134,143 Mrd. Euro bei spanischen Kreditinstituten im Zahlungsverzug

von am 19. Januar 2012 in Allgemein

Gestern berichtete die spanische Zentralbank (Banco de España) die monatlichen Daten der spanischen Kreditinstitute zu den “Data on Doubtful Loans” für November 2011. Die Zahl der säumigen Kredite und Darlehen mit mehr als 90 Tagen im Zahlungsrückstand stieg weiter auf 7,51% aller vergebenen Kredite der spanischen Banken. Die 7,51% aller Kredite im Zahlungsrückstand waren die höchste Rate seit 17 Jahren. Diese Rate entsprach einem neuen Rekordkreditvolumen im Zahlungsrückstand von 134,143 Mrd. Euro, bei einem Gesamtvolumen von 1,785 Billionen Euro an vergebenen Krediten und Darlehen.

Die Entwicklung der säumigen Kredite und Darlehen mit mehr als 90 Tagen Zahlungsrückstand seit Januar 1999 im Chart. Im November 2011 stieg das Kreditvolumen im Zahlungsrückstand auf 134,143 Mrd. Euro, nach 131,907 Mrd. Euro im Vormonat und nach 104,681 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Quelle Daten:  Bde.es/Data on Doubtful Loans

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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14 KommentareKommentieren

  • Roland - 20. Januar 2012

    Und schon wieder ist ein Danke fällig an querschuss für diese hochinteressante Graphik.

    • Roland - 20. Januar 2012

      Der chinesiche PMI der HSBC (Befragung) Januar ist mit 48,8 weiterhin bedenklich.
      Die chinesiche Regierung lässt daher den 5 größten Banken eine Ausweitung ihrer Kreditausreichungen um 5% im 1.Quartal 2012 zu – und steuert gegen die weiter fallende Wirtschaftsdynamik.

      • Roland - 20. Januar 2012

        Anekdotisches aus Süd-Korea:
        Nachdem die Aufträge für Massen-Frachter (Ol, Container) bei den koreanischen Schiffbau-Riesen um 23 % rückläufig waren, wird in diesem Jahr 12 % weniger Stahl bestellt werden.

        Die Konkurrenz unter den Stahl-Produzenten weltweit wird härter. Die Preise fallen.

        • dank - 20. Januar 2012

          @ Roland
          Danke für die ganzen Infos, die Du lieferst. Würde gern das ein oder andere davon genauer nachlesen – jeweils ein Link (oder eine Quellenangabe) zu den News wäre interessant.

        • Canpichurri - 20. Januar 2012

          Bei den Kunststoffen sehe ich derzeit gegenläufige Tendenzen. Weltweit erhöhen sich die Preise gerade.

          • Roland - 20. Januar 2012

            Die Kunststoffe hängen an der Entwicklung des Ölpreises.
            Außerdem muss man hier Substitutions-Effekte herausrechnen.
            Kein ganz einfacher Indikator.

            Besser das hier z.B.:
            Im extrem exportabhängigen Taiwan ist die Industrieproduktion im Dezember 2011 zum Vorjahresmonat ums satte 8,15 % eingebrochen.
            Das war selbst für Viele, die die Krise kommen sehen, überraschend heftig.

  • Georg Trappe - 20. Januar 2012

    Ergaenzend um das Bild abzurunden:

    “Von den größten Euroraum-Ländern hatte Spanien im April 2007 mit 22,7 % die mit Abstand höchste Jahreswachstumsrate in diesem Segment, während sich der Durchschnitt des Euroraums zu diesem Zeitpunkt bei 10,4 % befand. Den Höhepunkt des Kreditwachstums an Nichtbanken hatte Spanien bereits im September 2006 mit 26,2 % erreicht. Ausgehend von diesem Wert reduzierte sich die Jahreswachstumsrate der Kreditvolumina an Nichtbanken in Spanien auf –1,7 % im Jänner 2010.

    Spaniens Anteil am gesamten aushaftenden Volumen von Krediten an Nichtbanken im Euroraum ist mit 17,1 % am ehesten mit Frankreich, das 18,3 % besitzt, zu vergleichen. In Frankreich begannen die Wachstumsraten jedoch erst ab Ende März 2008 von 15,1 % auf –1,6 % im November 2009 zu sinken.”

    http://www.oenb.at/de/stat_melders/statistische_publika/Finanzinstitutionen/entwicklung_des_kreditvolumens_an_nichtbanken_im_euroraum.jsp

    Kreditwachstum von 26% YoY und keiner merkt was. Dann schnalzt das Ding innerhalb von gut 3 Jahren auf -1,7% zusammen und man wundert sich das nun die Zahl der Kredite, die in Schwierigkeiten kommen explodiert.

    Halleluja!

    GT

  • kurzdump - 20. Januar 2012

    Es ist bemerkenswert wie viele Charts, deren Einheit der Y-Achse eine Währung ist, mit einer Exponentialfunktion korrelieren.
    Das sieht nicht gut aus. Wollen wir hoffen dass die Exponenten dieser Funktionen (zB Zins) zumindest konstant bleiben und nicht selbst einer Exponentialfunktion folgen…

    • Georg Trappe - 20. Januar 2012

      Wieso? Ein Wirtschaftssystem, das nur funktioniert, wenn es “endlos” waechst, produziert genau das. Ist so gewollt und von Nobelpreistraegern der sog. Wirtschaftswissenschaften und den Eliten in Politik und Wirtschaft als alternativlose und beste aller Moeglichkeiten abgesegnet.
      Muss also funktionieren, oder?

      • kurzdump - 20. Januar 2012

        Ja Georg, aber meinem Verständnis nach nur dann wenn die Realwirtschaft im gleichen Maße wie die Geldmenge wächst.

        Die Problematik ist die, dass bei schrumpfender Realwirtschaft die Ausfallrisiken für Investitionen steigen und diese hauptsächlich über den Zinssatz abgedeckt werden können. Zins auf Investition und Wachstum der Realwirtschaft konvergieren nicht mehr sondern divergieren in immer stärkerem Ausmaß.

        Das bedeutet dass entweder
        a) Die Geldmenge wachsen muss um den steigenden Zins zu ermöglichen oder
        b) Die Wirtschaft dem Zins entsprechend wachsen muss oder
        c) Die Geldmenge auf das Niveau der Wirtschaft zusammenbrechen muss

        Ich sehe momentan nur a) und “das sieht nicht gut aus”.

        • Georg Trappe - 21. Januar 2012

          Ich haette meinen Sarkasmus vielleicht besser als solchen markieren sollen.
          Also jetzt im Ernst und ohne Sarkasmus:

          Es gilt: von nix kommt nix. Um Ansprueche am realen BIP anzumelden gibt es im wesentlichen drei Methoden:

          1.) Arbeit > Lohn
          2.) Eigentum am realen und zur Verfuegeung gestellten Kapital (Immobilien, Firmen, Anlagen etc.) > Mieten, Pachten, Dividenden
          3.) Geld > Zinsen

          Alle drei Komponenten sind in einer arbeitsteiligen, ausdifferenzierten Wirtschaft erforderlich, um ein reales BIP zu erzielen. Die Aufteilung dieses realen BIPs auf die Beitraeger ist eine Machtfrage, die durch eine “Merkwuerdigkeit” gepraegt ist. Sowohl Arbeit als auch reales Kapital sind dissipativ, d.h. an allem Realen nagt der Zahn der Zeit und vernichtet, wenn auch mit stark unterschiedlichen Zeitkonstanten, das Ergebnis. Nur Geld, einmal in die Welt gesetzt, bleibt erhalten und fordert sogar seine endlose Vermehrung ueber den Zins. Dein Punk (a).
          Damit entsteht ein Problem. Und das sieht wirklich nicht gut aus.
          Die Vorstellung man koenne das Geld per Zinspolitik wieder zurueck in die Tube locken funktioniert nicht. Zu Beginn des Desasters hat Bernanke dies versucht, in dem er die Zinsen massiv angehoben hat. Wird merkwuerdigerweise in der ganzen Diskussion so gut wie nie erwaehnt. Dadurch verflachte das sich bereitsabschwaechende Wachstum des Notenbankgeldes (Base Money), was die Banken zwang ihre expansive Kreditvergabe ebenfalls zurueck zu fahren. In dem Moment als das Wachstum des Basemoney gegen Null lief und die Zinsstrukturkurve begann sich merklich zu invertieren ging Lehman Pleite und Bernanke konnte garnicht schnell genug Basemoney in den Markt pumpen um ein totalen Kollaps zu vermeiden.
          Siehe auch diese Grafik:
          http://www.chartingstocks.net/2009/03/chart-of-the-us-money-supply-1917-2009/

          Seitdem herrscht Ratlosigkeit intensiv getarnt durch eine Labyrinth von Meinungen, Theorien und jede Menge Hokuspokus.

          Was passiert, wenn einer zuvor per extrem expansiver Kreditvergabe “boomenden” Wirtschaft in kuerzetser Zeit der Geldhahn zugedreht wird zeigt das Beispiel Spanien:

          134,143 Mrd. Euro bei spanischen Kreditinstituten im Zahlungsverzug

          Dort war das Kreditvolumen in der Spitze um sage und schreibe 26% gewachsen. Innerhalb von 3 Jahren schnalzte diese Zahl auf -1.3% zusammen. Und nun kommen natuerlich die ausstehenden Kredite zunehmend in Schwierigkeiten, weil das durch diese extreme Kreditvergabe befeuerte reale Wachstum natuerlich auch zusammen bricht und dies ein erhoehtes Risiko fuer die bestehenden Kredite signalisiert = hoehere Zinsen erzwingt.
          Also der klassische Fall einer eskalierenden Mitkopplung, die in beide Richtung funktioniert.

          Das Ganze in eine Eurokrise oder gar Staatschuldenkrise umzuetteketieren ist eine gnadenlose Frechheit. Denn waeren die Staaten nicht eingesprungen und haetten per Staatsschulden, Stuetzungen und Stimulusprogrammen der radikalen Abnahme des zuvor irrsinnigen Kreditwachstums daempfend entgegengewirkt, dann waere es zu einem Kollaps gekommen, der die Aussmasse der Weltwirtschaftskrise des vergangen Jahrhunderts ohne weiteres haette uebertreffen koennen. Den Staaten das jetzt vorzuwerfen ist an Dreistigkeit kaum zu ueberbieten. Denn es waren die Banken, die diese irrsinnige Kreditexpansion betrieben haben. Die Banken haben kreditfinanzierten Konsum als Investition verkauft.
          Schulden die uneinbringbar werden, sind aber das genaue Gegenteil.
          Die Staaten und ihre Politiker trifft aber in soweit eine Mitschuld, als das sie diesem Spiel im Glauben an die Allchemie der selbsternannten Master of the Universe und ihren Nobelpreis dekorierten Gehilfen aus den sog. Wirtschaftswissenschaften tatenlos zugeschaut haben oder es per angeblich alternativloser neoliberaler Wirtschaftspolitik sogar gefoerdert haben.

  • mitwisser - 20. Januar 2012

    Diese schreckliche Kurve hat noch lange nicht ihren Scheitel erreicht. In Spanien ist die Eigenheimquote deutlich höher als in vielen Ländern, auch im Vergleich zu Deutschland und kaum einer wohnt zur Miete. Häufig gings gleich von den Eltern oder der WG ins kreditfinanzierte Eigenheim. Unterlegt mit magerem Eigenkapital und der Annahme von 2 Gehältern.
    Das ganze überwiegend mit kurzfristiger Zinsbindung, weil die langfristigen höher waren. (Ganz dumm waren die Banken dort wohl nicht.)
    Trotz verzweifelter Versuche die Immobilienpreise zu stützen, schmieren diese weiter ab und haben ihren Scheitel noch nicht erreicht. Wenn nun noch eine europäische oder gar globlae Rezession kommt, was anzunehmen ist, dann geht das auch noch mindestens 2 Jahre weiter. (Möglicherweise haben wir (und die dort) bis dahin aber ganz andere Probleme zu bewältigen.
    Ergo: steigende Hypothekentzinsen, kombiniert mit enormer Arbeitslosigkeit bei wenig staattlicher sozialer Sicherung bzw. Lohnkürzungen auf breiter Front und weiter fallenden Immobilienwerten ergibt einen grossen Kreis an Betroffenen, denen noch die Luft ausgehen wird.
    Andererseits war es auch ein Unding wie landauf landab die Urbanizaciones aus dem Boden schossen. Mir tats in den Augen weh und war mir auch früher schon ungeheuer und kein nachhaltiges Wirtschaftsmodell.

  • der Bauer vom Hunsrück - 20. Januar 2012

    eine “kur- bzw. mittelfristige” exponentialfunktion führt unter “natürlichen” bedingungen, bspw. Populationswachstum, langfristig immer zu einer Sägezahnfunktion und dann auch noch meist bis zum Anfangsniveau des vorherigen sägezahns, so dass sich langfristig keine exponentilafunktion mit sägezahnmuster herausstellt.

    wohlgemerkt unter “natürlichen” bedingungen. wir menschen scheinen uns mit unseren wissenschaften davon entfernen und der “natur” ein schnäppchen schlagen zu wollen. das kann m. E. in diesem geschlossenen “natur” system erde nicht funktionieren.

    das festhalten an der wachstumsideologie führt, wie auch immer diese ideologie geartet sein mag, zum tod des gesamten sytems und das system ist der globus. berücksichtigt man noch, dass wir ja nur in den betriebswirtschaftlich relevanten bereichen, realtiv moderate wachstumsraten haben, in anderen wie bspw. waste, ganz erhebliche, so solten wir uns nicht wudndern, dass das system kollabiert, obwohl anscheinend noch alles in ordnung zu sein scheint. folglich muß man sich auch nicht wundern, dass die krise niemand hat kommen sehen, der fokus richtete sich ja ausschließlich auf BWL/VWL ZDF auf nicht mehr.

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