Bekämpft die EZB echte Deflationsgefahren oder echte Erfolge der Manipulationsbekämpfung?

von am 11. November 2013 in Allgemein

In den USA sinkt die Inflationsrate und die Fed vertagt ein ums andere Mal die vor Monaten angekündigte Straffung ihres ultralockeren geldpolitischen Kurses. In Europa geht die Inflation ebenfalls zurück und aus Sorge vor Deflation hat die EZB jetzt ihre Geldpolitik weiter gelockert, indem sie den Leitzins auf 0,25 Prozent senkte. Japans Notenbanker sind besorgt, die Inflation könnte trotz ultralockerer Geldpolitik nicht stark genug steigen und sinnieren über eine weitere Lockerung.

Inflation scheint Mangelware geworden zu sein.

Immer wird die Lockerung der Geldpolitik von den Notenbanken vor allem damit begründet, dass dies für die Erholung der Wirtschaft notwendig sei.

Doch auch an der wirtschaftlichen Erholung gemessen ist die Geldpolitik offenbar nie locker genug.

Notenbanker mit Tunnelblick

Die Frage, warum es nie genug ist, wird im Grund nicht bzw. nur mit einem Tunnelblick erörtert. Auf dem Radar ist nur das, was gemäß der Annahmen und Modelle, auf die sich die Geldpolitik stützt, drauf sein soll. Das heißt, die Richtigkeit der Annahmen, die den geldpolitischen Entscheidungen zugrunde liegen, wird nicht auf den Prüfstand gestellt. Stattdessen interpretiert man lieber die Realität annahmengemäß um, frei nach dem Motto: „Der Notenbanker hat immer Recht!“

EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré geht beispielsweise so weit zu sagen, höhere Leitzinsen würden dem Sparer schaden. (1) Seine Begründung: Angesichts der jüngsten, tiefen Rezession und der Fragmentierung des Finanzmarktes im Euroraum seien niedrige Leitzinsen ein Instrument, das zur Wahrung der Preisstabilität eingesetzt werde und Preisstabilität sei eine Grundvoraussetzung, um die Konjunktur wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu bringen. „Höhere Leitzinsen hätten die Rezession verschärft, das Einsetzen einer Erholung verzögert und zu deflationären Risiken beigetragen.“ (2)

Mit anderen Worten: Es ist undenkbar, dass das Befüllen eines Fasses mit dem Geldschlauch nicht zum gewünschten Ergebnis führen wird. Denn Löcher kommen in der Notenbanktheorie der Fässer nicht vor.

Wohin das viele Geld der Notenbanker verschwindet

Man muss wohl ein Notenbanker sein, um daran glauben zu können. Für alle anderen bleibt die Frage vordringlich, wozu es führt, das fortgesetzte Befüllen der Märkte mit dem Geldschlauch. Hinweise gibt es genug. Ein paar Beispiele.

JPMorgan schätzt, dass aktuell 66.000 Milliarden Dollar Liquidität durch die Finanzmärkte schwappen, 4,6 Prozent mehr als Anfang des Jahres und ein Rekordwert. (3) Das wäre dann nicht viel weniger als der IWF in seiner Schätzung für die diesjährige Weltwirtschaftsleistung angibt: 73.400 Milliarden Dollar. Für wen nicht evident ist, wieso das für nachhaltiges Wachstum erforderlich und wahrscheinlich dennoch nicht genug ist, der wende sich bitte an einen Befürworter der lockeren Geldpolitik oder an Li Keqiang.

Der chinesische Premier Li Keqiang hat nämlich gerade eindringlich die heimische Notenbank davor gewarnt, noch mehr Geld in den Markt zu pumpen, weil die Geldmenge M2 im März die Schwelle von umgerechnet 16.400 Milliarden Dollar überschritten hatte, was etwa dem Doppelten der Wirtschaftsleistung Chinas entspricht (rund 8.500 Milliarden Dollar). (4)

Die Sorge der chinesischen Führung vor dem Platzen massenhaft fauler Kredite, die über Banken und das intransparente Schattenbankensystem unkontrolliert in wirtschaftlich nicht tragfähige Unternehmen und Projekte fließen und der Immobilienblase, ist inzwischen groß. Sie hat nun unter Strafandrohung im Falle der Nichtbeachtung eine Direktive an die Kommunalregierungen herausgegeben, die einen sofortigen Stopp aller Projekte in Sektoren mit Überkapazitäten verfügt. Auch Chinas Banken wurde verboten, an Sektoren mit Überkapazitätsproblemen oder generell an Projekte, für die es von der Zentralregierung in Peking keine Freigabe gibt, direkt oder indirekt neue Kredite zu vergeben oder bestehende zu verlängern. (5)

Aber nun ja, China ist eben China und da entscheiden nicht die Märkte, sondern allein die Parteiführung. Ob das die Probleme entschärfen wird, ist eine andere Sache.

In den USA jedenfalls ist die Geldmenge MZM (Money of Zero Maturity: Bargeld plus Giro-und Sparkonten, privaten Geldmarktkonten plus institutionellen Festgeld- und Geldmarktkonten) in den letzten drei Monaten annualisiert um 11,4 Prozent ausgeweitet worden. (6) Zugleich wird dort aber so viel auf Kredit spekuliert wie noch nie. Die US-Wertpapierkredite sind im September auf ein neues Allzeithoch von 401 Milliarden Dollar gestiegen – und sie steigen weiter. (7)

Laut den jüngsten Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) liegt der nominale Wert der weltweit „Over-The-Counter“ (OTC) gehandelten Derivate inzwischen mit 693.000 Milliarden Dollar (Stand Ende Juni 2013) wieder annähernd beim Ende Juni 2011 erzielten Topwert von 708.000 Milliarden Dollar. Nach der Lehman-Pleite war der Wert der gehandelten Derivate auf unter 600.000 Milliarden Dollar gefallen. (8)

Für die USA gibt die zuständige Aufsicht, das Office of the Comptroller of the Currency (OCC), den nominalen Wert der von US-Banken gehandelten Derivate aktuell, das heißt Stand Ende Juni 2013, mit 233.900 Milliarden Dollar an. 81 Prozent dieser Summe entfallen übrigens auf Zinsderivate. 99,8 Prozent des Handels läuft über nur 25 der insgesamt 1.400 erfassten US-Banken. Die vier größten „Wettbüros“ – denn Derivate sind nun einmal Wetten – der USA werden von JPMorgan, Citibank, Goldman Sachs und der Bank of America betrieben. Diese vier Banken stehen für 93 Prozent des von US-Banken getätigten Derivatehandels bzw. für Derivate im Wert von nominal 217.493 Milliarden Dollar. (9)

Deregulierung + Oligopolisierung = Manipulationsplage

Apropos „Preisstabilität“ und „Zinsderivate“:

Weltweit ermitteln Aufsichtsbehörden gegen internationale Großbanken wegen der Manipulation

  • der Referenzzinssätze Libor, Euribor und Tibor
    Libor, Euribor und Tibor sind für zahlreiche Finanzprodukte maßgeblich, insbesondere für Derivate, wobei Zinsderivate (Swaps, Futures) den Löwenanteil ausmachen. Außerdem orientieren sich zahlreiche Fondsprodukte, Immobilienkredite, Sparverträge und variabel verzinsliche Anleihen daran und mithin auch Dispokreditzinssätze. (10) (11) Das Volumen der Finanzprodukte, die auf dem Libor basieren, wurde zum Zeitpunkt des Beginns der Ermittlungen, Mitte 2012, auf 350.000 bis 800.000 Milliarden Dollar geschätzt (12) (13), beim Euribor reichten die Schätzungen – allein für die Derivate – von 250.000 bis 350.000 Milliarden Dollar (14) (15).
  • des Referenzwertes ISDAfix
    Der ISDAfix-Referenzwert ist für die Festlegung von Preisen bei nicht über Börsen gehandelte komplexe Finanzprodukten von zentraler Bedeutung, unter anderem insbesondere für Zinsderivate. Es wird geschätzt, dass Geschäfte im Wert von 450.000 Milliarden Dollar betroffen sein könnten. (16) (17)
  • des Devisenmarktes (18) (19)
    Der tägliche Umsatz auf dem Devisenmarkt liegt bei etwa 5.000 Milliarden Dollar. (20)
  • von Rohstoffpreisen (21) (22) (23) (24)
    Goldman Sachs unterhält beispielsweise in Detroit 27 große Lagerhäuser, in denen die Bank ein Viertel des weltweiten Aluminiums lagert. (25)
  • von Strompreisen (26) und
  • von Öl- und Gaspreisen (27) (28)

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ergänzend ist hinzuzufügen, dass auf dem Markt für Rohstoffe – von Metallen, über Agarprodukte bis hin zu Öl und Gas – im Jahr 5.700 Milliarden Dollar umgesetzt werden. (29)

Entscheidend ist: Die Ermittlungen weiten sich in den meisten genannten Bereichen aus, sie haben eine globale Dimension und bei den Ermittlungen tauchen immer wieder die Namen derselben Großbanken auf.

Früchte der Manipulationsbekämpfung

Niemand wird deswegen noch ernsthaft bestreiten können, dass es in erheblichem Umfang Manipulationen gegeben hat und dies selbstverständlich Auswirkungen auf die Preise hatte. Natürlich ging es um Profit und der kann auf den Finanzmärkten durch steigende ebenso wie durch fallende Preise generiert werden. Es lässt sich also nicht ohne weiteres aus den vielfältigen Manipulationen schließen, in welcher Weise sie sich über die Zeit auf die jeweiligen Preisniveaus ausgewirkt haben.

Gleichwohl wird zum Beispiel bereits seit langem seitens der Wirtschaft über extrem gestiegene, unverhältnismäßig hohe Rohstoff- und Energiepreise geklagt. Zudem haben die Notenbanken mit der Flutung der Märkte mit billigem Geld dazu beigetragen, dass die Preise in den unterschiedlichen Anlageklassen gestiegen sind. Denn irgendwo wollen die Gelder investiert werden und in der Wirtschaft kommen sie bis heute im Wesentlichen schon deswegen nicht an, weil die Investitionen mangels Nachfrage und positiver Wirtschaftsaussichten mau sind.

Immer wieder ist darüber diskutiert worden, ob und inwieweit die Preise auf den Märkten spekulativ überhöht waren bzw. es immer noch sind. Jetzt aber kristallisiert sich langsam heraus, in welch großem Umfang und wo überall sie manipuliert worden sind.

Ganz sicher man kann jedoch davon ausgehen, dass die sich in einer ganzen Reihe von Industrieländern und Finanzzentren rapide ausdehnenden Ermittlungen bereits jetzt zu einem drastischen Rückgang von Manipulationen geführt haben. Teilweise haben dafür die Aufsichtsbehörden schon gesorgt. Unabhängig davon ist jedoch jetzt auch die Gefahr, erwischt und überführt zu werden, besonders groß. Wer jetzt trotz aller laufenden Ermittlungen immer noch weiter manipuliert, geht folglich ein sehr hohes Risiko ein.

Wie gefährlich ist der Rückgang der Inflation wirklich?

In den USA und Europa machen sich nun aber die Notenbanker wegen der zurückgehenden Inflation bei zugleich schwacher Konjunktur große Sorgen und handeln lehrbuchgemäß. Ihr Bezugspunkt war und ist immer die Realwirtschaft. Eine mögliche Verzerrung der Preise in der Realwirtschaft durch Spekulation oder, viel schlimmer noch, durch Manipulation auf den Finanzmärkten hat dabei nie im Vordergrund gestanden – auch jetzt nicht. Nur einmal hat die EZB dezidiert Spekulation adressiert, nämlich im Sommer 2012, als der EZB-Präsident die Spekulation gegen den Euro durch die Ankündigung beendete, alles zu unternehmen, um den Euro zu erhalten.

Freilich lassen sich bei der Analyse der wirtschaftlichen Situation z. B. der Eurozone Gründe für sinkende Preise finden – man denke nur an die Lage in den südeuropäischen Krisenländern. Die sind ernst und nicht wegzudiskutieren. Es ist aber nicht unwesentlich danach zu fragen, inwieweit dies nicht auch ein Zeichen der Wiederherstellung einer funktionierenden Preisbildung ist und damit eine sichtbare und wünschenswerte Folge der groß angelegten Ermittlungen gegen Manipulation.

Auf eine durch umfangreiche Manipulation verzerrte Preisbildung geldpolitisch per Zinsentscheid zu reagieren, um die Teuerung im Zielkorridor zu halten, weil man nichts davon wusste, das wirkt im Nachhinein bizarr. Den Folgen der Manipulationsbekämpfung in Bezug auf die Preisentwicklung auf dieselbe Weise zu begegnen, obwohl man von der Manipulation Kenntnis hat, das ist grotesk.

Was taugen das theoretische Fundament und die Modelle der Notenbanker für die Realität, wenn sie die Grenzen des geldpolitisch Sinnvollen und Machbaren nicht mehr zu erkennen helfen vermögen?

Die Realität im Zweifelsfall umzudeuten, damit sie zu den Theorien und Modellen passt, ist jedenfalls keine angemessene Antwort. Aber es scheint die Antwort zu sein, die uns die Notenbanker – immer noch – geben, so wie z.B. EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré.

So betrachtet stellt sich einmal mehr die Frage, ob und inwieweit die Notenbanken nicht schon seit längerer Zeit versuchen Probleme zu lösen, die sich geldpolitisch gar nicht oder nicht wirksam korrigieren lassen. Es ist keine akzeptable Entschuldigung, in ein neues Desaster zu steuern, weil man im Nebel nicht einmal das sehen will, was man erkennen könnte.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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53 KommentareKommentieren

  • Ert - 11. November 2013

    Danke für den Überblick!

    Das absurde an der “offiziellen Inflationsrate” bzw. Preissteigerungsrate ist das, das bei mir im Umfeld aktuell die Lebensmittelpreise steigen – insb. bei Frischwaren. Miete, Strom, Gas, Öl wird auch nicht billiger. Versicherungen legen auch drauf – und der Nah + Fernverkehr (Bus/Bahn) klotzt mal wieder richtig!

    Komischerweise setzten sich meine Hauptausgaben aus den Aufgeführten zusammen – und nicht aus Fernsehern, Smartphones, Technikgedöns sowie Kik und Lidel Billigkrams und substituierten “Nahrungsmitteln” (von Leben kann ich da nicht reden….).

    Wie die Liquiditätsspritzen ohne Steigerung der Nettokreditaufnahme irgendwas lösen kann/soll konnte mir auch noch keiner erklären. Unbestritten geht die Liquidität ja nur in die Spekulation und erhöht die Assetpreise, die dann wieder als Besicherungen für Kredite dienen die ggf. schon unter Wasser sind.

    Wird die Liquidität der ZB rückwärts abgewickelt… dann… Nein!… Ich will da gar nicht dran denken!

    • Daniel2012 - 12. November 2013

      “Komischerweise setzten sich meine Hauptausgaben aus den Aufgeführten zusammen”

      Man eine ganz persoenliche Inflationsrate ausrechnen:

      https://www.destatis.de/DE/Service/InteraktiveAnwendungen/InflationsrechnerSVG.svg;jsessionid=12B245EDC79D97A113D4DE4B979A6B1E.cae4?view=svg

      • Holly01 - 12. November 2013

        Hallo Daniel2012,
        überall dort, wo Markt noch im Ansatz stattfindet, da gibt es auch Inflation.
        Ein vorhandener Markt, preist die Geldmenge ein. Selbst in einem Land wie Deutschland, in dem alle Preise in Oligopolen gefangen sind, wird das wirksam.

        • JL - 12. November 2013

          Hallo Holly01

          Wenn Sie Ihren eigenen Beitrag nochmals durchlesen erkennen Sie sicher Ihre Betrachtungen der Auswirkungen von momentanen Zuständen, die natürlich zutreffend sind. Was Sie dann auch erkennen werden ist Ihr Wunsch diese Zustände ändern zu wollen.

          Genau dieses Unverständnis, daß man doch eigentlich etwas können könnte aber nicht tut, macht die Leute ja zunehmend nicht nur ratlos.

          Das ist aber nur die eine Seite der Medaille, also der einseitigen Betrachtung- leider.

          Die andere Seite dieser Medaille ist Verschuldung, Rendite, Markterwartungen und Marktgegebenheiten von Unternehmen an sich UND ihrer Kunden- und damit das Marktumfeld aus Sicht von Unternehmen im Besonderen.

          Kann man als Unternehmer etwas Produzieren was auf den dortigen Markt keiner kaufen kann oder will ist das einem Unternehmer völlig Wurst, wenn dieser trotzdem einen anderen renditeträchtigen Absatzmarkt mit diesen Produkten bedienen kann, einzig die Kosten sind entscheidend. Vielfach spielt man als Unternehmen sogar mögliche Produktionsstandorte global gegeneinander aus, bis der Standort mit den höchsten Subventionen den Zuschlag erhält.

          Die Unternehmen interessieren sich nicht mehr für nationale Zustände oder Befindlichkeiten, die Jungs sind global aufgestellt.

          Sie, ich und all die anderen sind nichts Besonderes, nur Marktteilnehmer- ob als Konsument oder Produzent ist eigentlich schon wieder Wurst.

          Übrigens: Sie haben- meiner Meinung nach- nicht Unrecht wenn Sie unter andern schreiben „ … Die Geldmenge ist nach meiner Auffassung nie Null…“ Stimmt, Forderungen sind immer vorlaufend, bedingt durch den Zins.

          Mit freundlichen Grüßen

          JL

          • Holly01 - 13. November 2013

            Hallo JL und danke,
            ” ist das einem Unternehmer völlig Wurst, wenn dieser trotzdem einen anderen renditeträchtigen Absatzmarkt mit diesen Produkten bedienen kann”

            Das Stichwort ist die Rendite, denke ich zumindest. UNd da muss ein UNternehmen doch auf die Substanz achten und hat ein vitales Eigeninteresse an soliden Zuständen.

            Ein PKW Produzent, der nur 1/3 seiner Fahrtzeuge im Heimatland an Endkunden abgeben kann und veststellen könnte, das von diesem 1/3 ein erheblicher Teil verbilligt an die eigenen Mitarbeiter geht, der muss sich doch fragen ob er alles richtig macht.
            Wer ganze Linien nach den Bedürfnissen institutioneller Abnehmer auflegt, der ist abhängig.
            Wer seine Waren in einem fremden Markt absetzt ist von fremder Gesetzgebung abhängig, trägt ein Währungsrisiko, hat ein Transportrisiko und ist der Willkür der Meinungsmacher stärker ausgesetzt.
            Dazu kommt dann noch der Zwang das Geld, welches man als Ertrag einnimmt wiedr anlegen zu müssen und das im Heimatmarkt nicht zu können, weil da ja kein Volumen ist.
            Besagte Hersteller finanzieren ihre Karren ja inzwischen auch für die wenigen Endkunden. Die sind also quasi finanziell vom Rohstoff über die Herstellung und den Verkauf bis in den Wartungs- und Werkstatttbetrieb an das Fahrzeug gebunden.
            Die Rechnung geht auch nur noch über das Gesamtpaket auf. Ohne diese umfassende Bindung des Produkts an den Hersteller hätten die garkein Produkt.
            UNd so ein Konzept soll für das Unternehmen nicht überdenkswert sein?
            Das sind die Perlen der deutschen Wirtschaft?
            Die halten den deutschen Staat wirtschaftlich am Leben?

            Sie haben sicher Recht, wenn Sie darauf hinweisen, dass die Sicht eines UNternehmens eine andere ist.
            Die Frage ob man sich aber die ganzen Risiken ins Buch nimmt beantworten die UNternehmen immer öfter mit “nein” und erstellen externe Produktionsstätten.
            Thyssen ist damit gerade krachend auf die Nase gefallen. Ob die noch einmal die Kurve kriegen ist fraglich, sehr fraglich sogar.

            Dem Markt fehlt auf der Nachfrageseite Volumen. Es wäre ja schon ein Beginn wenn man die Einkommenssteigerungen nicht mehr prozentual machen würde, sondern über Festwerte.

            Öffentlicher Dienst in 2014 pauschal 300€ mehr. Das sind auch 3%, aber die Verteilung ist völlig anders ……

            • SLE - 13. November 2013

              Hallo Holly,

              … und jetzt kann sich ja jeder einmal Gedanken darüber machen, was das im Hinblick auf die Aktienkurse dieser börsennotierten Unternehmen bedeutet.

              Viele Grüße
              SLE

    • thewisemansfear - 12. November 2013

      Passende Ergänzung zum Thema “unterschiedlichen Inflationsraten”, mit ironischem Unterton geschriebener Beitrag auf RWER:
      http://rwer.wordpress.com/2013/11/08/a-note-on-the-irrationality-of-rational-expectations/

      Je nach Berechnungs*modell* kommt eben ganz was anderes raus, was ja auch hier im Artikel angeprangert wird.

  • Holly01 - 12. November 2013

    Hallo Querschuesse,
    Danke, ein Beitrag, wie aus meiner Sicht geschrieben.
    Es gibt die richtigen Fragen aber es gibt keine oder offensichtlich falsche Antworten.
    Hr. Flassbeck zeigt hier eine schicke Darstellung aus Lohn-/Stückkostenzusammenhang vs. Inflationsentwicklung.

    Ich bin nicht in allem ein Fan, aber der Mann ist zumindest offen für Antworten und Gedanken.

    Ein Markt wird auf der Abnahmeseite heruntergefahren. Man senkt die Preise für Arbeit, sowohl nominal, wie im Verhältniss zu früher.
    Die Arbeit wird in der Masse abgekoppelt von der Produktivität. Die Planungssicherheit der Privathaushalte wird zerstört, weil die Rechtsgrundlagen für die Arbeitsverhältnisse zerstört wird und wurde.
    Die Staaten haben – gleichzeitig – ihre Investitions- und Konsumausgaben reduziert. Der einzige Bereich der prosperiert ist “Sicherheit”, also Überwachung und Militär.
    Der Staat ist ebenfalls ein Lohndrücker. Der Staat begründet, er habe nicht die Mittel adäquat zu bezahlen. Das ist natürlich Unsinn, das Geld ist nicht nur vorhanden, es wird sogar in Einkommen gelenkt, es sind nur die Einkommen der Spitzenbeamten.
    Die Lenkung von Einkommen in Spitzeverdienste hat System. Würde man immer mit dem median arbeiten und würde man die unteren 33% der Einkommen immer auskoppeln, so würde ganz klar, wir teilen die Gesellschaft.
    Zeitgleich werden die Arbeitsplätze immer effizienter. Die Produktivität wird immer mehr gesteigert.
    Die -Warenmenge- wir gesteigert. Man macht dies aus Gründen der Kosteneffiziens. Gewinn möchte jeder machen und das ist ja auch legitim.

    Man kann aber nun einmal nicht beides tun.

    Geld verdienen ist ok, aber man muss doch die Konsumentenseite dabei nicht ruinieren.
    Man kann Waren produzieren, auch über Bedarf, aber man muss doch zumindest eine Zielgröße sehen und die “Bereinigung” des Marktes durch Firmenschliessungen muss man doch auch zulassen.

    Deutschland produziert Waren, die in Deutschland nicht benötigt werden. Waren die in Deutschland keinen Markt haben. Waren die in Deutschland keinen Käufer haben, weil die Arbeiter die diese Produkte herstellen, nicht dazu in der Lage sind diese Produkte zu erwerben.

    Die Wertschöpfung erfolgt im Ausland. Das Geld welches nach Deutschland fliesst kann aber nicht investiert werden. Es gibt ja keinen Markt in Deutschland und die verbliebenen Fragmente werden ja zusehens kleiner.
    Logischer Weise muss das Geld wieder das Land verlassen. Das Geld muss investiert werden, denn Geld ansich ist immer ein Scheiss.

    Da sind wir bei Problem 2. Das Geld muss investiert werden, Betonung auf MUSS.
    Die Geldmenge ist nach meiner Auffassung nie Null. Sie kann es nicht sein.
    Die Geldmenge war null, als es eine Geldbasis gab. Egal wie die Basis aussah, aber man hatte einen Bezugspunkt und einen Erder.
    In einer Zeit virtuellen Geldes, wo man mit Zinserwartungen und Gewinnprognosen spekuliert, kann niemand die Geldmenge fassen und erfassen.

    Ein Sinkender Konsum (systematisch sinkend) und ein Anlagezwang (systematische Zwang) bedingen Betrug. Es erzwingt Betrug.
    Die einzige Alternative ist Abschreibung. Also das Schreckensgespenst vor dem nicht nur wir Angst haben.

    • JL - 13. November 2013

      Hallo Holly01

      Genauso ist es.

      Die Rendite ist für global agierende Unternehmen alles entscheidend. Anders geht es ja auch nicht. Große Unternehmen haben- meiner Meinung nach- zwei grundsätzliche und beständige Herausforderungen.

      Zum einem natürlich die Unternehmensverschuldung, diese kann nur durch Rendite getilgt werden- man muß ja um jeden Preis expandieren um Marktanteile zu sichern oder zu erhalten.

      Zum anderen sind bei großen Unternehmen die Unternehmer schlicht Aktionäre. Und die wollen Renditen sehen und zwar beständig- und das wiederum bedeutet volles Risiko.

      Erwirtschaftet ein globaler Player also keine Rendite gibt es keine Schuldentilgung und keine Aktionäre, wobei man da schon wieder bei den Bemerkungen von SLE betreffs Aktien ankommt.

      Es ist also gar nicht so einfach sich durchzudenken, das wusste schon Einstein als er sagte:
      „In der Theorie sind Theorie und Praxis das Gleiche. In der Praxis sind sie es nicht“.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

  • RedMoe - 12. November 2013

    Äh ja, schönes Notenbankbashing mal wieder. Das ist ja in einigen Kreisen sehr chic in den letzten Jahren, dass die bösen Notenbanker an allem Schuld sind weil sie zu viel Geld gedruckt haben.

    Aber ist jetzt eigentlich die Konsequenz? Was sollen die EZB oder die FED stattdessen tun? Können Notenbanken direkt Steuern wo die Liquidität hingeht, die sie an Banken verleihen? Sind Notenbanken dafür zuständig die Finanzmärkte zu regulieren? Meines Wissens nach nicht. Hier müssten endlich mal die Regierungen und Parlamente zu Potte kommen, aber die können und wollen aus Dummheit und Ahnungslosigkeit nicht. Den Notenbanken bleibt halt unter den gegebenen Umständen nichts anderes übrig als die Nullzinspolitik weiterzumachen.

    • dank - 12. November 2013

      “…Dummheit und Ahnungslosigkeit…”

      Oder eher aus Gefälligkeit, Weisung oder Teilhabe?

      Dummheit sollte für Fehler, die einmal gemacht werden, gelten. Was danach folgt, ist meist etwas ganz anderes.

    • Eurelios - 12. November 2013

      Aber ist jetzt eigentlich die Konsequenz? Was sollen die EZB oder die FED stattdessen tun?

      Die EZB hat schon eine Lösung parat:

      Auszug:

      Das EZB-Direktoriumsmitglied schloss eine weitere Absenkung des Leitzinses nicht aus. “Je nachdem, wie sich die Inflation entwickelt, sind wir beim Zinssatz noch nicht am Ende unserer Möglichkeiten”, sagte er der Zeitung. Bei Bedarf könne die EZB beim Einlagesatz für Geschäftskunden auch in den negativen Bereich gehen. Diese müssten dann etwas dafür bezahlen, dass sie ihr Geld bei der EZB parken dürfen.

      Hier der ganze Artikel:

      http://www.t-online.de/wirtschaft/schuldenkrise/id_66471224/ezb-direktor-asmussen-verteidigt-die-leitzinssenkung.html

      Und die kleinen Sparer werden dann in der Zukunft bei den Banken einen Geldaufbewarungszins berappen müssen.

      Na also geht doch. 🙂 Vermögen werden dann automatisch kleiner und die Schulden gleich mit nach der Formel Guthaben = Schulden

      • JL - 13. November 2013

        Hallo Eurelios,

        das was Sie beschreiben ist nur die „Nachspielzeit“ im Währungs- und Wirtschaftskrieg. Anders kann man das wohl nicht mehr bezeichnen.

        Um auf den Artikel von SLE zurückzukommen, wo sollen diese imperialen Finanzinstitute noch Gewinne generieren? Von Leuten die überschuldet sind, von Arbeitnehmern die zwei oder auch drei Teilzeitjobs ausüben müssen um nicht „Aufstocker“ sein zu wollen? Von Unternehmen die genau diese Marktlage kennen und genau deshalb nicht investieren und/ oder sich weiter verschulden wollen? Oder von Staaten die von Zentralbanken gestützt werden müssen, weil diese sonst bankrott währen?

        Wenn Banken also niemanden mehr austricksen können, schlicht weil nichts mehr zu holen ist, wen könnten Banken dann noch über den Tisch ziehen um Gewinne zu generieren?

        Andere Banken natürlich!

        Deshalb diese Manipulationen in allen Finanz- Anlage- und Währungsbereichen.

        Wie ich bereits einmal hier schrieb wird der Gewinner dessen der letzte Verlierer sein.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

  • Bubblegum - 12. November 2013

    @ Holly 01

    “Ein Markt wird auf der Abnahmeseite heruntergefahren. Man senkt die Preise für Arbeit, sowohl nominal, wie im Verhältniss zu früher.
    Die Arbeit wird in der Masse abgekoppelt von der Produktivität. Die Planungssicherheit der Privathaushalte wird zerstört, weil die Rechtsgrundlagen für die Arbeitsverhältnisse zerstört wird und wurde.
    Die Staaten haben – gleichzeitig – ihre Investitions- und Konsumausgaben reduziert. Der einzige Bereich der prosperiert ist “Sicherheit”, also Überwachung und Militär.
    Der Staat ist ebenfalls ein Lohndrücker. Der Staat begründet, er habe nicht die Mittel adäquat zu bezahlen. Das ist natürlich Unsinn, das Geld ist nicht nur vorhanden, es wird sogar in Einkommen gelenkt, es sind nur die Einkommen der Spitzenbeamten.
    Die Lenkung von Einkommen in Spitzeverdienste hat System. Würde man immer mit dem median arbeiten und würde man die unteren 33% der Einkommen immer auskoppeln, so würde ganz klar, wir teilen die Gesellschaft.
    Zeitgleich werden die Arbeitsplätze immer effizienter. Die Produktivität wird immer mehr gesteigert.”

    Ihre These wird gestützt durch die folgende Untersuchung:

    Deutschland zwischen 1950 und 2009 – Wirtschaftsentwicklung und Teilhabe
    (Der Teilhabekapitalismus und sein Ende, Entwurf Okt. 2009)
    Autoren: Ulrich Busch, Rainer Land
    ( http://www.rla-texte.de/texte/2%20a%20SOEB/SOEB%20Makro%20Okt%202009-12-01%20busch%20land.pdf)

    Ich zitiere mal einen längeren Absatz daraus:

    “2. Die konstitutiven Komponenten des Teilhabekapitalismus

    Kern des fordistischen Teilhabekapitalismus genannten Regimes wirtschaftlicher Entwicklung ist die Kombination von drei Elementen:

    − Erstens: fordistische8 Massenproduktion. Die Massenproduktion als solche entstand schon im 18. und 19. Jahrhundert, sie wurde im 20. Jahrhundert durch Henry Ford in der Automobilproduktion zu einem Organisationsprinzip des modernen Industriebetriebs weiterentwickelt. Jede Massenproduktion nutzt Skaleneffekte, economy of scale, als Ressource der Produktivitätssteigerung. Das Besondere der fordistischen Massenproduktion besteht in der Kopplung von Massenproduktion und Massenkonsumtion. Ford entwickelte eine Produktionsorganisation, bei der die Trennung der Forschung und Entwicklung von der Fertigung sowie die Standardisierung, Rationalisierung, Arbeitsteilung und Technisierung (z.B. durch Fließbänder) in der Fertigung (Taylorismus) zu positiven Skaleneffekten und Kostenregressionen in der Produktion von Konsumgütern, speziell dem PKW als Massen- konsumgut, führte. Der Massenproduktion fordistischer Art lag nicht nur eine technologische oder arbeitsorganisatorische Konzeption zugrunde, wichtig ist ebenso die bewusste Bezugnahme auf die Lebensweise der Lohnarbeiter, die innere Landnahme (Wittemann 1996: 10).
    Vor dem zweiten Weltkrieg wurde Massenproduktion schon zum Prinzip der Rüstungsproduktion, aber erst während (in den USA) bzw. nach dem 2. Weltkrieg wurde sie zum Kern der Innovationsprozesse in der industriellen Konsumgüterproduktion (Haushaltsgeräte, Kraftfahrzeuge, Elektrotechnik, Elektronik, Lebensmittel, industrieller Woh- nungs- und Städtebau) und in modifizierter Form auch in vielen Investitionsgüterindustrien. Damit aber wurde die Steigerung der Arbeitsproduktivität durch economy of scale zur wichtigsten Produktivitätsressource – das ist der erste Unterschied des Fordistischen Teilhabekapitalismus von vorangegangenen Kapitalismustypen.

    − Zweitens: produktivitätsorientierte Lohnentwicklung. In der Zeit vor dem zweiten Welt- krieg bzw. vor der Weltwirtschaftsdepression (1929-1938) stiegen die Reallöhne zwar auch schon, blieben aber im Mittel deutlich hinter der Produktivitätsentwicklung zurück (vgl. dazu insbesondere Lutz 1984).
    Seit den 1950er-Jahren steigen die Löhne in allen o.g.

    (8 Bekanntlich meinte Henry Ford, durch Rationalisierung könnten die Autos billiger und die Löhne höher wer- den, so dass die Arbeiter zu Käufern der von ihnen produzierten Autos – bzw. der von ihnen produzierten Konsumgüter überhaupt – werden könnten. Damit hat er das volkswirtschaftliche Prinzip der Kopplung von Massenproduktion und Massenkonsumtion, vermittelt über die Verbindung von Produktivitäts- und Lohnstei- gerung, erstmalig als eine Strategie wirtschaftlicher Entwicklung formuliert. Daher ist es gerechtfertigt, sie fordistische Massenproduktion zu nennen – im Unterschied zur Massenproduktion von Gewehren und Kano- nen (vgl. Ford/Crowther 1922).
    Land, Busch 2009-10, Teilhabekapitalismus) ,11

    Volkswirtschaften im Mittel mindestens genauso schnell wie die volkswirtschaftliche Produktivität.9 Dies gilt bis Ende der 1970er-Jahre. Folge ist eine positive Rückkopplung von Massenproduktion, Masseneinkommen und Massenkonsumtion. Bei einer Orientierung der Reallöhne am Produktivitätszuwachs schafft jede Produktivitätssteigerung genau die Nachfrageausweitung, die erforderlich ist, um den Zuwachs an Produktion in Form wachsender Konsumtion abzusetzen und zu verbrauchen, und sie schafft außerdem eine zusätzliche Investitionsnachfrage, die es tendenziell ermöglicht, Gewinne und Ersparnisse vollständig zu investieren. Das berühmte Problem der „Akkumulation des Mehrwertes“ (Luxemburg 1913: 279f, 296f, 398f) bestand nur, solange die Löhne nicht im Maße der Pro- duktivität stiegen. Erst durch die ständig steigenden Masseneinkommen und die steigende Massenkonsumti- on konnten die economy of scale und die fordistische Industrieorganisation zum zentralen Innovationsfeld dieses Entwicklungstyps werden. Und erst mit der fordistischen Massen- produktion war eine Ökonomie der systematischen Steigerung der Lohneinkommen und der wachsenden Konsumtion der abhängig Beschäftigten möglich. Fordistische Massen- produktion und produktivitätsorienierte Lohnentwicklung gehören zusammen. Die über die produktivitäsorientierte Lohnentwicklung vermittelte positive Rückkopplung von
    9 Wichtig ist, dass die durchschnittlichen Löhne aller Arbeitskräfte im Maß der Produktivität der gesamten Volkswirtschaft (also gesamtes BIP pro Erwerbstätigem bzw. pro Arbeitsstunde) steigen, unabhängig von den unterschiedlichen Steigerungsraten der einzelnen Branchen. Die Produktivität einer Volkswirtschaft ist das Ergebnis des arbeitsteiligen Zusammenwirkens aller die Erbringung des BIP erforderlichen Branchen, daher werden auch alle Branchen, die notwendige Arbeit leisten, am Produktivitätsfortschritt in gleichem Maße partizipieren, auch wenn die technische Produktivität (Stück pro Zeit) sehr unterschiedlich steigt, in manchen Branchen aus technischen Gründen überhaupt nicht. So steigt die technische Produktivität in der gewerblichen Industrie in der Regel überdurchschnittlich, während sie bei personenbezogenen Dienstleistun- gen, z.B. bei Ärzten (Behandlungen pro Stunde) oder Friseuren (Frisuren pro Zeit), kaum steigen kann. Die ökonomische Produktivität für alle notwendigen Arbeiten steigt aber branchenunabhängig in der Regel trotz- dem, weil die Preise für notwendige Arbeiten, deren technische Produktivität nicht oder nur unterdurch- schnittlich steigen kann, entsprechend ansteigen (müssen), wenn die volkswirtschaftliche Produktivität steigt, während die Preise für Waren, deren Produktion in der Regel überdurchschnittliche Produktivitätssteige- rungsraten aufweisen, sinken bzw. unter der durchschnittlichen Preissteigerungsrate liegen. Die differenten Preissteigerungsraten der Waren gleichen also für notwendige Arbeiten die unterschiedlichen technischen Produktivitätssteigerungsraten so aus, dass – zumindest in der Tendenz – eine gleichartige ökonomische Pro- duktivitätsentwicklung (Wertschöpfung pro Zeit) für alle notwendigen Branchen als Resultierende heraus- kommt. Es wäre also falsch, Lohnentwicklungen mit den technischen Produktivitätssteigerungsraten einzel- ner Branchen in Beziehung zu bringen. Orientierungspunkt ist stets die Produktivitätsentwicklung der gesam- ten Volkswirtschaft. (Notwendige Arbeiten bzw. notwendige Branchen sind die, ohne deren Produkte andere Branchen nicht produzieren können bzw. ohne die die Reproduktion der Arbeitskraft nicht erfolgen kann.) Die unterschiedlichen Lohnniveaus und unterschiedliche Lohnsteigerungen einzelner Branchen haben also nicht differente Branchenproduktivitätssteigerungen zur Ursachen (dann müssten Ärzte wenig und Fließ- bandarbeiter viel verdienen). Ursache dafür sind einerseits differente Aufwendungen für die Erlangung der erforderlichen Qualifikationen und den Zugang zu einem Beruf, dann auch kulturelle Gründe, Traditionen, Monopole. Andererseits aber die aktuelle und die mittelfristige Marktlage, also Abweichungen der Nachfrage nach bestimmten Qualifikationen vom Angebot, regionale Differenzen bei erschwerter Wanderung usw. In einer Volkswirtschaft würden sich die Löhne verschiedener Branchen und Regionen vollständig ausglei- chen, wenn die Aufwendungen für den Zugang (Berufsausbildung und andere) gleich hoch wären und wenn die Kosten des Berufswechsel bzw. die regionale Wanderung null wären. Da dies nicht der Fall ist, differie- ren die Lohnniveaus entlang dieser Determinanten (vgl. Flassbeck/Spiecker 2000, 2001, 2007).
    Land, Busch 2009-10, Teilhabekapitalismus (12),

    Massenproduktion und Massenkonsum ist das Geheimnis der globalen Dynamik dieses Regimes wirtschaftlicher Entwicklung wie auch des deutschen Wirtschaftswunders – aber sie ist zugleich auch die Krux und der Keim des Niedergangs. Volkswirtschaftlich wichtig für das Funktionieren des Entwicklungsregimes ist, dass nicht nur der private Konsum und die privatwirtschaftlichen Investitionen der Unternehmen, sondern auch der öffentliche Konsum, die Transfereinkommen und die staatlichen Investi- tionen etwa im Maße der Produktivität wachsen. Die produktivitätsorientierte Lohnentwicklung schließt die Kopplung der meisten Massentransfereinkommen an die Produktivi- tät ebenso ein wie die Steigerung der staatlichen, kollektiven und ggf. auch der privaten Ausgaben für Sozialleistungen, Infrastruktur, ggf. Bildung und öffentliche Dienstleistungen, die zwar nicht in jedem Jahr, aber summarisch im mehrjährigen Mittel (und tendenziell eher antizyklisch) etwa mit der Produktivität steigen. Die Kopplung der Löhne an die Produktivität ist die Voraussetzung, auf der Wohlfahrts- und Sozialstaat möglich wurden. Daher ist der fordistische Kapitalismus nicht zuerst durch neue Staatsfunktionen, etwa den Sozialstaat zu erklären oder durch Wirkung der Politik auf die Wirtschaft zu verstehen. Die Vorstellung, es sei der Staat, der zu der kapitalistischen Ökonomie hinzugekommen, sie eingehegt und gezähmt hätte, ist ebenso falsch, wie die Vorstellung, die veränderte Einkommensverteilung beruhe vor allem auf staatlichen Umverteilungen. Es ist die Ver- änderung des Regimes der Kapitalverwertung, also die Verbindung von fordistischer Mas- senproduktion und produktivitätsorientierter Lohnentwicklung, die eine veränderte Rolle des Staates erfordert und ermöglicht und auf deren Basis Wohlfahrts- und Sozialstaat möglich wurden. Die Veränderung der Kapitalverwertung aber ist nicht Folge der Einwir- kung von Politik auf die Ökonomie, so wichtig ihre Rolle beim New Deal als dem Aus- gangspunkt der Transformation der Kapitalverwertung auch eingeschätzt werden muss. Die Transformation des Regimes der Kapitalverwertung ist die Folge komplexer Verände- rungen der Gesellschaft und der Lebenswelten der Individuen, zu denen u.a. die Entstehung und Erstarkung der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften, die Entstehung der Massendemokratie und der Rechtsstaat, die moderne Technologie der Massenproduktion und der wissenschaftlich-technische Fortschritt ebenso beigetragen haben dürften wie neue wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnisse (Schumpeter, Keynes z.B.) und der Sie- geszug der Moderne als Kulturform. − Drittens: Ein Weltmarktregime der komparativen Vorteile. Der Weltmarkt wuchs nach dem 2. Weltkrieg erheblich schneller als die nationalen Volkswirtschaften, weil diese sich komplementär auf differente Produktpaletten bzw. unterschiedliche Funktionen im evol-
    Land, Busch 2009-10, Teilhabekapitalismus (13)
    vierenden globalen Massenproduktionsregime spezialisieren. Damit wird der Weltmarkt neben der produktivitätsorientierten Lohnentwicklung zur zweiten essentiellen Rückkopplung von Massenproduktion und Massenkonsum, mit der globale Effekte, globale economy of scale, für Innovationen nutzbar wurden(10). Bereits vor dem ersten Weltkrieg war der Weltmarkt ein zentraler Orientierungspunkt des kapitalistischen Entwicklungsprozesses gewesen, aber zwischen 1914 und 1945 dominierten nationalstaatliche Innovationsstrategien, die bis zur Autarkie reichten. Erst nach dem zweiten Weltkrieg entstand eine positive Rückkopplung zwischen Massenproduktion, Massenkonsum und Weltmarkt (vgl. Abelshauser 2004: 34ff). In Deutschland wurden der Maschinen- und Anlagenbau als Branche und die diversifizierte Qualitätsproduktion, vor allem die Produktion von Produktionsmitteln – Produktions- mitteln für die Massenproduktion – und komplexen Konsumgütern, wie PKW, zu dem herausragenden Exportgut, während die Massenproduktion von Konsumgütern wie Textilien, Bekleidung und Schuhen, Massen-Elektrotechnik und später auch von EDV und Un- terhaltungselektronik eher in anderen Ländern expandierte.11 „So wichtig die fordistische Massenproduktion in der Nachkriegszeit auch geworden ist, so wenig bedeutete ihr später Einzug … den Bruch mit den Regeln der diversifizierten Qualitäts- produktion.“ (Abelshauser 2004: 59)
    Auch ein Regime der diversifizierten Qualitätsproduktion, das den deutschen Mitgegebenheiten und dem entstandenen deutschen Institutionensystem (Abelshauser 2004: 31, 43 und 59) entsprach, nutzt bezogen auf die Weltwirtschaft Funktionen in einem globalen Massenproduktionssystem, folgt also zumindest mittelbar der economy of scale, die zu- mindest bei den Anwendern, z.B. den Käufern von Druck- oder Textilmaschinen, das Selektionskriterium für Investitionen bildet. (10)…”

    Viele Grüße Bubblegum

    • Thorsten Eckau - 13. November 2013

      Hallo Bubblegum,

      vielen Dank für den zitierten Text. Da muss ich noch was drüber nachdenken im Urlaub. Aber ich denke, das trifft so ziemlich den Nagel auf den Kopf und meine Meinung.
      Grüße aus Brasilien.

    • Holly01 - 13. November 2013

      Hallo Bubblegum,
      danke für den link und die Zitate. Die relative Abhängigkeit von Absatzmarktvolumen zu Produktivität/Angebot ist ja ansich nur logisch.
      Das Marktvolumen müsste in etwa in der Höhe der Produktivität mitwachsen.
      So etwas hatten wir einmal vor langer Zeit……

  • Traumschau - 12. November 2013

    Hallo Stefan, vielen Dank für den Beitrag!
    Wenn ich das richtig verstanden habe betreiben die Chinesen Kreditlenkung – richtig?
    Warum wird das im Westen nicht auch gemacht? Warum betreibt man keine Kreditlenkung in produktive Investitionen? Ich denke das ist doch eine Kompetenz der Zentralbanken?
    Ich stelle mir aber zugleich vor, dass auch das unter den derzeitigen Bedingungen der schwachen Binnenmärkte – durch Lohnkürzungen, etc. – auch nicht unbedingt zu einem grandiosen Erfolg führen würde, aber wenigstens würde es ein weiteres Aufpusten der Blasen verhindern?
    LG Traumschau

    • SLE - 12. November 2013

      Hallo Traumschau,

      (Markt-)Steuerung/Lenkung ist für Monetaristen und Liberale ein Unding. Differenzierende Eingriffe (z.B. Kredite für spekulative Zwecke vs. realwirt. Investitionen) ebenso. M.E. ist es in der gegenwärtigen Situation auf den Märkten notwendig. Das Problem ist das Wie. Grund: Theorie- bzw. Erklärungsdefizit.

      Grüße
      SLE

  • JL - 12. November 2013

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner,

    Die größten Manipulatoren sitzen wohl bei den Zentralbanken selbst.

    Da werden Staatsanleihen aufgekauft als wenn es kein Morgen mehr gibt, es wird das Faulste an Hypotheken zu jedem Preis aufgekauft und Banken mit billigstem Geld versorgt damit diese möglichst noch eine Wette loszutreten.

    Das alles nennt sich dann seriös umschrieben verantwortungsvolle, marktbelebende Geldpolitik.

    Tatsächlich hat man sich aber seitens der Notenbanker zu weit in Manipulationen des Finanzwesens ergangen, es gibt kein Zurück mehr. Würde auch nur eine große Zentralbank die Geldschwemme zurückfahren zerreißt es als erstes den regionalen Wirtschaftsraum, Banken und den zugehörigen Aktienmarkt (Kreditklemme). Anschließend würde wohl die Pleitewelle genauso oft die Finanzmeere überrollen wie die Flutwelle des einst explodierten Vulkans Krakatau 1883 die weltweiten Ozeane (bis zu 3-mal damals).

    Dabei muß noch nicht mal eine Notenbank Harakiri begehen.

    Nachdem die BRIC- Staaten sich auf einen Realwerthandel ohne US$ geeinigt haben folgen neuerdings Japan, Südafrika und Australien im Handel mit China. Das bedeutet eigentlich nur, daß der Dollarraum immer kleiner wird. Wenn nun die monatlich gedruckten Greenbacks mit den nicht mehr benötigten Dollars zusammentreffen wird es dann wohl ein ernsthaftes, sich selbst verstärkendes Problem für die Weltleitwährung und der damit verbundenen verantwortungsvollen, marktbelebenden Geldpolitik geben.

    Info hierzu:

    http://www.propagandafront.de/1186450/das-kommende-finanz-chaos-anleger-sollten-auf-alles-vorbereitet-sein.html

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Thorsten Eckau - 13. November 2013

      Hallo JL,

      “… als wenn es kein Morgen mehr gibt” muss wohl “da es sonst kein morgen mehr gibt” heißen 🙂
      LG
      Thorsten Eckau

      • JL - 13. November 2013

        Hallo Thorsten Eckau

        Danke für die Berichtigung 🙂

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

  • Erino - 12. November 2013

    Die Zentralbanken könnten sehr wohl die Inflation direkt anheizen, sie müssten nur das neu geschaffene Geld direkt an die Bürger verteilen. Die würden es dann schon ausgeben. bei 85 Mrd$ im Monat wären das für jeden US Bürger 270$ im Monat. Dies wäre sicher effektiver, als die Inflation über Assetpreise. Oder anders gesagt, müssste man viel weniger Geld drucken, um den gleichen wirtschaftlichen Effekt zu erzielen.

    Das Problem ist halt, dass davon die Reichen eher wenig profitiieren.

    • Holly01 - 13. November 2013

      Hallo Erino,

      Der Zinszyklus steuert die Inflation nicht direkt (zumindest nach meinem Verständniss).
      Die Bank steuert über die Zinsen den Investitionszyklus und damit die Produktivität.
      Die Bank gibt auch die Menge an “Risikokapital” für Forschung vor und steuert so indirekt den Entwicklungszyklus.
      Die Zentralbank ist ja nur der Dachverband der Geschäftsbanken.
      Banken sitzen in den Firmen aller Markrteilnehmer/-konkurenten und steuern über Geldvergabe quasi, wer investieren darf und damit zukunftsfähig bleibt und wer nicht.
      Gleichzeitg steuern die auch, wo entwickelt wird und wo nicht, bzw. die Kosten dafür.

      Die Banken –machen– sich die Wirtschaft in einem hohen Masse so wie die das “wollen”.
      Die Amis kontrollieren nicht umsonst weltweit den Bankensektor und wollen alles als AG was über 50k€ Eigenkapital kommt. Der Zugriff ist dann viel besser möglich.

      • Erich - 13. November 2013

        Hallo Holly01,

        bei der FED ist mir das schon klar, die werden so etwas nicht machen, aber prinzipiell müsste es doch möglich sein, mit dem Verteilen von neuem Geld einen enormen Nachfrageschub zu erreichen. Dies könnte den Kollaps einiger Banken genauso ausgleiche, oder vielleicht sogar besser als die Bereitstellung des Geldes zur Rettung dieser Banken. Es hätte den Vorteil, dass sehr viel von dem Scheingeld verschwindet. Natürlich darf so etwas nicht über einen langen Zeitraum passieren. Die Assetpreise würden vermutlich fallen, und die höhere Nachfrage würde die allgemeine Inflationsrate erhöhen. Was ist an dem Gedanken falsch, übersehe ich da etwas?

        Auf jeden Fall würde bei einem Bankenkollaps einiges an Vermögen verschwinden, aber die Unternehmen hätten weiterhin genug Nachfrage, um die Situation zu überstehen.

        • Holly01 - 13. November 2013

          Hallo Erich,
          die Antwort ist umfangreich und sie wird Steffen nicht gefallen, wobei Steffen damit kein Problem hat, es lenkt nur die Diskussion in andere Richtungen und Steffen macht sich hier eine Menge Arbeit um etwas herauszuarbeiten.
          Wenn meine Antwort (für die ich etwas brauchen werden) also einkassiert wird, nicht ärgern.
          Die Inhalte sind hier oft und ausführlich besprochen und beleuchtet.

        • Holly01 - 13. November 2013

          Hallo Erich, ich versuche einmal meine Antwort, denn zu dem Thema gäbe es viele Antworten:

          Das Geld ist, war und wird sein ein Betrugsmittel. Man teilt die die das Geld für ihren Lebensunterhalt benötigen und keine Möglichkeit haben ausser Arbeiten und Sparen und die die Geld “machen”, also schöpfen.

          Eine Mär ist : wenn ich alle Schulden bezahle gibt es kein Geld mehr.
          Natürlich Unsinn.
          Wenn ich alle Kredite zurückzahle dann gibt es kein Giralgeld mehr, welches von Geschäftsbanken geschöpft wurde, wäre richtig.
          Geld wird aber auf mehr als einer Ebene geschöpft, es hat mehr als eine Zustandsform (abhängig von der Definition) und das wichtigste: die Werte die vom Geld abgebildet werden sollen, die gäbe es immer noch.
          Werden alle Schulden bezahlt sinkt das Volumen und die Zinserwartung, das tötet alle Bankensysteme im Nanosekundenbereich.

          Geld als Mittel den Konsum anzuheizen ist ebenfalls nur ein Märchen. Die Banken verwalten das Geld. Käme irgendjemand auf die Idee den Leuten Geld leistungslos zu geben, wozu brauchen wir dann Banken?
          Die Leute würden ihre Schuldenfalle verlassen und sich “freikaufen”.
          Das zerstört die harte Arbeit von Jahrzehnten.

          Geld muss verdient werden. Die Alternative sehen wir gerade. Hat jemand die Möglichkeit Geld und damit Macht zu erhalten ohne eine Leistung zu erbringen, dann tut diese Gruppe alle um das auch so hinzubekommen.
          Eins der zentralen, wenn nicht das zentrale Problem dieser Krise.
          Man hat den Banken einfach Geld gegeben. Die haben eine Situation geschaffen und das erzwungen.
          Logische Konsequenz, wir werden diese Situation nie wieder verlassen und die Banken erzwingen immer wieder Geld.
          Erweitern Sie aber den Personenkreis passiert eben dies nur im größeren Rahmen.
          Das Geld würde von den Menschen zu ihrem Nutzen eingesetzt. Man würde Sachwerte kaufen. Man würde sich entschulden, man würde sich logisch und folgerichtig verhalten.
          Das wäre aber kein Konsum.

          Konsum kann man am besten herstellen, indem man Leute die keine Rücklagen haben und nicht kreditwürdig, im weiteren Rahmen sind, mit Geld versorgt.
          Die nehmen das verkonsumieren es und freuen sich über den neuen Kram zu Hause.
          Alle anderen verhalten sich aber anders.

          Harz IV um 50% aufstocken bedeutet, der Staat bekommt direkt 19% MWSt zurück, also etwa 1/5.
          Es würde bedeutet, die Banken zu entlasten weil die Kreditausfälle merklich nachlassen würden.
          Es würde bedeuten die Verwaltungen zu entlasten, weil die Privatinsolvenzen spürbar nachliessen.
          Es würde bedeuten den Einzelhandel zu stärken, weil das direkter Umsatz wäre.

          Den Spitzensteuersatz zu halbieren würde bedeuten : gar nichts. Die interessiert das nur am Rande.

          Das alles darf man aber in Deutschland nicht sagen oder schreiben. Wobei “darf” tatsächjlich wörtlich zu nehmen ist.
          Wer das beruflich trotzdem tut, landet im Kabarett. Wo anders beko0mmt der nämlich keine Aufträge oder Stellen.

          Das ist der letzte Komplex, den ich erwähnen möchte. Die Medien sind komplett abhängig von nur 2 Nachrichtenargenturen und sie sind in der Hand eineriger weniger Privatleute, die sich für diese Marktmacht und ihren Einsatz fürstlich entlohnen lassen.
          Wer auch immer öffentlich tätig ist, der macht mit. Sonst wäre er nämlich nicht öffentlich wahrnehmbar, bzw. wäre ein Clown oder würde diffamiert.
          Die breite Masse der Menschgen will das auch gra nicht wissen. Die Meisten wollen nicht informiert sein.
          Das ist dann allerdings ein ziemlich geniales Ergebniss das unsere Eliten bzw. ihrer Strippenzieher gut hinbekommen haben.

  • Bubblegum - 12. November 2013

    @RedMoe

    “Äh ja, schönes Notenbankbashing mal wieder. Das ist ja in einigen Kreisen sehr chic in den letzten Jahren, dass die bösen Notenbanker an allem Schuld sind weil sie zu viel Geld gedruckt haben.”

    Ihre Polemik ist hier völlig unangemessen und zeigt nur, dass Sie sich wenig bis gar nicht mit diesem gigantischen Wirtschafts- und Finanzschwindel befaßt haben, der seit der privaten Gründung der Bank von England die angloamerikanische und damit praktisch die westliche Wirtschaftswelt beherrscht.
    Zur Hebung Ihres Kenntnisstandes empfehle ich Ihnen das folgende Buch:
    Dollarcrash, Autorin: ELLEN HODGSON BROWN

    Leider wird diese absolute Fleißarbeit im extrem rechtslastigen Kopp -Verlag für 4,95 € verramscht! Sehr schade, denn das Buch verdiente einen besseren Verlag und eine größere Verbreitung in Deutschland!
    Es setzt sich intensiv mit der Frage auseinander inwieweit überhaupt unabhängige, vor allem privat organisierte Notenbanken, notwendig und wünschenswert sind. Es beschreibt die während des ganzen Mittelalters absolut zuverlässig funktionierende Geldversorgung mittels der sog. Kerbhölzer, die durch den Sohn William des Eroberers eingeführt wurden (etwas, das mir beispielsweise völlig unbekannt war! So viel zur Wirtschaftwissenschaftlichen Ausbildung an unseren Universitäten!!).
    Die Autorin zitiert dabei auch die Arbeit eines englischen MA-Experten aus dem Jahre 1912. In dieser wird behauptet: Ein Handwerker des Mittelalters verdiente in England innerhalb von 14!!! Wochen so viel, dass er seine Familie (Größenangabe fehlt!) davon ernähren konnte.

    Das beschreibt die Finanzierung der Cromwellschen Revolution gegen die katholischen Thronerben in England! Als Gegenleistung wurde die Gründung der Bank von England in private Hände gelegt. Hände, die auch noch aus dem Ausland, nämlich aus Holland stammten.

    Mein persönlicher Hinweis: Ich habe Anhaltspunkte dafür, dass die Reparationsbedingungen denen Deutschland im Jahre 1919 durch den Versailler Vertrag unterworfen wurde, auch deswegen so brutal hart ausfielen, weil die deutsche Reichsregierung sich weigerte, die Herrschaft über das Geld aus der Hand zu geben. Denn während des gesamten Kaiserreichs (1871-1918) lag die Geldversorgung und das Wechselkursregime in der Hand von Beamten des Reichsschatzamtes, das wiederum dem Reichskanzleramt unterstellt war!! In diesem Zeitraum wuchs, am BIP gemessen, das Deutsche Reich zur führenden Wirtschaftsmacht in Europa heran, überholte sogar England!
    Es ist ja auch ein bisher kaum diskutiertes Phänomen, dass die Hyperinflation in Deutschland erst in 1923 einsetzte. Vier Jahre nachdem Deutschland 100.000 Lokomotiven/Waggons abgeben mußte, seine komplette Flotte/ große Teile der Handelsflotte verlor. Viele rohstoffreiche Gebiete wie Lothringen/Teile Oberschlesiens abgeben mußte(trotz gegenteiliger Volksentscheide!!). Bereits mehrere Goldmark Reparationen gezahlt hatte. Erst im Laufe des Jahres 1923 begann die Inflation zu galoppieren. Anfang 1923 kostete eine Briefmarke 5000 Mark, noch ein halbwegs “verträglicher” Preis, Anfang Oktober 5,8 Bill. Mark!!.
    Dazwischen lag die Ruhrbesetzung. Erst mit diesem Gewaltakt wurde die Geldentwertung unbeherrschbar! Ich halte es inzwischen auch nicht mehr für Zufall, dass dies unter der liberalen Regierung Cuno passierte! Damit wurden der Dawes – und der Youngplan möglich und der Weimarer Republik wurde indirekt die Herrschaft über das Geld aus der Hand gewunden, die BIZ, die immer einen jüdischen Vize hat, zur Bank der Notenbanken. Irgendwie erinnert das alles an die Aktionen, mit denen die Troika zur Zeit Griechenland zu knechten sucht!

    Damit sind wir bei der Aussage von SLE: “Inflation scheint Mangelware geworden zu sein.”
    Meine Auffassung als Quintessenz der historischen Fakten:
    Nicht die Höhe der ausgegebenen Geldmenge in den Varianten M1-M3 sondern die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist die Ursache für Inflation/Deflation (s. Kerbhölzer!). U aber ist eine stark psychologisch geprägte Komponente!” Sie entscheidet über die Preisentwicklung (Maßstab für innere Deflation/Inflation) bzw. den Wechselkurs(Maßstab für äußere Deflation/Inflation). Nur leider ist, wie SLE das richtig beschreibt, durch die Währungsspekulation, QE 1-X, sowie die diversen Währungsswaps/ CDS Geschäfte etc. der letztere zerstört!
    Viele Grüße Bubblegum

    • RedMoe - 13. November 2013

      @Bubblegum

      Ach was, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes hat was mit Inflation zu tun? Wäre ich ja im Leben nicht drauf gekommen. 😛

      Aber sagen Sie mir doch: Was hat das mit meiner simplen Frage an SLE zu tun, was die Notenbanken sonst tun sollten? Und was hat das alles mit Versaille oder mit der Organisation der FED oder BoE zu tun (die EZB ist nicht in privater Hand)? Und was zur Hölle spielt die Religion eines BIZ-Vorsitzenden für eine Rolle? Wtf?! Wenn das die Argumentation in dem genannten Buch ist, ist es im Kopp-Verlag vielleicht ganz gut aufgehoben.

      • SLE - 14. November 2013

        Hallo RedMoe,

        sorry, ich hatte das als rhetorische Frage angesehen und sie deswegen nicht beantwortet. Ich denke, Sie hätte den Zins natürlich zunächst weiter unverändert lassen sollen. Denn erstens bringt die Zinssenkung für die Investititionsbereitschaft in Europa und speziell in den südeuropäischen Staaten praktisch überhaupt nichts. Zweitens gibt es inzwischen viele Hinweise auf kritische Übertreibungen auf den Finanzmärkten, auch wenn die schwerwiegendsten vielleicht nicht in der Euro-Zone auszumachen sind, sondern u.a. insbesondere in China (Kredit- und Immobilienblase).

        Ich sehe nicht, wie die Notenbanken sich aus der Geiselhaft der Märkte UND der Politik befreien wollen, wenn sie die ultralockere Geldpolitik nicht nur fortsetzen – wie ja jetzt auch von Yellen angedeutet -, sondern den Geldhahn immer noch weiter aufdrehen. Ein Weg, die Wirtschaft in Schwung zu bringen und vor allem auch die Finanzmärkte abzukühlen, ist das definitv nicht. Im Gegenteil. Die Fed verschiebt das tapering ein ums andere Mal nur aus Angst vor neuen Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Dass die US-Wirtschaft der Grund dafür sein soll, wer kauft der Fed das noch ab? Das ist angesichts der wirtschaftlichen Wirkungen von QE1-4 unglaubwürdig.

        Viele Grüße
        SLE

        • RedMoe - 14. November 2013

          @SLE

          Dass dieser neuerliche Zinsschritt nichts mehr reißen wird, bestreite ich gar nicht. Die Geldpolitik war auch bei 1% mE schon an ihrem Ende angelangt.

          Nichtsdestotrotz sehe ich meine Einwände gegen Ihren Artikel in keiner Weise widerlegt. Das zentrale Problem ist nach wie vor die nicht vorhandene Regulirung des FIRE-Sektors und die korrekten Adressaten hierfür sind nicht die Notenbanken, sondern die Gesetzgeber. Die Notenbanken müssen mit den Instrumenten auskommen, die ihnen zur Verfügung stehen und dazu gehört nunmal nicht die gesetzliche Regulierung der globalen Zockerbude (allenfalls die Umsetzung).
          *Vielleicht* würde eine restriktive Geldpolitik auch das Kasino ausbremsen, aber sicherlich wiederum unter Reibungsverlusten in der Realwirtschaft.

          Statt auf den Notenbanken rumzuhacken, weil die hilflos versuchen den Laden zusammenzuhalten mit Mitteln, die dafür nicht mehr ausreichen, würde ich mich lieber mit der Frage beschäftigen warum im Bereich Finanzmarktregulierung bisher so gut wie nichts geschehen ist.

          • SLE - 14. November 2013

            Hallo RedMoe,

            im Aufsatz habe ich doch sehr deutlich geschrieben, dass die Notenbanken versuchen Pobleme zu lösen, die sie nicht oder kaum beeinflussen können. Ich habe auch geschrieben und moniert, dass sie sich nicht aus der Geiselhaft der märkte UND der Politik lösen. Damit ist doch auch gesagt, dass sie in verschiedener Hinsicht den Job machen, den eigentlich die Politik zu erledigen hätte.

            Aber offensichtlich hat sich auch die Vorstellung vom Aufgabenspektrum der Notenbanken gewandelt. Die EZB wird nun auch die Bankenaufsicht übernehmen und wenn Sie heute zufällig die Anhörung von Janet Yellen vor dem Bankenausschuss des US-Senats verfolgt haben, dann wird Ihnen sicher auch aufgefallen sein, dass überwiegend Regulierungsfragen gestellt und erörtert wurden und geldpolitische nicht so sehr im Fokus standen.

            Grüße
            SLE

  • Michstoff - 12. November 2013

    @ Bubblegum:
    Das Buch ist in der Tat extrem gut, ich hatte es damals sofort als die Erstauflage herauskam gekauft.

    Warum meinen Sie dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes für Inflation / Deflation ausschlaggebend ist? Ich sehe das eher als “Investitionsstau” und Perspektivlosigkeit.
    http://research.stlouisfed.org/fred2/categories/32242

    Aus meiner Sicht hängt die Preisstabilität in Form von Inflation / Deflation maßgeblich von der Kreditmenge ab sowie der Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit (Wechselkurs) eines Landes. Siehe hierzu die Verwerfungen innerhalb der letzten Jahre innerhalb der Geldmengenaggregate, während M3 nur leicht gewachsen und in letzter Zeit konstant ist.

    Insgesamt sind doch weder in usa noch in europa die Kreditmengen gestiegen, deshalb gibt es auch nur wenig Inflation. Es wurde eine Umverteilung von privater Nachfrage zu staatlicher Nachfrage in Gang gesetzt was die Staatsschulden in die Höhe getrieben hat und diese werden nun von den Notenbanken monetisiert. Die dafür vom Staat zu zahlenden Zinsen kassiert die Notenbank und schüttet diese wiederum an den Staat aus. Auch die private FED hat angabegemäß einen Gewinnabführungsvertrag mit dem Finanzministerium, soweit ich das einmal gelesen habe.

    Die so hohe “gefühlte Inflation” liegt m.E. an Gewinnmaximierungen der Konzerne und wohl kaum an höheren Rohstoffkosten. Denn Rohstoffe waren 2008 teuer, aber heute sind diese doch wesentlich günstiger. Der Euro schwankt natürlich schon stark gegenüber den Rohstoffländern wie Australien etc. was sicherlich auch seinen Anteil an der Inflation beiträgt.

    Und die massiven Preisanstiege bei Immobilien liegen doch in den Städten massiv an den Fluchtgeldern, die aufgrund der Austrocknung von Steueroasen und Ängsten von Privat- und Institutonellen Anlegern um den Globus schwappen.

    • Holly01 - 13. November 2013

      Umlaufgeschwindigkeit vs. Menge:

      Wenn ich es richtig verstanden habe, so ist die Mengensteuerung auf die Umlaufgeschwindigkeit aufgesetzt.
      Man könnte also wie bei einer Steuerung sagen, die Umlaufgeschwindigkeit zeigt den Bedarf an Geldmengenausweitung an.
      Eine hohe Umlaufgeschwindigkeit ohne Mengenausweitung ist einerseits preisstabilisiernd, weil die Menge an Waren gegenüber der Geldmenge relativ steigen sollte, andererseits ist die hohe Umlaufgeschwindigkeit Zinstreibend, weil ja Bedarf vorhanden ist.
      Insgesamt ist eine hohe Umlaufgeschwindigkeit bei gleichbleibender Geldmenge ein Mittel um gehortetes Geld in den Markt zu ziehen.
      Man kann alle anderen Fälle ableiten (Geldmengenausweitung, Umlaufgeschwindigkeit senken).
      Das Kreditvolumen steuert die Geldmenge, dei Geldmenge steuert die Umlaufgeschwindigkeit.

      So in etwa habe ich das verstanden.

  • Frankenfurter - 12. November 2013

    Hi SLE, Sie glauben, dass der statistisch erkennbare Rückgang der Inflation hauptsächlich auf das schärfere Vorgehen der Aufsichtsbehörden gegen mächtige Spekulationskartelle zurückzuführen ist, die in der Vergangenheit an den Futuremärkten die Preise für Rohstoffe und Zinsen in die Höhe getrieben und damit alle anderen Konsumgüterpreise verteuert hatten. Sie vermuten also, dass es einen Zusammenhang zwischen verschärfter Banken- u, Börsenkontrolle und allgemeinen Preisverfall geben könnte.
    Wenn ich mir die Konsumgüterpreise beispielsweise in den USA (1) über einen langen Zeitraum anschaue erkenne ich, dass der Trend zum Preisverfall bei den Konsumgütern seit nunmehr über 30 Jahre anhält. Allerdings sind Übertreibungen im Zeitraum 2005-2009 erklärungsbedürftig, die mMn mit hoher Wahrscheinlichkeit eine spekulativen Blasenbildung war und deren Platzen mit dem Lehmannbank-Crash zusammenfällt. Wie erklären Sie den Wechsel des Inflations- zum Deflations Trend, der in dem Langfristchart im Jahre 1980 stattgefunden hat?
    (1)

    • SLE - 12. November 2013

      Mit zunehmender Reifung, Konzentration und Marktsättigung quer durch alle Branchen und jetzt mit dem Übergang in die Stagnation/Rückbildung und durch die Entwicklung der Kaufkraft bzw. die zunehmende Spreizung zwischen Löhnen und Profiten. Jetzt kommt die Austeritätspolitik hinzu.

      Spekulation und Manipulation sind zwei ganz verschiedene Sachen. Das der Rückgang der Inflation hauptsächlich damit zu tun hat, dass gegen Manipulationen vorgegangen wird, habe ich nicht geschrieben. Ich denke es spielt eine Rolle und müsste berücksichtigt werden.

      Viele Grüße
      SLE

  • Bubblegum - 12. November 2013

    @ Michstoff

    “Warum meinen Sie dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes für Inflation / Deflation ausschlaggebend ist? Ich sehe das eher als “Investitionsstau” und Perspektivlosigkeit.”

    Es gibt für mich die folgenden Gründe:

    1. Es sind die historischen Erfahrungen mit:

    a) der deutschen Hyperinflation 1923. Das habe ich in meinem Beitrag bereits beschrieben.
    b) dem vergeblichen Versuch der japanischen Notenbank seit 1990 inflationäre Tendenzen
    durch massive Geldmengenausweitung zu erzeugen,

    c) die QE- Maßnahmen der FED seit 2008, die nichts fruchten. Selbst die neuesten
    Schwindeltricks der Notenbanken mit ihren Währungsswaps helfen nicht! (siehe Polleit:

    http://goldseiten.de/artikel/187074–QE-Politik-gescheitert.html).

    d) dem Schaubild, dass ich ihrem Link entnommen habe. Es ist zwar nur M1 reicht aber:
    das Bild zeigt einen extremen Anstieg der M1 Basis zwischen 1960 und 1980 (1. Ableitung über
    die Zeit deutlich >0. Trotzdem sind die 60ger, 70ger und 80ger in den USA durch fallende
    Wachtumsraten beim GDP zum Teil sogar rezessive Tendenzen gekennzeichnet. Wir
    haben also Unterkomsumption und Unterinvestition, obwohl nach der herrschenden
    Lehre der Voodoo VWL inflationäre Tendenzen und damit GDP Ausweitung auftreten
    müßten, weil alle das immer wertloser werdende Geld zum Investieren bzw.
    Konsumieren einsetzen müßten. Aber da lassen die sog. Experten der VWL immer die
    Grenznutzenlehre außer Acht.
    Eine Erklärung könnte sein: siehe Link im vorherigen Blogbeitrag.

    2. Die betriebswirtschaftliche Seite:
    FIAT Geld wird nur durch Kredit geschaffen. Wann kommt ein potentieller Kreditnehmer
    in den Genuß eines Kredites? Doch nur, wenn er nach Meinung der Bank zumindest in der
    Lage ist, Zins und Tilgung zu zahlen. Erreichen die Nominallöhne nicht mindestens den
    Wert des Produktivitätszuwachses oder ist der Zusatzgewinn nicht mindestens so hoch wie
    die zusätzlich anfallenden Zinsen und Tilgungen für den Kredit aus dem die Investition
    finanziert worden ist, dann muß der Kredit als faul ausgebucht werden. Arbeitnehmer könen aus
    dem frei verfügbaren Einkommen nicht mehr zahlen, ebenso die Unternehemer nicht mehr aus
    den Zusatzgewinnen, die nicht eintreten. Auf der Aktivseite des Kreditgebers erfolgt die
    Ausbuchung des Vermögenswertes Forderungen, mit der Folge einer Bilanzverminderung und
    einer Eigenkapitalreduktion. Nur so kann das Waageprinzip
    erhalten bleiben! Außer man reduziert die Verbindlichkeiten durch Schuldenerlass. Aber
    das ist Augenwischerei, denn des Einen Verbindlichkeiten sind des anderen Forderungen!
    Marx hat das in seinen Werken mit den Begriffen: Überproduktionskrise, sinkender Fall der
    Profitraten, Expropriation der Expropriateure beschrieben und vorweggenommen. Aber das
    ist für den Mainstream igitt, igitt. Es kann nicht sein was nicht sein darf! Das sind mir feine
    Wissenschaftler diese VWLer!
    Und noch etwas fällt bei dieser Betrachtungsweise auf: Es wird immer behauptet die
    Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sei eine Funktion des GDP und der Geldbasis M1-M3.
    Umgekehrt wird ein Schuh draus: GDP und Geldbasis sind eine Funktion der
    Umlaufgeschwindigkeit des Geldes! Deswegen ist Fischers Verkehrsgleichung in die Tonne
    zu treten. Historische Begründung:
    Bis zur Einführung Rentenmark November 1923 hatten wir eine riesige
    Umlaufgeschwindigkeit des Geldes also Tendenz gegen unendlich und deswegen
    Investitionen in ungeheurem Ausmaß insbesondere bei den Ruhrbaronen. Mit der
    Einführung der Rentenmark normalisierte sich diese. Ergebnis: die Kirdorfs, Thyssen,
    Flicks, Werhahns und wie sie alle hießen, gerieten an oder in den Konkurs und konnten nur
    durch Maßnahmen der Reichregierung gerettet werden. Diese stellten in rechtlichem Sinne
    Verstöße gegen Auflagen des Dawes – Planes dar. Eine heimliche Ausweitung der
    Geldbasis.
    Trotzdem keine Inflation wie eigentlich anzunehmen wäre.
    Viele Grüße Bubblegum

  • Freiberufler - 13. November 2013

    Exzellenter Artikel.

    Was die EZB da treibt, ist der Versuch, eine Zahlungsbilanzkrise mit den Mitteln der Geldpolitik zu beheben. Das ist lächerlich; so lange ein Produkt in Deutschland 1 Euro kostet und in Griechenland 1,20 Euro, wird kein Mensch in Griechenland investieren. Daran ändern Nullzinsen, LTRPOs, QEs und so weiter rein gar nichts.

  • Dino - 13. November 2013

    @ Bubblegum
    zu a)
    also hierzu möchte ich folgendes anmerken: das Reperationszahlungen und die während dem Krieg massiv angestiegene Verschuldung sowie Ankauf der Schulden durch die Notenbank und schlussendlich in den Boden fallender Wechselkurs schlussendlich zur Währungsreform führten ist ja unstrittig.
    zu b)
    Daten zur Umlaufgeschwindigkeit in Japan habe ich nicht, somit kann ich dazu nichts sagen. Die massive Gelddruckerei hat in Japan ausschließlich zu einer Währungsabwertung und Exportüberschüssen geführt, aber auch weil die Japaner produktiver geworden sind. Mit Abwertung der West-währungen seit 2008 hat sich ja bekanntlich bei Japan ein Handelbilanzdefizit eingestellt.
    zu c)
    sicher fruchtet QE, es hält das Bankensystem am Leben und den Staat verschuldungsfähig.
    zu d)
    unter dem link finden sich die Umlaufgeschwindigkeiten der Geldmengenaggregarte. Den 60er, 70er und 80er Jahren Schrumpfungen im BIP zuzuschreiben halte ich für übertrieben,

    http://research.stlouisfed.org/fred2/series/GDPC1

    Wärhrend sich doch Ende der 50er Jahre allmählich das amerikanische Zahlungsbilanzdefizit einstellte und nach wie vor die Währungen an der USD gebunden waren (1922 Konferenz von Genua, 1944 Bretton Woods) wurde u.a. infolge des Vietnam Krieges 1971 die Goldbindung augehoben was die Verschuldung massiv ermöglichte.

    Ein Kredit kann solange bedient werden, solange geüngend Einnahmen vorhanden sind oder neue Kredite zur Verfügung stehen, oder vereinfacht ausgedrück: Solange die Kreditmenge weiter ausgeweitet wird. Würde diese nicht kontinuierlich wachsen, wäre schlichtweg kein Geld vorhanden um Zinsen zu bezahlen, da diese nicht “erzeugt” werden. Verdient nun ein Unternehmen nicht mehr genug, um den Kredit zu bedienen oder bekommt keine Prolongation oder Anschlusskredit muss logischerweise der Kreditgeber Rückstellungen bilden und am Ende schlägt dies natürlich auf das Eigenkapital durch, siehe meine Anmerkung unter c).
    ” Es wird immer behauptet die
    Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sei eine Funktion des GDP und der Geldbasis M1-M3″ -> Warum denn nicht, so wird die Umlaufgeschwindigkeit schlicht und einfach errechnet.
    “Bis zur Einführung Rentenmark November 1923 hatten wir eine riesige
    Umlaufgeschwindigkeit des Geldes also Tendenz gegen unendlich und deswegen
    Investitionen in ungeheurem Ausmaß insbesondere bei den Ruhrbaronen” -> Also bis November 1923 galoppierte doch die Inflation schon und jeder wollte seinen täglich! ausbezahlten Lohn so schnell wie möglich in Nahrung tauschen, weil am nächsten Tag alles noch teurer war. Dies ist aus meiner Sicht der Grund warum die Umlaufgeschwindigkeit riesig war.
    Wesentlich bedenklicher ist doch jetzt, das die Geschwindigkeit in den usa seit jahren fällt und auf einem Tiefpunkt steht. Die Preisfrage ist: Was wird der Auslöser damit diese ansteigt und was heisst das dann?

    @ Holly:
    Also die Geldmenge steuert die EZB über ihre Operationen. Ob hierbei die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes als relevantes Kriterium hinzugezogen wird entzieht sich meiner Kenntnis.

    • Holly01 - 14. November 2013

      @ Dino:
      heute ist das so. Früher gab es die MIndestreserve. Da wurde Geld pro Umlaufzyklus abgeschöpft. Zu soliden Zeiten zwischen 20%-30% pro Zyklus.
      Die Mindestreserve wurde aber de facto abgeschafft, mit 0,5% ist sie nur noch ein Schatten als Lenkungsgröße.
      Die Geldumlaufgeschwindigkeit ist (meines Wissens) in Deutschland seit 10 Jahren sinkend, Das ist so, obwohl das Kreditvolumen welches die EZB für Deutschland vorgibt beständig unterhalb der Inflations-/Produktivitätzuwachslinie liegt.
      Ich würde es gerne verlinken, aber ich habe den link nicht zur Hand, sry.
      Also angenommen, ich habe es mir richtig gemerkt, wirft das auf Deutschland ein klares Licht. Deutschland brennt aus, man verbrennt die vorhandene Infrastruktur, das vorhande Wissen und die vorhandene Arbeitnehmerkompetenz.
      Gewinnmitnahme auf nationalem Niveau. Danach wird nichts mehr kommen, denn es wird nicht investiert. Wir fahren mit Volldampf in die Wand.

  • Holly01 - 14. November 2013

    Man muss das doch endlich klar erkennen:
    Geld ist kein bestandsbewahrendes Mittel. Geld ist kein Werteerhalter.
    Die Welt um uns herum ist keine Bank, wir können zahlen, aber wir werden nur sehr begrenzt abheben können.
    Wenn ich jemandem Geld anbiete wird der es nehmen.
    WEnn ich Geld von jemandem fordere, dann kann er mir nur geben was er nach Abzug aller Unkosten übrig hat. Ist das NIX bekomme ich das auch nur.
    An der Stelle –muss– doch jedem Klar werden, wie doof wir uns verhalten.

  • Bubblegum - 14. November 2013

    @RedMoe

    “Ach was, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes hat was mit Inflation zu tun? Wäre ich ja im Leben nicht drauf gekommen. 😛

    Aber sagen Sie mir doch: Was hat das mit meiner simplen Frage an SLE zu tun, was die Notenbanken sonst tun sollten? Und was hat das alles mit Versaille oder mit der Organisation der FED oder BoE zu tun (die EZB ist nicht in privater Hand)? Und was zur Hölle spielt die Religion eines BIZ-Vorsitzenden für eine Rolle? Wtf?! Wenn das die Argumentation in dem genannten Buch ist, ist es im Kopp-Verlag vielleicht ganz gut aufgehoben.”

    Sehen Sie, Ihre Replik ist das Problem! Zeigt sie doch, daß Sie sich in das Grundproblem nicht!! eingearbeitet haben.
    Dieses lautet: Wem gehört das Geld? Dem Volk oder einer kleinen Clique von Privatleuten, insbesondere denen einer bestimmten Glaubensgruppe, die sich für besonders auserwählt hält!
    Dieser Kampf tobt seit Anbeginn der Menschheit, in allen Völkern, Kulturen, Religionen etc.

    Schauen wir uns das Grundproblem am Bsp. der FED einmal an. Da haben die USA 1913 folgendes zugelassen: Die FED schafft Geld aus dem Nichts! Früher hatte sie geringe Druck-und Prägekosten, heute ist das nur noch ein Knopfdruck! Mit diesem Geld aus dem Nichts kauft sie amerikanische Staatspapiere, für die die USA und damit alle amerikanischen Bürger Zinsen zu zahlen haben. Mit welcher Berechtigung, so frage ich Sie, dürfen die privaten Eigentümer der FED wie J. P. Morgan, Goldman Sachs, M.M. Warburg etc. Zinsen für aus dem Nichts geschaffenes Geld verlangen? Sich damit auf mühe- und risikolose Weise Einkommen und Vermögen verschaffen, während sich der Rest Amerikas abrackern und abschuften muß, um Einkommen und Vermögen zu erzielen? Einer der vielen Gründe, die 1913 von diesem Konsortium angeführt wurden, waren:
    a) nur Wir sichern die Stabilität der Währung (Binnen – und Außenwert)!
    b) nur Wir verhindern eine Währungs- und damit eine Wirtschaftskrise wie 1907!

    Propagandalügen wie wir heute wissen! Die Kaufkraft des US-Dollar ist seit 1913 um 97% zurückgegangen. Und die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise durchleiden wir immer noch!

    Das Gegenmodell hat Abraham Lincoln im amerikanischen Bürgerkrieg praktiziert. Weil er die horrenden Kriegskosten nicht mit dem vorhandenen Vorrat an Gold- und Silberdollar decken konnte, schuf Lincoln das von den Nordstaaten herausgegebene Fiat-Geld den Greenback.
    Aber dessen Ausgabe lag ausschließlich beim Staat, nicht in privater Hand!!!
    Interessant ist, dass bei Kriegsende der Binnenwert des Greenbacks noch immer bei 64% im Verhältnis zum Gold- bzw. Silberdollar lag. Und Lincoln wurde nicht deshalb ermordet, weil
    er die armen Neger von der Sklaverei befreite ( die wichtigen, weil großen Sklavenhalter im Süden hatten längst mit spitzem Bleistift durchgerechnet, dass der Unterhalt von teuer ersteigerten Sklaven viel kostspieliger war als billige mit Hungerlöhnen zu bezahlende Landarbeiter, weiße und schwarze). Dass ist nur das Propagandatuch gewesen, mit dem verdeckt wurde was hinter den Kulissen wirklich ablief! Lincoln wurde ermordet, weil er sich weigerte, die Herrschaft des Geldes in die Hände eines privaten Konsortiums zu legen. So wie es die Südstaaten taten und damit bereits im zweiten Kriegsjahr Schiffbruch erlitten, weil die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zu galoppieren begann (Zahlenbasis darüber ist allerdings sehr rudimentär, weil viele wichtige Daten nur indirekt ableitbar sind!).
    Und damit sind wir wieder bei Ihrer Ausgangsfrage, was das mit der FED, insbesondere der EZB zu tun hat. Beide sind von ihrer Rechtskonstruktion her keine Stiftungen oder Anstalten des öffentlichen Rechtes sondern Zweckgesellschaften bzw. GmbH- ähnliche Konstruktionen.
    Eine kleine Clique, die über keinerlei demokratische Legitimation!!! verfügt, hält die Herrschaft über das Geld von uns Europäern in der Hand. Entscheidet darüber, ob mit dem Euro windige
    Anleihen der Südperipherie angekauft werden oder nicht. Für Geld aus dem Nichts müssen die PIIGS Zinsen zahlen. Mit welcher Berechtigung, so frage ich sie, sind im Zeitalter der Computer bei der Geldversorgung zwischen die EZB und die Unternehmen/Verbraucher privat organisierte Geschäftsbanken zwischengeschaltet? Diese erhalten praktisch für lau
    Zentralbankgeld, verlangen aber für einen überzogenen Dispo mehr als 10% Zinsen. Für Geld aus dem Nichts geschaffenes Geld erhalten sie das Recht ein Vorfälligkeitsentgeld zu verlangen, wenn bei Verkauf eines Hauses eine Hypothek vorzeitig gekündigt werden muß!
    Das sind zutiefst ethisch/moralische Fragen, die untrennbar mit diesen finanztechnischen Problemen verbunden sind.
    Steffen hat ja mit seinen Grafiken eindrucksvoll dargelegt, dass die Geschäftsbanken zum Nadelöhr für die Geldversorgung geworden sind, die Umlaufgeschwindigkeit noch mehr beeinträchtigt haben. Die Instrumente der FED und der EZB wurden durch so windige Konstrukte wie SWAPS, CDS, CDO, also die ganzen Derivatekonstruktionen, praktisch außer Kraft gesetzt.
    Wir Europäer müssen also nun auch darüber entscheiden, hauen wir im Interesse unserer Kinder und Kindeskinder diesen verdammten Bänkern endlich auf die Finger oder begeben wir uns endgültig wie eine Herde Schafe in die Sklaverei überhöhter Zinsen und dubioser Kreditverträge oder managen wir das mit unserem Geld so wie die vielen Regionalwährungen, die sich am Beispiel Lincolns orientiert haben!
    Wenn Sie auf dieser Basis mit mir diskutieren wollen, dann sehr, sehr gerne. Jede andere aber plausible und faktenbasierte Sichtweise hilft mir weiter, ansonsten aber ist Polemik manchmal sehr amüsant aber nicht sehr hilfreich!
    Für diejenigen, die im neuen Testament sehr bewandert sind, möchte ich im Zusammenhang damit noch auf folgendes hinweisen:
    Das NT berichtet, wie der junge Jesus die Geldwechsler aus dem Tempel zu vertreiben sucht.
    Die einzige Begebenheit, die mir bekannt ist, wo Jesus gewalttätig wird.
    Der finanztechnische Hintergrund ist so aktuell wie nie:
    Eine kleine Clique von Hohenpriestern hatte durchgesetzt, dass Juden nur spezielles Tempelgeld (Geld aus dem Nichts) opfern durften. Wenn die kleinern Leute wie der Handwerkersohn Jesus überhaupt Münzen besaßen, dann nur die der römischen Besatzungsmacht. Diese mußten sie mit einem saftigen Verlust in Tempelgeld tauschen, wollten sie im Tempel opfern. Eine kleine Gruppe verschaffte sich mit einem simplen Trick ein müheloses, gesichertes Einkommen. Diese Szene könnte auch im Jahre 2013 spielen!
    Viele Grüße
    Bubblegum

    • RedMoe - 14. November 2013

      Ja, Bubblegum, wenn Sie für Vollgeld sind, dann schreiben Sie das einfach. Da brauchen Sie nicht solche bescheuerten, die halbe Menscheitsgeschichte umsspannenden Weltverschwörungsfantasien auftischen. Dass wir einen nicht unerheblichen Teil des privaten Banksektors so dringend brauchen wie einen eitrigen Furunkel am Analausgang, weiß ich auch ohne spannende Geschichten warum US-Präsident XY und WIRKLICH ermordet wurde und was der Weltfinanzjude nun wieder ausgeheckt hat. Genauso wie mir klar ist, dass monetäre Staatsfinanzierung längst nicht das Teufelszeug ist, zu dem sie von der (neoklassischen/monetaristischen) Mainstream-Lehre gemacht wird. Und gegen eine aktivere Rolle des Staates im Wirtschaftsleben habe ich auch nichts grundsätzliches einzuwenden.

      Nur hängt all das nicht – und das schreibe ich jetzt zum letzten mal – an den Notenbankern, sondern am Gesetzgeber. Dieser legt fest, was der Finanzsektor darf und was nicht. Dieser legt fest, was die Notenbank darf und was nicht und wer dort das sagen hat. Deshalb ist auch er der korrekte Adressat für Kritik in diesen Bereichen und nicht die Notenbank.

  • Teppichklopfer - 14. November 2013

    “Dieser Kampf tobt seit Anbeginn der Menschheit, in allen Völkern, Kulturen, Religionen etc.”

    So weit würde ich nicht gehen :). Der Fehler den wir machen und der schwer zu verinnerlichen ist, da wir immer vom jetzigen Zustand ausgehen, ist der, sich mit diesem System, dieser Kultur und dieser nicht zwangsläufig menschlichen Entwicklung zu identifizieren. Soll heißen, unsere Kultur, Denk- und Handlungsweise ist nur eine von vielen möglichen Entwicklungsschienen, die nun leider global wurde und den Blick auf die andersartigen Möglichkeiten und auch historisch belegbaren Zustände von Teilen der Menschheit verzerrt und verfälscht. Sehr aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang die vergleichende Analyse von nicht Geld und Gold nutzenden Menschheitsteilen mit unserer Gold- Geld-anbetenden Kultur und deren auch sonst völlig andersartigen Sicht auf das Leben.

  • Bubblegum - 14. November 2013

    @ Teppichklopfer,

    Kritik angekommen und angenommen!

    “Sehr aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang die vergleichende Analyse von nicht Geld und Gold nutzenden Menschheitsteilen mit unserer Gold- Geld-anbetenden Kultur und deren auch sonst völlig andersartigen Sicht auf das Leben.”

    Gibt es dazu Literatur?

    Viele Grüße Bubblegum

    • Teppichklopfer - 14. November 2013

      Es gibt so Vieles, ich hab ein paar Titel zusammengestellt, sicherlich nicht vollständig und man könnte endlos weitermachen, aber es geht wohl v.a. darum neue Perspektiven zu gewinnen und neue Informationen zu sammeln. Aber Vorsicht! Manche Titel haben extremen Inhalt und haben mich emotional/psychisch sehr mitgenommen.

      Das moderne Weltsystem, Bd.1, Die Anfänge kapitalistischer Landwirtschaft und die europäische Weltökonomie im 16. Jahrhundert, Wallerstein

      The lost Universe, Weltfish

      Menschenforschung auf neuen Wegen, Eibl-Eibesfeldt

      Slavery, Elkins

      Racism – From slavery to Advanced Capitalism, Carter Wilson

      Making of New World Slavery, Blackburn

      The Earth shall weep, James Wilson

      Man’s rise to civilization, Farb

      Against the Gods – The remarkable story of Risk, Bernstein

  • JL - 14. November 2013

    Hallo Teppichklopfer, Hallo Bubblegum

    Zuerst einmal muß man sagen das Bubblegum Recht hat, zumindest meiner Meinung nach. Es ist für sich schon Grotesk und vollständig abnormal, wenn irgendjemand eine Zahl mit vielen Nullen in seinen PC eingibt, auf die „Enter“- Taste drückt und anschließend behaupten kann das für diesen Monat alle finanztechnischen Probleme gelöst sind. Dabei ist es egal ob dieser PC bei einer privaten oder Staatlichen Zentralbank steht. Egal wer Geld druckt, erhalten werden es immer direkt private Banken oder aber der Staat (z. B. in den USA).

    Die Loslösung von „Werten“- also Gold- ist erst seit Nixon 1971 der Fall, weil die Franzosen ihren Handelsüberschuß mit den USA damals in Gold ausgezahlt haben wollten, aber die Amerikaner durch den Vietnamkrieg praktisch Pleite waren.

    Aber auch Teppichklopfer hat Recht. Das beste Beispiel für alternative „Währungen“ ist Ozeanien mit seinem Muschelgeld. Siehe hierzu eine Beschreibung von 1905:

    http://de.academic.ru/dic.nsf/meyers/94566/Muschelgeld

    Geld- in welcher Form auch immer- hat an sich immer den Wert Null, auch Gold und Silber. Geld wird erst dann Werthaltig, wenn man diesem Geld einem „Wert“ zugesteht und dieser allgemein anerkannt wird, man also folglich Vertrauen in die „Werthaltigkeit“ des Geldes hat. Ob das nun Muscheln sind, Gold oder Silber, Dollars oder Salz während der Hallstattkultur vor 3000 Jahren ist dabei unwesentlich.

    Die Finanzbanker der westlichen Welt haben also ein ernsthaftes Problem.
    Einerseits müssen sie die selbstgeschaffene marode „Finanzindustrie“ stetig mit Fiatgeld stützen andererseits sorgen die monetären Flutungen der Märkte für abnehmendes Vertrauen beim Rest der „Gemeinde“. Egal was die Notenbanker auch machen werden, das Vertrauen in Fiat- Money ist jetzt schon hinüber.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Bubblegum - 15. November 2013

    @Teppichklopfer

    Danke für die Literaturhinweise.!

    Viele Grüße Bubblegum

  • Holly01 - 15. November 2013

    Ich hätte da eine Frage in die Runde :

    kann mir jemand erklären, warum ich in der Ökonomie so selten die Tatsache belegt finde, dass die Zinserwartung der Gewinnerwartung entgegensteht und das eine Geldausweitung immer eine Zinserwartung erzeugt, die der Gewinnerwartung entgegenläuft?
    Warum lese ich so selten, dass Geldausweitung Gewinnvernichtung ist?

    • dank - 15. November 2013

      Geldausweitung = Gewinnvernichtung = Geldvernichtung?
      Weil das pöse wäre und kein Neusprech?

      Wie hört sich so was an:

      Frankfurt. Der EZB-Rat gab heute bekannt, dass im Zuge der Wachstums- und Wirtschaftsförderung eine weitere Leitzinssenkung auf 0,25 % beschlossen wurde.
      Einhergehend mit Bekanntgabe dieser Maßnahme beantwortete der Pressesprecher
      den anwesenden Journalisten weitere Fragen zur Gewinnvernichtung um das
      Vorgehen transparenter zu gestalten.

  • dank - 15. November 2013

    Da es um Religion und Finanzen ging: http://www.defamation-thefilm.com/
    Evtl. gibts auf yt oder einem anderen Portal auch eine deutsche Version davon.
    Sehr interessant: Der Film wurde mit öffentlichen Geld gefördert und der Macher selbst
    gehört ebenfalls der behandelten Religion an. Besonders interessant ist die Aussage
    seiner eigenen Großmutter zu dem was uns weltweit finanztechnisch in Atem hält.
    Eine durchaus erhellende Doku und für alle empfehlenswert, die glauben,
    das Glauben, Geld, Manipulation und Staat nichts miteinander zu tun haben.

    • Basisdemokrat - 15. November 2013

      Hier die deutsche Version:

      Sehr differenziert, absolut sehenswert!

      Mein Weltbild hat sich wieder einmal ein kleines Stück erweitert.
      Danke für den Link!

      Gruß BD

    • Holly01 - 16. November 2013

      Hallo dank,
      ziemlich schwieriges Thema, aber ein sehr guter Film. Auf jeden Fall sehr sehenswert.
      Die “Fronten” auch innerhalb der jüdischen Gemeinde werden deutlich.
      Es ist eine perverse, ausweglose Situation, die nur Opfer hinterläßt.

  • Thomas Kirchner - 18. November 2013

    Wenn es nach dem französischen Minister Arnaud Montebourg ginge, käme die Inflation sofort
    http://alternativlos.tk/2013/11/frankreichs-arnaud-montebourg-setzt-ezb-unter-druck/