Deutschland: Exporte mit +14,9% zum Vormonat

DeutschlandWie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag berichtete, sind die deutschen Exporte von Waren und Gütern saisonbereinigt um +14,9% zum Vormonat gestiegen, um die höchste Rate seit August 1990. Diese Daten wurden von den Medien begierig aufgegriffen und es wurde etwas Optimismus verbreitet.

Das soll hier aber gar nicht der Punkt sein, ob diese Erholung nur einen Nachholeffekt impliziert oder Nachhaltigkeit, …..denn gute Stimmung ist immer gut 🙂

Die Entwicklung der unbereinigten Originaldaten bei den gesamten Exporten von Waren und Gütern in Mrd. Euro seit Januar 1990 im Chart.

Die Exporte (unbereinigte Originaldaten) sind im Juni 2020 zum Vorjahresmonat um -9,4% gesunken, auf 96,1 Mrd. Euro. Die Importe sanken um -10,0% zum Vorjahresmonat, auf 80,5 Mrd. Euro. Der Handelsbilanzüberschuss betrug +15,6 Mrd. Euro und der Leistungsbilanzüberschuss betrug +22,4 Mrd. Euro.

Und jetzt kommen wir zu diesem Punkt:

Die Entwicklung der monatlichen deutschen Leistungsbilanz seit Januar 1956 im Chart. Im Juni 2020 lag der Leistungsbilanzüberschuss bei +22,4 Mrd. Euro.

Noch der entscheidende Blick auf die kumulierte monatliche Leistungsbilanz seit Januar 1956:

Die Entwicklung der kumulierten deutschen Leistungsbilanz in Euro seit Januar 1956 im Chart. Bis Juni 2020 kumulierte sich ein Leistungsbilanzüberschuss von +3294 Mrd. Euro! 

Vernachlässigen wir einmal, ob Deutschland wieder den Pfad exzessiver Überschüsse aufnehmen kann oder ob der Nimbus des Exportweltmeisters Stück für Stück gebrochen wird. ….Aus dem bisherigen endlosen Strom an Leistungsbilanzüberschüssen hat dieses Land wenig gemacht, weder seine Infrastruktur noch andere wichtige Dinge, wie vor allem die Zukunftsfähigkeit nach vorne gebracht. Es wurden letztlich primär monetäre Forderungen angehäuft, mit Krediten, Hilfen und anderem wurden u.a. die eigenen Exporte, die EU, die Eurozone und der Euro am Leben gehalten. Was aber eben nicht geschah, es wurde in dem Land, in dem wir gut und gerne leben, kein zusätzlicher Wohlstand geschaffen. Ein kurzer Blick auf das mediane Vermögen im Vergleich lässt Schamesröte aufkommen:

Das mediane Haushaltsvermögen in Euro im Vergleich, einiger ausgewählter Länder der EU. Oh Schreck, selbst Polen ist in Teilen vorbeigezogen, mit 65800 Euro…., an den Ostdeutschen, die nur 26700 Euro an Geld- und Sachvermögen besitzen (Westdeutsche 123300 Euro). Für Deutschland ergeben sich insgesamt 86500 Euro, von Jahrzehnten exzessiver Leistungsbilanzüberschüsse ist nichts zu sehen, kam schlicht im Median betrachtet nie beim Volk an.

Noch trauriger sieht es aus, beim selbstgenutzen Wohneigentum, nur 43,9% der Deutschen wohnen in der eigenen Wohnung, abgeschlagen liegt Deutschland hinten, trotz Rekordüberschüsse.

Quellen Daten:

Destatis.de/Pressemitteilung Nr. 295 vom 7. August 2020

Ecb.europa.eu/economic-research/Household Finance and Consumption Network (HFCN)

Kontakt: info@querschuesse.de

28 Antworten zu “Deutschland: Exporte mit +14,9% zum Vormonat”

  1. Lohnzurückhaltung in einer globalisierten Wirtschaft führt offenbar dazu, dass die Unternehmensgewinne global verfrühstückt werden, während auf nationaler Ebene der Wohlstand der Bevölkerung sinkt. Wer um die billigste Arbeit konkurriert, verarmt (Preisnehmermärkte). Politik und globalisierten Unternehmenseigentümer arbeiten da Hand in Hand, dass D immer mehr Preissetzermärkte anderen überlässt. Zudem verhindert diese Politik der Lohnzurückhaltung, dass im Binnenmarkt Binnennachfrage entsteht, die eine wesentliche Voraussetzung für innovative Unternehmensgründungen sind. In D trifft ein Startup auf eine deutlich reduzierte Nachfrage = in weiten Teilen arme Bevölkerung, so dass es natürlich viel schwieriger ist, Gewinne zu generieren. In einer verarmten Bevölkerung ist es zudem sehr viel schwieriger, das erforderliche Startkapital zu generieren.
    IMHO führt Lohnzurückhaltung in einer globalisierten Wirtschafsstruktur langfristig zu einem Standortnachteil. 50 % der Aktien des DAX befinden sich in ausländischer Hand.
    So wirklich leid, tut mir der Michel mit seiner Mütze aber nicht, solange er alles weiter (er-) trägt.
    D ist auf dem Weg von einem im Median armen Land hin zu einem ärmeren Land. Alles politisch gewollt und von der Bevölkerung mitgetragen.

    1. Guten Morgen Marja,

      ich verfolge Ihre Beiträge immer mit sehr viel Interesse, da sie in der Regel sehr stimmig sind. Im o.a. Beitrag haben Sie den Istzustand beschrieben.
      Ich frage mich immer, die Probleme sind seit Jahren bekannt, Lösungsansätze ebenso.

      Hat überhaupt jemand Intersse, diesen Zustand wenigstens abzumildern?
      Platt gesagt, das oberste Zehntel wohl nicht, die Mittelschicht kämpft darum Mitelschicht zu bleiben, die Arbeitnehmerschaft ist so unsolidarisch, dass keine Massenbewegung entstehen kann.

      Also the same procedure as every year…..

      1. Ich finde, es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Es ist, als sei Dummheit in politischen Organisationen ansteckend. Das ist auch deshalb nicht falsch, weil dort, wo Dummheit regiert, Intelligenz eine Bedrohung darstellt und von den Dummen bekämpft wird.

        Ich höre immer, “man muss das richtig kommunizieren”, heißt, man muss das Falsche nur immer wieder wiederholen. Wie in der Kirche (dann ist es zum Missbrauch nicht gekommen). Schönreden also.

        Am Ende ist es wie bei VW. Wenn Firmenpolitik ist, auf Fortschritt durch Technik zu verzichten und stattdessen das Geld ins Marketing zu stecken, kann man auf dem absteigenden Ast noch einige Jahre Geld verdienen, bis innovative Konkurrenten den Markt besetzen.

        Die Dummheit kommt nämlich nicht selten zusammen mit der Faulheit, nicht nur in Espelkamp. Warum etwas erarbeiten, wenn man es auch rauben kann?

        Ich rede hier nicht antidemokratischen Haltungen das Wort. Wer mich kennt, weiß das. Ich denke aber, dass die Strukturen schwer erschüttert werden müssen, bis sich etwas bessert. Schon alleine deshalb sehe ich die aktuelle Wirtschaftsentwicklung nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance. Man muss und kann sich nur selbst vorbereiten.

        Die schweren Probleme sind noch nicht in D, sondern IMHO in den USA. Dort sieht man den inneren Zerfall. Ein Zeichen des inneren Zerfall ist auch ein Zerfall einer zielführenden Kommunikation. Mit dem Zerfall der Wirtschaft kommt es zum Zerfall der Kultur. Aus einer Hochkultur, ein Zusammenleben wie in einer Bananenrepublik. Und der zunehmende Zerfall in den USA ist unübersehbar (Opiatkrise, Coronakrise, Massenarbeitslosigkeit, punktuell seit Wochen Bürgerkrieg, Politik versagen z. B. in der Sozialpolitik und Außenpolitik). Indem die Vasallen versuchen, den Hegemon zu stützen, steigen die Kosten . Denn insuffiziente Strukturen haben hohe Unterhaltskosten. Ich erwarte, dass die USA von Innen kollabieren. Wirtschaftlich wird das einem Ausbruch des Yellowstone gleichkommen. Die Stützung des Hegemon seit 1972/1980 (Vietnam/Reagonomics). Bis dahin wird es immer reaktionärer (i. S. einer massiven, wirtschaftlich ineffizienten Stützung vorhandener Strukturen) , erst danach ist Besserung möglich.

        Zusammengefasst: Wir sehen im “Westen” eine Zombifizierung der politischen Strukturen, schlimmer als, aber einhergehend mit der Zombifizierung der Wirtschaft.

        1. Zerfallen die bestimmenden Konzerne dieser Welt?
          Wohl eher nein, denn das sind die großen Digitalplayer und die profitieren tatsächlich momentan enorm und gewinnen dadurch immer mehr echte politische Macht. Ich fürchte sogar fast, dass der Punkt, wo man sie noch einhegen konnte, längst überschritten ist. Diesen Konzernen ist es sogar egal, ob ihre “Heimatländer” im Chaos versinken oder nicht. Ihr Geschäft berüht das nur punktuell, da sie keine lokale Bindung brauchen.
          Gerade wieder bei Fefe gelesen: Google Home Geräte schnorcheln alles an Audosignalen ab, was sie erfassen können. Konsequenzen? Null! Wo sollten sie auch herkommen. Google hat faktisch mehr macht als jeder Poltiker dieser Erde und es würde mich auch nicht wundern, wenn sie über die Mehrzahl dieser Politiker potenziell kompromitierendes Material haben. Ich fürchte wir als Menschheit werden mal wieder erst lernen, wenn das alles in einer Katastrophe geendet hat.

          1. Wenn die politische Ordnung im formalen Heimatstaat des Unternehmens zerfällt, wird es auch für die Unternehmen schwierig. Dass in den USA TikTok verboten wird, hat vielleicht auch mit dem Verfall von Facebook zu tun. Ich sehe nur, dass nur noch Grauhaarige Fratzenbuch nutzen.

            1. Microsoft, Google, Amazon… alle haben ein richtig gutes Wachstum und sie sind längst in unserer aller Leben eingedrungen. Sie sammeln ohne Ende Daten und halten sich dabei noch nicht mal an die laxen Gesetze. Wenn sie mit sowas auffliegen, dann passiertt praktisch nie etwas.
              Bei google ist es jetzt schon das zweite Mal. Davor war es das GPS Tracking, was sie bei den Androids trotz Verweigerung der Nutzer abgreifen. Diese Daten lassen Rückschlüsse bis tief in die Privatsphäre hinein zu.

          2. “Diesen Konzernen ist es sogar egal, ob ihre “Heimatländer” im Chaos versinken oder nicht. Ihr Geschäft berüht das nur punktuell, da sie keine lokale Bindung brauchen.”

            So ist es. Roosevelt in den 30er Jahren und die ihm folgenden Demokraten im Weißen Haus haben den Reichen schwer zugesetzt. Erst Reagan schuf Abhilfe.

            Auszug:
            “Als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise wurde der Satz 1932 erst auf 63 % und dann im Zuge des Zweiten Weltkrieges kontinuierlich auf seinen Höchstsatz von 94 % für Einkommen über 200.000 US-Dollar erhöht. Der Spitzensteuersatz blieb bis 1964 über 90 %, wurde dann aber auf 70 % gesenkt. Unter der Regierung des republikanischen Präsidenten Ronald Reagan, der mit Steuersenkungen und einer umfassenden Steuerreform in den Wahlkampf 1980 ging, wurde der Spitzensatz 1982 erst auf 50 % und 1988 schließlich auf 28 % reduziert.

            aus
            https://de.wikipedia.org/wiki/Einkommensteuer_(Vereinigte_Staaten)

            So entschieden die Reichen. Das was damals geschah sollte nie mehr geschehen. Also forcierten die Eliten (Reiche, ihnen verpflichtete und nahestehende Politiker und Hilfskräfte wie Rechtsanwälte und Steuerberater) die weitere Einrichtung von Steueroasen. Schön verteilt über den ganzen Erdball.
            Natürlich mit Bankgeheimnis, weitgehender Verschwiegenheit und, nicht zu vergessen, mit niedrigsten Steuersätzen.
            Heutzutage kann es sich kein Großunternehmen mehr erlauben auf die Dienste derartiger Oasen zu verzichten. Selbst der VW Konzern besitzt in Steueroasen diverse Niederlassungen. Und das obwohl das Land Niedersachsen Anteilseigner des Konzern ist (20 % der Stammaktien).

            Aber Hauptnutzen aus den Steueroasen ziehen Privatpersonen, die dort ihr Vermögen vor dem Zugriff von Finanzministern in Sicherheit gebracht haben. Sie sind natürlich auch jene, denen wiederum nennenswerte Anteile an Aktiengesellschaften gehören. Oft über intransparente Gesellschaften, die wiederum in Steueroasen beheimatet sind.
            Ein Politiker der offen diese Strukturen angreift, muss mit Gegenwehr rechnen. Und wer diese Steueroasen-Klientel kennt, weiß wozu sie fähig sind.
            Aber schon im Vorfeld werden die Zwingen gezeigt.
            Du willst mich höher besteuern? OK. Dann ziehe ich halt meine Firmen aus deinem Ort, Kreis, Land ab. Dann erkläre du anschließend deinen Wählern warum das geschah.
            Das alles hat mit einer fairen Wirtschaft, geschweige denn Marktwirtschaft, noch irgend etwas zu tun. Das ist einfach nur die Macht des angeblich Stärkeren.
            Der Satz von Buffet über den Krieg der Klassen ist ja hier bekannt.

            Um diese von allem abgehobene Klasse überhaupt noch in Verlegenheit zu setzen, sehe ich nur die Einführung von Negativzinsen. Die würden die Oasen binnen weniger Jahre, sehr wirksam trocken legen.
            Das das nicht ohne Gegenwehr abginge, ist klar. Aber zumindest einen Versuch wäre es wert, der ausgebeuteten Menschen und des Friedens willen.

            1. Warum sollten die Konzentrationsprozesse bei Marktanteilen, Einkommmen, Vermögen und damit bei Macht durch Negativzinsen gestoppt oder gar umgekehrt werden?

              Die Ursache für die Konzentrationsprozesse ist die Streuung beim Erfolg = den Renditen über Population und Zeit. Und zwar vollkommen unabhängig davon wo der Mittelwert um diese Streuung liegt. Also unabhängig davon ob das Gesamtgebilde wächst, stagniert oder schrumpft.

              Seit dem niedrigste Zinsen modern sind, bewerben die Banken verstärkt alternative “Investitionen” mit dem Erfolg, dass immer mehr Gelder in die Transaktionskassen der “Kapitalmärkte” = riesiger Verschiebebahnhof bestehender Vermögenswerte = unproduktive Nullsummenspiele mit extrem stark streuenden Erfolgen/Renditen (Totalverlust bis VerXfachung in einem Tag) fliessen und dort nicht nur die Konzentrationsprozesse beschleunigen sondern auch der Realwirtschaft immer mehr Mittel entzieht. Das ändert man meiner Meinung nach nicht mit negativen Zinsen. Das wirkt beschleunigend.

            2. “Seit dem niedrigste Zinsen modern sind, bewerben die Banken verstärkt alternative “Investitionen” mit dem Erfolg, dass immer mehr Gelder in die Transaktionskassen der “Kapitalmärkte” = riesiger Verschiebebahnhof bestehender Vermögenswerte = unproduktive Nullsummenspiele mit extrem stark streuenden Erfolgen/Renditen (Totalverlust bis VerXfachung in einem Tag) fliessen und dort nicht nur die Konzentrationsprozesse beschleunigen sondern auch der Realwirtschaft immer mehr Mittel entzieht. Das ändert man meiner Meinung nach nicht mit negativen Zinsen. Das wirkt beschleunigend.”

              Das es mittlerweile gigantische Vermögenswerte gibt, die nach ertragreicher Anlage suchen hat doch nicht nur mit den Banken zu tun, die derartige Kapitalanlagen vermarkten. Vielmehr ist es Symptom unseres Geldwesens, das die Vermögen immer mehr ansteigen. Positiver Zins und entsprechender Zinseszins sind die Treibstoffe. Grundlage ist immer der Basiszinssatz der Notenbank. Auch Dividenden und Mieterträge sind von diesem abhängig.
              Das ein positiver Zins und entsprechender Zinseszins über Jahrzehnte teils abenteuerliche Steigungsraten erzielen können, ist dir ja bekannt.

              Doch sag mir: wo soll nun bei negativen Zins (ich gebe mal 6% vor) Vermögenswachstum herkommen. Jedenfalls nicht vom Zins. Und wenn der Wettbewerb dank Negativzinsen auf Dauer wieder richtig funktionieren sollte, auch nicht von den Dividenden und Mieten. Und ob Spekulation im heutigen Sinne dann noch funktioniert, würde ich doch sehr bezweifeln.
              Negativzinsen sorgen nämlich für die Herausgabe von Geld.
              Warren Buffett könnte dann ohne nennenswerte Verluste nicht solch gigantische Barvermögen halten, wie er
              es derzeit tut. Alle möglichen Spekulationskassen würden so nach und nach aufgelöst. Müssten sich eine Anlage suchen.
              Durch Negativzinsen hätte Geld einen ähnlichen Angebotsdruck wie Waren (Stichwort: Verderb oder Lagerkosten) oder die Arbeitskraft Einzelner.

              Und was nicht zu verachten ist, die Notenbank müsste dann, wegen der zunehmenden Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und der damit in Zusammenhang stehenden Preissteigerung, die sich im Verbraucherpreisindex niederschlagen würde, reagieren.
              Wie wohl? Nun, sie würde dem Markt Geld entziehen. Müsste es sogar, lt. ihren Statuten.
              Auf welche Weise sollen dann Negativzinsen auf die Kapitalbildung beschleunigend wirken?

            3. “Durch Negativzinsen hätte Geld einen ähnlichen Angebotsdruck wie Waren (Stichwort: Verderb oder Lagerkosten) oder die Arbeitskraft Einzelner.”
              Ich denke der Angebotsdruck besteht bereits durch die Inflation der Geldmengen. Jedem dürfte inzwischen klar sein, dass Geld als Wertspeicher eher zweifelhaft ist, wenn Notenbanken und Geschäftsbanken die Geldmengen so inflationieren, wie sie es in der Vergangenheit getan haben.
              Der Ertragswert/Realzins von Geld auf irgendeinem Konto ist bereits seit Jahren unter Null. Und um dem Problem dieser Entwertung zu entgehen, bieten die Banken und andere Finanzheinis den Inhabern grosser Guthaben “Lösungen” an, die zu einem sehr grossen Teil auf die Teilnahme an einem Nullsummenspiel hinauslaufen. D.h. Geld und bestehende Vermögenswerte werden wie verrückt hin und her geschoben. Das Geld verschwindet dabei aber nicht, da es fast nie die Hände eines Schuldners erreicht, der damit seine Schulden tilgt. Im Gegenteil es entsteht ein Sog in die Transaktionskassen dieser Veranstaltung. Der Umfang des Spektakels wird sehr eindrücklich in dem Buch “Geld arbeitet nicht” von Hauke Fürstenwerth beschrieben. Und es hat u.a. zu einer nie dagewesenen Aufblähung dieser “Märkte” geführt, sowie die Preise für bestehende knappe reale Vermögenswerte wie Immobilien, Firmenanteile, Edelmetalle etc. in z.T. absurde Höhen getrieben. Gleichzeitig haben die Investitionen, die in produktive Einrichtungen geflossen sind, die Produktivtät erhöht und Kostensenkungswettläufe weiter befeuert, was sich in relativ stabilen Preisen für Konsumgüter äussert.
              Negative Zinsen werden diese Trends meiner Meinung nach eher verstärken als stoppen oder gar umkehren. Insbesonder dann, wenn Kreditzinsen ebenfalls ins Negative bewegt werden. Oder soll bei -6% Habenzinsen der Sollzins positiv bleiben und so das Einkommen der Banken aus Zinsdifferenzgeschäften vervielfacht werden?

            4. Guter Punkt Georg: “Jedem dürfte inzwischen klar sein, dass Geld als Wertspeicher eher zweifelhaft ist, wenn Notenbanken und Geschäftsbanken die Geldmengen so inflationieren, wie sie es in der Vergangenheit getan haben.”

              Deswegen steigen ja seit Jahren die Assetpreise, das dürfte bei negativen Zinsen noch weiter zunehmen… Dann ginge auch Buffet all in.

            5. An Georg Trappe 18.14

              “Ich denke der Angebotsdruck besteht bereits durch die Inflation der Geldmengen.”

              Warum investiert Buffett dann nicht?

              Deshalb:
              https://de.wikipedia.org/wiki/Liquiditätsprämie

              “Das Geld verschwindet dabei aber nicht, da es fast nie die Hände eines Schuldners erreicht, der damit seine Schulden tilgt.”

              Dafür ja die Negativzinsen. Sie verteilen um, von den alimentierten Geldbesitzern (Rentiers) zu den Arbeitnehmern und Unternehmen. Und natürlich gilt der negative Basiszinssatz auch für Kredite.

              Da erzeugt er besondere Wirkung. Versetze dich doch in die Situation eines Unternehmers der Expandieren möchte und dies mangels genügend eigenem Kapital mit Krediten bewältigen muss. Eine Abzahlung des Kredits im Negativzinsregime (angenommene 6 %) wird ihm wesentlich leichter fallen als Heutzutage mit noch immer positivem Zinssatz.
              Gegenüber heute hätte er erhebliche Kostenersparnisse. Die wird er weitergeben. Wie alle Unternehmen auch. Gewaltige Beträge an versteckten Zinsen, die bisher der Endverbraucher bezahlt hat, werden frei. Deshalb auch der erwartete Konsumboom. Dem ein Investitionsboom folgen dürfte.
              Das Problem hat der Geldanleger. Er wird einen Weg suchen sein Vermögen wie bisher weiter zu vermehren und wird feststellen, das dies nicht mehr so einfach geht. Wer sagt dir das Edelmetalle langfristig wertvoll bleiben. Und wer Geld für Schmuck ausgeben will – bitteschön. Haben wenigstens die Juweliere was von. Und natürlich kann man Aktien kaufen. Aber auch die werden ein Risiko beinhalten. Wer weiß schon ob der Kurs steigt. Heutzutage tut er es doch nur weil die Notenbanken die berechtigte Angst haben ein Crash auf dem Aktienmarkt könnte das ganze Finanzsystem hinwegfegen und sie deshalb Unsummen in die Vermögensmärkte pumpen.

              Ließ nochmal nach:
              Und was nicht zu verachten ist, die Notenbank müsste dann, wegen der zunehmenden Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und der damit in Zusammenhang stehenden Preissteigerung, die sich im Verbraucherpreisindex niederschlagen würde, reagieren.
              Wie wohl? Nun, sie würde dem Markt Geld entziehen. Müsste es sogar, lt. ihren Statuten.

              Dem Finanzmarkt würde also Geld entzogen. Je mehr von den Rentiers bei den Arbeitnehmern und Unternehmern landet, desto mehr. Die Notenbank wäre endlich wieder in der Lage normalisierte Verhältnisse zu schaffen.

      1. @ Hartwig

        Ob das Zahlenwerk genau passt, kann ich nicht beurteilen. Sollte aber an die Wahrscheinlichkeit rankommen.

        https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/dax-firmen-gehoeren-mehrheitlich-auslaendern-rueckzug-deutscher-anleger-a-1274363.html

        Mehr als die Hälfte aller Dax-Aktien in ausländischen Depots

        Der Grund für die steigenden Dividendenzahlungen an ausländische Anleger: Ausländische Investoren haben ihr Engagement im Dax im vergangenen Jahr weiter erhöht. Derzeit befindet sich mehr als jede zweite Aktie eines Dax-Unternehmens in ausländischen Depots: 55 Prozent der Aktien lassen sich ausländischen Investoren zuordnen, vor einem Jahr lag der Anteil bei 54,5 Prozent.

        Investoren aus Deutschland hielten dagegen im Schnitt 33,2 Prozent der Anteile – ein Rückgang um 1,1 Prozentpunkte. Nicht zuordnen lassen sich derzeit 11,8 Prozent der Dax-Anteile.

        Aktuell liegen bei den Unternehmen, die entsprechende Angaben machen, durchschnittlich 26,2 Prozent der Aktien in den Depots von Investoren aus dem europäischen Ausland – das sind 1,4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr – und 22,3 Prozent bei nordamerikanischen Investoren, was einem Zuwachs um 0,2 Prozentpunkte entspricht.

        Hinweis: hier handelt es sich um Dividenzahlungen, nicht um die Vermögenswerte.

        1. Bei fünf Dax-Unternehmen sind gemäß den aktuellen Geschäftsberichten mehr als 70 Prozent der ausgegebenen Aktien in ausländischer Hand (Adidas, Deutsche Börse, Linde, Infineon und Bayer). Insgesamt 19 Unternehmen sind zu mindestens 50 Prozent im Besitz ausländischer Aktionäre.

          Steht selbst in dem Spiegelartikel. Ich gehe von 2/3 aus. Und die Zahl nennst Du ja auch
          “Investoren aus Deutschland hielten dagegen im Schnitt 33,2 Prozent der Anteile ”

          Da müsste man noch den Anteil rausrechnen, den Ausländer an deutschen Investoren halten – aber das Bild ist auch so eindeutig.

    2. Wesentlicher Aspekt dürfte das Nicht-Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge sein. Wenn dann noch Ideologie in Form von Unternehmerfeindlichkeit dazu stößt, war es das. Viele junge Menschen denken bereits an einen sicheren Job im Staatsdienst, was aber kein rein deutsches Problem ist. Vielleicht eines des Sozialismus. Vielleicht sollte man das Beamtentum massiv reduzieren, damit sich diese Idee gar nicht erst festsetzen kann. Andererseits ist es menschlich, dass die Leute erstmal die Köpfe einziehen, wenn es schlechter läuft. Ich tue mich immer schwer damit, den kleinen Leuten einen Vorwurf zu machen, wenn es noch nicht einmal die Großen gebacken kriegen.

      Wenn ich mir die Kumulierte Leistungsbilanz (Grafik 3) anschaue, wird deutlich, dass sich diese bis 2001 einigermaßen im Rahmen hielt. Die heutigen Probleme sehe ich im Zusammenhang mit der Einführung des Euro. Die Konjunktur im Lande schwächelte gewaltig, Hartz IV wurde eingeführt und das Lohnniveau sank kräftig.
      Demzufolge wäre eine Lösung in der Rückkehr zu adäquaten Löhnen zu suchen. Dieser Zug ist aber m. E. spätestens mit Jahresbeginn abgefahren.
      So müssen wir halt warten, bis der Michel aufwacht und / oder nationale Währungen wieder eingeführt werden. Da das in D-Land aber nicht zu erwarten ist, sollte man vielleicht mal nach Italien schauen. Die Veränderungen dürften wohl von außen kommen.

    3. Moin Marja,

      ich stimme die weitesgehend zu, aber das mit der Auswertung der Lohnzurückhaltung stimmt nur eingeränkt, finde ich. Schau mal wann die kummulierten Leistungsbilanzüberschüsse anfangen durch die Decke zu gehen. Das ist so ab 2003.

      Nach 1999 gingen sie erst mal runter. Was war da? Richtig. Die Wechselkurse für den Euro wurden festgezurrt. Nach ziemlich einhelliger Meinung der Volkswirte ist Deutschlands DM dabei etwas überbewertet worden. In Folge drehten die Exportüberschüsse ins Minus. Nach 4 Jahren Lohnzurückhaltung war eigentlich alles wieder im Lot.

      Dann kam Schröder und Joschka mit Hartz4, beschlossen 2003 in Kraft seit 2005. Durch die Schwächung der Gewerkschaft, da nun Leiharbeit und Werkverträge sich inflationsartig ausbreiteten und die Pflicht jede Arbeit anzuhemen sanken die Reallöhne

      https://de.statista.com/infografik/18200/entwicklung-der-haushaltseinkommen-in-deutschland/

      da nun Abwertung im Euro nicht mehr möglich war und in den Südländern die Reallöhne stiegen, drehten die Exporte so richtig auf, da Deutschland immer billiger wurde. Solange noch überall Wachstum war, ging das noch einigermaßen gut. In der Krise von 2009 konnte der Süden nicht mehr mithalten.

      Darlehn wollten sich die Banken im Euroraum nun nicht mehr geben, also lief alles nur noch über Target2. Ab da explodierte dann auch Target2.

      Der Euro ist total dysfunktional. Solange die Exporterfolge durch Lohnzurückhaltung durch die Aufwertung der DM wieder “eingefangen” wurden war für Arbeitnehmer noch so halbwegs alles im Lot. Trotz Lohnzurückhaltung hatten sie größtenteils mehr in der Lohntüte, da die DM gegenüber Lira und Drachme aufwertete. Urlaub im Süden war “billig” für Deutsche und Importware insbesondere Elektronik relativ gesehen günstiger.

      Der Euro funktioniert hinten und vorne nicht. Hier buckeln die Massen ohne einen wirklichen Gegenwert zu bekommen und im Süden galoppiert die Jugendarbeistlosigkeit. Zuletzt nur gemildert durch Auswanderung der Jugend.

      Ein Trauerspiel von vorne bis hinten.

      Gruß Jens

  2. Man muss natürlich solche Vergleiche auch kritisch sehen. Wenn ein Haus in Uelsen (Bentheim) 200.000,- Eur kostet, das im benachbarten Emmen (NL) 500.000,- kostet, dann liegen die Vermögensunterschiede in der unterschiedlichen Bewertung. Mit der Folge, dass die Bäckereifachverkäuferin in Uelsen permanent zwischen holländisch und deutsch wechselt. Die Niederländer treibt es da natürlich über die Grenze, weil billiger. Da ist die Eigentumsquote aussagefähiger. Das sieht man schön an Luxemburg und Ungarn im Vgl. zu D.

  3. Polen, Tschechei und Slowakei rechnen sich professionell im EU System arm. Davon profitieren diese Länder erheblich. So haben massenweise Polen Wohneigentum, sind aber angeblich noch hinter D beim Vermögen. Wer es denn glauben will. Bitte.

    1. Das freut mich für Niedersachsen.

      Passt zum Thema.
      Nix investiert. Selbst für die Daseinsvorsorge zu klüngelig.

      Und auch so eindeutig der Bürger schuld. Nicht dass die Landwirte zuviel Wasser verbrauchen – Neeeein. Die sind inzwischen Weizenexporteure. Aber daran liegt das nicht. Auf keinen Fall. Wir sind schuld. Alles klar.

    2. Naja, wenn man jahrgundertelang Moore, Auen und Feuchtgebiete trockenlegt um immer mehr wasserintensive und industriealisierte Landwirtschaft zu betreiben kommt sowas schon mal vor.
      Was mich am meisten wundert ist die Hysterie ums Klima die immer wieder aufflammt.
      Dieser Bericht ist von ZON. Thema: Klima und seine Folgen.
      Dieser Bericht ist auch schon 60 Jahre alt, er könnte aber gestern geschrieben worden sein!
      https://www.zeit.de/1961/43/leben-wir-am-ende-der-eiszeit
      Erkenntnise und Handlungen sind eben zwei paar verschiedene Schuhe!
      Überhaupt, da stellt sich doch die Frage, wer uns die letzten 60 Jahre regiert hat und warum die Situation so ist wie sie ist!
      Also die AfD ist es schon mal nicht!
      Wir haben hier in unserem Dorf (990E) gerademal noch zwei Vollerwerbsbauern. Diese Beiden produzieren mit Sicherheit mehr wie vor 60 Jahren , als die 30-40 Bauern die wir damals noch hatten. Selbst der Mondscheinbauer ist am Aussterben, einfach deswegen, weil der Aufwand zu groß geworden ist und nur noch mit zeitgemäßen Großgerät wirtschaftlich gearbeitet werden kann.
      Unsere Probleme sind in erster Linie systembedingt! Diese haben sich in Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten aufgetürmt und alle Zeichen stehen trotzdem auf ein weiter so.
      Als armer kleiner Tor bleibt einem nur die Anpassung und eventuell vermeintliche Opposition zu betreiben.

      1. Nachtrag:
        Ich habe damals in den frühen 1980ern mal dieses Buch erworben.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Planet_wird_gepl%C3%BCndert
        Von Herbert Gruhl, einen Querdenker durch und durch!
        Seine Ansichten haben mich großteils geprägt.
        Leider ist es mir abhanden gekommen und im Buchahndel ist es nur noch im gebrauchten Zustand erwerbbar.
        https://www.buchfreund.de/de/d/e/9783100286017/ein-planet-wird-gepluendert-d-schreckensbilanz?bookId=97220674&gclid=Cj0KCQjwvb75BRD1ARIsAP6LcqvSVBwYbxYACXaVs9ZTAWlTEK1Bynz4gNre6vxAYhm8Q0Hg3bp4BL0aApjkEALw_wcB

        1. Laut Wiki Eintrag liest sich das anders!.
          Er sprach nie selbst, wie oft fälschlich unterstellt, von der möglichen Lösung von Überbevölkerungsproblemen in der „Dritten Welt“ durch Einsatz von Atomwaffen, sah diese zitierte Aussage aber als drastische Veranschaulichung der Gefahr an.

          Das Problem der Überbevölkerung waren bei ihm immer ein Thema. Das heißt nicht das er Zwangsmaßnahmen billigte.
          So verstehe ich das jedenfalls.
          Das er seine streitbare Person war steht außer Frage.

  4. “und dass es den Deutschen gut geht”

    Geschlossenes Forum hin oder her, aber der geht mir doch zu weit. Ich hege Sympathien dafür anzuerkennen, dass unsere Geschichte “von den Siegern” (um)geschrieben wurde und (positive) Auslöser für das letztlich unentschuldbare Handeln aller (bzw. der absoluten Mehrheit) ausgeblendet wurden. Aber die Verklärung der NS-Regierung (und hier kannst gerade DU das GIER Dir groß denken in dem Wort) zu einer humanistischen Veranstaltung zum Wohle aller des gleichen Bluten (oder Reisepasses) ist mir dann doch zu dumpf. Die Schergen der NS-ReGIERung haben Beutekunst und private Reichtümer zusammengerafft, dass Frau Merkel dagegen ganz ehrlich nach einer Mutter Theresa aussieht. Und ich mag den Hosenanzug ganz und gar nicht. Aber hier muss ich mich melden, das geht mir persönlich deutlich zu weit.

    Hinsichtlich des Grundgedanken ist es – versöhnlich von mir gemeint – sicherlich so, dass der soziale Aspekt (anfänglich, vor dem Krieg!) eine große, einende Rolle gespielt hat, direkt neben dem Nationalen. Und beides hatte zu dem Zeitpunkt eine Berechtigung in der Volksseele. Daher verstärkten sich die beiden Faktoren. Extrem links und extrem rechts treffen sich auch heute noch bei mir, da ich das als Kreis verstehe. Und sogar der Punkt mit den Briten ist ok für mich, weil stichhaltig. Nur bitte verschone mich mit Anwandlungen die klingen, als wenn Adolf nur das Beste für uns wollte. Das ist massiv dämlich, sogar aus der “ich verstehe wie wir manipuliert werden und korrigiere für mich das Narrative”-Perspektive falsch, es blendet aus, dass die Menschen schon IMMER so gestrickt waren, wir sind weder besonders gewesen noch sind wir es heute. Viele gute, oben schlechte. Mal mehr, mal weniger. Aber im Kern immer gleich, nur was sich brutal durchsetzt ist oben und brutales Durchsetzen ist NIE NIE NIE sozial, immer nur für kleine Teile der Leute. My 2 Cents.

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