Charts des Tages 21.10.2017

von am 21. Oktober 2017 in Allgemein

Die Auswüchse der lockeren Geldpolitik nehmen extreme Ausmaße an, es herrscht regelrechte Euphorie an den Märkten. Blasen, Übertreibungen, Überbewertungen, wo man auch hinsieht. Die Überschussliquidität in die Welt gesetzt durch die Zentralbanken treibt bizarre Blüten.

US-Präsident Trump schwebt auf den Wolken spekulativer Exzesse, in Folge der lockeren Geldpolitik und denkt es läge an seiner tollen Politik 🙂

Die Entwicklung des Dow Jones Aktienindex seit 1970 bis zum 20.10.2017 im Tageschart. Gestern zum Schluss der Handelswoche stieg der Index auf 23328,63 Punkte und damit auf ein neues Allzeithoch. Es geht steiler als steil!! Die tausender Marken werden im Sauseschritt gerissen.

Die Entwicklung des Dow Jones seit dem Wahltag am 08.11.2016 (=100) als Index im Chart. Vom 08.11.2016 bis zum 20.10.2017, also in der Ära Trump stieg der US-Leitindex um +27,8%!! Irrationaler Überschwang in Folge einer unverantwortlichen Geldpolitik, man hat aus den Krisen nichts gelernt, man bläst noch verrückter die Vermögenswerte auf, letztlich geht dies immer mit steigender Verschuldung im System einher.

Auch aberwitzig die Kyptomanie:Die Entwicklung der Kryptowährung Bitcoin seit Juli 2010 bis zum 20.10.2017. Gestern wurde die 6000er Marke gerissen, ein Bitcoin kostete 6049,6 Dollar. Noch zu Jahresbeginn konnte man ein Bitcoin für 1028 Dollar erstehen.

Alle sind verrückt geworden könnte man meinen, insbesondere diejenigen die diese Rallye mit ihrer Geldpolitik befeuern, die meisten Anleger folgen nur der Schwemme des billigen Geldes (don’t fight the central banks). Wenn diese Blasen platzen bzw. ihre Überwertungen abbauen, dann wird kein Auge trocken bleiben, manche meinen immer noch, diesmal ist alles anders, nun denn weiter so….., je mehr ihr übertreibt umso härter das Erwachen.

Kontakt: info.@querschuesse.de

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25 KommentareKommentieren

  • Gundermann - 21. Oktober 2017 Antworten

    “US-Präsident Trump schwebt auf den Wolken spekulativer Exzesse, in Folge der lockeren Geldpolitik und denkt es läge an seiner tollen Politik”

    Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. So war Hitler der Meinung, die Erfolge der Wehrmacht beruhtem auf seinem Feldherrengenie – nun ja, heute wissen wir es besser – damals nur das OKW. 😉

    Und was Bitcoin & Co. angeht… ich würde lieber Tulpenzwiebeln wählen. Die blühen im Frühjahr immer so toll. 😉

  • Gundermann - 21. Oktober 2017 Antworten

    “diesmal ist alles anders”

    Die letzten Worte des Spekulanten vor dem Margin Call.

  • JL - 22. Oktober 2017 Antworten

    Nun, Frau Yellen hat gesagt, daß es Zeit ihres Lebens keine Krisen mehr geben wird. Die FED kann in ihrer Weitsicht keinerlei Blasen erkennen, also gibt es auch keine, Übertreibungen am Aktienmarkt gibt es auch nicht, also braucht man das auch nicht auf dem Radar zu haben.

    Auch Münchhausen hatte schon erzählt, daß man sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen kann. Da kann man nur Glück beim Selbstversuch wünschen und hoffen, daß es zukünftig viel Hirn vom Himmel regnet.

    Heute bejubelt man Gewinne und morgen sozialisiert man Verluste, also, nichts neues im Westen.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Uwe - 22. Oktober 2017 Antworten

      …Jetzt ein Abruf mehr. Als “Hobbyökonom” beziehe ich meine `Weisheiten´ sekundär, nun habe ich auch mal ein Original: Merci! Uwe

  • Uwe - 22. Oktober 2017 Antworten

    Moin, ich frage mich, wie lange es dauert, bis die Refikosten die Marginspekulanten nervös machen. Sicher rechnet auch Frau Jellen mit einer Marktbereinigung. Doch wird sie diese für beherrschbar halten. Schon die letzte Krise wurde “gemanagt”: Scheinbar mutige Investoren, solche, die mit zuverlässigen Infos versorgt waren, haben dann zugefaßt. Warum sollte man dieses “Prinzip” nicht weltweit koordinieren, etwa mit dem Plunge-Protection-Team?
    Wer verdient an der Börse ohne Insiderinformationen Geld, wenn es der Chef der Deutschen Börse nicht anders kann? Schönen Sonntag … am PC! Uwe

  • RIS - 22. Oktober 2017 Antworten

    Bitcoin muss nicht generell eine Blase sein.
    Dafür gibt es plausible Gründe.
    Im Darknet werden zunehmend Geschäfte über Bitcoin getätigt. Klar sind sie oft krimineller Natur, nur Billionen in Form von Fiatmoney die offshore liegen haben ähnlichen Charakter.
    Immer mehr Anleger sehen in Bitcoin die Möglichkeit einen Teil ihres “Vermögen” den Einfluß des Fiskus zu entziehen.
    Darüber hinaus besteht die Möglichkeit Geschäfte und Transaktionen ohne Banken zu tätigen.

    Ein kurzer Auszug von Satoshi dem Erfinder des Bitcoin zu seinen Beweggründen:
    „Das Kernproblem konventioneller Währungen ist das Ausmaß an Vertrauen, das nötig ist, damit sie funktionieren. Der Zentralbank muss vertraut werden, dass sie die Währung nicht entwertet, doch die Geschichte des Fiatgeldes ist voll von Verrat an diesem Vertrauen. Banken muss vertraut werden, dass sie unser Geld aufbewahren und es elektronisch transferieren, doch sie verleihen es in Wellen von Kreditblasen mit einem kleinen Bruchteil an Deckung. Wir müssen den Banken unsere Privatsphäre anvertrauen, vertrauen, dass sie Identitätsdieben nicht die Möglichkeit geben, unsere Konten leerzuräumen. Ihre massiven Zusatzkosten machen Micropayments unmöglich.

    Kommt einen bekannt vor!

    • Querschuesse - 22. Oktober 2017 Antworten

      Auch Bitcoins werden durch die überbordende Liquidität getrieben, wie die Finanzmärkte allgemein und die Wirtschaft, dort wo was wächst. Entzögen die Zentralbanken dem Markt Liquidität würden nicht nur die Aktienmärkte und Immobilienmärkte korrigieren, auch die Kryptowährungen. Davon unabhängig mögen die anderen Beweggründe stimmen, übergeordnet gilt aber auch hier, die ZBs geben es und eine verantwortliche Geldpolitik hätte schon längst nehmen müssen um die Exzesse (Vermögenspreisinflation) einzudämmen.

      Gruß Steffen

      • RIS - 22. Oktober 2017 Antworten

        Ich sags mal so.
        Gäbe es keinen Vertrauensschwund in die Politik der Zentralbanken würde Bitcoin und Co. nicht existieren.

  • Bernd - 22. Oktober 2017 Antworten

    Leider ist es so, dass all die Probleme, die so wunderbar durch die obigen Charts dargestellt sind, nicht nur monetäre Probleme sind. Dazu ein stark vereinfachtes Beispiel:
    Nehmen wir die Situation in Banken. Eine wichtige Funktion von Banken ist es, Kredite zu vergeben. Dabei ist die Funktion der Bank zu entscheiden, welcher Kredit vergeben werden kann. Die Bank verdient dann ihr Geld aus der Differenz zwischen den eingeforderten Kreditzinsen und den Kosten verbunden mit der eigenen Geldbeschaffung, ihren eigenen Kosten sowie den Verlusten aus platzenden Krediten. Wenn zu viele Kredite platzen, macht die Bank pleite.
    In einem kettenbriefartigen System aber (siehe Charts oben), dauert es sehr lange bis die schlechten Kredite platzen. Das heißt also, das diejenigen Personen, die in den Banken schlechte Kredite vergeben, erfolgreicher sind, als diejenigen, die zwischen guten und schlechten Krediten unterscheiden können. Konsequenterweise machen die Personen, die schlechte Entscheidungen treffen, Karriere und besetzen die relevante Positionen. Sollte nun das System crashen, besetzen immer noch die falschen Leute die relevanten Positionen. Das heißt also, das neben den finanziellen Verwerfungen (die schlimm genug sein werden), die ein Crash zur Folge hat, immer noch die falschen Leute (oder von mir aus die richtigen Leute, die über Jahre das falsche gelernt haben) die relevanten Positionen besetzen. Wie soll mit diesen Leuten ein Neuanfang möglich sein?
    Und dieses recht einfache Beispiel ist nur ein einziges Beispiel für die Fehlausrichtungen in unserer Wirtschaft. Ursache sind die falschen Anreize durch das kettenbriefartige Finanzsystem hervorgerufen durch verantwortungslose Notenbankpolitik, welches immer wieder bereiningende Krisen verhinderte, und damit eine falsche Ausrichtung in fast allen Enitäten beförderte. Diese ziehen sich wiederum durch die gesamte Wirtschaft und schaukelten sich über mittlerweile Jahrzehnte immer weiter hoch…….
    Wie dieses Problem gelöst werden kann, sobald der Schuldenturm mit seinen ganzen Verwerfungen zusammenbricht, ist mir rätselhaft. Ich weiß nur, dass Wissen (wie in dem Beispiel der Kreditvergabe notendig) nur sehr schwer und mühsam über Jahre aufgebaut werden kann. Eine Krise wie die, die sich abzeichnet, erfordert aber schnelle Lösungen. Wie soll das gehen????????

    • Marja - 22. Oktober 2017 Antworten

      Gar nicht. Das wissen alle, deshalb passiert nichts. Wenn der Crash kommt ist Wegducken wichtig, damit man selbst den Job behält und die anderen gekündigt werden. Wer Fragen stellt, muss gehen. Ein Paradies für Mitläufer. Wer ganz “blöde” Fragen stellt oder gar das System ändern will, wird mundtot gemacht. Hat bisher in Pleite-Staaten immer gut funktioniert. Dann kommt noch die Lüge von den kurzen Beinen und die die vorher Experten im Täuschen waren, sind nachher die, die weiter das Sagen haben. War bisher immer so und hat immer gut geklappt.

      • Georg Trappe - 22. Oktober 2017 Antworten

        *****

      • Clemenss - 23. Oktober 2017 Antworten

        Hohes Sicherheitsbedürfnis, 24/7 Erreichbarkeit und Sofortreaktion finden alle gut und verlangen es. Dagegen steht die Renditeerwartung von Produktivitäts-/Dienstleistern . Unsere bisherige Geschichte hat diesen Engpass immer zugunsten der Rendite gelöst mit Herausbildung eines kleinen, feinen , ausgewählten Kreis von Hochprofitlern.
        Humanität, individuelles Wohlergehen und zukunftsgerichtete Ethik sind „Gedöns“ welches leider immer nur in Wahlprogrammen vorkommt.
        Wirklich spannend, ob da noch eine gesellschaftliche Weiterentwicklung kommt oder nur der mittelalterliche Knall mit Hauen und Stechen übrigbleibt…

      • Bernd - 24. Oktober 2017 Antworten

        @Marja
        Aus meiner Sicht hat dieses Phänomen nichts mit Moral zu tun. Die Einzelnen handeln rational und aus ihrem Blickwinkel durchaus angemessen. Nur bei den (im aktuell vorliegenden Finanzumfeld) verbundenen Anreizen, werden die mit den falschen Talenten belohnt, bzw. lernen die Richtigen Leute das Falsche. Das können durchaus nette Leute sein, die auf dem falschen Posten sitzen, oder sich schlechte Fähigkeiten angeeignet haben.

        • JL - 24. Oktober 2017 Antworten

          Hallo Bernd

          Üblicherweise sollte dem angedachten Gewinn das Risiko gegenüberstehen. Es ist also eine Abwägungsfrage, ob man da zum Beispiel Dachdecker ist, Dieb oder Banker sollte egal sein.

          Schätzt der Dachdecker das Risiko bei seiner Arbeit falsch ein stürzt er vom Dach und bricht sich bestenfalls die Knochen, ist ein Dieb zu blöd wandert der ins Gefängnis, ruinieren Banker Banken werden die Banken gerettet und der Banker gleich mit.

          Wo es also keine Risiken mehr gibt, gibt es auch keine Hemmnisse. Gibt es aber keine Hemmnisse mehr, wird das System auf Dauer unbeherrschbar.

          So einfach ist das.

          Mit freundlichen Grüßen

          JL

    • Georg Trappe - 26. Oktober 2017 Antworten

      @Bernd
      “Eine Krise wie die, die sich abzeichnet, erfordert aber schnelle Lösungen.”
      Seit wann kuendigt sich diese Krise denn an ? Und wieviel Jahrzehnte wurden (mit selbstregulierenden Maerkten und Gleichgewichtstheorien) verbummelt, um jetzt “schnelle Loesungen” zu fordern?

      Oder siehe auch Blessing Brief (1967):
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2013/05/lesetipp-fuer-afd-fans-der-blessing.html

      Oder Stuetzels volkswirtschaftliche Saldenmechanik (die natuerlich auch eine Entsprechung auf der Ebene der Firmen und Individuen hat).

      Oder das Stabilitaetsgesetz von ebenfalls 1967.

      Oder Johann Eekhoff 2004

      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2013/11/sehenden-auges.html

      • Georg Trappe - 26. Oktober 2017 Antworten

        Und dann muss man sich mal rein ziehen was Bubble Up For Ever Clown Larry Summers und Olivier Blanchard zum State of the Art ablassen. Da zieht es einem die Socken aus:

        https://rwer.wordpress.com/2017/10/23/laughter-is-the-best-medicine/

        Und wenn man dann vor diesem Hintergrund (nackte Fakten s.o.) mit moralischen Massstaeben an die Sache heran geht, dann kann man nur zu diesem Schluss kommen:

        http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/10/die-krone-der-schoepfung.html

      • Georg Trappe - 26. Oktober 2017 Antworten

        Und wenn man dann noch versteht, dass jedem wirtschaftlichen Ungleichgewicht irgendwo auf der Welt die Verlaengerung einer Bankbilanz, also der Basis von Zinsdifferenzgeschaeften=der Quelle des Einkommens der Bankster, voraus! ging, dann weiss man doch wo der Hund begraben liegt.

        http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1057521915001477

      • Bernd - 26. Oktober 2017 Antworten

        @Georg Trappe
        Das ist eine Unmenge an Informationen und ich erfasse den Kern Ihrer Botschaft nicht ganz. Aber ich habe das Gefühl, dass sie mit Ihren Links auf viele richtig Dinge verweisen, und wir nicht weit auseinander liegen!
        Aber irgendwie kriege ich zu meiner Botschaft und Ihren Hinweisen im Augenblick keinen kohärenten Gedanken zusammen. Das liegt aber trivialerweise daran, dass ich beruflich sehr gefordert bin, und dieses Thema mir zu wichtig ist, um es oberflächlich zu diskutieren.
        Das ich überhaupt mal etwas gepostet habe, war eine momentane Schwäche, und ich stelle immer wieder fest, dass ich eigentlich nicht in der Lage bin, meine Position ordentlich darzustellen. Mir fehlt einfach die Power, dieses Thema auf einem angemessenen Niveau zu diskutieren. Deswegen vielen Dank, aber erst mal keine Antwort.
        @JL
        In Bezug auf Banken bin ich bei Ihnen. Leider überträgt sich diese Unart durch die falschen Anreize aufs gesamte System, und es ist damit nicht nur auf Banker beschränkt…..

  • Marja - 24. Oktober 2017 Antworten

    Ich sehe das leider nicht moralisch. Es gibt Menschen, die ihre eigenen Interessen gut erkennen können, und andere, die die Interessenlage Dritter berücksichtigen können, also die Meta-Ebene erreichen. Unter http://www.omim.org findet man unter dem Begriff “personality trait” die genetische Basis. Mal sind die einen, Mal sind die anderen in einer Gesellschaft mehr gefragt. Derzeit sind es die ersteren, also das Primat der Mikro-Ökonomie (Make America/Great Britain/ Catalunya/ Sachsen great again). Nur können nicht alle großartig sein. Als Darwin seine Theorie aufstellte, dass das “überlegene” Tier die anderen verdrängt, veröffentliche Kropotkin eine Studie über die gegenseitige Unterstützung im Tierreich. Beide hatten recht, nur der erste wurde bekannt. Alles hat seine Zeit und jede Zeit seine Art der Problemlösung, – und aus jeder Problemlösung entstehen neue. Die Mikro-ökonomische Sichtweise stösst nur gerade an seine Grenzen. Entweder eine Gesellschaft geht an den ungelösten inneren Konflikten zugrunde oder sie findet eine integrative Lösung ( Max Horkheimer, Traditionelle oder kritische Theorie, 1912 oder 1918????). Ich bin im Alter, wo ich das abwarten kann, was sich durchsetzt.

  • Georg Trappe - 26. Oktober 2017 Antworten

    Rudy Havenstein: “My paper trading portfolio took a hit today, dropping 0.5% to $19.9 trillion, so I created $1 trillion more and ended UP 4.5% on the day. 👍”

  • Marja - 27. Oktober 2017 Antworten

    Hallo Bernd,

    nahezu alle großen Wirtschaftsbereiche sind abhängig von der Staatsquote. Wenn nun ganze Industrie- oder Dienstleistungsbereiche abgewickelt oder zumindest deutlich abgebaut werden sollen, dann läuft das immer nach dem gleichen Schema. Das war so in der Infrastruktur-Industrie (Rohrleitungsbau, Pipelinebau, Kraftwerkstechnik, Straßenbau, Brückenbau etc.) und z. B. im Bildungsbereich, im Gesundheitswesen und in der Pflege sowie in der Sozialarbeit. Nur bei der Solarindustrie und bei den AKWs ist man anders vorgegangen. Nun wird das Banken-System zurechtgestutzt.

    Im Prinzip gibt es dabei drei Strategien, die gleichzeitig gefahren werden. 1. Man kommuniziert diese Entscheidung nicht. 2. Man versucht, die Mitarbeiter sozialverträglich zu ersetzen. Die sozialverträgliche Substitution bedeutet, dass man sich die Sozialpläne spart. 3. Die Abwicklung erfolgt unter dem Aspekt der Besitzstandwahrung. Das bedeutet, dass die, die lange dienen, – die Mitarbeiter – z. B. in Leitungspositionen – weiter hohe Bezüge und Vergünstigungen erhalten und beim Nachwuchs gespart wird.

    Ich fange mal mit (3) an. Dadurch, dass der Job für junge Leute unattraktiv wird, oder dass junge Leute nicht mehr eingestellt werden, gehen “interessierte” und “engagierte” Leute andere Berufswege. Das neu eingestellte Personal hat also im Vergleich zu früheren Zeiten mehr “Defizite”, die Einarbeitung macht mehr Arbeit oder die Produktivität sinkt. Dadurch, dass die Bewerber woanders hingehen, kann man nach Innen Personalnot aufgrund fehlender Bewerber kommunizieren, und den verbliebenen Mitarbeitern mehr Arbeit aufhalsen, also deren Produktivität steigern. Man schürt den Ärger der Alten auf die Jungen.

    Zu (2): Die alten Hasen merken, dass früher die Zeiten besser waren. Man merkt, dass nicht mehr in Gebäude, Technik, Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit investiert wird. Es rücken immer mehr Leute nach, die den Anforderungen nicht genügen (wollen), nur kurz bleiben, – die Personalfluktuation steigt. Bei den jungen Leuten spricht sich rum, im Gleisbau, in der Pflege, als Arzt oder Leher arbeitest Du, bis Du ausgepresst bist wie die Zitrone, und wenn Du mit 45/55/60 Jahren krank bist, dann lässt Dich die Firma fallen. Bei den Jungen und Leistungsbereiten setzt die “umgekehrte Reise nach Jerusalem” ein, eine Gruppe von Menschen wechselt kontinuierlich die Arbeitsplätze auf der Suche nach angemessenen Arbeitsbedingungen, wobei immer mal wieder einer aus dem immer gleichen Bewerber-Pool abhaut, etwas anderes macht, EUF wird, Drogen nimmt oder Alkohol trinkt oder sich suizidiert. Für die alten Hasen wird es immer unereträglicher, es kommt zu einer Flut von gelben Zetteln, Frühberentungen etc. Dieses “Abschmelzen” der Personaldecke geschieht für das Unternehmen kostenneutral, da die Kosten die Sozialversicherung trägt. Die Arbeitsverdichtung steigt weiter und die Stimmung sinkt. Das Hamsterrad mit der Karriereleiter dreht sich immer schneller und man merkt mit zunehmendem Alter die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit. Irgendwann kommt einem der Gedanke, das die fehlenden Investitionen in die “Hardware” (Gebäude, Arbeitsmittel, Produktionsmittel) und in die “Software” (Personal, Organisation, Sozialleistungen, betriebl. Weiterbildung) immer weniger nachhaltig sind, man also in der Musikkapelle der Titanic weiter gute Laune verbreitet, obwohl das Bug schon unter Wasser ist.

    Zu (3): Da die geplante Abwicklung nicht oder allenfalls versteckt kommuniziert wird, merken die einen früher, die anderen später, dass der Laden untergeht, wenn man so weiter macht. Die ersten “alten Damen und Herren” gehen mit üppigen Pensionsbezügen in den Ruhestand. Der Nachwuchs auf den “Chefsesseln” wird immer weniger, weil die Verantwortung für den sinkenden Kahn in Verbindung mit der Verantwortung für Kunden und Mitarbeiter nicht mehr tragbar ist. Schließlich bleiben Leitungspositionen unbesetzt.

    Dies ist dann der “Grund”, den Laden komplett abzuwickeln. Oder man macht es wie bei der “Bereinigung der Industrieaktivitäten der West-LB” in den 90ger Jahren oder jetzt bei RWE, EON und Co., dass man das Unternehmen filettiert, die guten und schlechten Bereiche getrennt in unterschiedlichen Holdings unterbringt und schließlich eine Holding in die Insolvenz schickt. Dadurch spart man die Sozialpläne und die Betriebsrenten ein, die nun der Staat übernimmt.

    Das ist das, was ich Dir vermitteln wollte: Das System ist aus der Balance, Das, was Querschuss unermüdlich dokumentiert, ist das Überschtreiten des Zeniths, was unbeeinflussbar ist, da die Ursachen für die Fehlentwicklungen unkorrigierbar in der Vergangenheit (1972) liegen (oder wie Georg sagt “Made by Design”). Es kommt zu einer Häufung von Krisen, die mit Mitteln “gelöst” werden, die ihrerseits die Krise zunächst zudecken und das Fundament für zukünftige noch größere Krisen bedingen.

    Nach der Währungskrise der USA 1972 und der Ölkrise, kam die Asienkrise, die Dot.com-Krise, die Häuser-Krise und jetzt die “All-Assets”-Krise und jede Krise wurde schlimmer und immer wurde sie mit der gleichen Methode gelöst: Irgendeiner musste immer mehr Schulden = Geld ins System einbringen, bis es heute keine ausreichenden Kredit-Sicherheiten mehr gibt.

    Wenn Firmen, Geschäftsbereiche, Länder und Systeme “untergehen” setzte bisher immer das “Hacken” und nicht die Solidarität ein.

    Auch wenn es Zeit kostet, kann sich der Versuch lohnen, aus dem eigenen Hamsterrad (der vielen Arbeit), von Zeit zu Zeit rauszugucken 🙂

    Grüße Marja.

    • Bernd - 29. Oktober 2017 Antworten

      @Marja

      also ich finde, dass das was Du schreibst, und was ich schreibe gut zueinander passen. Entscheidend ist, dass wir ein Wirtschaftssystem haben, in dem Menschen in falschen Positionen oder mit falschen Wissen auf Ihren Positionen sind. Dies ist eine Folge der falschen Anreize durch die Geldpolitik. Das führt dazu, dass das gesamte System nicht mehr funktioniert, oder wie anhand der Charts oben aufgezeigt nur noch mittels eines Kettenbriefsystems bis zum Zusammenbruch. Wie das für den einzelnen im System aussieht, ist schwierig rauszuarbeiten, aber in dieser Hinsicht – finde ich – stimme ich Dir in vielem zu!

      • Marja - 29. Oktober 2017 Antworten

        Das Geldsystem ist falsch. Das (Real-) Wirtschaftssystem folgt dem Geldsystem :-). Heute gab es einen “Abschiedskommentar” von Mark Dittli in FuW. Nicht der einzelne macht etwas falsch, wenn man sich an ein falsches Geldsystem anpasst. Da können alle nur das Falsche machen.

        https://www.fuw.ch/article/die-verpasste-lehre-aus-der-krise/

        1000 Einzelne machen natürlich 1000 Wege, aber statistisch ergibt sich aus den 1000 Wegen eine Richtung.

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