46,268 Millionen Food Stamps Bezieher

von am 5. Dezember 2011 in Allgemein

Ein eindeutigen Hinweis, dass es richtig und notwendig ist die US-Arbeitsmarktdaten kritisch zu beleuchten und die miese statistische Qualität offenzulegen, liefern die Daten des US-Landwirtschaftsministerium (United States Department of Agriculture). Im September 2011 stieg die Zahl der Lebensmittelmarken-Bezieher um weitere +430’434 zum Vormonat an, nach bereits +492’351 zum Vormonat im August, auf nun skandalöse 46,268257 Millionen! In Hunderttausendern Blöcken steigt Monat für Monat die Zahl der Bedürftigen und dies legt die miese Qualität der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA offen.

Der Anstieg der Lebensmittelmarken-Bezieher auf Monatsbasis seit Januar 2001 im Chart. 46,268 Millionen US-Bürger bezogen im September 2011 die moderne Version der Food Stamps, Lebensmittel per Kreditkarte für durchschnittliche 135,35 Dollar pro Person im Monat, auf Basis des staatlichen Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP).

Nur seit Januar 2008 ist die Zahl der Food Stamps Bezieher um +18,680 Millionen gestiegen! Aktuell beziehen 14,8% der Gesamtbevölkerung im imperialen PIGS staatliche Lebensmittelhilfen!

Im September 2011 betrugen die Kosten für das SNAP-Programm, ohne den Verwaltungsaufwand, 6,262 Mrd. Dollar, ein neues Allzeithoch. In den ersten 9 Monaten 2011 kumulieren sich die direkten Kosten bereits auf 54,333 Mrd. Dollar! Im Gesamtjahr 2011 könnten die Kosten für die Food Stamps 72 Mrd. Dollar erreichen, 2010 betrugen die Ausgaben der staatlichen Armutsversorgung für Lebensmittel 64,705 Mrd. Dollar! 2009 waren es 50,359 Mrd. Dollar und 2008 “nur” 34,608 Mrd. Dollar.

Und die Dunkelziffer der Bedürftigen könnte noch weitaus höher liegen. Denn um in den “Genuss” der Kreditkarten für Lebensmittelausgaben zu kommen, müssen arbeitsfähige Erwachsene zwischen 16 und 60 Jahren den Nachweis erbringen, dass sie Arbeit suchen und bereit sind bestimmte Arbeiten zu akzeptieren. Die Millionen entmutigten Arbeitnehmer, die aufgegeben haben einen Job zu suchen, fallen wie in der Arbeitslosenstatistik (U-3 komplett und bei der breiter gefassten Arbeitslosenrate U-6 nach einem Monat) auch bei SNAP durchs Netz. Erwachsene zwischen 18 und 50 Jahren ohne Kinder können generell nur maximal 3 Monate SNAP, innerhalb eines 36 Monatszeitraumes beziehen. Als Voraussetzung für SNAP wird die Armutsgrenze herangezogen.

Die beziehbaren Lebensmittel der Armen sind stark reglementiert. Bier, Wein, Alkohol, Zigaretten, Tabak, Tiernahrung, Kosmetikprodukte, Medikamente, Vitamine, Restaurants, selbst Fast Food-Lokale sind vom Bezug ausgeschlossen.

Im Jahr 2010 war nach Angaben des USDA das durchschnittliche Haushaltseinkommen eines SNAP-Haushaltes (durchschnittlich 2,2 Personen) beschämend niedrig und betrug nur 731 Dollar Brutto. 41% aller SNAP-Programm Teilnehmer lebte in einem Haushalt, der über einen Arbeitsplatz verfügte, aber zu geringes Einkommen generierte. Immerhin 20% aller Haushalte erzielte 2010 gar kein Einkommen, im Jahr 1990 waren nur 7% aller Haushalte ohne Einkommen. Über die staatliche SNAP-Hilfe wurden bei einem durchschnittlichen Haushalt bis zu 28% der Einnahmen generiert.

Die Daten der Lebensmittelmarkenbezieher korrespondieren sehr gut mit den 46,180 Millionen US-Bürgern die 2010 unter der Armutsgrenze lebten, die höchste Zahl seit Beginn der Datenerhebung vor 52 Jahren durch das Statistische Bundesamt der USA, das U.S. Census Bureau. Die offizielle Armutsquote stieg im Jahr 2010 auf 15,1%. Erweitert man den Begriff Armut auf 125% der offiziellen Armutsgrenze, dann waren sogar 60,443 Millionen US-Bürger bzw. 19,8% der Bevölkerung als arm zu klassifizieren!

Reloaded: Daten der Schande vom U.S. Census Bureau
 
Die USA sind zweifellos eine völlig degenerierte Markwirtschaft, wo die Interessen des Finanzkapitals, der Banken und der Wall Street diametral den Interessen des Gemeinwohls zuwider laufen und die ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung im Wege steht. Beschämende Food Stamps pflastern den Weg der USA ins 21. Jahrhundert.
 

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