USA: Daten der Schande 2014

von am 19. September 2015 in Allgemein

Das U.S. Census Bureau, das statistische Bundesamt der USA, veröffentlichte den jährlichen Bericht zum Stand der Einkommen, der Armut und den der Krankenversicherten für das Jahr 2014. Die offizielle Armutsquote lag unverändert zum Vorjahr bei 14,8%, aber dahinter verbergen sich beschämende 46,657 Millionen US-Bürger die unterhalb der offiziellen Armutsgrenze leben, die höchste Zahl seit Beginn der Datenerhebung vor 55 Jahren! Erweitert man die offizielle Armut auf 125% der definierten Grenze, sind sogar 61,339 Millionen von Armut betroffen bzw. 19,4% der Gesamtbevölkerung.

D1114Die Entwicklung der Zahl der US-Bürger die unter der Armutsgrenze leben müssen seit 1959 im Chart. Im Jahr 2014 stieg die Zahl der unter der Armutsgrenze lebenden um +388’000 zum Vorjahr, auf 46,657 Millionen, nach 46,269 Millionen 2013.

15,540 Millionen Kinder (unter 18 Jahre) sollen 2014 in Armut gelebt haben, bei den Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren lebten 26,527 Millionen in Armut. Bei den Alten ab 65 Jahren lebten 4,590 Millionen in Armut.

Die hässliche Fratze der Daten zeigt sich weiter hier, beschämende 10,155 Millionen Erwachsene waren trotzdem sie einer Arbeit nachgingen arm, dies waren immerhin 38,3% aller Armen zwischen 18 und 64 Jahre! Immerhin 3,091 Millionen lebten trotz einem Vollzeitjob unter der Armutsgrenze!

Die Armutsgrenze (Income-to-poverty ratio 100%) lag im Jahr 2014 für eine vierköpfige Familie bei einem Bruttojahreseinkommen von unter 24’230 Dollar Für einen Single bei unter 12’071 Dollar! Erweitert man den Begriff Armut auf weniger als 125% der offiziellen Armutsgrenze, dann waren sogar 61,339 Millionen US-Bürger bzw. 19,4% der Bevölkerung als arm zu klassifizieren! Richtig heftig ist die richtige Armut, also mit weniger als nur nur 50% der offiziellen Armutsgrenze. Dies betrifft immerhin noch skandalöse 20,803 Millionen!

Die Zahl der US-Bürger ohne Krankenversicherung nahm dagegen deutlich ab, aber trotz Obamacare waren immer noch 32,968 Millionen US-Bürger im Jahr 2014 ohne Krankenversicherung, nach 41,795 Millionen 2013. Damit waren 2014 immer noch 10,4% der Bevölkerung ohne Krankenversicherung. Im Jahr 2014 waren 4,858 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre ohne eine Krankenversicherung. Selbst 2014 beruhten nur 55,4% der Krankenversicherungen auf einer employment-based health insurance, im Jahr 1999 waren es noch 64,1%!

Zugleich lieferte das Census Bureau mit dem Bericht auch aussagekräftige Daten zur Einkommensentwicklung und zur Verteilung der Einkommen bei den privaten Haushalten:

D1116Das reale mediane Jahreseinkommen (preisbereinigt 2014=100) der privaten Haushalte sank 2014 um -1,5% zum Vorjahr, auf 53’657 Dollar, nach 54’462 Dollar 2013. Seit 2007 sind die medianen realen Jahreseinkommen der Haushalte immer noch bis 2014 um -6,5% eingebrochen und um -7,3% zum Allzeithoch im Jahr 1999!

Der Median teilt die erzielten Einkommen der Haushalte in zwei Hälften, genau in der Mitte zeichnet sich ein reales medianes Jahreseinkommen von nur 53’657 Euro je Haushalt in den USA. Ein durchschnittlicher US-Haushalt entsprach 2014 2,53 Personen. Das Mean-Jahreseinkommen (Durchschnittsjahreseinkommen) betrug dagegen 2014 real 75’738 Dollar. Der relativ hohe Abstand zwischen dem Mean und dem Median spricht für eine ungleiche Verteilung der Haushaltseinkommen.

D1117Selbst innerhalb der miesen Realeinkommensentwicklung der Haushalte beschämt die Einkommensverteilung, denn die unteren Einkommensgruppen (nach Quintilen) partizipieren seit Jahrzehnten nicht am Produktivitätsfortschritt. Die untersten 20% der privaten US-Haushalte erzielten 2014 ein durchschnittliches reales Haushaltsjahreseinkommen von nur 11’676 Dollar! Die realen Mean Einkommen (Mean=Durchschnitt/arithmetische Mittel) der untersten 20% sanken 2014 auf ein Niveau wie zuletzt 1983!

Seit 1967 sind die realen durchschnittlichen Haushaltsjahreseinkommen der untersten 20% offiziell nur um erbärmliche +1’758 Dollar gestiegen. Damit sind Jahrzehnte an unvergleichbaren Produktivitätssteigerungen am unteren Ende der Einkommensskala spurlos vorbeigegangen! Die obersten 5% der US-Haushalte hingegen generierten im Jahr 2014 ein reales durchschnittliches Haushaltsjahreseinkommen von 332’347 Dollar. Seit 1967 stiegen die realen Einkommen der obersten 5% um preisbereinigte +158’077 Dollar bis 2014!

D1118Die Einkommensverteilung nach Quintilen (Fünftelwerten) inkl. der Top 5%. Die obersten 20% der Haushalte generierten 2014 laut Census Bureau 51,2% aller Einkommen. Die Top 5% sogar 21,9% der Einkommen. Die untersten 40% der privaten Haushalte erzielten dagegen nur einen 11,3%-igen Anteil am gesamten Einkommen. Dramatisch die Situation der untersten 20%, mit einem Anteil von nur 3,1% vom Einkommenskuchen!

Die lockere Geldpolitik, die wieder aufgenommene Kreditexpansion, das ausgewiesene nominale BIP-Wachstum  haben an der Armut, der miesen medianen Realeinkommensentwicklung und der ungleichen Einkommensverteilung wenig bis nichts geändert. Auch diese Daten vom U.S. Census Bureau für das Jahr 2014 sind eine Schande!

Reloaded: USA: die “untersten 90%” mit realen Einkommen wie 1965

Quellen: Census.gov/Income, Poverty and Health Insurance Coverage in the United States: 2014

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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7 KommentareKommentieren

  • JL - 20. September 2015

    Naja, mit der Selbstherrlichkeit Made in USA ist es wohl vorbei. Nichts mit unbegrenzten Möglichkeiten und millionenschweren Kontoinhabern die als Tellerwäscher angefangen haben. Amerika hat sich in unzähligen Kriegen selbst verbraucht, verschuldet und ruiniert.

    Auf Kredit wurde Wachstum, Erfolg und ewiges Frohlocken suggeriert bis Detroit pleiteging und nachfolgend Chicago- als größte amerikanische Städte.

    Die BIP- Erwartungen wurden vorsorglich schon mal von +3,0% auf +2,1% zurückgefahren. Was aber am Ende des manipulierten Daten- Dschungels übrig bleibt wissen nur die Götter.

    Fakt bleibt: Amerika verarmt- zugunsten anderer.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Holly01 - 20. September 2015

      Hallo JL,
      “Fakt bleibt: Amerika verarmt- zugunsten anderer.”
      Ich denke die Zahlen von Steffen zeigen eher ein Bild von Amerika, bei dem die Umverteilung dominiert.

      • JL - 20. September 2015

        Hallo Holly01

        Auch wenn man andere Worte für denselben Zustand findet bleibt es das gleiche.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

  • Bubblegum - 20. September 2015

    @JL und Holly,

    das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich mal eines Tages den Kopp Verlag verlinken würde:

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/j-d-heyes/geheime-dokumente-belegen-westliche-regierungen-planen-verleumdungskampagnen.html

    Das Ungleichgewicht der Einkommens- und Vermögensverteilung in der gesamten westlichen Welt führt dazu, dass die großen wirtschaftlichen Imperien zu kollabieren beginnen.

    Und immer, wenn Kolosse zu wanken beginen, versuchen sie ihren Fall durch besonderes restriktive, kriegerische und perfide Maßnahmen aufzuhalten (s.obigen Link).

    Maßnahmen, die den Fall nicht aufhalten, den Kollateralschaden für die Zwerge unter ihnen, sprich die sog. kleinen Leute nur noch schlimmer machen.

    Insofern folgt das Imperium der Vereinigten Terror- und Folterstaaten von Nordamerika dem Beipiel der Römer:

    Verleumdung der Karthager, um sie als wirtschaftliche Konkurrenten auszuschalten und dann auch physisch auszumerzen (146 v. Chr)

    Landraub der Großgrundbesitzer, den auch ein Tiberius Gracchus (162 v. Chr.; † 133 v. Chr) mit seinen Reformversuchen nicht aufhalten konnte!

    Gebe Gott dass ich die Kollateralschäden nicht mehr in ihrem ganzen Ausmaß miterleben muss!

    Das, was jetzt schon passiert reicht mir!

    Bubblegum

    • JL - 20. September 2015

      Hallo Bubblegum

      … und Caesar, der den Kelten ihre Identität nahm, indem er die Druiden ausrottete und damit deren Glaube und Werte.

      Parallelen zu heutigen Bemühungen sind da sicher nicht rein zufällig.

      Und die alten Römer holten sich auch ein „foederati“ Kuckucksei ins Nest und hieß Odoaker.

      Heute sind es aber keine germanischen Generäle im Dienst des Imperiums, sondern US- Staatsanleihen. Diese werden zurzeit Abverkauft. China veräußert z. Z. monatlich im Wert zwischen 70 und 80 Milliarden U$ davon um den eigenen Aktien- und Wirtschaftsraum zu stützen, arabische Länder verkaufen um den gesunkenen Ölpreis zu kompensieren und andere wiederum um staatliche Haushaltslöcher zu stopfen.

      Was auch immer der Grund ist, er sorgt dafür, daß den Amerikanern ihre exportierten Probleme neuerdings vor die eigenen Füße geworfen werden.

      Für ein „schuldenverwöhntes“ Land ist das richtiggehend schlecht.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

      • Holly01 - 21. September 2015

        Hallo JL und Bubbelgum,
        tja Kopp-Verlag ….. und “Für ein „schuldenverwöhntes“ Land ist das richtiggehend schlecht.”
        Aber Merkel ist nicht zu beeindrucken und tut alles, was der hegemon auch nur an Forderungen flüstert obwohl die Situation inzwischen ziemlich eindeutig ist.

        Die Amis urinieren weltweit gegen den Wind. Man kann als Hegemon einen oder ein paar Staaten disziplinieren, man kann einen Großraum lenken, aber man kann nicht gleichzeitig die ganze Welt dominieren.
        Die Maßnahmen widersprechen sind, verwässern die Effekte und reduzieren die Abhängigkeit der örtlichen Eliten, auf die der Hegemon angewiesen ist.

        Die Amis haben den diplomatischen Diskurs ausgesetzt. Die kennen nur Unterwerfung oder Regimechange.
        Dabei haben die den Fehler gemacht jegliche Bündnisstreue über Bord zu werfen, die Amis nutzen nur noch temporale Nützlichkeiten.
        Damit ist jede Elite weltweit austauschbar und verliert das Interesse an der Zusammenarbeit, bzw. wird zum Selbstschutz beginnen sich selbst (ohne USA) abzusichern.
        Das ist auch ein weiterer Grund für die Probleme der USA ihre Ansichten immer noch durchzusetzen.
        Da hilft auch keine Radikalisierung Japans per Grundgesetzänderung und erneuter militärischer Drohung an die nachbarn.
        Dazu kommen die hausgemachten Probleme, die querschuesse auch in diesem threat wieder benennt. Die Gewinner zu Hause sind einfach zu Wenige und die Verlieren sind in der krassen Mehrheit.
        Egal ob Veteranen mit Selbstmordhöchstraten oder die extreme Anzahl an Inhaftierten oder die arbeitstechnisch Abgehangenen oder die wirtschaftlich Gescheiterten (Immobilien, Kreditkarten, Ausbildungskredite, Revolverer), es ist die bei weitem überwiegende Mehrheit der US-Bürger für die das System nicht mehr funktioniert und die absehbar keine Lösungen sehen. Dazu kommen die öffentlichen Schulden der Bundesstaaten und Gemeinden, die sich ja noch zuaddieren.

        Innen marode und aussen geschwächt ist der Hegemon eine lahme Ente, die nur noch davon lebt, das so ziemlich jeder die Drohung ernst nimmt, das die USA bereit sind jeden militärisch zu vernichten, der beim Flaschendrehen des Präsidenten verliert.
        Tragfähig ist das Alles nicht. Weder sie politische noch die menschliche oder die wirtschaftliche oder die strategische Situation ist tragfähig.

        Die Frage ist nicht ob die USA zusammen brechen, die Frage ist nur wann und wie. Es wird der Tag sein, an dem die ersten potenten Handelsplattformen den Dollar als Währung ablehnen …. die Frage ist nur, ob die Amis dann den globalen Krieg beginnen oder nicht und wer den USA dabei in den Krieg folgt.
        Rücken 100000 deutsche Soldaten aus, um die US-Streitkräfte zu unterstützen oder rücken die aus, um die US-Streitkräfte in ihren Kasernen fest zu setzen?
        Ich denke die Antwort der Bevölkerung ist reziprog zur Antwort unserer Elite ……

  • wolli - 20. September 2015

    Ich könnte mir vorstellen das die Daten der USA 1 : 1 auf Deutschland übertragbar sind und für Europa noch “schändlicher” wären.

    WW