U.S. Unternehmen: “Cash and Liabilities”

von am 1. April 2012 in Allgemein

Gastbeitrag von Hajo

In mehreren Veröffentlichungen las ich dieser Tage, die U.S. Unternehmen hätten per Q4/2011 die enorme Cash-Summe von 3700 Mrd. USD angesammelt . Dieser Betrag erscheint in der Tat imponierend. Dummerweise stehen diesem jedoch Schulden in Höhe von fast 14000 Mrd. USD (fast 100 % des aktuellen offiziellen BIP) gegenüber, davon rund 4940 Mrd. aus Unternehmensanleihen. Die durchschnittliche Debt/Cash Ratio lag bei 3,78.

 

In der Bilanz des größten U.S. Aluminiumproduzenten Alcoa per Q4/2011 stehen 1,94 Mrd. USD an “Total Cash”, jedoch 9,37 Mrd. USD an “Total Debt”. Hier lag die die Debt/Cash Ratio bei 4,83. Es gibt fraglos eine ganze Reihe von U.S. Unternehmen, die über enorme Netto-Cash-Bestände verfügen, allen voran APPLE, GOOGLE, AMAZON, MICROSOFT, IBM, EXXON, McDonalds … Diese Unternehmen sind global tätige Large Cap Unternehmen. Das Debt/Cash Ratio des Large Cap Unternehmens ALCOA dürfte die Debt/Cash Ratio des breiten Marktes im NYSE COMPOSITE INDEX (ohne SPX-Werte) und im NASDAQ COMPOSITE INDEX (ohne NDX-Werte) mE völlig unzureichend reflektieren. Mid Cap und insbesondere Small Cap Unternehmen haben aktuell erhebliche Solvenzprobleme, da die Banken Geschäftskredite hier nur sehr “selektiv” vergeben.
Am Anleihenmarkt können sich weitgehend nur Large Cap und manche Mid Cap Unternehmen refinanzieren. Und diese sind durch die Bank diejenigen, die relativ gesehen die wenigsten Arbeitsplätze in den USA neu schaffen.

In Q4/2011 hatten alle Geschäftsbanken an Commercial & Industrial Loans (Kredite für Handels- und Industrieunternehmen) saisonal unbereinigt 60,7 Mrd. USD verliehen. Am Hoch von 2011 waren es noch rund 90 Mrd. USD gewesen.

In Q4/2011 betrug der saisonal unbereinigte Durchschnitt aller “Low Risk” Unternehmenskredite seitens der Banken 616 Mio. USD.

Aber wie viele Unternehmen dürften wohl aktuell noch als “low risk” eingeschätzt werden? Daten über Bankkredite für “medium risk” und “high risk” Unternehmen gibt es keine. Warum wohl nicht?

Quelle Charts und Daten: Research.stlouisfed.org/Datenbank Fred2

Gastbeitrag von Hajo

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14 KommentareKommentieren

  • Thorsten Eckau - 1. April 2012

    Kleine Anmerkung (oder Bitte um Berichtigung, wenn ich mich irre):

    “…Unternehmen haben aktuell erhebliche Solvenzprobleme, da die Banken Geschäftskredite hier nur sehr “selektiv” vergeben.”

    Solvenz ist doch bestenfalls mittelbar an der Kreditvergabe (oder eben nicht) ablesbar, keinesfalls aber führen fehlende Kredite zu Solvenzproblemen. Wenn ich solvent bin, aber trotzdem kein Geld von der Bank für einen Invest bekomme, bleibe ich solvent. Ich gehe ohne Kredite vielleicht in die Insolvenz, aber nicht wegen der fehlenden Kredite, sondern weil ich vorher bereits insolvent war (zu wenig Geschäftstätigkeit und Ertrag für meine Fremdfinanzierungen und daher nicht mehr (weiter) kreditwürdig.

    LIQUIDITÄTSprobleme kann man bekommen, weil man keine Kredite erhält. Solvenzprobleme rühren m. E. aber nicht von fehlenden Krediten her, nur umgekehrt.

    Ansonsten übrigens besten Dank für den Artikel!

    • Bernd Rickert - 1. April 2012

      Die Solvenzprobleme sind möglicherweise auf den Verlust von Eigenkapital in Form von abgestürztem Immobilienvermögen zurückzuführen, in deren Folge die Geschägtstätigkeit und Ertrag gesund geschrumpft worden sind. Der Mangel an Sicherheiten bleibt jedoch erhalten.

      • Georg Trappe: - 2. April 2012

        Der Mangel an Sicherheiten kann auch durch Aushoehlung, gleich Aufpolieren der Kennzahlen geschehen, die den Boersenwert steigern. Beispiele:
        Verkauf von Immobilien die zurueck gemietet werden
        Leveraged Buyouts bei denen stille Reserve gehoben werden
        Fremdfinanzierte M&A’s zur Hebung von Synergien
        Diese so auf return on invstment, return on assets, return on equity getuned Rennpferde sind aeusserst fragil. Zwar steigt der shareholder value, = Aktienkurs aber diese Unternehmen werden sehr krisenanfaellig und begeben sich so in die Haende der Banken. Im Fall einer Krise ist es dann alleine in der Macht der Banken, zu entscheiden was geschieht. Meistens wird dann die Vergabe von Krediten, an die Bedingung von weiteren “Restrukturierungsmassnahmen” geknuepft, die immer auf eine Erhoehung der Kapitalintensitaet und eine Reduzierung der Lohnkosten relativ zum Umsatz hinaus laeuft.

  • der-oekonomiker - 1. April 2012

    Kurz und prägnant dargestellt, aber nicht wirklich eine Überraschung. Das System fkt. doch überall nach dem gleichen Prinzip: Maximale Gewinne so lange es geht für das oberste 1% der Vermögenspyramide, am Ende werden die angehäuften Verluste “abgeschrieben”, heißt “sozialisiert”. Das Wort benutzt natürlich in den USA noch niemand, bisher verbirgt sich für die Amerikaner dahinter kommunistisches Gedankengut. Vielleicht wird ja dafür noch ein neues Wort erfunden. Egal, das Ergebnis ist immer gleich. Damit dieses System noch lange so weitergeht, hauen die Amis munter auf uns Europäern rum (was sie sinnigerweise als gute Ratschläge preisen), infiltrieren die Schaltstellen der Macht in Europa rücksichtslos mit “ihren” Leuten von Goldsax und lassen halbwegs vernünftige Pläne zur Begrenzung der Bankenmacht durch ihre europ. Brückekopf-Staaten blockieren. Warum haben wir nur in Europa keinen Bruce Willis, der denen mal zeigt, wo’s lang geht?
    Nicht die Menschen in Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien sind die Nutznießer des deutschen Vermögens, die werden nur als wehrlose Komparsen in einem Schauspiel benutzt, in dem die Vermögensumverteilung nur auf die Spitze getrieben werden soll.
    Wie sonst ist es zu verstehen, wenn den Bürgern Europas allein von 2008 bis 2010 mehr als 1 600 Milliarden Euro (= 13% der gesamten Wirtschaftsleistung aller 27 EU-Staaten), also 1,6 Billionen Euro, für die Rettung von Banken aufgebrummt worden sind. Warum dann noch die wochenlange Aufregung über die als GR-Rettung versteckten Bankenhilfen von 130 Mrd. Euro? Das ist doch nur Futter für die dt. Leitmedien. In diesem Zusammenhang noch der Hinweis, daß alleine Deutschland wieder rund 450 Mrd. Euro für die Rettung seiner Banken bereit stehen hat.
    Die Krise in Europa ist noch nicht zu Ende, selbst wenn Jörges das schon am 01.03.2012 im “Stern” verkündet hat (“lustiger” Beitrag des Herrn). Da ist er ja einig mit dem it. Technograten Mario Monti, der vor 2 Tagen bei seinem Besuch in Japan die Finanzkrise in Europa für beendet erklärt hat. In Wahrheit stehen wir immer noch ganz am Anfang. Selbst wenn bei GR jetzt erst einmal ein wenig Ruhe herrscht: Portugal, Spanien, Italien, Frankreich sind die nächsten Ziele der Spekulanten (Märkte gibt es schon lange nicht mehr!). Weitere Opfer stehen schon bereit: Holland und Dänemark kommen gerade in Not. Auslöser die Banken, nicht die Eurohilfen.

  • Bernd Rickert - 1. April 2012

    Die rote Trendlinie 1965 – 1985 im 2. Chart Corporate Bonds zeigt einen langfristigen sehr optimistischen Trend. Was danach kommt sieht ziemlich abgehoben aus.
    In total value of loans wird dann deutlich, dass sich die Finanzindustrie nie wirklich von dem Platzen der Internetblase erholt hat, die nur durch die Immobilienblase substituiert wurde. Die Buchgeldverluste der Internetblase wurden damit ausgeglichen.

    Erfahrungsgemäss reissen Spekulationsblasen dieser Grössenordnung die ganze Wirtschaft mit. Meines Erachtens legen die Unternehmen, die es sich leisten können, deswegen massive Cash-Reserven an um sich gegen das Platzen von Spekulationsblasen zu schützen.
    Ein Fehlschluss, denn bei den Spekulationsblasen handelt es sich nicht um das künstliche Aufblähen eines Produktes, sondern um das künstliche Aufblähen von Geldvolumina.
    Wirtschaftswissenschaftlern folgend müste mindestens ein Staubkorn als Spekulationsobjekt eine Spekulationsblase auslösen. Andererseits ist eine Spekulationsblase an sich kein Produkt. Das Staubkorn macht nicht den Inhalt der Blase aus, sodass es für die Blasenbildung auch nicht unbedingt notwendig ist. Eine sich selbst finanzierende Geld-aus-Geld-Blase oder kurz inhaltslose Finanzierungsblase (seit 1985) gewinnt genauso an Volumina und wird dementsprechend auch genauso platzen.
    Das ist nun wohl der Punkt vor dem wir stehen. Die Obergurus der privaten Anleger sind mitsamt ihrer Gefolgschaft aus dem Kreditgeschäften ausgestiegen und überlassen es den Steuerzahlern das Platzen der Blase zu verhindern, die immer noch immer schneller immer grösser wird.

    Dem Dank Thorsten Eckaus für die gute Arbeit schliesse ich mich an.

    • Bernd Rickert - 1. April 2012

      Jetzt muss ich doch noch korrigieren:
      Bis heute ist für mich ungeklärt, wie das Platzen der Internetblase direkt oder indirekt den US-Staatshaushalt belastet hat.

  • Ergo Sum - 1. April 2012

    @ hajo:
    Der unversteuerte “Cash” der globalisierten US-Großunternehmen sitzt aber zum großen Teil im Ausland, während die Verschuldung der Firmen im Inland sitzt. Falls sie Cash repatriieren wollten, wären Steuern fällig.
    Gruß, Ergo

    • Georg Trappe: - 2. April 2012

      Es gibt relativ wenige reiche Unternehmen, denen Cash aus den Ohren quillt. Wenn diese nicht als Dividende ausgeschuettet werden oder zum Rueckkauf von Aktien eingesetzt werden landen sie auf Konten der Banken. Diese reichen sie gehebelt! via der Kapazitaet zur Geldschoepfung u.a. an die weniger erfolgreichen Unternehmen in Form von Krediten weiter. So entsteht obiges Bild. (Vielen Dank dafuer Hajo.) . Es entsteht aber auch ein beschleunigter Konzentrationsprozess, der die Risiken der Banken verdichtet. Die Struktur der Bankbilanz veraendert sich zunehmend in Richtung, grob vereinfacht, wenige grosse, “sichere” Habenkonten auf Seite der Passiva und viele wacklige hochriskante Schuldkonten auf Seite der Aktiva bei staendig wachsender Bilanz. Das Problem dabei ist, wenn einer der Grossen den Schnupfen bekommt, dann haben viele Kleine die Grippe und die Bank zerreist es.
      Daher die ganzen Klimmzuege mit CDSs und Instrumenten der Risikoverschiebungen aka “Risikomanagement”. Leider wird dabei einer der ersten Saetze in jeder Grundlagenvorlesung zur Wahrscheinlichkeitsrechnung ignoriert, der Unabhaengigkeit! der Einzelereignisse fordert.
      Diese ist wegen des Ansteckungspfads Schnupfen / Grippe und der zunehmenden Abhaengigkeit vieler Kleiner von wenigen Grossen nicht gegeben.
      Ich habe mal versucht es mit Hilfe eines mathematischen Modells zu erklaeren.
      http://fettaugensyndrom.blogspot.com/
      Wenn im Zuge eines Zinserhoehungszyklus der Kurzfristige Zins ueber den langfristigen gehoben wird (Bernanke 2006, 2007) oder durch eine Krise auf Seiten der Passiva die Grossen dann noch ihre Liquiditaetspreferenz erhoehen, also von langfristig auf kurzfristig umschichten und gleichzeitig auf Seiten der Aktiva die “risikolosen” Forderungen (Staatsschulden) von den “Maerkten” aka Ratingagenturen in Grund und Boden geschossen werden, dann laeuft das ab, was wir seit dem erleben. Es ist auf allen Ebenen, Individuen, Firmen, Staaten immer und ueberall das Gleiche.

      Viele Gruesse
      Georg Trappe

  • Bernd Rickert - 2. April 2012

    Hallo Georg,
    auf dem verlinkten Blog ist in dem Beispiel mit einer 1000 Population gerechnet. Ich bin kein grosser Wirtschaftswissenschaftler. Was bei mir aus der Rechnung nicht hervorgeht, sind die Kreditketten, die aus einem Kredit hervorgehen.
    Wenn ein Kredit vergeben wird, wird dieser ja nicht zu 100% abgerufen und dem Bankensektor entzogen, sondern verbleibt im Bankensektor, sodass das Geld aus dem Kredit nochmals verliehen werden kann.
    Beispiel: Ein Kreditnehmer nimmt eine Hypothek auf ein Haus auf und kauft davon einen Swimmingpool und eine Garage. Die Hypothek wird peu à peu just in time mit dem Fortschritt des Bauvorhabens ausgezahlt, sodass das auf der Bank verbliebene Geld nochmals verliehen werden kann. Sonst wäre es faules Kapital, das nur nutzlos herumrumliegt. Doch auch mit der Bezahlung der Rechnung für den Swimmingpool oder der Garage landet das Geld wieder im Bankensektor, sodass es für weitere Kredite zur Verfügung steht, obwohl die erste Hypothenk noch läuft. So wird meines Wissens ein € derzeit 19mal bis 20mal verliehen, was zu einer Aufblähung der Bilanz führt. Das Geld wird um ein Vielfaches in eine Schuldpapierwährung gewechselt, die aber 1:1 + vielfachen Zinsen zurückgezahlt werden soll.

    das Geld existiiert doch nicht.

    • Georg Trappe: - 3. April 2012

      Hallo Bernd,
      ich denke kein Wiwi zu sein ist ein enormer Vorteil. Ich versuche mal ein paar Dinge zum Thema Banken u. Geldschoepfung, soweit ich sie verstanden habe, zu erklaeren. Ich lasse dazu die Zentralbanken zunaechst aussen vor. Ich betrachte daher auch nur Buchgeld und kein physisches Geld, was nur von Zentralbanken ausgegeben werden kann. Wichtig ist, dass eine Bankbilanz immer ausgeglichen sein muss. D.h. Aktiva = Forderungen der Bank und Passiva = Einlagen muessen! immer! den gleichen Betrag haben. Damit das deutlich wird makiere ich Aktiva mit einem Minuszeichen und Passiva mit einem Pluszeichen, was unueblich und nicht fachmaennisch ist, aber dem Verstaendnis meiner Meinung nach hilft. Ich lasse auch ersteinmal Mechanismen, die die multiple Geldschoepfung der Geschaeftsbanken begrenzen sollen aussen vor, betrachte aber zwei Banken A u. B, um den Unterschied der sog. aktiven und passiven Geldschoepfung verdeutlichen zu koennen.

      Bank A hat eine Eroeffnungsbilanzsumme von 100. Ebenso Bank B. D.h. Auf Seite der Passiva wird eine Eigenkapitaleinlage von (+)100 und auf Seite der Aktiva eine (Bar)Reserve von (-)100 verbucht. Nun nimmt Bank A die Geschaeftstaetigkeit auf und vergibt einen Kredit von 100 an Kunden A zu 5%. Sie tut dies nicht!, indem sie ihr Eigenkapital aus der Hand gibt. Sie tut das auf der Tastatur ihres Computers, indem sie fuer Kunden A zwei Konten eroeffnet. Eins auf Seite der Aktiva (-)100 und eins auf Seite der Passiva (+)100. Die Bank hat jetzt also eine Forderung von 100 gegen Kunde A in den Buechern und gleichzeitig eine genauso grosse Einlage des Kunden A auf dessen Girokonto. Die Bilanzsumme betraegt jetzt 200 und ist ausgeglichen. Diesen Vorgang nennt man aktive Geldschoepfung. Wenn die Zinsperiode zu Ende ist, werden 5% Zinsen wie folgt verbucht. Auf der Seite der Aktiva wird das Konto von Kunde A mit 5 belastet auf Seite der Passiva das Eigenkapital der Bank um 5 erhoeht (unter der vereinfachenden Annahme, dass der Gewinn aus Zinsdifferenzgeschaeften ohne durch Kosten gemindert zu werden durch die Gewinn und Verlustrechnung laeuft und nicht als Dividende ausgeschuettet wird. Aber auch bei Kosten z.B. durch Zahlung von Loehnen oder bei Gewinnausschuettung per Dividende landen die 5 auf Seite der Passiva). Diese Zinsbuchung ist also ebenfalls eine aktive Geldschoepfung denn die Bankbilanz hat sich auf 205 verlaengert.
      Auf Seiten er wirtschaftlichen Akteure, in diesem Fall Kunde A und Bank A steht also der volle Betrag zur Verfuegung, nur muss Kunde A wirtschaftlich aktiv werden, um die 5 von der Bank zu bekommen, damit er irgendwann die Zinsen zahlen kann. Wir halten ihm dabei die Daumen.
      Richtig Interessant wird die Sache wenn Kunde A mit den 100 auf seinem Girokonto z.B. ein Haus bei Bauunternehmer B bezahlt. Dann landen die 100 auf der Passiva Seite naemlich auf dem Girokonto von Kunde B. Die Bilanz ist immer noch gleich gross. Auch an der Forderung der Bank gegen A hat sich nichts geaendert, nur die “Verteilung” auf Seite der Passiva hat sich veraendert. Bauunternehmer B war wirtschaftlich erfolgreich aktiv und hat ein Girokonto mit (+)100 und Kunde A muss erst noch beweisen, ob er es schafft durch seine Aktivitaeten die Forderung der Bank zu erfuellen. Sie sehen also es ist im Prinzip immer! genug Geld da, um die Bankbilanz auszugleichen, nur ist es zunehmend ungleich verteilt. Das wollte ich mit dem mathematischen Modell verdeutlichen.
      Um nun noch den Vorgang der sog. passiven Geldschoepfung zu erklaeren, lassen wir Baunternehmer B sein Girokonto bei Bank B fuehren. Das heisst Kunde A ueberweisst seine 100 auf ein Konto von Herrn B bei Bank B. Damit sind ersteinmal beide Bankbilanzen schief.
      Bank A hat eine Forderung von inzwischen 105 gegen Kund A in den Buechern ohne eine entsprechende Einlage auf Seiten der Passiva zu haben und Bank B geht es umgekehrt. Sie hat eine Einlage in Hoehe von 100 auf dem Konto von Bauunternehmer B und keine entsprechende Forderung auf Seiten der Aktiva in den Buechern. Hier kommt nun der Interbankenmarkt ins Spiel auf dem Bank B nun einen Kredit in Hoehe von 100 anbietet und Bank A einen Kredit von 100 sucht. Wenn die beiden zusammen kommen, ist alles wieder ausgeglichen und Bank B hat eine Forderung gegen Bank A in den Buechern und Bank A eine entsprechende Einlage von Bank B verbucht. Allerdings hat dabei ein Vorgang stattgefunden der passive Geldschoepfung genannt wird. Denn durch die Ueberweisung von Bank A nach Bank B musste die Geldmenge wachsen um die Bilanzen ausgeglichen zu halten und zwar um den Kredit den Bank B nun Bank A gegeben hat. Wenn derartige Zahlungsstroeme im Mittel ausgeglichen sind, dann ist das eher kein Problem. Aber die Target2 Debatte zeigt, dass dies nicht immer der Fall ist und massive Ungleichgewichte ausgeloest durch Kapitalflucht oder lange andauernde hohe Leistungsbilanzungleichgewichte sich dann in den Bankbilanzen niederschlagen und bei einem gestoerten Interbankenmarkt nur noch durch Schoepfung von Zentralbankgeld ausgeglichen werden koennen.
      In dem von mir erstellten Modell ist bewusst kein Ausgleichsmechanismus enthalten, um die Notwendigkeit und die ueber Zeit massiv ansteigenden Anforderungen an einen solchen Mechanismus zu verdeutlichen. Wenn er nicht existiert gehen Banken Pleite und wenn er existiert dann sind es oeffentliche Institutionen, wie die Zentralbanken, die die Loecher stopfen und die damit verbundenen Risiken tragen muessen. Leider bestehen keine anderen Alternativen im System und der ganze Weihrauch und Nebel der sog. Wirtschaftswissenschaften ist eher dazu angetan dies zu verschleiern, als es klar und deutlich als eines der Kernprobleme unseres Wirtschaftssystems zu benennen.
      Es existiert eine Troika von fundamentalen Denkfehlern, die katastrophale Folgen hat.
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/01/die-troika-der-neoliberalen-denkfehler.html
      Dummerweise ist es so, das selbst als progressiv geltende und Nobelpreis dekorierte sog. Wirtschaftswissenschaftler diese Probleme und ihre fatale Tragweite nicht sehen koennen oder wollen. Sie wissen offenbar noch nicht einmal wie das Bankensystem funktioniert.
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/03/krugman-vs-keen.html
      Die Frage der Begrenzung der Kapazitaet zur Geldschoepfung der Geschaeftsbanken habe ich jetzt aussen vor gelassen, da ich mir nicht ganz sicher bin, ob die offizielle Theorie, die Begrenzung sei durch Mindestreserven und Anforderungen ans Eigenkapital gegeben, zutreffend ist. Es gaebe noch viel mehr dazu zu sagen, aber ic hoffe das hilft erstmal die grundlegenden Dinge zu verstehen.
      Viele Gruesse
      Georg Trappe

  • Hajo - 3. April 2012

    @Bernd Rickert – Kommentar vom 02. April

    Du sprichst hier die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, speziell der Geldmenge M1 an. Hier der Link zum Chart der Umlaufgeschwindigkeit der US-Geldmenge M1:

    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/M1V?cid=32242

    Per Q4/2011 betrug die Ratio 7,1, eine deutliche Kontraktion seit dem Hoch von 2008.

    Die Umlaufgeschwindigkeit der US-Geldmenge M2 hat sich seit dem Hoch bei 2,13 in 1997 auf 1,6 in Q4/2011 reduziert, der niedrigste Wert seit Beginn der Datenreihe auf dem gleichen Level wie 1965.

    MfG
    Hajo

  • Georg Trappe: - 4. April 2012

    @Hajo
    Die Vorstellung vom geschlossenen Geldkreislauf und die Tautologie der Quantitaetstheorie ist etwas was dem Verstaendnis des Problems ein stueckweit im Wege steht. Denn da ist das bankensystem nur eine Durchreichestation. Das Bankensystem kann die Geldmenge Dank Kapazitaet zur Geldschoepfung per Kreditvergabe erhoehen/verringern. Die Aenderung der Geldmenge also deltadebt addiert sich zu Loehnen und Gewinnen und erzeugt so zusaetzliche bzw. bei schrumpfender Geldmenge abnehemende Nachfrage. Dies ist der Fall, weil die Anpassung der Umlaufgeschwindigkeit um die Quantitaetengleichung zu erfuellen ein dynamischer! Vorgang ist, der nicht in unendlich kurzer Zeit erfolgen kann. Das ist der Punkt, den Steve Keen u.a. macht. Was Steve Keen aber auch uebersieht, ist dass das Bankensystem wie eine semipermeable Membrane wirkt, wo sich auf der einen Seite der Bilanz (Passiva) ein Konzentrationsvorgang abspielt und auf der anderen Seite (Aktiva) etwas ganz anderes und so ein massives Konzentrationsgefaelle entsteht. Diese Diskrepanz der Struktur auf den beiden Seiten der Bilanz ist inzwischen so gross geworden, dass der interne Mechanismus (Eigenkapital der Bank haftet bei Ausfall einer Forderung) nicht mehr funktioniert, weil die Bank dann ausradiert wuerde (too bog to fail). Die “Loesungen” die noch offen bleiben, sind, den Ausgleich durch Institutionen mit “unendlichem Eigenkapital” = Zentralbanken mit unbegrenzter Geldschoepfungskapazitaet vornehmen zu lassen und/oder die Bilanzen ” zu schrumpfen, womit wir wieder bei Steve Keen waeren, denn das letztere bedeutet Nachfrage Zusammenbruch und der direkte Weg in die Deflation mit allen ihren Folgen, wie sie seit der Weltwirtschaftskrise im vergangenen Jahrhundert bekannt sind. Beides loest aber nicht wirklich das Konzentrationsgefaelle auf und die inherente Tendenz des Systems Wirtschaft dieses staendig wachsen zu lassen wird dadurch auch nicht behoben.
    Der Neoliberalismus und seine vollkommen verfehlte Wirtschaftspolitik hat dieses Problem auf die Spitze getrieben, da staatliche Massnahmen des kontinuierlichen!!! Ausgleichs, die das Konzentrationsgefaelle auf einem produktiven bis ertraeglichem Niveau halten, immer mehr zurueck gedraengt wurden. Die Bildung der Fettaugen auf Seiten der Passiva wurde befeuert und die Risiken auf Seiten der Aktiva staendig erhoeht (s.o.). Und das auf allen Ebenen.
    Auf der Ebene der Individuen, durch Abbau von sozial Transfers, auf Ebene der Firmen durch masssive und einseitige Foerderung der Global Player und National Champions und auf der Ebene der Staaten durch Golbalisierung, Abbau von Handelsschranken und Bildung von Waehrungsunionen, in denen schwaechere Volkswirtschaften keine Chance gegen die Exportweltmeister haben.
    Und die Tragik ist, dass der zentrale Punkt, wo sich das Problem entsteht und sich am deutlichsten manifestiert, naemlich das Bankensystem, nicht verstanden ist und garnicht in den sog. Wirtschaftswissenschaften beachtet wird. Weder die dynamischen Eigenschaften des Systems sind hinreichend verstanden, noch die massiven Strukturaenderungen auf mikroskopischer Ebene mit ihren verheerenden Auswirkungen in den Bankbilanzen und damit dann auch auf makroskopischer Ebene.

    Viele Gruesse und noch mal vielen Dank fuer alle diese guten Artikel die mit Fakten die Auswirkungen dieses nichtverstehen wollen oder koennen belegen und sichtbar machen.
    Georg Trappe

  • Georg Trappe: - 4. April 2012

    Hier noch ein Artikel der die Tragik mehr als verdeutlicht:

    http://rwer.wordpress.com/2012/04/03/who-is-right-krugman-or-keen-or-and-9-central-bank-economists/

    Leider haben auch Keen und seine Mitstreiter die staendig fortschreitenden Konzentrationsprozesse und die semipermeable Wirkung der Banken nicht auf ihrer Rechnung