Vergessene Lektion: Die Griechenlandkrise und Heinrich Brüning

von am 7. Februar 2012 in Allgemein

Erinnern Sie sich noch? In der Hochphase der Finanzkrise nach der Lehman-Pleite wurde oft betont es sei wichtig, in der Krisenbekämpfung nicht die Fehler aus der Zeit nach dem großen Börsencrash von 1929 zu wiederholen. Als Fehler wurde vor allem angesehen, dass die Notenbanken seinerzeit nicht mit niedrigen Leitzinsen und einer expansiven Geldpolitik auf die Krise reagierten.

Seit Herbst 2008 vermeiden die Notenbanken in den großen Industrienationen nun schon diesen Fehler. Die globale Wirtschaft ist nicht wie damals in eine Depression abgerutscht, das Finanzmarktsystem wurde vor dem Kollaps bewahrt. Die Gefahr, dass dies geschieht, wurde jedoch nicht gebannt. Auch angesichts der sich erneut zuspitzenden Krise in Griechenland gilt die größte Sorge heute eigentlich nicht so sehr der Stabilität des Euro und der Europäischen Währungsunion, obwohl dies das beherrschende Thema in Presse und Medien ist. Die größte Sorge gilt der Finanzmarktstabilität.

Mittlerweile werden überall Risiken für die Finanzmärkte gesehen.

Beispielsweise kritisierte jüngst Barack Obama den Iran, er gehe nicht scharf genug gegen Geldwäsche vor und bezeichnete deswegen dessen Verhalten als inakzeptables Risiko für das internationale Finanzsystem. (1) Und der Internationale Währungsfonds forderte China eindringlich dazu auf, sich mit Investitionen in europäischen Schuldenstaaten stärker in die Lösung der Euro-Krise einzuschalten, weil eine Verschärfung derselben unweigerlich auch Chinas Wirtschaft massiv einbrechen lassen würde. (2)

Jeder weiß, dass sich die Finanzmärkte vollgesogen haben mit Liquidität, die die Notenbanken ihnen zu niedrigsten Zinsen zur Verfügung stellen. Das Geld ist größtenteils nicht in die Wirtschaft geflossen, es hat die Wirtschaftstätigkeit nicht belebt. Doch genau das hätte nach der herrschenden ökonomischen Auffassung eigentlich geschehen sollen.

Damit ist klar, dass es ein Irrtum war davon auszugehen, für die Bewältigung der zweiten Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise reiche es aus, geldpolitisch das Gegenteil von dem zu tun, was die Notenbanken in den 30er Jahren taten – den Geldhahn auf-, statt zuzudrehen.

Was dadurch gewonnen wurde, ist bereits gesagt worden. Doch diese Rechnung ist insofern unvollständig, als nicht das daraus neu geschaffene Problem einer Liquiditäts- bzw. Vermögensblase mitberücksichtigt wurde. Denn die Liquidität ist ja im Finanzsektor geblieben und hat quer durch alle Anlageklassen die Vermögens- und Rohstoffpreise nach oben getrieben – was die Wirtschaft zusätzlich belastet. Die Notenbanken haben so gesehen eigentlich nur den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Es ist folglich nicht korrekt, von einer erfolgreichen geldpolitischen Krisenstrategie zu sprechen. Nicht die Fehler aus den 30er Jahren zu wiederholen, kann also durchaus auch heißen, stattdessen andere und möglicherweise ebenso gravierende, weil genauso folgenschwere Fehler zu machen. Diese Möglichkeit hatten die Geldpolitiker entweder nicht auf ihrer Rechnung  oder sie haben schlicht keine Vorstellung von einer anderen, besseren geldpolitischen Lösung. Beides ist vor dem Hintergrund der signifikanten Schwächen der ihrer Arbeit zugrundeliegenden ökonomischen Theorien und Modelle durchaus plausibel.

Ein weiterer gravierender Fehler besteht darin, den geldpolitischen Kurs als ausschlaggebend für die Krisenbewältigung anzusehen, das heißt, Geldpolitik als Lösung zu betrachten. Finanzmarkt- und wirtschaftsstrukturelle Probleme und Verwerfungen, können mit Geldpolitik allein nicht gelöst werden. Die tief verwurzelte monetaristische Überzeugung, dass alles am Geld hängt und damit die Wirtschaft geldpolitisch gesteuert werden kann, hat sich als falsch erwiesen. Die Finanzmarktkrise hat uns die Ohnmacht der Geldpolitik eindrucksvoll vor Augen geführt.

Und auch jetzt, im vierten Jahr nach der Lehman-Pleite zeigt die Tatsache, dass die Liquidität kaum in der Wirtschaft ankommt, wie begrenzt die Möglichkeiten der Notenbanken zur gezielten Beeinflussung der Märkte tatsächlich sind. Zwar bleiben einzelne Maßnahmen nicht ohne Effekt – beispielsweise die im Dezember im Zuge des 3-Jahres-Tenders den europäischen Banken zur Verfügung gestellte Liquidität der Europäischen Zentralbank, die – zumindest vorübergehend – stabilisierend auf das europäische Bankensystem wirkte.

Gleichwohl lösen sie nichts. Die europäischen Banken etwa sind nach wie vor in derselben schwierigen Situation, die durch ein neues Krisenereignis – etwa die Pleite Griechenlands infolge gescheiterter Verhandlungen – jederzeit eskalieren kann. Zugleich vertieft sich aber die Wirtschaftskrise in den europäischen Schuldenstaaten fortlaufend. Darüber hinaus gibt es auch auf den Weltmärkten immer mehr Anzeichen für eine aufziehende Rezession. Und die von der EZB den Banken zusätzlich zur Verfügung gestellte Liquidität fließt nicht nur nicht in die europäischen Wirtschaft. Im Gegenteil schränken die europäischen Banken die Kreditvergabe an die Wirtschaft jetzt sogar immer weiter ein, wie die vierteljährliche Kreditumfrage der EZB für das letzte Quartal 2011 ergab. (3)

Eine geldpolitische Erfolgsbilanz ist das nicht.

Noch schlechter sieht die Bilanz für die Krisenbewältigungsstrategie der Politik aus. In den USA ist die Politik nahezu gelähmt und handlungsunfähig. Fast die gesamte Last der Krisenbekämpfung ruht seit Monaten praktisch auf Ben Bernanke, der sich inzwischen der Grenzen der Lösungsbeiträge der Fed bewusst geworden ist. (4)

Während in den USA nichts entschieden wird, hat sich Großbritanniens Regierung für Austeritätspolitik entschieden, fürs Gesundsparen also. Dasselbe gilt für die Europäische Union als Ganzes. Ob Irland, Griechenland, Portugal, Spanien, Italien, Ungarn oder auch Rumänien – überall dort, wo Regierungen auf finanzielle Unterstützung von außen angewiesen sind, werden – ganz im Sinne des Washington Consensus (5) – als Gegenleistung für Finanzhilfen drastische Sparmaßnahmen gefordert.

Das ist nicht ohne Konsequenzen geblieben, allerdings sind es bisher nicht die gewünschten. Die Staatseinnahmen brechen weg, die Binnenwirtschaft ist auf Talfahrt und die Arbeitslosigkeit steigt rasant. Gleichwohl werden immer neue Sparmaßnahmen und Einschnitte gefordert, was die amtierenden Regierungen infolge von massiven Protesten aus der Bevölkerung reihenweise hat scheitern lassen, so geschehen in Irland, Griechenland, Ungarn, Portugal, Spanien, Italien und zuletzt auch in Rumänien (6). Man braucht kein Hellseher zu sein, um vorhersehen zu können, dass auch die aktuell amtierenden Regierungen in Frankreich, Großbritannien und zuletzt – da bisher wirtschaftlich noch das stabilste Land in der EU – auch in Deutschland dasselbe Schicksal ereilen wird – wenn sich nichts ändert.

Haben die Notenbanken wenigstens versucht, die Fehler, die in den 30er Jahren geldpolitisch gemacht wurden, zu umgehen, so trifft das in keiner Weise auf die Politik zu. Im Gegenteil werden die entscheidenden Fehler wiederholt: Aufgrund der überzogenen Reparationsforderungen der Siegermächte stand in den 30er Jahren das Deutsche Reich ebenso wie heute viele europäische Krisenstaaten vor einem massiven Schuldenproblem. Nach dem Börsencrash von 1929 brach die deutsche Wirtschaft ein, die Arbeitslosigkeit explodierte und erreichte Anfang 1933 die 30-Prozent-Marke. Reichskanzler Heinrich Brüning bekämpfte die Krise mit Austeritätspolitik, das heißt mit all den Maßnahmen, die jetzt auch in Griechenland und in anderen Schuldenstaaten durchgesetzt werden. Die Folge waren Proteste, Streiks, eine Verschärfung der Wirtschaftslage und der Arbeitslosigkeit, eine politische Radikalisierung und letztlich das Scheitern von Brünings Regierung.

Heute geschieht exakt dasselbe – allerdings nicht nur in einer Volkswirtschaft, sondern in einer ganzen Reihe von europäischen Volkswirtschaften. Und anders als damals in der Weimarer Republik kommt der Druck – Großbritannien ausgenommen -, die Krise, die vornehmlich als Schuldenkrise wahrgenommen wird, mit drastischen Sparmaßnahmen, Lohnkürzungen, Einschnitten in das soziale System, Privatisierungen usw. zu bekämpfen, aus dem Ausland und von supranationalen und internationalen Institutionen (EZB und IWF).

Das ist im Vergleich zur Weimarer Zeit eine neue und brandgefährliche Variation in der bekannten Entscheidungs- und Handlungskette. Brandgefährlich ist sie deswegen, weil die eigentlichen Entscheider nicht mehr unmittelbar mit den Folgen ihrer Entscheidungen vor Ort konfrontiert sind. Wann waren Nicolas Sarkozy und Angela Merkel, die den Krisenkurs Europas ganz maßgeblich prägen und für richtig erachten, zum letzten Mal auf Staatsbesuch in Griechenland? Und haben sie sich wohl Gedanken darüber gemacht, wie die Geschichte für sie selbst, aber noch mehr für Europa ausgehen wird, wenn der austeritätspolitische Kurs in seiner gegenwärtigen Form beibehalten wird? Denn das Scheitern von Regierungen in Schuldenstaaten kann heute – anders als in der Weimarer Republik – nicht der Endpunkt sein, an dem es dann zu einem Politik- und damit verbunden zu einem krisenpolitischen Kurswechsel kommt.

Das Vermögen, die Wirtschaft wieder prosperieren zu lassen und gleichzeitig Beschäftigung mit für den Lebensunterhalt hinreichendem Einkommen auf- und auszubauen, wird ebenso wie in den 30er Jahren in der Weimarer Republik und im Deutschland der Nachkriegszeit ausschlaggebend sein für wirtschaftliche und politische Stabilität – diesmal für die von ganz Europa! Wenn die Bürger in den gemäßigten Parteien jedoch niemanden finden können, dem sie dies zutrauen, werden sie bei Wahlen zunehmend zu anderen, möglicherweise auch neuen, aber vor allem am rechten und linken Rand des politischen Spektrums liegenden Parteien abwandern (siehe auch Tabelle „Reichstagswahlergebnisse“).

Die Parteienlandschaft wird zunächst „bunter“, was man begrüßen kann. Aber in Krisenzeiten und bei mangelnder Orientierung führt das zunehmend auch zur Lähmung der Entscheidungsfindung in den Parlamenten, weil es schwierig wird, überhaupt noch Mehrheiten zu finden. In diesem Klima gedeihen Populisten mit scheinbar einfachen, aber eben auch radikalen Lösungsvorschlägen. So gesehen tragen die Regierungsparteien zur politischen Radikalisierung – wenn auch ungewollt – maßgeblich bei, je länger sie nicht in der Lage sind, die Krise mit dem oben genannten Resultat in den Griff zu bekommen.

Es gibt für die europäischen Staats- und Regierungschefs in Europa angesichts der bisherigen und mehr noch vor dem Hintergrund des Ausblicks auf die weitere Entwicklung keinen Grund, auf den Krisenkurs stolz zu sein. Das gilt aber ebenso für die USA und Großbritannien. Deutschlands Wirtschaftsmodell ist derzeit aus deutscher Sicht zwar (noch) erfolgreich. Ein Lösung für Europa ist es jedoch nicht, weil sein Erfolg ja gerade auf der Schwäche der Wirtschaft anderer Staaten beruht.

Es unterscheidet sich im Grunde auch nicht so sehr von dem anderer großer Industriestaaten. Sie alle unterstützen die heimische Wirtschaft (und ihre Banken) dabei, Anteile im Welthandel bzw. auf den Weltmärkten hinzuzugewinnen. Aber dieser Wettbewerb wird mittlerweile hauptsächlich zwischen Konzernen entschieden, zwischen den sogenannten „National Champions“, die die umsatz- und gewinnträchtigsten globalen Märkte abdecken.

Staaten, in deren Wirtschaft keine „National Champions“ existieren, geraten jedoch unter diesen Bedingungen im Welthandel ins Hintertreffen und tendenziell in wirtschaftliche Abhängigkeit. Letzteres zeigt sich insbesondere in Krisenzeiten. Griechenland, Portugal und andere können ein Lied davon singen. Wollte man sie mithilfe des deutschen Wirtschaftsmodells wirtschaftlich wieder in die Spur bringen, müsste man ihren Volkswirtschaften eine Handvoll „National Champions“ implantieren – was natürlich eine absurde, aber dennoch vielleicht hilfreiche Vorstellung ist. Hilfreich insofern, weil sie zumindest einmal den Blick auf die Frage richtet, inwieweit National Champions nicht die Lösung, sondern vielleicht gerade ein Problem bei der Krisenbewältigung (Stichwort: Abbau von Leistungsbilanzdefiziten) darstellen.

Wie auch immer, auf europäischer Ebene haben sich die mit der Krisenbewältigung befassten Kreise noch nicht ernsthaft mit dem Problem befasst, wie die Volkswirtschaften in Griechenland & Co. den Turnaround schaffen können. Ein historischer Rückblick und die Realisierung der empirischen Fakten zur aktuellen Entwicklung in den Krisenstaaten müssten dort längst alle Alarmglocken schrillen lassen.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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61 KommentareKommentieren

  • Eric B. - 7. Februar 2012

    Gute Analyse. Für National Champions in Griechenland ist es aber wohl zu spät. Schließlich diskutiert man in Brüssel schon über einen “freiwilligen” austritt aus der Eurozone. Die niederländische EU-Kommissarin Kroes brach nun das letzte Tabu und sagte in einem Interview, die Eurozone könne auch ohne Griechenland leben. Offenbar bereitet man sich in Brüssel auf das bisher Undenkbare vor – Merkel und Sarkozy würde das durchaus in den Kram passen. http://lostineurope.posterous.com/der-grexit-ruckt-naher

  • ~ Halbgott ~ - 7. Februar 2012

    Was Grieschenschland jetzt braucht, ist folgendes:

    - eine expansive Fiskalpolitik
    - eine expansive Geldpolitik
    - einen Marschallplan

    ===> … allerdings alles in Drachme bitte!

    :-)

  • Achim Hase - 7. Februar 2012

    Also nach meinem Kenntnisstand ist Deutschland wesentlich weniger von “National Champions” geprägt als die meisten anderen Wirtschaftsmächte. Der exportstarke Mittelstand und die vielen Weltmarktführer in Nischenbereichen haben natürlich ein positives Umfeld (Hermes-Bürgschaften, Auslands-IHK, etc.) aber eine besondere Förderung erfahren sie nicht. Deutsche Banken sind weltweit gesehen eher unbedeutend und unterrepräsentiert.

    Bei Griechenland sind die Reedereien und der Hafen von Piräus die National Champions. Diese werden sehr wohl gefördert und sind traditionell von Weltgeltung.

    Die Brüning-Analogie des Todsparens mag für Griechenland nachvollziehbar sein, vielleicht auch für Portugal aber sicherlich nicht für die anderen genannten. Eine neue politische Kraft in Griechenland muss kein Fehler sein, der korrupte Pasok-ND-Haufen ist kein vernünftiger Ansprechpartner für Hilfen zum Wiederaufbau.

  • Lazarus09 - 7. Februar 2012

    Solange die Dresdner Bank nicht wieder Flick Aktien überteuert mit Steuerzahlers Geld kaufen wird .. ;-)

    Und wieder begegnen uns bekannte Namen für die gekaufte Politiker gefällig sind !! Interessant wie sich die Geschichte wiederholt … Aber der Teutonenmichel ist eben blöd und liebt seine” Eliten “…

  • georg - 7. Februar 2012

    DEUTSCHE FAHNE VERBRANNT ? DAS GEHT NICHT!!!!
    WIRD ZEIT DAS EU TRUPPEN UNTER DEUTSCHER FÜHRUNG ENDLICH IN ATHEN EINMARSCHIEREN UND DEM PACK DISZIPLIN BEIBRINGEN
    http://www.zerohedge.com/news/greek-protests-turn-violentagain
    GRUSS GEORG
    ( ich denke das würde vielen in diesem Land gut gefallen und das Ansehen von FRAU MERKEL in ungeahnte Höhen beamen )

    • Lazarus09 - 7. Februar 2012

      Also die sieht aber auch echt Scheiße aus … Der Reichsadler passt da viel besser und träfe auch die Situation genauer …

  • dank - 7. Februar 2012

    Bedrückt und fasziniert von dieser Zusammenfassung mit Rück- und Ausblick des Offensichtlichen und Neuen, was die Politik und auch Wirtschaft nicht mehr wahrhaben will, weil gleichgespült, feige, kurzsichtig, rückständig, beeinflusst, gleichgültig und falsch beraten:
    Dankeschön, SLE!

  • Roland - 7. Februar 2012

    Dass die USA “gelähmt” seien, sieht wegen dem vordergründigen Parteien-Showkampf nur so aus.

    In Wirklichkeit wird ein Feuerwerk an defcit-spending abgezogen und eine Neuverschuldung von über 10% des BIP auch in 2012 weiter draufgepackt.
    Da die Chinesen nicht mehr kaufen, werden Staatspapiere massenweise von der FED aufgekauft.

    “The show must go on” – zumindest bis zum Wahltag.

  • Holly01 - 7. Februar 2012

    ” Beides ist vor dem Hintergrund der signifikanten Schwächen der ihrer Arbeit zugrundeliegenden ökonomischen Theorien und Modelle durchaus plausibel.”
    Das ist leider ein wenig beackertes Feld, dieser ganzen “Krise”. Es hätte unter den Ökonomen schon lange eine Gegenbewegung und die Gründungm einer “europäischen Schule” stattfinden müssen.
    Die USA und ihre Meinungshoheit verzerren nach meiner Auffassung alles nur in ihrem politisch/ökonomisch verquickten Machtapperat. Immer dem “großen Ganzen” dienen.
    .
    Die politische Destabilisierung ist ein Krisenergebniss. Eine Krise auf kleiner Flamme lange herausgezögert, ist sicher die stärkste Form der Destabilisierung und Radikalisierung. Ob das Absicht ist und einem Masteplan folgt, ist reine Spekulation, aber ich würde es eher bestätigen als verneinen.
    Transferleistungen des Staates auf das Notwendigste zu reduzieren ist in einer Krise richtig, aber man kann nicht ganze Teile der Gesellschaft komplett abkoppeln, in Abhängigkeit treiben und dann absaufen lassen. Jedenfalls nicht, wenn man nicht auch einplant, das Militär gegen das eigene Volk einzusetzen.
    Man hat es versäumt, das Geld dort zu holen wo die Ursachen liegen, nämlich in der explosionsartigen Erhöhung der Spitzenvermögen. Die Ursache liegt primär in einer explosionsartigen Vermehrung von politischen Schuldtiteln. Die Schuldtitel : Rente, Gesundheitsleistungen, Schule, Infrastruktur uvm. hat man gekappt. Die Schuldtitel : Zinsen, “Sicherheitsapperat”, Derivatemarkt, Finanzsystem, politische Versorgung des Wahlbeamtentums hat man hingegen weiter massiv aufgebläht.
    Die Ersparnisse stehen in keinem Verhältniss zu dem Aufwand.
    Die Existenzbedrohenden Massnahmen an den Abhängigen, werden durch Billionen an Zusatzleistungen für die 2% ad absurdum geführt.
    Ein System das durch Entschlackung und Kostenminimierung gesunden sollte, wurde durch Kahlschlag zerstört und endgültig aus dem Interessenkatalog der Reichen gestrichen.
    Geld ist sich selbst genug, Wirtschaft ist Balast, Menschen sind Balast, Politik wird gekauft.
    .
    Es wird nur 2 Wege geben : Die Masse erhebt sich und holt sich ihre Lebensgrundlag zurück (gegen der politischen und religiösen/gewerkschaftlichen Widerstand.
    Die Masse verarmt und wir bekommen die feudale Dreiklassengesellschaft zurück, wie sie in weiten Teilen vor der Aufklärung bestand.
    Ich denke B ist bereits passiert und A ist durch die permanete Streichung von Individualrechten so weit erschwert, dass man Hungerrevolten mit Polizei und Militär niederschlagen kann, ohne das das neue Herrschaftssystem ins Wanken gerät.
    Die neuen Herrscher sind gesichtslos und unpersönlich. Sie lassen Politiker verwalten und Sicherheitsapperate verteidigen, ohne das Zentrum der Macht offen zu legen.
    Die Ohnmacht der Demokratie wird uns alle begleiten, über eine lange Zeit. Denn wir wurden alle betrogen …….

  • Lazarus09 - 7. Februar 2012

    Holly01

    Die Ohnmacht der Demokratie wird uns alle begleiten, über eine lange Zeit. Denn wir wurden alle betrogen …

    Sattrülpsend zugelassen würde eher passen ( das Merkel weiß als Physiker wie man den Frosch kocht..laaaaangsam die Temperatur erhöhen )… oder wie kann eine SPD heute die Krise geißeln wo der “Blanke Hans” und der Genosse der Bosse doch die Rahmenbedingungen mit geschaffen haben..? Ich sehen keinen Massenparteiaustritt bei SPD und Grüne ..

    Wir wurden nicht betrogen sondern haben weg gesehen .. wie immer lässt der teutsche Permanentwegseher den Druck im Kessel durch Nichthandeln solange ansteigen ..bis ein Sündenbock präsentiert wird,an dem er seinen Frust auslassen kann, nur nicht die Wahren Schuldigen behelligen denn denen Zollt man devot untertänig Respekt so will es der Brauch ..ein Blick ins Geschichtsbuch tut das Übrige..

  • Tourist - 7. Februar 2012

    Hallo,

    also ich muss da mal einhaken und Einspruch einlegen. Ich finde ihre Einschätzung falsch und völlig unzutreffend!

    Sie schreiben:

    “Die Parteienlandschaft wird zunächst „bunter“, was man begrüßen kann. Aber in Krisenzeiten und bei mangelnder Orientierung führt das zunehmend auch zur Lähmung der Entscheidungsfindung in den Parlamenten, weil es schwierig wird, überhaupt noch Mehrheiten zu finden. In diesem Klima gedeihen Populisten mit scheinbar einfachen, aber eben auch radikalen Lösungsvorschlägen. So gesehen tragen die Regierungsparteien zur politischen Radikalisierung – wenn auch ungewollt – maßgeblich bei, je länger sie nicht in der Lage sind, die Krise mit dem oben genannten Resultat in den Griff zu bekommen.”

    Das ist völlig fehlinterpretiert, weil…

    1. Gab es in Weimar und danach keine Sperrklausel für Parteien und dafür, dass es die da nicht gab, ist das Pareitenspektrum eher klein. Von daher wurde damals nichts bunter.

    2. Weiterhin kann überhaupt nicht die Rede davon sein, dass viele Parteien Mehrheitsverhältnisse per se erschweren.

    3. Streube ich mich gegen diese inflationäre Verwendung des Begriffs radikal. Ja und? Was spricht gegen Radikalität? Nix! Ich lehne radikal die Marktwirtschaft ab, weil sie mehr zerstört als nützliches hervorbringt. Viel aber spricht gegen die kontinuierliche Radikalität einer Mehrheit, gegen die man nix machen kann.

    => Die Ollen Nazis kamen an die Macht, weil eben die parteienübergreifende Mehrheit grau in grau daherkam und die damaligen Parteien sich eben nur in ihrem Links Rechts Schemata bewegten! Darin liegt Radikalität, der schlimmsten Sorte! Radikal in der Borniertheit, radikal mit nem Brett vorm Kopf. Radikale Ablehnung etwas völlig neues zu denken und zu praktizieren! Wie heute! Der Markt sei alternativlos, nur nen bisschen daran rumreformern. Dann wird alles supi. DAS ist destruktive Massenradikalitiät. Grundsätzlich nix neues mehr zulassen zu können. Einheitsbrei.
    Wovon unterscheidet sich denn die SPD noch von der CDU oder von der FDP? Gut, Detailfragen werden bestritten, da stecken doch keine grundsätzlichen anderen Prinzipen oder Meinungen dahinter.

    Also her mit der bunten radikalen Parteienvielfalt, die den Namen verdient!

    • Tourist - 7. Februar 2012

      “Wir wurden nicht betrogen sondern haben weg gesehen ..”

      So kann man mein Statement von oben auch verstehen!!!!

      • Holly01 - 7. Februar 2012

        Mag sein, wir könnten mehr sehen und bemühen uns nicht.
        Die Medien unterdrücken die Tatsache, dass 2/3 der Deutschen in permantener Armutsangst leben müssen, weil sie von Altersarmut/Krankheit der Eltern oder Schwangerschaft oder Arbeitslosoigkeit eines “Lebensabschnittsgefährten/in” usw bedroht sind.
        Es wird auch kaum kolportiert, wie sehr Deutschland inzwischen ein Billiglohnland ist mit Hochpreisniveau und Abgabehause.
        Das letzte Drittel wird durch Akademikerschwemme verbunden mit Niedriglohn und Hocharbeitszeit ausgehöhlt.
        Viele Jungakademiker verbringen ihre Freizeit, indem sie durch Einsatz ihres ganzen Geschicks die Privatinsolvenz durch “Status bedingte” Ausgaben wie Kleidung, Auto und Wohnambiente koordinieren ohne als schlicht arm auffällig zu werden.
        Mag sein wir sehen weg, aber es ist auch ätzend hinzusehen.

        • Lazarus09 - 7. Februar 2012

          Gut ausgedrückt und stimmt auch so weit bis auf die Tatsache das gerade in Deutschland der Level derer die von ihren Eltern gut versorgt wurden doch recht hoch ist .. Wir leben im Zeitalter der Erben .. WiWo schreibt : Deutschland: 2,6 Billionen Euro zu vererben … das meint nicht nur Superreiche sondern die vielen die das Elterliche Haus erben und so mietfrei sind etc… da geht es vielen noch recht gut und die glauben das bleibt so … weit gefehlt ;-)

          • Holly01 - 9. Februar 2012

            Kann man die Aussage “das meint nicht nur Superreiche sondern die vielen die das Elterliche Haus erben und so mietfrei sind etc” mit Fakten hart machen?
            Mein Eindruck ist ja eher, dass die meisten nur so viel erben, wie man in 2-3 Jahren verkonsumiert. Also höchstens ein Mittelklassewagen von der Größenordnung her.
            Immobilien sind oft abgewohnt und wegen der ENEV eher als Groschengräber anzusehen.
            Die Erbenstory als mediale Aufbereitung der “Erfolgsgeschichte” unserer Eltern, war für mich bisher nur ein Mosaik des Medienbildes, welches uns allen immer gerne untergeschoben wird.
            Schliesslich sind wir alle Gewinner und Nutzniesser dieses Systems, welches uns aus der Gosse in die Villenviertel gebracht hat.
            Immer hübsch dankbar sein ……. oder irre ich ?

  • der-oekonomiker - 7. Februar 2012

    “Nicht wir Politiker machen die Politik, wir sind nur die Ausführenden. Was in der Politik geschieht, diktieren die internationalen Großkonzerne und Banken.” (Johannes Rau) Gerade sind eindeutig die Banken am Zug. Den Rest erledigen die deutschen Leitmedien. Niemand weiss, was die Pleiten der PIIGS-Staaten kosten. Sicher ist nur, wer daran verdient: Das 1% Vermögende. Und wer es bezahlt: Die 99% Rest. Dieser Rest glaubt augenblicklich aber immer noch an ein Wunder, besonders in Deutschland. Wird schon gutgehen, dafür wird das Personal in Berlin schon sorgen. Eine Haltung, die in der deutschen Geschichte doch schon so oft Schiffbruch erlitten hat. Irgendwann lohnt es sich, dazuzulernen.

  • jharren - 7. Februar 2012

    griechenland hat übelst über die verhältnisse gelebt, aber wenn es auf den geforderten level gebracht wird gibts auch wieder geld.

    was ist daran falsch und was hat das mit brüning zu tun?

    • der-oekonomiker - 7. Februar 2012

      @jharren: “griechenland hat übelst über die verhältnisse gelebt”: Wirklich? Ich versuche sachlich zu bleiben, obwohl mir diese Behauptung wirklich auf den “S..k” geht. Bitte einfach mal hier im Archiv nachlesen: http://www.querschuesse.de/bericht-der-ecofin-task-force/. Öffnet möglicherweise Horizonte über die wahren Ursachen der griechischen und demnächst auch portgugiesischen, spanischen, wahrscheinlich gesamteuropäischen Krise. Oder hier: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/die-herrschaft-der-finanzoligarchie-der-krieg-der-banken-gegen-das-volk-11549829.html und hier: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/schuldenkrise-gute-bank-boese-bank-11637849.html. Obwohl die FAZ nicht gerade als kritisch bekannt ist zwei gute Beiträge zum Thema. Einfach lesen.

    • Querschuss - 7. Februar 2012

      Hallo jharren,
      eine Wirtschafts- und Finanzpolitik die zu einem Schrumpfen der Wirtschaft fürhrt ist immer kontraproduktiv, erst recht wenn es sich um eine unterentwickelte Volkswirtschaft mit hoher Verschuldung handelt, so wird das nie was, habe ich hier im Blog seit über 2 Jahren geschrieben und mit der Entwicklung anhand offizieller Wirtschaftsdaten belegt.

      Sie Sparmaßnahmen flächendeckend und ohne Rücksicht auf die negativen Auswirkungen haben zur Abschmelzung der Einkommen geführt, damit zum Sinken des Konsum, der Investition und der Wertschöpfung. So ein Irrsinn hat sehr viel mit Brüning zu tun, denn auch er hatte damals die deutsche Wirtschaft in den Abgrund gespart mit fatalen Folgen für die Welt.

      Einfach mal zur griechischen Entwicklung hier lesen:
      http://www.querschuesse.de/spanien-und-griechenland-artikel/

      Gruß Steffen

      • derdestiller - 7. Februar 2012

        Hallo,

        mir ist auch nicht klar, warum nicht gesehen wird, dass eine Korrektur der seit Jahren und auch schon vor der Finanzkrise begonnene Fehlentwicklung in Wirtschaft und Staat eben mit schrumpfende Zahlen in den Messgrössen verbunden ist. Geld hat überhaupt nur eine Bedeutung als Flussgrösse in einem Kreislauf. Wenn dieser gestört ist, so haben diese Zahlen deutlich weniger Aussagekraft. Wenn Vermögenswerte steigen, und damit nichts weiter als ein Indiz für die reduzierte Aussagekraft von Geld als Tauschmittel darstellt, so ist es einerseits richtig im gesamten den Kreislauf zu stärken (lockere Notenbankpolitik) als auch vergangenen und zukünftigen Fehlentwicklungen im Kreislauf vorzubeugen. Die Probleme in vielen Staaten und Griechenland im ganz besonderen waren schon vor der Finanzkrise erkennbar. Insofern sind Umstrukturierung hin zu einer wettbewerbsfähigen Produktion, sowie zielgenaue Förderung von Innovationen bzw. Erkennen,korrekte Beurteilung und dann Nutzung der Chancen die Innovationsförderung (am besten immer) im Verbund bieten kann sicherlich richtig.

        • Querschuss - 7. Februar 2012

          Hallo derdestiller,
          weil mit schrumpfenden Zahlen in den Messgrößen wie in Griechenland, in dem Ausmaß wie sie sich in Griechenland darstellen, keine Problem gelöst wird, sondern der komplette Zusammenbruch riskiert wird. Auch Fehlentwicklungen jeglicher Art wurden bisher nicht wirklich bereinigt, aber wenn eine unterentwickelte Volkswirtschaft mit ihrer Industrieproduktion auch noch unter das Niveau von vor 1995 fällt, ist das für jegliche Problemlösung kontraproduktiv, denn das eigentliche Problem Griechenlands ist ja genau die mangelnde Leistungsfähigkeit der Wirtschaft.

          Zum verdeutlichen, du hast 1800 Euro Netto im Monat und hast 1300 Euro Verbindlichkeiten aus einem Hypothekenkredit und kommst mit dem Rest kaum über die Runden, nun berät dich die Troika und zwingt dir auf, dieses Problem mit einer Arbeitszeitreduzierung auf 50% zu lösen, wird dies funktionieren, mit weniger Leistung die Schulden abzutragen?

          Gruß Steffen

          • derdestiller - 7. Februar 2012

            Es geht an deinem Beispiel bleibend tendenziell sicherlich der Troika eher darum, für 100% der Arbeit die korrekte (nicht schuldenfinanzierte) Entlohnung von nur noch 900 EUR zu erhalten, und in einem zweiten Schritt dann Massnahmen zu ergreifen diese langsam durch Innovation und Verbesserung produktiver Strukturen zu erhöhen. Die (meiner Ansicht nach im Falle von Griechenland nicht rückzahlbaren) Altschulden können erst erlassen werden wenn Primärdefizite aller Wirtschaftssubjekte wieder einigermassen in Ordnung gebracht wurden, da man sonst ein Druckmittel aus der Hand gäbe, und die Griechen zu einem “weiter so” ermunter würden.

            • Querschuss - 7. Februar 2012

              Hallo derdestiller,
              trotz Absenkung der Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte von über -22% (Stand Q3 2011) ist weder das Staatshaushaltsdefizit noch das Leistungsbilanzdefizit ansatzweise bereinigt, die angerichteten Schäden beim Konsum, Investitionen und industrieller Wertschöpfung immens. Noch nie war ein Versagen offensichtlicher, nahezu alle Wirtschaftdaten belegen dies, daraus nun zu interpretieren, man muss nur weiter machen dann kommen die positiven Effekte schon ist lächerlich, denn vorher wird Griechenland kollabieren oder den Euro-Raum verlassen.

              Gruß Steffen

          • derdestiller - 7. Februar 2012

            Hallo Steffen,

            neue Investitionen aufgrund besserer Wettbewerbsbedingungen benötigen Zeit und eine gewisse einkehrende Stabilität in den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Insofern rechne ich irgendwann nach der Rosskur mit einem Anstieg der Investitionen, und einem Sinken der Arbeitslosigkeit. Einen Ausstieg aus dem Euro (und somit einem Ausstieg aus dem System europäischer Vereinbarungen) genauso wie das Griechenland kollabiert (oder besser da muss ja jemand sein, der kollabieren lässt) sehe ich derzeit nicht im speziellen. Es ist wohl eher die grosse spannende Frage wohin sich Europa als ganzes entwickelt oder entwickeln will. Ein kollektives Scheitern des Prozesses in entscheidenden über den Nationalstaat hinausgehenden Ordnungsvereinbarungen würde meiner Ansicht dann wohl für alle erstmal eine Umkehr weg von Europa bedeuten.

          • derdestiller - 8. Februar 2012

            Als kleine Ergänzung vielleicht noch passend zum Artikel: Der Unterschied zum Modell Brüning in den 30ern ist, dass Griechenland mit 2% des BIP der EU und seinen 10 Millionen Einwohnern kleiner Teil des grossen Wirtschaftsraums EU mit seinen Absatzchancen ist.

  • malnefrage - 7. Februar 2012

    Danke! Analyse überzeugend und erhellend!

    ABER: Lieber Herr Eichner:

    Wo sind jetzt Ihre ganz konkreten Vorschläge, was denn nun
    effizient und schnell z. B.in Griechenland passieren muss,
    damit die Fehlentwicklungen aufhören .Viele Bürger
    ( die ja über die Mittelzusagen an Griechenland in der Zukunft
    massiv mit ihrem Geldbeutel betroffen sein werden)
    begreifen doch die Schieflagen und wollen auch über
    die bestehenden Parteien.bzw. neue Gruppierungen endlich
    den notwendigen Druck aufbauen .

    Wer soll diese Arbeit der Entwicklung von Perspektiven denn leisten,
    wenn nicht Querdenker wie Sie aktiv werden und Vorschläge
    massiv in der Gesellschaft voranbringen?
    .

    Gruß
    von einem schon sehr zornigen Bürger dieser Republik

    • SLE - 7. Februar 2012

      Ich denke, es gibt da schon eine Reihe von guten Analysen und Vorschlägen.

      Ein Anknüpfungspunkt ist sicher der 1. Bericht der EU Task Force for Greece

      http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/president/news/speeches-statements/pdf/20111117_1_en.pdf,

      aber durchaus auch eine Studie des Athener Büros von McKinsey

      http://www.mckinsey.com/locations/athens/GreeceExecutiveSummary_new/pdfs/Executive_summary_English.pdf,

      auf die ich durch Klaus Kastner aufmerksam geworden bin, der sich in seinem Blog “Greece” sehr intensiv mit der Frage der Bewältigung der Griechenlnadkrise befasst und viele gute und interessante Vorschläge gemacht hat, etwa in diesem Post:

      http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/endspiel-um-griechenland.html

      Auch der DIW-Aufsatz von Karl Brenke (Griechenland: Endlich eine Industrie aufbauen), aus dem Steffen hier vor ein paar Tagen zitierte, gehört m. E. dazu:

      http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.392235.de/12-5.pdf

      Ich nenne diese Beispiele nicht, weil ich dort jeweils alles von A bis Z befürworte. Auch bin ich für die Beurteilung vieler Fragen und Lösungsvorschläge nicht kompetent. Aber die genannten Papiere und Aufsätze bieten viele Ansatzpunkte für das “Wie” der Krisenbewältigung und auch für die Beseitigung der Fehlentwicklungen dort.

      Klaus Kastner beispielsweise zeigt im genannten Aufsatz eine Alternative zum Euro-Austritt auf, bei der allerdings die vertragliche Verpflichtung zum Freihandel verletzt würde, weil sie Schutz- (bzw. Import-)zölle und Kapitalverkehrskontrollen beinhalten würde – was m. E. sehr an Friedrich Lists Ansatz (Das nationale System der politischen Ökonomie) erinnert. Er erklärt das in seinem Aufsatz besser als ich es kann.

      Die industrielle Basis Griechenlands ist schwach und das Land wird nicht auf eigenen Beinen stehen können, wenn es seine Wirtschaft nicht aufbaut und entwickelt. Wenn Giechenland für die Gläubigerstaaten kein Faß ohne Boden werden soll, dann kommt es entscheidend darauf an, dass die finanziellen Hilfen auch genau dafür verwendet werden und nicht für Zinszahlungen – wobei die Zinsen von den Märkten in abusrde Höhen getrieben werden. Soweit ich es sehe, geht es aber die ganze Zeit praktisch nur um letzteres, um Zahlung der Zinsen. Das ist wohl auch der Gedanke hinter dem Vorschlag, ein Sperrkonto einzurichten.

      Ohne Schuldenerlass wird es nicht gehen, aber, und das ist letztlich für alle europäischen Schuldenstaaten ein Problem, auch nicht ohne wirksame Regeln für und ggf. die Begrenzung von spekulative(n) Wettgeschäften.

      Viele Grüße
      SLE

  • Systemfrager - 7. Februar 2012

    Jawohl:
    >>> für die Bewältigung der zweiten Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise reiche es [nicht] aus, [einfach nur] geldpolitisch das Gegenteil von dem zu tun, was die Notenbanken in den 30er Jahren taten – den Geldhahn auf-, statt zuzudrehen

    Nun erinnern wir uns daran, dass ein gewisser M. Friedman genau für den Beweis dafür, dass dies immer riechen würde, den Nobelpreis bekam
    Bemerkung: Der Sinn und Zweck war, zu beweisen, dass die staatlichen Investitionen gar keine Medizin damals waren, dass sie überflüssig – wenn nicht schädlich – waren. Also es ging darum, Keynes zu vernichten.

    Keynes Problem war, dass ihm eine analytisch strenge Erklärung für die Krise fehlte. Und das “begrabene Geld” hat man sowieso nie gefunden. Auch heute findet man das “begrabene Geld” nicht. Wo bleibt es? Der Markt ist mit Geld überflutet, die Nachfrage fehlt aber offensichtlich. Warum fehlt sie?
    Die Nachfrage fehlt, weil das Einkommen fehlt. Da hilft kein Geld, solange dieses Geld die Privaten verwenden sollen. (Das geschenkte Geld wäre was anderes.) Die Kreislaufanalyse ist das einzige Modell, mit dem sich beides einwandfrei erklären lässt.
    .
    4. Phase des ökonomischen Zyklus: Der Abschwung (Rezession)
    Der obere Wendepunkt des ökonomischen Zyklus und der Absturz in die Tiefe
    weiter >>>

  • wolfgang - 7. Februar 2012

    Am 20.06.1931 erklärte US-Präsident Hoover – angesichts der schlimmen Goldablüsse aus Deutschland – für ein Jahr ein allgemeines Moratorium. Am 9. Juli flog der deutsche Minster Lutter über Paris nach London , um die Gläubiger anzuflehen. Der englische Zentralbankchef lehnte ab. Im Oktober belgeiteten Offiziere der Royal Air Foce Alfred Rosenberg, Hitlers Rassentheoretiker, auf einer Tour durch die Londoner Clubs Rosenberg trag den Direktor der Times, den Herausgeber des Daily Express, Präsident der englischen Zentralbank und Direktoren der Schröder Bank. Die Schröder Bank spielte eine zentrale Rolle bei Wahlkampfgeldern für Hitler..

  • wolfgang - 7. Februar 2012

    Erst als Hitler im Sattel saß beendeten die Aliierten anläßlicih einer Konferenz in Lausanne auf Vorschlag Großbritanniens das Reparationszahlungen abschließend mit einer Pauschalforderung von 3 Mrd. Euro.

  • wolfgang - 7. Februar 2012

    Ich denke, dass wir ers von der heutigen Politik ablassen werden, wenn Continentaleuropa ökonomisch erledigt ist. Erst dann wird man Konkurse zulassen, wenn es zu spät ist.

  • wolfgang - 7. Februar 2012

    Übrigens auch damals gab es einen Terrorakt, der die Welt veränderte: Der Reichstagsbrand, der für den Hitlerputsch als Rechtsfertigung diente.

  • der Bauer vom Hunsrück - 7. Februar 2012

    mein Reden, die etablierten Parteien treiben so lange ihr Spiel, bis es wieder einem Populisten gelingt die Wähler für sich zu gewinnen. Ob das von den etablierten Parteien gewollt oder ungewollt ist, spielt keine Rolle, sie müßen es in ihren Handlungen als Kalkül berücksichtigen. Ich schätze allerdings, dass sie sich – wenn es denn soweit kommen sollte – unwissend oder gar tot stellen werden, ganz nach dem Motto “wir haben es nicht kommen sehen, wir wissen von nix….” irgendwie erinnert mich das an die Phase der Entnazifizierung, angeblich wußte keiner vom Holocaust und doch machten alle mit. Ich hoffe nur, man wird die Schuldigen an der Misere nicht vergessen und aufhängen.

  • Peter Hallonen - 7. Februar 2012

    Die Kritik an der wirtschaftspolitischen Strategie der deutschen Bundesregierung in der Eurokrise wird schon so lange geäußert, wie es die Eurokrise gibt. Mit dem Ergebnis, dass die Strategie fortgefahren wird. Nun kann man nach der Devise fortfahren, man müsse eben einen langen Atem haben, und irgendwann werden die Regierungen in Europa ein Einsehen haben. Nun, einen langem Atem braucht man, aber auf das Einsehen wird man vergeblich warten. Man muss irgendwann einen Schritt weiter gehen und sich fragen, warum diese verfehlte wirtschaftspolitische Strategie, die nur scheitern kann, weiter durchgehalten wird.

    Man muss hier wieder den Vergleich mit dem Krieg wählen. Wer einen Krieg führt und nach dem dritten oder vierten Jahr merkt, dass er ihn nur verlieren kann, wird er ihn dennoch weiterführen. “Wir werden niemals kapitulieren” ist die Äußerung eines ehemaligen deutschen Reichskanzlers, die eigentlich symbolisch steht für die Mehrzahl an Kriegen. Warum sollte man auch den Krieg beenden? Man hat ihn ja schließlich angefangen und man hatte Gründe dafür, ihn anzufangen. Man ist in den Krieg gegangen mit der Option, ihn auch verlieren zu können. Die Absichten waren nie friedlich, also warum sollte man nun – wo die Kriegsniederlage feststeht – dem Frieden den Vorrang gewähren?

    Im Falle der Eurokrise begann dieser “Krieg” spätestens mit der Agenda 2010, die im März 2003 ausgerufen wurde. Damals wurde in Wahrheit der Grundstein für die Eurokrise gelegt, so wie die Wahl von Hitler zum Reichskanzler im Jahre 1933 der Grundstein für den Krieg war, der sechs Jahre später beginnen sollte. Die Agenda 2010 sollte eine Art “nationales Erwachen” sein, um den “Ruck”, der laut Roman Herzog durch Deutschland gehen sollte, endlich vollziehen zu können. Die Ironie ist, dass Gerhard Schröder seine Agenda 2010-Rede verband mit der Absage an den Irakkrieg. Auf diese Verbindung legte er in seinen später veröffentlichten Memoiren großen Wert.

    Das deutsche “Gesundschrumpfen” war allerdings ein feindlicher Akt gegenüber unseren europäischen Nachbarn. Es war eine Absage an ein friedliches Zusammenleben der Völker in Europa. Indem man Deutschland wieder einmal zum Sonderfall (“kranken Mann”) in Europa stilisierte, bereitete man letztlich eine ökonomische Eroberungsstrategie vor, die in der Eurokrise voll zum Tragen kommen konnte. Denn wer sich lange Zeit als schlechtester vom Erfolg einer Mehrheit ausgegrenzt fühlt, wird sich später umso sehr motiviert fühlen, die anderen dominieren zu wollen. Eine negative Sonderrolle wird dann zu einer vermeintlich positiven Sonderrolle.

    Angela Merkel (und das hinter ihr stehende politische Personal und Programm) hat so gesehen tatsächlich die Früchte der Reformen von Gerhard Schröder geerntet. Es ist aber nur diese “Agenda 2010″-Strategie, die ihr zum Erfolg verholfen hat. Deutschland ginge es ohne die Strategie des ökonomischen Nationalismus (also des deutschen Lohndumpings) tatsächlich gerade nicht so gut. Wir könnten mit einer anderen Wirtschaftspolitik zwar dennoch gut dastehen, aber wir wären nicht besser als die anderen. Es ist also vollkommen logisch, eine Position der Stärke auszuspielen, wenn man sie schon mal hat.

    Auf dem Papier sind Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland usw. souveräne Regierungen, die ihre eigenen wirtschaftspolitischen Entscheidungen treffen können. So gesehen müssten sie sich natürlich nicht dem deutschen Diktat unterordnen. Sie tun es aber dennoch, und das, obwohl diese Länder in der Vergangenheit eine andere wirtschaftspolitische Strategie als Deutschland gefahren haben. Besonders gilt dies für Frankreich, das schon immer auf eine wirtschaftspolitische Zusammenarbeit gepocht hat, auf eine schwächere Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank, auf eine expansivere Geldpolitik. All das sind Konzepte, um die Eurokrise zu beenden, aber sie stehen der deutschen Haltung fundamental entgegen.

    Diese Konzepte werden neuerdings von der französischen Regierung nicht mehr geäußert. Das kann nichts anderes heißen, als dass Deutschland “gewonnen” hat. Deutschland hat einen Machtkampf gewonnen und dominiert nun Frankreich. Anders ist es nicht zu erklären, dass die einst scharfe Kritik aus Frankreich einfach verstummt ist. Eine plötzliche tiefere Einsicht, dass die neoklassische bzw. monetaristische deutsche Ökonomie wohl doch recht habe, kann den Wandel wohl kaum verursacht haben. Es ist eine Einsicht in eine unterlegene Machtposition. Deutschlands wirtschaftliche Stärke hat die anderen Eurozonen-Länder in eine Abhängigkeitsposition gebracht.

    Aus dieser Lage kommt man erst dann raus, wenn sich die Lage auf dem Kriegsfeld – also in der Wirtschaft – ändert. Erst dann ändern sich auch die Machtpositionen wieder. Die deutsche wirtschaftspolitische Führungselite weiß das vermutlich, verdrängt es aber und führt diesen “Krieg” zu Ende. Wer da noch denkt, es gehe um Argumente, ist schlicht naiv. Es geht um Ideologie und Machtfragen zusammen.

    • der-oekonomiker - 7. Februar 2012

      @ Peter Hallonen: Chapeau, ein wirklich guter Vortrag. Danke.

    • SLE - 7. Februar 2012

      Danke für den schönen Kommentar.

      Ich möchte jetzt nur noch ergänzen, dass die Agenda 2010 “Industriepolitk” in Reinform gewesen ist und das heißt, es ging insbesondere darum die führenden nationalen Champions aufzubauen und sie bei ihren Bemühungen um eine bessere Kostenwettbewerbsfähigkeit zu unterstützen – darum ging es vor allem auch bei den Hartz-Reformen. Es war und ist immer noch ein fataler Kostenensenkungswettlauf nach unten.

      Gerhard Schröder hat klassische Industriepolitik betrieben.

      Viele Grüße
      SLE

  • karla - 7. Februar 2012

    @ Achim Hase
    “Bei Griechenland sind die Reedereien und der Hafen von Piräus die National Champions. Diese werden sehr wohl gefördert und sind traditionell von Weltgeltung”

    Bei den Reedereien ist die Billigflaggenpolitik der Reeder zu beachten.

    Siehe unter:
    http://griechenland.conbook.de/?p=2390
    sowie:
    http://www.cruisetricks.de/louis-cruises-gibt-griechische-flagge-auf/

  • Kistrof - 7. Februar 2012

    Großes Lob an Stefan Eichner für diesen exzellenten Artikel!
    Das gehört mit zum besten was ich über die Finanzkrise gelesen habe.

  • Kistrof - 7. Februar 2012

    Hier noch mal zusammengefasst die Haltung der Troika zu Griechenland:
    http://www.ftd.de/lifestyle/entertainment/:karikiertes-leben-dinner-der-deutschbanker/60163647.html

  • jharren - 8. Februar 2012

    sachlich bleiben zeugt von charakter. es werden ihnen sicherlich noch mehr dinge in ihrem leben auf ihren sa… gehen. die von ihnen gepostete linksammlung überzeugt mich nicht, ich kann nämlich noch weiter zurück als sie, zum anfang.
    und da steht deutlich und klar lesbar das g die aufnahmebedingungen niemals erfüllt hat.
    worüber wollen sie mit mir diskutieren?

    • Querschuss - 8. Februar 2012

      Hallo Jharren,
      wenn du die Artikel gelesen hättest, inkl. einige Kommentare von mir, hättest du mehrfach gelesen das Griechenland nie hätte in den Euro-Raum aufgenommen werden dürfen, so wie das die Probleme Griechenlands unter dem Korsett des Euro nicht zu lösen sind. Ich will gar nicht diskutieren, ich habe nur auf deine Kommentare geantwortet, wenn meine Kommentare hin und wieder mal nicht sachlich rüberkommen, liegt es in der Tat daran, das es mir auf den sa…geht, immer wieder obwohl detailliert in dutzenden Artikeln und Charts dargestellt, die gleichen Dinge zu schreiben. Es liegt aber auch daran, dass die Inhalte hier im Blog in meiner engen Zeit und dann noch die Kommentare kaum zu stemmen sind und mich schon mal Überfordern, insofern Entschuldigung für den Stil, in Zukunft werde ich versuchen, wenn die Zeit und mein Nervenkostüm es nicht zulässt, mich nicht mehr an der Kommentaren zu beteiligen.

      Gruß Steffen

    • dank - 8. Februar 2012

      @Steffen
      Glaube die Aussage von jharren mit dem “S..k” ging eher an die Adresse von der-oekonomiker.
      Finde Deinen Stil und Deine Kommentare alles andere als unsachlich. Sind durchweg angebracht. Damit bin ich sicher nicht alleine.

      @jharren
      Ihre Frage “was ist daran falsch und was hat das mit brüning zu tun?” wurde unter Ihrem Kommentar beantwortet. In Ihrer Frage war Ihre Aussage über die “Aufnahmebedingungen GRs” m. E. nicht enthalten und über diese begangenen Fehler der Eurolandpolitik werden sich kaum Diskussionspartner finden.
      In den älteren Artikeln geht es dann auch tiefer ins Thema was nach der Aufnahme von GR geschah und wie querschuesse zu den getroffenen Maßnahmen steht.
      Ihre Aussage “griechenland hat übelst über die verhältnisse gelebt, aber wenn es auf den geforderten level gebracht wird gibts auch wieder geld.” ist plakativ und macht es einfach. Zweifellos mag die Aussage auch für einen gewissen Prozentsatz der Bevölkerung GRs zutreffen. Aber an wem die Einsparungen in GR ausgehen und wer nun (wie) dafür gerade stehen soll, wird in diesem schönen Lande D erst dann interessant, wenn unser geliebter Export rückläufig, die Arbeitslosenzahlen im Steigen und die Wirtschaft am Boden ist. Weinen und Zähneklappern – und dazwischen das hysterische Lachen einiger, die vorher schon so eine Ahnung hatten. Und nein – ich will es nicht so haben, aber wenn sich die Anzeichen häufen macht man sich Gedanken, nicht? Die Bilder brennender Autos und Geschäfte aus Rom oder Athen kann ich teils gar nicht richtig einordnen, weil sich mein Verstand weigert, anzuerkennen, dass es hier um eine Nation gleich um die Ecke mit gleicher Währung geht (- würde es in Berlin sein, würde ich nicht viel ungläubiger schauen).
      Wenn unsere Politikerkaste nicht endlich Ihre Finanzspritzen mit vorheriger Amputation einstellt, nachdem der Patient schon lange nicht mehr gesundet, können diese Feuer eine Vorschau auf den Beginn von etwas sein, was keiner will. Lieber einmal innehalten und was anderes machen, will man den Politikern zurufen, als immer nur „weiter so“. Lieber einen Fehler eingestehen und das Verhalten ändern – aber doch nicht schon fast aus Trotz weitermachen, obwohl es offensichtlich so nicht funktioniert.
      Und bei GR – wo kein Geldgeber, da kein Kreditnehmer.
      Bekommt eine Einzelperson Kredit, ist beim Platzen desselben danach (im Volksmund) die Bank die Dumme, denn sie hätte das ja genauer prüfen können.
      Bekommt ein Land einen Kredit und kann ihn nicht mehr abzahlen, dann wird das Land angefeindet, die Bank, da systemrelevant gerettet.
      Die Schuldfragenklärung besteht aus mehr als so einer laxen schnellen Aussage – haben nicht beide Kreditpartner darauf zu achten, dass das Geschäft richtig abläuft?

      Der Artikel von SLE weißt auf die möglichen Folgen der Politik in dem Zusammenhang des Kaputtsparens (Brüning) und hemmungslosen Geldflutung hin. Meiner Meinung nach muss sich Geschichte nicht wiederholen – warum immer wieder die gleichen Fehler machen?

      btw: Kommentare auf Kommentare stellen im Übrigen nicht immer Diskussionsbedarf dar.

  • HS - 8. Februar 2012

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Beitrag korrekt kommentiere, aber ich möchte eine Relativierung vornehmen:

    Die sog. Lehren aus den 1930er Jahren wurde gezogen (2008-2010). Wir dürfen das bei den aktuellen Entwicklungen in keinem Fall vergessen. Es hat aber, und das ist eine Lektion, die erheblich älter ist als jene Krise, nicht funktioniert. Das Problem in solchen Phasen ist aus meiner Sicht immer, dass erstens liquide Mittel nur leicht beim Kapital, nicht bei der Arbeit ankommen und zudem Liquidität anders wahrgenommen wird. Während in Spekulationsphasen Liquidität Vermögen als Richtwert ersetzt, wird der Wert durch die Menschen (!) am Ende einer Spekulationsphase wieder korrigiert. Und wie Geldhortung und -flucht in Problemlaenden zeigen, wird dann auch privat gespart. Ein normaler Vorgang.

    Ein sehr kluger Ökonom (leider weiss ich den Namen nicht mehr), hat in den vergangenen Jahren einmal gesagt, dass ein Staat schon viel tut, die Ausgaben stabil zu halten. (Was aber nicht langfristig möglich ist, weil bei den Staatsausgaben der relative Anteil der “arbeitsezogenen” Kosten immer weiter ansteigt, während arbeitsbezogene Einkünfte relativ immer weiter schrumpfen. Wenn das Verhältnis kippt wie bspw. in den USA, dann schrumpfen Wirtschaft und Staat gemeinsam und zügig. Und dort, gibt man wirklich viel Geld aus, das einem nicht gehört. Auch hier profitiert fast nur das Kapital.)

    Die Korrektur des Verhältnisses von Kapital zu Geld steht also noch aus. Wenn das Geld wieder einen ehrlichen Wert hat, dann wird das alles so nicht mehr möglich sein, die Volkswirtschaft, die Politik und die Menschen wieder zu einem vernünftigen Mass zurueckkehren. Bis zu nächsten Spekulationsphase ;-)

    • SLE - 8. Februar 2012

      Sie haben Recht. Und ja, mit der zu erwartenden Korrektur – wie Sie es ausdrücken – des Verhältnisses von Kapital zu Geld werden viele andere Probleme vermutlich ebenfalls wieder auf ein normales Maß “geschrumpft”. Allerdings lässt sich kaum abschätzen, wie weitreichend die vermuteten “Probleminterdependenzen” wirklich sind. Außerdem sind die von mir angesprochenen Probleme deswegen nicht weniger real oder weniger gefährlich. Das wollten Sie damit aber sicher auch nicht sagen.

      Viele Grüße
      SLE

  • jo - 8. Februar 2012

    Ich meine wir sind in einer neuen Krise, nicht vergleichbar mit vorhergehenden.

    Was ist passiert nach Lehman? Man könnte meinen Lehman wurde geopfert um direkt an die Steuergelder ranzukommen und bestehende soziale Standards im Westen auszuhebeln. So als Vorbereitung an eine grosse pazifische Auseinandersetzung, der Neoliberale Finanz Block gegen die Staatskapitalisten in China, denkbar aber auch dass genau dieser Eindruck vermittelt werden soll damit auf beiden Seiten die ‘Massen’ in Angst vor der Verelendung gehalten werden, bei den tausenden Billionen Schulden sind auch Mini-Zinsen für die Nutzniesser ganz einträglich.

  • Dima - 8. Februar 2012

    Hallo Stefan,
    eine schöner Analyse mit einer Menge Kritik, aber eine Lösung, wie man aus diesem Schlamassel wieder herauskommen kann, bietest du auch nicht an.

    Es bleibt halt nur ein Lösungsweg und der heißt: Konkurs
    Egal ob über Deflation oder über Inflation, der Konkurs löst die Probleme.

    Das Kredit-Geldwesen stößt hier eben an seine Grenzen.

    Gruß
    Dieter

  • Dagmar Brandt - 8. Februar 2012

    ” ….Und anders als damals in der Weimarer Republik kommt der Druck …aus dem Ausland und von supranationalen und internationalen Institutionen (EZB und IWF)”. Gemeint ist hier wohl ausschließlich der POLITISCH-INSTITUTIONELLE Druck, dem aber der ökonomische Druck der internationalen Handels- und Kreditverflechtungen zugrunde liegt, und Letzteres war in der Weimarer Krisenzeit nicht anders.

    Da der zur Diskussion stehende Artikel auf die Weimarer Zeit rekurriert, möchte ich zwei angelsächsische Texte mit dem gleichen Zeitbezug zum Lesen empfehlen.

    a) http://www.economist.com/node/21541388 : Lessons of the 1930s

    b) http://michael-hudson.com/2012/01/banking-wasnt-meant-to-be-like-this/

    Michael Hudson zeigt auf, wie die Reparationsforderungen an Deutschland nach dem 1. Weltkrieg vor allem schuldengetrieben waren. Großbritannien war für die Waffenlieferungen bei den US tief verschuldet, die Amerikaner forderten die Rückzahlung ihrer Kredite ein, die Briten mussten sich an Deutschland schadlos halten.

    Zitat:

    After taking its liquid assets and major natural resources, they insisted that it squeeze out payments by taxing its economy. No attempt was made to calculate just how Germany was to do this – or most important, how it was to convert this domestic revenue (the “budgetary problem”) into hard currency or gold. Despite the fact that banking had focused on international credit and currency transfers since the 12th century, there was a broad denial of what John Maynard Keynes identified as a foreign exchange transfer problem.

    The more domestic currency Germany sought to convert, the further its exchange rate was driven down against the dollar and other gold-based currencies. This obliged Germans to pay much more for imports. The collapse of the exchange rate was the source of hyperinflation, not an increase in domestic money creation as today’s creditor-sponsored monetarist economists insist. In vain Keynes pointed to the specific structure of Germany’s balance of payments and asked creditors to specify just how many German exports they were willing to take, and to explain how domestic currency could be converted into foreign exchange without collapsing the exchange rate and causing price inflation.

    Bertil Ohlin and Jacques Rueff claimed that economies receiving German payments would recycle their inflows to Germany and other debt-paying countries by buying their imports. If income adjustments did not keep exchange rates and prices stable, then Germany’s falling exchange rate would make its exports sufficiently more attractive to enable it to earn the revenue to pay.

    This is the logic that the International Monetary Fund followed half a century later in insisting that Third World countries remit foreign earnings and even permit flight capital as well as pay their foreign debts. It is the neoliberal stance now demanding austerity for Greece, Ireland, Italy and other Eurozone economies.

    Selbst in meinen Studienzeiten in den 1970ern hieß es noch, das Drucken von Geld ALLEIN ohne ausreichende Deckung in Gold/Waren habe zur Weimarer Inflation geführt. Der tatsächliche Zusammenhang ist eben doch komplexer. Das ist der ERSTE internationale Aspekt der Weimarer Krise. Der ZWEITE außenwirtschaftliche Aspekt ist der kurze deutsche Boom, der amerikanischem und französischem Kapitalzufluss zu verdanken war, der nach dem Wall Street Crash 1929 abrupt endete.

    So gesehen war der Anstoß zu Brünings Austeritätspolitik ein doppelt außenwirtschaftlicher, Weimar-Deutschland kämpfe auf wirtschaftlichem Gebiet einen genauso zum Scheitern verurteilten Zweifrontenkrieg wie später das Dritte Reich im II. Weltkrieg.

    • SLE - 9. Februar 2012

      @ Dagmar Brandt

      Vielen Dank für die Hinweise und Links. Und ja, die Sache ist, wie im vorletzten Absatz Ihres Kommentars hervorgehoben, “eben doch komplexer”.

      Aus meiner Sich gibt es genau in diesem Zusammenhang in der gegenwärtigen, von der herrschenden Theorie geprägten Herangehensweise an die Krisenproblematik und deren mögliche Lösung einen ganz entscheidenden Knackpunkt:

      Es wird schlicht unterstellt, dass jede Maßnahme im Prinzip immer in derselben Weise wirkt. Das gilt für Zinsentscheidungen von Notenbanken ebenso wie für andere, auf die Wirtschaft gerichtete Maßnahmen. So werden – von der herrschenden, neoklassischen Lehre, Intervention generell als schädlich für das Funktionieren der Märkte eingestuft – ein Problem, von dem Keynes ein Lied zu singen wußte.

      Es liegt am theoretisch Ansatz, dass so gedacht wird. Die neoklassische Theorie hält Märkte für selbstregulierend und blendet darüber hinaus die Entwicklung von Märkten völlig aus.

      Somit ist es aus dieser Perspektive betrachtet UNDENKBAR, dass auf Märkten und in ganzen Volkswirtschaften – im Zuge der Entwicklung – Situationen eintreten können, in denen bestimmte Maßnahmen plötzlich GANZ ANDERS wirken oder – wie aktuell bei der lockeren Geldpolitik/Liquiditätsflut der Fall – nicht so wirken, wie es die neoklassische Theorie erwartet.

      Das habe ich im Aufsatz oben bereits angesprochen.

      Ferner ist es in dieser theoriegeleiteten Perspektive ebenfalls UNDENKBAR, dass Interventionen NICHT SCHÄDLICH für das reibungslose Funktionieren von Märkten ist, sondern gegebenenfalls NOTWENDIG.

      Ich habe mich mit diesem Problem intensiv befasst und bin seinerzeit zum dem Schluss gelangt, dass man Märkte anders erklären muss als es die neoklassische Theorie tut. (Das Ergebnis war, wie hier immer Im Blog schon mehrfach angesprochen eine dynamische Markt- und Wettbewerbstheorie).

      Nun versuchen Sie das aber einmal einem Ökonomen verständlich zu machen, der es seit 10, 20 oder noch mehr Jahren gewohnt ist, neoklassisch zu denken.

      Viele Grüße
      SLE

  • Illoinen - 8. Februar 2012

    Was mich hier wundert, trotz dieser guten Analyse, kommt keiner auf den Gedanken, dass vielleicht Deutschland, mit seiner Lohndumping Politik die Wettbewerbsfähigkeiten der kleinen Länder untergraben hat? Zum anderen tritt immer mehr zu Tage, was der einzigste Grund der Währungsunion war, nämlich zu Lasten der kleinen Länder, seine Exporte massiv ausbauen zu können. Man wusste vorher, dass die kleinen Länder, nicht die Industrieen haben, um gegen Deutschland überhaupt einen Hauch eine Chance zu haben. Das war und ist in meinen Perfide. . Deutschland hat sich mittlerweile in Europa, zum zweiten China in Europa entwickelt, und bekanntlich sind dort die Löhne ja (noch) niedriger. Als in den 70zigern die Reeder mit Hilfe der Politik die Schiffe unter billig Flagge haben fahren lassen, hatte zur Folge, Asiaten zu beschäftigen, welche 90 Prozent unter den Deutschen Löhnen gelegen haben, somit wurden zwar die Reeder wieder Konkurenzfähig, aber über 80 Prozent der Deutschen Seeleute haben ihre Arbeit verloren. Wenn in Europa Chinesiche Löhne eingeführt werden, hilft es dem Unternehmer im Internationalen Wettbewerb bestehen zu können, aber die Menschen verhungern.

    • mutzel6 - 8. Februar 2012

      “Was mich hier wundert, trotz dieser guten Analyse, kommt keiner auf den Gedanken, dass vielleicht Deutschland, mit seiner Lohndumping Politik die Wettbewerbsfähigkeiten der kleinen Länder untergraben hat?”

      Nein, ganz im Gegenteil. Das wurde vielmehr schon so häufig hier dargestellt, besprochen und diskutiert, dass es eigentlich keiner Erwähnung mehr bedarf.

    • SLE - 8. Februar 2012

      mutzel6 hat bereits alles richtig gerückt. Trotzdem hier noch einmal ein Link zu meinem Aufsatz, in dem ich erklärt habe, wie das EU-Wirtschaftsmodell bisher funktionierte und warum es das m.E. nicht mehr tut :

      http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2011/01/die-europaische-krise-teil-2-die-euro.html

      (Anmerkung dazu: Zu dieser Frage des europäischen Wachstumsmodells hatte ich insgesamt fünf Aufsätze geschrieben – das hier ist Teil 2)

      Viele Grüße
      SLE

  • Michael S. - 8. Februar 2012

    Superb SLE!

    “Was dadurch gewonnen wurde, ist bereits gesagt worden. Doch diese Rechnung ist insofern unvollständig, als nicht das daraus neu geschaffene Problem einer Liquiditäts- bzw. Vermögensblase mitberücksichtigt wurde. Denn die Liquidität ist ja im Finanzsektor geblieben und hat quer durch alle Anlageklassen die Vermögens- und Rohstoffpreise nach oben getrieben – was die Wirtschaft zusätzlich belastet. Die Notenbanken haben so gesehen eigentlich nur den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben.”

    Ja und das ganze wird noch schlimmer…

  • Steve - 8. Februar 2012

    Im Grunde ist das eine gute Analyse der Situation aber die Ursache bzw. Lösung fehlt mir.

    Warum muß unsere Wirtschaft eigentlich jedes Jahr wachsen? Ist unendliches Wachstum in einer begrenzten Welt überhaupt möglich?

    Woher kommt Geld, in welcher From und von wem wird es in Umlauf gebracht?

    Vermögen = Schulden

    Wenn man alle Schulden auf der Welt zurück zahlt, würde es kein Geld mehr geben. Da wir ein Schuldgeldsystem haben. Und in diesem System liegt meiner Meinung nach die Ursache für sehr viele unserer Probleme. Wie Überschuldung, Wachstumszwang und Ausbeutung der Erde.

    Hier ein kleines Video welches unser Geldsystem leichtverständlich erklärt:

    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=Ih-BROltjaw

    Infromiert euch, damit wir alle für ein gerechtes demokratisch kontrolliertes Geldsystem einsetzen können. Den der Zusammenburch wird kommen, diese ganzen Rettungsschirme kaufen nur Zeit mit neuen Schulden – leider wird das nicht ewig gehen da der bedarf exponeziel steigt.

  • jharren - 8. Februar 2012

    @steffen
    damit waren sie nicht gemeint.

    @dank
    das kind ist in den brunnen gefallen- darüber will ich nicht diskutieren.
    aber ich bin eben nicht der meinung das gr gerade kaputtgespart wird.auch halte ich vom genannten vergleich nichts.
    und gerade hier sollte das doch möglich sein zu schreiben.
    und wissen mit wem ich hier kommuniziere wäre mir auch lieber. oder schreiben sie immer als “dank”

    • Querschuss - 9. Februar 2012

      jharren,
      ” ich bin eben nicht der meinung das gr gerade kaputtgespart wird” ……gibt es bei dir dazu irgendwelche belastbare Daten ausser deiner Meinung, ansonsten ist sie bar jeder Datenlage, wie dutzende Wirtschaftsdaten und Charts zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung hier im Blog dokumentieren.

      Gruß Steffen

    • dank - 10. Februar 2012

      @jharren
      Ich schreibe immer als “dank”, was Sie trotz Ihrer Zweifel ebenfalls (wie auch bei Ihnen) als Abkürzung für meinen Namen nehmen können.

      Annahme:
      ————–
      Sie haben Schulden aufgebaut, nachdem Sie ein Haus gebaut, ein Familienunternehmen und vor 25 Jahren eine Familie gegründet haben. Sie als Firmenchef leisten sich einen richtig großen Schlitten und geben auch sonst viel Geld aus, das Sie als Unternehmer Ihres Betriebes vor Zahlung der Gehälter dem Gewinn entnehmen. Der Rest der Firma und Familie ist damit von Ihnen als Chef und Organisator abhängig. Bislang bekamen Sie immer neue Kredite bei der Bank um Ihre alten zu bezahlen und auch in harten Zeiten davon zu leben. In Ihrem Familienunternehmen arbeiten Sie selbst, Ihre Tochter, Ihr Sohn, Ihre Frau, Ihre beiden Eltern (aushilfsweise), ein Großonkel und drei Hilfsarbeiter, die Ihre Frau entlasten, damit diese noch Zeit für die Buchführung hat. Die Gehaltshöhe Ihrer Angestellten ist mit der normalen Bezahlung in der Stadt zu vergleichen.

      Sie leben in einem abgeschnitten Tal mit 30 Personen, davon beschäftigt Ihr Unternehmen alleine zehn. Ihre Unternehmen ist der alleinige Hersteller für Nahrungsmittel im Tal.

      Die Bank hält aber die Mehrheitsanteile an einem riesigen automatischen erfolgreichen Nahrungsmittelbetrieb in der nächsten großen Stadt. Dieser beschäftigt zu großen Teilen Teilzeitkräften und Zeitarbeiter.

      Es steht außer Frage – Sie hätten die letzten Kredite nicht erhalten dürfen. Sie, als Chef, haben sich trotz der schwierigen Lage einen großen Wagen und ein sehr gutes Gehalt gegönnt. Sie haben mehrere falsche Entscheidungen im Bezug auf Ausgaben und Ausrichtung der Firma getroffen, sonst würden Sie ja besser da stehen. Eigentlich hätten Sie zum damaligen Zeitpunkt Ihre Firma gar nicht gründen dürfen, da Sie da schon hoch verschuldet waren. Aber zu spät um darüber zu lamentieren. Ihre Familie zuckt (noch) „nur“ mit den Schultern, denn Sie hatten zwar auch Vorteile, aber nicht in dem Maße wie Sie. All Ihre Angestellten sind auf Ihre Stellen und das Geld angewiesen. Ihre Eltern bekommen eine gute Rente, die Ihnen aber nicht zum Leben reicht.
      Ihre Bank teilt Ihnen mit, dass Sie Ihnen keine weiteren Kredite geben kann, die Grenze ist erreicht, die Sie als eigentlich nie erreichen hätten dürfen – aber die Bank und auch Sie selbst haben verschlafen vorher darüber zu sprechen. Die Bank beschließt nun Ihnen nur weiter Geld zu leihen, wenn Sie anfangen zu sparen und legt Ihnen vor, wo und wie Sie zu sparen haben.
      Die Bank verlangt,
      1. dass Sie die Verträge all Ihrer Mitarbeiter von der Kündigungsfrist befreien.
      2. dass Sie die Verträge Ihrer Frau und Ihrer Tochter verändern um diese sofort nach Hause schicken zu können – bei Ihrer Frau wird zusätzlich eine sofortige Scheidung damit im Vertrag impliziert; Ihre Tochter in ein Kloster geschickt.
      3. dass Sie die steuerlichen Vorteile, die Ihre Familienmitglieder mit der Beschäftigung in Ihrer Firma haben zum Wohle Ihrer Firma (und deren Gewinn) nicht mehr geltend zu machen sind.
      4. dass Sie in die Verträge all Ihrer Mitarbeiter aufnehmen, dass die Firma jederzeit den Zuschuss zum Mittagessen einbehalten kann, welchen Sie und Ihre Angestellten bislang immer für ein günstiges gemeinsames Essen bei „all you can eat“ nutzten (10 Personen zahlen nur für 6 Personen und können sich satt essen)
      5. dass Sie das jedes Jahr wachsende, Zubrot Ihre Mutter (für ihre Hilfe in der Firma) um 18 % kürzen und nicht wieder erhöhen
      6. dass Sie Ihrem Sohn die Auslagen für seine betrieblichen Besorgungsfahrten nicht mehr bezahlen.
      7. dass Sie die Überstunden Ihrer Angestellten über der Anzahl von einer pro Woche nicht mehr vergüten und zugleich im Schnitt die Löhne um 18 % kürzen.
      8. dass Sie das jedes Jahr wachsende Zubrot Ihres Vaters (für seine Hilfe in der Firma) nicht weiter erhöhen.
      9. dass Sie Ihrem Sohn nicht weiter erlauben Entscheidungen in der Firma zu treffen, da dieser keine Vollmacht besitzt, sondern ihn für bereits entstandene Schäden bezahlen lassen.
      10. die Entlassung Ihres ersten Hilfsarbeiters, da Ihre Frau die Aufgaben mit erledigen kann.
      11. die Entlassung Ihres zweiten Hilfsarbeiters, da der dritte Hilfsarbeiter die Aufgaben mit erledigen kann.
      12. eine Liste aller privaten und geschäftlichen Vermögenswerte (auch Ihrer) der Mitarbeiter im Unternehmen.
      13. dass Sie die Massagestunden Ihrer Großeltern nicht weiterhin über die Firma abrechnen, sondern das außerhalb der Firma mit Ihrer Familie absprechen und die Kosten innerhalb Ihrer Familie teilen.
      14. dass Sie Ihren Großonkel entlassen.
      15. dass Sie die Produkte, die Ihre Firma herstellt, günstiger verkaufen, um den Umsatz anzukurbeln.

      Nur bei Erfüllung der Punkte bekommt die Firma weitere Kredite. Die Zinsen für die alten Kredite werden aus den neuen gespeist – ein Abtragen der alten Kredite ist erst möglich, wenn Ihr Betrieb wieder im Plus läuft.

      Kann sich Ihre Firma mit diesen Vorgaben gesund sparen und gegen den Nahrungsmittelbetrieb in der Stadt in Konkurrent bestehen?
      Woher kommt faktisch das Geld (zumindest teilweise), das Ihnen die Bank nach und während Umsetzung der Vorgaben zukommen lässt?
      Wie wirkt sich die Entwicklung auf das Tal, in dem Sie leben, aus?
      Oder hätte die Bank lieber versuchen sollen Ihr Unternehmen, neben nur einem Teil dieser Maßnahmen, mit Bereitstellen von Fachleuten und einer Werbeagentur die Möglichkeit zu geben, selbst zu modernisieren und sich mehr Anteile am Nahrungsmittelmarkt zu sichern?
      Würde die Bank in ihrem eigenen Betrieb in der Stadt die Preise erhöhen lassen, die 30 % unter denen des Familienunternehmens dotieren?
      Welche Nahrungsmittel kaufen Ihre eigenen Angestellten; steigt der Umsatz Ihrer Firma?

  • dicke Bertha - 8. Februar 2012

    Wenn die spanische Wirtschaftsleistung um einen zweistelligen % Betrag schrumpft, nützt auch die weitere Finanzierung der Handelsbilanzdefizite durch die Zentralbanken der deutschen Exportindustrie nicht mehr viel.

    ICH HOFFE DAS ICH MICH IRRE.

  • Beobachter - 8. Februar 2012

    Meine Frage an Alle:
    .
    Ich habe nun mehrfach in vielen Blogs, aber auch in sogenannten Qualitätsmedien, gelesen:
    “Der Euro war der Preis für die Wiedervereinigung Deutschlands. Ohne die Aufgabe der D-Mark hätte insbesondere Frankreich niemals den 2+4 Verträgen zugestimmt.” (sinngemäß)

    Könnte es sein das der aktuelle Wirtschaftskrieg der Deutschen gegen Resteuropa die Retourkutsche ist ??

    Werden hier aktuell dei Kriegsziele von 14-18 im modernen Gewande zu Ende gebracht ?

    • Holly01 - 9. Februar 2012

      Politisierende und spekulative Meinungen zu diesem Thema sind kaum zielführend. Da es niemanden gibt, der sich als “Täter” offen zu erkennen gibt, kann man auch keine Handlungsursachen fest machen.
      Die medialen Protagonisten sind aber offensichtlich nur vorgeschoben, ausführend.
      Die Antwort ihrer Frage liegt in Sichtweise, Bauchgefühl und Summenempfinden aus den vielen Informationen, die zugänglich sind erweitert durch die vielen Annahmen, welchen man mehr oder minder erliegt.
      Ich würde mit “ja” antworten. Die Rückkehr der “alten Familien” ist kaum Zufall, andererseits, waren die aber auch nie weg. Ob das aber nun geplantes und organisiertes Handeln war/ist, das würde ich mit “nein” beantworten. Zumindest hoffe ich, unsere Eliten sind noch derart dumm.

  • Wolfgang - 9. Februar 2012

    Im Internet liest man immer wieder davon, dass Mitterand Kohl mit Krieg bedroht hat, falls er nicht die DM abschafft. In diesem Zusammenhang wird auch der Berater Mitterands Jaques Attali zitiert. Kohl sprach damals vom Euro als einer Frage von Krieg und Frieden. Wenn man Merkel genau zuhört, hat sie das in der Vergangenheit auch gesagt.

    Aber, wenn man Schäuble auf dem Bankenkongress hört, dann weiß man, dass es bei der Finanzkrise um die Abschaffung der Nationalstaaten geht.

  • Scheurer - 21. Juni 2012

    Wenn ich eine Lehre aus der Griechenlandkrise ziehen muss, dann die, dass Griechenland in der jetzigen Form nicht gerettet werden kann. D.h. die hier geschilderten politischen Folgen kommen und werden durch die Verschleppung nur schlimmer und schlechter beherrschbar.

    Ohne strukturelle Änderungen und der Zustimmung der Bevölkerung zu schmerzhaften Einschnitten ist die Katastrophe nicht aufzuhalten. Wir haben alle haben zu lange über unsere Verhältnisse gelebt und bekommen nun die Rechnung präsentiert.

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