USA: die “untersten 90%” mit realen Einkommen wie 1965

von am 22. September 2013 in Allgemein

Ergänzend zu dem jüngsten jährlichen Bericht des U.S. Census Bureau: “Income, Poverty and Health Insurance Coverage in the United States: 2012″, berichtet Emmanuel Saez von der University of California, Department of Economics in einer jährlichen Studie, Daten zu den Einkommen und zur Einkommensverteilung, basierend auf den Daten zur Einkommenssteuer (mit dem Hauptbestandteil den W-2 filings (Lohnsteuer). Auch hier, also nicht in Bezug auf die Einkommen der privaten Haushalte, sondern auf die Zahl der eingereichten Einkommenssteuererklärungen zeigen sich enorme Ungleichgewichte.

1aDie Entwicklung der realen (preisbereinigt um den offiziellen Anstieg der Verbraucherpreise) durchschnittlichen Einkommen (excluding capital gains) der “untersten 90%” seit 1917 bis 2012 in Dollar im Chart. Im Jahr 2012 betrug das reale durchschnittliche Brutto-Jahreseinkommen der untersten 90% nur 30’438 Dollar. Dies ist, wie der Chart schön zeigt der niedrigste Stand seit 1965!!

Dies impliziert bereits, das alle realen Einkommenszuwächse nur in die Hände der obersten 10% flossen:

2aDie Entwicklung der realen durchschnittlichen Einkommen (excluding capital gains) der “untersten 90%” (blau) und der “obersten 10%” (rot) seit 1917 bis 2012 im Chart. Während das reale Einkommen der untersten 90% bei 30’438 Dollar auf dem tiefsten Stand seit 1965 verharrte, zog das reale durchschnittliche Einkommen der obersten 10% auf 254’449 Dollar an, ein Anstieg von realen +108,9%.

Bei den bis hier betrachteten preisbereinigten durchschnittlichen Brutto-Jahreseinkommen handelt es sich um die Einkommen aus den einzelnen Steuererklärungen, also ausschließlich um Markteinkommen, ohne staatliche Transfers, Einnahmen aus Sozialversicherungen, Renten, Arbeitslosenversicherung, Food Stamps usw., vor Steuern und ohne Kapitaleinkünfte.

Logischerweise ist auch die Einkommensverteilung skandalös, denn die obersten 10% der Einkommensbezieher generierten 2012 48,1% aller Einkommen aus Arbeit, mit den Kapitaleinkünften sogar 50,4%:

3aDie Entwicklung des Anteils am Einkommenskuchen der obersten 10% ohne Kapitaleinkünfte (blau) und mit den Kapitaleinkünften (rot) von 1917 bis 2012 im Chart.

Spannend, sehr spannend, denn der Einbruch des Anteils der obersten 10% am Einkommenskuchen im Chart, ging mit einem Spitzensteuersatz von 63% einher, der in Folge der Großen Depression eingeführt wurde und sogar von 94% ab 200’000 Dollar Jahreseinkommen nach dem 2. Weltkrieg. Diese enormen Spitzensteuersätze bis 1964 von 90% und bis zur Reagan-Ära in Höhe von 70% gingen auch einher mit durchaus sehr prosperierenden Wirtschaftsphasen und einem starken Mittelstand, ganz anders als es sich aus vermeintlich marktliberaler Logik ableiten lassen würde. Erst 1982 sank der Spitzensteuersatz auf 50% und 1988 auf 28%. Damit wurde auch das Zeitalter der explodierenden Einkommens- und Vermögenskonzentration eingeleitet, der in die Höhe schnellenden Staatsschulden und einer Defizit getriebenen Ökonomie.

Zum 01.01.2013 stieg der Spitzensteuersatz für Einkommen ab 450’000 Dollar von 35% auf 39,6% und erstmals sinkt im Zuge dieser “automatisch” eingeführten Maßnahme auch erwähnenswert das Staatsdefizit.

In der Einkommens- und Vermögensverteilung und den Ungleichgewichten im Welthandel sind eben primär die Schulden- und Krisenproblematiken begründet.

Quelle Daten: PDF: Striking it Richer: The Evolution of Top Incomes in the United States (Updated with 2012 preliminary estimates) Emmanuel Saez, UC Berkeley September 3, 2013

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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5 KommentareKommentieren

  • Holly01 - 22. September 2013

    Danke Querschuesse,
    1A Beitrag.

    Exakt auf diesem Zusammenhang baut die “Staatschuldenkrise” auf.
    Es gibt praktisch niemanden mehr der der Politik glaubt, die könnte das Geld für den laufenden Haushalt zusammenbringen. Von Schuldendienst oder Schuldenabbau ganz zu schweigen.
    Die Antwort der Politik ist darum auch : Geld drucken. Denn weder Vermögensinhaber noch Banken sind länger bereit einen Schuldner zu versorgen, der weder den Willen noch die reale Möglichkeit hat das Geld dort zu holen wo es ist.
    Als kurz um, in diesem Beitrag die charts, die die Staatschuldenkrise / Bankenkrise / Wirtschaftskrise erklären.
    Das Geld ist in zu wenigen Händen, der Markt expandiert nicht. Folge Überangebot und Deflation.
    Wenn man noch hinzu nimmt, das der Zinsanteil in den Waren sich seit 1965 etwa verdreifacht hat, dann ist der wirksame Konsum seit dem real halbiert.
    Viola, die Ursache für die Massenarbeitslosigkeit.

  • Dierk - 22. September 2013

    1971 Ende der nominalen Goldbindung des Dollar.

  • Klaus - 22. September 2013

    Danke Steffen für Deine Beiträge. Auch ein dickes Lob an Holly01, macht immer Spaß, Deine fundierten Kommentare zu lesen.

    • Holly01 - 23. September 2013

      Danke Klaus, sehr freundlich von Dir.

  • Markt - 23. September 2013

    Wer stellt nun mittelfristig die Sicherheiten für die Kredite “der 90%”? Das wird interesssant.