UK mit nur +0,2% Wachstum

von am 26. Juli 2011 in Allgemein

Einen ersten schwachen Rückblick auf das Wirtschaftswachstum im 2. Quartal 2011 lieferte heute Großbritannien. Die Wirtschaft büßte ordentlich an BIP-Tempo ein und wuchs  nur noch mit schwachen +0,2% zum Vorquartal. Auch zum Vorjahresquartal ging es nur noch um +0,7% aufwärts. Laut der ersten BIP-Schätzung des Office for National Statistics (ONS) für das Bruttoinlandsprodukt, welche zunächst nur die Entstehungsrechnung betrachtet, also die Bruttowertschöpfung (Produktionswert-Vorleistungen) der Wirtschaftsektoren, verlor vor allem die breit gefasste Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe). Die Bruttowertschöpfung sank dort um -1,4% zum Vorquartal und zum Hoch in Q4 2007 betrug der Einbruch der Bruttowertschöpfung der breit gefassten Industrie noch bemerkenswerte -11,8%. Nicht wirklich verwunderlich für eine Blasen-Ökonomie mit angehängter Realwirtschaft!

Die Bruttowertschöpfung im gesamten Dienstleistungssektor stieg dagegen um +0,5% an (nur noch -1,7% zum Hoch in Q1 2008), insbesondere und passend zum Gesamtbild, zog der Teilsektor im Bereich Business Service and Finance, also bei den unternehmensnahen Dienstleistungen und Finanzen an und wuchs um die zweithöchste Rate aller Sektoren mit +0,7% zum Vorquartal. Der Bereich Business Service and Finance ist der stärkste Untersektor der britischen Volkswirtschaft und trägt zu 31% der gesamten Bruttowertschöpfung in UK bei!

Die Entstehungsrechnung des BIPs mit der Bruttowertschöpfung der einzelnen Sektoren, in Prozent jeweils zum Vorquartal.

Die Entwicklung des britischen BIP-Wachstums in Prozent zum Vorquartal seit Q1 1990 im Chart. In Q2 2011 wuchs das BIP um schwache +0,2%, nach +0,5% in Q1 2011 und -0,5% in Q4 2010. Zum Hoch in Q1 2008, gemäß der Entstehungsrechnung des BIPs, liegt die Bruttowertschöpfung aller Sektoren noch um -3,85% in Q2 2011 zurück.

Das britische Statistikamt, ONS, gibt das BIP in der ersten Schätzung leider nur als verketteten Volumenindex der Bruttowertschöpfung heraus, so das nicht erkennbar ist um wie viel das nominale BIP preisbereinigt wurde, nur dies ist wichtig um beurteilen zu können, ob die BIP-Preisbereinigung wirklich adäquat war, da ansonsten bereits eine Rezession vorläge.

Noch etwas fällt sofort ins Auge wenn man die Entstehungsrechnung ansieht, die Bruttowertschöpfung des Governments (Staat), als nicht Marktproduzent und damit im weitesten Sinne die Summe der Kosten (Ausgaben) des Staates, trugen nicht zum Wachstum des BIPs gegenüber dem Vorquartal bei, blieben aber unverändert. UKs Premier David Cameron und seine Verlautbarungen kann man genauso wenig ernst nehmen, wie die von Obama und vielen anderen Politikern. Vollmundig seit dem Wahlkampf und der Amtsübernahme kündigte er immer wieder die Sanierung des Staatshaushalts an. Bis dato ist von Sparen keine Spur, denn der Volumenindex der Bruttowertschöpfung des Staates liegt mit 103,3 Indexpunkten nur um -0,09% unter dem Allzeithoch und dies war im Vorquartal Q1 2011, deshalb auch aufgerundet mit 0,0% zum Vorquartal.

Im 2. Quartal 2011 lag die Neuverschuldung der öffentlichen Haushalte bei 39,168 Mrd. GBP nur um -0,1% bzw. um -370 Millionen GPB unter der des Vorjahresquartals. Wirklich Sparen sieht wohl ganz anders aus:

Die Entwicklung der monatlichen Neuverschuldung des General Governments seit Januar 2000 bis Juni 2011 in GBP im Chart. Im Juni 2011 betrug die Nettokreditaufnahme aller öffentlichen Haushalte 13,984 Mrd. GBP, nach 16,618 GBP im Vormonat.

Die brutalstmöglichen Staatshaushaltssanierer im britischen Königreich generierten in den letzten 12 Monaten bis Juni 2011 festhaltenswerte 141,7 Milliarden GBP Nettokreditaufnahme der öffentlichen Haushalte und trotzdem steht die Wirtschaft am Einfallstor zur Rezession! Was für ein Armutszeugnis! Wenn die Briten wirklich sparen, landen sie wie Griechenland in der Rezession/Depression! Kapitalismus bedeutet Kredit und billig verfügbare Energie, ohne diese Komponenten droht der Absturz. Dies soll kein Plädoyer für Neuverschuldung sein, nur die kapitalistische Triebkraft und der Teufel zugleich, der Kredit, lässt sich nicht mit Sparen zähmen, denn der Kredit bricht sich unaufhaltsam Bahnen in einen immanenten Wachstumszwang. Organisiert man auf hohen Verschuldungsleveln kein Wachstum droht eine sich selbstverstärkende Abwärtsspirale.

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes des Staates laut ONS, inklusive dem Effekt aus den eingegangenen Verpflichtungen durch die staatlichen Interventionen im Finanzsektor, seit Januar 2000 bis Juni 2011 im Chart. Der Bruttoschuldenstand des Staates stieg im Juni 2011 auf 2,276 Billionen GBP, dies entsprach 149,3% des nominalen BIPs! Die “temporären” Effekte bestehen nun schon seit Juli 2008.

Gemäß Maastrichtkriterien meldete UK 2010 an Eurostat eine Neuverschuldung von 148,9 Mrd. GBP, dies entsprach 10,2% des nominalen BIPs. Der berichtete Bruttoschuldenstand des Staates (ohne die Bankenbeteiligungen) betrug 1,1058 Billionen GBP bzw. 76,1% des nominalen BIPs. Wir erinnern uns der Referenzwert fürs Staatsdefizit laut Maastricht betrug 3% und für den Bruttoschuldenstand 60%.

Trotz fast griechischer Verhältnisse bei der Neuverschuldung verhätschelt der Kapitalmarkt den Schuldner UK:

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger UK-Staatsanleihen seit Januar 1989 im Dailychart. Heute lag die Rendite bei nur 3,071%. Dem angelsächsischen Patienten gelingt es immer noch der Intensivstation bar jeder Datenlage zu entkommen.

Reloaded: UK weitet Handelsbilanzdefizit aus

Quellen Daten: Statistics.gov.uk/ONS: GDP Growth UK output increases by 0.2%, Statistics.gov.uk/ONS: GDP Datenbank, Statistics.gov.uk/ONS: Public Debt Datenbank, Statistics.gov.uk/PDF: Economic review July 2011, Statistics.gov.uk/PDF: Gross domestic product
preliminary estimate

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40 KommentareKommentieren

  • Marcito - 27. Juli 2011 Antworten

    Interessant

    Danke steffen

  • flo - 27. Juli 2011 Antworten

    Die Briten haben halt noch ihr Pfund Sterling. Sie werden die Druckerpressen weiterlaufen lassen, bis das Pfund der Wirtschaftskraft der Insel entspricht. Es wird keinen Bankrott geben, das wissen die Bondmärkte. Wir alle sollten Dankesbriefe an Gordon Brown schrieben, dass er den Euro damals verhindert hat. UK wäre ansonsten nach Irland der nächste Bailout Kandidat.

    Wobei die Vorstellung, dass die Engländer in Brüssel um Almosen betteln müssen das Geld fast schon wieder wert wäre. Stellt euch mal den britischen Boulevard vor, wenn Merkel Forderungen stellt. Haushaltsweisungen aus Berlin, was für eine Gaudi..:-)

  • Joe - 27. Juli 2011 Antworten

    Also Freunde,

    Erstens: Wie die britische Regierung erklärt, liegt die Schuld am Wetter

    http://www.welt.de/wirtschaft/article13508810/Das-Wetter-frisst-das-britische-Wachstum-auf.html

    Zweitens wird demnächst das Wirtschafts-BIP mit dem Glücks-BIP ersetzt, denn Wohlstand und Glück korrelieren nicht notwendigerweise(z.B. tibetische Mönche usw.)

    http://www.welt.de/wirtschaft/article5541210/Ein-Wirtschaftsprofessor-findet-die-Gluecksformel.html

  • Joe - 27. Juli 2011 Antworten

    Und so lässt sich das Glücks-BIP steigern: ein bisschen Ballett…

    Wer Burnout bekämpfen will, muss am Arbeitsplatz anfangen. Nach diesem Motto fördern viele Konzerne die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Längst ziehen auch kleinere Firmen mit. Sie reduzieren den Stress im Job mit teilweise skurril anmutenden Ideen – so wie der Marzipanhersteller Niederegger.

    Zwischen 10 und 15 Minuten dauert die Prozedur pro Schicht. Und sie findet regelmäßig statt – ob morgens oder nachmittags, ob Winter oder Sommer. “Manche Mitarbeiter fanden die Gymnastik anfangs lächerlich, aber die ist nicht trivial”, sagt Petra Wischnewski. Sie ist Betriebsratsvorsitzende und hat das etwas seltsam anmutende Bandarbeiter-Ballett gemeinsam mit der Geschäftsführung und dem Lübecker Gesundheitsamt ins Leben gerufen.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,776633,00.html

  • Karl Napp - 27. Juli 2011 Antworten

    Alles im grünen Bereich. Es war doch die königliche Hochzeit, die das Wachstum gebremst hat (so jedenfalls die Statisikbehörde UK)

  • M.E. - 27. Juli 2011 Antworten

    Ach Leute!
    Immer wieder die Mär, ein Land, das sich in eigener Währung verschuldet, könne nicht pleite gehen.
    Hunderte Fälle von Staatspleiten kennt die Wirtschaftsgeschichte von Ländern, die in eigener Währung verschuldet waren. Praktisch JEDE Staatspleite der Vergangenheit war eine Pleite von in eigener Währung verschuldeten Ländern.
    Eine Pleite tritt dan ein, wenn entweder
    1. -die Zinslast untragbar wird, oder
    2. -wenn sich nicht mehr genügend Käufer für die Anleihen finden (was ja dann im Allgemeinen zu Punkt 1 führt, da immer höhere Zinsen geboten werden müssen, um doch noch Käufer zu finden).
    Soviel dazu.

    Großbritannien kann einem schon Sorgen machen, nicht nur wegen der völlig in Richtung Finanzwesen deformierten Wirtschaft, der realwirtschaftlichen Schwäche und dem zügig zurückgehenden fossilen Jackpot.
    Sorgen macht mir auch die gesellschaftliche Entwicklung. Früher generierte die sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppe sozialen Widerstand in Form recht schlagkräftiger Gewerkschaften.
    Heute speisen sich aus dem sozialen Niedergang vieler Menschen vor allem 2 recht unappetitliche Gruppen:
    1. eine immer breiter werdende rassistsiche Bewegung,
    2. zahlreiche Jugendgangs, die in manchen Vierteln der großen Städte sozusagen die Herrschaft übernommen haben, wie in mehreren TV-Dokumentationen recht anschaulich gezeigt wurde.

    Soll die soziale Spaltung, die ja eigentlich aufklärerisch-progressiven Kräften Auftrieb verleihen sollte, in Zeiten des Niedergangs des Westens nur noch übelriechende gesellschaftliche Eiterbeulen produzieren?
    Gestern gab es 2 sehr aufschlussreiche Sendungen im TV:
    einmal die Entwicklung der Tea-Party, gesteuert hauptsächlich von den beiden Koch-Brüdern, jeder von den beiden etwa 21 Milliarden Dollar schwer. Vor Demagogie und religiösem Fundamentalismus nur so triefend.
    Und dann eine lange Sendung über Joan Baez, die zusammen mit Martin Luther King, Bob Dylan und anderen für eine Antikriegsbewegung, für Bürgerrechte und soziale Rechte friedlich kämpfte – ganz im Sinne der besten Traditionen der Aufklärung.

    Der wirtschaftliche Niedergang verursacht offensichtlich auch einen gesellschaftlichen Niedergang.

  • MagnaBavaria - 27. Juli 2011 Antworten

    ME: “Der wirtschaftliche Niedergang verursacht offensichtlich auch einen gesellschaftlichen Niedergang.”

    Man könnte es auch anders herum sehen… Das berühmt berüchtigte Henne Ei Problem ;)

  • Joe - 27. Juli 2011 Antworten

    flo: “Stellt euch mal den britischen Boulevard vor, wenn Merkel Forderungen stellt. Haushaltsweisungen aus Berlin, was für eine Gaudi..:-)”

    Noch besser…

    Schäuble droht Problemstaaten mit Stimmrechtsentzug. Der Finanzminister will Länder dafür bestrafen, wenn sie gegen den Stabilitätspakt verstoßen. In einem Interview mit dem “Stern” denkt er laut darüber nach, Schuldenstaaten Teile ihrer Hoheitsrechte zu entziehen.

    http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:euro-krise-schaeuble-droht-problemstaaten-mit-stimmrechtsentzug/60084108.html

  • Stefan L. Eichner - 27. Juli 2011 Antworten

    Ein Plus von 0,2 Prozent als erste Schätzung klingt eine wenig wie der Versuch den Zeitpunkt des Eingeständnisses des Eintritts in eine Rezession respektive des Scheiterns des Versuchs, einen Staat gesund zu sparen. Letzteres kann die Cameron-Gang, ohnehin arg beschäftigt mit den Folgen des Murdoch-Skandals, schlechterdings offen zugeben. Man würde sich ja quasi auf eine Stufe mit der griechischen Regierung um Papandreou stellen.

    Im Übrigen scheinen sich die Briten – zumindest beim Thema Krise des eigenen Landes – zu medialen Leisetretern gemausert zu haben. Während Presse und Medien polternd die Krise in den USA und der EU “begleiten”, scheint es in dem guten alten Königreich für sie gar Keine krise zu geben. Da wird in Ermangelung schlechter Nachrichten lieber wochenlang über die Hochzeit von William und Kate berichtet. Das war schon skurril.

    Insofern vielen Dank für die schön dargelegte Faktenlage und die Erinnerung daran, wovon so alles nicht berichtet wird.

    Gruß
    SLE

  • erkl - 27. Juli 2011 Antworten

    MagnaBavaria,
    wie meinst du das denn? Der wirtschaftliche Niedergang ist auf einen gesellschaftlichen Niedergang zurückzuführen?

  • Appaloosa - 27. Juli 2011 Antworten

    Btetrifft jetzt zwar nicht UK, aber steckt da Kalkül dahinter? So doof kann man ja eigentlich nicht sein oder?

    http://www.welt.de/wirtschaft/article13509723/Schaeuble-bescheinigt-Griechen-Reformwillen.html

  • Canpichurri - 27. Juli 2011 Antworten

    @ Querschüsse
    Gute Analyse, guter Bericht. Kompliment !

    Jetzt geht es auch noch Frankreich an den Kragen:
    http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:wachsender-schuldenberg-iwf-warnt-frankreich-vor-aaa-verlust/60084314.html
    Die europäische Schuldenproblematik gerät immer weiter aus den Fugen. Die Halbwertszeit der politischen Vermeidungsmanöver klingt rasant ab. Hier braut sich ein Finanzhurrikan der Klasse 5 (= höchste Stufe) zusammen. Es geht nur noch um Monate, nicht mehr um Jahre, bis der wirkliche Sturm losgeht. Und dann “Gute Nacht, Marie”.
    Wer´s überlebt, der ist fein raus – der Rest geht leer aus und muss sich hinten und unten anstellen.
    Gruss

  • flo - 27. Juli 2011 Antworten

    @ME: In einem reinen fiat-money System, keinen Schulden in Fremdwährung und kaum externen Schulden wird England NIEMALS zahlungsunfähig. Ohne Goldstandard sind der Monetisierung keine Grenzen gesetzt, also wovon genau redest du? Ich rede nicht von Währungskrisen, sondern von Bankrott, im Sinne von Zahlungsunfähigkeit. England hat extrem langlaufende Schulden, zahlen derzeit 3% für 10 Jahre und haben 5% Inflation. Wie geht man mit realen Zinsen von -2% pleite?

    Die BoE hat schon 2009 300 Milliarden Pfund QE betrieben, sie können und werden es wieder tun. Genauso wie die EZB Eurobonds ohne Ende monetisieren wird, es wird nicht anders gehen.

  • der-oekonomiker - 27. Juli 2011 Antworten

    Ich habe es erst vor einigen Tagen auf meinem Blog beschrieben: GB/UK pleite. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Natürlich kann man über alles trefflich diskutieren, an den Fakten ändert sich nichts. Die Bank of England erwartet den Lebensstandard der 1920er Jahre für die Briten. Das sind doch mal Aussichten. Die Rettung des Landes sollte Sache des großen amerikanischen Bruders sein. Schliesslich haben die Briten über viele Jahre die US-Interessen in Europa verteidigt.

  • Tourist - 27. Juli 2011 Antworten

    out of topic

    gehts das nur mir so, oder krieg ich Verschwörungshallos…? Jedesmal wenn ich ein Buch lese, dass ein bisschen älter ist, muss ich an die neue Rechtschreibreform denken! Wofür war die eigentlich nochmal gut, ausser das man alle Bücher so gut wie neu kaufen konnte?

    topic:

    “Noch etwas fällt sofort ins Auge wenn man die Entstehungsrechnung ansieht, die Bruttowertschöpfung des Governments (Staat), als nicht Marktproduzent und damit im weitesten Sinne die Summe der Kosten (Ausgaben) des Staates, trugen nicht zum Wachstum des BIPs gegenüber dem Vorquartal bei, blieben aber unverändert.”

    Bitter, aber innerlogisch korrekt! Zuerst investiert man in die höchsten Renditeerwartungen und zahlt seine Gläubiger aus und zweitens…. siehe “zuerst”!
    Problem ist nur, an dieser Stelle,dass beides in eins fällt! Der Gläubiger frohlockt: “Oh rette mich, oh großer Steuerfonds,….ääääh Staat, indem du deine Schuld begleichst und dann versprech ich dir das nicht endenwollende arbeitslose Rendite-Himmelreich!”

    Wenn der Schwanz (Schulden) mit dem Hund (Werschöpfung) wackelt….

  • King Balance - 27. Juli 2011 Antworten

    der-oekonomiker:
    Die Bank of England erwartet den Lebensstandard der 1920er Jahre für die Briten. Das sind doch mal Aussichten. Die Rettung des Landes sollte Sache des großen amerikanischen Bruders sein. Schliesslich haben die Briten über viele Jahre die US-Interessen in Europa verteidigt.

    Daraus wird wohl nix werden liebe Briten! Obama hat andere Sorgen, er wird als der schlechteste Präsident aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Das gleiche Schicksal wird Fr. Merkel mit ihren falschen Doktoren ereilen.

    Wirtschaftskriminalität als Problem der inneren und äußeren Sicherheit!

    Allein die Wirkungslosigkeit der Politik und der staatlichen Verwaltung bei der Erfüllung von verfassungsrechtlich verankerten Verpflichtungen untergräbt schon spürbar die Legitimation der Demokratie.

    Würden die Leute sich um ihre Freiheit sorgen wie sie es um Fußball und Entertainment tun, könnten wir die Welt innerhalb von 24 Stunden verändern!
    http://kingbalance.blogspot.com/2011/07/system-vor-dem-crash-run-auf-banken-hat.html

  • MagnaBavaria - 28. Juli 2011 Antworten

    @erkl

    Ich mein es so:

    Fördern die falschen gesellschaftlichen Werte den wirtschaftlichen Untergang?
    = Gesellschaft verändert Stystem
    (Egomanen, Soziopathen etc. in Führungspositionen, Erfolg des Einzelnen steht vor dem Erfolg Vieler …)

    Oder ist das System maßgeblich daran beteiligt, dass die Gesellschaft in eine völlig verkehrte Richtung entwickelt?

    = System verändert Gesellschaft

    Damit meinte ich, was ist zuerst eingetreten?

  • Joe - 29. Juli 2011 Antworten

    60 gegen den Rest der Welt. Kein Schritt zurück: Die Abgeordneten der ultrakonservativen Tea Party lassen Republikaner-Chef Boehner auflaufen – und vereiteln eine Lösung im Schuldendrama. Die US-Regierung stellt einen Notfallplan in Aussicht.

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/60-gegen-den-rest-der-welt/4444124.html

    Hey! Vielleicht wird’s doch was mit dem Staatsbankrott!

  • M.E. - 29. Juli 2011 Antworten

    Ja, Joe,
    sieht ganz so aus bei der Doppelblockade Demokraten gegen Republikaner und Republikaner unter sich.

    Und Moodys ist mit seiner Einschätzung sehr blauäugig:

    http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=12931

    Wenn sich erst mal verschiedene größere Anleger nach einer Abstufung von US-Bonds trennen MÜSSEN, weil ihre Regularien nur AAA-geratete Investments zwingend vorschreiben, und wenn dan nach einer späteren Einigung nachholend Bonds in Höhe von wohl mehr als 0,5 Billionen Dollar ZUSÄTZLICH emittiert werden müssen innerhalb kurzer Zeit, dann gibt es nicht genügend Investoren für diesen Riesenberg an Anleihen.
    Das kann alles ganz schnell kippen…

  • killing fields - 29. Juli 2011 Antworten

    Hallo,
    wie bestellt kommt eine Androhung eines Down Grading von Moodys.
    Nicht wie erwartet ist es die USA deren politische Führungskaste total verstritten ist und in ein paar Tagen die Zahlungsunfähigkeit erklären muss, nein diesmal ist es Spanien!
    http://www.welt.de/finanzen/article13514389/Moodys-droht-Spanien-mit-Herabstufung-
    der-Bonitaet.html
    Noch Fragen Kienzle?

  • Joe - 29. Juli 2011 Antworten

    Wie auch immer… die Anhebung der Schuldengrenze reicht eh nur für paar Monate. Soll das Gezicke dann wieder losgehn?

  • M.E. - 29. Juli 2011 Antworten

    Und selbst, wenn man das Schuldengrenzen-Prozedere völlig abschaffen würde (völlig unrealistische Annahme) und zusätzlich den ehrgeizigsten Sparplan von 4 Billionen auf 10 Jahre durchsetzen würde, was vermutlich die US-Konjunktur schon stark belasten würde, so wäre langfristig Trotzdem nichts gewonnen.
    Denn dann blieben immer noch 1,2 Billionen Neuverschuldung pro Jahr übrig – auf Grund der Altersentwicklung und im Falle einer erneut nachgebenden Konjunktur sogar wieder weiter ansteigend.

    Um auf eine halbwegs akzeptable Neuverschuldung von ca. 400 Milliarden im Jahr zu kommen (auch dann stiege die Gesamtverschuldung noch) müsste man 1,2 Billionen pro Jahr einsparen, was die Konjunktur sofort zum Absturz bringen würde und z.B. dem Bildungswesen und der Infrastruktur den Rest geben würde.

    Die Zukunft ist verfrühstückt worden. So einfach ist das.
    Dafür hat man aber seine schicken neuen Waffensysteme ausprobieren können. Ist ja schließlich auch was.

  • M.E. - 29. Juli 2011 Antworten

    Ergänzung: vorgestern gab es wieder einmal eine Meldung, die den Zustand der US-Infrastruktur offenlegt: in New York war ein Hauptwasserroht gebrochen und hat 5 Häuserblocks über 1 Meter hoch unter Wasser gesetzt. Habe ich nur 1 mal unter “sonstiges” gehört.
    Aber ähnliche Meldungen – jeweils ganz am Rande – gab es in den letzten Jahren immer wieder.
    Und Bekannt von mir, die einige Wochen in den Staaten waren in verschiedenen Städten, haben von einem teilweisen Zustand der Infrastruktur auf 3.-Welt-Niveau berichtet.

  • M.E. - 29. Juli 2011 Antworten

    Das ist der Hammer:

    “WASHINGTON (dpa-AFX) – Das US-Wirtschaftswachstum in den USA ist im zweiten Quartal niedriger als erwartet ausgefallen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im Zeitraum April bis Juni auf das Jahr hochgerechnet um 1,3 Prozent gestiegen, teilte das US-Handelsministerium am Freitag in Washington in einer ersten Schätzung mit. Volkswirte hatten hingegen mit einem Wachstum von 1,8 Prozent gerechnet. Im ersten Quartal war die US-Wirtschaft nur um revidierte 0,4 Prozent gewachsen. In einer vorherigen Schätzung war mit 1,9 Prozent noch ein deutlich höheres Wachstum ermittelt worden./jsl/jkr”
    Zitat Ende

    Damit meine ich nicht den sehr schwachen Wert von 1,3 % (SAAR) für das 2. Quartal, das jetzt in einer ersten Schätzung gemeldet wurde, sondern die von 1,9 auf 0,4% reduzierte Zahl für das 1. Quartal, nachdem in der 1. und zeiten Schätzung sowie in der abschließenden Zahl 1,8…1,9% gemeldet wurden.
    Eine solche nachrtägliche Revision der abschließenden Zahl um solch einen großen Sprung hat es noch nie gegeben.
    Also entweder sind die US-Statistiker unfähig, oder man hat die richtige Zahl bewusst nicht gemeldet, in der Hoffnung, eine anschließende kräftige Revision würde in der Aufmerksamkeit verpuffen.

    Das Finanzministerium geht übrigens in seiner Schätzung immer noch von über 3% Wachstum aus. Völlig realitätsfremd!

  • zykliker - 29. Juli 2011 Antworten

    @MagnaBavaria

    ich komme auf die interessante Fragestellung zurück: “Henne oder Ei als Ursache des Niedergangs”

    Mir scheint, dass weder das System an sich noch einzelne “kranke Individuen” die Ursache sind; sie sind allenfalls Symptome eines übergeordneten Prinzips, das seine Analogie am ehestens vielleicht in der üppigen Überfülle des Spätsommers hat.

    Dekadenz entsteht, wenn es den Menschen/der Gesellschaft “zu gut geht,” ich sage dann auch gerne: Man (ein einzelner/eine Gruppe/Gesellschaft…) erstickt an seinem eigenen Erfolg.

    Dagegen wird sicher Protest erheben, wer sich von vorneherein nicht auf der Sonnenseite sieht; der wird nicht sagen können: “der Gesellschaft geht es zu gut.”

    Trotzdem: der american way of life war ca 200 Jahre lang für viele / einen Großteil der Gesellschaft bis hinein in die Mittelschicht ein Erfolgsmodell. Wenn dieser Erfolg zu Vielen zu Kopf steigt, wenn Entwicklungen der Vergangenheit unkritisch in die Zukunft extrapoliert werden, wenn der Geschmack anfängt sich mit den immer gleichen Genüssen zu langweilen, wenn Konsum/Entertainment/Nervenkitzel also nach Steigerung verlangen und das alles auch nur noch mit immer mehr Schulden zu finanzieren ist…..

    Wer Erfolg hat, erliegt der Illusion, sich nicht mehr anstrengen zu müssen….. können wir nicht auch in unserer Umgebung oft genug beobachten, wie die Anstrengung der einen Generation von der nächsten, oft aber erst übernächsten verlottert wird? Wenn die Gesellschaft offen ist für sozialen Auf- und Abstieg, kann sich das neutralisieren. Aber hier kommt das Prinzip der korrupten Erbhöfe ins Spiel: Der soziale Status muß mit allen unlauteren Mitteln erhalten werden, und die Machtmittel reichen dafür meist sehr gut aus: Nicht umsonst hat sich z.B. ein Feudalsystem bis 1789 völlig konträr zur wirtschaftlichen Realität so lange über Wasser halten können.

    Nicht zu unterschätzen bei der Ursachenforschung für den Niedergang ist die “neoliberale Scheinblüte” seit ca 1980. Diese Ideologie hat in ihrem maßlosen Rendite-Anspruch aus der Mittelschicht zu viel Substanz herausgepresst (den Habenichtsen konnte man schon 1980 nichts mehr wegnehmen). Das kapitalistische Prinzip der immer stärkeren Konzentration von Einkommen und Vermögen in einer dünner werdenden Oberschicht incl. Ausbluten der Mittelschicht wurde hier ideologisch unterfüttert und beschleunigt. Dieser Ablauf scheint mir quasi-natürlich zu sein, ohne dass ich ihn gutheissen kann, aber die bisher ausprobierten Rezepte dagegen konnten noch nicht befriedigen. Mit dem Begriff “System” als einem vom Menschen “bewußt gebauten gesllschaftsvertraglichem Gebilde” tue ich mich dabei aber schwer.

    Wirtschaftliche Aktivität verläuft zyklisch: z.B. in den ca 50 – 70 Jahre dauernden Kondratieff-Zyklen. Ursachen des Auf und Ab vielfältig, bei Fehlinvestitionen im K-Herbst (z.B.Immobilien USA!) kann auch dekadenter Realitätsverlust angenommen werden. In dieser Kondratieff-Jahreszeit nehmen die Verteilungskämpfe stark zu, bis das Ganze in den K-Winter kippt, in dem – normalerweise – die großen “Rentier-Vermögen” wieder vernichtet werden (durch den Bankrott der Schuldner); die Rettung dieser Vermögen wird uns derzeit als alternativlos verkauft, für mich bis zu einem gewissen Grad verständlich (nicht wegen der korrupten Politik, sondern…), weil im K-Winter zu viele kleine Leute schlichtweg verhungern würden.

    Das angelsächsische Gesllschaftsmodell hat in der Breite seinen Erfolg schon lange konsumiert und wehrt sich nur noch verzweifelt gegen das Unvermeidliche; das Aufkommen des asiatischen Jahrhunderts könnte allenfalls noch mit militärischem overkill gestoppt werden. Mönckebergs lächerliche Behauptungen von der immerwährenden Überlegenheit der USA ( an keiner Stelle auch nur mit dem Hauch eines Arguments belegt) sind nichts als das Wunschdenken eines Glaubenden.

  • Tourist - 29. Juli 2011 Antworten

    “Die Zukunft ist verfrühstückt worden. So einfach ist das.”

    So is es, nicht mehr und nicht weniger

    Hallo M.E.
    hier was auch für dich:
    “Kapital ist einerseits definiert als Vernutzung (…) von Lohnarbeit, andererseits als Verwandlung von Geld in mehr Geld. Fiktives Kapital entsteht dann, wenn der zweite Teil der Definition den ersten nicht mehr enthält, und zwar nicht etwa als bloß subjektive Einbildung, sondern als gesellschaftliche Realität. Die Möglichkeit des fiktiven Kapitals ist gegeben mit dem zinstragenden Kapital des Kreditsystems; dieses ist Kapital, aber nicht direkt, sondern indirekt: sozusagen “Realkapital in spe”. Es wird nicht direkt als Produktivkapital benutzt, sondern an anderes Kapital für diesen Zweck verliehen, wofür in Gestalt des Zinses ein Anteil vom Mehrwert bzw. Profit des Realkapitals abfällt. Auf diese Weise existiert neben den kapitalistischen Waren- und Arbeitsmärkten noch ein Finanz- oder Geldkapital-Markt. Allerdings kann durch die Differenz von produktivem und zinstragendem Kapital der ganze Prozeß auch auseinanderfallen und eben “fiktiv” werden, wenn das zinstragende sich pseudo-unabhängig vom produktiven Kapital ganz für sich allein vermehren soll.

    Denn ein Kredit ist ja nichts weiter als Vorschuß auf zu produzierenden Wert. Solange er dazu verwendet wird, Investitionen im Produktionsbereich vorzufinanzieren, die die Vernutzung lebendiger Arbeitskraft, also Mehrwertproduktion nach sich ziehen, wird er im Sinne der Verwertung “richtig” verausgabt. Wird ein Kredit aber für bloßen Konsum oder für Infrastrukturmaßnahmen, also nicht wertmäßig produktiv verausgabt oder erweisen sich die getätigten Investitionen vom Standpunkt des Weltmarkts aus als unproduktiv, weil sie nicht zu konkurrenzfähiger Produktion führen, dann sind die im Kredit vorgeschossenen Werte verpulvert. Die anfallenden Zinszahlungen und Tilgungen können dann nicht aus den Erträgen der mit diesem Kredit getätigten Investitionen gezahlt, sondern müssen aus einer anderen Quelle gedeckt werden.

    Der vergebene Kredit wird zu “fiktivem Kapital”. Er steht in den Büchern der Bank und verzinst sich im günstigsten Falle auch; es könnte so erscheinen, als würde er sich “ganz normal” im Produktionsprozeß verwerten. Tatsächlich aber fehlt diesem Kredit jegliche produktive Grundlage. Es stehen keine Fabriken, Maschinen oder Arbeitslöhne dahinter, sondern lediglich die pure Verpflichtung des betreffenden Schuldners (Regierung, Unternehmen oder Privatperson), den Kredit zu “bedienen”. Der Schuldendienst wird, soweit überhaupt möglich, aus Einnahmequellen geleistet, die mit dem Kredit in keinem unmittelbaren Zusammenhang stehen (und eigentlich “Wert” für ganz andere Zahlungszwecke darstellen müßten, wodurch das Problem nur verschoben wird) oder gar aus neuen Krediten.

    Natürlich muß die Unhaltbarkeit dieses Zustands früher oder später auffliegen, aber bis dahin können eine ganze Menge weitere Verkettungen des fiktiven Kapitals aufgebaut werden, solange der Kredit noch – scheinbar – “bedient” wird. Wenn beispielsweise als “Guthaben” verbuchte ausstehende Zins- und Tilgungszahlungen von in Wirklichkeit schon fiktivem Kapital im Vorgriff auf ihren unterstellten zukünftig realen Eingang wieder beliehen und damit Konsum- oder Investitionsgüter eingekauft werden, so sind auch diese doch anscheinend ganz realen Produktionen letztlich “ungültig”, weil die dafür verausgabten Gelder nur scheinbar existieren. Sobald schließlich das ganze Kartenhaus des fiktiven Kapitals zusammenbricht, werden in einer Kettenreaktion alle darauf aufgebauten Zahlungsverpflichtungen in die Luft gesprengt und das mittlerweile den gesamten Globus umspannende “Kettenbrief”-System entpuppt sich als grandiose Publikumsverarschung.”

    @ Zykliker,

    Bis hierhin folge ich dir, darüberhinaus nicht!
    Mir scheint, dass weder das System an sich noch einzelne “kranke Individuen” die Ursache sind; sie sind allenfalls Symptome eines übergeordneten Prinzips…”

    Du schreibst: “der american way of life war ca 200 Jahre lang für viele / einen Großteil der Gesellschaft bis hinein in die Mittelschicht ein Erfolgsmodell.”
    Naja wenn man Bilanz zeiht, dann jeden Posten und der sogenannte Erfolg, ist mit einem ziemlich miesen Erbe für alle angetreten, ob man da von Erfolg sprechen kann? Die Vokabel is ein bisschen fehl gestellt!

    Und auf den nächsten Kontratriiiief..warte ich seit langem, vermtl. im Diesntleistungssektor, aber trotz des Abbaus des industriellen Sektors und die Verschiebung der Arbeit in den Dienstleistungsektor, kommt offensichtlich keine Wertschöpfung zustande, um eine adäquate Nachfrage durch Lohn bilden zu können, mit der die Verschuldung abbezahlt werden kann, sei es durch Besteuerung oder privater Tilgung!

    gruss Tourist

  • M.E. - 29. Juli 2011 Antworten

    Kondratieff-Zyklen sind ja auch nichts Anderes, als der Versuch, eine Ordnung ins Chaos zu bringen. Sozusagen eine Siebenschläfer-Regel für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung.

    Wer sich analytisch innerhalb dieses Konstruktes bewegt und sich sehr stark darauf konzetriert, der verkennt, dass wir vor einem ganz prinzipiellen Richtungswechsel der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung stehen.
    Nachdem es 10000 Jahre prinzipiell immer nach oben gegangen ist und die gelegentlichen Krisen wie Epidemien, große Kriege, vorübergehende Witschaftseinbrüche und sogar das Verschwinden regionaler Hochkulturen als Ausnahmen von der immer weiter ansteigenden Entwicklung als Regel gewertet werden können, sind wir jetzt eben am Kulminationspunkt dieser 10000-jährigen Entwicklung angekommen. Dabei ist es müßig, einen bestimmten Zeitpunkt für diesen Kulminationspunkt bestimmen zu wollen. Ich würde ihn auch nicht als definierten Zeitpunkt ansehen, sondern als Hochplateau – etwa zwischen 1980 und (hoffentlich) 2020.
    Wie weit es nun nach unten gehen wird, maße ich mir nicht an zu prognostizieren. Denn das hängt ja stark davon ab, wie wir mit diesem Richtungswechsel umgehen: rational oder irrational.

  • killing fields - 29. Juli 2011 Antworten

    Hallo, hier mal ein längerer Bericht mit Fakten und Kosten, der das Desaster in den USA umschreibt.

    Das Bipartisan Policy Center hat durchgerechnet, welche Ausgaben noch mit dem zur Verfügung stehenden Geld getätigt werden könnten. Neben den Zinsen könnte die Regierung mit ihren Einnahmen von 172 Milliarden Dollar noch bezahlen:

    Sozialhilfe: 49,2 Milliarden Dollar
    Die Gesundheitsprogramme Medicare/Medicaid: 50 Milliarden Dollar
    Hilfen für Arbeitslose: 12,8 Milliarden Dollar
    Versorgung der Streitkräfte: 31,7 Milliarden Dollar.

    Kein Geld hätte sie etwa für:

    Löhne für die Soldaten: 2,9 Milliarden Dollar
    Gehälter für die Angestellten im öffentlichen Dienst: 14,2 Milliarden Dollar
    Bildungsausgaben: 20,2 Milliarden Dollar
    Justizsystem (FBI, Richter): 1,4 Milliarden Dollar.

    „Die Ausgaben von einem Tag auf den anderen um über 40 Prozent zu streichen, wird die Wirtschaft treffen“, sind die Experten der Denkfabrik sicher. Wer kein Gehalt erhält, kann nicht einkaufen gehen. Lieferanten werden nicht bezahlt und können wiederum ihre Rechnungen nicht begleichen. Dazu käme die Unsicherheit darüber, wie es weitergeht.
    Neben ihren Rechnungen müssen die USA im August auslaufende Staatsanleihen mit einem Volumen von insgesamt 476 Milliarden Dollar zurückzahlen. Dafür werden sie frisches Geld brauchen. Bereits am 4. August werden 90 Milliarden Dollar fällig, am 11. noch einmal 93 Milliarden Dollar. Das Erreichen des Schuldenlimits steht der Rückzahlung prinzipiell nicht im Wege, denn die Schulden werden nur verlängert. An der Gesamtsumme ändert sich also nichts. Die Frage ist nur, ob das Finanzministerium Käufer für die Papiere findet und welchen Zinssatz es zahlen muss.
    Wie reagieren die Ratingagenturen?
    Trotz leerer Kassen gehen die Beobachter davon aus, dass das Finanzministerium alles tun wird, damit die USA ihren Schuldendienst leisten. Solange das passiert, halten die Ratingagenturen still, Streit ums Schuldenlimit hin oder her.

    Sollten die USA tatsächlich Zinsen oder einen Kredit nicht bedienen können, schlägt die Stunde der drei großen Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch. Der erste kritische Termin ist der 4. August. An diesem Tag werden Staatsanleihen in Höhe von 90 Milliarden Dollar (rund 63 Milliarden Euro) fällig und müssen an die Kreditgeber zurückgezahlt werden. Ist die US-Regierung dazu nicht imstande, wird Fitch das Rating dieser Anleihe von „AAA“ auf „B+“ senken. Nach Aussage der Agentur ist das das „höchste Rating für ein Wertpapier, das in Verzug ist, aber mit dessen Erholung gerechnet wird“. Fitch will also vorerst Milde walten lassen. Zahlt die Regierung die Anleihe aber dauerhaft nicht zurück und lässt gar die Rückzahlung weiterer Papiere ausfallen, wird Fitch sämtlichen ausstehenden Staatsanleihen eine schlechtere Note geben.
    S&P will den USA – sollten die ihre Verbindlichkeiten nicht voll bedienen können – das Rating „teilweiser Ausfall“ verpassen. Damit wären erhebliche Turbulenzen auf den Finanzmärkten verbunden, wie die Agentur warnt. Die Folgen wären umso schlimmer, je länger die USA ihre Schulden nicht bedienen können.
    Was geschieht auf den Finanzmärkten?
    dapd Die Wall Street-Händler sind nervös
    Die Nervosität an den Märkten wird in den Tagen nach dem 2. August hoch sein. Mit gravierenden Folgen rechnen Experten aber erst dann, wenn es zu einem Zahlungsausfall kommt und die Bonität der USA heruntergestuft wird. Denn die USA haben eine zentrale Bedeutung für die weltweiten Finanzmärkte. US-Staatsanleihen sind ein weltweiter Referenzwert. Sie bilden den größten Markt für Staatsanleihen überhaupt. Was genau passiert, wenn es bei US-Staatsanleihen zu Zahlungsausfällen kommt, kann niemand vorhersagen. Mohamed El-Erian vom Fonds-Giganten Pimco sagte Anfang Juli im Nachrichtenkanal CNN: “Wir wissen einfach nicht, wie das globale System ohne ein AAA-Rating (der USA) funktionieren wird. Wir sind dann im Land des Unvorhersehbaren.“

    Dennoch dürfen einige Punkte als wahrscheinlich gelten: Zum einen müssten die USA für zukünftige Schulden höhere Zinsen bezahlen. Der Zinssprung wird auf die US-Wirtschaft übergreifen und etwa Hypotheken und Konsumentenkredite verteuern. Das wäre für die ohnehin lahmende US-Wirtschaft eine zusätzliche Belastung bedeuten. Geht es den amerikanischen Unternehmen schlecht, wirkt sich das global aus, weil die USA ein Groß-Einkäufer von Waren aus aller Welt sind.

    Weniger Sicherheit

    Weil US-Staatsanleihen so weit verbreitet sind, hätte ein schlechtes Rating für die Papiere noch weitere Folgen. Banken könnten die Papiere nicht mehr im selben Umfang wie bisher als Sicherheiten benutzen, wenn sie sich Geld leihen – etwa bei Zentralbanken. Eine Kreditklemme würde drohen. Auch über diesen Weg könnten Kredite teurer werden – für Konsumenten wie für Unternehmen.

    Derlei Aussichten sorgen für steigende Nervosität. Die Ratingagentur Standard&Poor’s warnt vor „systemischen Störungen auf den Märkten“. Volkswirte der Unicredit rechnen damit, dass „die Aktienmärkte den härtesten Schlag hinnehmen müssten“, sollten die USA ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Schon jetzt sorgt die Angst für Kursverluste. Der Dax etwa hat seit Wochenbeginn ein Minus von mehr als zwei Prozent hinnehmen müssen.

    Investoren auf der Flucht

    Für Investoren zieht die Unicredit folgende Schlussfolgerungen: Sollten die USA bereits jetzt ihr Top-Rating „AAA“ verlieren, seien zunächst Turbulenzen an den Finanzmärkten zu erwarten. Ein „Schock à la Lehman“ werde sich aber nicht wiederholen, schrieben die Analysten mit Blick auf den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008.
    Das globale Finanzkapital würde sich aber neue, sicherere Anlageformen suchen. Auch dafür gibt es bereits Indizien. Die als bombensicher geltenden deutschen Bundesanleihen erfahren gerade einen Boom. Die Angst der Investoren vor einer Staatspleite der USA sorgt für einen wahren Ansturm auf festverzinsliche deutsche Staatspapiere mit Laufzeiten von zwei bis 30 Jahren. Und das trotz vergleichsweise niedriger Verzinsung.
    Welche Möglichkeiten hat Präsident Obama?
    Die Verfassung würde Obama möglicherweise ein Hintertürchen bieten, eigenmächtig das Schuldenlimit zu erhöhen. Im 14. Verfassungszusatz heißt es, dass die Validität der US-Schulden nicht „in Frage gestellt“ werden darf. Dieser Fall wäre wohl gegeben, wenn die Regierung ihre Kredite und Zinsen nicht bezahlen könnte. Aber die Auslegung ist unter den Rechtsexperten umstritten. Obama hat die Möglichkeit daher verworfen.

  • M.E. - 29. Juli 2011 Antworten

    Sehr gute Analyse, killing fields.
    Nur eines berücksichtigt sie nicht: bei einer Abstufung in den B-Noten-Bereich müssen Pensionsfonds und Versicherungen ihre US-Anleihen verkaufen. Sie haben keine Alternative auf Grund der Vorschriften.
    Anleihen im Billionenbereich würden also auf den Markt kommen, zusätzlich zu den zu Refinanzierungsanleihen. Das kann nur ein Crash-Szenario werden, denn die Kurse für die Bonds würden einbrechen.
    Insofern ist eben Leman schon ein Vergleichsmaßstab. Allerdings diesmal ohne letzten Retter.

    Es kann allerdings sein, dass sich die Regierung auch bei länger andauernder Hängepartie (von der mittlerweile auszugehen ist auf Grund der Doppelblockade) absolut auf die Vermeidung jedes Zahlungsausfalls fokussiert und lieber voll auf die Bremse bei allen sozialen und realwirtschaftlich relevanten Ausgaben tritt, um eine Abstufung zu vermeiden.
    Dann kann man innerhalb weniger Wochen von einer rezessiven Entwicklung ausgehen, die ihrerseits das Verschuldungsproblem brisanter machen würde.

  • micdinger - 29. Juli 2011 Antworten

    @killing fields

    “Ein „Schock à la Lehman“ werde sich aber nicht wiederholen, schrieben die Analysten mit Blick auf den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008″

    Glaub ich auch. Dieses Jahr jedenfalls nicht. Beispiel Japan: Staatsverschuldung um 220%, Rating AA-, Rendite von Staatsanleihen um 1,3 %.

  • M.E. - 29. Juli 2011 Antworten

    Bei japanischen Anleihen steht ja auch kein Verschuldungsgrenzenstreit an mit einem absehbaren sehr gravierenden Liquiditätsengpaß an.

  • zykliker - 29. Juli 2011 Antworten

    @Tourist & M.E.

    es mag schon sein, daß der auslaufende Kondratieff in sehr viel größeren Zyklen (bis hin zu einem von meinetwegen 10 oder 20000 Jahren) eingebettet ist, so wie der bekannte Konjunktur-Zyklus sich innerhalb der “Gleise der Übergeordneten” bewegt.

    Jedenfalls haben sich die Ideologen, die vor ca 10 Jahren glaubten, den Konjunkturzyklus abgeschafft zu haben, der Lächerlichkeit preisgegeben.

    Dass die “Grenzen des Wachstums” hier deutlich restriktiv wirken werden, wird auch von mir immer wieder betont; jedenfalls befürchte ich, dass die anstehenden Friktionen keinen Lebensraum für 7 Milliarden Menschen übrig lassen werden; bei “gegebener” Verhaltensweise des Menschen; ich habe aber auch gelernt, mich positiv übrraschen zu lassen.

    Da wir es beim Wirtschaften mit den Aktivitäten von Menschen zu tun haben: Aufbruch/Vorwärtsstürmen/Pause/Irrtum/Orientierung/Zurück/Fehlerkorrektur usw usf, erscheint mir das zyklische Prinzip auf allen Zeitebenen plausibel zu sein.

  • M.E. - 29. Juli 2011 Antworten

    Hallo zykliker,
    jetzt kommen allerdings zunehmend die physischen Grenzen eines planetaren Systems dazu, die ertsmalig (!) den Vorwärtsstürmmodus begrenzen. Bisher konnten diese Grenzen immer wieder erweitert werden durch Seßhaftigkeit/Ackerbau, Nutzung von Holz und Metallen, dann von Kohle, dann von Öl und Gas, dann von Atomenergie.
    Die kommenden Grenzen lassen sich nicht mehr so spektakulär erweitern. Im Gegenteil: der Raum innerhalb dieser physischen Grenzen wird sich erst schleichend, dann rasant einengen.

  • micdinger - 29. Juli 2011 Antworten

    Richtig, M.E. Aber ich schätze (glaube, rechne, hoffe) mal, das Obama in Zusammenarbeit noch einen Dreh finden werden, die Anleihen zu bedienen. Jens Berger hält notfalls den Verkauf von einigen oz Gold für möglich.

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=10263#more-10263

  • killing fields - 29. Juli 2011 Antworten

    Hallo,
    ähh was soll man dazu noch sagen: Letzte US-Rezession war schwerer als gedacht

    Washington (BoerseGo.de) – Die Rezession, in der sich die USA nach der Lehman-Pleite und der weltweiten Finanzkrise befanden, war schwerer, als bislang gedacht. Wie aus der heute im Zuge der jüngsten Veröffentlichung des US-Handelsministeriums zum US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2011 veröffentlichten Revision sämtlicher Daten ab 2003 hervorgeht, brach die Wirtschaft zwischen dem vierten Quartal 2007 und dem zweiten Quartal 2009 stärker ein als bislang gemeldet. Die letzte Rezession war die schwerste seit dem Zweiten Weltkrieg. Den revidierten Daten zufolge schrumpfte die US-Wirtschaft bereits 2008 um 0,3 Prozent. Bislang war eine unveränderte Wirtschaftsleistung gemeldet worden. 2009 kontrahierte das US-BIP um 3,5 Prozent und damit deutlich stärker als die bislang veröffentlichten -2,6 Prozent. Für 2010 ergibt sich laut Revision mit +3,0 Prozent jedoch ein leicht stärkerer Anstieg als der bisher um 2,9 Prozent gemeldete. Der sequenziell (Quartal-zu-Quartal) stärkste Rückgang fällt den jüngsten Daten des US-Handelsministeriums mit -8,9 Prozent ins vierte Quartal 2008 und damit in den Zeitraum, in dem US-Präsident Barack Obama die Wahl gewann.
    Die Statistiker müssen im Dauerrausch gewesen sein. Die revitierten Zahlen belegen das die USA nie aus der Rezession herausgekommen ist.
    Naja wer ein bischen nachgehackt hat wußte Bescheid. Arbeitslosenzahlen konstant oben, der Inmomarkt zerstört, die Konsumlaune getrübt usw.

    Die große Frage, wann schlägt dies alles durch?

  • killing fields - 29. Juli 2011 Antworten

    Hallo M.E.
    stimmt bei einem gewissen Rating müssen sie abstoßen. Aber wir leben in Zeiten in denen Vorschriften, Regeln und Gesetze wenig bis gar nicht zählen. Im Finanzsektor herrscht zur Zeit reine Willkür! Das ist eine der Lehren die ich gezogen habe!

  • M.E. - 29. Juli 2011 Antworten

    Hallo killing fields,
    die über Jahre gehende Revision ist ein dicker Hund. Das heißt nämlich nichts Anderes, als dass nun die Angaben zum heutigen BIP der USA auch offiziell obsolet sind.
    Denn durch die Revision fast aller Quartals-Zuwachszahlen ergibt sich ein erheblicher Kumulationseffekt für die Gesamthöhe des BIP, der größenordnungsmäßig irgendwo zwischen 0,5 bsi 1 Billion Dollar liegen könnte.
    Das heißt, dass sich auch alle auf das BIP bezogenen Verhältniszahlen spürbar zum Negativen hin ändern würden (zum Beispiel die Verschuldungshöhe).

  • M.E. - 29. Juli 2011 Antworten

    Übrigens zum Abstoßen von Vermögenswerten mit verringerter Bonität durch Pensionsfonds und Versicherungen: das ist absolut zwingend. Wenn die Vorstände sich nicht an diese Vorgaben halten, können sie persönlich haftbar für Verluste gemacht werden.
    Also wird sich jeder Vorstand einer solchen Gesellschaft zeitnah daran halten.

  • Harry - 31. Juli 2011 Antworten

    US Medien berichteten, beide Seiten näherten sich in der Frage der notwendigen Einsparungen an. So richtig die Forderung der Republikaner nach einem ausgeglichenen Haushalt auch ist, so gefährlich ist auch ihr Spiel. Sollten sich beide Seiten nicht einigen, dann wird die Welt in einen ökonomischen Abgrund gerissen. Ich habe jetzt schon Angst davor.

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