Wie wird Krise generiert?

von am 24. Januar 2015 in Allgemein

von Christoph

Die Berechtigung der deutschen Zentralbank zu Offenmarktpolitik (sowie die Gründung einer Bankenaufsicht) wurde aus der schmerzlichen Lehre der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1933 beschlossen und auch gegen die Rezession 1966/67 [1] verspätet, aber immerhin, und in Deutschland letztlich erfolgreich eingesetzt (Offenmarktoperationen waren in das Stabilitätsgesetz 1967 aufgenommen worden [2]) .

Die österreichische Schule der Ökonomie glaubt, an der Krise sei die Kreditschöpfung der Banken schuld und fordert insofern gedecktes Geld, restriktive Kreditvergabe und sogar in der Krise staatliche Sparpolitik[3]. Insofern sind für diese auch die verzweifelten Bestrebungen der EZB bzw. der nationalen Zentralbanken sich, mittels legitimer (indirekter) Staatsanleiheankäufe gegen die drohende Deflationsspirale zu engagieren, ein Gräuel.

Der Entschluss der EZB zu (erweiterten) OMT/ELA-Programmen ist jedoch höchstens gut gemeint, wird wenig gegen den sich zu beschleunigen drohenden Wirtschaftsabschwung ausrichten (können). Warum? Weil expansive Geldpolitik konjunkturell nicht greift, wenn der jeweilige Fiskus die ausfallenden Kredite und Ausgaben der Privaten nicht kompensiert. 1978 stellte Alois Oberhauser fest: „Expansive Geldpolitik ist ohne parallele Finanzpolitik weitgehend zum Scheitern verurteilt.“[4]

A1437Schaubild: Querschuss (Steffen) in: Eurozone: Monetary Developments November 2014

Geldpolitik und Fiskalpolitik sollten gemeinsam an einem Strang ziehen. Die (vermeintliche [5]) Unabhängigkeit der Zentralbank, an der die Deutschen, aufgrund des ewig wiederholten Hyperinflationstraumas und -dogmas aus 1922/23, so starrsinnig festhalten, wurde von den Alliierten offiziell 1924 (genaugenommen schon 1922 [6]) den Deutschen im Rahmen des Dawes-Plans auferlegt. Aus der Unabhängigkeit der Reichsbank (§ 1) und dem diesbezüglich stützenden Reichsbankgesetz (RbG 1924) folgte (sowie aus der davon abhängigen Deflationspolitik) der Abschwung (genaugenommen auch durch die Interventionen ab 1927 des ab 1924 eingesetzten Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht) ab 1928. Der große Börsencrash 1929 verstärkte „nur“ drastisch den deutschen Abschwung [7].

Die Erzeugung der großen Wirtschaftskrisen folgt regelmäßig einem klassischen Muster. Blasen werden mittels Spekulationskredit (CF) erzeugt [8] (die österreichische Schule unterscheidet hier bewusst nicht zu realwirtschaftlich nachfragenden Investitions- und Konsumkrediten [9]). Die Geldpolitik reagiert nicht ausreichend schnell und kompensierend (oder konterkariert ihre eigenen Maßnahmen) und die Fiskalpolitik springt nicht ausreichend ein (bzw. konterkariert wie in Japan 1997/2001/2014 und EU ab 2012/13 [10]) – staatliche Defizite werden trotz sinkender Unternehmensinvestitionen abzusenken versucht, da der „Kapitalmarkt“ zu großen Druck ausübe. Wie aber schon hier gezeigt, können trotz aller Maßnahmen Defizite entweder überhaupt nicht gesenkt werden oder die Wirtschaftskraft sowie die Nachfrage aus der jeweiligen Volkswirtschaft brechen ein (auch auf Kosten anderer Volkswirtschaften) und fallen partiell aus [11].

A1438

A1440Schaubilder: Richard Koo mit freundlicher Genehmigung für Christoph (CGB).

Dass daraus Krise erzeugt bzw. reproduziert wird, formulierte Lautenbach 1936 wie folgt: „Würde der Staat sich plötzlich als Auftraggeber in ganz großem Umfang zurückziehen, so würde dies peinliche Schockwirkungen hervorrufen; nur in dem Maße, in dem die private Wirtschaft ihn als Investor ablöst, kann er sich zurückziehen, ohne Rückschlagsgefahren heraufzubeschwören.“ [12]

Paul Krugman wundert sich über den 2010 während der Krise stattgefundenen Paradigmenwechsel: „Aber im Jahr 2010 passierte etwas Merkwürdiges: Weite Teile der politischen Elite, darunter Banker und Finanzpolitiker, warfen die Lehrbücher und Lektionen der Geschichte auf den Müll und erklärten, oben sei jetzt unten.“ [13]

Solange staatliche Konjunkturprogramme tabu bleiben, sind die europäischen Volkswirtschaften zu „Japanisierung“ [14] verdammt. Selbst der im Fiskalpakt geringe Spielraum eines „konjunkturellen Defizits“ von 3 % soll (aus der „liberalen“ Perspektive) nicht ausgenutzt werden, da im Auftrag der EU berechnende „Experten“ die zunehmende und hohe Arbeitslosigkeit sowie die sich wirtschaftlich vergrößernden Potenziallücken (output gap) als hauptsächlich „strukturell bedingt“ ausweisen [15] – insofern erlebt die Europäische Kommission keinen fiskalpolitischen Handlungsbedarf.

 

[1] Vgl. Wolfgang Waldner (2014): Die „Reinigungskrise“ 1966/67 (PDF; 498 kB).

[2] Ulrich Schirmer (1971): Der Einfluss paramonetärer Institutionen auf die Vermögensbildung, das Kreditangebot und die Geldpolitik, S: 216.

[3] Vgl. Wilhelm Lautenbach (1931): Vortrag an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg im Dezember 1931. In: Zins, Kredit und Produktion (PDF; 1,5 MB), S. 157.

[4] Alois Oberhauser (1978): Die Steuerung der Bankenliquidität als geldpolitische Aufgabe. In: Probleme der Geldmengensteuerung, S. 142

[5] Vgl. Ewald Nowotny (1981): Zur politischen Ökonomie der öffentlichen Verschuldung. In: Staatsverschuldung Kontrovers. (Hrsg. D. B. Simmert, K.-D. Wagner), S. 38 ff.

[6] Autonomiegesetz vom 26. Mai 1922.

[7] Zwar wurde 1930 die Bestimmung eines internationalen Reichsbank-Generalrats aufgehoben (Young-Plan), die Reichsbank unterlag aber weiterhin internationalen Bestimmungen (vgl. Klaus Erich Born: Notenbanken I: Geschichte. In: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft, Band 5, S. 333.), so hatte im Herbst 1932 die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich einer Unterschreitung (Verletzung von § 29/3 RbG 1924) der „Leitzinsuntergrenze“ (bei Golddevisenunterdeckung) zuzustimmen – vgl. BIZ: 3. Jahresbericht (8. Mai 1933), S. 29.

[8] Richard Werner (2012): The Quantity Theory of Credit and Some of its Applications (PDF; 808 kB), p. 27 and p. 25: “A significant rise in speculative credit creation CF/C must lead to: [a] increased ‘financialisation’ and lack of support for productive industries [b] asset bubbles and busts [c] banking and economic crises.

[9] Konsumkredit wirkt im Aufschwung zwar inflationär und so bemühte sich Hajek nachzuweisen, dass Konsumkredit konjunkturschädlich sei. „Currency-Theoretiker“ unterscheiden kaum zwischen finanzwirtschaftlichem  Spekulationskredit und realwirtschaftlichem Kredit (Investitions- und Konsumkredit) hinsichtlich „Bubble, Boom & Bust“.

[10] 2012 wurde der Europäische Fiskalpakt beschlossen, am 1. Januar 2013 trat dieser in Kraft (exkl. UK, CZ).

[11] Dass die Nachfrage schwacher Volkswirtschaften gegenüber exportorientierten gerade nicht ausfallen möge, war die offizielle Ausgangssituation, um 1944 in Bretton Woods den „Fonds“ (IWF) zu beschließen.

[12] Wilhelm Lautenbach (1936): Probleme der Überliquidität, S. 7.

[13] Paul Krugman (2012): Vergesst die Krise, warum wir jetzt Geld ausgeben müssen, S. 214.

[14] Wirtschaftsblatt (29. Oktober 2014): OeNB-Gouverneur Nowotny warnt vor “japanischem Szenario”

[15] Stephan Schulmeister (2014): Der Fiskalpakt – Hauptkomponente einer Systemkrise (PDF; 372 kB), S. 7 ff.

 

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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20 KommentareKommentieren

  • Erino - 24. Januar 2015

    Die wichtigste Lehre dürfte sein, Bubbles erst gar nicht entstehen zu lassen. Und wenn man eine erkennt, sollte der Staat dann keinesfalls die Bubble verstärken, nur weil er Angst hat, dass die unvermeidliche Korrektur dann schwierig wird. Sonst wird es noch schwieriger. Und dann, wenn eine Bubble platzt, müssen eben die Gläubiger ran und verzichten. Dafür gibt es ja den Insolvenzschutz, der entsprechend ausgestaltet sein muss, damit nicht immer die Arbeitnehmer darunter leiden müssen. Manche Geschäftsmodelle erweisen sich als nicht haltbar und müssen aufgegeben werden. Dafür sind Krisen eben auch nützlich. Immer als mit Geld zu übertünchen führt nur in eine stagnierende Wirtschaft. Der Staat hat seine Aufgabe für den sozialen Ausgleich zu sorgen, und ist nicht dazu da, irgendwelche Banken und Hedgefonds zu retten. Bis zu einem gewissen Grad kann der Staat auch durch vorgezogene Ausgaben ein wenig dagegen steuern, aber so etwas klappt nicht auf Dauer. Am besten sieht man das in Japan. Die Staatsverschuldung wurde von 50% auf 250% erhöht, aber wirklich besser wurde es dadurch auch nicht.

    • Eurelios - 24. Januar 2015

      Der Staat hat seine Aufgabe für den sozialen Ausgleich zu sorgen, und ist nicht dazu da, irgendwelche Banken und Hedgefonds zu retten.

      Das dumme ist halt das die “Staatenlenker“ von den Eliten der Banken und Hedgefonds
      im laufe der Zeit immer mehr beeinflusst wurden bzw durch persönliche Gaben/Zuwendungen
      eingekauft werden.

      Mit dem Ergebniss das der soziale Ausgleich nicht mehr natürlich wie Wasser von Oben nach Unten fliest sonders andersherum.

      So lange dieser Zustand so ist wie er ist wird sich für die Bürger nichts aber auch ganix
      ändern.

      • Sound-Money - 25. Januar 2015

        Wenn staatliche Einmischung das Gegenteil erreicht was es soll, dann ist die richtige Antwort eben weniger Staat.

    • Stepe - 25. Januar 2015

      Was der Staat soll oder kann wird hier leichtfertig behauptet, desweiteren ist es sehr kurz gedacht zu sagen das es um “Bankenrettung” gehe. Da müsste doch erst einmal das Argument der “Systemrelevanz” widersprochen werden. Das ist es allerdings, es geht um das System.
      Das Kapitalistische System ist ohne “Blasen” nicht denkbar, der Hauptgrund ist, es geht um Profit. Wenn jetzt Kredit nichts mehr kostet dann wird der Kredit in die Bereiche gehen in denen gehofft wird das der Profit bringt, so wachsen Statistiken nach oben und die Armut weiter nach “unten”. Das war bei den Tulpen schon so.
      In wie weit wird jetzt vom Staat als “Hüter der Gesetze” hier alles, bei bestehenden Gesetzen, über den Haufen geworfen?

    • Delta120 - 26. Januar 2015

      Der Liberalismus der jetzigen Konservativen und Liberalen geht von der absoluten Macht der privaten Märkte (Nachtwächterstaat) . Die Wirtschaftskrise wird versucht durch Zinssenkung per Notenbank und Gelddruck zu beheben um den Abstand zwischen Zinsgewinn auf dem Bankkonto und aus Unternehmensbeteiligung zu erhöhen. Ein Eingriff des Staates im Voraus ist ideologisch nicht erwünscht, da der Markt alles bereinigt. Daraus ergibt sich auch, dass staatliche Investitionen nicht erwünscht sind und das ganze Zentralbankgeld in die Märkte fließt, wenn auch wie in den USA und Japan ersichtlich kaum Geld die virtuelle Welt verlässt und in der realen Wirtschaft ankommt (Nebeneffekt, da die Besitzer der Anteilsscheine der virtuellen Welt bei steigenden Kursen kaum die virtuelle Welt verlassen werden.)

      Durch den Rückbau der Sozialsysteme kommen auch im Fall einer geplatzten Blase kaum Kosten auf die Allgemeinheit zu, da ja jeder seines eigenes Glückes Schmidt ist.

  • die - 24. Januar 2015

    Kein einziger “Österreicher” in den Quellenangaben?
    Tja, die Keynesianer unter sich. Der letzte Absatz spricht Bände.

  • JL - 24. Januar 2015

    Im Gegensatz zu früher gibt es heute ein grundsätzlich fundamentales Problem. Dieses Problem nennt sich Globalisierung. Der Staat an sich kann- wie auch immer- nur auf seinem Staatsgebiet agieren, Unternehmen aber weltweit.

    Damit bestimmen eben Finanzinstitute und Megakonzerne die Regeln und eben nicht mehr der Staat. Entsprechen diese Regeln nicht den eigenen Unternehmensinteressen ist man eben woanders „zuhause“- Siehe Fiat. Und sind die Steuersätze zu hoch, ja dann verhandelt man eben mit Luxemburg oder richtet Briefkastenfirmen auf irgendwelchen britischen Inseln ein.

    Sind andererseits Unternehmen im Vergleich zu diesen Megakonzernen zu klein und damit relativ stark an den heimischen Markt gebunden (z. B. französische Automobilindustrie), ist man letztlich im Preiswettbewerb auf Dauer unterlegen. Irgendwann steht hier für den Staat die Wahl zwischen Pest und Cholera an. Stütz er die Firmen (derzeitige Praxis) muß er zusätzliche Schulden machen. Macht er dies nicht, gehen diese Firmen Pleite und der Staat muß für die dann zusätzlich erforderlichen Sozialaufwendungen eben auch zusätzliche Schulden machen.
    Solang dieser Zustand anhält, lohnt sich eine Diskussion über Keynes oder Österreichische Schule nicht wirklich.

    Aus meiner Sicht ist dies leider so und ohne Frage sehr bedauerlich.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Eurelios - 24. Januar 2015

      Dieses Problem nennt sich Globalisierung. Der Staat an sich kann- wie auch immer- nur auf seinem Staatsgebiet agieren, Unternehmen aber weltweit.

      Genau diese Globalisierung ist ja der Mechanismus warum die Ausbeutung der Massen
      für die wenigen Geldeliten so gut funktionieren kann. Im Gegensatz zu den Staatenlenkern
      die nur eine zeitliche Macht besitzen haben diese eine lebenslange. Wobei die Globalisierung
      am Anfang eigentlich den Sinn hatte die Lebenslage der Menschen auf einen Level zu
      bringen der für Alle lebenswert sein sollte..
      Nur wurde dies Globalisierung von den wenigen Geldfamilien dazu genutzt diese zu
      ihrem Vorteil zu “gestalten“ weil diese im Gegensatz zu den Staatenlenkern einen
      großen Vorteil haben. Eben eine lebenslange statt zeitlich begrenzte Macht.

      Und weil ja fast alle Menschen glauben viel Geld zu besitzen sei der Sinn des Lebens
      ist dieser Spruch die Wirklichkeit.

      Immer zieht die Macht auch das Geld an.

      Leopold von Ranke (1795 – 1886), Berliner Historiker

      • JL - 24. Januar 2015

        Hallo Eurelios

        Das die Globalisierung alle und jeden glücklich machen sollte, haben alle auch allen anderen erzählt. Man hat auch auf die Hand versprochen, daß der Euro Knochenhart sein wird- so wie die DM. Und Frau Merkel hat Kund getan, daß es Zeit ihres Lebens keine Eurobonds geben wird (Aussage 2012).
        Und nun? Die Frau erfreut sich bester Gesundheit und trotzdem wird der Schrott jetzt aufgekauft. Sollten Sie ein also noch ein altes verrostetes Fahrrad ihres Urgroßvaters haben was unverkäuflich ist, die EZB kauft jetzt alles.

        Es ist ja nicht so, daß es noch nie Globalisierungen gab. Diese Annahme ist falsch.

        Drei kurze Beispiele hierzu:

        Das Römische Imperium war zur damaligen Zeit Global aufgestellt. Wer profitierte ausschließlich? Rom.
        Das Britische Empire war Global aufgestellt. Wer profitierte ausschließlich? Die City of London (eigener Rechtsbereich!).
        Heute ist man mal wieder Global aufgestellt. Wer profitierte ausschließlich? Die Wall Street und die City of London (eigener Rechtsbereich!).

        Macht zieht Geld an, daß ist wohl wahr. Aber die eigentliche Macht hat dann das Geld.

        Das war schon immer so Eurelios.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

      • Holly01 - 26. Januar 2015

        “Wobei die Globalisierung am Anfang eigentlich den Sinn hatte die Lebenslage der Menschen auf einen Level zu bringen der für Alle lebenswert sein sollte..”

        Diese Aussage wäre einer genaueren Betrachtung wert.
        Wie kann eine Globalisierung, also die relative Öffnung für Waren, Dienstleistungen und Arbeit die Lebensqualität der Menschen stärker verbessern, als der reine Handel von Waren?
        Warum ist die Öffnung lokaler Märkte für die Gesellschaften ein Vorteil und wie spiegelt sich dieser Vorteil in der betroffenen Gesellschaft wieder?

        In Deutschland kennen wir einen Gegenpol. Die Wanderjahre der Gesellen nach der abgelegten Prüfung. Ein Austausch über Arbeitspraktiken, bei der der Geselle sich der jeweiligen lokalen Arbeitsweise anpassen musste (und wollte).

        In Mitteleuropa (also alles rechts vom Rhein) gab es eine lange Tradition des Rechts. Recht war, was jemand in seiner Heimat als Recht leben gelernt hat.
        Gerichte haben ganz selbstverständlich das persönliche Recht (Persönlichkeitsrecht) akzeptiert und gemäß des individuellen Rechts auch Urteile gesprochen. Es wurde vorausgesetzt, daß jemand der ein Unrecht begangen hatte, sich dessen bewusst sein musste, denn nur so war er straffällig und verurteilbar.
        Sinti und Roma leben diese Tradition auch heute noch (begrenzt durch die moderne Gesellschaft), mit ihrer internen Rechtssprechung aus.

        Globalisierung ist ein Bankensystem. Ich stelle die These in den Raum, daß Globalisierung ein Volumenmacher der Geldschöpfung ist und der Renditesteigerung und damit der Zinsfähigkeit dient.

  • Holly01 - 25. Januar 2015

    Man sollte bei dieser Thematik auch die internationalen Regelwerke nicht aussen vor lassen.
    TTIP ist ja nichts anderes als die zwingende Festlegung der teilnehmenden Staaten auf den Dollar als Leitwährung.
    Jede Maßnahme die man ergreifen müsste, um die Leitwährung zu bändigen, wird verboten und mit Sanktionen belegt.
    Der Vollzug erfolgt duch die global player und ihre Schiedsgerichte.
    Der für die (in diesem Fall) USA (denn das war mit GB in der Wende vom 19. zum 20 Jahrhundert nicht anders) günstige Umstand besteht in einer quasi garantie zur Finanzierung größer werdender Defizite, der Kompensierung der Deindustrialisierung und die bequeme Finanzierung der ständigen Krieg und des für den Hegemon notwendigen Industriell-/Intelektuell-/Wirtschaftlichen Komplex.
    Die USA bekommen garantiert, daß sie weiterhin große Mengen Dollar drucken können, um reale Güter zu kaufen.
    Damit ist es auch eine Absicherung der absolutistischen Marktpositionen der US-Investmentbanken.

    Die Fiskal- und Wirtschaftspolitik darf man nicht ohne die Rechtspolitik sehen.

    • Stepe - 25. Januar 2015

      In dem Zusammenhang ist die Konkurrenz nicht zu vergessen, die BRIC Staaten, denn die wollen andere Verrechnungseinheiten als den Dollar und dann geht es den USA, wie oben gesagt an den “Kragen”.

        • Holly01 - 25. Januar 2015

          Hallo Stepe,
          ich ersetze USA durch Europa und es stimmt immer noch. Die agressive Politik des US-Blocks zusammen mit der Überschuldung und dem Energiebedarf führen nicht gerade zu Bestwerten bei der Beliebtheit.
          Europa wird im Windschatten der USA versinken, der Ring der macht kennt nur einen Herren und er macht nur einen zum Herren.
          Das war übrigens vor garnicht so langer Zeit ein Gebiet mit großem deutschem Bezug. Da war Deutschland gut angesehen und hat gute Geschäfte gemacht.
          Auch das hat sich stark relativiert.
          Griechenland wird der EU nicht wirtschaftlich das Genick brechen, aber was da abläuft wird das Ansehen der EU komplett ruinieren.
          Was wir einen “der unseren” antun, das ist das was jeder der anderen für sich erwarten muss.
          Die Europäer sind sich anscheinent überhaupt nicht bewußt was die seit Jahren anrichten.
          Die Ukraine ist der Sargnagel. Was da mit fadenscheinigsten Argumenten mit Russland getrieben wird, das hat aller größtes Interesse in der Welt geweckt.
          Da können Sie mal ein paar chinesische Nachrichtenseiten besuchen, die auch auf Deutsch ins Netz gehen.
          Ganz großes Kino.
          Sanktionen ……. das Wort werden wir in absehbarer Zeit noch in völlig anderen Zusammenhängen erleben. Da werden die Europäer schlicht am Rand stehen und zusehen.
          Stichworte Shangai-Gruppe und alternativer IWF und bald auch alternative BIZ.
          und wir sitzen dann auf TTIP fest :) …. ich könnte mich schütteln vor lachen, wenn ich nicht Deutscher/Europäer wäre.
          Da kommen ein paar recht interessante Jahre, Zeitenwende in der Welt und Politik der Spannung/Gladio in Europa.

  • Huthmann - 26. Januar 2015

    Gut gemeinter Artikel, der aber nicht wirklich überzeugend herausarbeitet, warum Japan nach der geplatzten Blase und nachfolgender Bilanzrezession nicht wirklich wieder auf einen Wachstumspfad kommt.

    Vielleicht sollte man sich die Angebotstrukturen in Japan, das vergangene und überholte Geschäftsmodell (MITI), die Überalterung der Gesellschaft und den immensen Wettbewerbsdruck von den umliegenden Ländern (z.B. China) nach dem “Zusammenbruch des Kommunismus” samt Globalisierung als Einflußfaktoren einmal ansehen.

    MfG

    • Querschuss - 26. Januar 2015

      Als Ergänzung hilft vielleicht dieser Artikel:
      http://www.querschuesse.de/japan-trotz-expansiver-geldpolitik-darben-die-investitionen/

      Sicher China und Überalterung sind ein Grund, aber eben auf der volkswirtschaftlichen Ebene sind die Spiegelbilder seit über 2 Jahrzehnten darbenden Investitionen und darbenden Reallöhne je Mitarbeiter. Abenomics ist bisher die pure Wette auf kommende Exporterfolge, selbst wenn sie kommen, etwas dürftig und keine problemerfassende Strategie.

      Gruß Steffen

      • Huthmann - 26. Januar 2015

        Meiner Meinung nach ist den Japanern ihr Erfolgsmodell abhanden gekommen und sie haben gesellschaftlich noch kein neues ausarbeiten können. Offensichtlich dauert das Zeit auch deswegen, weil sie ihre Fehlinvests (z.B. Aktiva Banken) gestützt haben.

        Deswegen wird auch nicht richtig investiert. Investitionen brauchen Rahmenbedingungen.

        MfG

        • Querschuss - 26. Januar 2015

          ja sicher, eine expansive Geldpolitik allein, ist eine unzureichende Rahmenbedingung, im schlimmsten Fall eine, die zu weiteren Fehlentwicklungen führt.

          Gruß Steffen

  • Huthmann - 26. Januar 2015

    Tendenziell sollte eine Gesellschaft versuchen, Unternehmungen privat zu betreiben. Der Staat hat nicht die Kompetenz und übernimmt nicht die gleiche Verantwortung wie ein Privater, der persönlich haftet.

    Wenn eine Gesellschaft eine hohe Staatsquote hat, so ist das deswegen ein schlechtes Zeichen für die Selbstverantwortung dieser Gesellschaft.

    Saldenmechanische Betrachtungen zur Egalisierung von Ausgabenreduzierungen durch zusätzliche Staatsausgaben berücksichtigen diese Aspekte nicht. Der Saldenmechanik ist es erst einmal egal, ob die zusätzlichen Staatsausgaben auch sinnvoll verwendet werden.

    Wichtig ist immer, was man mit einem Kredit macht, nicht daß der Kredit ausgereicht wurde.

    MfG

    • Querschuss - 26. Januar 2015

      “Wichtig ist immer, was man mit einem Kredit macht, nicht daß der Kredit ausgereicht wurde.”

      ….ja und nein, reicht man keine Kredite aus, kann man grundsätzlich nichts vernünftiges machen :)

      Ansonsten klar, die Verwendung der Kredite ist der entscheidende Punkt.

      Gruß Steffen