Chinas politische Elite vor bedeutendem Führungswechsel: problembeladen, skandalgeschüttelt und tief gespalten

von am 29. Oktober 2012 in Allgemein

Alle zehn Jahre kommt es zu einer umfassenden Neubesetzung in der Führungsspitze der Kommunistischen Partei Chinas. Am 8. November beginnt der 18. Parteikongress, an dessen Ende sich die Partei auf die Mitglieder der neuen politischen Führungsspitze Chinas geeinigt haben wird.

„Die Führungsspitze“, das ist in erster Linie der aus bisher neun Mitgliedern – darunter Präsident Hu Jintao und Premierminister Wen Jiabao – bestehende „Ständige Ausschuss“ (Standing Committee) des insgesamt aus 25 Mitgliedern zusammengesetzten wichtigsten Lenkungsorgans, dem Politbüro. Dazu gehört aber auch die aus annähernd 350 Parteimitgliedern und führenden Beamten bestehende Zentralkommission. Auch dort werden zahlreiche Posten neu besetzt.

Doch seit im Februar dieses Jahres eine ebenso Aufsehen erregende wie undurchschaubare Affäre begann, bei der es unter anderem um Korruption, Bereicherung, Machtmissbrauch und den vertuschten Mord an einem Briten geht und in deren Mittelpunkt mehr und mehr ein Politbüro-Mitglied und zugleich einer der aussichtsreichen Anwärter auf einen der neun Posten im „Ständigen Ausschuss“, dem eigentlichen Machtzentrum der Partei und damit Chinas, rückte, ist in der Partei nichts mehr so wie es einmal war. (1)

Es geht um Bo Xilai (63), der damals Parteichef der Millionenmetropole Chongqing war, aber bereits im März dieses Amtes und kurze Zeit später auch aller anderen Parteiämter enthoben wurde. Inzwischen wurde er auch aus der Partei ausgeschlossen und wird sich in Kürze in einem juristischen Verfahren zu verantworten haben. Vor ein paar Wochen war bereits seine Frau Gu Kailai in einem Prozess des Mordes an dem Briten Neil Heywood für schuldig befunden und zum Tode verurteilt worden. Die Exekution der Todesstrafe wurde allerdings für zwei Jahre ausgesetzt und könnte danach in eine langjährige Haftstrafe umgewandelt werden. (2) Doch es gibt Ungereimtheiten in der Urteilsbegründung, die bei Beobachtern Fragen danach haben aufkommen lassen, ob sich der Mord so zugetragen hat und die Schuldfrage wirklich eindeutig aufgeklärt ist. Bo Xilai soll seine Macht missbraucht haben, um – unter anderem – den Mord an dem Briten zu vertuschen. Im Zuge der Untersuchungen wurden weitere Vergehen festgestellt, von Korruption bis hin zu „unangemessenen sexuellen Beziehungen zu mehreren Frauen“. Voraussichtlich werden nicht alle zur Anklage gebracht. Die Partei wollte den Fall Bo Xilais jedoch als Beispiel für ihren erfolgreichen Kampf gegen die Korruption darstellen. (3)

Es hatte bisher geheißen, Bo Xilais´ Prozess könne noch vor dem Parteikongress beginnen. Doch das ist unwahrscheinlich geworden, seit die New York Times am Donnerstag einen umfassend recherchierten Artikel über das versteckte Vermögen der Familie des chinesischen Premiers Wen Jiabao veröffentlichte, das diese in seiner Amtszeit angehäuft haben soll. (4) Wen Jiabao, der aus einfachen Verhältnissen stammt und sich immer als bescheidener Mann des Volkes gerierte, steht aktuell selbst am Pranger. Auf etwa 2,7 Milliarden Dollar, so schätzt die New York Times, hat die Familie von Wen Jiabao ihr Vermögen in dessen Amtszeit gesteigert. Das Vermögen der Familie von Bo Xilai wird dagegen „nur“ auf mindestens 136 Millionen Dollar geschätzt. (5) Es ist schwer vorstellbar, dass das Führungsduo Hu Jintao und Wen Jiabao den Fall des vor angeklagten Bo Xilai jetzt noch nutzen kann, um der chinesischen Bevölkerung zu demonstrieren, die Partei gehe auch gegen korrupte führende Kader entschlossen und hart vor. Hinzu kommt: Auch die Familie von Xi Jinping, dem voraussichtlichen Nachfolger Hu Jintaos im Amt des Präsidenten, konnte im Zuge von dessen politischem Aufstieg ein Vermögen aufbauen, das gemäß detaillierter Recherchen von Bloomberg auf deutlich mehr als doppelt so groß wie das der Familie von Bo Xilai geschätzt wird. (6)

Das lässt sich alles nicht so einfach gegeneinander aufrechnen und inwieweit diese Zahlen als gesichert gelten können und zudem auf Korruption und Vetternwirtschaft zurückzuführen sind, ist fraglich. Aber wie sehr Korruption und Nutzung des politischen Amts für Bereicherung die Kommunistische Partei von der Spitze bis in die tieferen Hierarchieebenen durchziehen, zeigt einmal die Tatsache, dass Chinas Internetuser mittlerweile gezielt auf korrupte Politiker Jagd machen. (7) Mehr noch zeigen dies aber Fakten bezüglich des Umfangs illegaler Kapitalabflüsse aus China als Ausfluss von Verbrechen, Korruption und Steuerflucht.

Gemäß einer aktuellen Studie sind zwischen 2000 und 2011 insgesamt 3,79 Billionen Dollar an Kapital illegal aus China abgeflossen – ein außergewöhnlich hoher Wert, der gemäß der Autoren der Studie auch ernsthafte Fragen hinsichtlich der Stabilität der chinesischen Volkswirtschaft aufwirft. Während sich die illegalen Kapitalabflüsse im Jahr 2000 auf 172,6 Milliarden Dollar summierten, waren es im Jahr 2011 602,9 Milliarden Dollar. Das Problem illegaler Kapitalabflüsse aus China hat sich eindeutig verschärft. (8)

Die Wut in der chinesischen Bevölkerung auf korrupte Parteipolitiker ist vor dem Hintergrund der auch in China tobenden Debatte um die zunehmende Einkommens- und Vermögensungleichheit groß. (9) (10) Korruption und wachsende Ungleichheit – das ist ein explosives Gemisch. Mit dem Bericht über das Vermögen der Familie von Chinas Premier droht es – trotz sofortiger Sperrung der Zugänge zu allen damit zusammenhängenden Berichten durch die chinesische Zensur – für die Kommunistische Partei noch explosiver zu werden. Mit einer Verurteilung von Bo Xilai allein lässt sich dieses Problem der Partei nun wohl nicht mehr entschärfen.

Doch für die Partei geht es so unmittelbar vor dem Führungswechsel gar nicht so sehr um das Korruptionsproblem.

Lange Zeit war der Fall Bo Xilai und seiner Frau Gu Kalai als ein außergewöhnlicher und für die chinesische Führung peinlicher Fall von Korruption und Machtmissbrauch dargestellt worden. Bo Xilai ist jedoch eine Galionsfigur des links-konservativen und in der Tradition von Mao Zedong stehenden Flügels der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) und er wurde von Jiang Zemin (86), dem einflussreichen Vorgänger Hu Jintaos unterstützt. Er hätte einen der Posten im neuen Ständigen Ausschuss des Politbüros erhalten können. Er hatte gute Aussichten. Aufgrund seiner Verwicklung in den Mordfall, der zur Verurteilung seiner Frau führte und des gegen ihn laufenden Verfahrens, ist dies nicht mehr möglich. Hu Jintao (69) und Wen Jiabao stehen dagegen für Modernisierung und wirtschaftliche Öffnung Chinas und damit in der Tradition von Deng Xiaoping.

In den letzten Wochen hat sich nun immer deutlicher herauskristallisiert, dass die Parteigrößen entlang der Linien dieser beiden Lager tief zerstritten sind über den künftigen Kurs der Partei oder anders ausgedrückt über die künftige Zusammensetzung des Ständigen Ausschusses des Politbüros. (11) Der Parteikongress beginnt folglich im Zustand einer tief gespaltenen Partei, deren Flügel heftig um den Einfluss Links-Konservativer bzw. Modernisierer auf den politischen Kurs Chinas ringen.

Zwar haben sich Ex-Präsident Jiang Zemin, Präsident Hu Jintao und Xi Jinping auf eine Kandidatenliste und auf eine Verkleinerung des Ständigen Ausschusses von neun auf sieben Mitglieder verständigt. (12) Aber weil alte Parteikader ein Vetorecht besitzen und die Auseinandersetzung an Schärfe gewonnen hat – die Veröffentlichung zum Vermögen Wen Jiabao so kurz vor dem Parteikongress könnte in diesem Zusammenhang zu sehen sein –, kann sich die Zusammensetzung des Spitzengremiums selbst im Verlaufe des Parteikongresses noch ändern. (13) Es erscheint deswegen gegenwärtig lediglich sicher, dass Xi Jinping neuer Präsident und Li Keqiang sehr wahrscheinlich neuer Premierminister werden wird.

Ob die anderen Kandidaten auf der bekanntgewordenen Kompromiss-Liste,

  • Vize-Premier Wang Qishan (64) und
  • Zhang Gaoli (65), Parteichef in Tianjin (beides Finanzmarktrefromer),
  • der Chef des machtvollen Organisationsressorts der Partei, Li Yuanchao (61),
  • Zhang Dejiang (65), der die Parteiführung in Chongqing nach Bo Xilais´ Absetzung übernommen hat und
  • der gegenwärtige Propagandaminister Liu Yunshan (65), der auch für die Überwachung des Internets zuständig ist,

am Ende alle in das Spitzengremium einziehen, ist vor dem Hintergrund der Intensität des Machtkampfes fraglich.

Doch nicht nur die politische Führung steht vor einer Erneuerung. Auch die militärische Führung Chinas steht unmittelbar vor einer umfassenden Neubesetzung. Sieben der zehn Generäle in der „Zentralen Militärkommission“, dem obersten Führungsgremium der Volksbefreiungsarmee, werden in Pension gehen. Aber auch auf den nachgeordneten militärischen Führungsebenen werden zahlreiche wichtige Posten neu besetzt. (14) An der Spitze dieser Kommission steht gegenwärtig Chinas Präsident Hu Jintao. Er selbst strebt an, diese Position auch nach Abgabe des Präsidentenamtes an Xi Jinping zu behalten. Angesichts der Kontroverse bezüglich des künftigen Kurses der politischen Führung und der damit verbundenen Unwägbarkeiten ist noch nicht sicher, ob ihm dies – so wie seinem Vorgänger im Präsidentenamt, Jiang Zemin – auch wirklich gelingt. Viele der alten Garde in der Volksbefreiungsarmee gelten zudem als loyal zu Jiang Zemin. (15) Es erscheint deswegen realistisch davon auszugehen, dass das Ringen der Modernisierer um Hu Jintao und Wen Jiabao mit den Links-konservativen um Jiang Zemin auch die künftige militärische Führung Chinas betrifft.

China wird so oder so weiterhin auf wirtschaftliche und militärische Stärke setzen. Unter dem Strich bleibt allerdings festzustellen, dass das Land angesichts der sozialen Spannungen und des zunehmend schwierigeren wirtschaftlichen Fahrwassers gerade jetzt vor enormen Herausforderungen und langfristig bedeutsamen Weichenstellungen steht, aber politisch nach innen, nicht so sehr nach außen, ein Bild tiefer Zerrissenheit und Unsicherheit über den künftigen Kurs des Landes bietet.

Der 18. Parteikongress, der am 8. November beginnt, ist deswegen ein eminent wichtiges Ereignis – auch wenn er in den Medien angesichts der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahl kaum Beachtung erfährt. Die Politik der USA steht unter dem Einfluss von erdrückenden Sachzwängen und – wie in allen westlichen Industriestaaten, nur vielleicht stärker – von Lobbyisten. Sie wird sich nicht ändern, egal wie der neue Präsident heißt. Das politische Patt wird aller Voraussicht nach bestehen bleiben. In China geht es um mehr. Die personellen Entscheidungen betreffen dort weite Kreise der politischen und militärischen Führung und werden sich im künftigen Kurs Chinas niederschlagen.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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15 KommentareKommentieren

  • Roland - 29. Oktober 2012

    Karl Marx, der glänzende Analytiker des Kapitalismus und überragende Philosoph, beim Menschen hat er sich getäuscht.
    Er ging davon aus, dass eine neue Gesellschaft auch einen NEUEN Menschen hervorbringen würde. Seit Darwin aber wissen wir leider: Der Mensch stammt vom Affen ab und trägt den genetischen Ballast des Menschenaffen mit sich herum.

    Und die sich immer wieder regenerierende Schicht von “Oberaffen” muss mit Gewaltenteilung, checks-and-balances, offener Information und Rechtsstaat im Zaum gehalten werden.

    • Roland - 29. Oktober 2012

      Nachtrag:
      Stefan, Dein Wortspiel des “beutendem” Führungswechsels trifft die Sache.

      • SLE - 30. Oktober 2012

        Das war kein Wortspiel, sondern ein übler Flüchtigkeitsfehler. Manche Fehler haben etwas Gutes. 😉

        Grüße
        SLE

    • Hans Speck - 30. Oktober 2012

      Wer heute noch an das Darwin-Märchen glaubt und KM für einen glänzenden Analytiker hält, der mal eben den gesamten Finanzsektor aus seiner “Analyse” (kam wohl von “anal”?) herausgelassen hat, sollte sich fragen, warum er sich selbst für den “besseren Affen” hält. 😉
      Leseempfehlung: Bernd Senf “Die blinden Flecken der Ökonomie”

  • Freiberufler - 29. Oktober 2012

    “Die personellen Entscheidungen betreffen dort weite Kreise der politischen und militärischen Führung und werden sich im künftigen Kurs Chinas niederschlagen.”

    Angesichts der Raffgier der Polit-Oligarchen spricht einiges dafür, dass auch in China die Personalie der Galionsfigur ohne Einfluss auf den Kurs bleibt. Dazu ein guter, alter Sozialistenspruch: “Einmal zur Macht gelangt sind sie sich alle gleich.”

  • JL - 29. Oktober 2012

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner,

    Die gegenwärtigen politischen „Grabenkämpfe“ innerhalb der chinesischen Führung sind wohl das Ergebnis der wirtschaftlichen- und damit auch sozialen- Aussichten, denen sich die Elite der KP- China wohl im klarem ist.

    Die Herausforderung dabei ist offenbar ein stabiles zukünftiges Wirtschaftswachstum bei sich gleichzeitig eintrübenden globalen Marktbedingungen und einer parallel einsetzenden Abwanderung von chinesischen Firmen nach Vietnam, da in China die Lohnstückkosten wesentlich gestiegen sind und somit die Produktion von Billigprodukten dort unrentabel macht. Dies ist durchaus gewollt, China versucht momentan wirtschaftspolitisch den „Quantensprung“ von Quantität zu Qualität. Die „Werkbank der Welt“ fliegt neuerdings ins All, durchpflügt als Flugzeugträger (wenn auch von den Russen abgekauft) das Gelbe Meer und fliegt als Tarnkappenbomber über den chinesischen Himmel.

    Aber auch in der Weltpolitik ist China mittlerweile angekommen- und ein nicht zu unterschätzender Akteur. Der Inselstreit mit Japan zum Beispiel hat sehr deutlich gemacht welches „Huhn“ federn lassen mußte. Selbst in der „heißen Phase“ des US- Wahlkampfes hört man nur noch sporadisch Forderungen nach Geldaufwertungen gegenüber Chinas.

    Man hat also die Wahl.

    Einerseits könnte man- wie bisher- weltweit expandieren, dies würde aber zunehmend „Irritationen“ bei den Amerikanern verursachen.
    Man könnte aber auch den chinesischen Dienstleistungsbereich ausbauen, nach dem der „Billiglohnsektor“ ausgelagert wurde.
    Beides für sich würde für Beschäftigung und somit für sozialen Frieden im Lande sorgen.

    Nun ja, die Chinesen währen keine Chinesen würden sie nicht beides betreiben, die Gewichtung der Strategie ist dabei für die nächste Dekade alles entscheidend. Nach dem Motto „Pakt schlägt sich, Pakt verträgt sich“ wird man wohl einen „goldenen“ Mittelweg finden- etwas anderes bleibt der KP- Chinas auch gar nicht übrig.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Insider - 30. Oktober 2012

    “Im Grunde ist Politik nichts anderes als der Kampf zwischen den Zinsbeziehern, den Nutznießern des Geld- und Bodenmonopols, einerseits und den Werktätigen, die den Zins bezahlen müssen, andererseits.”

    Das schrieb der Freiwirtschaftler Otto Valentin in einem Artikel mit dem bezeichnenden Titel „Warum alle bisherige Politik versagen musste“ im Jahr 1949. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Tatsächlich gibt es für die Menschheit gar keine Zukunft mehr, wenn es nicht endlich gelingt, die Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz (Kapitalismus) abzustellen und damit auch die hohe Politik überflüssig zu machen, die ohnehin nichts dagegen auszurichten vermag, solange unsere seit jeher fehlerhafte Geld- und Bodenordnung so ist, wie sie noch ist.

    • Hans Speck - 30. Oktober 2012

      @ insider:
      … das ist sicherlich richtig, aber ich denke wir sind uns einig, daß dieses in China wohl auch nicht demnächst geschehen wird, oder?

      Was mich am meisten fasziniert, ist der Fakt, daß nach den uns von den MSM und auch im Netz übermittelten “In-formationen” die Chinesen ihre jahrtausendealte Philosophie innerhalb von wenigen Jahren komplett weggeworfen haben sollen und nun angeblich hemmungslos dem Mammon frönen sollen.
      Wer soll das glauben?

  • klaus - 30. Oktober 2012

    China ist ja ne Diktatur, da gibt es halt bekannte Nachteile.

    Aber, – was ist mit UNS?

    http://www.n-tv.de/technik/Schwarz-Gelb-will-Zugriff-auf-Passwoerter-article7614361.html

    Inwieweit wird hier schon der Erhalt des EURO mit der Totalen Kontrolle des
    Internet gleichgesetzt.

    Und natürlich hat nicht nur das ZDF Probleme mit den bajuvarischen Gewohnheiten.

    Geht hier schon aktiv ein Wahl-Halloween vonstatten?

    Oder hat man Angst, das auch Mutti ähnlich viel Geld wie Steinbrück
    verdient hat und es nicht rauskommen darf?

    Ist das jetzt der Anfang schierer Wahlpanik?

    Na das wird wohl spätestens 2013 auf dem Land dazu führen,
    das die Bürgerwehr jedem der trüb guckt die Flinte vor der Wahl zeigt.

    Sonst fällt nicht nur der Euro.

    Orwell wäre stolz.
    😉

  • Insider - 30. Oktober 2012

    @ Hans Speck

    Eigentlich ist es egal wer die konstruktive Geldumalufsicherung und das allgemeine Bodennutzungsrecht umsetzt.

    Es muss einfach nur umgesetzt werden. Andere Länder werden folgen, weil sie enormen Synergieeffekte sehen werden.

    Die freie Marktwirtschaft ist eine durch das freie Spiel der Kräfte von Angebot und
    Nachfrage sich selbst regulierende Wirtschaftsordnung.

    Sie ist gekennzeichnet durch die stetige Proportionalität von marktwirtschaftlich erbrachter Leistung und Gegenleistung (Bezahlung).

    Die menschliche Arbeitskraft ist die knappste Ressource und es herrscht Vollbeschäftigung durch Vollinvestition, weil der Geldkreislauf stetig zirkuliert und voll geschlossen ist.

    Der Kapitalismus hat mit der Marktwirtschaft wenig zu tun und stört dieses kybernetische System in seiner Proportionalität in dem diejenigen, die von Zinsen, Renditen und Bodenrenten leben, keine konstruktive Arbeit mehr leisten und alle anderen Zinsverlierer dafür mehr arbeiten müssen, immer weniger oder gar keinen Lohn mehr bekommen. Das ist die systemische Umverteilung von der Arbeit zum Besitz.

    Die konstruktive Geldumlaufsicherung verunmöglicht die verlustfreie Geldzurückhaltung vom Markt. Deshalb ist stets die gesamte Geldmenge im Umlauf, voll investiert und vagabundiert nicht in irgendwelchen Spekulationskassen (Börsenspekulationen) und wird somit dem Geldkreislauf entzogen. Deshalb sind die heutigen Börsen dermaßen aufgebläht und haben mit der Realwirtschaft nichts mehr zu tun.

    Weil sich die globalen Geldvermögen nicht mehr reditemäßig in der Realwirtschaft unterbringen lassen, werden sie in Spekulationskassen für Börsenspekulationen liquide gehalten (moderne Geldhortung).

    Das geschieht immer dann, wenn die Liquiditätsverzichtsprämie (Nettozins) unter ca. 2,5 % sinkt. Die Geldvermögen werden nicht meht investiert. Es kommt zu deflationären Abwärtsspiralen, Massenarbeitslosigkeit, Währungs- und Wirtschaftskrisen. Dabei fangen die Volkswirtschaften an zu schrumpfen, was zur Folge hat, dass die Kapitalkosten für Kredite nicht mehr zu erwirtschaften. Es kommt systemisch zu Staatsbankrotten.

    Genau an diesem Punkt befinden wir uns seit dem Jahre 2008. Zwischenzeitliche Auf- und Abwärtsbewegungen sind zu vernachlässigen. Es geht um makroökonomische Abbildungen in ihrer Gesamtheit und nicht um irgendwelche „Strohfeuerchen“ die in den Tagesmeldungen der Mainstreammedien breitgetreten werden.
    Die hervorragenden Analysen auf dieser Seite „Querschuesse“ sprechen ihre unbestechliche und klare Sprache!

    Das Spiel ist aus. Der Kapitalismus kann keine Potenzen mehr freisetzen. Game over!

    • Hans Speck - 31. Oktober 2012

      @ Insider:

      … weitgehend einverstanden, was die Wirtschaft betrifft.

      Denke allerdings, daß es gesellschaftliche Bereiche gibt, die nicht zur Wirtschaft gehören, d.h. die auch nicht nach wirtschaftlichen Kriterien “geführt” werden dürfen – Soziales, Lokales, etc.
      Eine Stadt ist kein Unternehmen – sie hat andere Aufgaben, sie braucht keinen Mehwert schaffen.

      Auch bin ich nicht so gläubig was die Mechanismen / Kybernetik / Automatismen betrifft – da wird man erstmal ein wenig Erfahrungen sammeln müssen, ob das alles dann auch wirklich langfristig so funktioniert wie gedacht – bisher hat es ja (“dank” dem alten System) nie mehr als kurzzeitige Experimente mit solchen Dingen wie soziale Marktwirtschaft, umlaufgesichertes Geld etc. gegeben.

      Auch der “Kapilismus” war ja in seiner Anfangszeit mal etwas “Fortschrittliches” – bis er dann (wie heut deutlich sichtbar) entartete – womöglich ist auch ein “neues System” davor nicht gefeit.

      Auf jeden Fall würde ich aber den Versuch und eine offene Diskussion im gesamten Volk über die Erscheinungen befürworten, wie überhaupt die Einbeziehung aller Menschen in die gesellschaftliche Umgestaltung enorme Kräfte freisetzen würde…

      LG

  • Insider - 31. Oktober 2012

    @ Hans Speck

    Das der Kapitalismus niemals funktioniert hat, hat bereits vor über 100 Jahre der Volkswirtschaftler Prof. Dr. Gustav Ruhland anhand von über 22 verschiedenen Volkswirtschaften und über einen Zeitraum von ca. 3000 Jahtren widerspruchsfrei nachgewiesen.

    Das alte System muss durch ein neues ersetzt werden, damit die menschliche Zivilisation überhaupt ein Chance hat sich weiterzuentwickeln.

    Die Lösung kann man in dem Grundlagenbuch des Freiwirtschaftlers Otto Valentin nachlesen. Dieses Buch erläutert auch die Lösung der sozialen Frage, die sich eigendynamisch nach einigen Jahren der Vollinvestition einstellt. Soziales gibt es dann nicht mehr zu regeln, weil für alle Menschen gesorgt ist.

    Wir denken in alten überholten Strukturen und wollen das Soziale und Kulturelle usw. immer irgendwie regeln. Was wird denn heute in der Kultur im Sozialen oder in der Stadtentwicklung geregelt? Genau betrachtet geht es bei allen politischen Entscheidungen immer und ausschließlich um die Zurückverteilung von Geld, welches vorher über das Zinssystem aus dem Realwirtschaftskörper abgeflossen ist!

    In einer echten Marktwirtschaft regelt sich so etwas eigendynamisch. Man muss einfach den Perspektivwechsel vornehmen und in der Normalität denken.

    Unser Wirschaftssystem ist aber nicht normal, es ist pervertiert und krank, und das war immer so gewesen seit dem der Mensch Zinsgeld (früher Gold ) benutzt.

    Freundliche Grüße

    • SLE - 31. Oktober 2012

      “In einer echten Marktwirtschaft regelt sich so etwas eigendynamisch.”

      Ich denke, dass tut es nur unter ganz bestimmten Bedingungen auf Märkten und unter den gegenwärtigen tut es das definitiv nicht – kann es bei den Strukturen und dem Reifegrad der meisten globalen/volkswirtschaftlich bedeutenden Märkte auch nicht tun. Märkte werden – wenn man den Staat mal außen vor lässt -vom Wettbewerb reguliert. Es ist ein Irrtum anzunehmen, wie es vorherrschende Auffassung unter Ökonomen ist, Wettbewerb/Märkte seien prinzipiell selbstregulierend. In Abhängigkeit von der Entwicklung und u.a., Sättigungs- sowie Konzentrationsgrad ist die regulierende Wirkung des Wettbewerbs unterschiedlich – das gilt auch in Bezug auf seine Wachstumswirkung – und der Wettbewerb kann auch zum Erliegen kommen.

      Grüße
      SLE

  • Insider - 31. Oktober 2012

    @ SLE

    Ich schrieb nicht von irgendeinem oder dem gegenwärtigen Markt, sondern von der Marktwirtschaft, die vom Geldstreikmonopol und Bodenmonopol befreit ist.

    Ich verwies auch auf den Freiwirtschaftler Otto Valentin.

    Freundliche Grüße

  • klaus - 1. November 2012

    China wird die Nr. 1 sein. In der Militärluftfahrt !

    http://thediplomat.com/flashpoints-blog/2012/08/06/china-developing-a-2nd-stealth-fighter/

    Tja, wer wird unseren Jäger90/2000 kaufen?

    Wenn das Ding auf dem echt ist, haben die einen Tornade mit
    Stealth-Eigenschaften, der im Kampf als Luftüberlegenheitsjäger
    und Jagdbomber sogar noch in die Export-Palette wandert.
    Achso, natürlich für die Navy dazu.

    Aber wer kauft unsere Jets?

    Ist das Ende unserer Hightech zu Luft?

    Achso, Simulator zum Training dürften die ebenso bauen können.

    Da könnte unsere Bundeswehr sicher billiger bestellen,
    anstatt so viel Steuergeld in diesen Sektor zu pumpen.

    😉