Vom Problem der Überwindung der Rechts-Links-Logik – Teil 3.1: Vier Erklärungsansätze für Märkte im Vergleich – Markt- und Wettbewerbslogik

von am 2. Oktober 2013 in Allgemein

Wir können nicht alle Lebensbereiche ökonomisieren. Es würde unser Gemeinwesen und den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft zerstören.

Tatsächlich versuchen wir heute aber genau das. Wir nutzen dafür eine Marktlogik, die prinzipiell der Wirtschaft den Vorrang gibt und die ökonomische Effizienz über alles stellt.

Wir können in der auf die Marktwirtschaft und Märkte gerichteten Politik auch nicht die Nachfrageseite einschließlich der Arbeitnehmer nahezu komplett ausblenden.

Doch genau das ist es, was die Marktlogik nahelegt, auf die sich praktisch alle Parteien – auf der rechten wie auf der linken Seite des politischen Spektrums – bis heute explizit oder implizit abstützen (siehe dazu Teil 2). Denn es ist, wie in Teil 1 der Aufsatzreihe erklärt wurde, eine rein angebotstheoretisch begründete Marktlogik, in der die Nachfrageseite für das Geschehen auf Märkten und für wirtschaftliche Prosperität von untergeordneter, nachrangiger Bedeutung ist. Entscheidend sind demnach die Anbieter von Gütern und Dienstleistungen, das heißt die Wirtschaft und natürlich auch die Banken.

Die Krise der Marktlogik

Aus dieser Marktlogik begründet sich schlüssig eine liberale Wirtschaftspolitik.

Zwar wird die liberale Wirtschaftspolitik infrage gestellt und die ihr zugrunde liegende Marklogik vor allem heute scharf kritisiert. Dafür gibt es aus theoretischer Sicht auch genügende Gründe, weil es eine unvollkommene, mit schweren Fehlern behaftete Marktlogik ist, die

  1. prinzipiell effiziente, selbstregulierende Märkte unterstellt,
  2. den Einfluss und die Bedeutung der Nachfrage für das Marktgeschehen weitestgehend vernachlässigt,
  3. den ökonomischen Wandel oder genauer gesagt die Entwicklung von Märkten und Regionen in der Zeit komplett ausblendet

Genügend Gründe gibt es aber erst Recht auch mit Blick auf die wirtschaftliche Realität, denn wir haben heute

  • gesättigte und wachstumsschwache Märkte,
  • das „Too big to fail“-Problem als Konsequenz hoher Unternehmenskonzentration und vieler Märkte, die von nur wenigen, sehr großen Oligopolisten dominiert werden,
  • massive wirtschaftliche Ungleichgewichte,
  • eine hohe Einkommens- und Vermögenskonzentration

und wir haben deswegen heute insgesamt

  • eine hohe Instabilität und Krisenanfälligkeit unseres Wirtschafts- und Finanzsystems.

All das dürfte es gemäß der Marktlogik, auf die sich die Politik bis heute stützt, eigentlich überhaupt nicht geben. Wir kommen von diesen gravierenden Problemen auch nicht los, sondern sie verschärfen sich im Gegenteil immer weiter.

Die angebotstheoretisch begründete Marktlogik, auf die sich direkt oder indirekt, explizit oder implizit im Prinzip alle Parteien bei ihrer auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte gerichteten Politik abstützen, ist folglich höchst problematisch. Eine konstruktive Debatte gibt es dazu jedoch überhaupt nicht.

Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik in der Krise

Stattdessen dreht sich der Streit zwischen „Rechts“ und „Links“ in der Politik lediglich darum, wer auf der Grundlage oder vor dem Hintergrund dieser mehr oder weniger fehlerhaften Marktlogik die bessere Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik macht. Die Auseinandersetzung ist deswegen nicht nur schlicht konfrontativ und führt damit in eine Sackgasse. Sie geht vor allem auch am Kernproblem völlig vorbei, mehr noch blockiert sie effektiv und nachhaltig jeden Weg zu einer besseren, realistischeren Marktlogik und damit letztlich zu einer besseren Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik.

Das Problem aller Parteien ist heute nicht, dass ökonomische Theorien ihnen sowieso keine oder nur bedingt geeignete Orientierungen bieten können und deswegen getrost zu vernachlässigen sind. Ihr Problem ist im Gegenteil, dass sie sich mit den Erklärungsmöglichkeiten bezüglich der Märkte und der Marktwirtschaft und den daraus resultierenden Orientierungen verschiedener Erklärungsansätze und Marktlogiken viel zu wenig befassen.

Wenn wir von der orientierungslosen und ineffektiven Politik des Experimentierens wieder wegkommen wollen, die seit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise weltweit praktiziert wird, dann kommen wir nicht darum herum, die Marktlogik wieder zur Grundlage zu machen, auf der die politische Auseinandersetzung bezüglich der Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik geführt wird. Und das bedingt zunächst einmal eine echte, fundierte und vor allem konstruktive politische Auseinandersetzung mit der Marktlogik.

Rechts und Links werden nicht verschwinden, wenn wir die Wirtschaftspolitik auf eine bessere Grundlage stellen

Das bedeutet keineswegs, dass damit alle Unterschiede zwischen linker und rechter Politik verschwinden. Es geht hier schließlich nur um die Wirtschaft. Außerdem ist die Erklärung von Märkten und der Marktwirtschaft, die der Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik zugrunde gelegt wird, nicht zu verwechseln mit den darauf bezogenen Ansprüchen und Zielen linker und rechter Politik. Das ist von zentraler Bedeutung in einer Wirtschaft, die eben nicht – wie die heute bemühte liberale Marktlogik suggeriert – prinzipiell selbstregulierend ist.

Das bedeutet, wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass wir in Bezug auf Märkte und Marktwirtschaft immer von allen Entscheidungsproblemen enthoben sind, weil es nur richtig und falsch gibt, da Märkte sich im Grunde immer selbst regulieren und wie eine Maschine immerfort Wohlfahrt produzieren.

So ist es nicht.

Wir müssen entscheiden, welche Bereiche wir ökonomisieren wollen und wir sind in letzter Instanz dafür verantwortlich, dass und wie gut Märkte und Wettbewerb funktionieren. Welches politische Handeln bezogen auf Märkte und die Marktwirtschaft richtig und falsch ist, lässt sich nicht immer eindeutig und schon gar nicht allgemeingültig entscheiden. Das ist aber keine Frage von „rechts“ oder „links“, sondern eine Frage der Marktlogik.

In der gegenwärtigen Rechts-Links-Logik hat „Rechts“ die Marktlogik okkupiert und damit wird jeder, der in Bezug auf Märkte und Marktwirtschaft nicht „rechts“ argumentiert, pointiert ausgedrückt zum Gegner der Marktwirtschaft. Die zu überwinden setzt voraus, sich erstens bewusst zu machen, dass es nicht nur eine Marktlogik gibt. Die zweite Voraussetzung ist, sich nicht nur die Schwächen dieser herrschenden Marktlogik zu vergegenwärtigen, sondern auch ihre Orientierungsleistung für die Politik im Vergleich mit anderen Marktlogiken bewerten zu können.

Dafür soll im Folgenden eine Grundlage geschaffen werden. Das wird für die vier verschiedenen Erklärungsansätze geschehen, die im Wesentlichen unterschieden werden können und zwar in vier Schritten: Marktlogik, Wettbewerbslogik, Wachstumslogik und Orientierungsleistung.

Vier verschiedene Erklärungsansätze für wettbewerbliche Märkte

Markt und Wettbewerb müssen immer im Zusammenhang gesehen werden. Unterschieden wird nachfolgend gemäß der Wettbewerbsbezeichnung, die für die jeweils spezifische Erklärung von Märkten mit „effektiven“ bzw. „wirksamen“ Wettbewerb steht und damit auch für die jeweils definierten Voraussetzungen, unter denen die Marktwirtschaft letztlich ihre positiven Wirkungen entfaltet. Zu unterscheiden sind:

  1. „Freier Wettbewerb“,
    wobei es sich um die wirtschaftsliberale Perspektive handelt, die auf die klassische ökonomische Theorie von Adam Smith zurückgeht;
  2. „Vollkommene Konkurrenz“,
    wobei es sich eigentlich um ein Modell der neoklassischen ökonomischen Theorie handelt, das jedoch in vielerlei Varianten existiert, zum Beispiel als „vollständige Konkurrenz“ (Walter Eucken) und als Orientierung für die Wirtschaftspolitik Bedeutung erlangte; es setzt unter anderem als Bedingung polypolitische Märkte (viele Anbieter und Nachfrager) voraus, aber auch vollkommene Markttransparenz und Information aller Marktteilnehmer, absolute Gleichartigkeit aller Sachen, aller Personen, des Raums sowie auch in zeitlicher Hinsicht (Homogenität) und striktes Rationalverhalten (Homo Oeconomicus);
  3. „Funktionsfähiger Wettbewerb“,
    wobei es sich im Kern um eine an die wirtschaftliche Realität angepasste Abwandlung des Modells der „vollkommenen Konkurrenz“ der neoklassischen Theorie handelt; je nach Variante werden unterschiedliche, aus der empirischen Forschung abgeleitete Bedingungen definiert (z.B. unterschiedliche Grade der Produktheterogenität und Marktransparenz, Markteintrittsschranken, Wettbewerbsintensität); die zentrale Bedingung sind hierbei oligopolistische Märkte;
  4. „Evolutorischer Wettbewerb“,
    dabei handelt es sich um einen am Konzept der dynamischen Entwicklung von Märkten (Lebenszykluskonzept) orientierten Erklärungsansatz, bei dem das Anbieter- und Nachfrageverhalten und Innovationen ausschlaggebend dafür ist, wie sich Wettbewerb und Märkte im Zeitablauf wandeln und entwickeln.

Die Marklogik als Grundlage für Politik in der Marktwirtschaft

Welche Marktlogik liegt diesen Erklärungsansätzen zugrunde. Sie erinnern sich noch daran, dass ich in Teil 2 schrieb, wer eine Liste von Bedingungen oder ein Erfolgsrezept als Antwort auf die Frage erwarte, unter welchen Voraussetzungen die Marktwirtschaft ihre positiven, ordnenden und Wohlfahrt bringenden Wirkungen entfaltet, der sehe die Marktwirtschaft im Grunde wie ein Fahrrad, das heißt wie etwas, das sich mechanisch bewegt, aber nie verändert?

Gut. Im gegebenen Zusammenhang bedeutet das: Sie würden erwarten, dass es ein Marktideal gibt. Damit sind wir beim zentralen Unterscheidungsmerkmal der vier Erklärungsansätze in Bezug auf die Marktlogik, nämlich der schlichten Frage, ob ein Marktideal definiert wird oder nicht oder anders ausgedrückt, ob es sich um eine mechanistische Marktlogik handelt oder nicht.

Schauen Sie sich dazu die Abbildung zur Marktlogik an.

SLE_01_Marktlogik als Basis für Marktwirtschaftspolitik

Die „Vollkommene Konkurrenz“ und der „Funktionsfähige Wettbewerb“ definieren ein Marktideal, was damit zusammenhängt, dass in beiden Fällen die entsprechende Logik auf dem Fundament der neoklassischen ökonomischen Theorie steht.

Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied. Die „Vollkommene Konkurrenz“ definiert exakte Bedingungen. Das wird in der kleinen Zeichnung in der Abbildung symbolisiert durch das kleine schwarze Quadrat. Beim Ansatz „Funktionsfähiger Wettbewerb“ gibt es indes ein relativ großes, horizontal schraffiertes Feld, weil dort keine exakten Bedingungen definiert, sondern für alle als relevanten erachteten Bedingungen lediglich bestimmte Spannen oder Schwellenwerte festgelegt werden (z.B. für Unternehmenskonzentration, Marktransparenz, Wettbewerbsintensität usw.). Man könnte also sagen, dass in diesem Fall das Marktideal nur vage definiert ist.

So betrachtet ist es in der Praxis vergleichsweise einfach, „Funktionsfähigen Wettbewerb“ zu diagnostizieren und zu erreichen, während die Realisierung der „Vollkommenen Konkurrenz“ aufgrund der praktischen Nicht-Erfüllbarkeit aller Bedingungen unmöglich ist. Wie sollte man z.B. vollkommene Markttransparenz oder vollkommene Information aller Marktteilnehmer sicherstellen können? Bei einigen Varianten der vollkommenen Konkurrenz ist das anders. Die „Vollständige Konkurrenz“ von Walter Eucken, dem Vordenker der „Sozialen Marktwirtschaft“, kommt mit nur einer der ursprünglichen Bedingungen aus: polypolistische Märkte.

„Freier Wettbewerb“ und „Evolutorischer Wettbewerb“ definieren hingegen kein Marktideal und ihnen liegt folglich auch kein mechanistisches und die Entwicklung ausblendendes Marktverständnis zugrunde. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied. Beim Ansatz „Freier Wettbewerb“ ist im Prinzip jede denkbare Marktsituation akzeptabel und positiv zu bewerten, so lange die Markteilnehmer bzw. die Märkte frei von staatlicher Beeinflussung agieren können. Die unendliche Vielfalt möglicher Marktsituationen symbolisieren die vielen gleichgroßen schwarzen Punkte in der zugehörigen kleinen Zeichnung in der Abbildung zur Marktlogik.

Beim Ansatz „Evolutorischer Wettbewerb“ sieht man hingegen in der kleinen Zeichnung vier unterschiedlich schraffierte Quadrate, wobei eines identisch ist mit dem, das man beim Ansatz „Funktionsfähiger Wettbewerb“ sieht. Das ist kein Zufall. Denn was bei letztgenanntem Ansatz als Marktideal definiert ist, ist letztlich eine aus der empirischen Forschung herausgefilterte, spezifische Marktsituation, die – aus Sicht des Ansatzes „Evolutorischer Wettbewerb“ – in der Entwicklung von Märkten vorkommen kann. Aber es ist eben nur eine einzige denkbare Marktsituation.

Gemäß „Evolutorischer Wettbewerb“ bedeutet Entwicklung von Märkten, dass sich unterschiedliche Marktsituationen im Zeitablauf ergeben bzw. einander ablösen. Das heißt z.B. auch, dass sich die Marktform verändert – vom Unternehmen, das einen neuen Markt schafft und dort zunächst gegebenenfalls Monopolist ist, über die Polypolisierung des Marktes durch den Zustrom von neuen Anbietern bis zum später, im Zuge der Reifung des Marktes einsetzenden Verdrängungswettbewerb und Unternehmenskonzentrationsprozess (Oligopolisierung).

Es gibt also beim Ansatz „Evolutorischer Wettbewerb“ im Unterschied zum Ansatz „Freier Wettbewerb“ klar unterscheidbare Marktsituationen, die jeweils auch eine andere Form von Wettbewerb begründen. Das heißt, im Zuge der Entwicklung von Märkten verändert sich auch der Wettbewerb.

Damit sind wir auf der nächsten Vergleichsebene angelangt, nämlich der Wettbewerbslogik.

Die Wettbewerbslogik als Grundlage für Politik in der Marktwirtschaft

Was ist Wettbewerb eigentlich, wie arbeitet er und wie sollte er mit Blick auf die positiven Wirkungen der Marktwirtschaft sein?

Auch in dieser Hinsicht kann man zwecks schneller und grundsätzlicher Unterscheidung der verschiedenen Erklärungsansätze wieder danach fragen, ob sie ein Wettbewerbsideal definieren.

Einfache Antwort: Nur beim Ansatz „Freier Wettbewerb“ gibt es explizit kein Wettbewerbsideal.

Ebenfalls einfach fällt die Antwort bei den neoklassischen Ansätzen „Vollkommene Konkurrenz“ und „Funktionsfähiger Wettbewerb“ aus, wie aus der Abbildung zur Wettbewerbslogik ersichtlich ist. Es ist in beiden Fällen identisch mit dem Marktideal oder anders ausgedrückt, wenn die jeweiligen Bedingungen des Marktideals erfüllt sind, dann liegt auch das Wettbewerbsideal vor, das heißt, es herrscht effektiver Wettbewerb.

Was bedeutet das praktisch?

Es bedeutet verkürzt ausgedrückt, dass gemäß der Marktlogik der „Vollkommenen Konkurrenz“ wünschenswerter effektiver Wettbewerb vorliegt, sobald u.a. auf einem Markt ein Polypol vorliegt. Gemäß der Logik des „Funktionsfähigen Wettbewerbs“ ist das gegeben, sobald Märkte u. a. oligopolistisch strukturiert sind, wobei es einen gewissen Interpretationsspielraum gibt wie eng oder weit das Oligopol sein darf.

Praktisch bedeutet das im Falle des „Funktionsfähigen Wettbewerbs“ aber nicht nur, dass effektiver Wettbewerb vorliegt sobald Märkte oder ganze Volkswirtschaften oligopolisiert sind. Es bedeutet auch, dass effektiver, sich selbst regulierender Wettbewerb herrscht bzw. das Wettbewerbsideal vorliegt, so lange sie oligopolisiert bleiben.

Daraus ergibt sich eine nicht unwesentliche Frage, nämlich: Wie sollen sich Märkte entwickeln, wenn wir dafür Sorge tragen, dass sie immer oligopolisiert bleiben?

Falls Sie noch nicht genau sehen, worin das Problem eigentlich bestehen soll, dann stellen Sie sich einfach einmal vor, als ideal soll ein Oligopol mit vier Anbietern gelten. Sagen wir noch dazu auf dem (imaginär betrachteten) globalen Markt.

Gemäß des Erklärungsansatzes „Evolutorischer Wettbewerb“ und der oben gegebenen Erklärung der Marktlogik würde damit die Entwicklung von Märkten nicht gefördert, sondern behindert und im Extrem unmöglich gemacht. Denn entsprechend der oben dargelegten Marktlogik gibt es beim „Evolutorischen Wettbewerb“ ein prozessuales Wettbewerbsideal, das unabhängig von der jeweiligen Marktsituation ist. Es ist erfüllt, wenn sich die Marktsituation im Zeitablauf (bzw. im „Lebenszyklus“) immer wieder signifikant verändert. Denn die Entwicklung von Märkten wird in diesem Erklärungsansatz nur dadurch möglich, dass sich der Wettbewerb wandelt bzw. die vorherrschende Form des Wettbewerbs sich verändert. Der Wettbewerb trägt demnach die Entwicklung und das kann er unterschiedlich effektiv tun, was mit der Erklärung der Arbeitsweise und des Wesens des Wettbewerbs zusammenhängt. Schauen Sie dazu nochmals auf die Abbildung zur Wettbewerbslogik.

SLE_02_Wettbewerbslogik als Basis für Marktwirtschaftspolitik

Beim Ansatz „Vollkommene Konkurrenz“ wird Wettbewerb statisch aufgefasst. Das heißt, entweder die exakt definierten Bedingungen für das Marktideal sind erfüllt – dann herrscht Wettbewerb. Oder sie sind nicht alle erfüllt und dann herrscht kein Wettbewerb. Dazwischen gibt es nichts. Man kann sich das vorstellen wie bei einem Lichtschalter: Licht an, Licht aus, Wettbewerb an, Wettbewerb aus.

Das ist keine realistische Vorstellung. In allen anderen Erklärungsansätzen wird Wettbewerb als dynamisch, nämlich als ein von Innovationen angetriebener Prozess verstanden, das heißt als – zumindest theoretisch – ewige Abfolge von innovativen Vorstoßhandlungen einzelner Wettbewerber, die dadurch eine temporäre Monopolstellung auf dem Markt einnehmen, und den imitativen (oder wiederum innovativen) Handlungen der Konkurrenten, die damit wieder zum Innovator aufschließen, ihn einholen oder sogar überholen.

Diesen vor- und nachstoßenden Prozess veranschaulicht die Zickzack-Linie in den kleinen Zeichnungen bei den drei Erklärungsansätzen, die Wettbewerb dynamisch auffassen. Die Obere Line kennzeichnet das temporäre Monopol, die untere ausgeglichene Verhältnisse, in denen niemand über einen signifikanten, innovativen Wettbewerbsvorsprung verfügt.

Die Unterschiede sind schnell erklärt.

Im Falle des „Freien Wettbewerbs“ und des „Funktionsfähigen Wettbewerbs“ wird die Arbeitsweise zwar identisch erklärt und es wird auch angenommen, dass der Wettbewerbsprozess seinem Wesen nach selbstregulierend bzw. selbsttätig ist. Aufgrund des abweichenden theoretischen Fundaments geht der Ansatz „Freier Wettbewerb“ (klassische Theorie von Smith) jedoch davon aus, dass der Prozess nicht steuerbar oder gezielt beeinflussbar ist, ganz besonders auch nicht bezüglich seiner volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Beim „Funktionsfähigen Wettbewerb“ (abgeleitet aus der neoklassischen Theorie) sieht man jedoch grundsätzlich solche Beeinflussungsmöglichkeiten (mechanistische Sicht) und darauf sind auch die Bedingungen des zugehörigen Marktideals angelegt. Das heißt, es gibt hier die Möglichkeit einer Art Feinsteuerung, mit der die Leistungsfähigkeit des Wettbewerbsprozesses beeinflusst werden kann und damit letztlich auch das Wirtschaftswachstum. Praktisch geschieht dies beispielsweise dadurch, dass Fusionen und Übernahmen bzw. eine höhere Unternehmenskonzentration zugelassen oder eben nicht zugelassen werden.

Gemäß des Ansatzes „Evolutorischer Wettbewerb“ ist der Wettbewerbsprozess weder prinzipiell selbsttätig (oder selbstregulierend) noch wird die Möglichkeit einer wachstumsbezogenen Feinsteuerung gesehen. Vielmehr werden hier verschiedene Formen des Wettbewerbs differenziert, die sich im Hinblick auf ihre Beiträge zur Entwicklung von Märkten unterscheiden. Ausschlaggebend dafür sind die Innovationen, die je nach Wettbewerbsform unterschiedlich weitreichende ökonomische Wirkungen auf Märkten oder der Wirtschaft insgesamt haben und damit den Takt und die Richtung der Entwicklung von Märkten vorgeben.

Das heißt, über die Beeinflussung der Marktbedingungen lässt sich demnach letztlich die Prozess- und Entwicklungsqualität des Wettbewerbs beeinflussen, aber das gilt nicht für seine Ergebnisse. Eine hohe Entwicklungsqualität des Wettbewerbs bedeutet nicht zwangsläufig auch hohes Wirtschaftswachstum.

Damit unterscheidet sich die Markt- und Wettbewerbslogik des Erklärungsansatzes „Evolutorischer Wettbewerb“ wesentlich sowohl von der Logik des „Freien Wettbewerbs“ als auch von der des „Funktionsfähigen Wettbewerbs“.

 

In Teil 3.2 werden die vier verschiedenen Erklärungsansätze in Bezug auf die Wachstumslogik und ihre Orientierungsleistung für die Wirtschafts‑ und Finanzmarktpolitik vergleichend analysiert und abschließend zusammenfassend bewertet.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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19 KommentareKommentieren

  • Roland - 2. Oktober 2013

    Wie bitte, auf die “angebotsorientierte Marktlogik stützen sich mehr oder weniger alle Parteien ab” ?
    Haben Sie etwa die 3.-stärkste Partei im Bundestag übersehen – DIE LINKE ?
    Sie können kein einziges Buch von Sahra Wagenknecht gelesen haben.

    Davon abgesehen: Wir brauchen ein neues Wirtschafts-System, das die Konkurrenz stark einschränkt und die Zusammenarbeit fördert. Aber schon das stellt die Machtfrage.

    • Basisdemokrat - 3. Oktober 2013

      Sahra Wagenknechts Loblied auf Markt und Leistungsgesellschaft

      http://www.wsws.org/de/articles/2011/06/wage-j17.html

      Gruß BD

      • Roland - 3. Oktober 2013

        Sie zitieren eine schwache und tendenziöse trotzkistische Rezension.
        Auch Ihnen sei ein Studium der Original-Quelle empfohlen.

        Nebenbei: Auch wenn man Sahra Wagenknecht nicht auf den Satz “Marktwirtschaft ohne Kapitalismus” reduzieren kann – auch dieser stellt implizit schon die Machtfrage.

        • Basisdemokrat - 4. Oktober 2013

          “Nebenbei: Auch wenn man Sahra Wagenknecht nicht auf den Satz “Marktwirtschaft ohne Kapitalismus” reduzieren kann – auch dieser stellt implizit schon die Machtfrage.”

          Und genau deswegen räumt man ihr eine so breite medienwirksame Öffentlichkeit ein!?

          Es ist die notwendige Vorbereitung, ein politisches Signal an das Establishment mit der Botschaft: Unsere Teilhabe an der Macht rettet euch den Arsch!
          Ihre Kritik am Kapitalismus hört sich klug formuliert und durchdacht an. Davon konnte ich mich auf ihren Vorträgen selbst überzeugen. Aber sie ist auch klug genug, zu merken, dass sie in dieser Funktion instrumentalisiert wird. Insofern setze ich ihr Einverständnis voraus, indem sie deren Spiel mitspielt.

          Und was die angebliche tendenziöse Schwäche der Rezension angeht, sehe gerade darin ihre Stärke, dass sie den historischen Bezug herstellt, was für viele aber Teufelswerk ist.

          Obwohl ich ein entschiedener Gegner stalinistischer Politik bin, muss ich doch zur Kenntnis nehmen, dass das gerade aus der Leibeigenschaft des zaristischen Russlands entlassene Volk es geschafft hat, innerhalb kürzester Zeit in einer wahnsinnigen Aufholjagd ( ca 1930-1957 Sputnik) mittels Planwirtschaft und Aneignung westlicher Technologien in das Industriezeitalter einzutreten. Die Fehler die nach Beendigung der Kriegswirtschaft gemacht wurden und im übrigen von Trotzki scharf kritisiert wurden, sind besonders interessant für die Fragestellung “Wie viel Markt braucht eine Planwirtschaft oder wie viel Steuerung braucht der Markt”
          Nach der Enteignung der Kulaken (Großbauern) Misslang der Versuch mittels Kollektivierung der Landwirtschaft eine schnelle Steigerung der Landwirtschaftlichen Erträge herbeizuführen. Erst die teilweise Wiedereinführung der kleinbäuerlichen Privatwirtschaft hat aus der Hungersnot herausgeführt. Das Problem ist also nicht neu. Die ökonomischen Antworten müssen der historischen Situation angepasst werden und können nicht mittels “Rezept” gelöst werden. Insofern ist der Gedanke des Evolutorischen Wettbewerbs vielleicht sogar mit Marx kompatibel.
          Gruß BD

  • Häschen - 2. Oktober 2013

    Danke für die Erklärung. Das war interessant.

    Bei einer Wahl zwischen den 4 Alternativen bleibe ich für den Freien Markt. Da geht es rauf und runter aber in Summe ändert sich nicht viel. Das ist perfekt und günstig zu realisieren. Entspricht der wahrgenommenen Realität.

    Was hilft es denn, wenn jede Branche in gleichem Maße innoviert. Die Innovation wird nicht gefeiert. Man hält die Konsumenten mit mit den alten Konzepten im neuen Gewand (jetzt nicht den Wein in den Schleuchen zu bemühen) bei der Stange). Das ist eine Schönwetterphilosophie.

    Wird das Fahrwasser mal unruhig, dann rufen alle nach Poseidon und lässt einen Geldberg aus dem Meer wachsen der das Schiff vor den Wellen schützt. Sollen die Kähne in stürmischer See aufs Riff laufen – das nennt man einen Markt, das ist etwas Gescheites. Das ist urig, da geht’s zu wie auf der Wiesn.

    Rundum sorglos Paket und in Summe bleibt alles beim Alten. Und nicht wie …
    http://www.oktoberfest.de/de/article/Das+Oktoberfest/Bier/Der+historische+Bierpreis%21/2752/
    (Das ist die wahre Statistik des Grauens)

    Als ich geboren wurde, kostete die Mass in DEM ca. ein Viertel vom heutigen Preis in EUR. In 40 Jahren hat sich der Preis veracht facht. D.h. vom gesparten eines ganzen Arbeitstags blieb der Anteil einer Stunde. So viel kostet uns das ruhige Segeln im morschen Schiff. Und das Dampfschiff wurde, bildlich gesprochen, noch nicht erfunden da das Segeltuch wird innoviert.

  • JL - 2. Oktober 2013

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner

    Die unterschiedlichen Entwicklungsstadien des Marktes die Sie dargestellt haben setzen also einen letztlich nicht mehr steuerbaren/kontrollierbaren Markt oder Teile davon voraus. Das würde bedeuten, wir befinden uns gerade im „Evolutorischen Wettbewerb“. Ergo muß der Markt auseinanderbrechen, damit es unterschiedliche Marktsituationen geben wird. Somit könnte man die Loslösung der Finanzwelt von den Niederungen der Realität als einen Bruch verstehen- oder?

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • NN - 2. Oktober 2013

    Was die Politik zur Zeit betreibt, erinnert stark an Versuche ein Perpetuum Mobile zu bauen.

    Fakt ist:
    - Vermoegenskonzentration nimmt zu (empirisch belegt durch Stastiken, sowie auch mathematisch z.B. durch “Real”-Zinseszins erklaerbar)
    - Ungleiche Vermoegensverteilungen schaden der Wirtschaft (Extrembeispiel: einer besitzt alles, alle besitzen gar nichts: keine Wirtschaft moeglich)
    - Ungleiche Vermoegensverteilungen schaden dem Zusammenhalt, machen (den Grossteil der) Leute unzufrieden, gefaehrden den Frieden

    …und was probiert die Politik? Sie baut Perpetuum Mobile! Es wird versucht eine gleichere Vermoegensverteilung zu erreichen OHNE Nettotransfers von Reich zu Arm.

    Und zwar abwechselnd in 2 Varianten:

    a) Keynes : Man nehme Kredit, wenn es gerade nicht so gut laeuft. Das loest das Problem nicht, weil die Kreditnahme die ungleiche Vermoegensverteilung verstaerkt (im besten Fall etwas in dir Zukunft verschiebt). Dies ist beileibe kein Nettotransfer von Reich zu Arm.

    b) Neokonservativ: Man versucht den Markt “gleicher” zu machen, indem man ausgesuchte staatliche Transfers von reich->arm noch kleiner macht, obwohl der Nettotransfer (zwischen Privatpersonen oder z.B. auch staatliche Unterstuetzung an Firmen zur “Arbeitsplatzsicherung”) in die andere Richtung geht und obendrein ein “gleicher” Markt nicht gleich ist, wenn Millionaere und Milliardaere mit “Tausendaeren” konkurrieren.

    Warum finden nicht in wirtschaftlich staerkeren Zeiten (z.B. pre-2008, 2011) WIRKLICHE NETTO TRANSFERS zu Aermen statt? Das wuerde die Wirtschaft (und vorallem die Zufriedenheit der Bevoelkerung) langfristig steigern.

    • Eurelios - 2. Oktober 2013

      Warum finden nicht in wirtschaftlich staerkeren Zeiten (z.B. pre-2008, 2011) WIRKLICHE NETTO TRANSFERS zu Aermen statt? Das wuerde die Wirtschaft (und vorallem die Zufriedenheit der Bevoelkerung) langfristig steigern.

      Da meine ich das Du eine Frage stellst die spezifisch nur für Deutschland gilt. Das ist
      mE falsch gedacht wir leben in einer globalisierten Welt und wirtschaftlichen stärken Zeiten
      sehe ich nirgendwo in Europa, klar durch die Ausbeutung der deutschen Arbeitnehmer
      mit dem Niedriglöhnen und gestundenen Targetbudgets an den anderen Ländern
      Europas sind das Traumzeiten für die wenigen Geldheinis in unserer BRD.

      Global gesehen keine Chanze für eine Umkehr der Vermögen von Oben nach Unten.
      Es wird weiter so gehen der Krug läuft zum Brunnen bis er zerbricht..

      Natan der weiße lässt Grüßen.

      • JL - 2. Oktober 2013

        Hallo Eurelios,

        Sie haben sicher Recht. Nur eine Nuance sollte beachtet werden. Demnächst geht der Brunnen zum Krug.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

  • hirni - 2. Oktober 2013

    Apropos Bierpreise: (interessante Tabelle)
    Mein subjektives Gefuehl war auch: Wow – die haben ja zugelangt.
    Aber:
    seit 2002 – sind die Bierpreise jaehrlich ‘nur’ um 3.0 % p.a. gestiegen.
    (von 6.30 auf 9.40 bei 3.0% pro jahr: 6.8*1.03^11 = 9.41 Euro )
    Selbst bei 2% “Preisstabilitiaet” – verdoppeln sich die Preise alle 35 Jahre !
    Bei 3% p.a. – alle 24 Jahre – d.h. ausgehend von 6.30 in 2002 – sollte das Bier erst im Jahr 2026 die 12.60 Euro erreichen – falls es den Euro dann ueberhaupt noch gibt.
    … anders gesagt: “nur 3.20 Euro pro Mass mehr in 13 Jahren – von 2013 gesehen” !
    Prost !

  • Basisdemokrat - 2. Oktober 2013

    Handelt es sich bei diesem “Erklärungsansatz für Märkte (Plural)” um die Betrachtung einer Volkswirtschaft mit ihren Teilmärkten oder sind ihre Überlegungen prinzipieller Art und sowohl auf kleine Einheiten als auch auf die Weltwirtschaft anwendbar? Da die WW als Ganzes gesehen noch die zusätzliche Problematik des geschlossenen Raumes aufwirft.
    Ich unterstelle mal die Gültigkeit für ein VW, die Stoßrichtung geht ja in Richtung Entscheidungshilfen für die Wirtschaftspolitik zu erarbeiten.

    Dem freien Wettbewerb würde ich ein “Religiöses” Ideal unterstellen. Denn die Selbstregulation lässt sich dann entweder aus einer Eigenschaft der Materie oder durch die “Unsichtbare Hand” einer höheren Macht erklären. Worauf schon die begriffliche Nähe hindeutet.
    Messe- Heilige Messe
    Gläubiger- Glaubensbekenntnis
    Schuldner- Wir vergeben unseren Schuldigern usw.
    “…Für die Moderne ist ja charakteristisch, dass die Religionen, eine nach der anderen, entzaubert, das heißt als menschliche Projektion und Konstruktion entlarvt werden. Das haben die traditionellen Religionen, zunächst das Christentum, dann aber auch die anderen Religionen seit der Aufklärung erfahren müssen. Und ich denke, das werden wir über kurz oder lang auch beim Geld erleben. Auch die Dynamik des Kapitalismus, wirtschaftliches Wachstum und die damit immer verknüpften Finanzkrisen sind keine Naturnotwendigkeiten, sondern werden von Menschen gemacht und können auch durch Menschen geändert werden….” (Christoph Deutschmann, Uni Tübingen)
    http://web.archive.org/web/20090413155111/http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/geld-erfuellt-religioese-funktionen/

    Auch deutet die viel zitierte Phrase “wir brauchen mehr Eigenverantwortung” auf die Spiegelbildliche Abgabe der Verantwortung an ein höheres Wesen (Selbstregulierung) hin.
    (Missionarseffekt = Je mehr ich an meinem Glauben zweifele, desto heftiger muss ich meine Mitmenschen bekehren).

    Für den Evolutorischen Wettbewerb spricht einiges. Noch unklar ist, “die bedingte Steuerbarkeit der Prozessqualität”. Bedeutet das, dass ein Marktzyklus lediglich unterstützbar in seinen einzelnen Entwicklungsphasen ist und er ansonsten seinem “Natürlichen Verlauf” folgt? Was passiert wenn Märkte ineinander fliesen oder kollabieren?

    Ökonomische Relevanz war das Stichwort zur Gewichtung der Dringlichkeit?!
    Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile, gilt sicher auch für den Markt und seine Teilmärkte. Je differenzierter diese untersucht und bewertet werden, desto mehr nähere ich mich – rein gefühlmäßig- einer Planwirtschaft. Diese müsste dann allerdings hoch reaktiv sein. Vermutlich stehen uns die entsprechenden Technologien dazu ja bereits zur Verfügung.

    Gruß BD

  • klaus - 3. Oktober 2013

    Und wo ist die funktionierende Marktwirtschaft mit staatl. bzw.
    externer Steuerung durch Investoren und Rohstoffbeschränkungen
    und Überschuß?

    Diese Ideale sind doch nur für einen klar definierten Zustand
    brauchbar.

    Und was passiert, wenn man von einem funktionierenden Wettbewerb
    auf einen freien Wettbewerb zurück möchte?

    Blasenbildungen und mehr?
    Exakt diese Übergänge bei der Marktwirtschaft sind doch die Gefahr.
    Wir haben doch im Moment soviel staatl. Interaktion, selbst im
    Pflegebereich ( der so zu einem wirtschaftlich arbeitenden Betrieb
    verkommen ist, das jeder Alte kostendeckend betreut oder
    nicht betreut wird, in Zukunft – absehbar ), das da nur noch
    Stilblüten folgen können.

    Sollten nicht alle staatl. Interaktionen mal auf Wildwuchs,Mißbrauch
    und Effizienz abgeklopft werden? Und auch auf bewußt von Außen
    durch Werbung angekurbelte Interessen, die sich gezielte
    vollkommen lebensunwichtige Bedürfnisstrukturen aufbauen!
    Der Fußball-Millionen-Wahn zum Beispiel inkl. der Dopingproblematik.
    Anstatt Wirtschaftzweige zu bilden,
    die es in normalem wirtschaftlichen Umfeld niemals gegeben hat?

    Es gibt halt Arbeits- / Leistungsbereiche, die man weder mit
    Refa-Studien, noch über Taylorismus lösen kann.
    IBM hat schon immer kreativen Leuten auch Urlaube von über 1 Jahr eingeräumt.
    Eine maximale Belastung in solchen Bereichen ist offensichtlich,
    weder der Gesundheit, noch der Arbeit zuträglich. (Burnout)
    Es sei denn, man will ausnutzen und wegwerfen. Halt diesmal mit Menschen.

    Ich jedenfalls glaube nicht, das unser Marktwirtschaftssystem, zu einem
    relativ normalen Umfeld ohne Vernunft und Verzicht zurückfindet.

    Die heutige Bedürfnispyramide wird wohl jeden früheren
    Wirtschaftswissenschaftler mehr als nur erschrecken.
    Wenn z.B. Kinder ihre BEIDEN Nieren, wie in China für ein EiPad verkaufen
    und die Mutter heulend durch die Strassen läuft.

    Aber wie werden wir in Europa hier auf einen normalen Konsens kommen?
    Sicherlich nicht mit Austerität des IWF.

    Es wird also eher irgendwann schlicht das Ende der Schraube erreicht sein.
    Denn weiter zum Schluß hin, kann keiner mehr nachgeben.
    Vielleicht ist es auch irgendwann soweit, wenn die Hatz nach Rohstoffen
    nicht mehr von Erfolg gekrönt ist?

    So sehe ich das.
    Daher glaube ich nicht mehr an freie Marktwirtschaft.
    Alles ist so frei, wie die Mainstream-Medien einen glauben machen.
    Und wer besteuern will, wird von Ihnen zerrissen.
    Wen Sie nicht mögen, weil er Alternativen kennt, wie Prof. Lucke,
    der wird von der dunklen Stimme aus dem Keller, die dann Plasberg
    vorliest, 5 Minuten vor Ende einer erfolgreichen Sendung, noch mal
    schnell mit Dreck beworfen.
    So sind Sie nunmal, unsere Medien.
    Tja, da ist soviel Geld und Hoffnung auf großes Geld in den Euro
    gegangen, das 95 Prozent nur noch Tunnel-Blick haben.

    Gruß klaus

  • Systemfrager - 3. Oktober 2013

    Ich bin wirklcih (ehrlich) überrascht, wie inhaltlich alles irgendwie meiner Vorstelltung entspricht
    Problemtisch ist für mich, dass man übliche Begriffe nicht ganz “üblich” benutzt, und das verlangt eine aufwändige Umstellung im Kopf
    Dies ist kein Vorschlag, aber eher so verstehe ich die obige Klassifizierung
    (1) Freier Wettbewerb => ATOMISTISCHER WETTBEWERB*
    (2) Vollkommen Konkurrenz & (3) Funktionsfähiger WEttbewerb => KOSTEN-WETTBEWERB**
    (4) Evolutorischer Wettbewerb => OK***
    - – - – -
    * Das Werk von J. S. Mill betrachte ich als die Vollendung der Markttheorie von Smith. Und bei Mill werden wir schon einiges finden, wo der Staat der Wirtschaft helfen muss
    ** Beinhaltet auch den atomistischen Wettbewerb, aber bei Smith war der Wettbewerb nicht ein (reiner) Kosten-Wettbewerb; und richtig, Smith war kein Statiker wir die Neoliberalen
    *** Habe ich persönlich immer noch das Problem mit “Evolution” als terminus technicus, auch wenn sich sogar zu mir durchgesprochen hat, dass Spencer eben gestorben ist und dass man ihm den Begriff aus den toten Händen entreißen könnte :) – naja, wa soll!!! … bleiben wir also bei der Evolution

  • Systemfrager - 3. Oktober 2013

    >>> Rechts und Links werden nicht verschwinden
    NATÜRLICH NICHT
    Zb im kommunistischen Ex-Jugoslawien suchte man – nach dem Bruch mit dem Informbüro (Stalin, 1948) – explizit und offiziell immer eine Lösung für eine Marktwirtschaft, die aber nicht kapitalistisch sein sollte. Nur weil alle Versuche gescheitert sind, sagt nicht, dass es nur eine kapitalistische Marktwirtschaft möglich ist

  • Holly01 - 3. Oktober 2013

    Hallo,

    “Sie geht vor allem auch am Kernproblem völlig vorbei, mehr noch blockiert sie effektiv und nachhaltig jeden Weg zu einer besseren, realistischeren Marktlogik und damit letztlich zu einer besseren Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik.”

    Da ich zu wenig basics habe um eine Duskussion über die Marktausgestaltung zu führen, ziehe ich es vor, mich auf einen Satz zu konzentrieren, der mir wichtig erscheint.

    Der “Sinn” der gegenwärtigen Entwicklung ist für mich die Kernfrage. Schliesslich muss man nicht Einstein sein, um zu erkennen, daß jede Menge fundamental falsch läuft.

    Die Blockade jeder zunächst sinnvoll erscheinenden Änderung ist für mich wichtig und es beschreibt auch die Abarbeitung der VWL, die publizistisch immer wieder als “Waffe” eingesetzt wird.
    Die Weltmacht sind die USA. Die Finanzmärkte bestimmen die USA. Die wirtschaftlich-politischen Rahmenbedingungen bestimmen die USA.
    Da die USA je gerade derzeit nicht wirklich wie “Gewinner” aussehen und ich denen nicht pauschal Dummheit unterstellen möchte, darf, sollte vielleicht gefragt werden, wohin die USA mit ihrem Verhalten wollen. Warum die dahin wollen sollte jedem klar sein :
    die USA wollen nicht den Status erhalten, die USA wollen einen stabilen Zustand erreichen.
    Auch der Zustand sollte ansich jedem klar sein. Die USA beherrschen die Welt ökonomisch und militärisch, kulturell und intelektuell, die USA halten die Kommunikation, den Warenhandel, die Patente, die Forschung und auch die Investitionen unter ihrer Kontrolle.
    Unter diesem Aspekt erscheint mir die Diskussion hier um so wichtiger, geht es doch um die Frage, wie man wirtschaften kann, während der Hegemon, sich installiert und etabliert.
    Die Fragestellung ist nur extrem schwierig.
    SLE zeigt das hier ganz deutlich auf. Intellektuell kann man die Diskussion führen, ergebnissoffen sollte sie sein, weiterführend wäre sie erwünscht, aber der Machtfaktor kann nie ausgeblendet werden.
    Das ist das eigendliche Problem. geschöpftes Geld und der Zinseszins sind Machtfaktoren, die die Wirtschaft direkt betreffen.
    Am Anfang jeder Diskussion muss also die Frage nach diesen Machtfaktoren stehen.
    Verschuldung die man nicht begleichen kann ist Privatrechlich einfach. Man nennt das Insolvenz. Die Leute die mehr geliehen haben, als die Bonität hergibt machen den Verlust.
    Auf Staatsebene kommt der Machtfaktor hinzu.
    Die USA erwarten nicht, daß sie finanziert werden, sie setzen es voraus und erzwingen es.
    Kann man die Staatsinsolvenz etablieren indem man die USA herausnimmt?
    Nein, denn die USA sind ja quasi der Finanzmarkt. Der Finanzmarkt darf nicht abschreiben und er kann keine Regel akzeptieren, die eine Abschreibung einführt.
    Kann man das Zinseszinssystem weiterführen?
    Nein, auch das kann man nicht, es ist schlicht unrealistisch den Zinseszins immer weiter aufzubauen. Die Summen addieren sich so hoch, daß selbst Verluste im PPM Bereich ruinös sind.

    Wir sind also am Punkt. Da wir die Planungen der USA nicht kennen und alle Auswege unrealistisch sind, ist eine Neuausrichtung völlig unmöglich.
    Eine Diskussion kann man nur führen, indem man Dinge voraussetzt, die nicht Konsens sein können.

    • JL - 3. Oktober 2013

      Hallo Holly01

      Der Haushaltsstreit in den USA stellt (mal wieder) ein beeindruckendes Bild der politischen Ignoranz gegenüber der verbliebenen Wirtschaft in diesem Lande dar. Da wird um jeden Millimeter auf dem politischen „Schlachtfeld“ gerungen ohne sich für die Opfer- die Wirtschaft- zu interessieren.

      Die USA sind also nicht mehr der Mittelpunkt der Welt, wenn Schuldenaufbau im Mittelpunkt allen tuns steht, man streitet ja nicht über Schulden, sondern nur über deren Höhe. Diese Weisheit hat wohl nicht nur Washington DC erreicht sondern auch die FED. Der amerikanische Way of Life hat sein Maximum nicht nur überschritten, sondern sich in eine Sackgasse manövriert. Egal was die Amerikaner machen, es bringt keinen Mehrwert. Das beste Beispiel totaler Hilflosigkeit sind diese QE- Programme der FED. Stellt man diese ein, kollabiert der Markt an sich und anschließend der Dollar. Bleibt man bei den QE- Programmen kollabiert der Dollar und nachfolgend der Markt an sich, nur später.

      Würde man mich fragen, wenn ich Chef der FED währe, würde ich mich für letzteres entscheiden, schließlich geht es ja um die „Halbwertszeit“ meines Chefsessels- und auch den anderer Leute.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

      • Holly01 - 4. Oktober 2013

        Hallo JL,

        was Sie schreiben ist durchaus richtig. Die Installation der zukünftigen Einnahmen erfolgt aber nicht auf dieser Ebene.
        Die Amis kaufen sich weltweit auf praktisch allen Märkten mit ihrem Geld was immer die wollen.
        Das ist (nach meiner Ansicht) der Status quo.
        Das Ziel, wohin die damit wollen, habe ich versucht zu skizzieren.
        Platzt die Dollar-Derivate-Schuldenblase dann haben dei Amis die Rechte an der hälfte aller Sicherheiten weltweit (oder mehr), die haben die Patente für fast alle modernen Technologien und die haben die Militärmacht, sich durchzusetzen.
        Ich schreib die noch nicht ab. Die Russen sind ein Kulturvolk, die sind abgetreten ohne den Knopf zu drücken, diese innere Größe traue ich dem angklikanisch-zionistischen Block nicht zu.

  • Holly01 - 3. Oktober 2013

    Ein Versuch zur Definition von “Wünschen”:
    Da das Zinseszinssystem nicht überleben wird, müsste man Geld haben, welches lokal funktioniert und dabei keinen oder zumindest sehr wenig Zins aufbaut.
    Das Geld müsste lokal so ausgestaltet sein, dass ein Sog durch einen globalen Zusammenbruch, die lokale Versorgung nicht unmöglich macht. Man müsste also die Verbindungen lokal -> global minimieren.
    Die “Rechte” und das “geistige Eigentum” stellen einen permanten Mittelabluss dar. Die Nutzung von fremden Rechten müsste also minimiert werden. Die lokalen Möglichkeiten zur Versorgung und zur rudimentären lokalen Wirtschaft müsste hergestellt werden.
    Die Energieversorgung ist ein stetiger Mittelabfluss. Man müsste lokale Versorgungsinseln etablieren. Quasi ein Flickenteppich von Selbstversorgern. Gemeinsam stark genug Ausfälle zu kompensieren und auch dazu in der Lage sehr große Abnehmer zu versorgen.
    Die Kommunikation musste abgekoppelt werden. Man braucht Zugangsgates. Alles auf lokaler Ebene ist lokal, nur das Gate transferiert nach Aussen und holt die Informationen von Aussen.
    So sind alle vernetzt, aber ein Wegfall der globalen Ebene, hinterläßt eine funktionstüchtige Infrastruktur aus den Gates oder Knoten, die den Austausch weiter gewährleisten.
    Die Forschung und Lehre muss wieder von der Wirtschaft getrennt werden.
    Ein Fonds wäre schön. Die Wirtschaft zahlt ein und ein Verwaltungsapperat verteilt die Mittel. Direkter Kontakt : keiner. Die Wirtschaft definiert ihre Forschungsaufträge offen auf Podiumsbasis und die Forschung nimmt Aufträge dort an, beziehungweise bewirbt sich dafür und entsprechend werden die Mittel nachgefragt.
    Die Lebensmittelversorgung und die Lebensmittelchemie werden rechtlich völlig umgestellt. Die Haftung hat der Hersteller und die Unbedenklichkeit muss nachgewiesen werden, nicht das Schadenspotential.
    Die Gesundheitsindustrie muss vollkommen neu aufgestellt werden. Die Versorgung von Menschen muss im Zentrum stehen, nicht Gewinninteressen.
    Medikamente sollen heilen, nicht in Abhängigkeiten führen.

    Das Wirtschaftsmodell dahinter ergibt sich weitgehend aus den Vorgaben.
    Je kleiner und schneller die Einheit vs. je größer die Einheit desto größer die Marktmacht.
    Dieser Konflikt war schon immer gut und hat gute Ergebnisse gebracht. Klein = wenig Zinsen und Verwaltung, Groß muss um Kosteneffiziens kämpfen.
    Ein Zielkonflikt, der immer wieder Umbrüche und Investitionsschübe mit sichbringt.

  • BigRed - 4. Oktober 2013

    Ich bitte um Entschuldigung, dass ich immer wieder störe, aber

    Markt und Wettbewerb müssen immer im Zusammenhang gesehen werden.

    ist halt auch immer wieder eine Verknappung, die die Diskussion auf kapitalistische Märkte verengt. Märkte müssen immer im Zusammenhang von (Resourcen)austausch gesehen werden.

    Um noch mal auf mein früheres Beispiel zurückzukommen: wenn überhaupt Wettbewerb auf dem “Markt” herrscht, der zur Zuteilung von Open-Source-Programmierern zu Projekten führt, dann ist der im Endeffekt i.W. indirekt, über Sichtbarkeit und Attraktivität der Projekte.

    Aber so ein Markt kommt halt in keiner Ihrer Varianten überhaupt vor, was heisst, dass die Diskussion über Märkte (und über “links” und “rechts”) Kapitalismus verharrt und damit Alternativen ausschliesst – und das Ganze halt implizit, so dass es für die meisten noch nicht mal offensichtlich wird.