Charts des Tages

von am 30. Januar 2012 in Allgemein

Wie erwartet spitzt sich auch in Portugal die Situation weiter zu, die Rendite 10-jährige portugiesischer Staatsanleihen zog heute auf ein Rekordhoch mit 17,393%, nach 15,220% am Freitag. Die 5-Jährige schoss auf 22,874% und die 2-jährigen Staatsanleihen Portugals auf 21,008%. Damit folgt Portugal klar und absehbar dem griechischen Weg, Rückkehr an den Kapitalmarkt ausgeschlossen und den Zahlungsausfall fest im Visier.

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger portugiesischer Staatsanleihen seit Januar 1998 im Dailychart. Heute stieg die Rendite auf 17,393%.

Reloaded: Desasterzone 2: Portugal

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger griechischer Staatsanleihen seit April 1998 im Dailychart. Die Rendite stieg heute auf 34,032%. Die 2-Jährige notiert mit einer Rendite von 182,755%.

Die beste aller Welten dagegen suggeriert die Rendite deutscher Staatsanleihen:

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen seit Januar 1998 im Dailychart. Heute sank die Rendite auf 1,793%. Die Rendite der 2-Jährigen sank auf 0,175% und Investoren erzielen real Verlust.

Das Kapital weiß nicht wohin und strömt in deutsche Staatsanleihen und akzeptiert einen negativen Realzins, sachlich angemessen ist dies nicht, denn auf dem deutschen Steuerzahler und damit auf Deutschland bürden Risiken aus Rettungspaketen, Target2 der Bundesbank und dem Anteil aus den Risiken der EZB im gigantischen Ausmaß.

Zu den Renditen der Staatsanleihen mit Charts: Querschuesse.de/Renditen Staatsanleihen

Ebenfalls heute gab es neue Daten zum Target2 Saldo der Niederlande. Im Dezember 2011 stieg der positive Saldo um +9,725 Mrd. Euro auf einen neuen Rekordstand mit 152,783 Mrd. Euro:

Die Forderungen aus Target2 der niederländischen Zentralbank auf Monatsbasis in Mrd. Euro seit Januar 1999 im Chart.

 Zu den aktuellen Target2 Salden der nationalen Notenbanken im Eurosystem: Querschuesse.de/Target2 Salden

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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20 KommentareKommentieren

  • Michael S. - 30. Januar 2012

    Ja, in Portugal spielt die Musik! Sehr gut, dass hier darauf aufmerksam gemacht wird. Ist schon Auffälig, dass in den Medien das Thema sehr sehr sehr Stiefmütterlich behandelt wird!

    • Lazarus09 - 30. Januar 2012

      Man konzentriert sich darauf den Präzedenzfall Griechenland durch zu ziehen … wenn da erfolgreich der unangreifbare nur den Renditen der Anleger verpflichtete EU Stadthalter installiert ist und Griechenland unter Protektorat gestellt ist … dann wird sich der Rest der Mitgliedsstaaten auch bald von ihrer Souveränität verabschieden können …. Die große Garantöse wird den geliebten Hinkel in der Beliebtheit bei den europäischen Ländern noch übertrumpfen .. Ja nur ihr gebührt der Dank für die Wiederauferstehung des Bildes des hässlichen Deutschen ..Erika wir danken dir !! …Ich lass es jetzt gut sein,denn es kommt nur noch Galle …..

      666

  • july - 30. Januar 2012

    und danach kommt irland, spanien, italien, belgien…..

  • Joerg Buschbeck - 30. Januar 2012

    Da die Lage in der “Euro-Wahn-Zone” hier immer wieder Thema ist, mal ein Lösungsvorschlag:

    Auszug aus dem unten verlinkten Beitrag für eine neue Globalsteuerung:

    Aufgabe 3 der Monetative: Herstellung außenwirtschaftlichen Gleichgewichts

    National gilt für ein Exportüberschussland wie Deutschland:
    Staatsschuldenwachstum = Wachstum der privaten Geldvermögen abzgl. Exportüberschüsse

    National gilt für ein Importüberschussland wie Griechenland:
    Staatsschuldenwachstum = Wachstum der privaten Geldvermögen zzgl. Importüberschüsse

    Dauerhafte Exportüberschüsse sind deshalb keine gute Sache – sie haben schon einige Kriege ausgelöst. Heute wird auf uns Deutschen deswegen wohl nicht geschossen werden, vielmehr wird man uns zu einem Transfer der „überschüssigen“ Einnahmen zwingen. Spätestens an diesem Punkt sollten wir keine Zeit mehr auf Diskussionen verschwenden, wer denn nun an dieser Situation des Ungleichgewichts schuld sei. Wir haben jetzt mit der Monetative das bisher fehlende Instrument, binnenwirtschaftliches Gleichgewicht auch ohne Exportüberschüsse oder extreme Staatsschulden herzustellen. Mit Werkzeug E, der variablen Ausfuhrumsatzsteuer, können wir mit der Besteuerung von Exporten eine Einnahme schaffen, die wir direkt über Werkzeug B wieder der Stärkung der Binnennachfrage zuführen können.

    Dabei ist vorerst bedächtig mit kleinen Steuersätzen vorzugehen, denn die etwas stärkere Ausrichtung der deutschen Wirtschaft auf den Binnenmarkt ist ein längerfristiges Projekt. Wichtig ist jetzt vor allem, dass es überhaupt ein Mittel und einen Plan für dieses Projekt gibt. Mit einer internationalen Umsetzung der Monetative-Reform in der gesamten Euro-Zone haben wir dafür auch sehr viel Zeit – die Euro-Krise wäre endlich beendet.

    Nullzinsfinanzierung von Staatsschulden erlaubt Prolongierung statt Abschreibung

    Unbedingt sollten wir deshalb die Monetative als Lösungsansatz auch in den EU-Krisenländern vorschlagen. Eine Sanierung von deren Staatshaushalten ist mit dem vorgeschlagenen Lösungsansatz ebenso möglich. Die Nullzinsfinanzierung der neuen Staatsschulden verhindert die Abschreibung der bestehenden Schulden. Die Staatsschuldenstände selbst Griechenlands liegen noch deutlich unter der Japans, und es gibt bei Nullzins keinen Grund, dort Forderungsabschreibungen vorzunehmen – Nicht nur wegen des wirtschaftlichen Schadens, sondern auch wegen der moralischen Demütigung der Schuldnerländer und unnötiger Vorwürfe der Gläubigerländer. Dies alles kann einer erfolgreichen europäischen Entwicklung nicht zuträglich sein.

    http://www.global-change-2009.com/blog/ein-grundlegender-losungsansatz-fur-die-systemkrise-%E2%80%93-notenbanken-werden-zur-%E2%80%9Emonetative%E2%80%9C/2012/01/

  • Christian Kurzer - 31. Januar 2012

    Hier mal noch ein interessanter Target2-Artikel:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/geldpolitik-bundesbank-in-der-klemme-11630038.html

  • SLGramann - 31. Januar 2012

    @Buschbeck, “variable Ausfuhrumsatzsteuer”… käme sicher – wie immer – sehr drauf an, wie man das genau macht. Wichtig erschiene mir bspw., dass die Einnahmen aus dieser Steuer in Deutschland zur Stärkung der Massenkaufkraft genutzt werden.

    Flankieren müsste man das Ganze aber aus meiner Sicht wohl auch mit einem “Sozial- und Ökozoll” auf Importe aus Schwellenländern.

    Sie haben aber vollkommen recht mit Ihrem Anliegen: Denn auf jeden Fall gehört zur Lösung der Krise nun mal substanziell dazu, dass man innerhalb der Eurozone (die auf jeden Fall aber um mindestens drei, wahrscheinlich vier Länder zu groß ist) für ein Gleichgewicht der Leistungsbilanzen sorgt.

    Das Dumme ist nur, dass die Kapitaleigner der deutschen Exportmaschine an diesen Ungleichgewichten, die den Euro zereißen, wunderbar verdienen, während die deutschen Arbeitnehmer von den Erfolgen nichts hatten und für die Folgekosten die deutsche Bevölkerung wird einstehen müssen.

    Politik für die Bosse eben. Und da sind ja SPD/Grüne eher noch schärfer unterwegs als die Schwarzen. Irre das alles.

  • Joerg Buschbeck - 31. Januar 2012

    @SLgramann

    “@Buschbeck, “variable Ausfuhrumsatzsteuer”… käme sicher – wie immer – sehr drauf an, wie man das genau macht. Wichtig erschiene mir bspw., dass die Einnahmen aus dieser Steuer in Deutschland zur Stärkung der Massenkaufkraft genutzt werden.”

    Habe ich im Text so vorgeschlagen, Werkzeug D – Ausfuhrumsatzsteuer geht direkt als Gutschrift (WerkzeugB) an alle inländischen Einkommensbezieher und Transferempfänger.

    lG, Jörg
    Bitte um Unterstützung für die Verbreitung und Weiterenwicklung dieses allgemeinen Lösungsvorschlages – wir können doch nicht immer nur lamentieren – es ist Zeit zu handeln!

  • M.E. - 31. Januar 2012

    In recht seltenen Fällen wird sogar mal in der Wirtschaftspresse Klartext gesprochen:

    http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/banken-anleihe-kauf-im-schneeballsystem/6117846.html

    • kurzdump - 31. Januar 2012

      “Als allerletzten Bonus bekommt die Welt der Finanzgeschäftemacher dann vermutlich doch noch eine Ladung aus der richtigen Bazooka.”
      Das ist ja tatsächlich mal starke Worte…

  • mitwisser - 31. Januar 2012

    Erhebliche Teile der Handelsdefizite vieler Länder enstehen allerdings auch im aussereuopäischen Handel, insbesondere was Rohstoffe und Energie angeht, aber auch Konsumgüter wie Textil, Spielzeug, Haushaltswaren etc. werden (billig) aus Fernost bezogen. Das zurückfahren deutscher Exporte in die europäischen Nachbarländer dürfte deren Defizitprobleme nicht wirklich lösen, zumindest nicht alleinig. In diesen Länder Autoindustrien und ähnliches aufzubauen dürfte auch nicht funktionieren. In Kürze werden eh die Chinesen den Weltmarkt mit Autos überschwemmen.
    An protektionistischen Massnahmen wird man wohl nicht vorbeikommen, fürchte ich. Ist aber auch ein unhaltbarer Zustand, dass die meisten Dinge des täglichen Bedarfs nicht mehr im eigenen Land produziert werden, genauso wie die mittlerweile exzessive Arbeitsteilung in vielen Branchen. Ein ökologischer Wahnsinn! Da muss dringend das Rad wieder zurück gedreht werden.

    • Catweazle - 31. Januar 2012

      Das mit der exzessiven Arbeitsteilung ist schon der Wahnsinn. Das abschreckenste Beispiel ist für mich Airbus, die ihr Zeug just in time mehrmals durch ganz Europa karren und dabei unmengen an Energie verpulvern.
      Richtig ernst ist allerdings die Lage durch die stetig steigende Produktivität in den Industrieoasen geworden. Ich erinnere mich z.B. an ein Gespräch mit ein paar Leuten vom Statistischen Bundesamt aus dem Jahre 1990. Da war man sich einig das die alte BRD dermaßen große Reserven und Überkapazitäten hatte, das sie ohne Probleme die gesamte Bevölkerung der DDR mitversorgen könnte. Das scheint sich mittlerweile auf weite Teile von Europa ausgedehnt zu haben.

  • Michael - 31. Januar 2012

    Mit dem BB-Downgrade waren viele Fonds verpflichtet ihre Portugal-Anleihen aus ihren Depots zu kegeln. Die Entwicklung war zum Monatsende zu erwarten. Der traurige Zwischenrekord kann heute befürchtet werden. Eigentlich zeigt sich nur, dass es nicht zielführend ist, das Geld bei allerlei Finanzbuden (den behaupteten “Reichen”) derartig zu konzentrieren. Solche Stürze zeigen “enge Märkte”. Bei Portugal würde, gemessen an der Verschuldung, kurzfristig keine Pleitegefahr bestehen. Bei etwa gleicher Bevölkerung sind die Schulden nominal nicht die Hälfte der der Griechen. Also pro Kopf überschlägig die Hälfte. Die Portugiesen selbst werden das Geschehen als übelste Zumutung empfinden. Sie haben sich in die Hände ausländischer Geldgeier begeben. So, wie die Deutschen auch. Das zeigt eigentlich nur, dass die Billigheimerei nicht nur eine soziale Dimension in den betroffenen (westlichen) Ländern selbst ist. Der Euro, den die Mehrheit der Menschen nie wollte, wird auch noch zum Spaltpilz zwischen den Völkern gemacht.

    Die Börsen müssen aus den Fängen der “Ökonomen” befreit werden. Dazu ist es nötig, die Verteilung des Geldes erheblich zu verändern. Nebenbei muss Dumping mit Protektionismus bestraft werden, wenn es über die Wechselkurse nicht möglich ist.

  • Russe - 31. Januar 2012

    Super-Rettungsschirm für Euro im Anflug

    Europa will eine Brandmauer gegen die Schuldenkrise errichten. Im Sommer könnten 1500 Mrd. Euro für die Währungszone zur Verfügung stehen – als Kombination dreier Rettungsschirme.
    http://www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-super-rettungsschirm-fuer-euro-im-anflug/60161987.html
    ___

    Willkommen in der Weimarer “Republik” 2.0 1929

    • Catweazle - 31. Januar 2012

      Jo Ackermann und Konsorten lecken sich schon die Finger. Ohne das viele Geld für Lau werden die aber auch ihre Spielcasinos nicht mehr sehr lange betreiben können. Richtig ernst wird für die Bankster die Lage, wenn die Staaten mit der sogenannten Schuldenbremse ernst machen. Dann dürften die großen Räder der Zockerindustrie abrubt zum Stillstand kommen. Das ist auch der Grund warum man tunlichst vermeidet das die EZB den Staaten direkt die Anleihen abkauft. Aber ich glaube persönlich nicht wirklich daran das Rettungsschirm und Schuldenbremse überhaupt wie geplant funktionieren werden bzw. können.

      • macsoja - 31. Januar 2012

        Aber wie soll denn das mit der Schuldenbremse funktionieren?
        Die ganzen Südländer würden doch sofort bei Aktivierung reinlaufen und zu Strafzahlungen verdonnert werden müssen, damit auch der Ernst der Situation klar herauskommt.

        Aber diese Länder haben doch eh schon kein Geld.
        Zahlen die Euroländer über Transferzahlungen, die soeben beschlossenen Strafzahlungen an sich selbst?


        Und was ist eigentlich mit dieser 0,5%-Grenze der Neuverschuldung.

        Müssen jene Länder mit 0,6% Neuverschuldung die gleiche Strafe zahlen, wie Länder mit 5,8%?
        D.h. wenn die Grenze sowieso gerissen ist, dann kann man sich auch gleich wieder komplett fett verschulden und die Strafe gleich zusätzlich am Kapitalmarkt mit aufnehmen?

        Ich fürchte, das ist sowieso alles nur Show, was da abgezogen wird um “die Märkte zu beruhigen”. Allerdings wird es nicht gelingen, da die Märkte ja jetzt schon sehen, dass es mehr oder minder ein Placebo ist.
        Und was heißt eigentlich beruhigen?
        – der Aktienmarkt läuft doch prima
        – der Anleihemarkt halt nicht

        Und wer sind eigentlich “die Märkte”?
        a) die Hedgefonds, die auf einen Default spekulieren und sowieso kein so großes Interesse an einer Lösung haben
        b) die Banken, die die Anleihen kaufen sollen, aber nicht wollen und Ihr Geld lieber zur EZB schaufeln
        c) die Großinvestoren, die lieber in Aktien gehen und damit die Kurse hier oben halten wollen
        d) die Privatanleger, die nicht

        Wer soll also eigentlich “beruhigt” werden mit solchen Begriffen, wie “Hebel”, “Brandmauer”, “Bazooka”?
        Am Ende versucht man sich doch nur selbst zu beruhigen, solange bis mal wieder die Rating-Peitsche in Übersee ausgepackt wird und der Tanz von neuem beginnt.

  • hunsrückbauer - 31. Januar 2012

    wer ist denn an einer Lösung interessiert, die anders sein könnte als die, die seit Jahren von den handelnden Akteuren durch deren Handeln erreicht werden wird?

    1. mir erschließt sich nicht die Lösung dieses Handelns
    2. mir erschließt sich nicht das Handels für eine Lösung

    aber ob die handelnden Akteure desswegen falsch handeln oder keine Lösung haben, sagt es nicht!

  • Bubblegum - 31. Januar 2012

    @ Jörg Buschbeck,

    Hallo Herr Buschbeck,

    habe mir Ihre Argumentationskette mal grob angeschaut. Dabei ist bei mir der Eindruck entstanden, dass das Fundament Ihrer Argumentation nicht wirklich tragfähig ist.

    Kernstück Ihres Gedankengebäudes ist die sog. Saldenmechanik. Per Defintionem ist der Saldo der Unterschiedsbetrag zwischen der wertmäßig größeren und der wertmäßig kleineren Seite eines Kontos. Damit ist aber sofort klar, dass:

    1. Immer eine Ex-Post Betrachtung vorliegt.

    2. Es immer zu einem Gleichgewicht kommen muss, sonst würde das Waageprinzip in der
    Buchführung verletzt.

    3. Erst zu diesem Zeitpunkt ist das Axiom von der vollständigen Information erfüllt,
    das die Theoretiker als Eigenschaft des vollkommenen Marktes unterstellen! Klar, wenn
    man vom Rathaus kommt ist man immer klüger sagt Volksmund. Das gilt auch für die
    Berechnung eines Saldos!

    Nun ist wirtschaftliches Handeln der Menschen aber ein selbstlernendes, rückgekoppeltes System, bei dem alle Marktteilnehmer nur über unvollständige Informationen verfügen.
    [Hier nochmals Dank an Georg Trappe]. D. H. Ein Gleichgewicht ist nach dem, was ich bei der Darstellung von Trappe verstanden habe, nur die absolute Ausnahme, da wir auf Basis der unterschiedlichen Einflußfaktoren ein oszillierendes Verhalten des Systems um einen möglicherweise als Sonderfall eintretendes Gleichgewicht haben.
    Ihre Gleichungen suggerieren aber die Existenz des Waageprinzips und ein generell immer eintretendes Gleichgewicht. Ich zitiere Georg Trappe:

    Jeder halbwegs intelligente Student wuerde erkennen, dass das sog. Fundament dieser “Wissenschaft” keins ist, da es die wesentlichen Voraussetzungen fuer eine funktionierende, stabile Regelung nicht erfuellt sind. [ http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/10/die-wirtschaftswissenschaften-und-die.html#more ]“

    Außerdem sprechen Sie immer von Geldvermögen. Ein in meinen Augen nicht haltbarer Begriff, der in jedem VWL Lehrbuch auftaucht. Er suggeriert, dass Geld einen Wert an sich hat. Verknüpft ist das immer mit den Geldfunktionen Wertübertragung und Wertaufbewahrung.

    Aus der Geschichte der Geldentwicklung wird aber klar, dass auch weiterhin der Akt des Tausches hinter allen Vorgängen steckt, weil Geld nur das Vehicle ist, um Tauschakte leichter abwickeln zu können. Einen Wert haben nur die in den Tauschakt einbezogenen Güter. Wobei der Preis das Tauch- bzw. Wertverhältnis abbildet. In einem Thread der Piratenpartei fand ich folgendes eingängige Beispiel: Eine halbe Kuh kann nicht gegen ¼ Pferd getauscht werden, weil in der Realität der Nutzwert beider Tauchgüter auf Null sinken würde (Fleischverzehr außer acht gelassen!). Erst das Vehicle Geld macht einen Austausch der Güter möglich. Der Preis, der zustande kommt, kennzeichnet das Wertverhältnis der Güter und nicht den Wert des Geldes. Und das natürliche, instinktive Verhalten der Menschen, die sich mit Geldtheorie in der Regel nicht befassen, zeigt ja auch: sie fliehen bei Inflation in die Sachwerte, weil sie dem Geld an sich keinen eigenen Wert sondern nur einen Wertmaßstab und die Funktion als Recheneinheit zumessen!
    Also sind Ihre Gleichungen hinsichtlich sauberer Definition und Inhalt der Aussagen angreifbar.

    Das gilt meiner Meinung nach auch für die folgende Aussage:
    „Nullzinsfinanzierung von Staatsschulden erlaubt Prolongierung statt Abschreibung.“

    Sie verkennt meiner Meinung nach das Wesen des Zinses mit seinen 2 Bestandteilen:

    a) Der Gebühr für die Nutzungsmöglichkeit eines Gutes durch einen Dritten innerhalb eines
    bestimmten Zeitraums.

    b) Die Gebühr für das Risiko, das der Darlehensgeber eines Gutes eingeht.

    Beides ist klassisch in einer Annutät dargestellt und wird u.a. durch die Duration ausgedrückt, die zwangsläufig die Tilgung vorsieht, damit sich das Risiko des Kreditgebers im Zeitablauf mindert. Ausnahme endfällige Darlehen, wo das Risiko durch zusätzliche Sicherheiten zu mindern ist!

    Deswegen enthalten fast alle Kreditverträge Klauseln, dass ein Kredit fällig zu stellen ist,
    wenn innerhalb einer bestimmten Frist vom Kreditnehmer keine Tilgungen geleistet werden.

    Auch die Richtigkeit der folgenden Aussage ist zu hinterfragen:

    „Unbedingt sollten wir deshalb die Monetative als Lösungsansatz auch in den EU-Krisenländern vorschlagen. Eine Sanierung von deren Staatshaushalten ist mit dem vorgeschlagenen Lösungsansatz ebenso möglich.“

    Denn das setzt voraus, dass die zu sanierenden Länder überhaupt tauschfähige Güter in nennenswertem Umfang anzubieten haben.
    Ich hatte das im Zusammenhang mit dem Begriff Industrielles Gedächtnis einer Nation schon mal hier ausgeführt und infrage gestelt!

    Deswegen ist es eine nationale Katastrophe was Thyssen-Krupp da gerade mit ihrer Edelstahlsparte veranstaltet. Menschen mit besonderen Kenntnissen werden freigesetzt, Patente gelangen in ausländische, finnische Hände.

    Dümmer geht es nimmer!

    Mit freundlichen Grüßen

    Bubblegum

    • Michael - 31. Januar 2012

      Ein aktueller CDS-spread von 1500 auf 5- jährige Portugiesen hieße wohl 70% Wahrscheinlichkeit, dass 40% des Investments sich binnen 5 Jahren in Luft auflösen. Ein Rating BB ist etwas besser und bedeutet eine Ausfallwahrscheinlichkeit von ca. 20 % innerhalb von 8 Jahren. Als Nichtökonom sage ich einfach bis Anfang 2014 gibt es Eurobonds oder keinen Euro mehr. Das Ausfallrisiko tendiert gegen Null, falls die Portugiesen 2012 nicht ihre Regierung teeren und federn. Die Wahrscheinlichkeit dafür würde ich mit 50% ansetzen. Hilfe naht erst nach der Abwahl von Merkel. Darauf, von den Genossen verraten zu werden und den Verrat mit Steuererhöhungen zu bezahlen, würde ich 6/4 Pferde wetten. 😉

    • Markt - 1. Februar 2012

      Doch dümmer geht es.
      Und zwar in der Form, das “die Märkte” diesen Schritt auch noch bejubeln.

  • Joerg Buschbeck - 31. Januar 2012

    Hallo bubblegum,

    danke für Feedback,

    >Hallo Herr Buschbeck,

    >habe mir Ihre Argumentationskette mal grob angeschaut. Dabei ist bei mir der Eindruck >entstanden, dass das Fundament Ihrer Argumentation nicht wirklich tragfähig ist.

    schaun wir mal

    >Kernstück Ihres Gedankengebäudes ist die sog. Saldenmechanik. Per Defintionem ist der >Saldo der Unterschiedsbetrag zwischen der wertmäßig größeren und der wertmäßig kleineren >Seite eines Kontos. Damit ist aber sofort klar, dass:

    >1. Immer eine Ex-Post Betrachtung vorliegt.

    die aber auch “geile” ex ante Aussagen zuläßt z.B.

    die globale Staatsverschuldung wird 2012 exakt um den Betrag steigen, wie die Privaten mehr einnehmen als ausgeben

    wenn Sie sich mal die exakte Stützelsche Begrifflichkeit folgender Größenmechanik reinziehen, sehen Sie, dass dies sehr wohl ex_ante …..

    Natürlich ist Saldenmechanik für das ökonomische Verstehen nicht alles, aber deren Ignoranz eskaliert gerade fürchterlich. Diese Aussage wird offensichtlicher, wenn wir uns den aktuell wichtigsten Satz aus diesem Buch (Seite 74 ganz oben) anschauen:

    Größenmechanik:

    Es besteht keinerlei Korrelation zwischen Sparen im Sinne eines Ausgaberückgangs und Sparen im Sinne eines Einnahmeüberschusses. Vielmehr führt ein Ausgaberückgang einer Gruppe nur dann zu einem Einnahmeüberschuss, wenn die Komplementärgruppe einen Ausgabeüberschuss vor- oder hinnimmt. Andererseits kommt es bei jeder Gruppe auch ohne Ausgaberückgang stets zu einem Einnahmeüberschuss, wenn die Komplementärgruppe einen solchen Ausgabeüberschuss vornimmt.

    Das bedeutet: Die Staaten können nur entschulden, wenn die Privaten per Saldo Geldvermögen abbauen. Die Staaten werden aber auch automatisch – ohne depressionsauslösende und kontraproduktive „Sparprogramme“ – entschuldet, wenn die Privaten dies tun!

    >2. Es immer zu einem Gleichgewicht kommen muss, sonst würde das Waageprinzip in der
    >Buchführung verletzt.

    JA, Guthaben sind immer gleich Schulden, aber Zwangsverschuldung hat andere Folgewirkungen als “Lustschulden, hier mehr dazu:

    http://www.global-change-2009.com/blog/jedes-geldsparen-schafft-sich-seine-verschuldung-selbst/2012/01/

    >3. Erst zu diesem Zeitpunkt ist das Axiom von der vollständigen Information erfüllt,
    >das die Theoretiker als Eigenschaft des vollkommenen Marktes unterstellen! Klar, wenn
    >man vom Rathaus kommt ist man immer klüger sagt Volksmund. Das gilt auch für die
    >Berechnung eines Saldos!

    menschliche Handlungsoptionen sind nicht beteiligt, es geht hier um Identitäten?

    >Nun ist wirtschaftliches Handeln der Menschen aber ein selbstlernendes, rückgekoppeltes >System, bei dem alle Marktteilnehmer nur über unvollständige Informationen verfügen.
    >[Hier nochmals Dank an Georg Trappe]. D. H. Ein Gleichgewicht ist nach dem, was ich bei der >Darstellung von Trappe verstanden habe, nur die absolute Ausnahme, da wir auf Basis der >unterschiedlichen Einflußfaktoren ein oszillierendes Verhalten des Systems um einen >möglicherweise als Sonderfall eintretendes Gleichgewicht haben.
    >Ihre Gleichungen suggerieren aber die Existenz des Waageprinzips und ein generell immer >eintretendes Gleichgewicht. Ich zitiere Georg Trappe:

    Es tritt ex_post automatisch Guthaben = Schulden aber nicht automatisch wirtschaftliches Gleichgewicht ein, das Gleichgewicht ist ein PLAN-Gleichgewicht seine Geldvermögen zu verändern. Bitte noch mal genau lesen.

    >Jeder halbwegs intelligente Student wuerde erkennen, dass das sog. Fundament dieser >“Wissenschaft” keins ist, da es die wesentlichen Voraussetzungen fuer eine funktionierende, >stabile Regelung nicht erfuellt sind. [ http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/10/die->wirtschaftswissenschaften-und-die.html#more ]“

    sie haben jetzt schon einige Fehlschlüsse gezogen, den link lese ich nachher.

    >Außerdem sprechen Sie immer von Geldvermögen. Ein in meinen Augen nicht haltbarer >Begriff, der in jedem VWL Lehrbuch auftaucht.

    Der Begriff ist im Unterbeitrag definiert

    >Er suggeriert, dass Geld einen Wert an sich hat. Verknüpft ist das immer mit den >Geldfunktionen Wertübertragung und Wertaufbewahrung.

    Ich definiere Geld als Forderung, siehe Unterbeitrag, was Sie da schon wieder für Schlüsse als “kausal” ziehen ist recht abenteuerlich 🙂

    >Aus der Geschichte der Geldentwicklung wird aber klar, dass auch weiterhin der Akt des >Tausches hinter allen Vorgängen steckt, weil Geld nur das Vehicle ist, um Tauschakte leichter >abwickeln zu können.

    In der Partialbetrachtung des einzelnen Akts mag ich nicht wiedersprechen, nur in der Globalbetrachtung des arbeitsteiligen Wertschöpfens kommen wir zu anderen Geldfunktionen(Überbrückung des Zeitbedarfs arbeitsteiligen Wertschöpfens – Vorfinanzierung)

    Es ist Kern der Saldenmechanik, Prozesse sauber nach Partialsatzzusammenhängen und Globalzusammenhängen zu analysieren….

    http://www.global-change-2009.com/blog/bildwechsel-global-change-im-okonomischen-denken-von-der-partialsatzokonomie-zur-globalsatzokonomie/2011/09/

    > Einen Wert haben nur die in den Tauschakt einbezogenen Güter. Wobei der Preis das Tauch- >bzw. Wertverhältnis abbildet. In einem Thread der Piratenpartei fand ich folgendes eingängige >Beispiel: Eine halbe Kuh kann nicht gegen ¼ Pferd getauscht werden, weil in der Realität der >Nutzwert beider Tauchgüter auf Null sinken würde (Fleischverzehr außer acht gelassen!). Erst >das Vehicle Geld macht einen Austausch der Güter möglich. Der Preis, der zustande kommt, >kennzeichnet das Wertverhältnis der Güter und nicht den Wert des Geldes. Und das natürliche, >instinktive Verhalten der Menschen, die sich mit Geldtheorie in der Regel nicht befassen, zeigt >ja auch: sie fliehen bei Inflation in die Sachwerte, weil sie dem Geld an sich keinen eigenen >Wert sondern nur einen Wertmaßstab und die Funktion als Recheneinheit zumessen!
    >Also sind Ihre Gleichungen hinsichtlich sauberer Definition und Inhalt der Aussagen >angreifbar.

    Unternachfrage ist tendenziell deflationär, Übernachfrage inflationär – die Grundformel ist trivial:

    Ein wirtschaftliches Gleichgewicht besteht in einer Periode, wenn die Pläne, Geldvermögen aufzubauen, mit den Plänen, Geldvermögen abzubauen, übereinstimmen.

    Daraus ergibt sich nun wieder folgende Ableitung für wirtschaftliches Gleichgewicht:

    Geldsparpläne + private Kredittilgungen = finanzierbare Verschuldungspläne

    Die Betonung liegt aber auf “tendenziell”, deswegen hat mein Vorschlag auch nicht nur Werkzeug A und B, E sondern auch C!

    >Das gilt meiner Meinung nach auch für die folgende Aussage:
    >„Nullzinsfinanzierung von Staatsschulden erlaubt Prolongierung statt Abschreibung.“

    >Sie verkennt meiner Meinung nach das Wesen des Zinses mit seinen 2 Bestandteilen:

    >a) Der Gebühr für die Nutzungsmöglichkeit eines Gutes durch einen Dritten innerhalb eines
    >bestimmten Zeitraums.

    Nur verleihen Banken kein Geld

    >b) Die Gebühr für das Risiko, das der Darlehensgeber eines Gutes eingeht.

    Existiert nicht bei merkelgarntierten Bankguthaben

    >Beides ist klassisch in einer Annutät dargestellt und wird u.a. durch die Duration ausgedrückt, >die zwangsläufig die Tilgung vorsieht, damit sich das Risiko des Kreditgebers im Zeitablauf >mindert. Ausnahme endfällige Darlehen, wo das Risiko durch zusätzliche Sicherheiten zu >mindern ist!

    freillich gibt es für das Risiko der Bank eine freie Kalkulation

    >Deswegen enthalten fast alle Kreditverträge Klauseln, dass ein Kredit fällig zu stellen ist,
    >wenn innerhalb einer bestimmten Frist vom Kreditnehmer keine Tilgungen geleistet werden.

    ja klar, Bezug?

    >Auch die Richtigkeit der folgenden Aussage ist zu hinterfragen:

    >„Unbedingt sollten wir deshalb die Monetative als Lösungsansatz auch in den EU->Krisenländern vorschlagen. Eine Sanierung von deren Staatshaushalten ist mit dem >vorgeschlagenen Lösungsansatz ebenso möglich.“

    >Denn das setzt voraus, dass die zu sanierenden Länder überhaupt tauschfähige Güter in >nennenswertem Umfang anzubieten haben.
    >Ich hatte das im Zusammenhang mit dem Begriff Industrielles Gedächtnis einer Nation schon >mal hier ausgeführt und infrage gestelt!

    Na, wenn wir keine Rückleistung erwarten, dann nennen wir es bitte gleich Geschenk, Sie fabulieren doch über die Tauschwirtschaft, wo bleibt der Gegentausch?

    In meinem Konzept sind mit Werkzeug E und B die Mittel enthalten, unsere Waren und Guthaben nicht zu verschenken.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jörg Buschbeck