USA: 99% der Einkommensbezieher 2010 faktisch ohne Einkommenssteigerungen

von am 29. März 2012 in Allgemein

Wie die New York Times in einem Artikel bezugnehmend auf eine Studie berichtete, welche die landesweiten Einkommenssteuererklärungen in den USA 2010 untersuchte, sind 93% der Einkommenssteigerungen gegenüber dem Jahr 2009 in die Hände der obersten 1% der Steuerzahler gefallen. Noch drastischer, auf die obersten 0,1% der Steuerzahler entfiel 37% des Einkommenszuwachses, auf die “untersten” 99% der Steuerzahler ging ein Anstieg von mageren 7% der gesamten Einkommenssteigerung.

Die Entwicklung der Verteilung der Einkommenssteigerung des Jahres 2010 zum Vorjahr, gemäß den Einkommenssteuererklärungen. Zum Vergrößern bitte 1x die Grafik anklicken.

Während die obersten 0,1% der Steuerzahler ihre Einkommen 2010 um durchschnittlich inflationsbereinigte +4,2 Millionen Dollar bzw. um +21,5% zum Vorjahr steigern konnten und damit einen Anteil vom Einkommenskuchen von 37% einsackten, mussten sich die “unteren 99% der Steuerzahler mit einem Anstieg von +80 Dollar bzw. von +0,2% zum Vorjahr begnügen. Falls es noch Zweifel gab, im Falle der USA handelt es sich eindeutig um eine degenerierte Marktwirtschaft.

Diese Daten aus der New York Times bestätigten auch die Daten der U.S. Social Security Administration für 2010. Diese Daten werden anhand der Employer W-2 Filings (Lohnsteuerkarten) erhoben und in der Lohnstatistik der USA dokumentiert. Die daraus hervorgehenden Details sind ebenfalls erschreckend. Die Einkommensungleichheit auf Basis der Arbeitnehmerlöhne (Arbeiter, Angestellte, Beamte und aller anderen die sich in einem Arbeitsverhältnis befinden) wird immer größer. Insgesamt gab es 2010 in den USA 150,398796 Millionen Arbeitnehmer mit einer kumulierten Lohnsumme von 6,009831 Billionen Dollar. Die durchschnittlichen Löhne  betrugen 39’959 Dollar im Jahr 2010 und eine Rekordanteil von 66,2% aller Lohnempfänger lagen unter diesem Durchschnitt. Der mediane Durchschnitt betrug nur 26’364 Dollar.

Die Lohnspreizung spottet jeder Beschreibung, die obersten 46’667 Lohnempfänger gerade mal 0,03% der Arbeitnehmer kumulierten 2010 168,192 Mrd. Dollar an Löhnen, während die unteren 38,154 Millionen Arbeitnehmer nur 152,401 Mrd. Dollar an kumulierten Lohn erhielten.

Die extrem ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen ist eine der größten Hemmnisse für eine wirkliche positive wirtschaftliche Entwicklung, auch 2010 gingen die Einkommenssteigerungen aus der Erholung der US-Wirtschaft nur auf die Konten der obersten 1% der Einkommensbezieher, während 99% mit Krümeln am “Erfolg” beteiligt wurden und demzufolge aus ihren Einkommenszuwächsen auch nur einen Krümel mehr konsumieren konnten.

Reloaded: Schockierende Daten, Daten der Schande vom US-Census-BureauFood Stamps mit Allzeithoch im Dezember

Quelle Daten: Nytimes.com/The Rich Get Even Richer, Ssa.gov/Wage Statistics for 2010

Nachtrag: Das US-Congressional Budget Office(CBO) liefert von 1979 bis 2007 Daten zur Einkommensverteilung der Haushalte nach Steuern und inflationsbereinigt:

Die Entwicklung der kumulierten prozentualen realen Einkommenssteigerung nach Steuern seit 1979 bis 2007 im Chart. Während in diesem langen Zeitraum die untersten 20% ihre realen Einkommen um 18,3% steigern konnten, legten die Top 1 Prozent um +277,5% zu.

Die Entwicklung des Anteils am gesamten nominalen Einkommen (Market Income) nach Quintilen 1979 und 2007, laut den offiziellen Zahlen des CBO. Market income includes the following components: labor income, business income, capital gains, capital income and other income. Der Anstieg des Anteils der Top 20 von 49,6% auf 59,9% seit 1979 bis 2007 (+10,3 Prozentpunkte) der gesamten Einkommen, ging ausschließlich auf den Anstieg der Top 1 (+10,8 Prozentpunkte) auf 21,3% zurück. Die unteren 40% der Haushalte kumulierten 2007 zusammen nur einen Anteil von 9,8% der gesamten Einkommen, und damit nicht mal halb so viel wie die Top 1. Die untersten 20% der Haushalte kamen auf einen beschämenden Anteil von nur 2,5%.

Quelle Daten: Cbo.gov/publicaTrends in the Distribution of Household Income Between 1979 and 2007

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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34 KommentareKommentieren

  • Duke van Hudde - 29. März 2012

    Danke für die Grafiken die sind ja teilweise echt schrecklich.0,2 % Lohnsteigerungen für die “unteren” 99 % liegt ja nun sicher extrem unter der Inflation selbst die geschönte Amy Inflation.

    Interessant würde ich finden wie sich deR Median 66,2 % im Jahr 2010 entwickelt hat im Laufe der Zeit.Dazu würde ich auch noch gerne ein Zeitverlauf der Steigerungen der Löhne sehen.Es würde zumindestens zu vermuten sein das die oberen 0,1 % bei einer Rezesion deutlich an ihren Löhnen verlieren.Nur genau das bezweifel ich doch mitlerweile stark.21,5%Steigerung in einen Jahr was nicht gerade ein extremer Boom war ist schon ein starkes Stück.

    Bei der lohnsummer der obersten 0,1 % sollte doch klar sein was man machen müste wenn man überhaupt eine Einkommensteuer verlangn will.Die für extreme Einkommen müssen deutlich nach oben.

  • SteffenB - 29. März 2012

    Über einen so kurzen Zeitraum ist das ganze aber nicht wirklich aussagekräftig, sondern wird nur polemisierend benutzt. Die Gehälter der normalen Angestellten sie ja meist recht statisch. Ein gute Konjunktur und Börsenentwicklung hilft aber den oberen Schichten sehr viel. Nur als es vor 2 Jahren runter ging, haben sie ja auch nicht geschrieben: “Die Einkommen der oberen Zehntausend sinken 5 mal so schnell wie die der unteren Einkommensklassen”

    • Querschuss - 29. März 2012

      Hallo SteffenB,
      “polemisierend”, ……nee, die Daten sind erdrückend! Gerade weil die Gehälter der normalen Angestellten recht statisch sind, habe ich nicht nur auf die Daten der New York Times zu den Einkommen gemäß Einkommenssteuererklärungen zurückgegriffen, sondern auch auf die Lohnstatistik, die ausschließlich die Löhne aller Arbeitnehmer laut Lohnsteuerkarten (Employer W-2 Filings) abbildet. Das hast du anscheinend geflissentlich überlesen! Hier nochmal: Die Lohnspreizung spottet jeder Beschreibung, die obersten 46’667 Lohnempfänger gerade mal 0,03% der Arbeitnehmer kumulierten 2010 168,192 Mrd. Dollar an Löhnen, während die unteren 38,154 Millionen Arbeitnehmer nur 152,401 Mrd. Dollar an kumulierten Lohn erhielten.

      Das wird auch nicht viel besser, wenn man die Zahl der betrachteten Arbeitnehmer kräftig erweitert, die “untersten” 72,419 Millionen US-Arbeitnehmer, immerhin 48,15% aller US-Arbeitnehmer 2010 kumulierten zusammen 743,078 Mrd. Euro an Löhnen, die obersten 1,326 Millionen, nur 0,88% aller US-Arbeitnehmer kumulierten 717,942 Mrd. Dollar an Löhnen im Gesamtjahr 2010. Also 0,88% der Arbeitnehmer kassierten fast genauso viel Lohn, wie 48,15% aller US-Arbeitnehmer. Keine Polemik sondern offizielle Fakten und welche die einen gravierenden Hemmschuh für eine positive wirtschaftliche Entwicklung darstellen.

      Gruß Steffen

  • Duke van Hudde - 29. März 2012

    @SteffenB

    Genau das was du beschreibst ist das was man hören würden von der Elite und deswegen würde ic das auch gerne über dne Zeitvelrauf sehen.Ob es in einer Rezession wirklich dramatisch nach unten geht oder ob dann der Aufsichtsrat einschreittet. Es kommt ja wohl auch sehr drauf an wie genau man den “erfolgsabhängigen” Teil des Lohns deR Leute genau berehcnet.Mit etwas Geschick bekommt man das locker hin auch in shclechtne Zeiten ordentlich abzugreifen.

    Deshalb der Wunsch nach weiteren Grafiken wenn die machbar sind.Z.B. der Anteil der obersten 0,1 % an der gesammten Lohnsumm seit 1980.

    Im Prinzip geht es hier aber um zwie Punkte.

    1.Die Verteilung der gesammten Lohnmenge zwischen den 1 % und den 99 %als Momentaufnahme und hier werden sicher alle sagen das das shcon heftig ist.

    2.Was wir beide gerne hätten wie da die Entwicklung der letzten 20-30 Jahre war.Ob diese Verteilung mit der zeit imme schlimmer geworden ist oder shcon immer so war.

    MEine Vermutung ist das sie zumindestens seit 1995 – Heute schlimmer geworden ist.Aber das istn ur eine Vermutung.

    • Bernd Rickert - 29. März 2012

      Mein Tip: Das Jahr 1995 als Folge der deutschen Einheitsverträge ist charttechnischer Meilenstein.

      • Bernd Rickert - 29. März 2012

        Ich habe mir jetzt ein paar dutzend Charts angeschaut. Tatsächlich startete ein breiter Wandel der Einkommensstrukturen in den USA unter Reagan, dann verstärkt unter Bush dem 1.. In Deutschland schlägt die Einkommenschere bereits 1990-1992 zu, sofern man vergleichende Charts der Unternehmensgewinne zu Einkommen heranziehen kann. Eigentlich hätte ich gedacht, die Turbulenzen durch die deutsche Einheit müssten sich erstmal ein paar Jahre legen.

        Über die Einkommensverteilung wie in dem obigen Chart konnte ich für Deutschland nichts finden. Nur die OECD-Studie vom Dez. 2011 ist weit verbreitet mit dem Hinweis, die Oberklasse 10% verdiene 8mal soviel wie Unterklasse 10%, während es in den 90-Jahren – was auch immer damit gemeint ist – noch 6mal soviel war.

    • Wolfgang Waldner - 29. März 2012

      @Duke van Hudde

      Die Entwicklung der Einkommensverteilung findest Du hier:

      Winner-Take-All Politics: Public Policy, Political Organization, and the
      Precipitous Rise of Top Incomes in the United States
      Jacob S. Hacker and Paul Pierson
      http://pas.sagepub.com/content/38/2/152.full.pdf+html

      Kurz zusammengefasst::

      So stiegen die Anteile der Reichsten am Gesamteinkommen in den USA von 1974 auf 2007:

      Das reichste 1 Prozent von 8% auf 18% (vor Steuern, ohne Kapitaleinkünfte)

      Das reichste 1 Prozent von 9% auf 23,5% (mit Dividenden und Renditen)

      Das reichste 0,1 Prozent von 2,7% auf 12,3%

      Das reichste 0,01 Prozent von unter 1% auf über 6%

      http://www.keynesianer.blogspot.de/2010/09/einkommensentwicklung-usa-top-01.html

  • leslie - 29. März 2012

    ´´Die Lohnspreizung spottet jeder Beschreibung, die obersten 46’667 Lohnempfänger gerade mal 0,03% der Arbeitnehmer kumulierten 2010 168,192 Mrd. Dollar an Löhnen,´´

    Die oberen 10.000 halt….
    Koks kostet. :-/

    Mfg

  • Optimist - 29. März 2012

    > 0,2 % Lohnsteigerungen für die “unteren” 99 % liegt ja nun sicher extrem unter der Inflation selbst die geschönte Amy Inflation.

    Die Steigerung ist laut NYTimes schon inflationsbereinigt.

  • Bernd Rickert - 29. März 2012

    Reichtum ist eine Krankheit.

    Dass die Einkommensverteilung inzwischen ähnlich schlimm aussieht wie die Vermögensverteilung, hätte ich nicht gedacht.

    Wie kann man realitätsentfremdeten Menschen lehren, dass Würde, Anerkennung, Vertrauen und Zufriedenheit keine geldwerten Güter sind, sondern Lebensqualität erhöhen, die aus geldwerten und freien Güter bestehen?
    Der social brain ist jedenfalls kein geldwertes Gut, gegen ihn ist kein Kraut gewachsen und er kann durchaus zu einem glücklichen Leben beitragen oder eben auch nicht. Coaching, Psychologen, Drogen, Selbstbeweihräucherung in der Presse und die bescheidene Selbstbeschränkung der Lebensqualität auf kleine, geschlossene Zirkel unter immer verschärfteren Sicherheitsmassnahmen schaffen da keine Abhilfe.

    • Canpichurri - 29. März 2012

      @ Bernd R

      Reichtum ist eine Krankheit.

      Ich möchte auch mal diese Krankheit haben. Wo kann man sich da anstecken?

  • mitwisser - 29. März 2012

    Und das ganze unter der DEMOKRATISCHEN PARTEI. Wobei die letzlich auch vom Big MONEY gekauft sind und von den Republikanern nach Kräften blockiert werden, bei allem was auch nur den Anschein von Umverteilung oder sozialem hat. Letztere hätten das Volk (bzw. mindestens 90% der Bevölkerung) aber noch weiter ausgequetscht und ihren Amigos und Sponsoren weitere Steuergeschenke gemacht.
    Schon erstaunlich mit welcher Demut der gemeine Ami diese Situation erträgt. Die Gehirnwäschen im Bildungssystem und den Medien tragen aber auch bestens dazu bei, das Volk dumm und willig zu halten. Nur wie lange noch?

  • M.E. - 29. März 2012

    Das alles ist keineswegs verwunderlich. Und ich sage mit eine Gewissheit von 99% voraus: diese Entwicklung der Wohlstandsverluste der breiten Massen in den OECD-Ländern wird sich beschleunigt fortsetzen.
    Aus 3 Gründen, die schon früher nannte:
    1. breite Umverteilung von unten nach oben – organisiert durch die zunehmende Zinslast, Bailoutkosten usw., die die breite Masse als Steuerzahler, Konsument und Privatschuldner zu tragen hat.
    2. Wohlstandsverluste durch die zunehmende Verschiebung des realwirtschaftlichen Gravitationszentrums in die Schwellenländer (was dort natürlich keineswegs allen zugute kommt).
    3. Wohlstandsverluste durch immer höhere Knappheitskosten wichtiger Importrohstoffe. Diese Wohstandsverluste in den importabhängigen Ländern sind begleitet von Wohlstandsgewinnen in den Netto-Rohstoffexportländern. (Auch diese Gewinne kommen dort natürlich nicht allen zugute).
    Gerade Punkt 3, der bisher in seiner Bedeutung eher hinter Punkt 2 und vor allem Punkt 1 rangiert, wird in Zukunft (nächste 2 bis 3 Jahrzehnte) massiv an Bedeutung zunehmen und der absolut dominierende Faktor werden.
    Weshalb ich auch diese Prognose der Beschleunigung dieses Prozesses wage.
    Für viele Menschen in den OECD-Ländern heißt die Perspekzive der nächsten 3 Jahrzehnte: relativer Wohlstand —- Verarmung —- Verelendung.
    Was daraus für Konsequenzen für die gesellschaftliche Stabilität erwachsen bleibt abzuwarten. Es könnte turbulent werden.

    Ein Nebenaspekt, den ich nicht unter die dominierenden 3 Hauptaspekte eingruppieren wollte ist der demographische Aspekt in doppelter Hinsicht.
    Nämlich der Teiaspekt der weltweiten Bevölkerungszunahme um die 30-fache Bevölkerungszahl Deutschlands bis Mitte des Jahrhunderts und der andere Teilaspekt der Alterung und teilweise der Schrumpfung der Bevölkerung der OECD-Länder.
    Auf die USA trifft das mit der Schrumpfung der Bevölkerung natürlich noch nicht zu.

    • hko - 29. März 2012

      @M.E.
      ich würde es nicht so sehen:

      Für viele Menschen in den OECD-Ländern heißt die Perspektive der nächsten 3 Jahrzehnte: relativer Wohlstand —- Verarmung —- Verelendung.

      eher in einem positiveren Blickwinkel:
      Änderung der Lebensgewohnheiten, Umwertung gewisser Werte und neue Erkenntnis Wohlstand anders zu erleben — sozusagen geistigen Wohlstand anstatt materiellen

      • Novosibirsk - 30. März 2012

        Dieser ‘geistige Wohlstand’ … wird er unsere Körper gesunden lassen und gleichzeitig unsere Rentner versorgen? Kann man den essen? Alterspyramide mit zusätzlich steigenden Gesundheits- und Pflegekosten?
        Psychologisch gesehn ist die Sache doch relativ eindeutig: Wenn der Wohlstand weiter abnimmt, wird um die Verteilung umso aggressiver gekämpft. Dies ist die einzig mögliche Entwicklung. Alles andere ist blauäugig. Die Menschen werden sich die Köpfe einschlagen.

        • ö.ä. - 30. März 2012

          Bis die Stimmung kippt und sich in einer Revulotion Bahn bricht, falls die Rahmenbedingungen zur echten Existenzfrage werden.

  • Nepumuk - 29. März 2012

    Ich weis ja das es nicht hier hin gehört…

    aber ich bin grade über einen Artikel in der WELT gestolpert der mich vermuten lässt, das da jemand bei Querschüsse zumindest mitgelesen hat.

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106129958/Spaniens-Misere-lebensgefaehrlich-fuer-Deutschland.html

    • MagnaBavaria - 29. März 2012

      Guck mal im Blog des Artikel-Autors unter “Empfohlene Seiten”:
      http://guentherlachmann.wordpress.com/

      ;)

      • Nepumuk - 29. März 2012

        Hmmm….

        auch des Blog vom Herrn Gärtner findet man dort…. ich bin positiv überrascht.

        Nepumuk

  • M.E. - 29. März 2012

    Das ist die Frage, hko.
    Gerne würde ich Dir ja zustimmen. Aber die, die heute bereits verarmen und in Teilen sogar verelenden (die Bilder aus manchen Städten z.B. der USA sind bedrückend) haben meist auch keinen geistigen Wohlstand mehr und erweitern auch nicht mehr irgendeinen Blickwinkel. Es sei denn in manchen Fällen mit Alkohol.

    Freilich – derjenige, der heute ein Einkommen von 3000 Euro im Monat hat und in 15 Jahren auf 1500 Euro heutiger Kaufkraft zurückfällt, der könnte Dein Szenario einer Umwertung von Werten leben. Aber derjenige, der Obdach, Gesundheitsvorsorge und Bildungschancen verloren hat, dem eröffnen sich solche Perspektiven nicht.

    Und das meine ich mit “Elend”. Das was Du meinst, ist kein Elend, sondern bewusste (und sei es auch erzwungene) Bescheidenheit auf der Basis der Befriedigung der wichtigsten Bedürfnisse, zu denen eben ein bescheidenes Obdach und Bildungsmöglichkeiten gehören.

  • henne - 29. März 2012

    @M.E. stimme Dir in allen Punkten zu.
    Die Leute ahnen was auf sie zu kommt. Siehe heute in Spanien… http://www.elpais.com (livestream)
    davon werden wir noch eine Menge sehen auch in Frankreich…Generalstreiks

    • Holly01 - 29. März 2012

      Als in Griechenland gestreickt wurde, haben findige Mathematiker errechnet, das man Gesamtheitlich gesehen Gewinn macht.
      Gesparte Löhne plus nicht gebundenes Kapital in zur Zeit unverkäuflichen Waren und gesparte Herstellungskosten (insbesondere Energiekosten) haben sich insgesamt gerechnet.
      Wer keine Macht hat und keinen Einfluss aufbauen kann, der ist mit einem Streik nicht im Vorteil.
      Die 30 Jahreprognose von M.E. Möchte ich anzweifeln. In 30 Jahren wird es die Welt, die wir heute kennen, so nicht mehr geben.

  • Walter P. - 29. März 2012

    Einen sehenswerten TV Bericht sah ich, war s NDR 3, über die Gesundheitsversorgung der Ärmsten in den USA. Ich hoffe, uns steht sowas niemals bevor.

    Die gezeigten Schicksale haben mich ganz schön schockiert. Diagnosen können wegen Budgetminimum nicht durchgeführt werden, Kranke werden ohne Untersuchung weggeschickt, weil sie “selbst bei geringem Einkommen” zuviel verdienen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

    Die Gesetzteslage läßt nur Not OPs zu, dabei ausgeschlossen sind Folgebehandlungen, was ich nicht nachvollziehen kann. Den gesamten Bericht habe ich nicht mehr eins zu eins im Kopf, daher nur Ausschnitte.

    Unsere Presse jubelt derzeit weiter vom Hoch am Arbeitsmarkt und dem ganzen GfK/ IFO Kaffeesatz Gerede. Rösler trötet dazu weiter sein Stimmungsliedchen. Einfach nicht mehr zu begreifen.

  • Harald E - 29. März 2012

    Die wichtigen Dinge im Leben kann man nicht kaufen

    Was nutzen mir Millionen, wenn mich alle nur wegen meines dicken Portemonaie grüßen ?

    Um an das dicke Portemonaie zu komme, braucht man Ego und Ellenbogen.
    Beides hilft aber nicht, wenn man freundlich und von Herzen gegrüßt werden will.

    Ich hab lieber einen guten Freund, als 10 RollsRoyce in der Garage.

    • Walter P. - 29. März 2012

      Wahre Worte.

      Geld kann man nicht in den Arm nehmen, einen guten Freund schon. Dieses Gefühl ist nicht in Geld aufzuwiegen.

      Eine menschliche Erkenntnis, die sich viele Bürger derzeit wünschen. Ich bleibe daher Gutmensch und scheu auch keine Kritik am derzeitigen System.

  • Harald E - 29. März 2012

    Im Grunde ist es ganz simpel.

    Um bei dem Beispiel Rolls Royce zu bleiben. (Auch nur ein Fortbewegungsmittel)

    Legt man einen Mittelwert zugrunde.
    Wieviele duzende/hunderte Menschen müssen -mangels Geld- zu Fuß laufen, damit ich einen Rolls Royce fahren kann ?

    Wie pervers und/oder egoman müßte ich sein, wenn ich obendrein noch Spaß daran hätte ?

    Ne.
    Ich bleibe lieber unter Durchschnitt und muss mir dafür aber keinen Schuh anziehen, der (mir) zu groß ist.

  • M.E. - 29. März 2012

    “Die 30 Jahreprognose von M.E. Möchte ich anzweifeln. In 30 Jahren wird es die Welt, die wir heute kennen, so nicht mehr geben.”

    Aber Holly,
    das war doch gerade mein Ansatz, zu zeigen, dass es in 30 Jahren die Welt, wie wir sie heute kennen, nicht mehr geben wird
    Mal ein Beispiel außerhalb des OECD-Raumes, denn wir sind generell sehr OECD-zentriert. Über 80% der Menschheit leben aber nicht in OECD-Ländern, Tendenz steigend.

    Beispiel Ägypten.
    Ich habe gerade eine TV-Doku über das Nildelta bei Phoenix gesehen. Da ich mich schon seit einiger Zeit mit den sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Ägypten beschäftige, waren mir verschiedene Dinge schon bekannt. Aber die Rasanz der negativen Entwicklungen dort hat mir doch die Sprache verschlagen.

    Das Nildelta ist die landwirtschaftliche Hauptbasis Ägyptens. Bedeutsamer jedenfalls als das enge Niltal. Die übrigen 90% des Landes kann man ohnehin vergessen.
    Früher hat der Nil so viel fruchtbaren Boden aus den außerägyptischen Bereichen angeschwemmt, dass die Bodenverluste ständig kompensiert wurden und das Delta sogar zum Meer hin wuchs. Durch den Assuan-Staudamm ist das vorbei. Der fruchtbare Schlamm lagert sich nutzlos im Nasser-See ab und füllt diesen allmählich auf.
    Das Nildelta sinkt unter seinem Eigengewicht järlich um einen Zentimeter ab, das Meer dringt jedes Jahr in verschiedenen Bereichen um 100 Meter vor und vor allem versalzen immer weitere Bereiche des Grundwassers und der Böden im Delta.
    Im Norden des Deltas können nur noch die halbwegs salztoleranten Dattelpalmen angepflanzt werden, was zu einem Preiszusammenbruch bei Datteln in Ägypten geführt hat.
    Die Fischerei vor der ägyptischen Küste kommt langsam zum Erliegen durch kollabierende Fischbestände, weil durch das nunmehr mineralstoffarme Wassser des Nils das Plankton als Basis der maritimen Nahrungskette weitestgehend reduziert ist. Plus Überfischung mit zu engen Netzen natürlich. Der Fischereizusammenbruch betrifft schon das gesamt östliche Mittelmeer.

    In Ägypten leben derzeit etwa 83 Millionen Menschen, jedes Jahr kommen 1,3 Millionen dazu. 2040 werden es ca. 135 Millionen sein.
    Alleine im Nildelta leben über 40 Millionen Menschen, dort besonders stark steigend. Wenn der Städtebau so wie jetzt weitergeht, wird es in 40 Jahren keine landwirtschaftliche Nutzfläche mehr im gesamten Delta geben.
    In 30 Jahren wird Ägypten fast kein Öl mehr haben (man ist schon letztes Jahr zum Importeur geworden), kein Gas, keine Kohle, keine Mittel, um das alles zu importieren, der jetzt reichlich verfügbare künstliche Dünger wird ausgegangen sein, der Assuan-Staudamm wird durch die Verlandung den größten Teil seines energetischen Potenzials verloren haben, der einträgliche Tourismus wird infolge von post-peak-Oil und Massenrevolten nicht mehr vorhanden sein…
    Und so weiter.

    Wenn jetzt jemand denkt, was geht uns Ägypten an, dann ist derjenige schwer auf dem Holzweg. Chaotische Massenmigrationen werden nicht nur diese Region destabilisieren.
    Im bevölkerungsexplosionsgebeutelten Länderdreieeck und künftigen Wassernotstandsgebiet Pakistan, Indien und Bangladesch bahnt sich eine 7 bis 8fach größere Katastrophe an, wie in Ägypten. Dort werden 2040 an die 2 Milliarden Menschen leben. Nicht mal die Hälfte wird dann noch durch Versiegen des Grundwassers noch zu ernähren sein. Selbst bei gerechterer Verteilung als heute. Der niedergehende Weltagrarmarkt wird dann keine großen Defizite in größeren Regionen mehr ausgleichen können.

    Diese scheinbar fernen Menschheitskatastrophen werden uns betreffen. Inseln der Glückseeligen werden Mangelware.

  • Holly01 - 29. März 2012

    M.E. Ja, man könnte dies alles weiterführen. Vom Absacken Floridas durch Ölpumpen, über Wassermangel für hunderte Millionen Menschen, weil sie vob Tiefenbrunnen abhängig sind die versiegen, weil die Wasserreservoires Jahrtausende alt sind, bis hin zum wahnsinnigen Phracking bei dem das Deckgebirge zerstört wird und wir unsere Wasserwege unterhalb der Oberfläche zerstören und unser Trinkwasser vergiften.
    Wahnsinn trifft es nicht mehr, es ist eine ***eiß egal Haltung, die als Endzeitstimmung interpretiere.. Die 1% wollen das eine Prozent sein, welches überlebt.
    Die apokalyptischen Reiter sind biblisch, aber was auf uns zukommt dürfte das Enmde eines Evolutionszykluses sein. Etwa vergleichbar mit dem Aussterben der Dinosaurier.
    Die Menschen sterben nicht aus, aber es ist absehbar, daß weit über 90% praktisch keine Chance haben.
    Arbeitsteilung macht uns unselbstständig. Arbeitsteilung verhindert ein Überleben im Alleingang. Geld kann man essen, aber der Nährwert läßt sehr zu wünschen übrig.
    Wir sind eine Spezies die zu erfolgreich war und zu lange viel mehr Energie verbraucht hat, als von der Sonne kommt, Die Reserven, sei es Nahrung oder Wärme sind endlich, wir sind endlich.
    Vorher wird die Hyperinflation die OECD-Staaten von der wirtschaftlichen Karte fegen.
    Die Amis mögen sich mit ihrer Kriegsmaschienerie noch ein oder zwei Jahrzehnte durchschmarozen, aber auch daß ist endlich.
    Keine Schadenfreude, denn einen Ausweg gibt es nicht.
    Die Politik wußte es seit JAHRZEHNTEN und hat es nur verschlimmert. Wohl in der Hoffnung auf die ultimative Innovation.
    Kennedys Aufbruch zum Mond stellt für mich das Eingesteändniss dar, das es einen Plan B braucht. Gute 10 Jahre später kam der club of rome.
    Heute essen wir Fischstäbchen die uns 1 Emnergie bringen und verbrauchen 4 Energie um sie herzustellen.
    Eine vernichtende Energiebilanz.
    Sry wegen der tippfehler, aber ich bin auf reisen und tippe auf dem tab, das ist extrem ungewohnt.

  • Lothar - 30. März 2012

    Cool Holly01 – Leute mit iPad und scheissegal ob der Liter 1,70 kostet wir reisen durchs Land beschweren sich ueber die Uneinsichtigkeit der anderen Konsumenten. Das finde ich jetzt mal wirklich lustig

    Lothar (der obwohl IT Profi, nie ein Auto, ein Handy oder ein Tab hatte – und nie wollte).

  • Holly01 - 30. März 2012

    Was Sie so alles zusammenreimen ist bewundernswert. Ich spare mir eine Antwort auf Ihrem Niveau. Erfahrungsgemäß ist man auf dem fremdem Terain chancenlos.
    Sie dürfen mich ignorieren.

  • dank - 31. März 2012

    @Lothar & Holly01
    Also bisher waren Sie beide in den Meinung/Aussagen nicht so himmelweit voneinander entfernt.
    Gibt es dazu einen ersthaften Grund?
    Hab ein Auto – kein Tab – ein Handy (Baujahr 2005) – bin mehr als IT affin (100%). So – bin ich jetzt ein guter oder ein schlechter? Ein ganz böser?
    Meinungen sind ja ok – aber die Richtung geht nur in eine… Anrempeln gilt nicht. ;-)

    Zu Taps: Im schlimmsten Fall löst Apple mit Foxconn in China ein Erdbeben aus, wenn Arbeitszeiten gekürzt, Löhne beibehalten und Neueinstellungen zu besseren (ich meine damit nicht perfekten!) Konditionen vorgenommen werden… Bin gespannt. Show ist das mit über 1 Mio. Beschäftigten jetzt nicht mehr. Dann wird bald ein wenig teurer produziert.->
    USA macht dann mehr Export, also aus China, also mehr Fremdexport – die oberen 1% mehr PLUS!!!

    • dank - 31. März 2012

      “Taps” – Tablets natürlich – Vollprofi im Einsatz – Vorsicht! :-/
      Vielleicht sollt ich mal zum Schreiben nicht von ner Spülmaschine träumen….

  • Holly01 - 31. März 2012

    Alles sehr OT. Online fühle ich mich nicht beleidigt oder schnappe “ein”.
    Ich investiere aber auch nicht in Fingerhakeleien. Wenn jemand 1 + 1 = 11 zusammenzählt kann man dies breit diskutieren, muss man aber nicht.
    Querschüsse pflegt ein recht hohes Niveau, das muss man nicht durch ego-Pflege oder OT-Kinderspiele mutwillig unterlaufen.
    Aus die Maus. Beim nächsten Thema kann man wieder um die Sache streiten und sich gegenseitig bestätigen.
    So wichtig ist das alles garnicht. wir kennen uns ja nicht einmal und schreiben ist immer interpretierbar.