Bringt der EU-Gipfel den Durchbruch bei der Krisenbewältigung?

von am 27. Juni 2012 in Allgemein

Auf den Teilnehmern am bevorstehenden EU-Gipfel lastet ein hoher Erwartungsdruck. Im Vorfeld wurde er auch als Wachstumsgipfel bezeichnet, weil es um eine Abkehr vom einseitigen Sparkurs geben soll bzw. um ergänzende wachstumsfördernde Maßnahmen. Weil Zinsen und Risikoprämien für Staatsanleihen in Spanien und Italien immer weiter steigen und sich gerade auch deswegen die Schuldenkrise dort dramatisch verschärft, wird auch die Frage behandelt werden, wie die sich weiter verschärfenden Finanzierungsprobleme der Krisenstaaten gelöst werden können.

Speziell in den Krisenstaaten, aber auch mit Europa insgesamt geht es insgesamt schuldenmäßig und wirtschaftlich weiter bergab – trotz aller bereit gestellten Gelder, trotz aller ergriffenen Maßnahmen.

Dass der italienische Regierungschef Mario Monti im Vorfeld den EU-Gipfel in Presse und Medien mit düsteren Warnungen zu einem Schicksalsgipfel für die Rettung der Euro-Zone machte (1) und Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern gesagt haben soll, es werde keine Schuldengemeinschaft geben, solange sie lebe (2), zeigt exemplarisch wie sehr überkreuz die Auffassungen bezüglich geeigneter Maßnahmen liegen und wie festgefahren die Krisendebatte der Euro-Retter tatsächlich ist. Die Nerven liegen blank.

Vielleicht sind das geeignete Voraussetzungen für einen historischen EU-Gipfel. Unter Druck wurde ja in Europa schon so manches möglich. Aber es sind keinesfalls gute Voraussetzungen für einen Durchbruch im Kampf gegen die Krise und für Wachstum.

Warum nicht?

Die Beantwortung dieser Frage bedarf eines kleinen Exkurses.

Dass die Märkte einwandfrei funktionieren nehmen all jene an, die davon ausgehen, dass die Grundannahmen der ökonomischen Theorien, und damit die Theorien selbst, nach denen wir Märkte über Dekaden hinweg gefördert, entwickelt, mithin gestaltet und natürlich auch reguliert bzw. dereguliert haben, richtig sind.

Wer so argumentiert, sieht die Märkte von vornherein nicht als potenzielle Quelle der Probleme an, mit denen wir heute konfrontiert sind.

Wer aus dieser Perspektive argumentiert, wird deswegen auch zu dem Schluss gelangen müssen, dass die Schulden- und Wachstumsprobleme einiger Krisenstaaten nur über den Ausstieg aus dem Euro gelöst werden können oder, bei gewünschtem Verbleib im Euro, über eine drastische, soziale und politische Spannungen verursachende Austeritätspolitik.

Er blendet weitestgehend aus, dass die Schuldenprobleme in den Krisenstaaten infolge einer – möglicherweise strukturell bedingt – eingeschränkten Effektivität der Märkte überhöht sein könnten. Ferner geht er davon aus, dass allein Kosten und Preise für die nationale Wettbewerbsfähigkeit maßgeblich sind. Insofern ist dann die Steigerung der nationalen Wettbewerbsfähigkeit respektive die Auflösung der strukturell bedingten Leistungsbilanzdefizite, die ursächlich für die Schuldenprobleme sind, folgerichtig nur über eine drastische Anpassung der Preise und Kosten nach unten möglich. Aus dieser Perspektive gibt es nur zwei Lösungswege: Anpassung der Kosten und Preise nach unten über Austeritätspolitik – bei dieser Variante bleiben Krisenstaaten im Euro. Oder Ausstieg aus dem Euro und anschließende drastische Abwertung der nationalen Währung.

Zur Erinnerung: Dieselbe wirtschaftsliberale/neoklassische Theorie, aus der heute all dies so apodiktisch abgeleitet wird, hat sich historisch betrachtet bereits zum zweiten Mal als vollkommen ungeeignet erwiesen, die Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise (ab 1929 und ab 2008) vorherzusehen und zu erklären.

Wäre es darum nicht viel eher angebracht, sie als Ursache anstatt als Hilfe für die Lösung der Probleme zu betrachten? Wieso vertrauen wir noch immer darauf, dass die daraus abgeleiteten Erklärungen uneingeschränkt richtig sind? Wieso kommen wir nicht auf den Gedanken, dass wir uns mit dieser „Bauanleitung“ regelmäßig Märkte mit eingebauten Konstruktionsfehlern erschaffen, was nach Ablauf einiger Dekaden einen Systemkollaps bewirkt?

Damit dies – gerade im Vorfeld des EU-Wachstumsgipfels – nicht als Votum für den Keynesianismus fehlinterpretiert wird, sei ergänzend Folgendes bemerkt:

Der Austeritätspolitik und der Konjunkturstimulierung liegt im Kern dasselbe Verständnis von der Funktionsweise von Märkten zugrunde.

Vereinfacht ausgedrückt geht die – im Kern wirtschaftsliberale – neoklassische Theorie, die nur die Angebotsseite (also die Güter und Dienste anbietende Wirtschaft) betrachtet und adressiert, von der Hypothese aus, dass Märkte prinzipiell selbstregulierend sind und von sich aus immer zum Gleichgewicht streben. Es ist eine Modellwelt, in der im Wettbewerb stets nur die Kosten und der Preis entscheiden und u. a. generell Rationalverhalten („homo oeconomicus“) vorherrscht. Die daraus abgeleitete und auch auf die Austeritätspolitik zutreffende politische Grundidee ist, die Wirtschaft von staatlicher Einschränkung und Behinderung zu befreien, damit die Selbstregulierungskräfte des Marktes wirken können und sich so ein Gleichgewicht einstellt bzw. die Wirtschaft auf einen gleichgewichtigen Wachstumspfad zurückfindet.

Es ist eine die Wirtschaftsrealität nur sehr schlecht abbildende Theorie.

Vereinfacht ausgedrückt vertritt der Keynesianismus die Hypothese, dass es nachfrage­bedingt Situationen geben kann, in denen die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht oder besser gesagt die Konjunktur ins Stocken gerät, was staatliches Eingreifen bzw. staatliche (und geldpolitische) Impulse erforderlich macht. Es ist eine reine Makrotheorie. Keynes hat keinen anderen „Bauplan“ für Märkte oder die Marktwirtschaft entwickelt, sondern nur eine Anleitung für die Behandlung von Fehlern auf der Makroebene, deren Eintreten der liberale neoklassische Bauplan nicht vorsieht – was ihn dann ja auch zu der berühmten Aussage „In the long run we are all dead“ veranlasste. Seine Theorie stellt die liberale neoklassische Erklärung der Funktionsweise von Märkten folglich nicht prinzipiell infrage, sondern – so könnte man sagen – relativiert diese lediglich.

Wiederum vereinfacht ausgedrückt kann man sagen, beide Ansätze gehen davon aus, dass die Krise vergleichbar mit einem entweder langsam laufenden oder stotternden Motor über die Erhöhung der Spritzufuhr gelöst werden kann. Der Unterschied besteht im Wesentlichen darin, wie dieser zusätzliche Sprit generiert wird (durch Schrumpfung des Staates und der Kosten für die Wirtschaft oder durch „deficit spending“ und lockere Geldpolitik).

Ist aber die Erklärung unseres Wirtschaftsmotors fehlerhaft, dann könnte es folglich möglich sein, dass die Motorprobleme (bzw. die aktuelle Krise) gar nichts mit der Sprit­zufuhr zu tun haben, sondern ein Motorschaden vorliegt, den es zu beheben gilt. Das Problem ist dann, dass wir keinen zutreffenden Konstruktions- bzw. Bauplan haben und deswegen gezwungen sind, die Fehler in dem Plan zu finden und zu korrigieren, bevor wir daran gehen können, die Probleme mit entsprechenden Maßnahmen zu überwinden.

Das mit Blick auf die europäische Krise vielleicht bedeutsamste Problem ist, dass in beiden theoretischen Ansätzen sich entwickelnde Märkte und Volkswirtschaften nicht vorkommen und folglich auch nicht erklärt werden können.

Hiermit endet der kleine Exkurs.

Das ist sehr vereinfacht und recht plakativ dargestellt. Aber es dürfte vielleicht verdeutlichen, wie wenig beide wirtschaftstheoretischen Ansätze und Maßnahmen, die daraus abgeleitet und jetzt auf dem EU-Wachstumsgipfel erörtert werden, letztlich zur Bewältigung der aktuellen Krise beitragen können.

Ob Austeritätspolitik oder Konjunkturprogramme oder ein Mix aus beidem – nichts davon ändert etwas an den die Krise antreibenden grundlegenden, marktbedingten Problemen, die es laut klassischer und neoklassischer Wirtschaftstheorie definitionsbedingt gar nicht geben kann.

So betrachtet liegt die Lösung, die auf dem bevorstehenden EU-Gipfel mit Blick auf die Probleme der Euro-Zone und der Europäischen Union als Wirtschafts- und Währungsraum gesucht werden soll, im dichtesten Nebel verborgen – ein Nebel, den es nach herrschender ökonomischer und ökonomische Realität gewordener Auffassung nicht gibt.

Weil niemand Nebel mag, wird auf dem historischen EU-Gipfel auch nicht nach Lösungen gesucht werden, sondern nur nach „lebensverlängernden“ Maßnahmen. Das wird von den Gipfelteilnehmern selbstverständlich nicht so gesagt werden. Aber es war bisher bei allen auf EU-Krisengipfeln beschlossenen Maßnahmen der Fall und es wird – angesichts des beschriebenen „blinden Fleck“ der (beratenden Ökonomen und) Gipfelteilnehmer – auch dieses Mal nicht anders sein.

Das ist tragisch. Denn die Probleme werden sich gerade deswegen aller Voraussicht nach auch nach dem Gipfel weiter verschärfen.

Was Europa fehlt, ist ein neuer „Bauplan“ für seinen Wirtschaftsraum. Denn nur ein als Ganzes wirtschaftlich erfolgreiches Europa kann ein Europa sein, das wirtschaftlich und sozial zusammenhält.

Es ist der falsche Ansatz zu sagen, das gehe nicht. Denn wer es so sieht, ignoriert entweder die wirtschaftstheoretischen Schwächen, die es zu überwinden gilt oder er will schlicht Europa oder den Euro nicht – aus welchen Gründen auch immer. Der zuletzt genannte Grund ist natürlich grundsätzlich zu akzeptieren. Andere Lösungen aus wirtschaftstheoretischen Gründen für unmöglich zu erklären, greift indes nicht.

Natürlich werden auf dem EU-Gipfel kurzfristig wirkende Maßnahmen gegen die Krise beschlossen werden müssen, um eine erneute Eskalation der Krise zu verhindern und – einmal mehr – um Zeit zu gewinnen. Bisher wurde die teuer erkaufte Zeit indes regelmäßig nicht dafür genutzt, den Problemen auf den Grund zu gehen und sie an Ursachen zu bekämpfen. Das muss sich ändern, weil wir langsam an Belastungsgrenzen stoßen – nicht nur in finanzieller Hinsicht.

Worauf sich Europa deswegen jetzt in erster Linie verständigen müsste, ist ein wirtschaftspolitisches Leitbild, an dem nicht nur auf europäischer Ebene, sondern vor allem auch auf nationalstaatlicher und regionaler Ebene flexibel und eben nicht zentralistisch alle die Wirtschaft betreffenden Maßnahmen ausgerichtet werden können. Wenn man die Marktwirtschaft nicht abschaffen oder fortlaufend notdürftig reparieren will, dann impliziert dies die Notwendigkeit, die Erklärungsdefizite und Fehler des wirtschaftsliberal/neoklassischen Ansatzes, an dem wir uns bisher orientiert haben, zu überwinden. Hier sind die Ökonomen gefordert. Institutionelle Änderungen oder eine weitergehende politische Integration sind dafür – zumindest zum gegebenen Zeitpunkt – nicht notwendig und sie fänden in der Bevölkerung auch keine Zustimmung.

Europa hat – man glaubt es kaum, aber es ist wahr – bisher gar kein wirtschaftspolitisches Leitbild. Stattdessen hat jedes Land sein eigenes und danach zuhause wie auch in Brüssel agiert. Auch das ist eine wichtige Ursache für die wirtschaftlichen Probleme und Ungleichgewichte innerhalb der EU und ebenso für die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Verständigung auf einen europäischen Krisenkurs.

Was aktuell versucht wird, ist, die relative Stärke bzw. Schwäche von Volkswirtschaften für die Durchsetzung eines der bisher auf nationalstaatlicher Ebene verfolgten wirtschaftspolitischen Leitbilder auf europäischer Ebene zu nutzen. Dass in Europa bei der Krisenbekämpfung verstärkt auf Austeritätspolitik gesetzt wurde, ist die sichtbare Konsequenz dessen. Es ist absehbar, dass Frankreich bestrebt sein wird, dies zu ändern, weil es traditionell kein wirtschaftsliberal geprägtes Leitbild verfolgt, sondern stärker auf Intervention (sprich klassische Industriepolitik (3)) setzt. Eine Lösung wäre das für Europa indes auch nicht, weil es im Kern – wie oben im Zusammenhang mit Keynes bereits erklärt – auf dem neoklassischen Erklärungsansatz der Märkte aufbaut und insofern dieselben grundlegenden Schwächen aufweist. Im Endeffekt liefe das nur auf anders geartete Reparaturversuche mit derselben fehlerhaften „Bauanleitung“ hinaus.

Es gibt viel zu tun, liebe Gipfelteilnehmer. Packen Sie es bitte endlich an.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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121 KommentareKommentieren

  • Roland - 27. Juni 2012

    Der kreisende Gipfel kann deshalb maximal ein Mäuschen gebähren, da der von S.L völlig zurecht geforderte “neue Bauplan” für Europas Volkswirtschaften jenseits von Friedmann und Keynes zu suchen ist. Und dort suchen diese Leute ganz sicher nicht.
    Es ist sogar unwahrscheinlich, dass ein “Mäuschen” gebohren wird und nicht schon eine Ratte.

    p.s.
    Siemens berichtet heute, dass im zyklischen Geschäft die Auftragseingänge seit acht Wochen miserabel sind.
    Und die Commerzbank meldet heute, sie wird 1000 Stellen abbauen.
    More to come.

  • Systemfrager - 27. Juni 2012

    Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

    Albert Einstein

  • Ro - 27. Juni 2012

    Man tut Herr Eichner, man tut:

    “Nun ist es soweit, trotz aller Bedenken und Widersprüche wird am Freitag dem 29. eine Nachtsitzung im Bundesrat abgehalten. Der komplette Rundumschlag, mit Änderung des Artikels 136 AEUV, Fiskalpakt und ESM. Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen und so niemand etwas unternimmt und das Bundesverfassungsgericht seine Pflicht nicht wahr nimmt, der Souveränität den Garaus machen. Es erfüllt mich mit Trauer zu sehen, mit welcher Eile und Sorglosigkeit unsere Politiker den totalen Ausverkauf der Bundesrepublik forcieren. Mögen die Abgeordneten in sich gehen und sich fragen, ob sie das Ihren Kindern und Enkeln gegenüber verantworten können.”

    Man tut – unbeirrt!

    http://iknews.de/2012/06/27/esm-ratifizierung-29-06-putsch-gegen-grundgesetz/

    Die Argumente, warum man politisch diese Wege geht – mit alle Gewalt – sind nun im Kommentarfeld zu Ihrem letzten Beitrag hinlänglich benannt worden. Warum gehen Sie darauf nicht mal ein?

    Was könnte den getan werden!? Sie stellen zurecht fest, es gibt keine Lösung. Es gibt kein sparen und es gibt kein Geld ausgeben. Ich frage mich nur seit Sie schreiben, was würde Herr Eichner tun als Gipfelteilnehmer? Verstehen Sie mich nicht falsch, ich kann in Ihren Beiträgen nichts finden was einer Lösung gleichkommt. Und ich bin mir sicher, nach vielen Jahren der Reflexion, es gibt keine Lösung im Aufschuldungszwang. Dieser Zwang ist systemisch im zinsbasierten, eigentumbehafteten Papiergeldsystem. Die ganzen VWL Theorien dazwischen dienen ausschließlich der Umverteilung – einmal mehr ans Volk über “linke” Modelle, einmal mehr in die “Spitze” zu wenigen, nach “rechten” Modellen. Mehr ist das nicht. Solange dieser Systemzwang nicht gesehen werden soll, gibt es keine Lösung. Es ist eine Ewigschleife Herr Eichner, aber gerne lerne ich hinzu und mit Sicherheit übersehe ich etwas 😉 so dann freue ich mich auf Diskussion. Was würde Herr Eichner – konkret – als Vorschlagswerk, als funktionierendes Modell bringen?

    Schauen Sie, der einzig gangbare Weg in Schritt 1 ist die Zeitachse der Verschuldung erst einmal zurück zu drehen – war alles schon hier im Blog in Links beschrieben – hier nochmal:

    http://fbkfinanzwirtschaft.wordpress.com/2011/10/16/boston-consulting-group-erwartet-generellen-schuldenerlass/

    es gibt keinen anderen Weg. DAS müsste beschlossen werden auf dem Gipfel, wird es aber nicht, da (noch) nicht durchsetzbar, weil man den Menschen die Wahrheit vorenthält. Das müsste getan werden, auch wenn es naturgemäß Vermögenshalter nicht gefallen wird. So oder so sind sie dran.

    Ansonsten gibt es nur den weiteren und nun favorisierten Weg der Unterhöhlung der Vermögen, das was der ESM im Grunde macht. Nichts anderes geschieht hier. Das Endergebnis freilich ist das selbe. Dann wird die Schuld halt eine Runde später im Gesamten aus den Vermögensbilanzen gestrichen.

    Der entscheidende Unterschied ist, ALLES ist dann hier im Land in den Vermögensbilanzen weg und das Rätesystem ante portas via ESM ist und bleibt unumkehrbar. Der Moloch EU als neuer Nationalstaat ist geschaffen! Ein Trauerspiel und wir werden noch lange an die alte Demokratie zurück denken. Wir schlafen – alle. Ein Trauerspiel.

    Herr Eichner, ich würde mich über konkrete Vorschläge freuen. Ein Modell. Beste Grüße

    • Ro - 27. Juni 2012

      ergänzend in der Ursachenforschung:

      „Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, dass das System ihren Interessen feindlich ist.“

      erste Beweisaufnahme:

      http://www.bild.de/politik/inland/schule/so-doof-ist-deutschlands-jugend-24881308.bild.html

      gen zero Hoffnung. Welcome to facebook city. Es werde keine 5 Mio Paar Füße sein, welche zu laufen beginnen… sind zu beschäftigt… mit was auch immer………..

      • Alsterpirat - 27. Juni 2012

        Tja, solch ein Befund ausgerechnet im vollkommen heuchelei-unverdächtigen BILDungdsmedium Nr. 1 im deutschsprachigen Raum…;-) !

        • Ro - 27. Juni 2012

          immer querlesen;-) dann weiss man was und warum wohin gebracht werden soll. Auch die Bild hat ihre Treffer;-) selten, aber sie hat. Gruß 😉

        • Mark - 28. Juni 2012

          Es ist stimmt, dass die BILD-Zeitung versucht, die Leser zu beeinflussen.

          Daraus aber abzuleiten, dass die meisten anderen “Qualitätsmedien” dies nicht tun, wäre falsch. (Ich weiß, Sie tun das mit ihrem Kommentar nicht, aber ich möchte trotzdem darauf hinweisen.) Das Gegenteil ist der Fall: Auch die anderen Magazine und Tageszeitungen, Wochenzeitungen und Fernsehnachrichten versuchen nach Kräften, uns zu manipulieren. Sie tun dies nur weitaus subtiler als die BILD-Zeitung es tut. Dort erkennt der halbwegs intelligente Leser den Versuch schnell und ist verstimmt.

          Eines der zentralen Probleme in Deutschland sind die Medien, die willfährig von fremden Interessen gesteuert werden und keineswegs unabhängig und kritisch berichten. Nein: Sie vernebeln, beschönigen, verniedlichen. Gut erkennbar wird dies daran, dass sie i.d.R. sogar die Baby-Sprache der Regierungspropaganda aufnehmen: da wird “unter den Rettungsschirm geschlüpft”, da werden “Brandmauern gebaut” und “Hilfen geleistet”, da wird “zäh im Parlament zwischen ‘Opposition’ und ‘Regierung’ gerungen”. Und so weiter und so fort. Die Liste ist sehr lang.

          Das, was die Medien eigentlich machen müssten, nämlich: Den Wortschwulst wegschneiden und die reinen Fakten offenlegen, das tun sie nicht. Das ist eines der zentralen Probleme.

    • SLE - 27. Juni 2012

      Hallo Ro,

      “Verstehen Sie mich nicht falsch, ich kann in Ihren Beiträgen nichts finden was einer Lösung gleichkommt.”

      … dann haben Sie sie nicht alle gelesen. Zum Wachstumsproblem, zum Wachstumsmodell wie auch zum wirtschaftspolitischen Leitbild habe ich mich hier – und mit weiteren Aufsätzen auch in meinem eigenen Blog – schon ausführlich geäußert. Ich gebe hier nochmal die Links an:

      http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2011/01/die-europaische-krise-teil-2-die-euro.html
      http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2011/01/die-europaische-krise-teil-4.html
      http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2011/02/wettbewerbsleitbilder-der.html
      http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2011/02/die-europaische-krise-teil-4-das.html

      In der Wachstumsfalle – Griechenland & Co. (Teil 1): Wachstum und Entwicklung

      In der Wachstumsfalle – Griechenland & Co. (Teil 2): Das Wachstumsmodell und die Krise

      In der Wachstumsfalle – Griechenland & Co. (Teil 3): Lösungsperspektiven jenseits der Wachstumslogik

      Occupy Wall Street und was dann? – Was wird aus der Marktwirtschaft?

      Darüber hinaus habe ich, wenn Ihnen das nicht ausführlich und konkret genug ist, ein Buch geschrieben, in dem ich das alles näher dargelegt habe. Genau genommen geht es darin im Kern um die Diskussion unterschiedliche wirtschaftspolitischer Leitbilder, um Wettbewerbstheorien, um Wirtschafts- und Industriepolitik und um die Frage, wie man Wachstum und Beschäftigung erreichen kann. Klicken Sie dafür oben im Aufsatz (ziemlich am Ende) die Ziffer 3 an, das führt Sie zu dem Buch, falls Sie das interessiert.

      Ihrem ersten notwendigen Schritt stimme ich zu (Schuldenerlass) – ohne den geht es nicht.

      Das Zins- bzw. Schuldgeldsystem entfaltet seine problematischen Wirkungen nur in einer hochkonzentrierten Wirtschaft und Finanzwirtschaft. Stellen Sie sich dazu einfach nur mal eine Weltwirtschaft á la “vollkommene Konkurrenz” vor, mit sehr vielen kleinen Unternehmen und Banken als Akteuern. In einer solchen Welt würden die Probleme, die es heute entfaltet, nicht geben. Siehe dazu auch:

      Im Spiegel der Armut: Aktienhausse, Einkommenskonzentration und Oligopole – das Beispiel USA

      Mein Ansatz, hier und in meinem Blog zu schreiben, ist es in erster Linie, Dinge zu erklären, weil die Erklärungen, die uns auf anderen Wegen angeboten und eingetrichtert werden, unbefriedigend bis falsch oder tendenziös sind. Ich erhebe nicht den Anspruch, alles besser zu erklären oder besser zu wissen. Es geht aber auch eher darum, dass sich interessierte Leser selbst ein Bild machen können. Dafür ist es immer gut, wenn man unterschiedliche Erklärungen und auch Meinungen bekommen kann. Sie wissen aber selbst, dass wir im TINA-Zeitalter leben.

      Viele Grüße
      SLE

      • Ro - 27. Juni 2012

        Dank Herr Eichner, so wird es intensiver. Somit ein erster guter Konsens – ohne einen radikalen Schnitt, Vermögen ausbuchen versus Schulden ausbuchen um im Zeitstrahl “Aufschuldung” 20 Jahre zurück zu kommen geht es nicht. Keine Chance mehr ohne.

        Nun bin ich mir zu 100 % sicher, dass weiss Schäuble und. Co und die “Toppberater” Asmussen und Co. auch. So naiv sollte man hier nicht sein. Sie tun aber nichts… warum wohl…. nun, das Ergebnis des Gipfels wird Null sein – wie immer. Für den Rest brauche ich Zeit, ich meine aber die Links schon zum Teil vernommen zu haben. Ich geh mal in mich.

        Mein Fazit: Mit dieser Krise wird / soll mehr erreicht werden als eine reine Lösung für die Bürger.

        • Wolfgang Waldner - 28. Juni 2012

          Der sogenannte radikale Schnitt in das Vermögen ist nach meiner Sicht wenig sinnvoll. Schon der Weg dorthin ist mit mörderisch hohen Zinsen gepflastert.

          Warum nicht inflationiern und besteuern? Ist das zu einfach?

          Es gibt kein exponentielles Wachstum der Geldvermögen, wenn die Steuern für die Reichen und die reale Entwertung der Geldvermögen mit Inflation hoch genug sind.

          Unsere aktuellen Probleme haben genau in der Mitte der 70er Jahre mit der Durchsetzung von Monetarismus und Stabilitätspolitik begonnen. Mit dem Ende von Monetarismus und Stabilitätspolitik wären die Probleme fast gelöst.

          Die Korruption muss natürlich weiter zurückgedrängt werden, von Maschmeyers Rürup bis zum CO2-Schwindel und was es da sonst noch alles gibt (Pharma etc.).

          • Ro - 28. Juni 2012

            Hallo erstmal Herr Waldner –

            habe mich schon in der Vergangenheit intensiv mit ihrer Seite auseinandergesetzt. Viel Arbeit. Respekt vor dieser. Auch ein paar Werke hab ich erstanden;-) Gerade Ihnen muss ich doch über den Weg der Inflation Buchgeld / real nichts weiter erläutern und warum überhaupt die “hohe” Politik diesen aktuellen Weg geht. Auch sicher nichts über den Zins. Ich machs kurz, warum so frage ich geht man dann nicht diese wundersame Strasse des “weg inflationierens” der Schuld” ? Wäre doch ein tolle Weg für alle, keine Probleme, Sonne scheint. Empfehle die Sammlung des Gelben – nur am Rande, ich bin da nicht mit allem konform, aber zu 95% sehr wohl. Wenn die VWL nicht endlich lernt, alles mit einzubeziehen, Mensch, Eigentum, Zins, Geld und MACHTkonstrukt welche allem voran steht und den Faktor Energie, sind wir in der Endlosschleife der Diskussion. Dies zumindest meine Erkenntnis nach vielen, vielen Jahren. Auch und insbesondere bei Keynes bis zu Diskutant Systemfrager hier aufm Blog. Unsere aktuellen Probleme sind im Aufscchuldungszwang begründet Herr Waldner. Dass dieser seine Zeit braucht bis er sich auswirkt ist bekannt. Man hätte, sollte … Keynes wurde nie richtig “angewandt”… Teil 2 seiner Lehre… spare in den guten Zeiten etc.” alles bekannt trotzdem bleibt es aus meiner Sicht in der Mikroeben stecken.

            Korruption ist so alt wie der Mensch selbst. Alle Systeme sind nunmal unsere, gemachten, Systeme welche im Überbau den Debitismus schultern müssen. Auch hier sehe ich Nasen rümpfen. Nun denn, mir reichen 10 Jahre lesen und etliche Jahre diskutieren, dass ich erkenne. So wird das nichts. Vergebene Liebesmüh. Es sind und bleiben VWL und BWL technisch alles Kompromisse. Menschengemacht in Umverteilungsschlüsseln, so wie es ein paar wenigen gefällt. Ab hier kommt dann die dümmliche und verallgemeinende Verschwörungskeule zum tragen. Und ich kann immer wieder nur staunen wie manche Damen und Herren – studiert, intelligent – mit diesen Themen so blocken. Aber lassen wir das. Denn da können wir zwei ewig diskutieren und wir werden keine Lösung finden. Interessant ist es allemal ,-)

            Der erste Schritt überhaupt ist eine Radikalbesteuerung großer Vermögen um in Ihrem Trrminus der Besteuerung zu bleiben. Exakt dies, anders formuliert schlägt der Link von mir BCG vor – die Schuldenbilanz im Zeitstrahl wieder auf ein Niveau zu bringen von vor ca. 20 Jahren. Leicht machbar, ein Gesetz, verkünden, ausbuchen, Schulden dagegen auflösen. Zeit gewonnen. Schritt 1 erledigt. Nicht mehr und nicht weniger. Danach die Zinsen real anpassen und sie nicht wieder politisch anpassen und wieder wäre Zeit gewonnen. Aber der Aufschuldungszwang bleibt. Die Makroebene bleibt. Neue Probleme tauchen auf… tja, was tun die vielen Zinnsoldaten nun auf Gottes Erde… wie war das noch mit der Produktivität, geschuldet dem hinter her hächeln des Zinses… Die Betrachung der Makroebene, das wäre unsere Aufgabe. Statt dessen “streiten” ideologische VWL Ansätze von links nach recht und kein Ergebnis. Dumm ist das mit dem Menschen, er ist nunmal da.

            http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=194691
            kennen Sie aber sicher schon alles. Nur der Erwähnung halber.

            Und nur am Rande, Ihr Buch über Marx etc. sehr aufschlussreich. Wäre interessant die Geschichte über Keynes in ähnlicher Form mal zu lesen – wer hat ihn, warum finanziert;-) darüber mal was schreiben. Wäre wirklich hoch interessant. Mit den besten Grüßen an Sie.

          • Wolfgang Waldner - 28. Juni 2012

            Hallo Ro,

            vielen Dank für das Lob, aber die Geschichte von Keynes muss einen anderen Autor finden. Mir ist schon klar, dass jemand in der politischen Position von Keynes kein Unschuldslamm geblieben sein kann. Er hatte sich auch mehrmals verspekuliert und Freunde dabei mit reingerissen und musste dann von wirklichen Insidern des Börsenschwindels gerettet werden. Mit Keynes habe ich sozusagen die Ökonomie für mich entdeckt und daher will ich sein Andenken nicht schänden.

            Dass Inflationierung nicht stattfindet, obwohl sie unsere Probleme leicht lösen könnte, haben wir den Neoliberalen zu verdanken, die ja die Interessen der Rentiers vertreten. Ihnen brauche ich wohl nicht zu versichern, dass letztlich alles eine Macht- und Interessenfrage ist und das Argument, man habe eine für Menschen und Gesellschaft sinnvolle Problemlösung, wirklich nicht zählt.

            Leider ist es immer noch die Macht, die Wirtschaft und Gesellschaft in Schwung hält, und würden wir es morgen stattdessen mit guten Argumenten versuchen, würden bald alle verhungern. Da haben wir die Grenze aller ökonomischen Theorie und können die Welt mit unserem Geschwätz nicht verändern. 😉

            Viele Grüße

        • Mark - 28. Juni 2012

          Hi Ro,

          > Mit dieser Krise wird / soll mehr erreicht werden
          > als eine reine Lösung für die Bürger.

          Es ging bei dieser Krise NIE um eine reine Lösung für die Bürger. “Die Bürger” als Masse gibt es ja auch gar nicht. Da gibt es die 10%, denen knapp zwei Drittel von allem gehören, und da gibt es den Rest. Hier noch mal die prägnante Zusammenfassung des großen Georg Schramm:

          Es geht bei der Euro-Krise darum, dass einerseits eine europäische Integration weiter forciert werden soll (in wessen Interesse, das sei mal dahingestellt) und andererseits die Blamage der völligen Inkompetenz unserer Politiker vertuscht werden soll (zum Nutzen der Politiker, die auch weiterhin gut verdienen an ihrem debilen Handeln). Beides ergänzt sich perfekt. Das Nachsehen hat der Bürger und Steuerzahler, vor allem in Deutschland.

          • Ro - 28. Juni 2012

            meine Rede Mark – ist aber leider nicht von Interesse in der Masse und auch in den “mittleren” studierten Führungsebenen nicht. Weitermachen, profitieren, verblendet und indoktriniert. Zumeist, so sagt man, wissen die Obertanen nicht einmal wessen Werkzeug sie sind und das sie sind. Aber alles nur ein Gerücht,-) Spaß beiseite, es ist traurig.

  • langlode44 - 27. Juni 2012

    Hier helfen nur noch 5 Mio Paar Füße richtung Reichskanzlei, danach gibts 3 Monate Urlaub für alle, selbstverständlich bezahlt, und dann, ja dann mach`mer uns nen Kopp was wirklich wichtig
    is und und, äh, ja, die Betriebswirtschaft, die schmeissen wir aber vorher weg, sonst könn mir uns
    das mit die 5 Mio Paar Füße gleich sparen…

  • Frank Bell - 27. Juni 2012

    “zum zweiten Mal als vollkommen ungeeignet erwiesen (ab 1929 und ab 2008) vorherzusehen”

    Wirklich?

    1. Gab es lange vor 2008 warnende Stimmen, im Frühjahr 2007 gab es einen Einbruch der Aktienmärkte, der ein weiterer Hinweis auf die Probleme war. Es war vorherzusehen, aber die wichtigsten Akteure (Banker, FED, Spekulanten) wollten es nicht wahr haben. Dazu kommt, dass Heli-Ben ihnen jede Angst genommen hatte: Geld aus Hubschraubern abwerfen. Schade, dass das gemeine Volk nichts bekommt.

    2. Ist die “Krise” von 2008 vergleichbar mit der von 1929? Nein, denn schauen wir uns den Grad der Verelendung an, so gibt es einen himmelweiten Unterschied. Selbst in den USA gibt es Lebensmittelmarken für Bedürftige, Neo-Liberalismus hin oder her.

    • Ro - 27. Juni 2012

      die Vorsehbarkeit eines Scheiterns, ist über 100 Jahre alt. Ob man nun mit den “Österreichern” im Ganzen konform geht oder nicht. Erkannt wurde es seitens der Volkswirtschaftslehre schon lange. Nur, wer zahlt schafft an und die damaligen Entscheider hinter und somit vor den Kulissen haben sich für Herrn Keynes entschieden. Immer so wie es nunmal dient.

      Erweitert haben etliche namhafte Ökonomen ausserhalb der Bezahlmuster seit über 10 Jahren intensiv vor dieser Krise gewarnt. Ein Paul. C Martin vor über 30 Jahren in Begründung des Debitismus. Auch hier wieder erstmal egal ob man damit zu 100 % konform geht. Alles faktisch zu belegen.

  • Frank - 27. Juni 2012

    Hallo Herr Eichner,

    bin mit Ro einer Meinung, dass Ihre Analyse von hilfreichen Lösungsvorschlägen frei ist. Sie ist übrigens auch nicht unbedingt richtig. Zum Beispiel stimmt es nicht, dass – wie Sie schrieben -gemäß der neoklassichen Theorie im Wettbewerb nur Preis und Kosten entscheiden. Die Qualität entscheidet natürlich auch, sonst wären z.B. die (teuren) deutschen Autobauer längst weg vom Markt. Die Qualität lässt sich allerdings kurzfristig nicht ohne weiteres steigern. Es stimmt auch nicht, dass “neoklassiche” Theorien ungeeignet seien, die Krisen von 1929 oder 2008 zu erklären – fragen Sie mal Ben Bernanke oder Hans-Werner Sinn, die können Ihnen da viel zu erzählen. Klar, den Stein der Weisen habe auch die beiden nocht nicht gefunden, aber wer hat den schon?

    Ich kann mich eigentlich nur (aus anderen Beiträgen) an einen konkreten Vorschlag von Ihnen erinnern: Griechenland (und andere Länder) mögen doch Importzölle erheben, um auf diese Weise den Aufbau einer eigenen Industrie zu ermöglichen. Das ist doch immerhin ein Vorschlag, über den zu diskutieren sich lohnen könnte. Für mich sind die entscheidenden Fragen hier: was für Güter importiert z.B. Griechenland gegenwärtig? In welchem Zeitraum können diese Importgüter ggf. durch eigene Produkte substituiert werden? Welche Erfahrungen haben andere Länder mit entsprechenden Strategien gemacht? (Ist ja keine ganz neue Idee.)

    Viele Grüße

    Frank

    • SLE - 27. Juni 2012

      Hallo Frank,

      Sie schreiben: “Zum Beispiel stimmt es nicht, dass – wie Sie schrieben -gemäß der neoklassichen Theorie im Wettbewerb nur Preis und Kosten entscheiden. Die Qualität entscheidet natürlich auch, sonst wären z.B. die (teuren) deutschen Autobauer längst weg vom Markt.”

      Da vermischen Sie neoklassische Theorie und Realität. In der neoklassischen Theorie und den daraus abgeleiteten Wettbewerbstheorien ist es so wie von mir geschrieben. In der Realität ist es natürlich anders. Aber der wird ja die neoklassische Theorie eben auch keineswegs gerecht. Und jetzt ziehen Sie einmal Ihre eigenen Schlüsse daraus in Bezug auf die Erklärungen von H.-W. Sinn und Ben Bernanke in dem von Ihnen angesprochenem Fall. Klar haben die Erklärungen. Sind sie richtig, ist die Frage.

      Der Sinn von Erklärungsansätzen wie denen, die ich hier in anderen Aufsätzen dargelegt habe, ist, dass sie eine Grundlage für die Auswahl von Maßnahmen bieten, die zu dem angestrebten Ziel führen. Wenn Sie erwarten, dass ich Ihnen hier im Blog dazu passend eine Länder- und Marktanalyse liefere und obendrauf das dazu passende Maßnahmenpaket, dann muss ich Sie enttäuschen.

      Wenn Sie den Erklärungsansatz jedoch verstanden haben, dann können Sie auch selbst Schlüsse ziehen und etwa beurteilen, welche Maßnahmen damit im Einklang stehen und welche nicht. Eine Theorie kann man weder in ein paar Sätzen vollständig vermitteln noch versteht man sie per Supralearning, schon gar nicht, wenn sie sich von dem was Sie kennen und gewohnt sind stark unterscheidet. Man muss Sie sich richtig erarbeiten. Insofern ist es klar, dass man sie auch nicht so einfach anwenden kann. Das dürfen Sie nicht erwarten. Wenn Sie sich in das Auto von Michael Schuhmacher setzen, werden Sie auch nicht gleich die F1-Weltelite in Schach halten können.

      Grüße
      SLE

      • Systemfrager - 28. Juni 2012

        Sie einmal Ihre eigenen Schlüsse daraus in Bezug auf die Erklärungen von H.-W. Sinn und Ben Bernanke in dem von Ihnen angesprochenem Fall. Klar haben die Erklärungen.

        Das ist traurig, so zu “verharmlosen”. Eine wissenschaftliche Ehrlichkeit verlangt mehr Mut.
        Natürlich haben sie keine Erklärung. Sie haben keine Ahnung, sie laufen wie Schwachsinnigen den Ereignissen nach. In der neoliberalen Theorie gibt es keine logische Möglichkeit, dass so etwas geschieht, was geschehen ist. Und wenn es geschieht, dann sucht man nach irgendwelchen Erklärungen aus den Sternen. Das ist alles ein Unsinn.

        • SLE - 28. Juni 2012

          Hallo Systemfrager,

          die Gelegenheit mit dem Hammer zuzuschlagen, wollte ich demjenigen überlassen, der das auch sonst immer gerne macht. 😉

          Grüße
          SLE

  • Arjuna - 27. Juni 2012

    Ich stimme Ihnen insoweit erst einmal zu, Herr Eicher, dass es dringend eines erklärten Modells bedarf, nach dem in Zukunft krisenfrei (oder zumindest katastrophenresistent) gewirtschaftet werden soll.
    Ich sitmme Ihnen nicht zu, dass das eine Aufgabe “Europas” sein kann. Für eine Synchronanstrengung solcher Größenordnung – komplette Neuausrichtung unseres Wirtschaftens – ist dieser Kontinent zu heterogen.
    Warum halten wir es nicht mit E. F. Schumacher und brechen das Problem nicht auf kleinere Einheiten herunter? Meinetwegen auf die Nationalstaaten. Aber vielleicht dort noch einmal weiter auf die Länder und Regionen. Gesunde Keimzellen entstehen lassen! Dinge, die naturgemäß sind, werden sich leicht ausbreiten.
    So entstünden vielleicht viele Varianten einer Lösung, die sich gegenseitig befruchten könnten und dann schließlich in eine Erfahrungs-gesteuerte Synthese münden.
    Ja, ich weiß: Das kostet Zeit. Aber den Neuaufbau einer ganzen Zivilisation bekommt man nicht in Tagen, Wochen, Monaten hin.

    • SLE - 27. Juni 2012

      Hallo Arjuna,

      Sie haben geschrieben:

      “Warum halten wir es nicht mit E. F. Schumacher und brechen das Problem nicht auf kleinere Einheiten herunter? Meinetwegen auf die Nationalstaaten. Aber vielleicht dort noch einmal weiter auf die Länder und Regionen.”

      Ich habe geschrieben:

      “Worauf sich Europa deswegen jetzt in erster Linie verständigen müsste, ist ein wirtschaftspolitisches Leitbild, an dem nicht nur auf europäischer Ebene, sondern vor allem auch auf nationalstaatlicher und regionaler Ebene flexibel und eben nicht zentralistisch alle die Wirtschaft betreffenden Maßnahmen ausgerichtet werden können.”

      Jetzt sind Sie wieder dran.

      Grüße
      SLE

  • Klaus Gettkant - 27. Juni 2012

    Lieber Stefan,

    toller Beitrag. Vielleicht sollte man noch einbauen, dass neben Europa auch noch andere große Blöcke involviert sind. Europa ist nicht nur mit sich selbst beschäftigt. Der transatlantische Verbündete will eingebunden werden und das Reich der Mitte verfolgt seine eigenen Interessen und möchte nicht mehr wie in der vergangenen Zeit mit wertlosen Dollarforderungen abgespeist werden, die vielleicht irgendwann nicht mehr werthaltig sind. Solange alle diese Machtblöcke nicht an einer gemeinsamen Lösung an einem Tisch sitzen, kann man in Europa noch hundert Gipfel veranstalten.
    Alle sprechen, nur keiner hört dem anderen noch zu.,

  • Arjuna - 27. Juni 2012

    Apropos “Lösungsvorschläge”: Ich nutze die Arbeit von Herrn Eichner (sorry, oben habe ich mich vertippt) als Quelle mir sehr verlässlich erscheinenden Analysen. Das ist schon sehr viel wert.
    Zur Präsentation und Diskussion alternativer Wirtschafts- und Geldmodelle wäre m.E. eine neue Sektion in diesem Blog hilfreich.

    • SLE - 27. Juni 2012

      Danke für die Anregung.

      Grüße
      SLE

  • lottchen - 27. Juni 2012

    Ich halte es für absolut illusorisch anzunehmen, dass diese Ansammlung von Juristen, Physikern und Medizinern, die die europäische Krisendiskussion dominiert, in der Lage wäre, irgendwelche wirtschaftstheoretischen Diskussionen zu führen oder gar darauf basierende Krisenlösungen zu erarbeiten. Dazu fehlt ihnen nicht nur die Zeit, sondern auch die Kompetenz.

    Ich bin gewiss keine Freundin der Neoklassik. Aber ich sehe nicht, was vor allem Griechenland und Portugal kurzfristig helfen könnte, außer einem geordneten Euro-Austritt; meinetwegen auch mit Parallelwährung, wenn das irgendwie praktikabel ist. Alles andere sind Ideen, die man für einen Wiederaufbau diskutieren kann – aber sie brauchen Zeit, nicht Wochen oder Monate, sondern Jahre und Jahrzehnte, und diese Zeit haben Griechenland und Portugal nicht. Das hätte man vor zehn Jahren anfangen müssen; jetzt ist der Zug abgefahren.

    • Ro - 27. Juni 2012

      Halte dagegen. Die wissen über das warum. Aber mit diesen Ideen erhält man keine Macht und nur darum geht es in Politik und Staat. Nie war das anders. Wie erwähnt der Ausgang dieses Dramas ist nicht der erste Druchlauf und Mises hat hier schon vor über 100 Jahren Aufklärungsarbeit geleistet. Man muss nicht unbedingt P.C.Martin kennen, aber die Österreicher sehr wohl. Selbst ein Brüderle hat VWL studiert. Politik hat nichts damit zu tun mit dem was sinnvoll wäre in einer Diskussion. Hat es nie. Nicht unter diesem Gesamtsystem, wenn es denn so bleiben sollte. Jede Ideologie hatte und hat seine Förderer. Einfach mal nur mit Keynes beschäftigen, wer diesen Phönix und warum finanziert hat.

      • Ro - 27. Juni 2012

        Und der Zug ist nicht abgefahren wenn man denn wollte… siehe oben Link Boston Consulting Group, Entschuldung etc. nur will man das nicht. Die Krise wäre mit einem Schlag beendet. Der Zug ist nur abgefahren, weil man diese Lösung nicht will.. warum wohl… meine Antwort gefällt Ihnen nicht…. hatten wir ja schon, dann halt für die Teilnehmer im Land und weltweit auf die harte Tour., mit allen Konsequenzen. Leider.

        • lottchen - 27. Juni 2012

          Ich bitte von VT-Missionierungen abzusehen. Danke.

          • Ro - 27. Juni 2012

            Argumentativ eingehen, wenn dann. Gruß.

          • lottchen - 27. Juni 2012

            @Ro. Mit VT’lern zu “argumentieren” ist ebenso sinnvoll wie mit religiösen Fundamentalisten oder der Flacherde-Gesellschaft zu argumentieren.

            Ich habe Sie mehrfach gebeten, aufzuhören, mich mit Ihren Hirngespinsten zu missionieren. Warum können Sie das nicht endlich respektieren? Ich habe eine Freundin und mehrere Bekannte, die bei den Zeugen Jehovas sind. Denen sagt man ja notorische Penetranz nach. Aber bei denen hat eine einmalige Bitte gereicht, mich mit diesem Glauben nicht zu behelligen – und das wurde respektiert. Bei VT’lern ist das zuviel verlangt. Es wird permanent missioniert, wenn nicht offen, dann durch die Hintertür. Akzeptieren Sie endlich, dass ich an Diskussionen über Ihre Verschwörungstheorie nicht interessiert bin, und verschonen Sie mich damit.

          • Ro - 27. Juni 2012

            Sofern Sie argumentieren bin ich dabei. Bis dato in Bezug auf mein Post leider nicht erkennbar Ihrerseits. Mit reinen Beleidigungen, Totschlagargumenten und Vorwürfen Ihrerseits ist es schwer ernstgenommen zu werden. Sofern ich entgegengesetzter Meinung bin zu Ihrer poste ich. Bitte werden Sie argumentativ, dass andere bringt doch nichts. Gruß.

          • lottchen - 27. Juni 2012

            Anscheinend ist es immer noch nicht angekommen. Deshalb nochmal in aller Deutlichkeit: Ich bin an Ihrer Missionierung und an Diskussionen über Ihre Verschwörungstheorie nicht interessiert. Deshalb werde ich auch nicht “argumentieren”.

            Ich habe Sie mittlerweile ca. ein halbes Dutzend Mal gebeten, mich mit Ihren Verschwörungstheorien und darauf basierenden Argumenten zu verschonen. Aber anscheinend hapert es bei Ihnen selbst an der grundlegensten Toleranz und Sie respektieren dies nciht.. Deshalb ignoriere ich Sie jetzt.

          • Ro - 27. Juni 2012

            Ich lasse mich nicht als VT´ler denunzieren und gar reduzieren. Rest ist geschrieben. Gruß

          • Ro - 27. Juni 2012

            Steffen, ich bitte um Löschung lottchen / Ro – ab Beitrag lottchen “ich bitte von …. abzusehen. Danke”. Hat der Blog nicht verdient. Aber Denunzierungen und abstrusen Vergleichen trete ich generell entgegen – leider per mail nicht machbar, sonst hätte ich den Weg gewählt. Sorry. Gruß

          • SLE - 27. Juni 2012

            Hallo Ro, hallo lottchen,

            ich lass es stehen. Lieber Ro, man kann niemanden zur Diskussion zwingen. Ist doch in Ordnung, oder?

            Grüße
            SLE

        • sunwalker - 27. Juni 2012

          Definitiv, man könnte die Krise mit einem Schlag beenden.
          Es ist für alle genug da, reine Verteilungsfrage.
          Nach der Wende hat mich als Ossi völlig fasziniert, dass der Westen eigentlich genug Wirtschaftskraft hätte, denn gesamten Osten mit zuversorgen, ohne dass ein einziger Mensch im Osten hätte arbeiten müssen.
          Seit dem ist der Automatisierungsgrad weiter gestiegen und die Zahl der Arbeitslosen (und ich meine auch die versteckten) ist weit höher als damals und die Produktivität ist weit höher….alles nur eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit, denn viele der jetzt Arbeitslosen und Rentner haben massgeblich zu dem Produktivitätszuwachs beigetragen und dürfen jetzt nur noch mit einer mickrigen “Lohn” der Entwicklung hinterherschauen.
          Es ist einfach alles da…nur eine Frage der Verteilung..eine Frage des Bewusstseins…und da dieses nicht vorhanden ist…haben die “Eitelkeiten der Macht” keine Lust das Spiel zu beenden und machen immer weiter. Es gibt Keinen der aufsteht und sagt …ich möchte mehr von dem Kuchen…gedemütigt..eingespeert ins Rad, konditioniert zu funktionieren, wird wohl nur bei Schmerzen erwachen, dann aber erst mal verwirrt und nicht wissend was los und und welcher Weg gegangen werden müsste.

          Wo kein Kläger, da kein Richter, wo kein Bewusstsein für die Situation, da kein Handeln.

          • Frank Bell - 28. Juni 2012

            @ sunwalker:

            Tja, da kommt das komplette Versagen der rot-grünen Koalition (und natürlich der Opposition zum tragen).

            Denn unter dem Applaus der Allgemeinheit (die Mittelschicht rafft es einfach nicht, dass der Hartzi NICHT ihr Gegner ist, sondern die ganz oben) hat man das Prekariat geschaffen, welches gerne partizipieren möchte, aber nicht darf, da man Billiglöhner haben will. (Und natürlich Schachfiguren, die gegeneinader kämpfen.)

            Statt dessen arbeiten die, die noch Arbeit haben wie verrückt. Man schaue sich doch einfach mal die Zahl der Überstunden an, die Arbeit wird in der Freizeit erledigt, bei Dienstreisen wird weder zusätzlicher Lohn gezahlt noch vernünftig mit Freizeit ausgeglichen, usw. usf.

            Dabei könnte man DA wirklich neue Arbeitsplätze schaffen. Und weniger Stress bedeutet weniger Frust, Burn out – und das wäre wirklich positiv, damit man wieder hinter der Firma steht.

    • SLE - 27. Juni 2012

      Hallo lottchen,

      ich fange mal mit einem Zitat aus dem obigen Aufsatz an:

      “Natürlich werden auf dem EU-Gipfel kurzfristig wirkende Maßnahmen gegen die Krise beschlossen werden müssen, um eine erneute Eskalation der Krise zu verhindern und – einmal mehr – um Zeit zu gewinnen.”

      Anders geht es nicht, das sehen wir in derselben Weise.

      Ansonsten bin ich nicht ganz so pessimistisch. Klar, auch die Deutschen haben nach dem 2. Weltkrieg ein paar Jahre für das “Wirtschaftswunder” gebraucht, aber der Punkt ist doch: NIEMAND hat damit gerechnet, dass es einen solchen Aufschwung geben würde! Sicher, dass kann man nicht ohne weiteres mit der Situation in Griechenland oder Portugal vergleichen. Aber es sind ja andererseits auch “nur” vergleichsweise kleine Volkswirtschaften. Und warum sollte das mit Sonderwirtschaftszonen, die ja zumindest anfänglich auch die Bundesregierung in ihrem Wachstumskonzept für Europa genannt hat, nicht auch – alternativ zum Währungsausstieg – funktionieren können?

      Grüße
      SLE

      • lottchen - 27. Juni 2012

        Vielleicht sehe ich auch zu schwarz. Ich habe 94 u.a. bei Frau Ohr (ist Ihnen sicher ein Begriff) Examen gemacht, und unserem ganzen Jahrgang war schon 92 klar, dass das nicht funktionieren kann und nicht funktionieren wird. Ich habe schon vor zwei Jahren gesagt, das Vernünftigste wäre, Griechenland und Portugal geordnet aus dem Euro herauszunehmen, und dass ein Schuldenschnitt unabdingbar ist.

        Nein, die Situation nach WK II kann man nicht ohne weiteres vergleichen. Die Wirtschaft Deutschlands war nach WK II nur an strategisch wichtigen Punkten zerstört. Dies ist eher vergleichbar mit der Situation der Wiedervereinigung. Auch da war ich grade mitten im Studium und auch da haben wir endlos über die Unterschiede zwischen dem Wiederaufbau nach WK II und dem Aufbau der ostdeutschen Länder diskutiert. Die Situation in Griechenland und Portugal ist eher vergleichbar mit der in der DDR in ihrem “Endstadium” – eher ist die Ausgangssituation noch schlechter, denn es gibt noch weniger wettbewerbsfähige Industrie. Wie lange das dauert, diese aufzuholen, sehen wir in Ostdeutschland.

        Mit dem Thema Sonderwirtschaftszonen habe ich mich bisher nicht näher befasst. Hört sich nach Deng Xiaoping an. – also ich weiß nicht.

        • SLE - 27. Juni 2012

          Vielleicht kann man dann in dieser Hinsicht einmal etwas von China lernen. 😉 Nein, Friedrich List tut es auch. Für Interssierte:

          http://kreuzgang.org/pdf/friedrich-list.das-nationale-system-der-politischen-oekonomie.pdf

          Grüße
          SLE

        • Systemfrager - 28. Juni 2012

          @lottchen

          Nein, die Situation nach WK II kann man nicht ohne weiteres vergleichen.

          Ich verzweifele gerade. SLE vergelicht die heutige Situation mit der nach dem WK2 ??? Habe ich mich so gigantisch getäuscht, was seine Auffassungen betrifft?
          Nach dem WK2 haben Amis den deutschen gesagt, um ein Schaufenster für den Osten einzurichten: Deutschen brauchen nur etwas vernünftiges zu produzieren. Wir kaufen alles sofort. So kann der “freie Mark” in der Tat Wunder vollbringen.

          Und dann sehe ich oben noch:

          Stellen Sie sich dazu einfach nur mal eine Weltwirtschaft á la “vollkommene Konkurrenz” vor, mit sehr vielen kleinen Unternehmen und Banken als Akteuern. In einer solchen Welt würden die Probleme, die es heute entfaltet, nicht geben.

          Das ist mir wirklich zuviel. Ich sage nichts mehr. Ich muss abwarten. Heute bin ich hier in einer Ptolemäischen Welt aufgewacht.

          • SLE - 28. Juni 2012

            Hallo Systemfrager,

            bitte genau lesen und nicht Aussagen aus dem Zusammenhang reißen:

            Ich habe den starken wirtschaftlichen Aufschwung im Nachkriegsdeutschland als Beispiel dafür genannt, dass so etwas in wirtschaftlich darniederliegenden Regionen/Volkswirtschaften – also auch in Griechenland, Protugal u.a. – prinzipiell möglich ist, i.d.R. aber ZUVOR für unmöglich erklärt wird. Und ich habe dazu weiter geschireben:

            “Sicher, dass kann man nicht ohne weiteres mit der Situation in Griechenland oder Portugal vergleichen.”

            Die Aussage mit dem á la “vollkommene Konkurrenz” war auf die Aussage von Ro bezogen, der im Zinseszinssystem die zentrale Ursache unserer Probleme vermutet. Gemeint ist: Die heute durch das Zinseszinssystem verursachten Probleme würde es dann nicht geben.

            Grüße
            SLE

          • Ro - 28. Juni 2012

            Nenene, Herr Eichner 😉 ich habe nie behauptet der Zins ist unser alleiniges Problem. Er ist Resultat / Folgeursache / notwendig aufgrund der Makroebene zuvor, welche voran geht von uns, in der Systemideologie geschaffen und wird somit dann zu einem unlösbaren Problem. Gruß

          • Systemfrager - 28. Juni 2012

            @SLE
            Ja, es ist in der Tat so, dass die Blogkommentare keine wissenschaftliche Rezensionen sind …
            Wie soll ich es sagen, dein Sprachgebrauch (Syntax) war irgendwie so, wie ich es von dir nicht gewohnt bin, …
            Ach vergessen wir es
            lG

  • M.U. - 27. Juni 2012

    Student: Joe do you believe that at the end of the roman empire the romans had a lot of meetings? Joe: I don’t know but i think they definitely understood what happens.

  • klaus - 27. Juni 2012

    1st mal danke für den tollen Blog.

    Dann möchte ich Herrn Eichner erstmal rechtgeben,
    das die Austerität alles zerstört.

    Im wirtschaftlichen und gesellschafflichen bleiben durch
    Austerität ganz einfach Synergie-Effekte aus.
    Zudem wird durch das forcierte Lohndumping bei jedem
    Marktteilnehmer die Frage gestellt, wo man selbst bleibt.
    Sieht der MT jetzt auch noch Lebensversicherung,Rente,Riester,…
    in Gefahr, wird er auf Dauer, wie in Griechenland, Spanien,…
    den Sinn in seiner Arbeit suchen und vermissen.

    Tja, es ist wohl zu spät, mit Kirche und Moral ruhigzuhalten.
    Auch die blöden Kommentare für einen besseren Menschen
    in den öffentlich rechtlichen Filmen sind extremst nervig.
    Ja, auch, wenn es um Organspende-Umstände geht.

    Es geht ja schließlich NUR um Profit.

    Einmal erkannt, sind das Börsen-Auf-und-AB,
    das Ehrenamt,die Vereinsarbeit mit tiefstem Mißtrauen
    verbunden.

    Der Verbraucher / Das Opfer zieht sich zurück und
    es ist für die anderen Marktteilnehmer extrem schwer
    Geld zu verdienen.
    Mißtrauen ist angesagt.

    Der Interbankenverleih ist tot, die Unternehmen
    konsolidieren und schmeissen wie z.B. die CoBa
    sogar Sparten raus, die existenzbedrohend werden könnten.
    Verbraucher stellen den Kauf auf Pump ein und
    die Wirtschaftsindexe werden langsamer veröffentlicht.

    Hier ist keine Lösung mehr möglich.
    Da kann auch Hr. Eichner nix mehr machen.
    Mißtrauen ist so groß, das jeder sofort merkt,
    das JEDES Gesetz eine Verschlechterung
    der eigenen Position nach sich zieht.

    Die Heimlichtuerei über die EM tut den Rest.

    Jeder versucht nur noch mit sicherem Eigenkapital
    zu wirtschaften und die Abhängigkeit und damit
    den sicheren wirtschaftlchen Tod auszuschliessen.

    Wo sollte da Wachstum kommen?
    Einer lauert auf den anderen.

    Da macht es sich gut, mit Mutti’s markigen
    Sprüchen, Länder wie Spanien/Italien/Griechenland
    zu ärgern.
    Es wird bald keiner mehr bereit sein zu verhandeln.

    Dann gibt es Eurobombs oder eine kaputte EU.
    Ein Teil des Geldes ist weg. Vorzugsweise Target2,
    weil die Masse nix damit anzufangen weiß.

    1 Billion ist schließlich nicht zuviel, für einen
    Ego-Tripp mit markigen Sprüchen.

    Also wie gesagt, Thumbs Up !

    Ein Krisengipfel ohne Ergebnis hat manchem
    schon die Vernunft bis in den Urlaub nachgetragen.

    Gruß klaus

  • schnauzevoll - 27. Juni 2012

    Den Text hätte man besser in einen Satz zusammenfassen sollen. Bankenzerschlagung und Widerherstellung der Direktive durch vom Volk gewählte Volksvertreter sind die Lösung des Problems. Da muss man keine wall of text generieren. 😉 Und Ökonomen ist wohl so ziemlich das Letzte, was dieser Planet braucht!

  • JL - 27. Juni 2012

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner

    alle aktuellen Probleme haben ihren Kern im Zinseszinssystem, meiner Meinung nach.

    Die “Rettungsschirme” hierzu sind bezeichnend.

    Man “hilft” einen überschuldeten Schuldner mit noch mehr Schulden um diesen zu “entlasten”, weil er auf dem freien Markt keine Schuldner mehr finden kann- das ist, mit welchen ökonomischen Vertretern jedweder Theorien auch immer betrachtet- völlig unlogisch und in deren Theorien auch nicht vorgesehen.
    Ich meine eher, alle Beteilgten wissen um die finanzpolitische Ausweglosigkeit, nicht nur in Europa.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • SLE - 27. Juni 2012

      Hallo JL,

      ich habe meine Auffasszung zum Zinseszinssystem oben in der Antwort zum Kommentar von Ro (der mit den vielen Links zu meinen Aufsätzen) schon kurz niedergeschrieben. Ergänzend möchte ich dazu die Erklärung von einem anderen Kommentator vom 7.06. zu meinem Aufsatz “Die Debatte über den Fiskal- und Wachstumspakt droht …” zitieren, die ich teile:

      – Zitat Anfang –

      “Hallo Dank,

      Ich melde mich hier zum ersten mal, da die Zinseszins Problematik immer wieder zu Fragen hier führt und ich mein Wissen dazu mal beisteuern möchte. In der Hoffnung es ist verständlich.

      Zins und Zinseszins sind prinzipiell kein Problem. Wichtig ist, wer die Zinsen erhällt und wie sie wieder in den Kreislauf gelangen. Nehmen wir mal an, du kaufst ein Haus für 100.000 Euro und leihst sie dir bei deiner Bank. Diese (eigentlich die EZB) erschafft diese 100.000 Euro und reicht sie gegen Hinterlegung deiner Schuldunterwerfung bei der EZB (das Haus als Sicherheit) an dich weiter. Hierfür erhält die EZB nun aktuell 1% Zins von der Hausbank, die dir 3% abknöpft. Nun gehen wir mal davon aus, dass die Hausbank 1% an ihre Angestellten weiterreicht in Form von Gehältern und 1% an ihre Aktionäre. Die EZB reicht ihre Gewinne an die Eurostaaten weiter. Du siehst, das Geld ist nicht verschwunden. Leider ist das nicht die ganze Geschichte. Wegen der multiplen Geldschöpfung können die privaten Banken (das System als ganzes) diese 100.000 Euro bei der aktuellen Mindestreserve etwa 50mal verleihen. Also werden aus 100k fünf Millionen und die Verteilung der Zinsgewinne ist etwas anders:
      Anstatt 1000€/a EZB 1000€/a Angestellte 1000€/a Aktionäre liefert unser Geldsystem:
      1000€/a EZB 1000€/a Angestellte 148000€/a Bank/Aktionäre an Zinsgewinnen

      Was ich damit sagen will:
      Das Problem ist nicht das Geldsystem als solches (auch wenn es einige Probleme durchaus verschärft). Die Notwendigkeit einer immer steigenden Geldmenge und wie Sie erzeugt wird, sowie die Verteilung der Gewinne daraus macht ein Problem. Mit anderen Worten die Vermögensverteilung und die daraus erzielten Gewinne.

      Oder noch anders erklärt: Wenn das Geldsystem eines 1mio Einwohner land 100mio Geldeinheiten hat, dann ist das kein Problem, wenn jeder 100 Einheiten besitzt und die zu erwirtschaftenden Zinsen an die Zentralbank abgeführt werden und diese das Geld über den Staatshaushalt wieder in den Umlauf bringt. Probleme entstehen immer erst durch Konzentrationsprozesse bei Vermögen und Einkommen (die natürlich auch voneinander abhängen)

      Die multiple Geldschöpfung in Hand der privaten Banken dagegen ist ein riesiger Brandbeschleuniger (da sie zu einer starken Vermögenskonzentration bei den privaten Banken führt!) und wenn man denn schon seinen Kapitalismus haben und behalten will, dann wäre es sehr clever ihnen diese zu entreissen (siehe hierzu z.B. Vollgeldsystem – auch bei Wikipedia)

      Gruß,
      Jan”

      – Zitat Ende –

      Grüße
      SLE

      • Ro - 27. Juni 2012

        Zitat:

        “Der Zins fehlt von Anfang an (Abgabe-Schuld/Zinss ex nihilo), schon BEVOR irgend einer sparen kann. Der Zinsnehmer kassiert den Zins (Abgabe) erst, NACHDEM der Schuldner diesen Abgabe-Zins, der ihm von vornerhein fehlt, erarbeitet hat, und darauf baut das ganze Konstrukt auf:….”

        http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=257685 etc.etc.

        Fazit: Die Zinsdiskussion ohne das Gesamtsystem betrachtet zu wollen, ergibt eine komplexe Diskussion ohne die Möglichkeit auf ein Ergebnis. Wohl nicht im Ansatz leistbar über den Blog. Nicht nur der Zins ist das Problem. Das System ist nunmal ein Kompromiss.

      • topperhopper - 28. Juni 2012

        Hallo SLE,

        “Oder noch anders erklärt: Wenn das Geldsystem eines 1mio Einwohner land 100mio Geldeinheiten hat, dann ist das kein Problem, wenn jeder 100 Einheiten besitzt und die zu erwirtschaftenden Zinsen an die Zentralbank abgeführt werden und diese das Geld über den Staatshaushalt wieder in den Umlauf bringt. Probleme entstehen immer erst durch Konzentrationsprozesse bei Vermögen und Einkommen (die natürlich auch voneinander abhängen)”

        Du hattest dieses Zitat schon mal gebracht. Aber in dieser Betrachtung fehlt ein Teil bzw. ich habe es überlesen. Wenn jeder Einwohner 100 Geldeinheiten besitzt, dann kann er die Zinsen für das Geld nicht “erwirtschaften”, das ist BWL-Denke – es sei denn, er nimmt die Zinsen einem anderen in diesem Land weg und der geht dann pleite.

        Die Zinsen auf die 100 Mio. müssen mit NEUEM Geld bezahlt werden, sprich: die ZB dieses Landes muss neues Geld drucken und im nächsten Jahr muss dann (bei einem Zins von 10%) der Zins auf 110 Mio. gezahlt werden, dann 121, etc pp… Warum sollte der Zins vom vorhandenen Geld bezahlt werden, wie in dem von Dir benutzten Bsp. beschrieben – dann macht das Schuldsystem keinen Sinn.

        …dieses exponentielle Wachstum ist (neben der umverteilenden Wirkung des Zinses) das Grundproblem. Man kann dem nur (zeitlich befristet) entrinnen, indem man den Zinssatz immer weiter absenkt (wie passiert), ansonsten werden die Schulden irgendwann untragbar.

        Die Folgen unseres Geldsystems sehen wir überall. Neben den Dauerniedrigzinsen gibt es überall Kreditschleudern wie Easy Credit Bank und überall Finanzierungsangebote zu “0,0%”. Zur Aufrechterhaltung des Systems ist es notwendig, immer mehr Konsum vorzuziehen bzw. in immer kürzeren Abständen zu konsumieren.

        Eine breite Zinsanhebung der ZBs wäre heute ein Kopfschuss par excellence.

        Wir spüren alle, dass unser Leben immer hektischer und schneller wird. Der Grund dafür ist das exponentiell wachsende Schuldgeldsystem.

      • Bernd Rickert - 29. Juni 2012

        So und jetzt kommt die EDV mit elektronischem Geld p.e. Kredit- und Debitkarten und das multiple Kreditvolumen wird seitens der Banken unlimiitiert aufgeblasen. Der Systemerror braucht dann keine ökonomischen Theorien und Erklärungsmodelle mehr.

  • JL - 27. Juni 2012

    Entschuldigung

    Man “hilft” einen überschuldeten Schuldner mit noch mehr Schulden um diesen zu “entlasten”, weil er auf dem freien Markt keine Gläubiger mehr finden kann.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • bauagent - 27. Juni 2012

    @schnauzevoll

    “Und Ökonomen ist wohl so ziemlich das Letzte, was dieser Planet braucht!”

    Diese Aussage halte ich für ausgesprochen eindimensional.

    Eine isolierte Oekonomie, wie sie derzeit als ” mittelalterliches Konstrukt ” mit der ausschließlichen Beschreibung von Mechaniken exisitert abzulehnen, halte ich dagegen für diskutierfähig.

    So lange sich die profitierenden Nobelpreis – Oekonomen nicht aus der Umklammerung der alten Schwarz-/ Weiß – Theorien lösen und sich der Gesamtheit von Oekonomie, Soziologie und Gesellschaftspolitik verschließen, so lange werden wir auch keine Diskussionsbasis finden, die eine globale Neuzeit – Lösung mit regional denkenden Menschen möglich macht.

    Darunter leidet auch die eigentlich substanzreiche Zusammenfassung von Stefan, die allerdings leider soziologische und politisch gewollt herbeigeführte Situationen nicht einbindet.

    Beispielhaft hierzu der Fiskalpakt / ESM, der von vielen als Umverteilungs-/ und Austeritätskonstrukt gesehen wird. Wer sich hiermit, auch mit den Details der Texte auseinander setzt wird spätestens mit dem Vergleich zu den abgelehnten Eurobonds erkennen, dass volkswirtschaftliche Auswirkungen bei den Entscheidungen fast gar keine Rolle gespielt haben.

    Hier wurde einfach weit im Vorfeld, wahrscheinlich bereits 2009 festgestellt, dass die Einführung von Eurobonds lediglich das Einkassieren durch das BVerfG zur Folge gehabt hätte und der Kaiser, in unserem Fall die Königin auch mit einer folgenden Volksbefragung zum GG nackt da gestanden hätte und es wäre fleißig umverteilt worden.

    Mit dem aktuellen ESM steht sie wahrscheinlich vor dem gleichen Volks-Referendum zum GG allerdings mit der viel besseren Ausgangsposition hinsichtlich Durchsetzbarkeit und Stimmenverhältnis im Räte ääh Governeursrat.

    Und das geht nur über Panik und Angst a la Austerität zumindest mit guten Erfolgsaussichten, wie es Schäuble in der NYT im 11 / 2011 formulierte.

    So erklären sich die Statements von “Star-Oekonomen” und die Problematik, warum wir Kennzahlen heranziehen, die längst unzureichend sind.

    • schnauzevoll - 28. Juni 2012

      @bauagent

      Wozu Ökonomen? Um Wirtschaftstheorien zu zelebrieren? Verabschiedet euch endlich von der Vorstellung ewigen Wachstums. Was wir stattdessen brauchen, ist gesunder Menschenverstand und Moral und keine Ich-weiß-wie-man-es-besser-macht-Möchtegernunternehmer! Wozu Steuerberater, wenn wir ein einfaches Steuersystem hätten? Wozu Juristen, wenn wir einfache und unmißverständliche Gesetze hätten und somit Rechtssicherheit, anstatt dieses Sammelsorium an Gummiauslegungsrichtlinien? Ich halte die o.. Berufsgruppen für ein Vetternwirtschaftskonstrukt, die sich gegenseitig in die Hände spielen. Wie die Geschichte der beiden Brüder, wo der eine die Hauswände mit Farbe beschmiert und der andere eine Hausfassadenreinigunsfirma gründet.

      Wirtschaftsweise? looool 😀 Alleine die Bezeichnung sorgt bei mir für Zwerchfellmassage. Erinnert an in Nebelschwanden hockende und von Räucherstäbchen umzingelte Gurus, die irgendwelche Skulpturen anschwurbeln. Lächerlich!

      Wenn Du allerdings mit Ökonomen Menschen meinst, die die Grundlagen Volks- und Betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge beherrschen und geleitet von Moral und Anstand für eine sinnvolle Ausgestaltung humaner Arbeitsbedingungen eintreten, dann ziehe ich meine ursprüngliche Aussage zurück. Aber bleibe mir bloß mit den immer überraschten “Experten” ala Sinn, Henkel, Rogowski, Hundt und Konsorten vom Hals. 😉

  • Frank Bell - 27. Juni 2012

    @ lottchen: Verschonen Sie uns bitte mit einer erneuten VT-Diskussion. Bestimmte Dinge sind keine VT, auch wenn Sie es gerne hätten. Beispiel: Georgia Guidestones. Die können Sie anfassen!

    • lottchen - 28. Juni 2012

      Bitte richten Sie Ihre Beschwerde an die, die die VT-Diskussion laufend anzetteln. Kleiner Tipp: Ich bin es nicht.

  • Frank Bell - 28. Juni 2012

    @ Ro

    In dem von dir verlinkten Artikel zur Boston Consulting Group steht: “die weltweite Streichung übermäßiger privater und öffentlicher Schulden”

    Streichung privater Schulden. Ein Bekannter meinte einmal zu mir, ich wäre blöd, da ich nicht hoch – ich bin gar nicht – verschuldet wäre, da er selbst genau auf dieses Szenario spekuliert. Ein teures Haus kaufen und zum Schluss die Schulden erlassen bekommen. Mir ist das zu heikel.

    • Ro - 28. Juni 2012

      Frank – ich bin da mit Dir;-) Es geht ja um das erkenntlich machen dass es eine sofortige Lösung geben würde, wenn gepostet wird, es gäbe keine Lösung mehr.

      Es gibt sie. Diese Lösung kommt immer von / durch Vermögenshalter, freiwillig oder per Zwang = Staat / Machtgefüge.

      Das ganze Konstrukt wird mir nach wie vor immer noch zu sehr aus der Microebene betrachtet. Wir haben auf der einen Seite zu viele aufgelaufene Schulden (Aufschuldungszwang) und auf der anderen Seite die angehäufte Gegenposition Vermögen weniger. So erster Schritt aka Boston = prinzipiell machbar. Will man nicht… ich habe meine Antwort gefunden warum. Sie ist mehrteilig, egal. Macht hier nicht unbedingt Sinn zur Vertiefung. Jedem das seine.

      Erweitert

      Generell sehe ich es als problematisch an sich immer auf den unteren Ebenen im Thema Wirtschaft und Geldsystem aufzuhalten. Das tun wir. Das System ist nur im Gesamten weiter zu entschlüsseln. Meine subjektive Sicht. Dazu zählt, Geld, Zins, Eigentum, Machtkonstrukt, Mensch UND Energie – ohne die ist jegliche VWL und BWL für die Katz. Kein VWL Prof. keine VWL Lehre geht darauf ein. Billige, verfügbare Umwandlungsenergie wird als Gott gegeben hingenommen. Zu oft bleibt man doch nach meiner Beobachtung sitzen auf seinem Studium und den Erkenntnisse welche der Prof. einem vermittelt hat. Oft auf den für sich bequemen Erkenntnisse. Selbstreflexion und Offenheit für Neues kann ich selten finden – vor allem bei den Volkswirtschaftlern. Wieder rein subjektiv meine Erfahrung.

    • Mark - 28. Juni 2012

      > Ein teures Haus kaufen und zum Schluss die Schulden
      > erlassen bekommen. Mir ist das zu heikel.

      Naja, so wird das bei uns ja auch nicht laufen.

      Die SICHERHEIT (also: Dein Haus) wird garantiert gezogen werden. Erst NACH Übergabe der Sicherheit wird man Dir die Restschulden erlassen.

      Man kann nur hoffen, dass beim Crash dann Schonfristen oder Freibeträge zum Tragen kommen, die der Mehrheit der Bürger den Crash einigermaßen erträglich werden lassen. Naja, wenn nicht, gibt’s halt eine Revolution, und da sollten wir uns dann ein Vorbild an den Franzosen nehmen (vgl. 1789). Die haben das damals ganz pragmatisch gelöst.

      Gerne weise ich darauf hin, dass dieses Szenario der herrschenden “Elite” heute durchaus klar ist. Hier nochmal ein hochinteressantes Zitat von Jochen Sanio (Präsident der BaFin) im Haushaltausschuß des Bundestages am 5.5.2010:

      “Es geht grundsätzlich um die Frage, wie wir damit umgehen wollen, dass der Staat wegen des Arguments „too big to fail“ einspringen muss. Wir alle sind uns einig: Der Staat hat das einmal getan und soll das nicht ein zweites Mal tun. Sonst kommen die Steuerzahler und hängen uns alle auf. Das möchten wir nicht.”
      (Quelle: Unkorrigiertes stenografisches Protokoll Nr. 17/18)

      Klar, schnörkellos, weitsichtig. Einige wissen zumindest, was möglicherweise auf sie zukommt.

  • lottchen - 28. Juni 2012

    Ich soll Sie mit VT-Diskussionen verschonen? Das ist wirklich ein guter Witz!

    Ich habe hier ganz gewiss keine VT-Diskussionen angefangen, und auch nicht wieder angeleiert! Und ich habe kein, aber auch GAR KEIN Interesse daran!

    Was aber gewisse Leute nicht davon abhält, mich völlig unprovoziert mit Antworten auf meine Beiträge damit zu behelligen – und das trotz x-maliger Bitte, das doch zu unterlassen!

    Warum zum Henker ist es für manche Leute – zu denen Sie wohl auch gehörebn – vollkommen unmöglich zu respektieren, dass jemand sich für ein Thema nicht interessiert!

  • Kalmar - 28. Juni 2012

    super beitrag vielen Dank,

    vor allem die aufhellung von keynes und der neoliberalen theorie.

    ich frage mich nur muss wirklich ein schuldenschnitt erfolgen? würde es nicht ausreichen wenn man einfach die investments (aktionäre, riskante anlageprodukte) streicht und versucht sparbuch+tagesgeld+girokonto der kleinen sparer zu sichern?

    dann müssten die schulden nicht sozialisiert werden, die investoren sind betroffen aber ein riesenbatzen wäre weg.

  • hagen aus dresden - 28. Juni 2012

    schade um die ganze Diskussion, aber egal, schon Keynes hat gewusst warum ihm Silvio Gesell ein Dorn im Auge war… heute wird offenbar nicht mal mehr darüber nachgedacht….

    • Ro - 28. Juni 2012

      hallo hagen, warum schade;-) war doch ein guter Austausch bis dato. Endlich geht mal was. Und die Angelegenheit mit S.Gesell hat noch viele Möglichkeiten der Diskussion. Nur zu nach Dresden;-) Es gibt keine Zufälle warum eine bestimmte Theorie – insbesondere Keynes – wie Phönix aus der Asche entspringt. In der Politik geschieht wenig aus reinem Zufall heraus. Mit Gesell lässt sich wenig Staat machen… Wer profitiert… Antworten gibts genug.

  • Bernd Rickert - 28. Juni 2012

    Mit ihrem Aussetzer, “keine Eurobonds, solange ich lebe”, hat Merkel allenfalls eine neue Runde der Kakophonie eingetrötet.

    • schnauzevoll - 28. Juni 2012

      Vorsicht, Bernd Rickert! Sonst wirst’e wieder gelöscht! Kakophonie ist eine in Bezug zu hängenden Mundwinkeln nicht kniggekonforme Artikulation. 😀

      Davon abgesehen ist es für Eurobonds doch eigentlich schon zu spät! Wichtiger wäre die Direktfinanzierung der Länder durch die EZB, anstatt über “die Märkte”. Dann wäre theoretische irgendwanninflationäre Zustände besser tragbar, als die Schulden der Finanzmafia zu subventionieren.

      • Bernd Rickert - 28. Juni 2012

        Über die EZB kommt niemand an wahre Werte wie einen zu den Giralgeldbeständen vergleichsweise kleinen Klumpen Gold.

  • Frankenfurter - 28. Juni 2012

    Wirtschaftspolitische Leitbilder gesucht, wie wäre es zum Beispiel mit demokratischen Sozialismus (Alt-SPD) oder Wirtschaftsdemokratie, wie ihn die Gruppe alternativer Wirtschaftspolitik vertritt? Die schlägt unter anderem vor, der auch in Deutschland real existierenden Massenarbeitslosigkeit durch eine allgemeine Absenkung der Arbeitszeiten, statt durch prekariaisierung der Arbeit (Neu-SPD) zu begegnen.

  • lottchen - 28. Juni 2012

    Immerhin hat man schon einen Schuldigen gefunden, wenn es kracht: Nicht die Finanzmarktderegulierer, die Konstrukteure der Währungsunion, nein Schuld hat das Bundesverfassungsgericht.

    http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-06/esm-verfassungsstreit

    • dank - 28. Juni 2012

      Ein weiterer Wahnsinn – das GG wird als Fehler im System gebrandmarkt?! Wie kann die ZEIT so etwas veröffentlichen? Das GG hat jahrzehntelang in der Gesamtheit das Schlimmste verhindert und wird nun als Klumpfuß für die marktkonforme Demokratie geoutet? Als angebliche Bremse für Europa?! Wenn dann für das Konstrukt Euro. Als Bremse für den Ausweg aus der Krise? Es ist kein Ausweg.
      Das GG wurde genau deswegen so konzipiert, dass die Kompetenzverlagerung nicht so einfach vonstatten geht. Und angenommen die aktuellen Politiker meinen es mit den Vorgehen ja wirklich gut – aber was, ja was – wenn danach nicht ganz so wohlwollende (Europa-)Politiker das Zepter übernehmen? Stichwort: Überhang Club Med. Dann ist die Kompetenz weg – gegessen – das wars – tschüss Deutschland.

      Sollte das BVerfG den ESM und/oder Fiskalpakt kippen, ist meiner Ansicht nach jeder Politiker, der vorher und auch nach der Entscheidung gegen das BVerfG intrigierte SOFORTIGST von Verfassungsschutz zu kassieren, anzuzapfen – zu überwachen und zu vernehmen.

      Ja, wo sind die Politiker, die dem ReißwolfKapital ganz offen drohen? Weichspülpolitik bei
      37 Grad. Leider.

      Zu guter Letzt fehlt nur noch eine Einblendung im TV aus dem Sportpalast und der Ruf:
      Wollt Ihr die totale Schuldenunion?
      Und die Michels quiecken: Höööööyyyyyy-Jaaaaaa klatschklatschklatsch. Willkommen bei der Volksabstimmung über die GG Änderungen…

      Partiell verschulden – gemeinschaftlich haften – gemeinsam untergehen. EURORAUM.
      Das nenn ich mal Solidarität.

      • Ro - 28. Juni 2012

        Verfassungsschutz ist Teil von Politik /Staat. Das BVerfG ist Teil von Politik / Staat. Das aktive Geldsystem ist Teil von Politik /Staat. In letzter Konsequenz hat und wird sich diese(r) IMMER selbst schützen.

        “dank” und Co. sind Teilnehmer des Zwischenraums, ein notwendiges Übel was nun Zug um Zug auch noch unterminiert und eliminiert werden wird. “Schöne neue Welt”. Darum heißt es doch auch seinen Stimme AB-geben, in die Wahl-URNE. Die Stimme wird zu Grabe getragen. Die BRD war nie souverän. Ist es heute nicht. Der kalte Staatsstreich ohne Waffen läuft seit vielen Jahren. Die Agenda ist offensichtlich.

      • Mark - 28. Juni 2012

        @ dank:

        > Wie kann die ZEIT so etwas veröffentlichen?

        Schauen Sie mal auf den Herausgeber der ZEIT. Schauen Sie auf dessen Äußerungen in Sachen China und Demokratie. Schauen Sie, welchen Finanzminister dieser Herausgeber gerne hätte (und ich gehe davon aus, dass Sie dessen Erfolgsbilanz kennen).

        http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zeit

        Nicht zufällig kommt von der Zeit auch der Blog “Herdentrieb”, der sich vor allem durch das Generieren von Nebelschwaden und der strengen Befürwortung der Vergemeinschaftung von Schulden auszeichnet.

        Die ZEIT kommt sehr geschickt grunddemokratisch und journalistisch daher. Schaut man aber tiefer, dann graust es einen. (Diese Feststellung ist übrigens nicht nur auf die ZEIT begrenzt. Sie trifft auf viele Medien zu, die früher einmal “gut” und vertrauenswürdig waren.)

      • dank - 28. Juni 2012

        @Ro & Mark
        Hui, na das war aber eher rhetorisch gedacht – MSM und das Politbüro für Propaganda.
        Wer hier die letzten Monate den ganzen anderen Textfluß von mir gelesen hat, weiß soweit, dass mein Zwischenraum eher ein anderer ist, in dem ich mich bewege, 😉
        War als Gedankenanstoß gedacht und auch um sich Luft zu machen. So ganz kann ich AWE (act, watch, exspect) für mich noch nicht anwenden. Man arbeitet daran.
        Dass die Völker zu passiven Aktiva verkommen sind, ist bekannt. Wer wo wann wie Einfluß nimmt, bekannt und vermutet. Das Interessanteste werden die Ergebnisse und Michels Blicke bei Bewußtwerdung.
        7I2(_)7#3I2.

        • Mark - 28. Juni 2012

          @ dank:

          Ja, ich dachte mir schon sowas. Ihre Kommentare hier sind ja immer ziemlich auf der geistigen Höhe, wenn ich das mal so flapsig formulieren darf, und für mich eine Freude zu lesen.

          Allerdings könnte es dem flüchtigen Leser passieren, dass er sich diese Frage – “Wie kann die ZEIT sowas drucken?” – durchaus stellt und eben keine Antwort darauf findet. Viele Leute haben’s ja nicht so mit unterschwelliger Ironie im Web.

          In jedemfall gebührt Ihnen, lieber dank, mein – Dank!

  • Voltaire - 28. Juni 2012

    Die Frage ob “der EU-Gipfel den Durchbruch bei der Krisenbewältigung bringt” beantwortet sich von selbst nach dem Lesen des siebenseitigen Dokumentes an die Regierungschefs zum EU Gipfel am 27./28. Juni 2012 vom Präsidenten des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy.

    http://www.consilium.europa.eu/press/press-releases/latest-press-releases?lang=de

    AUF DEM WEG ZU EINER ECHTEN WIRTSCHAFTS- UND WÄHRUNGSUNION – Bericht des Präsidenten des Europäischen Rates Herman Van Rompu
    26/6/2012 (Deutsch) – Press: 296 Nr: PCE EUCO 120/12

  • klaus - 28. Juni 2012

    ZINSESZINS?
    Welch tolle Diskussion.
    Es ist nicht der Zinseszins.
    Bei jedem größeren Kreditvertrag wird eine Lebensversicherung
    beim kleinen Mann mit angeboten.
    Exakt dieses Geld läuft in den GIIPS rum und ist definitiv weg.

    Das ist das Problem.
    Da ist der Zinseszins das kleiner Übel.

    Wer die LV stillegt oder auszahlen lässt/lassen muß,
    der bringt unserem System den meisten Kummer.
    Genauso wie die Pösen, die partout nix mit Privatversicherungen
    zu tun haben wollen.

    Damit ärgert man unseren Brüderle zutiefst.
    Dann schmeckt dem das Grundnahrungsmittel Wein nicht mehr.

    Das gibt echte Probleme im System.

    😉

    • Traumschau - 28. Juni 2012

      Hallo, dazu habe ich eine Frage …
      Ich sehe das BISHER so: Das Schuldgeldsystem mit Zinseszins-Effekt mag solange kein wirkliches Problem sein, solange sich z.B. ein Unternehmer einen Kredit nimmt, um in seinen Betrieb zu investieren. Daraus erwächst idealerweise eine höhere Produktivität, sprich Wachstum. Der Unternehmer ist dann in der Lage, den Kredit samt Zinsen zurück zu bezahlen.
      Anders verhält es sich meiner Meinung nach mit den Geschäften der Finanzindustrie, die von der Realwirtschaft abgekoppelt sind. Wenn wir mal die mir bekannten Zahlen unterstellen, dann beträgt das weltweite BIP roundabout 70 Billionen Euro. Das weltweite Engagement in Finanzderivate liegt bei ca. 700 Billionen. Aber auch dort fallen Zinsen und Zinseszinsen an. Wer bezahlt diese, wo doch eine Unterlegung mit realen Werten nicht gegeben ist?
      So gesehen ist die Subprime-Krise der USA als Auslöser der Krise doch DAS Beispiel. Es stehen diesen Geldern keine entsprechenden realen Werte gegenüber. Ich glaube, dass diese “virtuelle Geldmenge” mit ihrem Anspruch auf Renditen von bis zu 26% das ganze System zusammen brechen lassen.
      Mache ich da einen Denkfehler?
      LG Traumschau

      • dank - 28. Juni 2012

        Danke, das genau auch das Problem, das ich immer und immer wieder mit den Zins(eszins) habe. Deswegen übrigens ach der Zinseszins-Gedächtnis-Post von SLE mit der Anrede an mich drin…
        Aber wenns in der Finanzbranche ein Problem ist, wird es schwer mal zu sagen Zins(eszins) ist OK und dann wieder nicht. Denke das die relative Rendite ist in der Finanzwelt einer DER Problemfaktoren ist – die Existenz an sich selbst. Die geforderte Höhe natürlich auch.

        Zentrale Frage: Wo soll die Rendite der 700 Bills herkommen?

        Meiner Ansicht nach ist Geldvermehrung totale Verschwendung an Energie und Arbeitskraft.
        Geld sollte sich nicht vermehren “können” – wird denn die Welt täglich mehr (mal die ganzen extraterrestrischen Einschläge und im Umkehrschluss Weltraumprojekte außen vor)?
        Nein, die Welt ist endlich. Also –> Endliche Geldmenge.- Obergrenze und gut. Kein Anwachsen mehr.Ja, da denk ich zu einfach.

  • Freiberufler - 28. Juni 2012

    Zunächst einmal vielen Dank für den fundierten und ausgewogenen Artikel.

    Ich frage mich, warum der Laisser-faire-Kapitalismus ausgerechnet 1929 gescheitert ist, nach hundert Jahren und weltweit mindestens 20 Deflationen, die alle nach wenigen Quartalen überwunden waren. Manche Ökonomen sagen: Weil es eben kein Laisser-faire-Kapitalismus mehr war, sondern New Deal, und das bereits unter Hoover.

    Die Wahrheit werden wir nie erfahren. Aber m.E. begibt sich jede Form von makroökonomischer Wirtschaftssteuerung auf das Parkett der Planwirtschaft. Nun mag man sagen, wenn die Märkte spinnen, muss man sie korrigieren. Das klingt plausibel. Aber wer entscheidet über Sinn und Unsinn einer Investition? Über Solvenz und Insolvenz? Zentralplaner sind Richter in eigener Sache.

  • Bernd Rickert - 28. Juni 2012

    @Lottchen

    Sehr verehrtes Lottchen,
    Auch ich habe mich jahrelang gegen Verschwörungstheorien gestemmt, da Verschwörungstheoretiker in Europa nach dem 2. Weltkrieg bereits in der  Kindheit und von den Massenmedien als unseriöse Spinner denunziert wurden. Diese mentale Ausradierung der an sich stringenten, leicht nachvollziehbaren Hinterfragung einer Verschwörung ist tief im Unterbewusstsein verankert.

    Falls sie sich für sich selbst interessieren, fragen sie sich einfach, ob die italienische Mafia eine geheime Verschwörung ist. Falls sie im ersten Moment unbewusst negieren, können sie davon ausgehen, dass sie manipuliert sind.
       
    Tatsächlich ist Europas Geschichte  von Intrigen und Verschwörungen geprägt. 
    Das bekannteste aktuelle Beispiel zu Verschwörungstheorien in den USA ist 9/11. Hier treffen zwei Verschwörungstheorien aufeinander. Die offizielle ist die einer Verschwörung radikaler Glaubenskrieger gegen den imperialistischen Weltkapitalismus. 
    Die inoffizielle ist begründet auf persönliche Bereicherung, Erweiterung der staatlichen Kontrollfunktionen durch Angst und der Füllung des delegitimierenden Machtvakuums durch den Wegfall des Feindbildes UDSSR, welches in den USA und in Europa zu Politikmüdigkeit führte. 

    Dabei ist der Begriff Politikmüdigkeit auch schon wieder nur eine manipulierende Schlaftablette. Die Politikmüdigkeit findet sich heute in Zitaten wie Gauck “Das Volk ist zu blöd, um Politik zu verstehen.” (sinngemäß).  In Europa wurde das Legitimationsvakuum durch die damals so genannte Klimakatastrophe mit apokalyptischen Ausmaßen temporär gefüllt. In den USA war Klimapolitik kein Thema, womit wir wieder bei 9/11 sind.
     
    Ohne mich für die offizielle oder die inoffizielle Verschwörungstheorie zu den Attentaten auf die Twin-Tower begeistern zu können, habe ich eine sichtbare Explosion an einem der Twin-Tower weit unterhalb des Einsturzniveaus  zur Kenntnis genommen. Auch habe ich zur Kenntnis genommen, dass nach der erfolgreichen Zerschlagung eines runden Dutzend “Terroristen”, die auf Eselspfaden im Kaschmisgebirge umherzogen – mehr war AlKaida zum Zeitpunkt des Anschlags nicht- langsam aber sicher China als neues Feindbild in den USA aufgebaut wird.

    Ich möchte sie jetzt nicht von Verschwörungstheorien überzeugen.
    Zudem lässt die Definition einer Verschwörung zu wünschen übrig. 
    Welche Ziele muss eine Verschwörung vefolgen, damit sie eine Verschwörung ist? Reicht persönliche Bereicherung oder müssen es immer staatsgefährdende  Morive sein? Ab wann kann man Korruption oder Kartellbildungen als  Verschwörungen bezeichnen? Bildet die Symbiose  des bürgermeisterlichen Baulöwen  mit dem kleinstädtischen Amtsschimmel bereits ein Verschwörung? Wenn nein, was wäre denn eine Verschwörung?

    Beispielsweise würde ich die Birther-Bewegung als allgemein wahrgenommene, aufgedeckte  Verschwörung bezeichnen. Eine solvente Gruppe im Hintergrund hatte mit erheblichen finanziellen Aufwand eine Massenbewegung am Leben erhalten, deren Argumente dem gesunden Menschenverstand widersprachen und Obama erheblichen politischen Schaden zufügten.

    Eine Verschwörungstheorie fragt nach den persönlichen Nutznießern und deren Vorteilen bei Entscheidungen. Im Zeitalter bestens organisierter Netzwerke fehlt  diese naheliegende Fragestellung wohlgemerkt neben anderen als wichtige Kontrollfunktion in der europäischen Politik.

    • Ro - 28. Juni 2012

      Dank für diese kluge und präzise Ausführung. Exakt so möchte auch ich mich hier verstanden wissen. So im Kontext war und ist es gemeint. Ansonsten ließe sich ein Dirk Müller, ein Andreas Hoose, selbst ein Folker Hellmeyer als Verschwörungstheoretiker bezeichnen. Sind sie natürlich nicht, nur das Mantra des Totschlagargumentes Nr1 VT wirkt eben nicht mehr bei den Herren.. sie haben begonnen mal gründlich selbst zu recherchieren und gehen dezidiert in die Diskussion nach außen. Mir scheint die Angst vieler bei Verwendung des Terminus VT oder nur schon in Nähe dessen, nicht mehr ernst genommen zu werden, die Karriere zu gefährden, größer, als sich neuen Erkennissen an zu nähern. Sich diese offen zu erarbeiten.

    • lottchen - 28. Juni 2012

      > Ich möchte sie jetzt nicht von Verschwörungstheorien überzeugen.

      Dann hätte ich einen Vorschlag für Sie: Lassen Sie den Versuch doch einfach!

      • Bernd Rickert - 28. Juni 2012

        Die Antihaltung zu Verschwörungen war im Wege der Entnazifizierung vor allem jüngerer Deutscher notwendig.

        • Frank Bell - 28. Juni 2012

          @ Bernd Rickert: Entnazifizierung

          Wieso denn das??? :-0

    • Frank Bell - 28. Juni 2012

      Verschwörungstheorien: Danke, eine sachliche und gute Antwort.

      Ich fürchte allerdings, dass dies bei einer bestimmten Person wieder pawlowsche Reflexe auslöst…

  • Astan - 28. Juni 2012

    Ich finde den Beitrag nicht hilfreich.

    In der Forschung war in den 90ern klar, daß Südeuropa nach der Euro-Einführung einige gute Jahre haben würde und es wurden wirtschaftliche Reformen insbesondere im Bereich Arbeitsmarktpolitik angemahnt. Dazu gibt es eine Fülle von Veröffentlichungen, in Deutschland beispielsweise “Structural Unemployment in Europe” vom IfW Kiel (Dohse/Krieger-Boden).

    Die Südstaaten haben ihre ~15 guten Jahre nicht genutzt, sondern die Arbeitsmärkte reguliert, die Löhne enorm erhöht und die Staatsverschuldung hochgetrieben. Liegt also ein ökonomisches Problem vor oder ein Problem der Demokratie? Ich meine, letzteres. Die Menschen Südeuropas haben Fehlentscheidungen getroffen, indem sie schlechte Politiker gewählt haben, die falsche Entscheidungen getroffen haben. Wieder einmal haben die Menschen sich für den kurzfristigen Wohlstand entschieden und die lange Frist mißachtet.

    Heute ist Südeuropa bankrott. Der einzige Ausweg der noch bleibt, ist ein Euro-Austritt Deutschlands, weil er die südeuropäische Wettbewerbsfähigkeit verbessert, ohne das Schuldenniveau dort zu erhöhen. Deutschland müßte seine Auslandspositionen abschreiben. Vor zwei Jahren war das noch relativ leicht möglich, aber jetzt wird es natürlich von Tag zu Tag schlimmer, weil unsere wirtschaftlich inkompetenten Politiker nichts begriffen haben.

    Aber ist das alles wirklich ein Problem der Ökonomie? Ich denke eher, daß wir uns fragen müssen, wie wir es hinbekommen, daß die Wähler in der Demokratie wirtschaftlich kompetente Politiker wählen und langfristig zu denken lernen. Da muß man ansetzen.

    • dank - 28. Juni 2012

      “Aber ist das alles wirklich ein Problem der Ökonomie?”

      Ja, mit. Ein Weißwaschen der Ökonomie ist nach der Anhäufung der Fehler, Vermischungen und Täuschungen nicht mehr möglich.
      Eine Theorie bleibt eine Theorie – denn in der Praxis kommen noch zig andere Einflüsse hinzu, die nur all zu gerne von den Wirtschaftgelehrten (Ausnahmen mögen wie immer die…) weggelassen werden, nicht ins Konzept passen, gar unberechenbar sind oder schlichtweg mit purer Absicht vernachlässigt werden, weil sonst das Modell nicht mehr funktioniert.
      Wenn ein Statiker ähnlich arbeiten würde – dann…

      Was denn in Belgien los? +30,15%
      Dexia 2.0? http://www.bloomberg.com/quote/GBGB2YR:IND

  • ergo sum - 28. Juni 2012

    Merkel benutzt das Thema Schuldenvergemeinschaftung als Drohwaffe: “Erst politische Union, dann gemeinsame Schulden.” Ich halte diese Politik für unklug und gefährlich, denn sie bringt das restliche Europa gegen uns auf. Die anderen Länder mögen den Bankrott vorziehen, ehe sie sich unter vorgehaltener Pistole mit Deutschland vereinigen.

    • Ro - 28. Juni 2012

      Sobald die Schulden via ESM verallgemeinert sind und die Vermögen hier im Land unterhöhlt sind, sind alle wieder beste Freunde. Ziel erreicht. Das Merkelbashing als Druckverstärker – eigentlich auf die Abgeordneten des Bundestags zu sehen – und der medial verstärkte “Haudrauf Journalismus”, beides wird dann ebenfalls wie aus dem Nichts verschwinden.
      Darauf verwette ich mein Hab und Gut. Die Bürger Europas werden hier doch nur benutzt.

      Warum, die Frage in den Raum gestellt, muss es denn der 150 % ESM sein ohne weiteren Einfluss der gesamten Parlamente, in einem Rätesystem beschlossen, ohne direkte Wahlalternative seitens der Bürger eben für diesen elitären Club?! Warum fragt hier die Medienlandschaft nicht weiter nach!? Warum stellt niemand in Presse und Parlament die Frage ob es nicht 100 % ESM auch tun würde MIT Einflußnahme nationaler Parlamente!? Das BVerfG wird uns ja bald seine Antwort verkünden. Gruß.

    • Bernd Rickert - 28. Juni 2012

      Merkels kompromisslose Verhandlungsposition und die absehbare Kakophonie liefern auf Jahre hinaus Legitimationspotenzial für den überflüssigen europäischen Gouverneursrat unter deutscher Führung. Politiker, die sich nicht nur nicht einigen sondern nicht einmal miteinander kommunizieren können gehörten gefeuert.

  • micdinger - 28. Juni 2012

    Etwas OT, aber nach all den gedanklichen Anstrengungen zum Thema Schuldenkrise der Hinweis auf einen Film über einen in Deutschland lebenden Selbstversorger, der sich diese Lebensweise allerdings auch nur erlauben kann weil er mal etwas geerbt hatte. In meinen Augen ein sehr sympathischer Beitrag der ZDF 37 Grad Redaktion. Vielleicht für alle, die nicht vom Fußballfieber infiziert sind.

    Gottfried – der Selbstversorger, 45 min.
    http://37grad.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF.de/37-Grad/2942544/23115652/f29b65/Gottfried—der-Selbstversorger.html

  • Henry - 28. Juni 2012

    Das Merkel-Bashing ist völlig korrekt, denn sie zündet gerade mit ihrer Krisenpolitik die EU an. Am besten Deutschland ausschließen und isolieren. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall…

  • Ro - 28. Juni 2012

    http://iknews.de/2012/06/28/vereinigte-sowjetrepubliken-von-europa/

    “Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.”

    Goethe zu Eckermann

    Unbegreiflich was hier vollzogen wird.

    • Henry - 28. Juni 2012

      @RO

      Werden bald die Produktionsmittel kollektiviert? Wo war denn die UDSSR eine Räterepublik?

      Immerhin weiß man, aus welcher Ecke der Wind hier bei einigen weht…

      p.s.: Danke übrigeans an Querschüsse für die sehr informativen Beiträge. Ich lese die Seite wirklich sehr gern…

    • ergo sum - 28. Juni 2012

      @ Ro:
      Dies ist kein Zufall. Den Vätern der EU standen damals 2 Modelle zur Auswahl: Die föderale Republik (USA) und die Räterepublik (UdSSR). Obwohl sie ein “Gegengewicht” zu den USA schaffen wollten, entschieden sie sich für das Modell einer Räterepubllik, weil ihnen eine US-artige Regierungsform für 27 Völker mit 23 Sprachen nicht machbar erschien.

      • Ro - 28. Juni 2012

        Quellen?

      • Ro - 28. Juni 2012

        Nachtrag Henry – ebenso ist es eine Unsitte immer über den anderen alles wissen zu wollen. Diese bescheuerten Pauschalisierungen, mieser Stil.. O- Ton.. “weiß man bei einigen woher der Wind weht”. Es geht mir um Sachargumente. Also ich weiß nicht wie ihr Wind weht… Mann Henry, so bringt das nichts, schade um die Zeit.

    • Ro - 28. Juni 2012

      Henry, was soll diese Polemik, dieser d.. Vergleich, alles hier zigfach besprochen!

      Ein GouverneursRAT, welcher uneingeschränktes Budgetrecht genießen soll laut bekanntem Entwurf. Parlamente ohne Haushaltsrecht in Selbstbestimmung. Volle Immunität, lebenslang, für sämtliche Mitarbeiter der Institution , kein Klagerecht, kein Einsichtsrecht .etc. SO benennt man ein Rätesystem. Ehrlich bin ich schlicht zu bequem den Entwurf zu suchen und als Link mitdran zu hängen. Kennen Sie ja sicher. Und jeder so wie er mag. reicht es nicht jetzt schon keine direkte Wahlmöglichkeit mehr zu haben bzgl. 28 Kommisaren / EU. All die Spitzen der EU – keine direkte Wahlmöglichkeit. Ich kann hier nur noch den Kopf schütteln.

      • Henry - 29. Juni 2012

        Die Sowjetunion war kein Rätesystem, spätestens mit der Niederschlagung des Kronstädter Aufstandes hatte sich diese Vorstellung erledigt. Kannst du auch gerne hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Sowjet

        Der Vergleich von EU und Sowjetunion ist so hahnebüchen wie falsch. Und genau deswegen schreibe ich auch, dass man meist weiß “aus welcher Ecke der Wind weht”. Ich höre/lese Dinge wie EUDSSR ständig nur am rechten Rand. (vermischt mit der Pro-DM-Fraktion)

        • Ro - 29. Juni 2012

          Reine Haarspalterei. Sie wissen genau wie und was gemeint ist und war.

          Eine Pauschalisierung nach nur rechts ist aus meiner Sicht naiv. Es zählt hier längst nicht mehr nur rechts oder links. Dies alles ist eine pure billige Ablenkung ideologsichen Denkens in alten Schubladen.

          Denn, beides sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Die Sowjetunion war ein Diktat und wir sind nur wenige Schritte davon entfernt. Nur das Gesicht hat sich gewandelt, wird sich weiter wandeln. Aber Geschichte zeigt werter Henry, dass man daraus nicht lernt. Ein Vergleich rechts / links ist mir – Stand heute in der Erkenntnis – ich wiederhole mich – zu naiv gedacht.

          Aber gerne kann hier weiter geträumt werden, dass hier alles deomkratisch von statten geht und zu unser aller Wohl ist. Spielt eh keine Rolle, wenn man einmal begriffen, hat wie unssinnig dümmlich VWL und BWL im Grunde sind – wiederrum nur Ablenkung für Umverteilungsschemata. Das Ende des Aufschuldungszyklus ist ohnehin ein Fakt. So für die Laborratten ein weiter im Hamsterrad. Ob links oder rechts. Beide sind das Papier und die Gedanken nicht wert.

  • Reffke - 28. Juni 2012

    Erstmal sollte man die allgemeine Ratlosigkeit nehmen wie sie ist :
    weder sämtliche Varianten der Planwirtschaft, noch die “Schulen” der freien Marktwirschaft bieten aktuell eine Lösung an: es ist fast Panik, mit Durchhalteparolen (Scheitert der €uro, scheitert Europa!), Endsieggefasel (alternativlos….) oder gar Wunderwaffe (Bazooka wxyz) usw usf
    Auch Milton Friedman und die Chicago-School beweist gerade quasi postum, daß Deregulierung, also laissez fair-Kapitalismus von Ronny und Maggie, zwar die Unions neutralisiert, aber schließlich auch nur mit Kärtchen baut… schön bunt bedruckt mit vielen Stellen 😉
    Keynes oder ein neuer Key, was paßt?

    Dabei sehe ich eigentlich eine merkwürdige Ursache:
    Vereinheitlichung – den real existierenden Zentralismus! 😉
    Ich bin kein Ökonom, aber gelernter DDR-Bürger (geb. 1952) und also eher interessierter Laie, aber einen gewissen Einstieg in die politische Ökonomie und den historischen Materialismus von Marx hat man uns damals aufgezwungen und das weckt heute angesichts der “Krise” mein Interesse für Alternativen.
    Der Sozialismus funktionierte ja wirtschaftlich letzlich nicht, der Westigel rief eben immer: bin schon da!
    Daß sich hinter der Igelei nebenei Herr WallStreet und Frau City of London verstecken, hab ich alter Hase wie im Märchen erst viel später entdeckt ^^
    Eine Episode der DDR-Wirtschaft hat aber Parallelen zur Krise heute:
    Die zentrale Planwirtschaft hatte viele kleine Betriebe und Handwerker “weiterwurschteln” lassen, die es interessanter weise auch im real-existierendem Sozialismus mit unternehmerischen Talent, Ideen, Fleiß oft zum Millionär oder Wohlstand brachten, aber mit ihren Dienstleistungen oder Produkten – Konsumgüter, auch für Export, also Devisen! – genau die Lücken füllten, die eine Plankomission und Kombinate nebensächlich oder unbedeutend fanden…
    Man hatte also einen modus vivendi gefunden! 😉
    Aber aus heiterem Himmel wurden 1972 unter Honnecker alle Privatbetiebe (egal ob Dienstleistung, Industrie oder Handwerk) mit mehr als 7 Angestellten verstaatlicht, einfach so, quasi ideologisch-idealistisch 😉
    Niemand hatte die Absicht, eine Erklärung zu liefern…- warum eigentlich?
    Ich habe in den letzten Tagen wegen dem EWS und der Krise allgemein einen Ansatz für eine Erklärung gefunden:
    diesen ideologisch-idealistischen Prozess kann man vergleichen mit einer sgn. selbsterfüllenden Prophezeiung (engl. self-fulfilling prophecy), also eine Vorhersage, die sich deshalb erfüllt, weil derjenige oder diejenigen, die an die Prophezeiung glauben, sich – meist unbewusst! – aufgrund der Prophezeiung so verhalten, dass sie sich erfüllt.
    Der Prozess verselbstständigt sich und die Eigendynamik führt zum Realitätsverlust!
    Mal ein beispielhaftes Schicksal bzw. Zitat, das verdeutlicht, was ich meine:
    Die Staatspartei unter Erich Honecker hatte damals ihr letztes Gefecht gegen die kapitalistischen Restposten der Republik gestartet. Die Schonfrist, die selbständige Unternehmer in den ersten beiden Aufbaujahrzehnten genossen hatten, war endgültig vorbei. Binnen weniger Monate wurden damals mehr als 10 000 Firmen verstaatlicht. Wehren konnte sich niemand gegen die Expropriation. “Es kam”, erinnert sich Kaps, “wie ein Fegefeuer über uns.”
    Quelle:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13500779.html
    Nebenbei gesagt, gibt es kaum Info dazu im Web, aber hier reicht sie soweit aus, um exemplarisch deutlich zu machen, worum es mir geht.
    Nach der Verstaatlichug wurden viele dieser Betriebe zu Versagern( Totalausfall) und 1989 waren die Alteigentümer entweder zu alt und in Erbschaften verwickelt, oder es gablängst Ersatz aus dem Westen oder Asien.
    Das ist quasi die Situation in Süd-Europa heute…

    Aber ab wann ging es stetig bergab in Süd-Europa?
    Es wurde doch nicht nur der €uro eingeführt, sondern damit auch der Binnenmarkt!
    Dieser hat sich zwangsläufig quasi zentralisiert.
    Davor hat die EWG mit dem EWS auf Basis des ECU doch trotz kleiner Formalitäten völlig problemlos als “Europa der Vaterländer” prosperiert und nebenbei national-politische Grenzen “korrigiert” wie in Tirol oder Baskenland!
    Vor dem Binnenmarkt hatten die Länder im Süden doch eher regionale Marken und Märkte, quasi einen “natürlichen antizentralistischen Schutzwall” durch das EWS 1, der damit regionalen Produkten und Dienstleistungen einen klaren Standortvorteil gab, auch wenn die Güter nicht de luxe verpackt oder EU-normgerecht waren 😉
    Der Binnnemarkt hat das inzwischen vereinheitlicht und das kleine Wirtschaftswunder, das sich abzeichnete, abgewürgt.
    Die EU, die nebenbei nach dem Fiasko von Kohle und Stahl vom Haushalt her, eher ein Argargemeinschaft ist ^^, hat nun einerseits zentralistisch facilitiert und alimentiert (Wahlgeschenke, Korruption etc. ahoi!), andererseits die neuen Märkte genutzt, weil ein Bauer auf Kreta seine Tomaten nicht so schnell distributieren kann, wie die aus dem Westland in Holland, die sind auch niocht traduitionell verpackt in Holzkisten, sondern in Coolunits und stehn 48Std. im Cool-Container knackfrisch auf dem Markt in Athen, nur mal als Beispiel.
    Was sollen die Süd-Europäer denn produzieren, wennnicht vorrangig Eigenbedarf?
    Bessere Autos, Konsumgüter, Nahrungsmittel als die Global Pklayer???
    Das ist aussichtslos, denn auch in Nord-Europa wird es eng… und zwar rasant!
    Man muß also zwingend wieder dezentralisieren und regionalen Märkten eine Chance geben:
    die Geschichte Mittel-und Ostdeutschlands beweist, eigentlich auch Spanien mit Baskenland und Katalonien, nur daß da das totale Versagen der Bankenaufsicht und erschlichenes billiges Geld exemplarisch neue Probleme geschaffen haben, die die Neurschuldung eskalieren ließen:
    auch ein Problem des realexistierenden Zentralismus in Europa: idiotisch billiges Geld, wie im Märchen vom süßen Brei 😉
    Wenn man über hunderte Jahre einen zentralistischen Staat führen will, dan geht nur, wenn Verträge gehalten werden:
    Pacta sunt servanda!
    Die Tinte war kaum trocken, da wurden sie gebrochen (Deutschland diente bis vor kurzem in jeder Talkshow als Prügelknabe: Eichel war der “erste” Vertragsbrecher ^^, das hörtt man merkwürdigerweise nicht mehr… warum wohl?)
    Aber die Verträge sind nicht vom Himmel gefallen wie der Dekalog, Verträge kann man vernünftig neuverhandeln, wenn die Umstände es erfordern, sonst mutieren sie zum Kriegsgund: Casus belli 😉

    BTW;
    ich möchte noch auf ein Video zu Kyle Bass verweisen:
    es zeigt großartig wie die Profiteure der asymetrischen Bonds ticken und auch wenn die Reporterin geradezu feindselig vor Ressentiments an der gelassenen Art von Bass verzweifelt, ist es eine Offenbarung:
    Sein brühmter Satz “This is the fat pitch, this is the once-in-a-lifetime, low-risk, incredibly high-reward scenario where we’re going to be right.”
    Hier etwas mehr Ifo, falls das nicht so bekannt istt:
    http://www.nzherald.co.nz/business/news/article.cfm?c_id=3&objectid=10484879

    Hier das Video: ca. 11/2011

    Um Mephisto abzuwandeln: die €uro-Zone ist ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will, doch Böses schafft!
    Das ist des €uros Kern 😉
    Die €uro-Zone und die völlig absurd idealistisch illusionen und Ambitionen der EU sind für mich das Problem, garnicht sooo sehr Europa.
    Wir müssen “irgendwie friedlich” back to the Roots der EWG samt Europäischen Währungssystem I auf Basis des ECU, ein System fester, jedoch anpassungsfähiger Wechselkurse mit leichtem Swing von 2,25 Prozent nach oben oder unten usw usf
    http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Lexikon/EUGlossar/E/2005-11-16-europaeisches-waehrungssystem-i.html
    Das war das Erfolgsrezept.
    €urozonal-deologischer Zentralismus – nein danke!

  • titoslavija - 28. Juni 2012

    Wer ESM + Fiskalpakt nicht will: am 29.6. ab 14 Uhr 30 findet eine Protestkundgebung in Berlin vor dem Bundestag statt. Wer nicht kann, darf dies bittew gerne weiterposten wo immer es geht.

  • JL - 28. Juni 2012

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner, Sehr geehrter topperhopper,

    beide Darstellungen entsprechen meiner Sicht der Dinge. Führt man Ihre Betrachtungen zusammen, hat man- meiner Meinung nach- die Ursachen dieser Finanzkrise sehr gut veranschaulicht.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Helmut - 29. Juni 2012

    Verabschiedet heute das …. den Fiskalpakt ?
    Wenn ja,dann geht es uns allen bald sehr besch…en!

    • SLE - 29. Juni 2012

      Lieber Helmut,

      mäßigen Sie bitte Ihre Ausdrucksweise!

      Vielen Dank
      SLE

  • Brtz - 29. Juni 2012

    Auf die Frage am Anfang gibt es nur eine Antwort: Nein.

    Ponzi-Schema passt ich bevorzuge allerdings es Kreditexpansion zu nennen. Und dann kommt man sehr gut mit den Erklärungen der Österreicher hin.

  • Daniel B - 29. Juni 2012

    “Außerdem sollen künftig nicht nur Staaten, sondern auch Banken direkt auf die Rettungsfonds zugreifen können, sobald eine gemeinsame Bankenaufsicht installiert ist.”

  • Georg Trappe - 29. Juni 2012

    Ein sehr gelungener Artikel, wie ich finde, und in weiten Teilen eine entsprechende Diskussion.
    Das freut mich sehr, nicht nur weil “meine” Hauptverdaechtigen (“blinde Flecken”, Konzentrationsprozesse aka Fettaugensyndrom, katalytisch wirkendes Geld- und Bankensystem, Marktfundamentalismus) benannt werden und Losungsraeume, wie Dezentralisiserung, anklingen.

    Viele Gruesse,

    Georg Trappe

  • Benedikt - 29. Juni 2012

    Jetzt beginnt doch erst die Ferienzeit des Bundestages bis September. Ohne Zustimmung des Bundestages gibt es doch keinen neuen EFSF Bailout und der ESM kann auch nicht verabschiedet werden. Bis dahin rettet die EZB den Euro alleine. Die Krise sieht dann auch anders aus, als heute.

  • MickFfm - 29. Juni 2012

    Schliesst der ESM-Vertrag, der heute im Bundestag durchgepresst werden soll nicht die direkte Bankenfinanzierung aus?

    D.h. man beschliesst etwas von dem man weiss, dass es seine Gültigkeit in dieser Form wieder verliert. Luschtig gell? Ich hoffe Herr Vosskuhle und Kollegen passen da gut auf.

  • Rene M - 29. Juni 2012

    Haben Banken in Zukunft,über den ESM, direkten Zugriff auf die Staatshaushalte? Eine große Bank braucht Geld, beantragt es beim ESM, der ESM leitet die Rechnung and die Staaten weiter und wir müssen innerhalb von 7 Tagen überweisen? Ich hoffe das es nicht so einfach ist und es einen entscheidenen Denkfehler gibt.

    • MickFfm - 29. Juni 2012

      Leider sehe ich da keinen Denkfehler, Rene M!

      Man könnte es auch als Kapitulation der Bundesrepublik vor den “Märkten” bezeichnen, die dunkelste Stunde unserer Republik. Die Schleuse zur Super-Zockerei wird komplett geöffnet und dass Bankenaufsichten nicht so recht funktionieren, haben wir schon zur Genüge feststellen können.

      Allerdings verstärkt diese Nacht- und Nebelaktion meine Hoffnung in das Bundesverfassungsgericht. Dass überhaupt heute noch in den Organen abgestimmt wird über einen Vertrag, der am 09. Juli wieder verändert werden soll, dessen künftigen Vertragsinhalt heute aber noch niemand kennt, ist einfach nur beschämend.

  • macsoja - 29. Juni 2012

    Man muß sich einfach mal vorstellen, was da passiert ist.

    Merkel: Ach Monti, nimm doch das Geld. Das ist doch für Deine Konjunktur, denk mal an das Erdbeben.
    Monti: Nein ich will nicht
    Merkel: Ach komm Monti, denk an Deine Jugendarbeitslosigkeit. Schau der Mariano ist schon bei fast 50% Arbeitslosen bei den Jugendlichen.
    Mariano: Sinde schone mehr, eigentlich – haben wir gefälscht.
    Merkel: Was?

    Monti: Ok, wir nehmen das Geld. Aber nur, wenn wir Deine Kreditkartennummer bekommen, damit wir in Zukunft auch Geld ziehen können.
    Merkel: Was? Niemals. Nur über meine Le…

    Monti:Scusi, Nono. Nicht WIR wollen Geld. Unsere Banken natürlich, Du weißt unsere kranken Banken.
    Merkel: Aber Monti, Du hast gar keine kranken Banken oder doch?

    Monti: Nein Mariano hat die kranken Banken. Aber wenn wir so an Dein Geld kommen, werden wir natürlich auch kranke Banken haben. Keine Probleme bei uns.

    Merkel: Das ist aber unfair. Nehmt doch lieber das Geld für das Konjunkturpaket, ich leg auch noch ein paar Milliarden drauf, wir können bei uns noch bei Hartz4 einsparen und unsere Autobahnen sind auch noch prima in Schuß…

    Monti: Nein, wir willen nur Deine Kreditkartennummer, sonst reisen wir ab. Stimmts Mariano?
    Mariano: Si! Müssen vorbereiten Finale.

    Merkel: Aber wie stehe ich denn da zu Hause?
    Monti: Bist Du spitze, weil keine Eurobonds. Und wir versprechen natürlich zu sparen und Regeln einhalten. Und wir nehme Geld für Konjunktur – freut sich Deine Opposito.
    Merkel: Aber das macht Ihr doch immer, zu versprechen und dann…
    Mariano: Si, siehst Du mal, wie wir mitarbeiten.
    Merkel: Welche Regeln wollt Ihr denn eigentlich einhalten?
    Monti: Alle natürlich, d.h. wir melden gute Zahlen, prüft sowieso keiner. Und müssen auch nicht mehr verschulden, weil Geld kommt ja von Kreditkarte.

    Merkel: Aber da kann ja jeder kommen. Ach komm Monti, nimm doch nur das Konjunkturpaket, da könnt Ihr noch mehr bauen bei Euch in Spanien und…
    Mariano: Nee will nix mehr bauen, ist alles schon Beton an Küste.
    Merkel: Na dann baut doch um – mehr Fußballplätze.
    Mariano: Nee spielen gut genug Fußball, hehe.
    Monti: Si (hehe) Siehst Du steht 2:0 durch Balotelli.

    (schauen Fußball)
    Monti: Kriegen wir nun Kreditkarte oder nicht?
    Merkel: Ach na gut, aber die ist nur bis 2013 gültig.
    Monti: Nonono, wollen unbegrenzte Laufzeit.
    Merkel: Aber das geht doch nicht, ich bin dann doch gar nicht mehr in der Regierung.
    Monti: Umso besser.

  • Frankenfurter - 29. Juni 2012

    .sehr kreativ macsoja, aber leider kein diskussionswürdiger Inhalt erkennbar.

  • Traumschau - 29. Juni 2012

    Die europäische Politik taumelt seit dem Ausbruch der Krise von einer falschen Entscheidung zur nächsten, ohne dass an den grundsätzlichen Problemen gearbeitet wird.
    Man hat immer noch nicht verstanden, dass mit immer mehr Geld aus dem Nichts die Märkte nicht dauerhaft beruhigt werden können und man letztlich die Krise nur verschlimmert.
    Anstatt endlich mit einer durchgreifenden Regulierung der von der Realwirtschaft abgekoppelten Finanzmärkte Ernst zu machen, schraubt man lieber an den Symptomen. Jetzt wird gar nicht mehr so getan, als wolle man das Primat der Politik von den Finanzmärkten zurückerobern – nein, jetzt werden die Banken auf direktem Weg letztlich mit dem Geld der Steuerzahler bailoutet.
    Im Gegenzug werden den Völkern in Europa eine Sparorgie nach der anderen verabreicht, damit die steigenden Schulden im Gesamtsystem für das allgemeine “Bailouting” bezahlt werden können. Diese Maßnahmen bedeuten H4 hoch 4. Es wird der größte Sozialabbau, den die Menschheitsgeschichte jemals gesehen hat – und zugleich das gigantischste Umverteilungsprogarmm von FLEISSIG zu REICH!
    Man kann es einfach nicht fassen. Ich kann nicht nachvollziehen, dass die große Mehrheit unsere Abgeordneten diese Bedenken nicht teilen oder zumindest ernst nehmen …

    @lottchen
    Man könnte fast meinen, die herrschende Klasse hat sich gegen die Völker Europas verschworen
    … 😉

  • Stefan Wehmeier - 2. Juli 2012

    Erinnern Sie sich noch…

    Es ließe sich darüber streiten, ob ein Herr Reithofer, Topmanager bei BMW, für seine 6,2 Mio. Euro Jahresgehalt genug gearbeitet hat, doch wenn es sich für BMW rechnet, sei es ihm gegönnt. Allerdings lässt sich nicht darüber streiten, dass die Familie Quandt, Hauptaktionär bei BMW, für ihre 650 Mio. Euro Rendite, die sie 2011 abkassierte, gar nicht gearbeitet hat. Das ist Kapitalismus: abkassieren auf Kosten der Mehrarbeit anderer.
    Stellen wir nun die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (die Geld- und Bodenordnung) so ein, dass langfristig Familie Quandt und Konsorten nichts mehr abkassieren können, ist das erstens kein “Kommunismus” (im “Kommunismus” = Staatskapitalismus kassieren die Parteifunktionäre die unverdienten Kapitaleinkommen), und zweitens wird niemandem etwas weggenommen, denn Quandt und Konsorten behalten ihre Vermögen. Nur wenn sie weiterhin ohne zu arbeiten konsumieren wollen, müssen sie diese “anknabbern”.
    Behindert es vielleicht den Fortschritt, wenn Quandt und Konsorten, um gleichzeitig ihre Vermögen erhalten und konsumieren zu können, arbeiten müssen? Wohl eher im Gegenteil, denn noch innovationsfeindlicher können Quandt und Konsorten gar nicht mehr sein, als wenn sie ohne zu arbeiten konsumieren können und trotzdem immer reicher werden.

    …an die Soziale Marktwirtschaft?

    Im Januar 1953 gründete der Freiwirtschaftler Otto Lautenbach die Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM). In enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Wirtschaftsminister und späteren Bundeskanzler Ludwig Erhard sollte erstmalig eine “freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus” verwirklicht werden. Im Juli 1954 verstarb Otto Lautenbach, die ASM zerfiel im Streit (eine Organisation gleichen Namens existiert heute noch, sie verfügt aber über keinerlei makroökonomische Kompetenz mehr). Für die makroökonomische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland wurde ein von der “katholischen Soziallehre” beeinflusstes Konzept von Alfred Müller-Armack übernommen, eine “sozial gesteuerte Marktwirtschaft” (kapitalistische Marktwirtschaft mit angehängtem “Sozialstaat”), für die sich später der Begriff “soziale Marktwirtschaft” einbürgerte.

    Um die “Finanzkrise” (beginnende globale Liquiditätsfalle) beenden zu können, muss die Religion (selektive geistige Blindheit gegenüber makroökonomischen Konstruktionsfehlern) überwunden werden:

    1. Jeder, der den Erkenntnisprozess der Auferstehung noch nicht durchlaufen hat, ist religiös, unabhängig von “Glaube” (Cargo-Kult) oder “Unglaube” (Ignoranz).
    2. Alle religiösen Menschen sind wahnsinnig.
    3. Der Wahnsinn ist in der Regel umso größer, je höher die “gesellschaftliche Position”; insbesondere “Spitzenpolitiker” und “Geistliche” sind komplett unzurechnungsfähig.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html