Abwärtspirale und Proteste in Griechenland, Spanien und Portugal – von unbedachten Bürgern und uneinsichtigen Premiers

von am 27. September 2012 in Allgemein

“Wir wissen, was wir tun müssen, und da wir es wissen, tun wir es”, sagte jetzt Spaniens konservativer Ministerpräsident Mariano Rajoy und ergänzte, die spanische Regierung verfolge eine klare ökonomische Strategie. (1) Heute will er seinen Haushaltsentwurf für 2013 vorstellen. Vorgestern hatte es bei Protesten gegen seinen Sparkurs gewaltsame Auseinandersetzungen gegeben. Bei erneuten Protesten tausender Spanier in Madrid blieb es gestern friedlich.

Massenproteste in Spanien, Massenproteste in Portugal, Massenproteste in Griechenland.

Das ist die identische Reaktion auf einen in identischer Weise verfolgten, aber keine Verbesserung, sondern eine weitere Verschlechterung der Lage bewirkenden und deswegen wieder und wieder verschärften austeritätspolitischen Kurs. Ob dies mit oder ohne den Druck der sogenannten Troika geschieht, die die Sparanstrengungen in jenen Staaten erzwingt, die aufgrund ihrer hohen Staatsverschuldung und des Drucks der Finanzmärkte finanzielle Hilfen der Euro-Gruppe in Anspruch nehmen mussten, bleibt sich gleich.

In Spanien beläuft sich das Haushaltsdefizit für die ersten acht Monate auf 50,1 Milliarden Euro oder 4,77 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das sind 23,8 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Damit liegt es bereits jetzt deutlich über der mit der Europäischen Kommission vereinbarten Marke von 4,5 Prozent. (2) In Griechenland lag das Haushaltsdefizit für die ersten acht Monate bei 12,5 Milliarden Euro, was deutlich weniger als die für diesen Zeitraum anvisierten 15,2 Milliarden Euro und ein Drittel weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum ist. (3)

Für das erste Halbjahr 2012 wird das Haushaltsdefizit Portugals jetzt auf 6,7 bis 7,1 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt, so dass die Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho das mit der Troika für 2012 vereinbarte Defizitziel von 4,5 Prozent des BIP verfehlen wird. (4) Noch im Juli hatte die Regierung für das erste Halbjahr angegeben, die Ziele zu erfüllen. Allerdings war ihr dies nur deswegen gelungen, weil sie – wie schon in 2011 (6 Mrd. Euro) – Gelder (2,7 Mrd. Euro) aus privaten Rentenfonds in die Staatskasse verschoben und die Staatsausgaben um 2,2 Prozent gesenkt hat. Letzteres hat sie vor allem bedingt durch die Streichung des Urlaubs- und Weihnachtsgelds im öffentlichen Dienst erreicht. Diese Maßnahme wurde jedoch vom portugiesischen Verfassungsgericht wieder gekippt und damit ist auch das Defizitziel nicht mehr zu halten. (5)

Auf der anderen Seite befindet sich die Wirtschaft in Spanien, Portugal, Griechenland und auch die des ebenfalls Austeritätspolitik betreibenden Italiens auf Talfahrt. Die Arbeitslosigkeit erreicht in allen drei Ländern immer neue Rekordhöhen. Mit einer Arbeitslosenquote von über 25 Prozent liegt Spanien europaweit an der Spitze der Krisenstaaten. Mit über 24 Prozent sieht es in Griechenland kaum besser aus. Wachstumsprognosen erweisen sich in den Krisenländern durch die Bank ein ums andere Mal als viel zu optimistisch und müssen nach unten korrigiert werden. Zuletzt hatte Italiens Regierung ihre Prognosen für das Wachstum in 2012 von -1,2 auf -2,4 Prozent und für das Haushaltsdefizit in 2012 von 1,7 auf 1,8 Prozent der Wirtschaftsleistung korrigiert. (6)

Die Binnennachfrage bricht in allen angesprochenen Volkswirtschaften durch die die Kaufkraft der breiten Bevölkerung empfindlich reduzierenden Einschnitte ein. Die düsteren weltwirtschaftlichen Perspektiven kommen verstärkend hinzu. Die Steuereinnahmen steigen trotz neuer Steuern und Steuererhöhungen nicht oder nicht schnell genug, um den Rückgang der Wirtschaft, der sich bei den Staatseinnahmen niederschlägt, zu kompensieren oder wenn doch, dann mit Tricks. Die griechische Regierung erreicht dies, indem sie offene Rechnungen einfach nicht mehr begleicht. Inzwischen sitzt die Regierung Samaras auf 6,7 Milliarden Euro unbezahlter Rechnungen. (7)

Niemand kann vor diesem Hintergrund noch wirklich ernsthaft den Zusammenhang zwischen Krisenpolitik und der sich verschlechternden realwirtschaftlichen Situation sowie der sich nicht oder kaum verbessernden Schuldensituation leugnen.

Die jüngsten Massenproteste in Griechenland, Portugal und Spanien sind nicht Ausdruck mangelnder Bereitschaft, Einschnitte zu akzeptieren. Sie sind eine Reaktion darauf, dass die austeritätspolitische Rechnung, sich gesund und wieder in den Wohlstand zu sparen, nicht aufgeht. Und sie sind eine Alarmsignal dafür, dass dieser Kurs viel mehr zu kosten beginnt, als sich in Geldeinheiten ausdrücken lässt, nämlich den sozialen Frieden in den Krisenstaaten und den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhalt Europas.

Dass Regierungen in Schuldenstaaten offensichtlich nicht verstehen, sich gegen diesen von der Troika geforderten Kurs wirksam zu wehren und eine erfolgversprechendere Alternative zu entwickeln und auch zu verhandeln, ist fatal. Wenn jedoch Regierungspolitiker wie beispielsweise Spaniens Premier Rajoy, der nicht unter dem Diktat der Troika steht, immer noch davon überzeugt sind, nur Austeritätspolitik führe zum Erfolg, dann gibt es dafür keine rationale und akzeptable Erklärung mehr. Denn es heißt nichts anders, als den volkswirtschaftlichen Niedergang für alternativlos zu erklären – und das haben viele stark betroffene Bürger inzwischen erkannt.

Spätestens an diesem Punkt müssen sich jedoch Wähler überall die Frage gefallen lassen, warum sie diese Politiker überhaupt in die Verantwortung gewählt haben. Waren sie vor der Wahl andere Menschen mit anderen Kenntnissen und Überzeugungen? Denn jene Politiker erst jetzt als „blindwütig“ zu erkennen ist ein Hinweis darauf, wie unbedacht viele Bürger ihre Wahl getroffen haben müssen. „Alternativlosigkeit“ ist auch in diesem Fall keine akzeptable Erklärung. Wähler sind für ihr Land genauso verantwortlich wie die gewählten Politiker. Das ist für beide kein leichter Job, ganz besonders in Krisenzeiten nicht. Qualifizierung ist ausschlaggebend – auf beiden Seiten.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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56 KommentareKommentieren

  • Futur - 27. September 2012

    Vielen Dank, SLE.

    Aus gegebenem Anlass, und weil sich die Ereignisse zuspitzen:
    https://rt.com/news/spain-mass-protests-austerity-046/

    Es gibt kein übergeordnetes Konzept, welches die Krise lösen könnte. Deshalb ist es richtig, schnelle und praktikable Lösungen zu finden. Es ist definitiv Zeit zum Handeln.

    Der österreischiche Wirtschaftsprofessor Malik (St. Gallen!/ CH) hat den offiziellen Auftrag erhalten, Griechenland zu sanieren: https://blog.malik-management.com/

    Er ist überzeugt, dass seine Methode auf der Ebene der National-Staaten, innerhalb weniger Monate zu einem eklatant verbesserten Funktionieren der gesamten Gesellschaft führt. Prof. Malik geht davon aus, dass mit seinen Methoden und Tools Griechenland innerhalb von 12 Monaten auf den “Pfad der Gesundung” gebracht wird.

    Die Theorie von Prof. Malik basiert auf der Wissenschaftstheorie von Karl Popper, deshalb weiß ich auch ungefähr, wie die Umsetzung stattfinden wird. Da Malik in Griechenland aktiv ist, wäre es sehr sinnvoll auch Spanien zu helfen.

    Meine Vorschläge für Spanien sind folgende:

    1. Alle guten, typischen spanischen Produkte werden mit dem Label ” TransSpain” analog zu “TransFair” vermarktet.

    2. Land wird für 99 Jahre an internationale Touristikunternehmen verpachtet.

    3. Einige der vielen leerstehenden Wohnkomplexe werden zu hochwertigen Seniorenresidenzen,
    mit vielen Serviceangeboten, umgebaut.

    4. Eine Wirtschaftsplattform wird im Netz eingerichtet. Vorschläge zu innovativen Produkten und Dienstleistungen werden gesammelt und anschließend von Ökonomen falsifiziert!.
    Dann wird bei der direkten Umsetzung geholfen.

    Das wären ein paar Ideen, die schnell, effizient und ohne viel Geld umgesetzt werden können.

    Viele Grüße
    Futur

    • Lothar - 27. September 2012

      1) Schon aufgefallen das das dies laeuft, seit 6 Monaten gibts massenhaft griechische und spanische Angebote und sogar eigene Sortiments Wochen bei ALDI.

      2) Wieso soll das Geld nach Spanien bringen und nicht an die internationalen Touristikunternehmen?

      3) Das war ja das urspruegliche Ziel des Florida am Mittelmeer, nur klappt es nicht, wegen Sprache und weil es nicht soviele reiche Senioren in Europa gibt.

      4) Hahaha, du meinst ein Spainbook. Klar.

      Ich hoffe ich mache mich mit der Antwort nicht zum Deppen weil ich wiedermal die impliziten Sarkassmus Tags nicht gesehen habe. Aber ich fuerchte fast du meintest das wirklich ernst.

      • Futur - 27. September 2012

        Hallo Lothar,

        natürlich meine ich das Ernst. Allerdings kann ich das ja nicht alleine umsetzen. Außerdem ist das ja nur ein Anfang, da ja auf der Wirtschaftsplattform viele Ideen gesammelt werden können.

        Zu 1) Ich kaufe selber bei Aldi ein. Das Sortiment, welches landestypische Produkte anbietet, gibt es immer nur sehr kurze Zeit. Dann bin ich durch die Geschäfte gelaufen, und habe nach griechischem Schafskäse gesucht. Völlig unerwartet gibt es den nur in einem einzigen Geschäft.
        Ich kaufe doch auch TransFair- Produkte, also bin ich auch gerne bereit eher mal einen “TransSpain” Wein zu kaufen.

        Zu2) Weil die Investoren nur investieren, wenn sie über das Land verfügen können. Spanische Touristikunternehmen haben doch schon investiert, oder nicht?

        Zu3) Florida ist zu weit weg und eignet sich nicht (Zeitumstellung) als Zweitwohnsitz. Es gibt sehr, sehr viele leerstehenden Wohnkomplexe in Spanien. Die Sprachprobleme sind lösbar und die Seniorenresidenz muss nur billiger als z.B. ein deutsches Altersheim sein.

        Zu4) Was hat eine Wirtschaftsplattform mit einem Ramsch-Portal zu tun? Es geht darum, die Schwarmintelligenz auszunutzen. Wer weiß denn besser als der Konsument vor Ort, was er braucht und wofür er sein Geld ausgeben will? Du willst nur nicht zugeben, dass die Idee genial ist, oder!

        Hast du denn bessere Ideen? Komm bloß nicht mit der Peseta an!

        Beste Grüße
        Futur

  • unglaublich - 27. September 2012

    http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-rettungsinsel

    Das ist die finnische Variante wie man als Politiker zum Helden werden kann.
    Es braucht nicht mehr als Balls of Steel in der Hose, einen gesunden Patriotismus und einen
    ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

    Wie ich vor einiger Zeit gelesen habe, sind noch ein paar finnische Kopfgeldjäger weltweit unterwegs um auch noch den letzten Verantwortlichen im Auftrag des finnischen Staates aufzuspüren.

    Ein sehr symphatisches Völkchen, die Finnen..

    Schöner Beitrag, Herr Eichner 🙂

  • unglaublich - 27. September 2012

    @futur..ist das Ihr Ernst?

    Zitat Futur
    “1. Alle guten, typischen spanischen Produkte werden mit dem Label ” TransSpain” analog zu “TransFair” vermarktet.
    2. Land wird für 99 Jahre an internationale Touristikunternehmen verpachtet.
    3. Einige der vielen leerstehenden Wohnkomplexe werden zu hochwertigen Seniorenresidenzen,
    mit vielen Serviceangeboten, umgebaut”

    das ist Ironie, oder?

    • Futur - 27. September 2012

      @ unglaublich

      Was spricht denn gegen diese Vorschläge?
      (Diese können im Detail noch abgeändert werden).

      Haben Sie andere praktikable Ideen?

      Grüße
      Futur

  • Dierk - 27. September 2012

    @SLE

    “Spätestens an diesem Punkt müssen sich jedoch Wähler überall die Frage gefallen lassen, warum sie diese Politiker überhaupt in die Verantwortung gewählt haben.”

    Die Antwort ist einfach: Die lesen keine Querschüsse.

    Warum sind immer noch 67% der Griechen für den Verbleib im Euro?
    Die Oberschicht hat sicher Grund dafür.

  • unglaublich - 27. September 2012

    “Warum sind immer noch 67% der Griechen für den Verbleib im Euro?”

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=14519

    Alle drei Teile lesen.

    “Der ND-Politiker Vyron (Byron) Polydoras nutzte den einzigen Tag, an dem er als Präsident des nach den Wahlen im Mai 2012 sofort wieder aufgelösten Parlaments amtierte, um seiner Tochter eine feste und gut bezahlte Anstellung in seinem Präsidentenbüro zu verschaffen. Diese Geschichte kam erst im August ans Licht.”

    Ein einziger Tag formal (nicht gewählt) Übergangspräsident —> Töchterchen eingestellt zu einem überhöhten Gehalt.

    Die griechische Regierung, egal wie sie heißt, wird nur und ausschließlich nach dem eigenen individuellen Vorteil gewählt, es gibt zu Recht kein Vertrauen zu den politischen Führern, vermutlich auch nicht untereinander.
    Der Verbleib in der Eurozone – das ist jedem Griechen klar – verhindert Anarchie, Bürgerkrieg, Mord&Totschlag.
    Denn ein zurück in die 80er Jahre ist für die Bevölkerung ausgeschlossen.

    • Lothar - 27. September 2012

      Warum denkst du das ” Anarchie, Bürgerkrieg, Mord&Totschlag.” fuer Griechen in der jetzigen Lage etwas negatives darstellt?

  • Rockefeller - 27. September 2012

    Ihr vergesst mir die Macht der Medien…

  • Thomas - 27. September 2012

    Endlich mal jemand, der es ausspricht. Schuld hat vor allen Dingen der Wähler, der seine Staatspflicht nur darin sieht, alle paar Jahre an die Wahlurne zu schreiten aber ansonsten, vor allen Dingen wie jetzt in der Krise selbst nicht bereit ist etwas zu unternehmen, zu ändern.

    Denn da müsste ja man etwas tun und für was hat man die Politiker gewählt und für was hat man seine Bank des Vertrauens, die auf sein Geld aufpassen soll…

    Es wird sich nichts ändern, da der Bürger nur tatenlos zusieht und deshalb kommt die Krise nun in vollen Zügen auf uns zu…

    Gruß,

    Thomas

    • MoebiusAL - 28. September 2012

      Das scheint mir arg vereinfachend. Was soll der Wähler denn tun? Das Parlament stürmen? Alle korrupten Abgeordneten teeren und federn? Oder sie anzeigen und hoffen, dass die Justiz etwas unternimmt?
      Die Griechen gehen schon auf die Straße. Und vielerorts versuchen sie kleine, lokale Lösungen für ihre Probleme, weil der Staat seinen Aufgaben nicht mehr nachkommen kann. Aber die Politiker zu vernünftigem Handeln zwingen, das können sie leider nicht. Wie sollte das konkret aussehen? Es ist nun mal eine repräsentative Demokratie.
      Also: Was konkret sollen die Wähler tun?

      • Lothar - 28. September 2012

        In Spanien ging es auch darum Volksabstimmungen und direkte Demokratie in die Verfassung aufzunehmen. Daher die Belagerung des Parlaments.

      • SLE - 29. September 2012

        Hallo MoebiusAL,

        auf meinem Blog “Stefan L. Eichner´s Blog” gibt es zur Frage, was man als Bürger/Wähler tun kann, gerade eine interessante Diskussion und auch Anregungen, zum Beispiel die von HansB:

        “Es gibt übrigens auch noch andere Stimmzettel als nur den Wahlschein. Den Stimmzettel “Geld” z.B. könnte (fast) jeder jeden Tag mit Bedacht neu abgeben. Den Stimmzettel “Vertrauen” ebenso. Den Stimmzettel “Information”, also die Entscheidung darüber, welche Informationen ich mir täglich zuführe, ebenso. Mit etwas Nachdenken kommt jeder sicher noch auf andere Stimmzettel, die täglich neu abgegeben werden könnten……”

        Viele Grüße
        SLE

  • titoslavija - 27. September 2012

    bald :
    Massenproteste in Italien, Massenproteste in Frankreich, Massenproteste in Deutschland

  • Alex - 27. September 2012

    Was ist denn das richtige Verhalten nach der Meinung der Redaktion?

    Ich glaube die Unterschiedlichen Betrachtungen kommen von 1. Kenesianisianismus und 2. ‘Limits to Growth’

  • Huthmann - 27. September 2012

    Sehr geehrter SLE,

    im kreditgetriebenen Boom steigen Nachfrage, Preise, Löhne und Gehälter in dieser Reihenfolge. Im Bust sinkt Nachfrage, Preise, Löhne und Gehälter normalerweise auch in dieser Reihenfolge.

    Beim besten Willen halte ich es für nicht nachvollziebar, daß der Boom unendlich geht, aber genauso halte ich es für nicht nachvollziebar, daß der Bust unendlich gehen sollte. Warum? Weil Sie im Boom immer weniger wettbewerbsfähig werden und im Bust immer wettbewerbsfähiger. Warum ist das so? Im Boom werden die Grenzen der Produktionsfaktoren immer deutlicher, im Bust wird deren zunehmende Verfügbarkeit immer deutlicher. Beides führt dazu, daß irgendwann im Boom nicht mehr investiert wird und im Bust irgendwann wieder investiert wird.

    An diesen Gesetzmäßigkeiten können Sie meiner Meinung nach nicht erfolgreich rütteln.

  • Dierk - 27. September 2012

    @unglaublich

    Schöne Zusammenfassung, genau das, was ich hier auch erlebe.
    Kein Grundbuch, dient dem Schutz der Oberschicht, müssen sie so lächerliche Dinge machen,
    und die Imosteuer über den Stromanbieter eintreiben.
    Der ganze Laden ist nicht EU-fähig, und schon gar nicht Euro-fähig.

  • Ert - 27. September 2012

    Für alle Peak-Oil interessierten: http://www.peak-oil.com/2012/09/peak-oil-im-bundestag/

    Das Bundestagsvideo unbedingt anschauen – ab 1:05:00 wirds spannend.

    Gruß,
    Ert

  • JL - 27. September 2012

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner

    Man hätte den hilfesuchenden Blick seitens der „Südschiene“ wohl besser nicht nach Brüssel richten sollen, sondern nach Island. Dessen drei Banken brachen 2009 bereits zusammen als man in Brüssel noch felsenfest der Überzeugung war, daß mit einer einmaligen EU- Hilfe von 16 Mrd. Euro an Griechenland die „vorübergehende Finanzschwäche“ dieses Landes vollumfassend beseitigt werden könne.

    Während aber einerseits isländische Spitzenpolitiker mit England und Holland Verträge abschlossen- wonach der isländische Staat deren Gläubigerforderungen für die zusammengebrochenen Banken begleicht, also sozialisiert werden- verweigerte deren Staatspräsident andererseits die Unterschrift hierzu. Die internationalen Gläubiger mußten also „Bluten“. Dieses „Tun durch Nichtstun“ seitens des isländischen Präsidenten kostete den Regierungsvertretern nicht nur die Regierungsämter, sondern deren Spitzenpolitikern- aber auch mehreren Bankmanagern- eine „Weiterbeschäftigung“ vor Gericht mit zum Teil mehrjährigen Haftstrafen dieser Manager.

    Der Bevölkerung hingegen brachte dieser finanzwirtschaftliche Zusammenbruch zwei harte Jahre mit hoher Inflation bis über 12% und ein Emporschnellen der Arbeitslosigkeit von ca. 1% auf über 7%. Aber auch eine neue Verfassung mit der zwingenden Notwendigkeit von Volksentscheide. (Diese Verfassung wurde übrigens von den 320.000 Isländern wesentlich mitgestaltet)

    Dabei wurden Kürzungen bei den Staatsausgaben- so wie diese heute in Portugal, Spanien und Griechenland, bald wohl auch in anderen Staaten, offenbar die erste „Amtshandlung“ der jeweiligen Regierungen ist- in Island nicht vorgenommen.

    Da eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale so ausblieb, aber auch durch Abwertung der nationalen Währung und Kapitalkontrollen- von der die „EU Südschiene“ nur noch träumen darf- erholt sich die Wirtschaft seit Ende 2010 zwar langsam, aber stetig. Dabei sinkt die Arbeitslosigkeit im entsprechenden Verhältnis zum Wirtschaftswachstum Seit dem. Die Inflationsrate liegt gegenwärtig bei ca. 2,5%.

    Nun könnte man sagen, im Nachhinein sind alle schlauer. Stimmt in diesen aktuellen „EU- Pleite- Fällen“ aber leider nicht, Siehe Staatsbankrott von Argentinien im Jahr 2000. Erst mit dem Rauswurf des IWF aus diesem lateinamerikanischen Land – bei gleichzeitiger Abwertung der Währung und gleichzeitigen Kapitalkontrollen auch dort- ging es langsam wirtschaftlich aufwärts.

    Sehr wohl hat der IWF aber diesen Affront natürlich nicht vergessen. Die Argentinier sind bis auf weiteres- auch wegen der bis heute bestehenden international offenen Gläubigerforderungen- vom weltweiten Anleihegeschäft ausgeschlossen. Diese „Abstrafung“ könnte, mittelfristig, aber auch ein Segen für dieses Land sein.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Wolfgang Waldner - 27. September 2012

    Sehr geehrter SLE,

    Ihre berechtigte Frage, warum die Bürger solche Politiker wählen und diese Verhältnisse dulden, hat schon vor über 100 Jahren ein Johan Most so beantwortet:

    “Weshalb lassen sich denn die dummen Teufel das gefallen! Ja weshalb? Weil sie grösstenteils dermaßen vernagelt sind, dass sie den Raub gar nicht bemerken. Weil ihre Gehirne bis zur Unzurechnungsfähigkeit durch Pfaffen, Schulmeister, Zeitungsschmierer und andere Schädelverpester systematisch gelähmt wurden, so dass sie nicht mehr die Fähigkeit besitzen, allen jenen Schlichen zu folgen, vermöge welchen ihnen die reichen Spitzbuben die Früchte ihrer Arbeit verschleppen.”

    Seit Chile unter Pinochet werden Krisen absichtlich inszeniert, um die Bevölkerung mit dieser “Schocktherapie” an eine härtere Ausbeutung bei niedrigeren Löhnen zu gewöhnen. Dazu treibt man die Staaten mit Sparpolitik oder Hochzinspolitik absichtlich in Krisen und führt dann neoliberale “Reformen” durch. Also Verlängerung der Arbeitszeit, wie jetzt die 6 Tage-Woche in Griechenland und die 13 Stunden-Arbeitstage und die Rente erst ab 67 oder erst ab 70 wie bald in Deutschland.

    Und die Bürger dulden das:

    “Weil sie grösstenteils dermaßen vernagelt sind, dass sie den Raub gar nicht bemerken. Weil ihre Gehirne bis zur Unzurechnungsfähigkeit durch Pfaffen, Schulmeister, Zeitungsschmierer und andere Schädelverpester systematisch gelähmt wurden …”

    Warum jagen wir unsere Politiker nicht morgen aus den Parlamenten und die VWL-Professoren von ihren Lehrstühlen, sondern meinen immer noch, die würden sich irgendwann doch mit den richtigen ökonomischen Argumenten überzeugen lassen? Wie ist es möglich, dass eine SPD sich mit einem Steinbrück heute vor ihre Wähler wagt?

  • klaus - 28. September 2012

    Spanien wird härter zu Katalonien und

    EGAN JONES stuft Spanien runter.

    CC+ nach CC

    http://www.zerohedge.com/news/2012-09-27/egan-jones-downgrades-spain-cc-cc

    Das wäre die 7 Prozent Rendite wohl.

    Gut das der ESM jetzt so gut wie installiert ist.

    Da fühlt man sich gleich sicherer. Oder?

    Nur ich net sooo richtig.

    Gruß klaus

  • klaus - 28. September 2012

    Appropos Wahlen

    100 Prozent Gesamtstimmen

    60 Prozent Wahlbeteiligung
    macht 24 Proz von obigen Hundert CDU/CSU
    macht 22 Proz von obigen Hundert SPD

    Eine 2/3tel Mehrheit von Schwarz/Rot ist Verfassungsändernd.
    Die haben 46 Prozent der Gesamtwählerschaft.

    Dazu ein bischen Wahlmanipulation und Überhangmandate
    und deftigst Wahlwerbung ein Jahr, – schon ist alles Demokratie.
    Vielleicht auch noch Einschüchterung und Drangsalieren im
    Wahljahr dazu?

    Und keiner ist im Stande wirklich mal selbst nach SEINEM
    Geldbeutel zu wählen und seine Unzufriedenheit auszudrücken.
    Vor allem wenn schon vom Fernsehen die Eitelkeit und die
    Selbstbeweihräucherung in die Wanne drunter läuft.

    Und selbsternannte Wahltaktiker ( ParteiDeppen ) rund laufen und
    sagen: “Was soll man den da wählen, die sind doch alle…”.
    Und die guten Wähler bleiben deshalb zu Hause.

    Wem soll man da noch helfen?

    *kopfschüttel*

  • asetzer - 28. September 2012

    Um auf die Frage zur politischen Alternative zu beantworten, und ein wenig Schleichwerbung zu betreieben: Olaf Henkel, die ESM Kläger Starbatty, Schachtschneider und andere haben die “Wahlalternative 2013” (www.wa2013.de) gegründet, um bei der nächsten Bundestagswahl im Verbund mit den Freien Wählern eine ESM- und Eurokritische Alternative zur Verfügung zu stellen.

    Zu Spanien: hat Rajoy eine Alternative zum Sparen ? Der Rettungsschirm wird höchstwahrscheinlich mit mindestens so scharfen Sparauflagen verbunden sein, die Erfahrung zeigt,dass nur ein weiteres Abstürzen der eigenen Wirtschaft mit der Gefahr des Zusammebruchs zu Zugeständnissen der EU führt, also auch hier Parallelen zu Weimar. Aber selbst wenn man den Bestand an Schulden über Schuldenschnitte angreift, löst dies nicht das Problem der Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsdefizite, daher wird es ohne Wohstandsverluste in Spanien wohl nicht abgehen können. Die fehlende Möglichkeit zur Abwertung macht aber viele Eingriffe an unterschiedlichen Stellschrauben nötig, und führt zu diesem Kollateralschaden der abschmierenden Binnenkonjunktur…es führt nichts daran vorbei, der Euro war ein Desaster für Spanien…

  • Wolfgang Waldner - 28. September 2012

    @asetzer

    Es gibt sehr wohl eine Alternative zum Kaputtsparen der Euro-Krisenstaaten: Steigende Löhne und Sozialleistungen in Deutschland und den anderen Überschussländern. Das wollen aber genau die Kreise von Olaf Henkel wieder nicht. Jedenfalls ist mir nichts bekannt, dass Olaf Henkel ein Gegner der Agendapolitik und der Hartzgesetze gewesen wäre, mit denen die SPD und die GRÜNEN in Deutschland das Lohn- und Sozialdumping betrieben haben, das dann die deutschen Exportüberschüsse und die Zwangsverschuldung unserer Handelspartner bewirkt hat.

    Die Kreise um Olaf Henkel würden immer noch am liebsten mit einer Agenda 2020 in Deutschland weitermachen, nur in Spanien und Griechenland sollten die Sparmaßnahmen naach deren Überzeugung halt noch brutaler ausfallen. Also den Henkel wähle ich sicher nicht, die haben nur Angst um das Geld, das sie aus den deutschen Hungerlöhnern herausgepresst haben.

  • asetzer - 28. September 2012

    Hallo Herr Waldner,

    ich habe an gewissen Positionen von Herrn Henkel auch einiges auszusetzen, aber er ist nur einer unter einer großen Gründergruppe dieser Aktion. Die Hartz Gesetze 2001 waren doch eine Schröder durch das Platzen der New Economy Blase, aber auch durch die bekannten schädlichen Effekte des Euro (gewaltiger Kapitalexport aus Deutschland heraus in die EU und Ostblockländer mit entsprechender darbender Innenwirtschaft) aufgezwungene Maßnahme, die man nur zurückdrehen kann, wenn dieser Kapitalexport, der nun durch die Rettungsschirme,und m.M. bei beibehaltenem Euro nicht vermeidbarer Transferunion verstetigt werden soll,gestoppt wird. Insofern ist es wichtig, daß sich normale Bürger in so einer Initiative engagieren, um eine Politik für die breite Masse durchzusetzen.

    • Querschuss - 28. September 2012

      Hallo Asetzer,
      zurückdrehen des Kapitalexportes via Rettungschirme, Target2 usw. reicht als Politik für die breite Masse wohl kaum aus. Ohne diesen Kapitalexport würde der Export in die EU und nach Osteuropa sofort kollabieren, damit auch die Jobs und Einkommen in Deutschland. Zuerst gilt es mal das einseitige deutsche Wirtschaftsmodell aufzulösen, mit einer adäquaten Teilhabe der Arbeitnehmer am Produktivitätsfortschritt, Mindestlöhnen, Verbot von Leiharbeit, zurückdrängen von prekärer Beschäftigung usw. Es muss zwingend der Binnenkonsum angekurbelt werden, möchte man auf Kapitalexport und dem damit dranhängenden Export von Waren und Gütern verzichten.

    • SLE - 29. September 2012

      Hallo asetzer,

      ich halte das wie Steffen für eine zu stark vereinfachendes Problemverständnis. Das Wirtschaftsmodell der Deutschen, dass dasselbe wie das der anderen Industriestaaten ist, funktioniert so nicht mehr. Ich habe das gerade erst auch nochmals in dem letzten Teil (Teil 6) meiner Aufsatzreihe “Einkommens- und Vermögenskonzentration” darzulegen versucht. Sie finden den Aufsatz oben in der Rubrik SLE.

      Die Krise zu überwinden ist deswegen komplexer als von Ihnen angesprochen. Das ist es auch deswegen, weil sich in den Wirtschaftswissenschaften noch keine alternativen Ansätze herauskristallisiert haben, die dafür eine vielversprechende Grundlage bieten. Das war ja, wenn Sie mal zurückdenken, in der ersten Weltwirtschaftskrise auch nicht anders. Wie lange hat es gedauert, bis Keynes Ideen aufgegriffen und die liberalen verdrängt hatten?

      Grüße
      SLE

  • Karin - 28. September 2012

    Hallo Futur!
    ich finde Ihre Einstellung erschreckend. Haben Sie den Unterschied zwischen einem Großkonzern und einem Land wie Spanien überhaupt begriffen? Und ja, ich bin für die Peseta. Und nicht nur das, sondern ich bin für die sofortige Rückkehr zum EWS (Europäisches Währungssystem) mit dem Euro als Parallelwährung. Dann kann jedes Land seinen eigenen Weg aus der Krise finden, mit oder ohne Schuldenschnitt. Nur so besteht die Möglichkeit, daß die Spannungen in der Eurozone abgebaut werden, ohne daß die Länder und damit letztendlich ganz Europa platt gemacht werden, die EU sich auflöst und die Demokratie flöten geht.

    • Futur - 28. September 2012

      Hallo Karin,

      was finden Sie denn konkret so erschreckend? Ich suche doch nur nach praktikablen Lösungen. Die Rückkehr zur Peseta, in der momentanen wirtschaftlichen Verfassung, würde doch direkt einen Dritte-Welt-Status zur Folge haben. Das will selbstverständlich auch kein spanischer Politiker und rausschmeißen geht nicht, egal was in den Medien dazu geschrieben wird.

      Ganz klar, der einzelne Arbeiter, oder Arbeitslose ist erstmal ein Opfer der momentanen Krise. Ihnen muss geholfen werden, dies versucht doch Professor Malik und sein Team. Warum hätte er sonst den Auftrag erhalten, Griechenland zu sanieren?

      Viele Grüße
      Futur

      • Querschuss - 28. September 2012

        Hallo Futur,
        die Platte mit Malik bei ständiger Wiederholung erinnert ein wenig an den Weihnachtsmann.

        • Futur - 28. September 2012

          Hallo Steffen,

          wenn Sie so wie ich, Jahrzehnte auf den “Weihnachtsmann ” gewartet hätten, und fast verzweifelt wären, weil Sie wüssten, dass die induktiven, empirischen & mathematischen Theorien in einer komplexen Welt nicht gültig sein können, dann würden Sie bestimmt auch so reagieren.
          Oder kennen Sie Ökonomen in Deutschland (außer Helmut Schmidt, Peer Steinbrück, Thomas Mayer, Deutsche Bank), die die deduktive Logik von Popper verstehen? (Das klingt arrogant, soll es aber nicht sein!).

          Ich bin wirklich richtig glücklich über Professor Malik, da hat sich dieser Blog schon richtig gelohnt!
          Vielen Dank!
          Futur

          • Pessimist - 28. September 2012

            @Futur

            Bezahlt Sie der ….. Malik dafür, dass Sie hier die Werbetrommel drehen?

            • Querschuss - 28. September 2012

              Hallo Pessimist,
              ich habe ein paar ……verschenkt 🙂

          • Querschuss - 28. September 2012

            Hallo Futur,
            ich möchte dir deine Freude auch nicht nehmen, nur selbst wenn Malik die richtigen Antworten hätte, relevant ist ob man ihn uneingeschränkt agieren lässt und flächendeckend seine Vorschläge umsetzt und spätestens dann sind wir beim Weihnachtsmann, denn wie wahrscheinlich ist das?

          • Pessimist - 29. September 2012

            Lieber Steffen,

            na gut, wenn es unbedingt sein muss, dann ersetze ich …. eben durch ……. geschäftsmachender, weltrettender Glaskugelblicker, der nicht mal für vier Wochen Dow & Co korrekt prognostizieren kann.

            Die zwanghaften und unkorrekten Aktienmarktprognosen des Glaskugelblickers verlinke ich hier bewusst nicht, weil ich für Professor viel heiße Luft hier keine Werbung machen möchte. Wer sich ein Bild machen möchte, findet die Seite von Professor viel heiße Luft auch ohne Link.

            Gruß Pessimist

  • Futur - 28. September 2012

    Das Hauptproblem in den Südländern ist die horrend hohe Arbeitslosenquote.
    In Spanien z.B. sind über 25 Prozent, unter den Jugendlichen über 50 Prozent arbeitslos.
    Hier helfen die bisher bekannten Mittel sowohl der Politik als auch der Ökonomie nicht weiter.
    Denn sowohl eine Beschäftigung im öffentlichen Sektor als auch ein groß angelegtes Konjunkturprogramm kosten Steuergelder.

    Die zentrale Frage ist, wie möglichst kostenneutral neue Arbeitsplätze entstehen können.
    Die Arbeitslosen alleine sind nicht in der Lage, Produkte herzustellen, die in einem Weltmarkt konkurrenzfähig wären.

    Professor Malik, der mit seinem Team in Griechenland helfen soll, ist ein “Anleiter zur Problemlösung”,zur Selbsthilfe. Die Lösungen können nur in innovativen, durchaus unkonventionellen Ansätzen liegen. https://blog.malik-management.com/

    Kein noch so gutes Gesetz, keine ökonomische Theorie vermag in einer solchen Situation,
    Millionen von dringend notwendigen Arbeitsplätzen zu schaffen. Es muss ein Umdenken stattfinden, hin zu einer schrittweisen Verbesserung der Ausgangslage, bekannt auch als “Stückwerk-Technologie” (natürlich von K. Popper).

    Viele Grüße
    Futur

  • Roland M - 28. September 2012

    Das mag stimmen, dass die Austeritätspolitik vorübergehend einige Entzugserscheinungen hervorruft. Aber was ist denn die Alternative? Die Kommentare von Futur zeigen doch eindrucksvoll, wie irrig die Annahme einer möglichen schnellen wirtschaftlichen Gesundung ist und zwar unter keinen Umständen, außer wir ertränken die in Geld.

    Da fehlt meiner Meinung nach fast alles außer Grund und Boden um erfolgreiche Unternehmen zu gründen. Und selbst wenn, dann geht das kaum über Nacht. Uns die Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung anderer EU-Staaten aufzubürden ist absurd, dafür muss erst das gesamte System von Marktwirtschaft zu Sozialismus degenerieren. Das will ich wissen, weil dann halte ich mich auf Arbeit systembedingt konsequent zurück.

    Kurz gefasst hat Griechenland ein vitales Interesse irgendwie im Euro zu bleiben um uns dadurch logischerweise am Zahlen zu halten. Und wenn es am Ende nur 750€ im Monat sind, ist das immer noch besser als der Ausstieg, dann bekommen die zwar auch europäisches Geld, aber um Größenordnungen weniger und ganz ohne Einflussmöglichkeiten.

    In meine Augen fast eine gerechte Strafe für die Prasserei zuvor.
    Irgendein ganz normaler griechischer Opa beklagt sich bitter, dass er seine beiden ETW nicht vermietet bekommt. Hallo!
    Soll ich dafür auch noch Verständnis haben, für eine doppelt so hohe Eigentumsquote in Spanien verglichen mit Deutschland?

    Die Ausgabensünder müssen in kürzester Zeit lernen, mit ihren Einnahmen klar zu kommen, ohne sich zu überschulden. Für die sanfte Tour ist es zu spät. Ausstieg oder eisern sparen.

    Vielleicht bringt die Malik SuperSyntegration Mitte Oktober in Griechenland ja was, für Esoterik sind die jetzt sicher empfänglich.

    Gruß und auf ein erholsames Wochende

  • Futur - 28. September 2012

    @ Pessimist

    Professor Malik und sein Team sind doch in Griechenland beschäftigt. Da hat er bestimmt nicht so viel Zeit. Sonst würde ich mir was überlegen, ich mache nämlich grundsätzlich nur sinnvolle Sachen.

    @ Querschüsse

    Genau so ist es. Nun, aus dem Nähkästchen geplaudert, würde ich mal behaupten, er hat auch die Protektion von ganz weit oben. Sonst hätte er diesen Job nicht bekommen. Außerdem hat er schon sehr lange Zeit Gespräche mit den zuständigen Ministerien geführt. Wunder darf man natürlich keine erwarten, es geht um eine schrittweise Verbesserung. Diese wird eintreten.

    @ Roland

    Mit Esoterik hat Prof. M. wirklich nichts zu tun. Popper, auf den er sich ausdrücklich bezieht, hat Zeit seines Lebens immer wieder gegen Esoterik, Ideologien, Marxismus und die Psychoanalyse angeschrieben.

    Viele Grüße
    Futur

    • Huthmann - 29. September 2012

      Hallo Futur,

      könnten Sie einmal mir erklären, was ihre wiederholten Hinweise auf Popper inhaltlich mit der Diskussion über die wohl vergeblichen Anpassungsversuche der Südländer an die Nordeuropäische Produktivität zu tun haben. Meinen Sie damit, daß es keine normativen Modell gibt, oder daß sie zumindestens nur solange Gültigkeit haben können, solange sie nicht falsifiziert wurden. Oder wollen Sie soetwas ausdrücken, wie die Geschichte ist ein heuristischer Suchprozeß über ein mehr oder weniger vorausschauenden trial and error.

      Können Sie einmal erläutern, was Malik denn in Griechenland machen möchte. Will er ein paar Workshops halten oder was will er machen.

      Ich würde mich über eine detailliertere Beschreibung freuen.

  • Futur - 29. September 2012

    @ Huthmann

    Zuerst zu Ihrer Frage, was Malik in Griechenland vorhat: Dies kann ich natürlich nur erahnen. Er hat ja sein eigenes Konzept, mit dessen Hilfe er die Verwaltungen, Organisationen, die Wirtschaft, usw. verbessern möchte. Malik beantwortet auf seiner Homepage Fragen.

    Die Wissenschaftstheorie von Karl Popper beweist, dass alle mithilfe der empirischen, mathematischen (induktiven) Methode konzipierten Theorien (Normen) in einer komplexen Wirklichkeit unzweckmäßig sind. Popper erläutert dies, anhand der mithilfe der induktiven Methode erstellten Newtonschen Gravitationstheorie, versus der mithilfe der deduktiven Logik gefundenen Grravitationstheorie (Relativitätstheorie ) von Einstein. Einstein wusste, dass die deduktive Logik falsifizierbar ist (im Gegensatz zur Mathematik), deshalb konnte er auf die Sonnenfinsternis verweisen.

    Die deduktive, auch formale Logik genannt, ist nicht nur falsifizierbar, sie ist auch methodisch offen für Anpassungen. In einer komplexen Wirklichkeit ist also ein offenes Modell, das beide Methoden
    (die deduktive Logik und die induktive, durch Falsifikation) eng miteinander verbindet, zweckmäßig.
    D.h. wenn eine Veränderung der Wirklichkeit auftritt, kann die Logik durch Abänderung der Prämissen angepasst werden. Oder, hier kommen die Südländer ins Spiel, man kann versuchen, die Wirklichkeit zu verändern (wie z.B. Kurzarbeitergeld in D, Wirtschaftsplattform in Spanien). Dies geht natürlich nur schrittweise, indem man immer wieder die Wirklichkeit abfragt, und die Konsequenzen der Veränderungen falsifiziert. Dabei gibt es nie die Lösung, sondern meistens mehrere, da nimmt man am besten diejenige, mit den wenigsten negativen Folgen.

    Die Problemlösungsstrategie von Popper geht nicht von einem erreichbarem Idealzustand, Utopia genannt, aus, daher gibt es keinen heuristischen Prozess – eher stimmt trial and error, wobei “error” ja durch die Falsifikation vermieden werden soll. (Überlegen Sie mal, man hätte die Finanzprodukte falsifiziert!).

    Zum Beispiel würde ich folgendes, relativ kostenneutrales Win-Win-Konzept vorschlagen. Es wird im Netz eine Wirtschaftsplattform eingestellt, wo jeder seine Konsumwünsche einstellen kann. Mit Datenbanken könnte man die Wünsche bündeln. Dann müssten die Ökonomen im einzelnen falsifizieren, welche Vorstellungen sich wirtschaftlich umsetzen lassen können.

    Viele Grüße
    Futur

    • Querschuss - 29. September 2012

      Hallo Futur,
      Malik räumte indirekt ja bereits selbst ein, was ich als “Weihnachtsmannsyndrom” umschrieb, wie wahrscheinlich ist es, unabhängig davon wie man sie (seine Tools) einschätzt, das seine “Tools” flächendeckend und mit voller Unterstützung angewendet werden:
      https://blog.malik-management.com/2011/09/griechenland/

      Futur dein kostenneutrales Win-Win Konzept ist ja vielleicht ganz nett, aber mit Sicherheit keine Lösung der Systemkrise des Staates, des Bankensystems, der fehlenden Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit, einer völlig unterentwickelten Industrie, der Korruption und nicht funktionierenden staatlichen Institutionen, der ungleichen Einkommen- und Vermögensverteilung, der längst abgeschlossenen Kapitalflucht reicher Griechen usw. Irgendwann ist auch mal gut und ein Blick auf die Realität nötig, auf einen de facto Failed State, dem weder mit Sparmaßnahmen noch mit geheimnisumwobenen Tools beizukommen ist.

      Tools alleine werden es kaum bringen vor allem wenn man deren Wirkung völlig überzeichnet und dies in solchen Sätzen von Malik mündet: “Wie es mit Griechenland rein ökonomisch weitergeht, ist gar nicht so entscheidend.”
      https://blog.malik-management.com/2012/09/der-start-meiner-rettungaktion-fuer-griechenland/#comment-11613

      Warum räumst du dem “Dies kann ich natürlich nur erahnen.”…so viel Raum ein, der Glaube an “Wunderheiler” wird nicht weiterhelfen, sondern nur harte ökonomische Fakten, die Wettbewerbsfähigkeit, Jobs und Einkommen, damit auch eine verbesserte Schuldentragfähigkeit des Staates und bessere Staatseinnahmen anzeigen.

  • unglaublich - 29. September 2012

    “Diese Herausforderungen – und noch viele weitere – sind zum Teil untrennbar miteinander vernetzt. Gerade deswegen können sie nur mit meinen Tools angepackt werden. Herkömmliche Methoden müssen vor solcher Komplexität kapitulieren. Eine meiner wesentlichsten Stossrichtungen ist es, die Schlüsselorganisationen Griechenlands für ein neues Funktionieren auf einem weit höheren Wirkungsgrad zu befähigen. Dabei geht es um Grössenordnungen, die man sich nicht ausdenken kann, solange man die unglaubliche Kraft der Syntegrationsverfahren nicht kennt. Die Effektivität des Handelns wird um mindestens das 80fache erhöht und die Geschwindigkeit des Entscheidens und Umsetzens um mindestens das 100fache. Nur durch weit verbesserte Organisationen können die bereitsgestellten finanziellen Mittel überhaupt erst wirksam werden.”

    Wer hat denn den Typ den Auftrag gegeben GR zu retten ?
    Man kann sich nur noch an den Kopf langen..

    “Syntegration” ist ein Kunstwort aus Synergie und Integration. Antriebsmotor und Kern des Verfahrens ist ein vernetzter Kommunikationsprozess, bei dem 20 bis 40 Schlüsselpersonen einer öffentlichen Verwaltung oder eines Unternehmens ihr Wissen einbringen. Vielfältige und auch extrem divergierende Perspektiven und Meinungen werden zu einem gemeinsam getragenen Ergebnis zusammengeführt. Die Malik SuperSyntegration® löst die grösste aktuelle Herausforderung einer Organisation – in zweieinhalb bis dreieinhalb Tagen. Ihre Kraft setzt auf fünf Ebenen gleichzeitig an: Sach-, Kultur-, Zeit-, Umsetzungs- und Steuerungsebene. Die geradezu fantastische Wirkung der SuperSyntegration ist mit herkömmlichen Management-Methoden vergleichbar wie ein altes Telefon mit heutigen Smartphones.”

    Super , ganz großes Tennis..
    Das Land ist lt Transpary international korrupter als Namibia, Simbabwe und noch andere schwarzafrikanische Staaten..

    Das was ich von ihm lese, ist so aussagekräftig wie ein Prospekt von Kaffeefahrtunternehmen

    • Futur - 29. September 2012

      Tja, die Wirklichkeit ist halt unglaublich, aber wahr.
      Ich würde natürlich auch gerne wissen, wer ihm den Auftrag erteilt hat!
      Könnten Sie mal fragen, dafür wäre ich sehr dankbar.

      Schöne Grüße
      Futur

      • JL - 29. September 2012

        Hallo Futur,

        „Aus Griechenland kamen in der vergangenen Woche im 48-Stunden-Takt neue Geldforderungen: Erst hieß es, das Land benötige in etwa zwölf Milliarden Euro mehr, dann 20 und schließlich 30. Dass davon jemals etwas wiederkommt, darf bezweifelt werden. Längst ist von einem zweiten Schuldenschnitt die Rede. Übrigens: Die milliardenschweren griechischen Reeder genießen noch immer das Privileg völliger Steuerfreiheit.“

        Dies konnte man heute in „MMnews unter anderem lesen, Siehe hierzu:
        http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/10940-abzockrepublik

        Und welches „Tool“ hat ein Malik dagegen?

        Und dann schreibt der gute, unter anderem, auch noch:

        „Eine meiner wesentlichsten Stossrichtungen ist es, die Schlüsselorganisationen Griechenlands für ein neues Funktionieren auf einem weit höheren Wirkungsgrad zu befähigen. Dabei geht es um Grössenordnungen, die man sich nicht ausdenken kann, solange man die unglaubliche Kraft der Syntegrationsverfahren nicht kennt. Die Effektivität des Handelns wird um mindestens das 80fache erhöht und die Geschwindigkeit des Entscheidens und Umsetzens um mindestens das 100fache. Nur durch weit verbesserte Organisationen können die bereitsgestellten finanziellen Mittel überhaupt erst wirksam werden.“

        Aha, also wenn man 80fach schneller Handelt wandern die bereitgestellten EU- Mittel also nicht in internationale Banken, sondern in internationale Banken. Griechenland muß halt denen gegenüber seine Schulden bezahlen- es sei denn, es gibt ein Tool dagegen.

        Und wenn ein Bäcker 100fach schneller seine Brötchen backen wird, hätte er morgen vermutlich trotzdem 5 Stammkunden weniger- weil die Pleite gegangen sind. Selbst Schuld könnte man da sagen, diese „Versager“ hätten einfach nur griechische Reeder werden müssen.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

      • SLE - 30. September 2012

        “Die Effektivität des Handelns wird um mindestens das 80fache erhöht und die Geschwindigkeit des Entscheidens und Umsetzens um mindestens das 100fache.”

        Was mir dazu einfällt lässt sich in dem folgenden kurzen Spruch zusammenfassen:

        Als wir die Orientierung verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen.

        Effektiv handeln kann man nur, wenn man den Weg zum Ziel kennt. Volkswirtschaften sind aber nun einmal keine Unternehmen, die auf Gewinn abzielen. Wie eine Volkswirtschaft in der aktuellen Lage in Schwung gebracht werden kann, darüber zerbrechen sich viele bisher recht erfolglos den Kopf, u.a. auch In Japan, Großbritannien und den USA. Herr Malik ist BWL-Professor. Um Griechenland helfen zu können, müsste er die Lösung kennen. Kennt er sie?

        Grüße
        SLE

  • Futur - 29. September 2012

    Hallo Steffen,

    die Wirtschaftsplattform ist selbstverständlich nur ein erster Schritt, dem Hunderte oder Tausende folgen sollten, als endloser aneinandergereihter Problemlösungsprozess. Wie Malik schreibt: Mit herkömmlichen Mitteln ist die verfahrene Lage nicht mehr zu retten. Innovative Ideen und Wege sind also gefragt. Weil diese dann ganz neu sind, sollten sie immer falsifiziert werden.

    Lieber Steffen, warum bezeichnest du Prof. Malik mal als Weihnachsmann, dann als Wunderheiler, nur weil du nicht nachvollziehen kannst, wie er die Probleme löst?
    Es tut mir leid, seine Tools, usw. nicht ganz genau erklären zu können. Ich denke, es gibt bei ihm kein übergeordnetes Konzept, sondern er wird nach und nach seine spezielle Technologie auf alle wichtigen Bereiche übertragen.

    Wenn ich Malik richtig verstehe, will er erstmal damit anfangen, die Verwaltungen und Organisationen zu reformieren, und parallel sollen junge Griechen ausgebildet werden. Bestimmt, um dann Schritt für Schritt auch die Wirtschaft zu reformieren. Ich denke, er wird neue, noch nie dagewesene Konzepte umsetzen. Darüber kann noch niemand urteilen.
    Sicher ist nur, dass es Griechenland besser gehen wird!

    Viele Grüße
    Futur

    By the Way: Wie kann ich denn die Wirtschaftsplattform umsetzen?

    • Querschuss - 29. September 2012

      Hallo Futur,
      das ist ein Missverständnis, ich bezeichne nicht Malik als Weihnachtsmann, sondern den Glauben daran das seine Ideen vollumfänglich unterstützt und umgesetzt werden, als Glauben an den Weihnachtsmann. Ebenso den Glauben, dass die Tools die fundamentalen Probleme der griechischen Volkswirtschaft lösen (“Wunderheiler”). Ansonsten liegt mein Fokus nicht auf Tools die man nicht ganz genau erklären kann, auch nicht auf Plattformen die Nachfrage bündeln, sondern ich schreibe einen Wirtschaftsblog, mit Daten, Fakten und einen Schuss meiner durchaus auch subjektiven Analysen dazu.

      Ein Endlosdiskussion zu Tools die man nicht kennt und zu Auftraggebern die man nicht kennt, halte ich für wenig sinnvoll und klinke mich hiermit aus. Du lenkst hier stetig die Diskussionen in eine Richtung die nichts mit den Artikel hier zu tun haben, deine Anliegen sind auf dem Blog von Malik besser aufgehoben, denn darauf beziehen sie sich auch.

      • Futur - 30. September 2012

        Nein, Steffen, wenn ich uninteressante, themenfremde und sinnlose Kommentare schreiben würde, dann würde ich ignoriert werden. Wenn ich dich mit dem Weihnachtsmann falsch verstanden habe, so tut es mir leid. Etwas anderes ist, dass ich versuche, die Denkweise von Popper zu erklären, diese ist nunmal sehr schwer und widerspricht leider dem Alltagsverstand. Prof. Malik baut sein Konzept auf der Methodenlehre von Popper auf, deshalb ist er auch sehr schwer zu verstehen.
        Es ist ganz neu, es gab dieses Konzept noch nicht. Wer kann es denn sonst halbwegs verstehen?

        Das ist doch sensationell, was da passiert!

        Viele Grüße
        Futur

        • SLE - 30. September 2012

          Nein, Futur, das ist nicht sensationell, sondern eine Frage des eigenen Kenntnisstandes und Überblicks.

          Sie gehen überaupt nicht oder nur sehr oberflächlich auf die ökonomischen Argumente ein, die Ihnen und Ihrer Auffassung entgegen gehalten werden und Sie merken es offensichtlich gar nicht. Was verstehen Sie von ökonomischen Zusammenhängen? Können Sie sich nicht dazu äußern oder darüber diskutieren?

          Sie scheinen auch nicht zu registrieren, dass Sie in beinahe jedem Ihrer Kommentare auf Popper und Malik hinweisen. Dass Sie darauf mittlerweile schon von einigen darauf hingewiesen wurden, ignorieren Sie.

          Diese Kombination ist für Sie selbst nachteilig und für das, was Sie mitteilen wollen. Denn Sie erwecken den Eindruck, die Leser seien – was Ihre Thesen anbelangt – ein wenig schwer von Begriff und gleichzeitig nehmen Sie deren Beiträge nicht oder nur selektiv auf. Das wirkt beinahe autistisch. Es gibt nicht nur die Wissenschaftstheorie, um wirtschaftliche Zusammenhänge zu erklären. Erkennen Sie das doch bitte einmal an, wenn Sie schon keine Diskussion jenseits von Popper und Malik zu führen wünschen.

          Davon abgesehen wäre ich wirklich froh, wenn ich Sie es schafften, in ihren Kommentaren einmal eine Weile auf die Nennung der Namen Popper und Malik zu verzichten. Denn dass Ihre Kommentare immer darauf aufbauen, hat nun jeder hier begriffen. Und Steffen hat Recht, das hier ist ein Wirtschaftsblog und kein Popper- oder Malik-Blog.

          Viele Grüße
          SLE

        • Pessimist - 30. September 2012

          @Futur

          Das ist doch sensationell, was da passiert!

          Sensationell ist, dass es im 21. Jahrhundert möglich ist, dass ein Professor mit verbalen Tools die Rettung Griechenlands innerhalb von 12 Monaten betreiben will und das es anscheinend genug Menschen gibt, die sich von diesen vollmundigen Ankündigungen auch noch beeindrucken lassen.

          Ihr Guru soll endlich liefern, statt ständig seine nebulösen Tools zu loben und im Börsennebel nach der großen Deflation zustochern.

    • Pessimist - 30. September 2012

      @Future

      Eine letzte Frage: Kann es sein, dass Hape Kerkeling bereits 1992 mit den mächtigen Tools von Professor Malik gearbeitet hat?

  • Karin - 30. September 2012

    Hallo Futur, hier noch eine verspätete Antwort:
    Ihre Vorschläge sind das, was man technokratisch nennt, inhaltlich sicherlich akzeptabel gehen sie am Menschen doch völlig vorbei. Am Arbeitsplatz mag das noch angehen, denn da hält man sich i.d.R. nur stundenweise auf und ist sowieso fremdbestimmt (auch wenn man selbständig ist!). Da habe ich allerdings ebenfalls Vorbehalte gegen Maßnahmen, wie z.B. die Förderung des Teamgeistes, weil das die Arbeitsleistung steigert; das stellt den Menschen auf die gleiche Stufe wie “glückliche Kühe”, die sich besser mästen lassen, ein höheres Schlachtgewicht erreichen und damit mehr Profit in die Kassen spülen. Ein Land sollte doch Schutzraum für die immateriellen Bedürfnisse des Menschen bieten, als da unter anderem sind: soziale Bindungen, Tradition, Kultur, Sicherheit, Eigenständigkeit, diverse Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Frage: Würden sie Ihre Wohnung für zehn Jahre an eine Filmproduktionsfirma verpachten, die Ihre Räume dann umgestalten kann, wann und wie immer sie will – ohne Sie zu fragen natürlich? Die Spanier aber sollen 99 Jahre lang zusehen, was da mit ihren Touristikzentren gemacht wird. Außerdem bin ich der Ansicht, daß durch den Euro die Südländer eh auf dieselbe Art abhängig gemacht wurden und jetzt ausgebeutet werden, wie es bei Entwicklungsländern üblich war/ist. Das kommt nicht erst durch die Wiedereinführung von Peseta, Lira, Drachme und Escudo.

  • Huthmann - 30. September 2012

    Hallo Futur,

    ob induktiv oder deduktiv spielt eigentlich in dieser Diskussion nicht so eine ganz große Rolle. Popper hat seine Philosophie in der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus herausgearbeitet. Dem Kommunismum wurde vorgeworfen, ein geschichtsphilosphisch geschlossenes System zu sein, das sich im Besitz wähnte, den Weg zum “Glück auf Erden” zu kennen (Endzustand ist Herrschaft des sogenannten Proletariats). In dieser Zeit war die westliche Welt ideologisch argumentativ sehr in die Defensive gekommen und Popper gab ihnen ein Erkenntnismodell, das eben nicht von einem idealen Endzustand ausgeht, sondern Fortschritt (was immer das auch sein mag) als Suchprozeß auffasst, der nie aufhört.

    Ich habe nun Maliks Blog nicht gelesen bzw. die Diskussionen nicht verfolgt. Eines weiß ich allerdings: die Geschichte der Modellbildung in der VWL geht im Sinne Poppers als Suchprozeß weiter UND die VWL hat sich in eine Krise hineingeritten. Warum? Es gibt große Defizite in der Modellbildung, mit der auch noch heute gearbeitet wird. Z.B.:

    – Kapitalmarkttheorie: die ist in ihrer maßgeblichen Richtung auf der Portfoliotheorie bzw. Nachfolgern des Capital Asset Pricing Modells (CAPM) aufgebaut. Und dieser Modellbildungsprozeß hat sich durch “Übermathematisierung” und fast ideologischer Strenge in eine Scheinwelt hineinbewegt mit ideologiebehafteten Vorstellungen wie rationalen Erwartungen der Wirtschaftssubjekte und der Vorstellung, daß alle relevanten öffentlichen und privaten Informationen zu einem gegebenen Zeitpunkt in der Marktpreisbildung enthalten sein müssen. Demgemäß ist nämlich die Veränderung des Preises nur noch auf spätere neue Informationen zurückzuführen, die dann im neuen Preis enthalten sein müssen. Da man also keine kausale Verbindung mehr von Preis zu Preis hat, handelt es sich um einen Zufallsprozeß, etc.

    – es gibt eben nicht das vom überkommenen Kulturverhalten einer Gesellschaft unabhängige Konsumverhalten, das sich eineindeutig in Konsumfunktionen, von denen es in der VWL diverse gibt wie es diverse Modellströmungen gibt (z.B. Keynes, z.B. Friedman), gießen lassen könnte.

    – abh. der Bildung der Wirtschaftssubjekte und ihrem eigenverantwortlichen Denken in einer Gesellschaft, sind ihre Erwartungen für die Zukunft realistischer und vorausschauender. Dadurch verändert sich die Wirksamkeit von z.B. staatlichen Eingriffen: z.B. mehr Inflation versus mehr Arbeitslosigkeit, Zurückhaltung der Geldschöpfung der Notenbank kann in einer Gesellschaft Eigeninitiative der Unternehmer anregen, wenn das als Beitrag für mehr Stabilität angesehen wird. Andererseits kann Zurückhaltung der Geldschöpfung der Notenbank in einer anderen Gesellschaft dazuführen, daß die Eigeninitiative lahmt, weil die Notenbank als letzter Sicherheitsgarant in einem sonst wenig vertrauensvollen Wirtschaftsumfeld ausfällt.

    – treibt die Nachfrage das Angebot oder umgekehrt. Die berühmte Auseinandersetzung zwischen nachfrageorientierten und angebotsorientierten Schulen. In diesem Zusammenhang auch die Frage: was ist Wachstum/Fortschritt. Bis heute gibt es in der VWL keine zufriedenstellende Theorie wie Wachstum entsteht. Es gibt die Vorstellung, daß Kapital eine gewissen Rolle spielt (ggf. 25% verantwortlich hierfür), Bildung/Forschung (weiß man nicht so) und dann bleibt eine große Unbekannte, die bisher niemand erklären konnte (Schumpeter, auf den man immer wieder zurückgreift, weil man noch nichts anderes gefunden hat, sagt, daß dies der Unternehmer sei (also endogen im System vorhanden) und man hat ihn oder nicht in einer Gesellschaft

    – etc. etc.

    Wenn man sich also diese VWL-Krise anschaut und sich im Klaren darüber ist, daß VWL wieder im Ganzen gedacht werden sollte und aus der Erfahrung heraus, dann erachte ich es schon richtig, daß Praktiker aus der BWL befragt werden sollen, um wieder Zugang zum realen Wirtschaftsleben zu bekommen.

    Ob allerdings ein Berater von außen durch Methodik in dem Maße wie Malik sich das vorstellt ein Wirtschaftssystem, das in großen Teilen destruktiv ausgelegt ist und das auch kulturell dementsprechend überwachsen ist, wieder so schnell zu einem konstruktiven Verhalten umentwickeln kann, bezweifle ich doch. Eines allerdings ist klar: eine nachhaltige Verhaltensänderung eines solchermaßen destruktiv ausgelegten Systems erhält man nur mit einem Schock, allerdings auch verbunden mit einer helfenden Hand, wobei mit einer sehr behutsam und vorsichtig helfenden Hand.

  • Vollgaser - 1. Oktober 2012

    Peer Steinbrück als Kanzler undRetter der Finanzwelt ist die grösste Lachnummer die es je gegeben hat ;gerade so wie Baron von Münchhausen der mit dem Pferd im Sumpf versunken ist und sich dann selbst an den eigenen Haaren herausgezogen hat. Wo war er denn als Aufsichtsrat bei Pleite der IKB ,wo war er als Finanzminister und Oberaufseher der KFW als nach der Lehmann Pleite noch 320 Mio. überwiesen wurden ? Hat er seine Amtspflichten vernachlässigt und lieber lukrative “schlaue” Vorträge gehalten ? Eine Schande sich so aufzuspielen .

  • Heinz Göd - 2. Oktober 2012

    Ja, eine verhackte Lage und eine treffende Analyse.

    Was die Verantwortung der Wähler betrifft, so ist das eine heikle Sache.
    Uns wird eingeredet, dass wir in einer Demokratie(=Volksherrschaft) leben.
    In Wirklichkeit leben wir in einer ‘GeldDiktatur mit Polit-MarionettenTheater’: es geschieht im wesentlichen das, was Groß-Investoren und Groß-Arbeitgeber wollen, die Politiker sind lediglich ErfüllungsGehilfen. Das Volk kann mit dem Kreuzchen alle 4 Jahre nahezu nichts bewirken und die alte Volksweisheit: “Geld regiert die Welt” zeigt, dass das Volk das auch verstanden hat.
    Jede Regierung, die gegen die Interessen von Groß-Investoren und Groß-Arbeitgeber steht, bekommt von diesen soviel Gegenwind, dass sie nur scheitern kann oder sie wird am Nasenring geführt.
    Ein sehr unschönes Beispiel dafür ist die rot-grüne Regierung Schröder.
    Ich erinnere mich noch so dunkel, dass Schröder zur Wahl angetreten ist mit dem Versprechen, die Arbeitslosigkeit zu halbieren – ob er einen realistischen Plan für das Wie hatte? ich glaube eher nicht.
    Die Arbeitgeber mögen in der Regel sozialistische Regierungen nicht und haben darum auch wenig Interesse, einer sozialistischen Regierung zu einem Erfolg zu verhelfen – das wird auch Hollande treffen.
    Schröder wurde gewählt und war nun in der verzwickten Lage, sein Versprechen auch einlösen zu müssen. Aber wie ? Er war ja auf den guten Willen der Arbeitgeber angewiesen und die konnten ihn nach belieben am Nasenring herumführen. Seine Reformen waren denn auch ganz im Sinne der Groß-ArbeitGeber. Ich glaube, es wäre da jedem anderen sozialistischen Kanzler ebenso ergangen – wir werden ja sehen, wie es seinem Genossen Hollande in Frankreich ergehen wird.
    Also meiner Einschätzung nach hat der Wähler an der Urne nur die Wahl zwischen Pest oder Cholera oder AIDS, echt etwas bewirken kann er nicht.
    Wenn mensch da etwas ändern will, so muss das ganze Gesellschafts- und WirtschaftsSystem geändert werden – das muss es auch aus anderen Gründen -.
    Ideen dazu gibt es bereits, siehe
    http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/IQOAsD.html
    Falls das richtige noch nicht dabei ist,
    so müssen wir halt weitersuchen.

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