Zu nachlassenden Unternehmensinvestitionen – Teil 2

von am 16. Januar 2015 in Allgemein

von Christoph

Seit der Jahrtausendwende sind die deutschen Unternehmen in ihrer Gesamtheit (monetäre) Nettosparer[1]. Positive Salden eines Sektors  müssen jedoch laut Finanzierungsrechnung sowie der Saldenmechanik mittels negativer Salden, also Defiziten Anderer, finanziert werden und erzwingen weiterhin sogenannte makroökonomische Ungleichgewichte.

Die positiven Unternehmenssalden erzwingen weiterhin in gleicher Höhe Defizite bei anderen Sektoren, sollen gewohnte Einnahmen in ihrer Höhe bestehen und die Wirtschaft im (dzt. unterausgelasteten) Gleichgewicht bleiben.

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Per Saldo müssen die positiven Finanzierungssalden (Einnahmeüberschüsse) der Unternehmen von anderen Sektoren finanziert werden, aber zukünftig von wem? Noch prekärer stellt sich die Situation dar, wenn komplementäre Sektoren nicht mehr bereit sind, Defizite (bzw. verringerte Überschüsse) auf sich zu nehmen und die Unternehmen, um die gewohnte Höhe ihrer monetären Überschüsse zu erhalten, ihre Ausgaben gegenüber dem (komplementären) Rest weiter senken (was innerhalb von Strukturanpassungsprogrammen bzw. Strukturreformen insbesondere von IWF wie OECD ja explizit empfohlen wird[2]).

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Statt also gesamtwirtschaftliche Kaufkraft mittels Lohnerhöhungen zu erzeugen, wird genau das Gegenteil angestrebt (und in den Peripherieländern mittels Druck durch die Troika bereits umgesetzt). Dass daraus die EZB gegen die disinflationäre Entwicklung trotz aller expansiven Versuche auf verlorenem Posten steht, erschließt sich daraus, dass (Investitions-)Kredit eben nicht genommen wird. Netto wird Kapital ins Ausland „exportiert“, wie aktuell von Querschuss gezeigt (aber zu realwirtschaftlichen Investitionen nur teilweise im oder vom Ausland genutzt).

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Aus volks- und gesamtwirtschaftlicher Perspektive ist die Situation, dass Unternehmen positive Salden aufweisen, ihr Geldvermögen netto erhöhen, pervers, denn in normalen Zeiten bauen Unternehmen ihren (sachwerten) Kapitalstock kreditfinanziert aus. Damit stehen in der Unternehmensbilanz den monetären Kreditverbindlichkeiten die technischen Anlagen (Fertigungsmaschinen, Produktionsstätten und Lagerhallen, etc.) gegenüber – die Schulden jenes Unternehmens (Passiva) werden auf der anderen Seite der Bilanz (Aktiva) durch die enthaltenen Sachwerte bilanziell sowie vermögenstechnisch ausgeglichen.

Aus der Aufnahme von Investitionskrediten (Ausgabenüberschüsse) durch die Unternehmen finanzieren diese per Saldo die (periodischen) Einnahmeüberschüsse und damit (anteilig) die Nettogeldvermögen der privaten Haushalte, reduzieren (potenzielle)  Ausgabenüberschüsse (Defizite) inländischer wie ausländischer Staatshaushalte und/oder ermöglichen Nettotilgungen komplementärer Wirtschaftsakteure bzw. Sektoren gegenüber ihren Gläubigern.

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Werden die Unternehmen in ihrer Gesamtheit aber selbst zu einem Überschusssektor, so tragen diese zur Realisierung der geplanten Geldvermögensbildung der privaten Haushalte nicht nur nicht bei, sondern entziehen dem „Wirtschaftskreislauf“ bzw. der Realwirtschaft sogar „Geld“, verringern per Saldo also auch monetäre Einnahmeüberschüsse der komplementären Privaten und zwingen (sofern aber Einnahmeüberschüsse von den Privaten geplant werden) zu Defiziten entweder der Sektoren des Auslands oder des eigenen „Staatshaushalts“. 

Stephan Schulmeister bringt es auf den Punkt: „[Es] senkten die Unternehmen ihre Realinvestitionen und damit ihr Finanzierungsdefizit. Die privaten Haushalte sparten aber fleißig weiter, ihr Überschuss blieb hoch. Damit musste der Staat langfristig ein höheres Defizit erleiden. Einzelnen Ländern wie Deutschland mag es gelingen, einen Teil des Problems ins Ausland (den vierten Sektor) zu verschieben, indem man selbst einen (Leistungsbilanz-)Überschuss erzielt, aber dann haben eben die anderen Länder ein höheres Defizit.“[3]

Nicht nur die deutschen Unternehmen häufen Geldvermögen an, (scheinbar) paradoxerweise auch zahlreich Unternehmen in anderen Ländern der Union.

[1] Fritz Helmedag (2013): Staatshaushalt und Schulden (PDF;  3,1 MB), S. 3.

[2] Die Empfehlung der Lohnsenkungen (als Bestandteil sogenannter Strukturreformen) basiert auf der klassischen Angebotstheorie, wonach die Unternehmen, wenn diese (noch) höhere Gewinne generieren können, aufgrund von Kostensenkungen (gegenüber Mitarbeitern), realwirtschaftlich (vermehrt) investierten. Lohnsenkungen, um die Unternehmen zu Investitionen anzuregen, hatte bereits Reichskanzler Brüning mittels Notverordnungen in den 1930ern erfolglos versucht.

[3] Stephan Schulmeister (2010): Mitten in der großen Krise. Ein „New Deal“ für Europa, S. 56.

von Christoph

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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15 KommentareKommentieren

  • Uwe - 16. Januar 2015

    So einfach ist das, daß man es nichtmal in einen Lehrplan aufnimmt.
    Oder ist es so kompliziert, daß es Ideologen nicht verstehen?

    • JL - 17. Januar 2015

      Hallo Uwe

      Ob es Sachverstand in einem Lehrplan überhaupt noch gibt weis ich nicht, aber eines ist Fakt:

      Es ist schwer einfache Wahrheiten kompliziert zu beschreiben.
      Aber es lohnt sich- am Ende bleibt nur noch kompliziert.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

  • anders wählen - 17. Januar 2015

    Sehen wir es doch mal real in Deutschland: die nominalen historischen Lohnerhöhungen hierzulande waren niemals so hoch wie in den Nachbarländern, z.B. Belgien/Lux wo noch immer automatischer Inflationsausgleich gilt. Ein nicht gerade kleiner Anteil des reellen Werts des Lohnsäckls hierzulande kam dabei aber durch die Aufwertung der DM zustande. Karl Schillers “Sozialdividende”.

    Der Druck durch u.a. Hartz IV oder billige Lohnkonkurrenz hat das allg. Lohnniveau stagnieren, bzw. sinken lassen. Wieso sollten Unternehmen großartig investieren, wenn die Gewinne ohnehin sprudeln dank +/-30-40% Unterbewertung des Euros für D.? Der ständige Innovationsdruck der DM-Zeiten ist stark gefallen.

    Die Gemeinschaftswährung bietet “dem Kapital” Geleitschutz dorthin, wo es vermeintlich mehr Rendite einbringt. Bezahlen wird es ohnehin der Steuerzahler hierzulande durch massive zukünftige Abschreibungen auf Target2 & co.. Schöne neu FIAT-Money Welt.

    Insofern war die DM immer ein Schutz vor Lohndumping für große Teile der arbeitenden Bevölkerung. Deutschland muss aber dennoch weg vom alleinigen Exportmodell, steigende Importe können aber in diesem Kontext auch nur mit eigener starker Währung gegenüber unseren benachbarten Hauptabnehmerländern stattfinden.

  • Christoph - 17. Januar 2015

    @Bubblegum: Der Artikel ist eigentlich von mir (Steffen hat das “von Christoph” vergessen). Nur zur Info – die angekündigte Lösung (wie die Ursache der rückläufigen Unternehmensinvestitionen spätestens ab der Jahrtausendwende) ist hier bei Teil 2 nun doch noch nicht (explizit) enthalten – folgt noch – Teil 3 oder 4. Übrigens exzellenter Kommentar hinsichtlich 1922/24 (RbG) – bin da ganz bei dir! Herzliche Grüße! Christoph
    @ Alle: Das Lohnthema ist in diesem Artikel zwar angeschnitten, aber nicht Schwerpunkt des Artikels und soll es auch nicht sein – falls möglich, bitte nicht unbedingt zu viel der Lohn(ungleichgewichts-)diskussion an dieser Stelle. Das lenkt vom eigentlichen Thema nur ab (meine ich). Danke.

    • Querschuss - 17. Januar 2015

      Hallo Christoph,
      “von Christoph” habe ich eingefügt, beim kopieren, übersehen/abhanden gekommen, sorry.

      Danke für den Artikel.

      Gruß Steffen

  • Beate - 17. Januar 2015

    Was ist besser als auf Kosten des Auslands ausgebildete junge Leute einzubürgern?

    ‘Erfolgreiche Unternehmer’ aus dem Ausland zusammen mit ihrem Vermögen einzubürgern.

    • Sound-Money - 18. Januar 2015

      Nur so kann man den grenzenlosen Ausgabenwahn der Politiker stoppen.

    • asetzer - 19. Januar 2015

      Ich frage mich,ob wir wirklich einen Mangel an formal gutausgebildeten zB Hochschulabsolventen in D haben. Die Studierendenquote eines Jahrgangs ist von 1998 33% auf jetzt 50% gestiegen ,trotz kleiner werdender Schulagängerjahrgänge steigt deswegen die Anzahl der Studienabgänger, was angesichts des m.M trotz angeblichen Fachkräftemangels hohem Lohndruck etc auf “normale” Arbeitnehmer und Berufsanhänger verständlich ist. Wir brauchen m.M. deshalb ausschliesslich WIRKLICHE Spitzenkräfte mit einschlägiger Berufserfahrung oder wirklichen Spezialkenntnissen, oder junge Leute in Ausbildungsberufen, wo Mangel herrscht.Hier sind komischerweise aber der “Logistik” und Gastgewerbebereich stark vertreten, was wohl eher auf die miese Bezahlung und Arbeitsbedingungen in diesen Branchen zurückzuführen ist. Gerade aber die Industrie mit ihrer dualen Ausbildung auf hohem Niveau ist ein Alleinstellungsmerkmal, hier kann m.M. Spanien, und schon gar nicht Syrien, Jugendliche bieten, die diesen Anforderungen genügen können.

  • Bubblegum - 17. Januar 2015

    @ Christoph, @SLE
    vielen Dank für die Blumen. Mit meinen Kenntnissen zahle ich ein wenig von dem zurück, was ich an Erkenntnisgewinn aus den Arbeiten/Beiträgen der Querschuesse – Gemeinschaft ziehe. Auch dem ihrigen Christoph. Denn nun passen folgende Sätze aus einem der Wegelin Briefe besser ins Bild. Zitat aus dem Wegelin Brief Nr. 267:

    „Das Bankensystem profitiert in hohem Masse von der beschriebenen Geldpolitik der Notenbanken.
    Im wesentlichen können die Finanzkonglomerate sich zum Nulltarif verschulden und unter Ein-gehen von Kleinstrisiken (sic!) über eine Mengenstrategie mühelos satten Ertrag erwirtschaften. Wer noch aufzuräumen hat, kann dies in Ruhe tun, alle andern können bereits wieder zur gehabten Frivolität von übertriebenen Boni und politischer Arroganz zurückkehren. Und Dubai? Und die von IMF- Drektor Strauss- Kahn kürzlich genannten noch einmal so vielen Milliarden an Abschreibun-en, die im weltweiten Bankensystem notwendig sein werden?“ [ hat der Jude Strauss Kahn zu viel Katze aus dem Sack gelassen und war das der Grund warum man mittels seiner Sexsucht seine Zukunft als franz. Staatspräsident ruiniert und man ihn durch seinen Glaubensgenossen Hollande ersetzt hat? Anm. Bubblegum].
    Weitere Anmerkung meinerseits: Auf Basis ihres Beitrags Christoph wird deutlich,dass es eine Konkurrenzsituation zwischen großen Konzernen auf der einen Seite und den Banken/Versicherungen auf der anderen Seite gibt, die beide nach lukrativen Anlagemöglichkeiten für ihre im Überfluss vorhandene Liquidität suchen. Und dabei passiert das, was der Wegelin-Brief weiter beschreibt: Zitat:
    „In einem Auf und Ab von Bangen und Hoffen schlängelt man sich durch; da und dort hilft wieder einmal eine der vorhandenen tiefen Taschen wie beispielsweise die Abu Dhabi Investment Authority, um eine Rückkehr in die Akutphase der Finanzkrise zu verhindern. Die westlichen Nationen, finanziell stark belastet aus der Finanzkrise hervorgegangen, beginnen sich demgegenüber mit dem neuen Schuldenniveau zu arrangieren. Da die Nominalzinsen
    vorderhand noch tief bleiben, hält sich der Zinsendienst in Grenzen. Durch fortwährendes
    Aufblähen der Notenbankbilanzen können auch die notwendigen Auktionen des Schatzamts immer wieder relativ mühelos über die Bühne gebracht werden.“
    Da aber die Zentralbanken wegen des Berges der Staatsschulden der Industrieländer die Zinsen gegen Null drücken müssen, ist für die Banken im normalen Geschäft nichts mehr ordentlich zu verdienen. Also Spekulation an den Aktien-und Rohstoffmärkten. Gleichzeitig verschärft sich der Wirtschaftskrieg zwischen den USA und Europa sowie den USA und der Seidenstraßenprojekt-gruppe Russland und China. Und dabei sind die kleinen Schweiz und Liechtenstein wohl ins wirtschaftliche Sperrfeuer geraten. Nun ist deren Geschäftsmodell ekelhaft. Aber ein Aufwertungsschock von zeitweise 30% gegen den Euro zerdeppert die kleine aber feine und profitable Schweizer Industrie. Doch die Dinge passen irgendwie nicht zusammen. Bei Strafzinsen von -0,75% müsste entsprechend der marktradikalen Lehre der Kathedervolkswirte genau das Gegenteil passieren. Also stellen sich folgende Fragen:
    Ist die massive Dollaraufwertung auf Repatriierungsaktionen der auf schweizer Konten lagernden Billionenbeträge schmutziger Dollars zurückzuführen?
    Wie stark sind die Schweizer Großbanken dadurch bereits geschwächt?
    Gab es oder gibt es deswegen Geheimverhandlungen zwischen der SNB und EZB über einen sofortigen Beitritt zum Euroraum? Was diesen wegen der trotz allem noch extremen Stärke des schweizer Finanzplatzes weniger anfällig für Manipulationen machen würde. Was den Herren der Wallstreet nicht gefallen kann.
    Ist deswegen die offensichtliche Manipulation des Euro/Franken Kurses als Warnschuss der Wallstreet an die SNB zu verstehen, ja auch nicht nur ansatzweise darüber nachzudenken.
    Welche mysteriöse Rolle spielt dabei die SNB selbst?
    Die Argumentation der SNB ist nämlich lächerlich. Ein festgezurrter Euro/Franken-Kurs muss nicht abgeschrieben werden. Über Kreuzkurse mit anderen Währungen bzw. gestraddelte Derivatekonstruktionen lassen sich die Kosten und Folgen in Grenzen halten. Jedenfalls sind sie wesentlich geringer als ein solcher Aufwertungsschock, den die schweizer Industrie verkraften muss.
    Damit sind wir wieder bei Ihrem Beitrag Christoph. Für die Entscheidungsträger werden langfristige Investitionsentscheidungen der Firmen im Euro-Raum immer schwieriger und risikoreicher. Die Neigung, von der Substanz zu leben, wird wachsen. Besonders bei den noch immer gängigen Bonusmodellen. Also werden vor allem der deutsche Maschinen- und Automobil – bau nachhaltig geschwächt. Genau das, was von den Gegnern eines einigen Europas angestrebt wird. Das Schul- und Hochschulsystem ist ja schon ruiniert. Das Markenprodukt Diplom durch den Bachelor- und Mastersquatsch ersetzt.
    Viele Grüße Bubblegum

    P.S.: sehr lesenswert sind auch Schulmeisters Beiträge zur Finanztransaktionssteuer.

    • Michael - 19. Januar 2015

      @Bubblegum
      Gehört zwar nicht hierher, aber trotzdem eine Antwort. Der CHF ist eine Hartwährung auch gegen den $. Also sollte er stärker gegen den € zulegen, als der $ gewann. Wenn man sich das ansieht, kann er weitere 5% zum $ zulegen, ohne dass daran was unnormal wäre. Die SNB hatte im Angesicht von Draghis angekündigtem Treiben keine Wahl als die Bindung an den Euro zu kappen. Als Sparer hat man keine andere Wahl mehr als seine Ersparnisse in soliden Fremdwährungen in Sicherheit zu bringen, leicht gesagt, aber schwierig. Den $ zähle ich seit QE nicht mehr dazu.

      Mir wäre eine DM mit einem Wechselkurs zum $ von 1,5 oder sogar mehr viel lieber als ein Euro. Den Zusammenhang beschrieb @anders wählen. Ein weiterer Aspekt ist, dass die deutschen Konzerne damit gezwungen würden in Deutschland zu investieren. Sie hätten keine andere Möglichkeit ihr Geld vor der Entwertung durch Inflation im Ausland zu retten. Deshalb funktionierte die Soziale Marktwirtschaft bis zum Euro. Mit harter DM würde es in Deutschland wieder echten Aufschwung und nicht nur lästiges Kanzlerinnengeschnatter geben. Die erzielten Überschüsse sind uneinbringbar. Damit sind die Exportüberschüsse verschenkter Wohlstand. Unfreiwillige Spenden an die Defizitländer. Auch aus dem Blickwinkel ist Deutschland der größte Verlierer des Euro.

  • Bubblegum - 19. Januar 2015

    vielen herzlichen Dank für die Mühe Ihrer Antwort. Aber sie erschient mir argumentativ nicht stringend.
    Begründung: Sie läßt den Fiat-Charakter beider Währungen völlig außer acht. Ein Punkt, den ich auch gegen das Prinzip der Saldenmechanik einzuwenden habe, auch wenn diese einen gewissen gedanklichen Charme hat, aber wie Christophs Grafik immer noch auf dem Grundgedanken basiert, das Investitionen nur aus den Ersparnissen heraus möglich sind. Das Investitionen auch aus mit einem Knopfdruck neu geschaffenem Fiat-Geld initiiert werden, wie das Jersey seit fast 300 Jahren praktisch “unfallfrei” praktiziert, wird in der sog. Wissenschaft VWL praktisch nicht thematisiert (sollte ich irren, erbitte ich Hinweise!!!).
    Zurück zu Ihrem Beitrag.
    Die SNB erzeugt per Knopfdruck (Kosten praktisch Null) CHF. Mit denen erwirbt sie Euros.
    Solange sie auf diese Weise den Frankenkurs bei 1,20 CHF je Euro festhält, passiert gar nichts. Sie muss überhaupt keine Wertverluste ihrer “Ersparnisse”, wie sie es nennen, hinnehmen, weil sie keine Abschreibungen ihrer Eurobestände vornehmen muss. Die Wertverluste des Euro gegenüber anderen Währungen wie dem US$, die über Kreuzkurse für ihre Eurobestände wirksam werden könnten kann sie über Straddle (gleichzeitiger Kauf einer Put-/bzw. Call-option) deutlich abmildern, vielleicht sogar ganz unwirksam machen, zumal sie diese mit ebenfalls mit neu erzeugten Franken erwerben kann. Die nun überall auf der Welt vagabundierenden neu erzeugten Fiat Franken müssten – der marktradikale Unsinnslehre der Kathedervolkswirte nach-, sollten sie in die Schweiz zurückfließen, entweder zu neuen Aufträgen für die Schweizer Wirtschaft führen also wie ein Konjunkturprogramm wirken, oder zu buchtechnischen Aufwertungsgewinnen der Devisenbestände der SNB insbesondere des Eurobestände. Solange die Zahlungsversprechen, die in Franken niedergelegt sind, nicht eingefordert werden, würde, cum grano salis, gar nichts passieren. So die herrschende Kathederlehre. Und nur unter der Voraussetzung, dass der CHF nicht goldbasiert, d.h. eine Goldkern- oder Goldumlaufwährung ist.
    Und gar nicht erklärbar ist, dass es bei Negativzinsen von -0,75% zu keiner Flucht der “Blutgelder” bei den Schweizer Banken kommt, die nach herrschender Lehre, den Kurs des Franken ins Bodenlose fallen lassen müßte. Denn ein Bankgeheimnis gibt es ja nicht mehr.
    Sollte ich einen Denkfehler hier publiziert haben, dann bitte ich um ihre Mitteilung. Nur so kann ich einen Erkenntnisgewinn erzielen.
    Vielen Dank im Voraus und viele Grüße Bubblegum

    • Christoph - 19. Januar 2015

      @ Bubblegum: Das tut die Saldenmechanik gerade nicht und die Grafiken sollten das auch nicht. Der nachfragende (monetäre) Fluß geht von (kreditfinanzierten) Ausgabenüberschüssen weg.

  • Bubblegum - 19. Januar 2015

    Ich ergänze meine Auführungen noch um ein Zitat von Ökonomicus( :”

    “…Unter Berufung auf eingeweihte Kreise berichtet das Wall Street Journal im Zuge des abgebrochenen Suizid-Versuchs der Schweizer Nationalbank von massiven Verlusten der Deutschen Bank und Citigroup. Spekulationen zu Folge, die bislang von den Bankhäusern nicht bestätigt wurden, ist von jeweils € 150 Mio die Rede.
    .
    Die Engagements der Citigroup sind nur sehr schwer einschätzbar, bei den Frankfurter Zockern wäre es jedoch keine Überraschung, wenn der kolportierte Verlust nur die Spitze des Eisberges darstellen würde, da nicht auszuschließen ist, dass man sich zu lange an der eigenen Currency-Harvest-Strategie berauscht hat und dabei hochkomplexe makro- und polit-ökonomische Wechselwirkungen unterschätzte.
    .
    Da die Deutsche Bank ähnlich wie bspw. JP Morgan in der Vergangenheit auch immer gern den Teich kreativer Optimierung kommunaler Finanzen abgefischt hat, bleibt abzuwarten, ob auf Sicht in manch kommunalem Haushalts-Dickicht nicht auch noch Prozess-Risiken lauern.
    .
    Wie zwischenzeitlich bekannt wurde, steht als Folge der Wechselkursfreigabe zwischen Franken und Euro u.a. die Stadt Essen nun on top des bereits vorhandenen Scherbenhaufens vor einem finanziellen Super Gau, wobei derzeit jedoch noch nicht bekannt ist, welchen wohlmeinenden Beratern die kommunalen Zocker auf den Leim gegangen sind.
    .
    Doch damit nicht genug
    Vor knapp einem Jahr hatten sich die Stadtkämmerer von Dortmund, Essen, Herne, Remscheid, Solingen und Wuppertal unter Anleitung von Deutsche Bank, Helaba und HSBC entschlossen, mit einer gemeinsamen Anleihe in Höhe von € 400 Mio an den Kapitalmarkt zu gehen. Der Emissions-Erlös floss zu 28% nach Essen, zu je 20 % nach Dortmund und Wuppertal und zu 18 % nach Remscheid. Etwa 93 % des Volumens wurden Medienberichten zu Folge von Sparkassen, Banken und Versicherer gezeichnet.
    Es darf angenommen werden, dass im Zuge der geschilderten Verwerfungen diese Kommunalanleihe vor Kurskorrekturen steht, was bei den institutionellen Anlegern auf Sicht zu Wertberichtigungen führen könnte.
    .
    Nach bisher unbestätigten Informationen sollen mindestens 150,000 Österreicher, 500,000 Polen und eine nicht näher quantifizierte Anzahl von Ungarischen Kreditnehmern besonders heftig am carry-trade-Kuchen genascht haben und nun unter erheblichen Magenverstimmungen leiden.”
    Sofern der von Ökonomicus kolportierte Sachverhalt halbwegs der Wahrheit entsprechen,
    stellen sich die folgenden Fragen:
    Sollten alle diese Folgen von den Entscheidungsträgern der SNB nicht bedacht worden sein?
    Weil nicht bekannt?
    Oder weil von dritter Seite erpressbar?
    Denn das Handeln der SNB wirkt wie ein finanztechnischer Terroranschlag auf die Bankenlandschaft Zentraleuropas.
    Die Schweizer sind seit Jahrhunderten vollkommen neutral, was ihrem Volk sehr gut bekommen ist. Und nun ruinieren sie nicht nur ihre eigene Glaubwürdigkeit (noch vor 14 Tagen bestätigte die SNB Spitze ihr Festhalten am Kurs von 1,20 CHF) sondern beschädigen auch noch ihre wichtigsten Handelspartner Deutschland und Österreich!!).
    So etwas tut man eigentlich nur, wenn einem selbst das Wasser bis zum Hals steht oder einem ein Dritter den geladenen Revolver an den Kopf hält.
    Was also steckt wirklich hinter allen diesen Aktionen, die gar nicht notwendig waren?
    Viele Grüße Bubblegum

  • Bubblehum - 19. Januar 2015

    @Christoph,

    Hallo Christoph,
    vielen Dank für die Antwort. Simple Frage:
    wie lassen sich diese Größen im Zeitalter von Schattenbanken und Dark-Pools erfassungstechnisch sauber auseinanderhalten?
    Viele Grüße Bubblegum

  • Christoph - 20. Januar 2015

    Hallo Bubblegum, das müsste nach der Unterscheidung Bank/Nichtbank und nach Finanzierungsinstrumenten (http://www.oenb.at/Statistik/Standardisierte-Tabellen/gesamtwirtschaftliche-finanzierungsrechnung/finanzierungsinstrumente.html) grundsätzlich möglich sein, falls du mit Größen theoretisch fiat- und nicht-fiatvermehrende Instrumente meinst. Wichtig ist, nicht jeder Bankkredit schafft zusätzlich “Geld”. Es hängt davon ab, ob ein Dritter damit offene Bankkredite tilgt oder nicht. Insofern auch http://de.wikipedia.org/wiki/Kredittheorie. Werden in Summe mehr Kredite getilgt als neu aufgenommen, wird “Geld” vernichtet = negative Nettokreditaufnahme: http://de.wikipedia.org/wiki/Nettokreditaufnahme. Und, ob eine Bank Kredit schöpfen kann oder nicht (ohne selbst Kredit zu nehmen) hängt davon ab, inwieweit eingeräumte Verbindlichkeiten (gegen sich selbst) gegenüber Kreditnehmern bei ihr letztlich verbleiben (“Kreditgewährung im Gleichschritt” ist nicht für alle möglich, insbesondere nicht für kleinere Banken in Zahlungsbilanzdefizitstaaten), nicht schlagend werden (“Clearing”). Die Saldenmechanik basiert übrigens auf der Kreditmechanik. Viele Grüße Christoph