UK mit nur +0,2% Wachstum

von am 26. Juli 2011 in Allgemein

Einen ersten schwachen Rückblick auf das Wirtschaftswachstum im 2. Quartal 2011 lieferte heute Großbritannien. Die Wirtschaft büßte ordentlich an BIP-Tempo ein und wuchs  nur noch mit schwachen +0,2% zum Vorquartal. Auch zum Vorjahresquartal ging es nur noch um +0,7% aufwärts. Laut der ersten BIP-Schätzung des Office for National Statistics (ONS) für das Bruttoinlandsprodukt, welche zunächst nur die Entstehungsrechnung betrachtet, also die Bruttowertschöpfung (Produktionswert-Vorleistungen) der Wirtschaftsektoren, verlor vor allem die breit gefasste Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe). Die Bruttowertschöpfung sank dort um -1,4% zum Vorquartal und zum Hoch in Q4 2007 betrug der Einbruch der Bruttowertschöpfung der breit gefassten Industrie noch bemerkenswerte -11,8%. Nicht wirklich verwunderlich für eine Blasen-Ökonomie mit angehängter Realwirtschaft!

Die Bruttowertschöpfung im gesamten Dienstleistungssektor stieg dagegen um +0,5% an (nur noch -1,7% zum Hoch in Q1 2008), insbesondere und passend zum Gesamtbild, zog der Teilsektor im Bereich Business Service and Finance, also bei den unternehmensnahen Dienstleistungen und Finanzen an und wuchs um die zweithöchste Rate aller Sektoren mit +0,7% zum Vorquartal. Der Bereich Business Service and Finance ist der stärkste Untersektor der britischen Volkswirtschaft und trägt zu 31% der gesamten Bruttowertschöpfung in UK bei!

Die Entstehungsrechnung des BIPs mit der Bruttowertschöpfung der einzelnen Sektoren, in Prozent jeweils zum Vorquartal.

Die Entwicklung des britischen BIP-Wachstums in Prozent zum Vorquartal seit Q1 1990 im Chart. In Q2 2011 wuchs das BIP um schwache +0,2%, nach +0,5% in Q1 2011 und -0,5% in Q4 2010. Zum Hoch in Q1 2008, gemäß der Entstehungsrechnung des BIPs, liegt die Bruttowertschöpfung aller Sektoren noch um -3,85% in Q2 2011 zurück.

Das britische Statistikamt, ONS, gibt das BIP in der ersten Schätzung leider nur als verketteten Volumenindex der Bruttowertschöpfung heraus, so das nicht erkennbar ist um wie viel das nominale BIP preisbereinigt wurde, nur dies ist wichtig um beurteilen zu können, ob die BIP-Preisbereinigung wirklich adäquat war, da ansonsten bereits eine Rezession vorläge.

Noch etwas fällt sofort ins Auge wenn man die Entstehungsrechnung ansieht, die Bruttowertschöpfung des Governments (Staat), als nicht Marktproduzent und damit im weitesten Sinne die Summe der Kosten (Ausgaben) des Staates, trugen nicht zum Wachstum des BIPs gegenüber dem Vorquartal bei, blieben aber unverändert. UKs Premier David Cameron und seine Verlautbarungen kann man genauso wenig ernst nehmen, wie die von Obama und vielen anderen Politikern. Vollmundig seit dem Wahlkampf und der Amtsübernahme kündigte er immer wieder die Sanierung des Staatshaushalts an. Bis dato ist von Sparen keine Spur, denn der Volumenindex der Bruttowertschöpfung des Staates liegt mit 103,3 Indexpunkten nur um -0,09% unter dem Allzeithoch und dies war im Vorquartal Q1 2011, deshalb auch aufgerundet mit 0,0% zum Vorquartal.

Im 2. Quartal 2011 lag die Neuverschuldung der öffentlichen Haushalte bei 39,168 Mrd. GBP nur um -0,1% bzw. um -370 Millionen GPB unter der des Vorjahresquartals. Wirklich Sparen sieht wohl ganz anders aus:

Die Entwicklung der monatlichen Neuverschuldung des General Governments seit Januar 2000 bis Juni 2011 in GBP im Chart. Im Juni 2011 betrug die Nettokreditaufnahme aller öffentlichen Haushalte 13,984 Mrd. GBP, nach 16,618 GBP im Vormonat.

Die brutalstmöglichen Staatshaushaltssanierer im britischen Königreich generierten in den letzten 12 Monaten bis Juni 2011 festhaltenswerte 141,7 Milliarden GBP Nettokreditaufnahme der öffentlichen Haushalte und trotzdem steht die Wirtschaft am Einfallstor zur Rezession! Was für ein Armutszeugnis! Wenn die Briten wirklich sparen, landen sie wie Griechenland in der Rezession/Depression! Kapitalismus bedeutet Kredit und billig verfügbare Energie, ohne diese Komponenten droht der Absturz. Dies soll kein Plädoyer für Neuverschuldung sein, nur die kapitalistische Triebkraft und der Teufel zugleich, der Kredit, lässt sich nicht mit Sparen zähmen, denn der Kredit bricht sich unaufhaltsam Bahnen in einen immanenten Wachstumszwang. Organisiert man auf hohen Verschuldungsleveln kein Wachstum droht eine sich selbstverstärkende Abwärtsspirale.

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes des Staates laut ONS, inklusive dem Effekt aus den eingegangenen Verpflichtungen durch die staatlichen Interventionen im Finanzsektor, seit Januar 2000 bis Juni 2011 im Chart. Der Bruttoschuldenstand des Staates stieg im Juni 2011 auf 2,276 Billionen GBP, dies entsprach 149,3% des nominalen BIPs! Die “temporären” Effekte bestehen nun schon seit Juli 2008.

Gemäß Maastrichtkriterien meldete UK 2010 an Eurostat eine Neuverschuldung von 148,9 Mrd. GBP, dies entsprach 10,2% des nominalen BIPs. Der berichtete Bruttoschuldenstand des Staates (ohne die Bankenbeteiligungen) betrug 1,1058 Billionen GBP bzw. 76,1% des nominalen BIPs. Wir erinnern uns der Referenzwert fürs Staatsdefizit laut Maastricht betrug 3% und für den Bruttoschuldenstand 60%.

Trotz fast griechischer Verhältnisse bei der Neuverschuldung verhätschelt der Kapitalmarkt den Schuldner UK:

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger UK-Staatsanleihen seit Januar 1989 im Dailychart. Heute lag die Rendite bei nur 3,071%. Dem angelsächsischen Patienten gelingt es immer noch der Intensivstation bar jeder Datenlage zu entkommen.

Reloaded: UK weitet Handelsbilanzdefizit aus

Quellen Daten: Statistics.gov.uk/ONS: GDP Growth UK output increases by 0.2%, Statistics.gov.uk/ONS: GDP Datenbank, Statistics.gov.uk/ONS: Public Debt Datenbank, Statistics.gov.uk/PDF: Economic review July 2011, Statistics.gov.uk/PDF: Gross domestic product
preliminary estimate

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