Vorsicht Glatteis, lieber Westen! Von Demokraten, Faschisten und demokratischen Faschisten in der Ukraine

von am 20. März 2014 in Allgemein

Es ist kein Geheimnis, dass an der Übergangsregierung der Ukraine, die den vollumfänglichen Rückhalt der US-Regierung und der Regierungschefs in der Europäischen Union genießt, die als rechtsextrem geltende Partei Swoboda beteiligt ist. In welchem Umfang und in welchen Ämtern, davon war in der bisherigen deutschen Kontroverse über die Krim-Krise wenig die Rede.

Die russische Regierung erkennt die Rechtmäßigkeit der Übergangsregierung nicht an und hat den Vorwurf erhoben, in Kiew wären Faschisten am Ruder.

Im Unterschied dazu haben die Regierungschefs im Westen keinen Zweifel daran zugelassen, dass nach dem Machtwechsel in Kiew die demokratischen Kräfte die Oberhand gewonnen haben. Die Bedeutung rechtsextremer Kräfte in der Übergangsregierung in Kiew wurde in der politischen Debatte in Deutschland bisher überwiegend heruntergespielt. Das wird sich wahrscheinlich zunehmend als schwerer Fehler erweisen, was im Folgenden erläutert werden soll. Ein Überblick:

Die Beteiligung der rechtsextremen Partei Swoboda an der Übergangsregierung

Die Swoboda stellt in dem 20 Mitglieder umfassenden Kabinett des Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk drei Minister und einen Vizepräsidenten: (1)

  • Andrij Mochnyk, Minister für Ökologie und natürliche Ressourcen,
  • Ihor Schwajka, Minister für Agrarpolitik und Lebensmittel,
  • Ihor Tenjuch, Verteidigungsminister und
  • Olexander Sytsch, Dritter Vize-Ministerpräsident

Darüber hinaus stellt die Swoboda mit

  • Oleh Machnizkyj den Generalstaatsanwalt.

Ferner ist einer der Mitbegründer der Sozial-Nationalen Partei der Ukraine, später umbe­nannt in „Swoboda“,

  • Andrij Parubij, „Erster Sekretär des Nationalen Rates für Sicherheit und Verteidigung“.

Er ist heute Mitglied der Vaterlandspartei von Julija Tymoschenko.

Die Vaterlandspartei stellt den Ministerpräsidenten (Arsenij Jazenjuk), den ersten Vize-Ministerpräsidenten (Witalij Jarema) sowie sechs Minister. (2)

Die acht weiteren Mitglieder des Kabinetts sind parteilos. (3)

Verteidigungsminister, Chef des Nationalen Rates für Sicherheit und Verteidigung und Generalstaatsanwalt – das deutet im Verbund betrachtet schon auf einen maßgeblichen Einfluss der Swoboda in der Übergangsregierung hin, gerade in Anbetracht der Situation, in der sich die Ukraine gegenwärtig befindet.

Julija Tymoschenkos umstrittene Äußerungen zur Rede Putins

Gestern erntete Julija Tymoschenko (Vaterlandspartei), die sich zur Behandlung in Berlin aufhält, Kritik aus der deutschen Politik für ein Interview mit der BILD (4), weil sie darin Vladimir Putin mit Hitler verglich und seine Krim-Rede im Kreml als „ungefilterten Faschismus“ bezeichnete (5). Sie zeichnet im Interview ein Schwarz-Weiß-Bild, in dem die ehemalige Opposition und jetzige Regierung aufrichtig, anständig und demokratisch erscheint, während sie für Putin Gegenteiliges reklamiert.

Ihre Anschuldigungen gegenüber Putin sind weitreichend. Stichhaltige Argumente führt sie nicht an.

Wörtlich sagt sie im Interview: (6)

… „Entscheidend ist, dass Putin versucht, das Sicherheitssystem der Welt, wie es nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde, zu entwurzeln und die Weltordnung in Chaos zu verwandeln. Die Neuzeichnung von Weltkarten durch Kriege, Massenmord und Blut wird zu seinem ‘Mein Kampf’.“

Auf die Frage der BILD, wie Putin gestoppt werden kann, sagte sie: (7)

„Fragen Sie irgendeinen deutschen Polizisten, was er machen würde, wenn er einen betrunkenen und außer Kontrolle geratenen Autofahrer sieht, der mit Vollgas auf einen vollbesetzten Bus zufährt. Ich denke, dass es vielleicht nicht ausreichen würde, die Pfeife zu benutzen. Wir müssen unser Land verteidigen – koste es, was es wolle.“

Außerdem sagte Frau Tymoschenko in dem Interview: (8)

„Wenn Putin behauptet, am Maidan hätten schwer bewaffnete Kommandos, Nazis und Antisemiten gekämpft, kann niemand bestreiten, dass dieser Mann psychische Probleme hat.“

Die Attacke von Swoboda-Abgeordneten auf den Chef des Staatsfernsehens

In jedem Fall kontrastiert das von Tymoschenko gezeichnete Bild von der neuen Übergangsregierung mit ebenfalls gestern veröffentlichten Berichten über die Videoaufzeichnung (9) einer Attacke von Abgeordneten und Unterstützern der Swoboda auf den Chef der Nationalen Fernsehgesellschaft Alexander Pantelejmonow. Sie wollten ihn mit Gewalt dazu zwingen, seine Rücktrittserklärung zu unterschreiben, weil sein Sender Ausschnitte von Putins Auftritt im Rahmen seiner Grundsatzrede und der Unterzeichnung des Vertrages zur Aufnahme der Krim in die Russische Föderation im ukrainischen Fernsehen ausgestrahlt hatte. (10)

  • Der Ministerpräsident hat sich vom Verhalten der Swoboda-Abgeordneten distanziert und es als nicht hinnehmbar bezeichnet. (11)
  • Der Parteichef der Swoboda, Oleh Tjahnybok, distanzierte sich gleichfalls vom Verhalten der Abgeordneten, erklärte aber zugleich, er könne deren emotionale Motivation verstehen. (12)
  • Der Generalstaatsanwalt Oleh Machnizkyj (Swoboda) leitete wegen des Vorfalls Ermittlungen gegen die Parteimitglieder ein, will aber auch das Programm der Nationalen Fernsehgesellschaft daraufhin prüfen lassen, ob es mit seinen Sendungen Feindschaften zwischen den Nationalitäten geschürt habe. (13)

Was aus den Ermittlungen wird, bleibt abzuwarten.

Faschisten, Demokraten oder faschistische Demokraten?

Tatsache ist, dass die neuen Machthaber in Kiew nicht allesamt über jeden Zweifel erhabene Demokraten sind. Die Äußerungen von Julija Tymoschenko und der Übergriff auf den Fernseh-Chef zeugen zudem davon, dass das Interesse an einer nüchternen Bestandsaufnahme und an einem vernünftigen Kompromiss mit Russland bei ihr und zumindest einigen Vertretern der Swoboda nicht vorhanden ist. Wie die Äußerungen eines Demokraten klingen Tymoschenkos Aussagen nicht.

Zudem werfen die Äußerungen von Frau Tymoschenko im Interview die Frage auf, ob da nicht jemand einfach eine Gelegenheit beim Schopfe gepackt hat und ob die Ausstellung eines Persilscheins für die neuen Machthaber in Kiew nicht gerade auch dazu dient, den Westen für die eigenen, als demokratisch etikettierten politischen Ziele zu gewinnen und zu instrumentalisieren. Sie ist in jedem Fall eine wohlhabende und nach dem politischen Umbruch auch wieder eine sehr einflussreiche Persönlichkeit in der Ukraine, deren Partei maßgeblich an der Übergangsregierung beteiligt ist.

Es ist in diesem Zusammenhang nicht unwesentlich sich auch zu vergegenwärtigen, dass die Bevölkerung in der Ukraine größtenteils sehr arm ist. Dazu gibt es hier eine schöne Abbildung (siehe: tagesschau.de). Je nach Region schwankt das Durchschnittseinkommen pro Kopf zwischen etwa 215 Euro und knapp 450 Euro (5.618 Hrywnja) im Monat.

Sanktionen für Österreich, Unterstützung für die Ukraine

Hat also die neue Übergangsregierung nur einen demokratischen Anstrich, der viele dunkle Stellen übertüncht? Hat sie trotz der Beteiligung Rechtsextremer die uneingeschränkte Unterstützung des Westens verdient?

Wie auch immer man es dreht und wendet, es ist eine Frage der Maßstäbe und der Bewertung. Es macht gerade deswegen Sinn, sich einmal daran zu erinnern, wie die Europäische Union in einem anderen Fall reagierte, als ebenfalls eine Partei an einer Regierungskoalition in einem europäischen Land beteiligt wurde, die als rechtsextrem galt, nämlich Ende 1999 in Österreich.

Bei den Nationalratswahlen in Österreich im Herbst 1999 war die „Freiheitliche Partei Österreichs“ (FPÖ) von Jörg Haider, der diese damals selbst als „deutschnational“ charakterisierte, zweitstärkste Kraft hinter der „Sozialdemokratischen Partei Österreichs” (SPÖ) geworden. Sie lag damit knapp vor der „Österreichischen Volkspartei“ (ÖVP). ÖVP und FPÖ bildeten anschließend eine von Wolfgang Schüssel (ÖVP) geführte Regierungskoalition.

Dies hat damals scharfe internationale Proteste ausgelöst, weil die FPÖ als „rechtsextrem“ angesehen wurde. Kritisch gesehen wurden vor allem fremdenfeindliche und antisemitische Äußerungen Haiders. Die Regierungen der anderen Mitgliedsaaten der Europäischen Union reagierten mit Sanktionen. Konkret wurden vorübergehend die diplomatischen und politischen Kontakte mit Österreich eingestellt. Anfang Februar 2000 trat Haider als Vorsitzender der FPÖ zurück. Er bestritt jedoch, dass dieser Schritt mit den internationalen Protesten zusammenhing. (14)

Eine gefährlich inkonsistente Bewertung rechtsextremer Parteien

In der Swoboda gibt es keine in den westlichen Medien so präsente Persönlichkeit, wie es einst Jörg Haider war. Das ändert aber nichts daran, dass der Westen eine Regierungsbeteiligung von Kräften, die er als rechtsextrem einstuft, in einem Fall verurteilt und sanktioniert und im anderen offensichtlich rückhaltlos unterstützt und gegenüber jeglicher Kritik verteidigt.

Die Position des Westens in der Ukraine-Krise wird damit definitiv nicht glaubwürdiger. Die ukrainische Übergangsregierung könnte deswegen für den Westen bald zu einem ernsten Problem werden. Denn die jüngsten Ereignisse und Äußerungen waren wahrscheinlich keine einmaligen Ausrutscher.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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47 KommentareKommentieren

  • Lottchen - 20. März 2014

    Manchmal sind auch die Nachdenkseiten zu etwas gut. Das Programm der Swoboda, so dass sich jeder ein Bild machen kann, inwieweit Vergleiche mit der FPÖ zutreffend sind:
    http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/140307_Svoboda-Programm.pdf

    In Ihrem Artikel ist Dimitrij Jarosch nicht erwähnt, der Chef des noch gefährlicheren Rechten Sektors. Der ist jetzt Chef des Nationalen Sicherheitsrats.

    “Putsch in Kiew: Welche Rolle spielen die Faschisten?”
    http://www.youtube.com/watch?v=DJLQ3wRnQ_c
    und
    http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/ukraine357.html

    • SLE - 20. März 2014

      Hallo Lottchen,

      vielen Dank für den Hinweis auf mein Versäumnis. Auch der Posten des Chefs des Nationalen Sicherheitsrates bei der Swoboda – das macht das Bild noch klarer. Danke auch für die Links.

      Viele Grüße
      SLE

      • Lottchen - 20. März 2014

        Jarosch ist nicht bei der Swoboda, sondern Anführer des “Rechten Sektors”.

        “Als Prawyj Sektor (ukrainisch Пра́вий се́ктор, deutsche Übersetzung: Rechter Sektor) bezeichnet sich eine radikal nationalistische, paramilitärisch auftretende ukrainische Oppositionsgruppe. Die Gruppe ist ein Zusammenschluss von mehreren nationalistischen und rechtsextremen Splittergruppen sowie der Partei UNA-UNSO. Sie trat erstmals Ende November 2013 beim Euromaidan in Kiew in Erscheinung.” (Wikipedia)

        Die Swoboda ist denen zwar nahestehend, aber Jarosch ist mW kein Parteimitglied, sondern wollte aus Gruppen des Rechten Sektors eine eigene Partei gründen (oder hat es schon getan). Swoboda ist bereits gefährlich genug und wer das Programm gelesen hat, kann nur den Kopf schütteln, wie man sich mit solchen Leuten einen EU-Beitritt oder auch nur ein Assoziierungsabkommen vorstellen kann. Aber zumindest sind sie im Unterschied zum Rechten Sektor keine paramilitärische Organisation.

    • Holly01 - 20. März 2014

      Hallo Lottchen,

      ich kann da nur einen Einzelfall anbringen, ein Gespräch mit einem jungen Deutschen, mit urainischem Migartionshintergrund.
      Die Aussage von dem jungen Mann war ganz klar und seine Freundin hat das ebenso gesehen:
      Swoboda ist eine nationalistische Partei. Die wollen die Ukraine für die Ukrainer und Mindeheiten haben sich zu fügen oder zu verschwinden. Wenn die Minderheiten sich nicht fügen, dann will man alle notwendigen Mittel einsetzen, für das gewünschte Ergebniss zu sorgen.
      Dann kam der ansich interessantere Vorwurf:
      Die Ukrainer häten den Deutschen in ihrem Krieg gegen die Anglikaner, Juden und Russenbeigestanden, weil man die gleichen Feinde hatte.
      Erst als die Deutschen die Ukraine verraten hätten, sei man dazu gezwungen gewesen auch gegen die Deutschen zu kämpfen.

      Deutschland begibt sich da in eine geschichtliche Nebelwand, der es mental und inhaltlich nicht gewachsen ist.
      Die deutsche Politik rührt da an Konflikten, die zum Teil über Jahrhunderte zurück verfolgt werden können.
      Nationalstolz (in Deutschalnd prsaktisch nur noch als Anakronismus belächelt) ist in diesem Fall ein enerkannter Grund zu morden oder selbst als Held zu sterben.
      DAS ist nicht unserer Streit und DAS ist nicht unsere Welt, die da hochgeschaukelt wird.

      Der casus knacktus ist die Ostukraine und wie man sich dort positioniert. Das wird ganz schnell zu bürgerkriegähnlichen Situationen führen.
      Das werden die Russen nicht tatenlos mit ansehen und die EU schraubt sich gerade in eine Position, die sie ebenfalls in diesen Konflikt zieht, der weder lösbar noch verhandelbar ist.

      Die Ukraine wird zwischen den beiden Blöcken von “West” und “Ost” zerrieben. So sieht das imo aus.

  • Querschuss - 20. März 2014

    Hallo SLE,
    ich habe die Grafik der Tagesschau herausgenommen, man muss heute leider etwas vorsichtig sein, Bilder, so auch Grafiken sind immer urheberrechtlich geschützt. Wenn der Urheber nicht ausdrücklich zugestimmt hat, ist das bereits abmahnfähig.

    Danke fürs Verständnis und Gruß
    Steffen

    • SLE - 20. März 2014

      Danke Steffen, das habe ich in diesem Fall nicht bedacht. Sorry. Der Link zur Grafik ist ja noch da. Das sollte reichen.

      Herzliche Grüße
      SLE

  • Holly01 - 20. März 2014

    Jetzt fehlen nur noch ein paar dutzend Spinner die in Krakau auf die Strasse gehen und für ein Referendum Schlesiens herum schreien, dann reicht eine eingeschmissene Scheibe und die Speise angerichtet ……….. wohl bekommts.

    Bin gespannt, wer die Pferde einfangen will, die da überall losgelassen werden.
    Die Stunde der Anachie scheint zu kommen.

    • Frank Bell - 21. März 2014

      @ Holly01

      Wer soll in Schlesien ein Referendum fordern?

      Die Polen und Russen haben reinen Tisch gemacht, mit anderen Worten: Alle vertrieben oder ermordet!

  • thilo - 20. März 2014

    Mir stößt es übel auf, daß dieser Beitrag wie so viele andere wie eine Rechtfertigung von Putins illegaler Annexion der Krim rüberkommt. Warum muß eigentlich, wenn eine Seite Mist baut, die andere immer automatisch die “gute” sein? Putin *ist* ein lupenreiner Psychopath und ausgesprochen gefährlich, auch wenn der Westen mit seiner Ostpolitik seit Jahren tief ins Klo greift. Ich erinnere mich an eine längere Fernsehdokumentation über Putin, in der er bei einer internationalen Pressekonferenz zu sehen war. Ein spanischer Reporter fragte ihn nach dem Einsatz von Streubomben in Grosny, und seine Antwort lautete (aus dem Gedächtnis): “Sie wollen Moslem werden? Kommen Sie nach Moskau, da haben wir Spezialisten, die beschneiden Sie so, da wächst nie wieder irgendwas.” Javier Solana, der neben Putin saß, wurde abwechselnd rot und blaß. Muß man über den KGB-Offizier Putin noch mehr wissen?

    Die Fakten, die Sie hier aufzählen, sind natürlich trotzdem alles andere als beruhigend, und Sie haben recht, daß das in der veröffentlichten Meinung zu kurz kommt. Insbesondere der Hinweis auf Österreich öffnet einem die Augen. Statt “inkonsistent” könnte man wohl genausogut “interessegeleitet” sagen; und daß es quer durch alle “Leitmedien” gleich aussieht… “Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Menschen, ihre Meinung zu veröffentlichen.” – Paul Sethe, wieder aus dem Gedächtnis.

    Dennoch, ein kleiner Hinweis, daß man Putins aggressives Vorgehen nicht rechtfertigen will, wäre meiner Meinung nach gelegentlich angebracht.

    • SLE - 20. März 2014

      Hallo thilo,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Das ist jetzt hier im Blog der vierte Aufsatz, den ich zur Krim-/Ukraine-Krise geschrieben habe (sie finden alle, wenn sie oben in der schwarzen Kopfzeile auf dieser Seite die Rubrik “SLE” anklicken). Ich habe in den anderen Aufsätzen auch explizit darauf hingewiesen, dass ich sie nicht als Verteidigungsschrift für Putins Vorgehen verstanden wissen möchte. Ich habe es dieses Mal nicht getan, weil Putin selbst nicht das Thema des Textes ist, sondern nur die Übergangsregierung in der Ukraine.

      Es geht mir um eine Versachlichung der Diskussion. Die G7-Regierungen sind da kein leuchtendes Beispiel, beanspruchen aber öffentlich über die westlichen Medien für sich, eines zu sein. Das ist angesichts des Marktanteils und der Reichweite der westlichen Medien fatal, weil es bedeutet, wer am lautesten schreit hat immer Recht. Insofern ist es m.E. wichtig, das gerade zu rücken.

      Dass Putin kein leuchtendes Beispiel für Demokratie ist, dürfte, so denke ich, ohnehin jedem klar sein. Wenn aber vernüftige diplomatische Lösungen gesucht werden müssen, wird man mit ihm verhandeln müssen und das kann man nur, wenn man dafür ein Basis schafft, die beide Seiten akzeptieren können. Es ist dafür sicher unumgänglich die Sache auch aus möglichen anderen Perspektiven betrachten zu können, die sich vor allem auch aus unterschiedlichen kulturellen und historischen Zusammenhängen ergeben haben und sich in unterschiedlichen Verhältnissen und Voraussetzungen widerspiegeln, die man weder verändern kann noch wirklich zu beeinflussen vermag.

      Wir und insbesondere auch die USA neigen leider dazu, die Welt allein mit unseren Maßstäben zu messen und zu bewerten. Das ist auch jetzt, in der Ukraine-Krise ein Problem, das die Lösung erschwert. Frau Tymoschenko nutzt beispielsweise genau das aus. Ob sie gut oder böse ist, darüber ist damit noch keine Aussage getroffen. Genauso habe ich aber in dem obigen Aufsatz keine Aussage darüber gemacht, ob Vladimir Putin eine Psychopath ist oder nicht. Eine solche Bewertung maße ich mir nicht an und darum ging es im Aufsatz wie gesagt auch gar nicht.

      Viele Grüße
      SLE

    • Lottchen - 20. März 2014

      Ich sehe keinen Grund, weswegen man jedesmal gebetsmühlenhaft wiederholen muss, dass Putin kein lupenreiner Demokrat ist. Wenn es um die USA geht, wiederholt auch nicht jeder gebetsmühlenhaft, dass im Irak-Krieg, in Guantanamo etc etc Verbrechen begangen wurden und werden.

      Man fühlt sich zunehmend in die 80er zurückversetzt. Nur dass die Grünen diesmal auf der anderen Seite stehen, und Teile der Konservativen (Gauweiler, Laschet, AfD) auf unserer. Es fehlt nur noch, dass sie wieder anfangen “geht doch rüber!” zu schreien. Entweder Linksextremist oder Rechtspopulist, in jedem Fall aber Staatsfeind, ist man eh, wenn man diese EU-Politik kritiisiert.

      Wie soll man eig. Verhandlungen führen, wenn man nicht imstande ist, auch nur die Position des Gegenübers zu verstehen? Dazu sind unsere Scharfmacher – merkwürdigerweise genau dieselbe Koalition, die auch um jeden Preis den Euro retten müssen – aber offenbar weder willens noch in der Lage.

      Wir hatten damals alle etablierten Parteien gegen uns und alle Mainstream-Medien, und heute wieder. Viel geändert hat sich wirklich nicht.

      • JL - 20. März 2014

        Hallo Lottchen

        Mal ein Zitat hierzu:

        „Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“

        Mahatma Gandhi

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

    • Frank Bell - 24. März 2014

      @ thilo

      Die Annexion der Krim ist illegal? Was ist mit der Annexion Schlesiens? Mit der Elsass-Lothringens?

      Und warum war die Annexion der Krim durch die Ukraine rechtens?

      Was ist mit den Kurilen-Inseln, die 1945 besetzt wurden?

      Warum dürfen die Engländer die Malwinen/Falkland-Inseln weiterhin besetzen? Warum dürfen die Engländer Nord-Irland besetzen?

      Warum geben die Russen den Finnen Karelien nicht zurück?

      Was ist mit Tibet?

      Etc. pp.

  • JL - 20. März 2014

    Die Situation in der Ukraine wird sich wohl zukünftig zumindest bei den Renten weiter verschlimmern. Angedacht ist vom ukrainischen Familienministerium eine Kürzung der Renten um 50%!

    Siehe: http://de.ria.ru/politics/20140306/267990672.html

    Die Absicht Putins die Renten auf der Krim zu verdoppeln, steht natürlich konträr zu den ukrainischen Vorstellungen. Die Krim wird sicher eine Art Castra Regina für die Ukrainer werden. So nannten die Römer damals die pompös gestaltete Stadt Regensburg um die Germanen beeindrucken zu wollen.

    Gegenwärtig distanziert man sich hierzulande politisch schon ziemlich Direkt von den Äußerungen Timoschenkos, der tschechische Präsident Milos Zeman rät derweil schon mal Kiew die „…faschistischen Extremisten…“ in der Regierung los zu werden und die EU nörgelt fleißig an den- aus ihrer Sicht späten- Termin zur Präsidentschaftswahl am 25.05.2014 in Kiew herum.

    Dies könnte man dahingehend deuten, daß der Mohr wohl seine Schuldigkeit getan hat. Die gegenwärtigen „Akteure“ in Kiew könnten schließlich die angedachte EU- Politik mit spontanen, unkontrollierten oder auch bewußt lageverschärfenden Aktionen torpedieren. Mit anderen Worten, die „Geister“ die man rief möchte man gern loswerden. Diese „Geister“ aber werden wohl- um den rechtssumpfigen Sprachgebrauch zu wählen- mit einem „totalen Krieg“ um ihren Machterhalt antworten, was die Lage in diesem Land sicher nicht verbessern wird.

    Einen weiteren Vorgeschmack zukünftiger Ereignisse und geistiger Erleuchtungen lieferte man dort heute. Weil es wirtschaftlich in der Ukraine so toll läuft trennt man sich mal eben von der GUS.

    http://de.ria.ru/politics/20140319/268072514.html

    Na dann: Good Luck oder auch Guten Nacht.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • SLE - 20. März 2014

      Hallo JL,

      man darf in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen, dass in der Ukraine Geld die Politik macht oder anders ausgedrückt vor allem die Oligarchen. Es ist wohl eher eher unwahrscheinlich, dass sich daran etwas ändern wird, auch wenn es bald Neuwahlen gibt. Denn das ganze System dort baut auf Geld und Korruption auf – was in Russland auch nicht anders ist. Der Unterschied besteht darin, dass Russland das dicker Portemonnaie hat und deswegen der Ukraine sagen kann, wo es langgeht. Darin sind sich das westliche und östliche System dann wieder völlig gleich.

      Viele Grüße
      SLE

      • JL - 20. März 2014

        Hallo SLE

        Stimmt genau.
        Und genau deshalb stören die „Nationalisten“ zunehmend den östlichen, wie auch den westlichen „Machtblock“ der politisch verwobenen Oligarchen innerhalb der Ukraine genauso wie die außenpolitischen Allüren der EU dort. Die „Fixierung“ der dortigen Neonazis beruht ausschließlich auf ideologische Phantastereien und Machtgewinn, genau deshalb bleibt diese Truppe auch so unberechenbar und stellt für alle Beteiligten ein zunehmendes Risiko dar.

        Erschwerend für alle kommt natürlich zusätzlich die Besetzung diverser staatlicher Schlüsselpositionen durch die Swoboda in den Staatsämtern hinzu. Deshalb, meiner Meinung nach, wurde der Termin für die Präsidentschaftswahl auch- sehr spät- auf den 25.05.2014 gelegt. Die Swoboda braucht und nutzt die Zeit um ihre Machtpositionen zu festigen.

        Ergo ist meine Meinung hierzu: Je länger die „Nationalisten“ maßgeblich an der Macht sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit der EU „Gasprinzessinnen“ oder andere “Traumpartner” aus der Westukraine zu installieren. Die Oligarchen im Osten des Landes hält Putin sicher gegenwärtig an der „kurzen Leine“. Er braucht nur zu warten. In nächster Zukunft werden sich sicher zwei Parteien- hoffentlich nur politisch- den Schädel gegenseitig einhauen und dann freut sich halt der Dritte.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

        • Holly01 - 21. März 2014

          Hallo JL,
          die sind absolut berechenbar und die Inhalte sind doch sehr überschaubar:
          Die Ukraine den Ukrainern.
          Alle fremden Agenten raus aus der Ukraine.
          Selbstverwaltung und Anerkennung durch die Staatengemeinschaft.
          Starker Staat via starke Polizei und Militär.
          Durchsetzung der ukrainischen Rechte gegenüber den Nachbarn.

          Der Nationalstaat ist nicht ein überholtes Prinziep, es ist stark im Kommen.

          • JL - 21. März 2014

            Hallo Holly01,

            nur weil jemand national denkt heißt das noch lange nicht, daß dieser auch normal Denkt.
            Diese “Helden” in Kiew- die statt einer Gehirnerschütterung höchstens eine Hohlraumschwingung bekommen können- sollten doch nun abschreckend genug sein.

            Diese Pflegen eben nicht nationale Traditionen und historisch gewachsene- und sehr wohl verschiedene- Eigenheiten dieser Region, sondern Nutzen das Nationale als Vorwand, ja als Alibi und Rechtfertigung ihrer gnadenlosen Machtbestrebungen- das sollten Sie versuchen zu erkennen!

            Mit Grüßen

            JL

          • Holly01 - 22. März 2014

            Hallo JL,
            um da kein Missverständniss aufkommen zu lassen:
            Ich habe nichts gegen Patrioten. Die lieben ihr Land und sind vielleicht stolz darauf ein BürgerInn dieses Landes zu sein.
            Im Gegensatz dazu mag ich Nationalisten überhaupt nicht. Nationalisten überhöhen ihr Land und setzen alle anderen herab.
            Diese Methode der Herabsetzung führt dazu, daß Nationalisten sich “Rechte” herbeiquatschen. Das war bei den Nazis so, das war bei Stalin so und ist eine rote Linie durch die Geschichte.
            Hegemonialmächte neigen auch zu dieser Überhöhung, auch gerne in Verbindung mit religiöser Übersteigerung (god´s own country).
            Patrioten sind eher passiv, introvertiert und da habe ichnichts gegen.
            Nationalisten sind aktiv, agressiv und die kommen für direkt nach geistig gestörten Menschen und sind eher Therapie bedürftig.

    • Freiberufler - 20. März 2014

      Ich frage mich, was passiert, wenn die IWFler in der Ukraine einfallen und Geld herauspressen, bis es quietscht. Die Ukraine hat keinen Euro, den man den Leuten Wurst vor die Nase halten kann. Treibt man den Osten damit nicht Russland in die Arme? Da ist die nächste Eskalationsstufe schon vorprogrammiert.

      Haarsträubende Dummheit oder kriminelle Absicht?

      • JL - 22. März 2014

        Hallo Freiberufler

        Der Osten der Ukraine ist für Kiew wohl auch schon „Geschichte“, dank der „weitsichtigen“ Politik dort. Der IWF und die EU werden dann vermutlich die „Revolution“ für beendet erklären- mangelnder Renditeaussichten wegen.

        Dann hat die Welt halt ein neues Simbabwe, aber alle haben es jeden so richtig gezeigt. Das der Westen sich dabei selbst ruiniert hat, werden sicher erst Geschichtsbücher erkennen.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

  • frank_meck - 20. März 2014

    “…die EU nörgelt fleißig an den- aus ihrer Sicht späten- Termin zur Präsidentschaftswahl am 25.05.2014 in Kiew herum”

    Das ist doch ein demokratisches Feigenblatt, auf das alle hereinfallen. Durch die Rückkehr zur Verfassung von 2004 hat der Präsident nur noch wenig Macht.
    Die Swoboda-Leute sitzen ja im Parlament. Keiner spricht von Parlamentswahlen.
    Und was passiert, wenn Jarosch vom rechten Sektor Präsident wird, weil seine Leute die Wahlurnen bewachen ?

  • JL - 20. März 2014

    Hallo frank_meck

    Siehe zwei Kommentare weiter oben.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Kaeufer - 21. März 2014

    Wird die nähere Zukunft eher durch politische oder ökonomische Kräfte bestimmt?
    Ich tippe auf Ökonomische. Hypothesen:
    Kapitalflucht aufgrund politischer Instabilität (z.B. russische Investoren)
    Wertverlust der Währung/Importschrumpfung
    Exportschwäche Richtung Russland
    Zunehmende Schattenwirtschft
    Staatsbankrott
    Gelddrucken/Inflation (Modell Serbien)
    Versorgungsengpässe (Nahrung, Medikamente)
    Steigender Nothilfebedarf

    Man müsste mal überlegen, welche Perspektiven diese Wirtschaft überhaupt hat ..

  • Holly01 - 21. März 2014

    Hallo,
    gerade habe ich gelesen, daß die NATO (also auch deutsche Verbände) im Juli ein Manöver zusammen mit ukrainischen Einheiten -in der Ukraine- abhalten sollen.
    Wie immer schon lange geplant, soll es nicht verschoben werden das Manöver.
    Ausserdem gibt es einen Gesetzentwurf, die Ukraine soll den Atomwaffensperrvertrag kündigen.
    Hintergrund ist wohl, daß die Ukraine zwar Atomraketen auf ihrem Gebiet hat, diese unterstehen aber den russischen Spezialkräften.

    Die “Partner” in der Ukraine erscheinen weiterhin schwierig …..

  • Holly01 - 21. März 2014

    Was ist denn davon zu halten? :
    http://www.voltairenet.org/article182855.html

    Ist das nun ein Wettrennen, bei dem die EU die Ukraine unter Kontrolle bekommen will, bevor sie ganz unter US Einfluss gerät?
    Das wird aber richtig teuer und nachhaltig wäre das auch nicht ……
    you know, fuck eu …… ?
    Wo steht die EU? Wer steht uns als Gegner gegenüber? Die Regierungschefs treffen sich ausdrücklich ohne Handy und ähnliche Kommunikationsmittel und lassen ihre “Berater” vor der Tür?
    Ist das nun die einzige verbliebene Situation bei der EU Staatschefs noch halbwegs offen reden können?
    Wertegemeischaft …….. rofl

  • Roland M - 21. März 2014

    Sehr aufschlussreich ist auch ein Foto von Anfang März, auf dem Jazeniuk dem NATO-Rasmussen die Hand reicht. Und dieser Rasmussen nutzt die Zeit um ein wenig Antiputinpropaganda abzusondern.
    Ein Zeichen für politische Unfähigkeit in der Eurozone ist es, dass die NATO-Militärs sich zu politischen Dingen öffentlich äußern dürfen, schwächer geht es nicht. Ein Napoleon oder F II. hätte die dafür persönlich enthauptet. Ich würde ein Zitat von Kinski aus seiner Jesus-Tour zur Anwendung bringen, heute sind wir schließlich etwas sozialer.

    Mittlerweile ist so offensichtlich, was die EU da abzieht, dass es jeder sehen kann, der es sehen mag.

    Ich glaube, ich habe einen neuen Trick der Bundesregierung gefunden, um die Meinungen zu kontrollieren. Bei mehreren großen Medien sind bei Artikeln zu Russland auf der ersten Kommentarseite diverse pro EU-Kommentare und die nächsten zehn Seiten nicht einer. Faul wie die Leute sind, lesen sie nur die erste Seite. Clever.

    Ich glaube, unsere Politiker sind derart ungeeignet für ihre Tätigkeit, dass die bis jetzt noch nicht erfasst haben, welches Potential in diesen Vorgängen steckt. So angreifbar hat sich die EU noch nie gemacht. Und der Versuch den Ärger mit einem Propagandatsunami wegzuspülen wird Wut und Verachtung hervorrufen.

    Für Deutschland ist die EU eine Katastrophe, wir wären tausendmal besser dran, wenn wir eine Schaukelpolitik zwischen Ost und West betreiben könnten, aber das schließt diese elende EU aus. Die Merkel ist in der Ukrainefrage längst eine Getriebene der Osteuropäer wenn sie ihr Gesicht nicht verlieren will. Und das Gespür hat sie allerdings.

    Wie intelligent und zurechnungsfähig die neuen ukrainischen Traumpartner sind, hat die Timoschenko mit ihrem gelungenen Bild-Interview ausreichend nachgewiesen. Was denkt man wohl von Menschen, an die man solche Worte richtet?

  • Juespre - 21. März 2014

    Der Putsch in Kiew war wohl schon länger und mit irregulären Truppen (unlawful comnbatants) vorbereitet:

    > http://www.haaretz.com/news/world/1.577114

    The ex-Israeli soldier who led a Kiev fighting unit ‘Delta’ has headed ‘the Blue Helmets of Maidan’ of 40 men and women – including several IDF veterans – in violent clashes with government forces.

    • SLE - 21. März 2014

      Hallo Juespre,

      auf Geolitico hat hat Uwe E. Mertens im Kommentar zu meinem Aufsatz ein Video eingefügt. In diesem erzählt Ewald Stadler, EU-Parlamentarier aus Österreich von seinen Eindrücken als Wahlbeobachter beim Krim-Referendum in Jalta, wo er zusammen mit anderen internationalen Kollegen am 16 März 2014 die Situation am Ort auf der Krim und den Vorgang des Referendums selbst persönlich mitverfolgt hat.

      Es ist schon sehr interessant, was er da berichtet und es passt zum Thema meines Aufsatzes. Deswegen hier der Link zur Kurzfassung (14 min – es gibt dort auch den Link zur vollständigen Version):

      https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=ft5fYfuWgAk

      Viele Grüße
      SLE

  • Kaeufer - 21. März 2014

    Roland macht den interessanten Punkt, dass die Ukrainepolitik die EU angreifbar wie nie gemacht hat. Ich würde auch sagen, dass dort eine Pandora-Büchse geöffnet wurde. Bei ca. 45 Mill. Einwohnern (GR hat ca. 6) kann man dort auch nichts mit der Portokasse machen. Die Erscheinungen werden aber ähnlich oder schlimmer sein (Hunger, fehlende Medikamente für lebensbedrohliche Krankkeiten, Gewalt usw.). Nach dem heutigen EU-Assozierungsabkommen ist die moralische Verantwortung dafür noch einmal gestärkt worden. Gleichzeitig brauchen GR (und später weitere EU-Staaten) neue Rettungskredite.

    Wir sollten uns hier gemeinsam ein klareres Bild über die zu erwartende Entwicklung machen ..

  • frank_meck - 21. März 2014

    @Kaeufer
    “Bei ca. 45 Mill. Einwohnern (GR hat ca. 6) kann man dort auch nichts mit der Portokasse machen.”

    Russland hat heute Verträge gekündigt und verlangt von der Ukraine 16 Mrd. Dollar. Die Preise für Gas wurden auch erhöht. Die Ukraine bittet die EU um Gaslieferungen. Vielleicht haben wir hier einen Grund für die Eskalation durch den Westen. Es wird behauptet, Putin will sich die baltischen Staaten und Moldawien holen und überall werden Militärübungen durchgeführt. Ausserdem wird in Russland das “System Putin” sanktioniert. Was hat eigentlich der russische Eisenbahnchef mit der Ukraine und der Krim zu tun ? Da der Westen das ökonomische Problem friedlich nicht lösen kann, wird er sich sein Gas wohl holen ?

  • Rob - 21. März 2014

    Was haltet Ihr von der Ansicht eines früheren Assistant Secretary of the Treasury for Economic Policy unter Reagan:

    One can only wonder why Putin doesn’t preempt the coming US military attack on Russia by destroying NATO economically without firing a shot. All Putin needs to do is to cut Europe off from energy. It would take Washington three years to create the capability to deliver US natural gas, achieved by fracking’s destruction of US water supplies, to Europe. By that time NATO governments would likely have been overthrown by mass unemployment and economic suffering. Putin could also seize all foreign assets in Russia and rapidly complete the arrangements with China, India, Brazil, and South Africa to abandon the use of the US dollar in international settlements.

    Vollständiger Artikel hier:
    http://www.informationclearinghouse.info/article37987.htm

    Ist das ein realistischer Ansatz für Russland oder nur eine Illusion eines angebotsorientierten Ökonomen?

  • Wärna - 21. März 2014

    heute auf RIA Novosti: “Ukraine will aus Atomwaffensperrvertrag aussteigen”; Der Antrag wurde heute von Vertretern der Partei Timoschenkos und Klitschkos ins Parlament (RADA) eingebracht. Langsam wird´s eng für Europa.

  • Friedrich Schneider - 22. März 2014

    Die FPÖ war nie eine rechtsextreme Partei (die sind in der österreichischen Verfassung verboten), sie wurde nur immer in die Rechtspopulistische Ecke gestellt und daher waren die damaligen Sanktionen unbegründet, total überzogen und auch noch rechtswidrig nach EU-Recht.
    Eine sehr gute Beschreibung des Wahlausganges 1999 in Österreich sowie der Reaktionen darauf hier:

    http://sites.inka.de/imperial/austria1.htm

    Als die FPÖ mit ZPÖ zusammen bei den Wahlen 2008 schon wieder zweitstärkste Kraft wurde, hat man das Problem anders gelöst – Haider wurde “verunfallt” und damit war der Weg frei für die SPÖ/ÖVP grosse Koalition.

    Die Swoboda dagegen sind echte Hardcore-Faschisten übelsten Zuschnitts,wie selbst Günter Verheugen in einem Deutschlandfunk-Interview ausführt:

    “die FPÖ von Haider damals ist im Vergleich zu dem, was wir in der Ukraine mit Swoboda haben, aber wirklich ein Kindergeburtstag”.

    http://www.rottmeyer.de/guenter-verheugen-zu-eu-russland-und-der-krim/

    Auch der neue Ministerpräsident Jazenjuk ist auf genug Bildern mit ausgestrecktem Hitlergruß zu sehen – bei uns würde man sofort verhaftet werden – aber er wird in Brüssel hofiert !
    Man muss sich wirklich schämen, Europäer zu sein und es ist noch zu befürchten, dass die EU diesem Land zig Milliarden reinstopft anstatt sich um Griechen, Portugiesen etc. zu kümmern.

    • Markt - 24. März 2014

      Dank für ihren Kommentar, Friedrich Schneider.
      Wer sich über Haider äußert Herr Eichner, sollte sich erst einmal mit ihm und seinem Wirken auseinandersetzten und sein Wissen nicht den ansonsten kritisierten MSM entnehmen.

      Übrigens herr Eichner, Herr Stadler war lange Mitglied in der FPÖ und wechselte dann zum von J. Haider gegründeten BZÖ.
      Sie sollten sich intensiver mit den politischen Zielen eines J. Haider auseinandersetzten.
      Er wurde Zeit seines politischen Wirkens von den MSM bekämpft und politisch unterwandert.

      Sie sollten sich Interviews wie die Pressestunde 2008 die ich unter ihrem vorgehenden Artikel zum Thema Krim KrisePhase II verlinkt habe durchaus einmal ansehen, bevor Sie HAider in die nähe von Ukrainischen Nazis stellen, gleichzeitig aber Ewald Stadler positiv hervorheben.

      Beide haben an einer Seite gekämpft, meiner Meinung nach auf der Richtigen. Wer Haider als “Rechten” im Sinne unseres heutigen Verständisses darstellt, hat sich nicht mit seinem Wirken und seinen Zielen auseinandergesetzt. Sein Wirken galt insbesondere der Stärkung der Familie und der Bewahrung von Werten.
      Sein einziges umstrittenes Zitat, das in medial angreifbar gemacht und als “Nazi” diffamiert hat, kann aber nur der verstehen, der unser Geldsystem verstanden hat. (gemeint ist das Zitat zur Beschäftigungspolitik im 3. Reich)

      • SLE - 24. März 2014

        Hallo Markt,

        zunächste einmal vielen Dank für die Hinweise. Auf Ihre Kritik gehe ich gerne ein.

        Was Jörg Haider anbelangt, so habe ich ihn – wenn Sie es im Aufsatz bitte noch einmal genau nachlesen – nicht selbst als rechtsextrem bewertet, sondern lediglich herausgestellt, dass er, und zwar vor allem von den Politikern in der EU, die die Sanktionen gegen Österreich verhängten, als rechtsextrem eingestuft wurde. Ich will das auch gar nicht entscheiden und es ist i.d.Z. auch gar nicht notwendig. Denn mir geht es darum aufzuzeigen, dass die EU und auch die Bundesregierung hier, im Falle Österreichs und der Ukraine, offensichtlich mit zweierlei Maß misst. Wenn im Falle von Haiders FPÖ Zweifel angebracht waren, dann sind sie es im Falle der Swoboda allemal.

        Die damalige Debatte um Haider hat die Politik und die Medien wochen-, wenn nicht sogar eher monatelang beschäftigt. Eine solche Kontroverse gibt es im Falle der Swoboda in der ukrainischen Übergangsregierung bisher aber noch nicht einmal und zwar vor allem deswegen nicht, weil sich die USA und die führenden Regierungen demonstrativ hinter die Interimsregierung in Kiew gestellt und der Öffentlichkeit damit suggeriert haben, mit der neuen Regierung hätten lupenreine Demokraten das Ruder übernommen. Das ist wenigstens wegen der Beteiligung der Swoboda definitiv nicht der Fall. Darüberhinaus werfen m.E. die Äußerungen von Frau Tymoschenko Fragen danach auf, wofür ihre Vaterlandspartei wirklich steht, die dringend geklärt werden sollten.

        Es ist folglich geradezu grotesk, dass die USA und die EU Russland dazu zwingen wollen, mit einer Regierung zu verhandeln, die das nach ihren eigenen Maßstäben in keiner Weise verdient hätte. Das Mindeste, was man in diesem Fall von den Entscheidern in den USA und der EU erwarten können müsste, ist, dass die urkrainische Regierung und die beteiligten Parteien auf ihre demokratische Gesinnung überprüft werden, bevor man sie in der Weise unterstützt, wie es geschehen ist und weiter geschieht.

        Es ist aus meiner Sicht ein Offenbarungseid, wenn etwa Außenminister Steinmeier jetzt sagt, man erhoffe sich vom Einsatz der OSZE-Beobachter in der Ukraine unabhängige und belastbare Informationen über die Lage in der Ukraine und wie es um den Schutz von Minderheiten bestellt sei. Denn das bedeutet ja nichts anderes, als dass alle Schritte, Maßnahmen und wertenden Äußerungen von der EU auf lücken- und zweifelhafter Informationsgrundlage getätigt worden sind.

        Zu Ewald Stadler möchte ich sagen, dass mir sein politischer Werdegang bekannt ist. In jedem Fall war er mit anderen als (inoffizielle) Beobachter auf der Krim und sein Bericht darüber weicht erheblich von dem ab, was die USA und die EU sowie vor allem auch die breite Masse der westlichen Medien darüber berichten. Er ist EU-Parlamentarier. Er ist auch rechts-konservativ bzw. katholisch-konservativ (siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Ewald_Stadler) und war früher in der FPÖ. Inzwischen hat er eine neue Partei, “Die Reformkonservativen”, mitgegründet.

        Ich denke, es kann hierbei nicht um die Frage gehen, ob Stadlers Bericht über die Krim von seinen politischen Ansichten verfälscht wurde. Das wäre geradezu absurd und zwar nicht nur, weil er rechts-konservativ ist. Viel mehr läuft er aufgrund seiner Ausführungen eher noch Gefahr, von rechtsgerichteten Politikern – vor allem in den USA – als Kommunisten- oder Putin-Freund gebrandmarkt zu werden. Der Swoboda hat er damit auch definitv nicht das Wort geredet.

        Ich habe mir das Video von Stadlers Bericht, auf das ich hinwies (hier nochmals der Link: https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=ft5fYfuWgAk) natürlich zuvor angeschaut. Es ist kein völlig emotionslos vorgetragener Bericht. Das nicht. Aber es ist mein Eindruck, dass Stadler sachlich und ausführlich berichtet und auf dieser Grundlage für den Zuhörer nachvollziehbare Bewertungen vornimmt. Inwieweit man mit diesen Bewertungen übereinstimmt, muss jeder selbst entscheiden. Weitere Informationen sind sicher nötig.

        Aus meiner Sicht hat der Europaparlaments-Abgeordnete Stadler, der ja nicht alleine dort war, sondern mit einer Gruppe internationaler Beobachter, hier bereits etwas geliefert, wofür die OSZE-Beobachter erst jetzt in die Ukraine geschickt werden: unabhängige Informationen.

        Viele Grüße
        SLE

        • Markt - 24. März 2014

          Hallo Herr Eichner,
          ich glaube, da sollte ich einige Missverständnisse ausräumen.
          Mit “Video anschauen” meinte ich das Video, welches ich ihnen in meinem Kommentar unter ihrem Artikel zur Krim-Krise vom 19.03. hier verlinkt hatte.
          http://www.youtube.com/watch?v=OnNYR2cLKvI Insbesondere Jörg Haiders Aussagen zu Europa, zu Russland, zur Privatisierung des Wassers, als auch zur Einwanderungspolitik unter Hoheit der EU dürften für einige äußerst interessant sein. Wer wenig Zeit hat, sollte es sich zumindest ab 7.10 min ansehen.
          Auch habe ich keinen Grund an Ewald Stadlers im Video gemachten Aussagen zu zweifeln. Auch wenn diese etwas emotional vorgetragen erscheinen. Wer Stadler kennt, weis dass er tendenziell schon den Emotionen zugeneigt ist, ohne dass dies als negativ empfunden werden muss.
          So wie Sie den Vergleich „Haiders FPÖ”/Swoboda/Ukraine/ im Kommentar hier beschreiben wurde er von mir im Artikel vom 19.03. auch wahrgenommen. Allerdings hat mich die Intensivierung des Vergleichs hier etwas verwundert. Also nichts für ungut und danke für ihre Sichtweise. Man muss schließlich auch nicht immer einer Meinung sein, hier dürften wir allerdings gar nicht soweit auseinander liegen. Einem simplen Zufall ist es zuzuordnen, dass ich mich in den letzten ca. zwei Jahren (also nach seinem Tod) näher mit J. Haider und seiner Politik und seinen Zielen auseinandergesetzt habe.
          Und ich muss sagen, ich habe meine aus den MSM gefasste Meinung (Vorverurteilung) zur Person Jörg Haider zu 100% revidieren müssen/dürfen. Wer sich detailliert mit dem Geldsystem auseinandersetzt, wird auch sein äußerst umstrittenes Zitat zur Beschäftigungspolitik im 3. Reich deuten können, ohne es auch nur im Geringsten als Verherrlichung oder Sehnsucht nach dieser Zeit deuten zu wollen.

  • dank - 22. März 2014

    Was hat die USA nur für Unsummen ausgegeben, um Gladio (organisatorisch und politisch) in der Ukraine zu installieren – ganz klar und jetzt wollen die Repräsentativen der Initiativen auch n Stück vom Regierungskuchen. Hauptsache USA hat die Commies in der Ukraine geschwächt. Ginge es nach dem großen Bruder auch gleichlautenden Richtungsangabe in “das andere Rechts” umbenennen lassen.
    Und deren aufgebaute und ausgebildete Scharfschützen lassen immer noch auf beiden Seiten die Streiter getroffen zu Boden fallen.
    Demokratisierung durch Unruhen, Gewehrkugeln und Bomben – ja, es ist ein neues Jahrtausend angebrochen. Auf dem Kalender, mehr nicht.
    Ein echter Aufschrei aus Brüssel?
    Weit gefehlt – ebenso wie bei der NSU als “Nachfolgeorga” der “Stay Behind” in Deutschland. Die wurde auch schön runter geschrieben und tot geschwiegen. Wer glaub, dass die “Organisation Gehlen” (samt Nachfolge- und Umbenamsumsorgien) jemals was anderes war, als die Verlängerung des großen Bruders, lässt gern auch die Systempyramide des Raubtierkapitalismus als VT gelten.
    Der Sumpf wieder immer tiefer.
    Die Ukraine wird nach bekannter IWF-Massage entspannt, aber bettelarm erwachen.
    Putin, falls bis dahin noch am Hebel, wird mit einem Lächeln seinen abtrünnigen Brüdern aus der Patsche helfen dürfen, da sie dann erst erkannten, das sie nur verlängerter Verkaufstresen und – Werkbank der EU wurden.

    Aber richtig interessant wird es für alle, wenn aus den 100.000 Docs vom Snowden mal die historischen in den Medien den Weg zu den Lesern finden – da wird so manches Dokument von Ächzen in eine Dementi- und Rücktrittswelle führen. Dazu wird Herr Putin (kein lupenreiner Demokrat, aber sicherlich und offensichtlich nicht so selbstgewollt dumm, wie die westlichen Chiefs) seinem Schützling bald bald den Maulkorb entfernen.

    Grüße&dank

  • GEUR - 23. März 2014

    Hallo Herr Eichner,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel.

    Gern sehe ich mir im Propagandawettstreit auch russisch orientierte Medien an. Dort kommen die derzeitigen ukrainischen Regierungsvertreter verständlicherweise keineswegs gut weg.
    So drohte der Führer des ukrainischen rechten Sektors Herr Jarosch mit der Sprengung der Pipelines, die durch die Ukraine verlaufen.
    http://de.ria.ru/politics/20140316/268044697.html
    Es wundert mich sehr, dass es an dieser Stelle keinen Aufschrei westlicher Medien gibt. Verdrängt man die Probleme derart, dass man übersieht, dass es in diesem Falle auch bei uns kalt in der Wohnung wird?
    Die Meldung, dass am Freitag (21.03.2014) ein Gesetzesentwurf in Kiew auf den Weg gebracht wurde, der vorsieht aus dem Atomwaffensperrvertrag auszusteigen halte ich ebenfalls für bedenklich.
    http://de.ria.ru/security_and_military/20140321/268089928.html
    Auf der angesprochenen Page von Lottchen, der “nachdenkenseiten”, fand ich auch einen netten Bericht, wie westliche Medien mit der Politik verstrickt sind.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=21155
    Sollten meine Links bereits gepostet worden sein bitte ich dies zu entschuldigen.

    Liebe Grüße

    Georg

    • SLE - 24. März 2014

      Hallo Georg,

      vielen Dank für die Hinweise. Sie haben Recht, man muss schon auch die russischen Zeitungen lesen, um sich ein Bild machen zu müssen. RIA Novosti gibt es ja auch in deutscher, andere in englischer Sprache. Ein gute Analyse eines russischen Professors fand ich vor wenigen Tagen in “Russia Today”, auf die ich an dieser Stelle gerne hinweise, um den oft vorgetragenen Vorwurf zu entkräften, in den russischen Medien würde nur Stimmungsmache betrieben.

      http://rt.com/op-edge/ukrainian-crisis-way-out-518/

      Darüber hinaus ist mir aufgefallen, dass sich die Berichterstattung in den schweizer und österreichischen Medien über die Ukraine-Krise teilweise signifikant von der in Deutschland abhebt. Mein Eindruck ist, dass in der Schweiz und Österreich insgesamt sachlicher und objektiver darüber berichtet wird. Es dürfte für die meisten sicher kein Problem darstellen, sich z.B. auch einmal vdie Abendnachrichten im österreichischen TV anzuschauen.

      Viele Grüße
      SLE

  • Holly01 - 26. März 2014

    Empörung hört dort auf, wo Geld anfängt :

    http://de.ria.ru/business/20140326/268117032.html

  • Holly01 - 27. März 2014

    Aha,
    das Konzept wird sichtbar. Der Bürgerkrieg wird also doch angeheizt. Russen per Atombomben töten wollen, den rechten Sektor mit der Erschiessung eines Anführers zum bewaffneten Widerstand bringen, das Dreieck jedes Bürgerkrieges baut sich auf:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/krise-in-der-ukraine-unruhe-im-rechten-sektor-12865547.html

    Nun wird das Bild von den “EU-Vertretern” rund. Das sind Buddler, die Gräben ausheben und die Parteien auf einander treiben.

    Zeitgleich das Wedeln mit der Wurst, 18 Mrd. vom IWF.
    Mich würde ja interessieren, wie die Gremien des IWF das so schnell beschliesen konnten ….. der Widerstand dort war ja schon wegen der Eurorettung maximal.

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