich der Zahlungsbilanz – (in bestimmter Frist) verbunden wird. Das ist absolut inakzeptabel.”

  • Querschuss - 21. März 2012

    Hallo Popper,
    “Der Notenbankkredit im Zusammenhang mit einem Zahlungsbilanzdefizit ergibt sich nicht aus dem Target2.” Was für ein Geschwülze, der Notenbankkredit ergibt sich aus den getätigten Transaktionen via Target2, die wiederum als Saldo das Ergebnis der Zahlungsbilanz sind, also aus Leiszungsbilanz und Kapitalbilanz.

    Fließt den Banken z.B. Italiens per Saldo mehr Geld ab, als ihnen zufließt, entsteht bei der BUBA eine Forderung und bei der Banca d’Italia eine Verbindlichkeit. Die Target2 Verbindlichkeit der italienischen Zentralbank ersetzt die schwindenden Einlagen der italienischen Banken bei der Zentralbank.

    Auf der Aktiva-Seite der italienischen Zentralbank steigt die Kreditgewährung an die Banken, denn die benötigen Zentralbankgeld um den Zahlungsaufträgen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr (primär Kapitalflucht) nachzukommen.

    Ist im Artikel alles harrgenau beschrieben und mit Charts argumentativ unterlegt. Dein Geschreibe interpretiere ich als vorsätzliches Missverstehen.

    Das Zitat von Olaf Sievert ist relativ platt bzw. ein Allgemeinplatz und umschifft den Fakt das den Bankensystemen der Südperipherie mehr Geld abfließt als ihnen zufließt und dieser Zustand auf Dauer unhaltbar ist. Es geht nicht mehr darum ob es in einer bestimmten Frist zu einem Ausgleich der Zahlungsbilanz kommt, sondern die Wahrscheinlichkeit tendiert bereits gegen Null das überhaupt jemals die Target2 Salden zurückgeführt werden können.

    Ansonsten hat Bernd Klehn die Situation perfekt kommentiert: “Jede Währungsunion, mit starken Leistungsbilanzungleichgewichten und erheblicher Nettoauslandsverschuldung einzelner Mitglieder muss in eine Krise geraten. Diese mündet im letzten Stadium, vor der Insolvenz dieser Mitglieder, in massiver Kapitalflucht privater aus- und inländischer Kapitalanleger. Die Währungsunion kann dann nur noch entschieden, ob sie diese Anleger ziehen lässt, in dem sie Liquidität durch Target2, Staatsanleihenkäufe und Rettungsschirme bereit stellt und somit die unvermeidliche Insolvenz verzögert, oder dem Wunsche des Kapitalmarktes entsprechend die sofortige Insolvenz zulässt, an der dann entsprechend die privaten in- und ausländischen Privatanleger anstatt der Steuerzahler der solventen Währungsmitglieder beteiligt sind. Eine Währungsunion darf niemals sehr starke Leistungsbilanzungleichgewichte und Nettoauslandsschulden zulassen. Hier lag und liegt der Fehler des Eurosystems.”

    Gruß Steffen

  • POPPER - 21. März 2012

    Hallo Steffen,

    was mich an Deiner Argumentation enttäuscht ist die permanente Verlagerung des Streitgegenstandes. Du musst dich schon entscheiden, ob Du über Target2-Salden reden willst, die mit dem Schöpfen von Buchgeld zu tun haben oder über Kapitalflucht privater Anleger. Im Übrigen bewegt sich das Geld innerhalb der Währungsunion und ein Euro bleibt immer ein Euro, egal wo er sich innerhalb der Währungsunion befindet. Insofern beharre ich nicht auf vorsätzlichem Missverstehen, sondern bemängle das völlige Durcheinander der Argumentationslinien. Vielleicht würde hier das Abstraktionsprinzip weiterhelfen. Man kann nicht nach Belieben einfach alles mit allem verbandeln, ohne Gefahr zu laufen seine Analyse ins Leere laufen zu lassen.

    Der Hinweis von @ Bernd Klehn: “Aus andauernden Ungleichgewichten folgte immer etwas.” ist eine schlichter Zirkelschluss, dessen Erkenntniszuwachs gleich null ist. Wobei zudem das “immer etwas” über ein Behaupten nicht hinauskommt. Und das ist einfach zu wenig. Ich bleibe dabei, das Target2-System wirft erst bei einem Scheitern der Währungsunion Fragen auf, die völlig offen sind. Wie das dann zu lösen sein wird, muss dahingestellt bleiben. Der von Dir u.a. hier quasi postulierte Automatismus bleibt ein unbewiesenes Szenarium von vielen.

    • Querschuss - 21. März 2012

      Hallo Popper,
      ich lasse dich mit deiner Enttäuschung alleine. Mein Ziel ist gewiß nicht die Diskussion in der Endlosschleife. Alles relevante was ich zu sagen hatte, steht im Artikel.

      Gruß Steffen

    • Jürgen Feiler - 22. März 2012

      “Ich bleibe dabei, das Target2-System wirft erst bei einem Scheitern der Währungsunion Fragen auf, die völlig offen sind.”

      ja sicher, is klar…

      Fahren 2 Leute im Auto mit 200 auf ‘ne Wand zu. Sagt der eine: “Könnte vielleicht sinnvoll sein, der Wand auszweichen.” Sagt der andere: “Ich bleibe dabei, das actio-reactio-Prinzip wirft erst bei einer nicht mehr weiter fortzuführenden Richtungsinsistenz Fragen auf, die völlig offen sind”

      Mein Tipp: Schnall Dich ab und bau den Airbag aus, dann ist der Leidenweg nicht allzu lange!

    • Bernd Klehn - 22. März 2012

      @Popper

      Die Konsequenzen ergeben sich aus der Saldenmechanik. Zu diesen Salden zählt auch Target2. Sind Salden (Defizite) zu groß, will der Gläubiger sie bereinigt wissen und sie müssen entsprechend zurückgeführt werden, so einfach ist das. Kann der Schuldner diese nicht durch Leistungsbilanzüberschüsse oder Finanzmarktgewinne bereinigen, muss der Gläubiger, dieser ist nun mal mittlerweile durch Traget2, Staatsanleihenkäufe und Rettungsschirme die öffentliche Hand der solventen Euroländer, diese abschreiben und kann sie nicht ewig fortschreiben, weil ansonsten der Wirtschaftskreislauf zum erliegen kommt, dieser kann dann nur durch einen Neustart, Insolvenz, wieder in Gang gesetzt werden. So einfach ist dieses. Eine Währungsunion hat darauf zu achten, dass diese Ungleichgewichte erst gar nicht auftreten. Hier liegt die Tragik des Eurosystems inkl. Target2; ELA usw. diese zu fördern und somit das Eurosystem selber zu zerstören. Übrigens die Zinsen in Spanien und Italien steigen schon wieder kräftig. So allmählich ist auch das Pulver des letzten Langzeittenders verschossen.

      http://www.pigbonds.info/

  • Wolfgang - 22. März 2012

    Eigentlich stellen sich nur zwei Fragen:

    Auf welcher Rechtsgrundlage schöpft die EZB Geld durch Einschaltung wenig solventer Banken und besichert mit geringen Sicherheiten?

    Wer haftet für die dadurch entstandenen Schäden?

    • POPPER - 22. März 2012

      Hallo Wolfgang,

      die EZB gehört nicht den Staaten, sondern den nationalen Notenbanken. Weder für die EZB noch die nationalen Notenbanken gilt das Kreditwesengesetz. Sie sind Anstalten des öffentlichen Rechts. D.h. beide haben auch kein Stammkapital und können soviel Schulden ansammeln, wie sie wollen, sodass auch kein Staat kein Kapital nachschießen muss. Gewinn- und Verlustrechnung einer Zentralbank ist daher auch grundsätzlich von den Bilanzen der Geschäftsbanken zu unterscheiden. Insofern muss auch der Steuerzahler nicht zwingend für die Schulden aufkommen. Denn die EZB könnte ohne Probleme einen Kredit bei sich selbst aufnehmen.

      • Wolfgang - 22. März 2012

        Die EZB hat den Kredit nicht bei sich selbst, sondern bei der Bundesbank aufgenommen, die nun das Ausfallrisiko trägt.

        • POPPER - 22. März 2012

          Das ist doch Wurscht! Weder die EZB noch die BUBA übertragen das Ausfallrisiko zwangsläufig auf den Steuerzahler.

          • Wolfgang - 22. März 2012

            Ich schlage vor, dass Sie Ihr ganzes Geld auf eine Zahl beim Roulette setzen. Es ist nicht zwangsläufig, dass Sie alles verlieren – aber doch sehr wahrscheinlich.

          • Jürgen Feiler - 23. März 2012

            @Popper

            Ich verweise hier auf meinen ersten Kommentar weiter oben. Es ist eben gerade nur dann “Wurscht”, wenn man der Nominal-Illusion erliegt. Die von Ihnen genannte “Wurscht” hat zwei Enden: Inflation und Währungsabwertung. Auf eine dieser 2 Enden werden wir zusteuern, an beiden Enden steht die Quasi-Enteignung der Bürger.

  • Wolfgang - 22. März 2012

    Aus Sicht der Bundesbank stellen sich zwei andere Fragen:

    Auf welcher Basis darf die Bundesbank der EZB unbegrenzten und unbesicherten Kredit geben, obwohl das Engagement in der Satzung der EZB auf den Kapitalanteil und die übertragenen Devisenreserven beschränkt ist?

    Wer haftet für die daruch entstandenen Schäden?

  • Bernd Klehn - 22. März 2012

    @ POPPER

    “Das ist doch Wurscht! Weder die EZB noch die BUBA übertragen das Ausfallrisiko zwangsläufig auf den Steuerzahler.”

    Wer soll denn sonst für die Nettoauslandschulden von Portugal, Irland, Spanien und Griechenland, Länder mit den prozentual weltweit höchsten Schuldenständen über 100% und insolvent, aufkommen? Nachdem sich die aus- und inländischen Privatanleger mittles Traget2, ELAs; Staatsanleihenkäufe und Rettungschirme vom Acker machen konnten?

    • anon - 23. März 2012

      Die Gläubiger, indem sie bei Schuldnern einkaufen/investieren. Das funktioniert aber nicht wenn fiskalpolitisch die Volkswirtschaft durch bedingungslosen Sparzwang gegen die Wand gefahren wird.

  • Wolfgang - 24. März 2012

    Der Target-Saldo ist noch nicht bei der Obergrenze angelangt. Die Defizit Länder versuchen nun, alle Schulden in Target zu ziehen. Deshalb sollte alles versucht werden, um die Entwicklung zu stoppen. Anstonen wird Ende des Jahres die 1 Billion und mehr überschritten

  • Carsten Böhmer - 25. März 2012

    Danke für den großartigen Artikel, besser aufbereitet habe ich das Thema nicht gefunden.

    Ich will mal versuchen, das Fazit etwas weniger komplex auf zu bereiten.

    Target ist ein Clearingsystem, es funktionert als solches, es gewährleistet einen reibungslosen Zahlungsverkehr indem es von den Teilnehmern als risikolos anerkannt wird.

    In einer idealen Welt würden am Ende einer zeitlichen Periode alle Salden durch Warenströme gecleared und alle Teilnehmer würden zufrieden gestellt heraus gehen. So haben es sich die Gründer gedacht. So stellen es sich die Verfechter unter dem Komentatoren auch weiter vor. In Artikel wird sehr klug und wohlrecherchiert dargelegt, das dies keine ideale Welt ist.

    In der realen Welt waren private und institutionelle Anleger im vergangenen Jahrzehnt bereit, die Verbindlichkeiten der südlichen Peripherie dem Eurosystem ab zu kaufen. Auch so konnte das Clearingsystem funktionieren. Die Buba war am Ende des Tages clear, sie hatte echtes Geld statt großer Versprechen auf die Zukunft ihren Bilanzen. Die Halter glaubten an die perfekte Welt, in der Verbindlichkeiten am Ende ihrer Frist bezahlt werden. Ein Irrtum wie sich zeigte. Sie standen am Ende einer Periode ohne Ausgleich da, sie hielten wertloses Papier in den Händen.

    Nun finden sich keine Anleger mehr, die dem Eurosystem die ideale Welt glauben würden. Wie auch? Wie soll eine Zukunft aussehen, in der es den Griechen gelingt, Handelsbilanzüberschüsse zu fabrizieren mit denen sie die Versprechen einlösen, die sich gerade in der Bilanz der BUBA anhäufen?

    Wer an der derzeitigen Praxis von Target festhalten möchte, muss die folgende Frage beantworten können: wer soll das bezahlen? Und wann?

    In einer realen Welt wird kein Marktteilnehmer bereit sein, immer weiter Verbindlichkeiten an zu häufen wenn er nicht absehen kann, ob und wann er diese eingelöst bekommt. Ein Clearinghouse zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass es den Teilnehmern verspricht, am Ende einer zeitlichen Periode wieder alle Zahlungen gecleared zu bekommen. Wer wird also wann die griechischen Verbindlichkeiten bezahlen, die in dem obigen Graphiken immer nur größer werden?

    Niemand wird behaupten können, dass ein Austritt aus der Eurozone keine Option wäre. Und niemand wird annehmen können, dass Griechenland am Abend vor der Einführung seiner neuen Drachme Bargeld zur Befriedigung der Targed Schulden auf den Tisch der EZB legen wird. Also existiert ein Risiko, dass diese Schulden nicht bedient werden. Oder auch nicht bedient werden können. In einer ideale Welt hat ein Clearinghouse keine größeren bilanziellen Verbindlichkeiten und es gibt kein Risiko, dass es diese nicht bedient bekommt. Der Artikel zeigt: unsere Welt ist keine ideale Welt.

    Nun stellt sich natürlich die Frage, was könnten Alternativen sein. Wie kann man diese Entwicklung aufhalten?
    Natürlich, für die Verfechter der idealen Welt ist die Antwort schnell gegeben: mit grandiosem Wirtschaftwachstum in Griechenland und Co wird es dem Süden schon bald möglich sein, die Handelsbilanzungleichgewichte um zu kehren und den Norden mit Waren und Dienstleistungen zu überschwemmen. Klar, die Griechen und Italiener müssten sich bei diesem Exportboom gegen China bei dem Industrieprodukten und gegen Nordafrika bei den Urlaubsdienstleistungen durch setzen. Realitäts-Check, Freunde. Hat das in den vergangenen 20 Jahren funktioniert? Wollen wir das überhaupt? Schließlich würde dieser Exportboom ja auch vielleicht Arbeitsplätze in Deutschland kosten. Zeichnet sich eine solche Entwicklung irgendwo ab? Gibt es glaubhafte Konzepte so etwas zu initieren?

    Realistischer scheint mir zum Beispiel die folgenden Einschätzung. Wenn wir aufhören, Griechenland weiter mit wie auch immer benannten “Krediten” bei Laune zu halten wird sich wirtschaftlich unabhängig machen. Natürlich, das wäre ein nationaler Kraftakt für Griechenland – aber das wäre das Abbezahlen der angehäuften Schulden wohl auch. Und es wäre natürlich ein herber Schlag für die EU-Partner. Aber wird das die Griechen davon abhalten, ihr Heil in der Unabhängigkeit zu suchen?

    Und: Was ist eigentlich wenn das klappt? Was wenn ein Austieg die Griechen beflügelt, wenn sie beginnen, auch Opfer auf sich zu nehmen um ihr Land wieder auf zu bauen, zu organisieren? Was, wenn nach einer Chaosphase von ein paar Monaten Urlaub in Griechenland wieder schön ist und viel günstiger als in Spanien oder Italien? Wer mag es den Lenkern in Portugal, Spanien und Italien dann verdenken, wenn man auf ähnliche Ideen kommt. Das wäre dann der Exitus, der alle aufgestauten Target-Salden in Frage stellen würde.

    Jedes Ungleichgewicht strebt irgendwann nach Ausgleich. Das ist nicht nur ein ökonomisches Gesetz. Das gilt auch zwischen Menschen, Gruppen und Völkern. Der Euro ist angetreten, um Frieden und Verständigung auf unseren durch Kriege immer wieder so geschundenen Kontinent zu bringen. Auch hier treffen wir auf einige Vorstellungen, die vielleicht nur in der idealen Welt gelten.

    Natürlich, als 2002 ein junges Paar aus Erfurt in Neapel seinen Cappuchino mit Euro bezahlt hat, war etwas wirklich neues etabliert, was es vorher nie gab. Vielleicht mag sich das Gefühl bei den beiden und dem Kellner mit “Ebenbürdigkeit” beschreiben lassen: ein Austausch von Service und Geld unter Gleichgestellten. So sieht Frieden aus, so haben sich die europäischen Vordenker den Euro erdacht.

    Seit dem haber sich reale und ideale Welt eher auseinander gelebt und wenn ein ähnliches Paar heute in Athen seinen Kaffee bestellt dürfte sich ein anderes Gefühl einstellen. Athen erinnert durch die nicht fertigen Gebäude eher an eine Baustelle (man muss in Griechenland weniger Steuern bezahlen, wenn man ein Stockwerk nicht fertig baut), der Cappuchino ist eher doppelt so teuer wie im nun renovierten Erfurt und die Gastfreundschaft der Griechen gegenüber Deutschen dürfte auch etwas weniger herzlich ausfallen. Und die Sonne scheint auch in Ägypten, in der Türkei in Kalifornien und an vielen anderen Orten der Welt.

    Wenn ich diesen Gedanken zuende bringe, bekomme ich Angst. Nein die Target-Salden sind nicht nur ein kompliziertes Randthema für kauzige Ökonomieprofessoren. Hinter der großartig aufbereiteten theoretischen Materie dieses Artikels von Querschuesse.de steht die Frage, wo Europa und seine Menschen hin steuern werden. Die Frage, wie wir in 10 Jahren miteinander umgehen werden.

    Die Gründungsväter der europäischen Idee hatten eine große Vision, das Konstrukt, das sie uns hinterlassen haben, hat Mängel. Wir werden diese Mängel ansehen und uns Lösungen einfallen lassen müssen. Wenn wir weiter darauf bestehen, dass es in einer idealen Welt keine Probleme mit den Target Salden geben wird, werden wir bald eines besseren belehrt werden.

    Der Author dieses Kommentars lebt als Mitarbeiter einer amerikanischen Bank und freier Psychotherapeut in Berlin.